Sie haben Ihre Stasi-Akten mal als „grotesk und abartig“ bezeichnet. Was hat Sie an dem Inhalt am meisten schockiert?
Ich habe gar nicht alles lesen können – und wollte ich auch gar nicht. So viel Schwachsinn, unfassbar! Es gab meterdicke Akten, dafür hätte es Dutzende Helfer und vermutlich Jahre gebraucht, um den ganzen Inhalt zu erfassen. Aber dass da wirklich so viele Menschen sich damit beschäftigen mussten, mich von Bäumen oder Straßenecken aus zu observieren, das fand ich einfach nur absolut weggetreten. Eine Verschwendung von Menschenzeit und -power, die sich an anderer Stelle besser hätten für den Frieden einsetzen können.
Das Mädchen aus Ost-Berlin bleibt in Ihrem Leben ein Mythos. Mal heißt es, Sie treffen sich noch, mal, Sie hätten sogar ein gemeinsames Kind. Was davon ist wahr?
Wir treffen uns noch regelmäßig, haben einen sehr guten Kontakt. Ob es einen Sohn gibt oder nicht, steht in den Sternen – und so soll das auch bleiben. Auch zu seinem Schutz. Also: Wenn es einen gibt, ist er sicher megamusikalisch, wahrscheinlich rappt er und will seine Karriere auf seine ganz eigene Weise durchziehen, nicht supported durch den großen Namen seines rätselhaften Vaters. Was übrigens wirklich ein Mythos ist: dass es nur EIN Mädchen aus Ost-Berlin in meinem Leben gab …
Hintergrund der GeschichteDie Begegnung: Lindenberg lernte Manuela Anfang der 1980er Jahre privat in Ost-Berlin kennen. Sie wurde schwanger, doch die DDR-Behörden und die Stasi verhinderten ein gemeinsames Leben.
Das Attentat der Stasi: Als Udo Lindenberg sie in Ost-Berlin besuchen wollte, um sie mit einem Verlobungsring herauszuholen, wartete dort nicht Manuela, sondern die Stasi auf ihn. Sie wurde unter Druck gesetzt, die Verbindung zu beenden, und die beiden wurden getrennt.
Der Songtext: Das Lied beschreibt die schwierigen Umstände der deutsch-deutschen Teilung, in der Treffen nur mit „Tagesschein“ möglich waren und Udo vor Mitternacht wieder im Westen sein musste, um Ärger zu vermeiden.
AZ