Mehr als einen Monat lang war der Vorfall unter Verschluss: Russische Kampfjets sollen einen von Spezialeinheiten Großbritanniens und der USA genutzten Stützpunkt in Syrien angegriffen haben. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Regierungsvertreter.
Demnach hat sich der Beschuss am 16. Juni im Südosten des Landes nahe der jordanischen Grenze ereignet. Bei dem Angriff sollen Streubomben eingesetzt worden sein. Nach Informationen der Zeitung kamen fünf Zivilisten ums Leben, zwei von ihnen waren noch Kleinkinder. Dutzende weitere wurden verletzt. Erst 24 Stunden zuvor hätten etwa 20 britische Spezialkräfte den Posten verlassen.
Doch Politikwissenschaftler Peter Coates des Fachmagazins „International Affairs“ vermutet, dass Putin noch triftigere Gründe hat. Coates schreibt , dass im April mehrere Male russische Jets im Tiefflug über den in der Ostsee kreuzenden Zerstörer "Donald Cook" hinweggedonnert waren. Tatsächlich sollte auch die baltische Flotte an dem provokanten Manöver teilnehmen – doch die Offiziere weigerten sich ,derart gefährliche Befehle durchzuführen.
Von Moskau nach Hamburg
Nach sieben Jahren für SPIEGEL ONLINE in Moskau (in Wahrheit natürlich oft anderswo zwischen Chisinau und Wladiwostok) brechen wir unsere Zelte ab und ziehen nach Hamburg. Nach 2001/2002 und 2006/2007 endet meine dritte Russland-Zeit. Wenn mich Freunde und Bekannte aus meiner westdeutschen Heimat nach den ersten beiden Aufenthalten fragten, warum es mich immer wieder nach Osten zieht, dann habe ich manchmal geantwortet: Russland war immer gut zu mir.
In den vergangenen Jahren sind mir Zweifel gekommen, ob ich das wieder sagen würde. Der dumpfen Parolen wegen, die das Klima vergiftet haben, und der russischen Politik, die ohne Not wieder auf Lügen und Gewalt gesetzt hat. Es hat eine Zeit gegeben, in den zwölf Monaten nach der Krim-Annexion, da konnte man selbst mit guten, langjährigen Freunden kein Gespräch beginnen, ohne es im Streit zu beenden. Den Stand der Dinge zu beschreiben, die Dinge beim Namen zu nennen, und zugleich weiter Sympathie für Russland zu empfinden, war nicht leicht. Mir ist es nicht immer gelungen, zumindest der zweite Teil. An manchen Tagen fühlte es sich an, als würde man in einer Blase leben, so als lebte man nicht mitten in Moskau, sondern wäre nur Beobachter der Vorgänge einer völlig fremden Welt.
Mein im September erscheinendes Buch ist ein wenig auch aus dieser Verzweiflung geboren. Die Idee zu dem Projekt hatte ich während einer USA-Reise 2014. Nee, ich hatte sie nicht unternommen, um mir neue Instruktionen von der CIA einzuholen (die platzieren wir immer in einem konspirativen Mauseloch in einem Moskauer Park). Es war meine erste Amerika-Reise, 4 Wochen New York und mit dem Auto durch Kalifornien, weit weg von Krim, Ostukraine und der hysterischen Moskauer Öffentlichkeit. Die Erholung war gut. Noch besser war der Entschluss, es mit dem Buch zu versuchen. Ich wollte damit einerseits endlich einmal weg von der unappetitlichen Kreml-Politik und näher ran an die russischen Bürger. Und ich wollte für mich selbst auch gern noch einmal der Frage nachgehen, was eigentlich so ungeheuer schief gegangen ist seit 2011 in Moskau die Demonstrationen gegen Wahlfälschungen ausbrachen - und recht bald wieder verschwanden.
Das Resultat gibt's wie schon erwähnt ab September im Buchhandel (http://www.randomhouse.de/…/Benjam…/DVA-Sachbuch/e501282.rhd). Für mich steht das wichtigste Ergebnis aber schon länger fest: Die Recherchen, vor allem die unzähligen Gespräche mit den sechs Protagonisten haben den 2014-er Frust vertrieben. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen und hinzuhören.
Ich kann mir auch heute noch keinen spannenderen, wichtigeren Posten im Journalismus vorstellen als den eines Moskau-Korrespondent. Der Titel ist in Wahrheit natürlich eine bodenlose Untertreibung. Die Jobbeschreibung müsste eigentlich "Schreibender Abenteurer für All-Postsowjetistan" heißen.
Trotzdem: Nach sieben Jahren Moskau haben meine Familie und ich uns entschlossen, eine Veränderung vorzunehmen. Wir ziehen nach Hamburg, wo ich als Redakteur im Wirtschaftsressort arbeiten werde. Für mich ist das - VWL-Studium hin oder her - ein Sprung ins kalte Wasser. Ich freue mich riesig auf die Erfrischung, auch wenn uns erst jetzt so richtig klar wird, wie sehr wir Moskau lieb gewonnen hatten.
So stehe ich hier und schaue zu, wie unsere Kinder die gepackten Kisten mit unserer Habe bestaunen. Juri (3) sagt uns, wir sollten nicht traurig sein. "Wir packen sie in Hamburg alle wieder aus", sagt er. Aber natürlich sind wir trotzdem ein wenig traurig. Wie sollte es auch anders sein. Hier, in Moskau, sind unsere beiden Kinder geboren, auf die Welt geholt von der resolutesten, aber auch besten Ärztin, die man sich vorstellen kann. Aus unseren Vermietern sind Freunde geworden, aus den wunderbaren Erzieherinnen unseres Moskauer Kindergartens ebenso. Kollegen und Gesprächspartner sind Freunde geworden, und Moskau - pulsierend, roh und an seinen schönsten Orten versonnen - ist ein Stück Heimat geworden. Es ist also gar keine wirkliche Frage: Natürlich ist Russland wieder gut zu uns gewesen. Und ich wünschte mir sehr, es wäre einmal auch genauso gut zu sich selbst.


augenzeuge hat geschrieben:Ich glaube, die Russen wissen ganz genau, wen sie da mit Erdogan vor sich haben. Bei "Freund Wladimir" stellen sich bestimmt Putins Nackenhaare auf.
Es geht um Öl, Gas und etwas Show. Mehr nicht.
AZ

augenzeuge hat geschrieben:Ich glaube, die Russen wissen ganz genau, wen sie da mit Erdogan vor sich haben. Bei "Freund Wladimir" stellen sich bestimmt Putins Nackenhaare auf.
Es geht um Öl, Gas und etwas Show. Mehr nicht.
AZ
Spartacus hat geschrieben: da beist man dann halt auch mal in den sauren türkischen Apfel.
Sparta



SPD-Ministerpräsident bedient Russland-Sympathien
Doch ängstliche Rücksichtnahmen auf potenzielle Wähler sind ein Problem der SPD. So meint Sellering, auf die im Nordosten verbreiteten Sympathien für Russland eingehen zu müssen – und pusht die AfD.
Die hat das halbe Land mit dem Slogan "Russland-Sanktionen stoppen" zuplakatiert. Dem erteilt Sellering seinen Segen, indem er einen "schnellen Abbau der Sanktionen" fordert und "dem Westen" vorwirft, er lasse sich auf eine "Eskalationsspirale" ein.
http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... tiert.html
Schaut man sich das neueste Video an, in dem ein mutmaßlich aus der Ukraine Entführter mit Folterspuren im Gesicht "Geständnisse" abgibt, Terrorist zu sein, dann möchte ich nicht im Herrschaftsgebiet eines solchen Staates leben - sei denn man ist Masochist. Welche Armeen und Geheimdienste setzen für Kommandounternehmen ältere, übergewichtige Männer ein? Der Putler kann so ein "Gleiwitz-Szenario" nicht mal überzeugend kreiren.
HPA hat geschrieben:Schaut man sich das neueste Video an, in dem ein mutmaßlich aus der Ukraine Entführter mit Folterspuren im Gesicht "Geständnisse" abgibt, Terrorist zu sein, dann möchte ich nicht im Herrschaftsgebiet eines solchen Staates leben - sei denn man ist Masochist. Welche Armeen und Geheimdienste setzen für Kommandounternehmen ältere, übergewichtige Männer ein? Der Putler kann so ein "Gleiwitz-Szenario" nicht mal überzeugend kreiren.
Vor allem mit Bilderchen aus der Konserve. Oder hatten wir Anfang August Vollmond? Darüber lacht die halbe Ukraine.
Irina Schlegel hat einen guten Artikel dazu geschrieben:
https://informnapalm.org/de/diversion-a ... -passiert/
In ihrem Wertesystem ist es besser als aggressive idiotische Lügner dazustehen, als zivilisierte Menschen, die ihre Fehler einzugestehen bereit sind. Nun wird versucht, diesen „Saljot“ als eine militärisch-politische Karte auszuspielen… Erschreckend dabei ist nur eins. So wie einst die bescheuerten Schüsse in Sarajevo, können auch hier Mechanismen angeworfen werden, die nicht mehr zu lenken sind…“
![Gluecklich [grins]](./images/smilies/grins.gif)
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste