Serbien
Den zweiten Tag in Folge ist es bei Protesten gegen das Corona-Krisenmanagement der Regierung in Belgrad zu Ausschreitungen gekommen, kritisiert werden zu rasche Lockerungen, die den Ausbruch einer zweiten Welle begünstigt haben sollen. Die Polizei setzte am Mittwochabend in der serbischen Hauptstadt erneut Tränengas gegen Demonstranten ein, die ihrerseits Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten warfen. Am selben Abend versuchten Demonstranten, das Parlament zu stürmen.
Am Dienstag allein waren 13 Menschen gestorben, ein trauriger Rekord, seit die Seuche das Land heimsucht. Und Vucic hatte für das kommende Wochenende in Belgrad und Nis neue Ausgangssperren verhängen wollen – es war eben jener Schritt, der den Unmut zum Explodieren brachte.
Zutiefst, so sagten es Oppositionspolitiker, misstrauen die Menschen der Regierung. Sie verschleiere die wahren Zustände im Land, Zeitungsberichte hatten nahegelegt, dass die Zahlen der Infizierten und der Todesopfer wesentlich höher sind als offiziell behauptet.
Nein, eine neue Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie werde es am Wochenende "sehr wahrscheinlich" doch nicht geben. Präsident Aleksandar Vucic hatte sich beeilt, am Mittwoch die Wut zu beschwichtigen, denn hinter ihm lag eine Nacht der Gewalt. Demonstranten hatten das Parlament in Belgrad gestürmt, Autoreifen angesteckt, Rauchkerzen gezündet. Die Polizei hatte unverhältnismäßig brutal zurückgeschlagen, es gab Dutzende Verletzte auf beiden Seiten.
Doch genützt hat Vucic sein Einlenken nicht. Schon am Mittwochabend waren die Menschen wieder auf den Straßen, es flogen Steine, Knaller und Tränengaskanister. Es sind wohl die heftigsten Ausschreitungen, seit die Serben vor 20 Jahren den Diktator und Kriegsverbrecher Slobodan Milosevic stürzten.
AZ