Warum mußte Alexander Selchow sterben? (1991)
keinvergessen.wikia.com hat geschrieben:Die Tat
Der 21-jährige hatte in einem Haus in der Rosdorfer Bahnhofstraße mit Freunden Silvester gefeiert, bevor er sich kurz nach Mitternacht auf den Weg zu seiner Familie machte. In der Friedensstraße trafen Selchow und ein Freund auf die beiden 17-jährigen Nazi-Skinheads Oliver Simon und Sven Scharf, die ebenfalls in Rosdorf gefeiert hatten. Ihr Vorsatz für das neue Jahr: „Wir gehen jetzt Linke aufmischen“. Ihren vermeintlichen Feind finden sie in dem Bundeswehrsoldaten, den sie mit mehreren Messerstichen und Stiefeltritten gegen den Kopf töten. Anschließend kehren sie zur Feier zurück, berichten „wir haben einen erwischt“ und gehen schlafen.
Selchows Begleiter klingelt an einem Nachbarhaus, in dem eine Krankenschwester lebt, die erste Hilfe leistet, bis der Notarzt eintrifft. Schon kurz darauf kommt es zu Attacken der Neonazis auf die Partygäste in der Bahnhofstraße. Augenzeugen berichten: „Plötzlich stehen um 1.20 Uhr zwanzig Faschisten vor der Haustür. Sie wollen das Gebäude stürmen, werden jedoch von Polizeibeamten verscheucht. Statt nun die Faschisten zu verfolgen, um zumindest ihre Personalien festzustellen, beginnen die Beamten, die Anwesenden zu durchsuchen. Durch dieses Polizeiverhalten ermutigt, versuchen die Nazis noch weitere vier Male, die Menschen in der Bahnhofstraße anzugreifen“.
Justiz
Ab August 1991 fand die juristische Aufarbeitung der Tat zum Jahreswechsel statt: im so genannten Silvestermord-Prozess mussten sich Oliver Simon und Sven Scharf vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Wegen ihres Alters zum Tatzeitpunkt wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, die Eltern von Alexander Selchow verfolgen die Verhandlung im Gerichtssaal. Knapp ein Jahr nach der Tat wurde Simon als Haupttäter wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu einer sechsjährigen Jugendstrafe verurteilt, die Rede ist von „verminderter Schuldfähigkeit“. Sven Scharf erhielt „als Denkzettel“ vier Wochen Dauerarrest, den er aufgrund der Untersuchungshaft nicht antreten musste.
Mara












