Ari@D187 hat geschrieben:Ari@D187 hat geschrieben:Gerd Böhmer hat geschrieben:[...]
Demnach wäre doch die Vorbereitung auf eine militärische Aktion ab 1938 durchaus möglich gewesen, noch zumal London und Paris nach dem März 1939 Berlin gedroht hatten, weitere Aktionen nicht ohne eine Reaktion hinzunehmen.
Hier habe ich die Vermutung, das die Westmächte die Hoffnung hegten, das Deutschland trotz den Hitler-Stalin-Paktes vom August 1939 gleich gegen die UdSSR weiter marschieren würden. [...]
Stattdessen folgte der, von den Franzosen "drôle de guerre" (lustiger Krieg) genannte, "Sitzkrieg". Damit erlaubte man der deutschen Seite die Vorbereitung und den schnellen Erfolg im Westen und die damit verbundene stetige Stärkung der Position. Im Nachhinein haben wir natürlich leicht reden, klar.
Ari
Die britisch-französische Garantieerklärung für Polen sah vor, dass die beiden Parteien innerhalb von 15 Tagen selbst eine Offensive gegen Deutschland starten würden. Am 12. September wurde dann jedoch in Abbeville durch Daladier und Chamberlain beschlossen keine weiteren Kampfhandlungen gegen Deutschland durchzuführen. Noch heute wird dies in Polen als „Verrat des Westens“ angesehen. Letztlich entwickelte sich somit aus dem Überfall auf Polen ein Weltkrieg mit Millionen Toten.
Ari
Um das Ausmaß dieser Entscheidung einmal mit nackten Zahlen zu verdeutlichen: Während die Wehrmacht fast ihre gesamte Schlagkraft im Osten verfeuerte, war die deutsche Westgrenze im September 1939 eine reine Geisterkulisse. Die Franzosen standen mit über 80 voll ausgerüsteten Divisionen an der Grenze. Ihnen gegenüber standen kaum 23 drittklassige deutsche Reserve-Divisionen ohne nennenswerte Panzer oder schwere Artillerie.
Selbst der Chef des Wehrmachtführungsstabes, Alfred Jodl, gab später im Nürnberger Prozess offen zu: „Dass wir nicht bereits im Jahr 1939 zusammenbrachen, war nur dem Umstand zu verdanken, dass die französischen und britischen Divisionen im Westen vollkommen untätig blieben.“ Das Zaudern von Abbeville rettete Hitler den Kopf und schenkte der deutschen Rüstungsindustrie neun Monate Atempause, um im Mai 1940 Westeuropa zu überrennen.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur heutigen Ukraine-Hilfe:
Wer dieses historische Ur-Trauma versteht, begreift sofort die heutige, oft kompromisslose Haltung der Osteuropäer. Papiergarantien sind einfach nur wertlos. Polen hat auf die brutalste Weise gelernt, dass warme Worte und Verträge im Ernstfall nichts zählen, wenn der politische Wille fehlt. Deshalb verlässt man sich heute nicht mehr auf Lippenbekenntnisse, sondern rüstet massiv auf und fordert von Partnern absolute Klarheit.
Und zögern beendet keine Kriege, es verlängert sie. Die bittere Lektion von 1939/40 ist aktueller denn je. Wer einen Aggressor aus Angst vor Eskalation nur halbherzig ausbremst, "Sitzkriege" zulässt oder notwendige Unterstützung dosiert und verzögert, schafft keinen Frieden, sondern er gibt dem Angreifer lediglich die Zeit, sich neu zu organisieren, die Logistik anzupassen und den Flächenbrand am Ende nur noch weiter in die Länge zu ziehen.
Ari
Si vis pacem, para bellum.
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