Mir ist zwar klar, daß jeder an der Grenze andere Erfahrungen gemacht hat, Anderes erlebt hat......das es sogar von Kompanie zu Kompanie Unterschiede gab, aber das Interview ist schon was Besonderes. Außenstehende werden es vielleicht weniger bemerken.
Ich habe mal den Beitrag von @Rüganer kopiert und schließe meinen an, um die Aufzählung weiterzuführen.
Rüganer hat geschrieben:Es ist so vieles seltsam in dem Interview:
Zitat: Allerdings: Zu den Grenztruppen wurden nur Söhne eingezogen, deren Eltern keine Westverwandtschaft hatten bzw. in der Partei waren. Meine Eltern hatten keine Westverwandten, und mein Vater war in der Partei.
Meine Mutter hatte 4 Schwestern drüben, die Schwester meines Onkels wohnte in Westberlin, ihr Sohn war bei der Westberliner Polizei. Trotzdem war ich an der Grenze. Wenn das, was Herr Weiß so als Dogma formuliert, auch so gewesen sein soll, wieso war ich dann da? Weder meine Mutter, noch ich waren in einer Partei.
Zitat:Für den Grenzdienst gab es strenge Regeln, deren Nichteinhaltung betraft wurde. Solche Regeln waren: Rauch- und Sprechverbot, die Schusswaffe musste immer griffbereit und geladen sein....
Sprechverbot hat es nur gegeben, wenn EK's Schweigeschichten anordneten. Geraucht haben wir wie die Schlote, Herr Weiß muss in einer anderen Truppe gedient haben. VS verbesser mich, aber eine unterladene Waffe hat ein Magazin eingeführt, eine geladene Waffe hat schon eine Mumpel im Lauf. "musste immer geladen sein" bedeutet es ist eine Patrone im Lauf - dies war nicht angeordnet und niemals der Normalfall.
Zog man denn 1973 schon mit 90 oder mehr Schuss, bzw. mit mehr als 2 gefüllten Magazinen auf? Es waren exakt 60 Schuss, die ich 1970/1971 bei mir hatte und keiner der Kompanie hatte mehr, es sei denn, er zog mit einem LMG auf, die hatten mehr, weil alleine in der Trommel waren schon 75 Schuss.
Der Jammer ist, in 30 Jahren wird man Herrn Weiß seine Aussage als Wahrheit und als absolut zutreffend ansehen, was sie ja nun wirklich nicht ist.
Zitat:In Johanngeorgenstadt wurde unsere ganze Kompanie im Rahmen eines Appells befragt, ob wir den Schießbefehl ausführen würden. Dazu wurde die Antwort vorgegeben: "Ja, das geloben wir."..........Das ist mir ganz was Neues. Es gab zwar den Fahneneid, den jeder bei der Armee ablegen mußte ( in aller Öffentlichkeit).
Aber speziell und auch nachträglich einen Eid bezüglich Schießbefehl ??????? Na ich weiß nicht..............
Zitat: Nach der Musterung bekam man lediglich den Bescheid, dass man für die Grenztruppen eingeteilt war.Das kenne ich so beim Grundwehrdienst eigentlich auch nicht. Bei uns in der Lehre wurde der Jahrgang `52 komplett zu den Panzern gemustert und mein Jahrgang, `53, zu den Pionieren. In meinem Lehrjahr war ich der Jüngste, alle anderen waren Jahrgang 1952. Die Vier aus meinem Stammbetrieb kamen ein halbes, bzw. ein Jahr nach mir ebenfalls an die Grenze (Berlin)..........gemustert jedoch zu den Panzern.
Einem Grundwehrdienstler bereits bei der Musterung zu sagen........du kommst an die Grenze ??? Hmmmmm.......
Zitat: Ich entsinne mich, dass ich in meiner ersten Politstunde, von einem Oberstleutnant gefragt wurde, weshalb wir Grenzdienst tun. Ich hatte geantwortet, dass wir den Grenzübertritt von DDR-Flüchtlingen notfalls mit der Schusswaffe verhindern sollen. Diese Antwort war total falsch und hat mir eine Note 5 im Politunterricht eingebracht. Die richtige Antwort wäre gewesen: Wir hätten Grenzdurchbrüche von West nach Ost und andere Sabotage-Akte seitens der westdeutschen Reaktionäre zu verhindern. DDR-Flüchtlinge seien Verbrecher. Sie würden von der Polizei oder den Grenzhelfern im Hinterland gestellt.DDR-Propaganda in allen Ehren. Nur hätte man es uns so vermittelt, dann hätten wir ja nur in Richtung Westen sichern müssen.........der Osten wäre tabu gewesen. Und dafür extra auf den Schießbefehl geloben ?????
Sprachgebrauch waren Grenzverletzter, egal aus welcher Richtung. Gesichert wurde hauptsächlich ins eigene Hinterland.
Zitat:Zu jedem Zug gehörten zehn Soldaten und ein Zugführer im Rang eines niederen Offiziergrades oder eines Berufssoldaten. .............An der Grenze habe ich selbst erlebt, wie ein Zugführer unserer Kompanie sich mit der Kalaschnikow erschossen hat. Es war ein Unteroffizier............Auch wenn er schreibt Berufssoldaten. Die fangen ja auch alle klein an.........aber Zugführer ein Unteroffizier ????? Die waren bei uns Gruppenführer.
Zitat:Das erste Halbjahr an der Grenze war für alle Soldaten frustrierend.Hat er alle gefragt ?
Zitat:Meine Postenführer waren fast alle Abiturienten. Denen hatte man Angst eingejagt und angedroht, dass bei Vorkommnissen, wie zum Beispiel Grenzdurchbrüchen, ein Studium nach der Armeezeit passé sei.aha, da hat man also fast ausschließlich eingeschüchterte Abiturienten zum Postenführer ( 3.Diensthalbjahr)gemacht. Logischerweise müßte ja dann das 2.Diensthalbjahr auch ausschließlich aus Abiturienten bestehen, damit man das spätere 3.Diensthalbjahr absichern kann.
Das hieße also, im Grunde haben fast nur Abiturienten die Grenze gesichert.
Zitat:Einige Abiturienten, selbst solche, die ihr Abitur mit "Sehr gut" gemacht hatten, wunderten sich beim Blick in den Westen, dass die Leute dort große Autos fuhren und freundlich waren sowie die Häuser bestens in Ordnung, im Gegensatz zu den Häusern im Grenzgebiet der DDR....na das hat er jetzt aber schön gesagt..........
Zitat: Ein Hauptgrund dafür, dass jeweils ein Postenpaar Grenzdienst hatte, war der, dass im Falle einer Grenzverletzung ein Zeuge da war, der über den Sachverhalt und das Verhalten des Anderen Aussagen machen konnte.Wenn das mit dem Sachverhalt und Verhalten nicht wäre, hätte also auch eine Person als Posten gereicht ???
Warum ein Paar in den Grenzdienst geschickt wurde, kann sich ja jeder selbst beantworten. Immerhin sollten nach Dienstschluss beide in der Kompanie erscheinen.
Zitat:In der Frühschicht gab es im Gegensatz zum Nachtdienst wenige Kontrollen seitens der Vorgesetzten. Das wussten alle Grenzer, deshalb sind früh am Morgen die meisten Dienstverletzungen passiert.komische Logik........
Wenn bei uns zum Beispiel, die Kontrollstreife an der rechten Trennungslinie begann, dann hatte sie 8 Stunden Zeit, um sich 14 km bis zur linken Trennungslinie "durchzuarbeiten".
--War ich im Bereich rechte Trennungslinie eingesetzt, wußte ich, sie wird in den ersten Stunden erscheinen. Danach hatte man Ruhe.
--War ich im Mittelbereich eingesetzt, erwartete man sie auch etwa in der Mitte der Schicht. Also davor und danach Ruhe
--war ich im Bereich linke Trennungslinie, so erwartete man die Kontrollstreife auch erst zum Ende der Schicht. Also hatte man 5-6 Stunden vorher Ruhe.
Um "Mist zu bauen" war also in jeder Schicht Zeit.
Zitat: .... es kann ja auch eine Täuschung vorliegen, eine Frau könnte sich ja auch ein Kissen untergelegt haben und die Schwangerschaft vorgetäuscht haben und deshalb müsse auch in diesem Fall geschossen werden.
.........Kinder waren bei uns kein Thema.auch Kinder waren ein Thema. Bei uns hieß es, auf Schwangere und Kinder sollte nicht geschossen werden. Ohne auf das Warum, Weswegen und Weshalb einzugehen........diese Anweisung stand.
Zitat:Man wollte, dass die Soldaten ganz schnell reagieren, sonst wäre man selbst gefährdet. Und am Anfang, jedes Rascheln einer Maus oder wenn da ein Vogel war, da ist man sofort aufgeschreckt. Die erfahrenen Grenzer, die haben sich da amüsiert, aber die Neuankömmlinge, die haben vor Angst geschwitzt ...
... und manchmal auch losgeballert? Ja. Das kam vor. –Dann war er wahrscheinlich im Wilden Westen. Bei uns hat keiner aus Angst oder wegen irgendwelcher Geräusche losgeballert.
Zitat: Es gab richtige Angsthasen – die meinten, wenn jemand kommt, so haben sie das gleich im Griff. Ich sagte dann, hier kommt niemand, ich bin ja verantwortlich, ich bin der Postenführer. – Ist das die Definition für Angsthase ?????.....einer der meint, gleich alles im Griff zu haben ????....eigenartig !!!!!
Zitat:Du sagtest, dass du geschlafen hast. An der Grenze, beim Wacheschieben.
Genau........Du schläfst nicht tief, bist halbwach, hörst trotzdem. Ich konnte das wirklich klasse. Ich war einer der Wenigen, die keine gesundheitlichen Schäden davongetragen hatten.
und der größte Teil trug gesundheitliche Schäden davon ???? Viele von ihm wurden mit einem Schaden entlassen ??? Von denen die ich kenne ist keiner dabei.......mich eingeschlossen.
Zitat:Nun hattest du ja selbst die Überlegung abzuhauen? Hast du auf eine Gelegenheit gewartet oder war das nicht konkret? .......wo ich an der Grenze war, da habe ich mindestens 20-mal den Gedenken gehabt, also heute hau ich ab...........
Und dann kam eben die Situation, dass mein Postenführer mir das angeboten hat: Ich weiß, dass du abhauen willst, so fing er an ..............
[color=#00BF40]...und da sagte er, na, dann hau ab. .........Und er meinte, es gibt nur eine Lösung, wie man nicht nach Schwedt kommt: Wenn du mir meine Kalaschnikow wegnimmst und du mir damit eine über den Schädel haust. Also, los, mach das. Da hat er mir seine Kalaschnikow gegeben, ich hab sie ihm nicht weggenommen. Da hat er sie mir gegeben [...] und hat seinen Kopf hingehalten und gesagt, schlag zu............
– Und nach einer Weile haben wir dann abgebrochen, und da hat er dann gesagt, na ja, da kann ich's auch nicht ändern. Musst du halt wieder zurück mit mir in die Kompanie – hätte man das verfilmt, dann wäre es bestimmt eine Komödie geworden.
Das hat er bestimmt nur beim Schlafen geträumt.
Zitat:Also, ich wusste, dass ich im Westen wahrscheinlich straffrei davon kommen würde, aber dass ich Schwierigkeiten haben könnte ..........
Du hättest ja nicht sagen können, es war ein abgekartetes Spiel, dann hättest du ihn ja belastet.
Das hätte ich niemals sagen können. [...] Und es war damals auch nicht bekannt, dass im Westen zum Beispiel auch der Bundesgrenzschutz von Stasileuten unterwandert war.
da bringt er mal wieder etwas durcheinander. Warum hätte er es nicht sagen können ?????
Er schreibt doch selbst, damals war nicht bekannt, dass die Stasi auch im Westen ist.
Da verwechselt er wieder heutiges und damaliges Wissen.
Das ist teils schon ein wirres Spiel.......................
Gruß
Herbert