DDR Opferrente

Re: DDR Opferrente

Beitragvon karnak » 29. März 2013, 18:38

Wosch!
Wenn wir ehrlich sind,mal ganz tief in uns rein schauen,wir "hassen" es eigentlich ALLE wenn wir von unseren Wertvorstellungen und Denkschablonen und Überzeugungen abgebracht werden sollen,wenn wir uns den Argumenten des vermeintlichen"Gegners"nicht GANZ verschließen können.Das"verwirrt"uns und zwingt uns zum Überdenken und das ist anstrengend,kann fast Arbeit sein. UND man müsste unter Umständen vor sich selber,vielleicht sogar noch vor dem Anderen zugeben,hast Du eigentlich auch recht,zumindest nicht ganz unrecht und ich habe unrecht,das schmerzt,also weicht man lieber aus und beharrt auf seinem Standpunkt.
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Spartacus » 29. März 2013, 18:56

Also erst mal Danke für die rege Beteiligung und die schon beginnende Diskussion [hallo]

Und ja, es ist ein sehr schweres Thema!

Viele hier haben schon den richtigen Tenor getroffen, sozusagen das Problem voll erkannt.

1. Problem Rechtsstaat BRD, der der BRD ja auch schon bei der Aufarbeitung des dritten Reichs auf die Füße
gefallen ist, denn hier war es ja ähnlich: Opfer abgespeist, Täter bestens verrentet.

2. Und ja, es wurde fast nichts aufgeklärt! Die VP , NVA, Richter , Staatsanwält etc, voll verrentet und als Zuckerl
noch mit Zusatzversorgungen bedacht. Ja ich weiß, das die Stasi - Renten gekappt wurden, aber das reicht uns nicht
aus, denn was stellt das denn für eine Strafe dar?

3. Siehe die Ausführungen des Mannes von Andrea268. So und so ähnlich erleben wir das tausendfach. Opfer nach
Gehaltshöhe??? Was soll das bitte für eine Ehren - Rente sein? Und den Rentner von uns, der 2.200 Euro Rente bekommt,
den würde ich gerne mal kennenlernen. Es ist eher, wie ich schon schrieb. Viele vegetieren auf Hartz IV, schwer krank,
depressiv, im Elend und müssen sich dann auch noch mit diesen ARGE Verbrechern rumärgern. ( anders Thema)

Ist es nicht angemessen, das die Opfer wenigstens in Würde ihren Lebensabend geniessen können?

Was nun die Haftbedingungen anbetrifft, so waren diese natürlich unterschiedlich und was die Schilderungen des
Ameisenferdinands betrifft, so kann das tatsächlich so gewesen sein. Ich war nicht dort, sondern kann höchstens
über das gelbe Elend berichten, denn da war ich für 2 Jahre ( von 1982 - 1984) unter "Verschluß". Wurde dann 1984
in einer Nacht und Nebel Aktion ausgewiesen, obwohl ich das nicht wollte.

Eigenartig ist es aber schon, denn "Politische" kamen in der Regel in die drei großen Bs.

Sprich Bautzen, Bützow, Brandenburg!

Ob wir uns an Politiker oder Partein wenden?

Ständig und die Antworten bestehen aus den immer selben "Bausteinen", die per Copy & Paste von einer fleissigen
Tippse an uns verschickt werden. Den aktuellen BP Gauck interessieren unsere Anliegen überhaupt nicht, denn da
bekommen wir nicht mal einen "Baustein".

Ich selbst bin 52 Jahre alt und bekomme die Rente auch nicht, da ich ja zuviel verdiene.

Es geht hierbei aber auch nicht um mich, sondern vor allem um unsere alten Kameraden, die schon in Rente
sind und denen mit den läppischen 250 Euro auch nicht geholfen ist. Viele haben eine sehr geringe Rente, da
sie durch die unmenschlichen Haftbedingungen zu meist später Arbeitsunfähig wurden.

Von unseren bedauernswerten Frauen, die zumeist Torgau ertragen nussten, will ich erst gar nicht sprechen.

Es geht hier um ein Prinzip, das natürlich mit der Rechtsstaatlichkeit der BRD kollidiert.

Und mit Verlaub, ich habe kein Mitleid mit den Tätern!

Vielen Dank für Euer Interesse.

Spartacus


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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Wosch » 29. März 2013, 19:13

ABV hat geschrieben:Das war aber nur eine ganz nomale Frage Wolfgang. Aus meiner Erfahrung konnte es durchaus sein, dass Häftling X in einem DDR-Gefängnis die Hölle auf Erden erlebte. Während Häftling Y, anderen Ortes mehr Glück hatte. Ob jemand Schikanen oder durchaus menschliche Behandlungen erfuhr, hing von vielen Optionen. Nicht zuletzt, wie sich die jeweilige Gefängnisleitung ihren Verantwortungen stellte. Und natürlich auch, in welchen Betrieben die Häftlinge arbeiten mussten.
Im Prinzip kann man das mit dem Grundwehrdienst vergleichen. Während einige perverse Spielchen irgendwelcher " EK"s ertragen mussten, brauchten andere so etwas niemals kennenlernen. Unter anderem deshalb, weil deren Vorgesetzte so etwas schon im Keim erstickten.

Gruß Uwe [hallo]



Nein Uwe, das war keine ganz normale Frage, in der Du "Deine" Antworten schon "versteckst" und in der Du hier User "bezichtigst" dem von "Dir" Genannten zu unterstellen Unwahrheiten kundzutun.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Wosch » 29. März 2013, 19:23

karnak hat geschrieben:Wosch!
Wenn wir ehrlich sind,mal ganz tief in uns rein schauen,wir "hassen" es eigentlich ALLE wenn wir von unseren Wertvorstellungen und Denkschablonen und Überzeugungen abgebracht werden sollen,wenn wir uns den Argumenten des vermeintlichen"Gegners"nicht GANZ verschließen können.Das"verwirrt"uns und zwingt uns zum Überdenken und das ist anstrengend,kann fast Arbeit sein. UND man müsste unter Umständen vor sich selber,vielleicht sogar noch vor dem Anderen zugeben,hast Du eigentlich auch recht,zumindest nicht ganz unrecht und ich habe unrecht,das schmerzt,also weicht man lieber aus und beharrt auf seinem Standpunkt.



Ach Karnak, da halte ich es lieber mit: "wenns für mich in Arbeit ausufern sollte, höre ich lieber auf".
Ist jetzt keine Drohung, Ihr müßt mich eben noch etwas aushalten.

Ich denke, daß schaffen wir noch, oder?
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Spartacus » 29. März 2013, 19:32

Nachtrag ( musste noch mal schnell im Archiv kramen)

Zum Thema " Sonderversorgungen" teilte uns Franz Thönnes, Parlamentarischer Staatssekretär im Arbeitsministerium,
2007 folgendes mit:

Laut seinen Angaben entfielen von den entsprechenden Ausgaben des Bundes und der Länder im vergangenen Jahr knapp 811 Millionen auf frühere Volkspolizisten. 523,6 Millionen erhielten ehemalige Angehörige der Nationalen Volksarmee einschließlich der Grenztruppen, die den Todesstreifen bewachten und dort mindestens tausend Flüchtling ums Leben brachten. 212,3 Millionen Sonderrenten gingen an Ex-Stasi-Mitarbeiter und 40,8 Millionen an ehemalige Beamte des DDR-Zolls. 2006 kamen insgesamt 327.138 Personen in den Genuss solcher Sonderzahlungen.

Übrigens erhalten entsprechend gegenwärtiger Rechtslage sogar 979 frühere Stasi-Mitarbeiter eine "Dienstbeschädigungsteilrente", die während ihrer Tätigkeit verletzt wurden – also bei der Unterdrückung der Bürger Ostdeutschland. Durchschnittlich werden an sie, so Staatssekretär Thönnes, 119 Euro im Monat gezahlt – ohne Rücksicht auf die Höhe ihrer regulären Renten.

Wohlgemerkt, hierbei handelt es sich nur un die Sonderversorgungen, die also damals 1,587 Milliarden Euro betrugen.

Na dann, frohes Fest

Spartacus


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Re: DDR Opferrente

Beitragvon ex-maja64 » 29. März 2013, 19:48

Spartacus hat geschrieben: 523,6 Millionen erhielten ehemalige Angehörige der Nationalen Volksarmee einschließlich der Grenztruppen, die den Todesstreifen bewachten und dort mindestens tausend Flüchtling ums Leben brachten.



So etwas ist natürlich Populismus in Reinform!
Man sollte schon in jedem einzelnen Fall hinterfragen warum der Jenige eine Rente erhält. Bestimmt nicht deshalb weil er "Flüchtlinge ums Leben brachte". [sick]
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Spartacus » 29. März 2013, 19:56

Ich will hier ganz bestimmt nicht einigen EX - NVA lern auf den Schlips treten, aber ein bisserl
Populismus muss schon sein, denn natürlich erhalten auch die Todesschützen schön brav ihre
"wohlverdiente" Rente.

Das "heizt" ein bisserl ein, gelle. [hallo]

Beste Grüße

Spartacus


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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Andrea268 » 29. März 2013, 20:50

@karnak
@ABV
Ich hab schon einiges in diesem Forum gelernt, für einige User ist nur glaubwürdig was in ihre eigenen Vorstellungen passt.Das ist natürlich ihr eigenes und unbestrittenes Recht, jeder kann glauben was er will. Manchmal kann eben nicht sein, was nicht sein darf, weil User xxxxx sich in seinem Verstand längst seine eigene "Wahrheit" geschaffen hat. Auch Denken unterliegt dem Trägheitsgesetz :-)

Andrea
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon ex-maja64 » 29. März 2013, 22:10

Spartacus hat geschrieben:Ich will hier ganz bestimmt nicht einigen EX - NVA lern auf den Schlips treten, aber ein bisserl
Populismus muss schon sein, denn natürlich erhalten auch die Todesschützen schön brav ihre
"wohlverdiente" Rente.

Das "heizt" ein bisserl ein, gelle. [hallo]

Beste Grüße

Spartacus


Na wer eingezahlt hat in dieses Rentensystem, der soll auch daraus profitieren. [wink]
Wenn ich das richtig sehe, geht es aber hier um Sonder(Opfer) Renten und nicht um eine Rente ansich.
Auch finde ich immer den Einwand absurd, ins Rentensystem der BRD, haben ehem. DDR-Bürger nichts eingezahlt.
Per 03.Oktober 1990 hat diese "Bunde Republik" aber auch alles aus der DDR übernommen, Immobilienwerte, Schulden und z.B. auch Rentenansprüche etc.

Weshalb nun deine Aufregung!

Wir leben doch heute in einen Rechtsstaat. [grins]
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Merkur » 30. März 2013, 01:39

Spartacus hat geschrieben:Viele hier haben schon den richtigen Tenor getroffen, sozusagen das Problem voll erkannt.

1. Problem Rechtsstaat BRD, der der BRD ja auch schon bei der Aufarbeitung des dritten Reichs auf die Füße
gefallen ist, denn hier war es ja ähnlich: Opfer abgespeist, Täter bestens verrentet.

2. Und ja, es wurde fast nichts aufgeklärt! Die VP , NVA, Richter , Staatsanwält etc, voll verrentet und als Zuckerl
noch mit Zusatzversorgungen bedacht. Ja ich weiß, das die Stasi - Renten gekappt wurden, aber das reicht uns nicht
aus, denn was stellt das denn für eine Strafe dar?

Den aktuellen BP Gauck interessieren unsere Anliegen überhaupt nicht, denn da
bekommen wir nicht mal einen "Baustein".

Spartacus


Ob hier der richtige Tenor getroffen wurde,ist sicher Ansichtssache.Grundsätzlich sollte in dieser Diskussion erst einmal harausgearbeitet werden, wer "Opfer" und wer "Täter" ist. Längst nicht alle Insassen der drei B waren Opfer. Weiterhin stelle ich mir die Frage, warum alle ehem. Mitarbeiter des MfS pauschal bestraft werden sollen ?
Und machen wir uns nichts vor: Was Euch ausreicht oder nicht, ist unerheblich, denn es interessiert niemanden. Wie Du ja selbst schreibst, nicht einmal den Bundespräsidenten. Warum wohl ?
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
Merkur
 
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon vs1400 » 30. März 2013, 08:51

Merkur hat geschrieben:
Spartacus hat geschrieben:Viele hier haben schon den richtigen Tenor getroffen, sozusagen das Problem voll erkannt.

1. Problem Rechtsstaat BRD, der der BRD ja auch schon bei der Aufarbeitung des dritten Reichs auf die Füße
gefallen ist, denn hier war es ja ähnlich: Opfer abgespeist, Täter bestens verrentet.

2. Und ja, es wurde fast nichts aufgeklärt! Die VP , NVA, Richter , Staatsanwält etc, voll verrentet und als Zuckerl
noch mit Zusatzversorgungen bedacht. Ja ich weiß, das die Stasi - Renten gekappt wurden, aber das reicht uns nicht
aus, denn was stellt das denn für eine Strafe dar?

Den aktuellen BP Gauck interessieren unsere Anliegen überhaupt nicht, denn da
bekommen wir nicht mal einen "Baustein".

Spartacus


Ob hier der richtige Tenor getroffen wurde,ist sicher Ansichtssache.Grundsätzlich sollte in dieser Diskussion erst einmal harausgearbeitet werden, wer "Opfer" und wer "Täter" ist. Längst nicht alle Insassen der drei B waren Opfer. Weiterhin stelle ich mir die Frage, warum alle ehem. Mitarbeiter des MfS pauschal bestraft werden sollen ?
Und machen wir uns nichts vor: Was Euch ausreicht oder nicht, ist unerheblich, denn es interessiert niemanden. Wie Du ja selbst schreibst, nicht einmal den Bundespräsidenten. Warum wohl ?


moin Merkur,
hast ja deine frage so gestellt, als wenn du schon ne antwort darauf hättest.
würde mich durchaus interessieren ...

gruß vs
vs1400
 

Re: DDR Opferrente

Beitragvon Merkur » 30. März 2013, 09:45

vs1400 hat geschrieben: moin Merkur,
hast ja deine frage so gestellt, als wenn du schon ne antwort darauf hättest.
würde mich durchaus interessieren ...
gruß vs


Sicher habe ich meine Meinung dazu. Es interessiert niemanden, weil Politik und Gesellschaft wahrlich andere Sorgen haben. Dieses Thema lässt sich aussitzen und klärt sich dann biologisch. In zwanzig Jahren ist es dann vielleicht für Übriggebliebenen haushaltspolitisch lösbar.
Die Szene hat es in 23 Jahren nicht geschafft, sich so zu organisieren und zu etablieren, dass sie Personen mit Einfluss gewinnen konnte, die ihre Interessen vertreten. Sie hat schlicht und einfach keine Lobby, was mich aber auch nicht wundert. Nicht einmal unsere oppostitionell angehauchte Doppelspitze setzt sich wirksam für sie ein. Die hat nämlich begriffen, wie Kapitalismus und Macht funktionieren und das dieser Personenkreis politisch unbedeutend und daher für sie nicht gewinnbringend ist. Vielleicht stellt sich der Staat aber auch einfach nur die Frage, warum er für diesen Personenkreis doppelt zahlen soll ? Für viele wurde bereits mit der Übersiedlung in die BRD gezahlt und die Kassen sind nun mal klamm.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
Merkur
 
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Nov65 » 30. März 2013, 09:58

Merkur hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben: moin Merkur,
hast ja deine frage so gestellt, als wenn du schon ne antwort darauf hättest.
würde mich durchaus interessieren ...
gruß vs


Sicher habe ich meine Meinung dazu. Es interessiert niemanden, weil Politik und Gesellschaft wahrlich andere Sorgen haben. Dieses Thema lässt sich aussitzen und klärt sich dann biologisch. In zwanzig Jahren ist es dann vielleicht für Übriggebliebenen haushaltspolitisch lösbar.
Die Szene hat es in 23 Jahren nicht geschafft, sich so zu organisieren und zu etablieren, dass sie Personen mit Einfluss gewinnen konnte, die ihre Interessen vertreten. Sie hat schlicht und einfach keine Lobby, was mich aber auch nicht wundert. Nicht einmal unsere oppostitionell angehauchte Doppelspitze setzt sich wirksam für sie ein. Die hat nämlich begriffen, wie Kapitalismus und Macht funktionieren und das dieser Personenkreis politisch unbedeutend und daher für sie nicht gewinnbringend ist. Vielleicht stellt sich der Staat aber auch einfach nur die Frage, warum er für diesen Personenkreis doppelt zahlen soll ? Für viele wurde bereits mit der Übersiedlung in die BRD gezahlt und die Kassen sind nun mal klamm.


Ich stimme @Merkur inhaltlich zu. Deswegen habe ich ja in einem meiner Posts nach den bisherigen Aktivitäten der Opfergruppe gefragt. Von der jetzigen Bundespolitik ist kaum etwas zu erwarten. Es verlohnt sich für die nicht, sich für eine relativ unbedeutende Bevölkerungsgruppe ins Zeug zu legen. Und von links kommt aus bekannten Gründen schon gar nichts, wo sie doch so für Gerechtigkeit sind. Was könnte helfen? Die Medien zu interessieren vielleicht.
Gruß Andreas
Nov65
 
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon karnak » 30. März 2013, 11:01

Spartacus hat geschrieben: Ja ich weiß, das die Stasi - Renten gekappt wurden, aber das reicht uns nicht
aus, denn was stellt das denn für eine Strafe dar?


Das ist eben so ein Punkt der mich stört.Ich kann doch niemanden BESTRAFEN indem ich Ihm die Rente kürze.
Ich kann jemanden vor ein ordentliches Gericht stellen und ein Urteil mit einer entsprechenden Strafe sprechen.Ist diese Strafe dann abgegolten,ist der Mann ein unbescholtener Bürger.Ist eine Verurteilung,aus was für Gründen auch immer, nicht möglich ist das eben so,wenn man sich auch darüber ärgert.Aber ich kann doch niemanden durch die"kalte Küche"BESTRAFEN,indem ich Ihm auf Lebenszeit die Rente kürze.Das es dann Leute gibt,die dafür den Begriff Siegerjustiz benutzen, darüber braucht man sich nicht zu wundern.Wenn man dieses Tun als Bestrafen ansieht,ist mir völlig unklar wie man das unter rechtsstaatlichen Bedingungen eigentlich rechtfertigt.Eine mir einleuchtende Erklärung habe ich dazu noch nicht gehört.
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon karnak » 30. März 2013, 11:06

Andrea268 hat geschrieben:@karnak
@ABV
Ich hab schon einiges in diesem Forum gelernt, für einige User ist nur glaubwürdig was in ihre eigenen Vorstellungen passt.Das ist natürlich ihr eigenes und unbestrittenes Recht, jeder kann glauben was er will. Manchmal kann eben nicht sein, was nicht sein darf, weil User xxxxx sich in seinem Verstand längst seine eigene "Wahrheit" geschaffen hat. Auch Denken unterliegt dem Trägheitsgesetz :-)

Andrea

Ist das jetzt ein Vorwurf gegenüber ABV und Karnak,oder willst Du uns damit Trost spenden?Das müsstest Du nochmal eindeutig sagen,sonst kann ich Dir nicht antworten.
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon karnak » 30. März 2013, 11:10

Wosch hat geschrieben:Ist jetzt keine Drohung, Ihr müßt mich eben noch etwas aushalten. [/color]
Ich denke, daß schaffen wir noch, oder?

Ich würde sagen,wir bemühen uns darum uns gegenseitig auszuhalten,dann ist Käse schon fast gegessen. [wink]
In dem Sinne,frohe Ostern.
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon dein1945 » 30. März 2013, 12:07

Hallo Andrea,

wie ich ja hier lese warst Du und dein Mann im DDR-Knast, aus wie man sagt aus politischen Gründen. Nun stellt sich mir die Frage, jeder von euch erhält einen Freibetrag von 1.456€, wobei das Einkommen des Ehepartners nicht angerechnet wird. Dazu kommt noch ein Freibetrag von 364€ für jedes Kind ! Ich will hier nicht darauf eingehen ob dieser Betrag zuviel oder zuwenig ist, daß muß jeder für sich ausmachen.

Es sind also in eurem Fall 2.912€, wenn ich mal davon ausgehe keine Kinder, erst wenn ihr nach Abzug der Freibeträge lt. Steuerbescheid diesen Betrag überschreitet erhaltet ihr die Opferrente nicht, oder nur zum Teil !

Wie ich schon schrieb ich habe im Bekanntenkreis einen Rentner der ca.2.200€ Rente erhält und trotzdem 250€ Opferrente erhält, trafen uns erst heute Morgen beim Brötchen holen, er hat es mir nochmals bestätigt.

Ich hatte ihn zur Antragsstellung damals ins Notaufnahmelager Marienfelde begleitet, er ist nicht mehr so gut zu Fuss und das hören klappt auch nicht mehr so gut. Dort saßen im Warteraum noch vier oder fünf Antragsteller, einige waren schon das dritte oder vierte Mal dort. Es fehlten ständig Unterlagen, bzw. hatten sie das Unrechtsurteil nicht aufheben lassen.

Dann waren wir an der Reihe, mein Bekannter hatte seinen HHG-Bescheid und seine Rentenunterlagen dabei, das erste was der Beamte meinte endlich mal einer der mit kpl. Unterlagen kommt, was er über die anderen Kandidaten erzählte gebe ich lieber nicht wieder, Dir würden die Haare zu Kopf stehen.

Einen Monat später hatte mein Bekannter seine OR auf dem Konto, sogar vom Tag der Antragstellung an.

Nicht alle haben unter der Haft so gelitten, daß sie im nachhinein nicht wieder auf die Beine kamen, ich hatte sogar einen Kunden der es zum Millionär brachte, er hat aber dankend auf die OR verzichtet, hätte sie auch nicht bekommen. Ich hänge mal einen Link ran, der Name ist leicht zu finden, wir hatten mehr als 25 Jahre geschäftlich miteinander zu tun,

wünsche Dir schöne Osterfeiertage

http://www.t-online.de/regionales/id_46 ... r-ddr.html

http://www.lkzf.de/dev/stifter/zeittafe ... lo-losito/
Man(n) muß wissen wenn Schluß ist !
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Edelknabe » 30. März 2013, 18:26

Gefunden in Meyers Handlexikon/Band 2

Spartacus, röm. Sklave u. Gladiator thrak. Herkunft; Führer des größten Sklavenaufstandes im Röm. Reich (74/71 v.u. Z.), an dem mindestens 60 000 Sklaven u. arme Freie teilnahmen. Nach glänzenden Siegen über die römischen Legionen wurde S. von Crassus geschlagen. Der Aufstand scheiterte u.a.an der mangelhaften Bewaffnung u. der Uneinigkeit der Sklaven; S.fiel, 6000 überlebende Sklaven wurden längs der Via Appia gekreuzigt.

Hallo Spartacus, ein schöner Text was und sei willkommen hier im Forum? Ich bin ein Filmfan siehe der Film von 1960 mit Kirk Douglas unter der Regie von Stanley Kubrick. Da steht auch was von Uneinigkeit oben im Text siehe sind sich die ganzen Opfergruppen(nehme mal an, es gibt mehrere?) eigentlich einig? Mich hatte das irgendwie interessiert. Warum wählt Einer ausgerechnet diesen Nicknamen kämpft er doch einen ähnlichen Kampf wie dieser damalige Gladiator?

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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Andrea268 » 31. März 2013, 08:49

@karnak
Das sollte kein Vorwurf gegen dich oder @ABV sein, eher das Gegenteil. Ich meinte damit, das ich den Eindruck habe das hier einige User eine vorgefertigte Meinung haben und alles was nicht in ihr selbstgeschaffenes Weltbild passt total ablehnen ohne sich die Mühe machen über die Arbumente anderer auch nur nachzudenken.

@dein1945
Da hast du etwas falsch verstanden, ich selbst habe nicht im DDR-Gefängnis gesessen. Ich habe meinen Mann erst nach Ende der DDR kennengelernt. Ich bin aus Stuttgart :-)

Andrea
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon augenzeuge » 31. März 2013, 21:58

ABV hat geschrieben:Hier geht es machmal schlimmer zu, als auf einer SED-Parteiversammlung.


Aber das Team sitzt nicht im Präsidium!!! [grins]
AZ
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"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon tom-jericho » 31. März 2013, 22:09

+++klartext+++
+++stop+++

+++da ich als erster auf die themenueberschrift geantwortet habe+++
+++mir sind persoenlich faelle bekannt, da zweifle ich noch heute an 250+++
+++sie sollten wenigstens ihre grosze schnauze heute halten+++
+++stop+++

tom jericho - bletchley park

[heart]
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Verfasser » 31. März 2013, 23:48

Spartacus hat geschrieben:Und ja, es wurde fast nichts aufgeklärt! Die VP , NVA, Richter , Staatsanwält etc, voll verrentet und als Zuckerl noch mit Zusatzversorgungen bedacht. Ja ich weiß, das die Stasi - Renten gekappt wurden, aber das reicht uns nicht
aus, denn was stellt das denn für eine Strafe dar?

Ich habe meinen Richter wegen Freiheitsberaubung angezeigt und Strafantrag gestellt.
Eine Antwort kam nach vier Jahren: "Der beschuldigte Richter ist inzwischen verstorben." Es kam also nicht zum Prozess. Gern hätte ich gewusst, ob er bestraft worden wäre. Vielleicht wäre er nicht bestraft worden, weil er das bestehenden Klassen-Unrechtsgesetz § 219 StGB/DDR - "Ungesetzliche Verbindungsaufnahme" "klassenbewusst" und in diesem Sinne zu Recht angewendet hat. Ich wurde strafrechtlich voll rehabilitiert. Da die bundesdeutsche Justiz eben keine Klassen- und Sieger-Justiz ist, hätte sie den Richter wahrscheinlich laufen lassen.

Den Richter aber jetzt belohnen, dass man ihm eine höhere Rente auf Grund seines höheren Einkommens als Kreisgerichtsdirektor berechnet, halte ich nicht für richtig, obwohl das vom Rechtsstaat natürlich schwer durchsetzbar ist, weil er eben keine Siegerjustiz kennt. Zum Thema Gerechtigkeit siehe auch: Das Stasi-Opfer aus Köln-Höhenhaus (das bin übrigens ich).

Spartacus hat geschrieben:Ist es nicht angemessen, das die Opfer wenigstens in Würde ihren Lebensabend geniessen können?

Was angemessen oder nicht angemessen ist, ist leider unterschiedlich zu beurteilen. Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie sagen, dass es den Tätern und Systemträgern im Durchschnitt unangemessen besser geht als den Opfern. Ich bin der Meinung, dass der Gesetzgeber dabei etwas falsch gemacht hat. Ich hätte es so gemacht, wie die letzte Volkskammer es wollte, dass alle MfS-Mitarbeiter und anderen politische Täter nicht mehr als eine Mindestrente (nicht Durchschnittsrente) bekommen, und dass MdI- und NVA-Angehörige nicht die volle Rente bekommen, sondern nur die Durchschnittsrente wie jetzt die MfS-Mitarbeiter. Aber das ist vom Rechtsstaat natürlich schwer durchsetzbar, weil er eben keine Siegerjustiz kennt. Die MfS-Mitarbeiter faseln immer etwas davon, dass sie vom sogenannten "Rentenstraftrecht" betroffen sind, dabei sind sie gar nicht mit der Rente bestraft, sondern gerecht behandelt worden:

Bild
Quelle

Man ist bei der Wahl der 250 Euro davon ausgegangen, dass NS-Opfer auch nicht mehr, sondern genauso viel bekommen, siehe: NS-Unrecht. Wobei man allerdings nicht berücksichtigt hat, dass es auch noch ein Entschädigungsrentengesetz für Kämpfer gegen den Faschismus und für Verfolgte des Faschismus sowie für deren Hinterbliebene gibt:

Entschädigungsrentengesetz hat geschrieben:Die Ehrenpensionen und Hinterbliebenenpensionen aufgrund der Anordnung über Ehrenpensionen für Kämpfer gegen den Faschismus und für Verfolgte des Faschismus sowie für deren Hinterbliebene vom 20. September 1976, die nach Anlage II Kapitel VIII Sachgebiet H Abschnitt III Nr. 5 des Einigungsvertrages vom 31. August 1990 in Verbindung mit Artikel 1 des Gesetzes vom 23. September 1990 (BGBl. 1990 II S. 885, 1214) mit Maßgaben fortgilt, werden nach den folgenden Vorschriften als Entschädigungsrenten weitergezahlt.

Spartacus hat geschrieben:Ob wir uns an Politiker oder Partein wenden?

Das habe ich getan. Ich schrieb eine Petition an den Bundestag und schlug vor, die 250 Euro auf 500 Euro zu verdoppeln.

Spartacus hat geschrieben:Ich selbst bin 52 Jahre alt und bekomme die Rente auch nicht, da ich ja zuviel verdiene.

Als Rentner bekommen Sie aber auf jeden Fall die Rente von 250 Euro auch dann, wenn Ihre Altersrente durch Betriebsrenten überdurchschnittlich hoch sein sollte.

Spartacus hat geschrieben:Es geht hierbei aber auch nicht um mich, sondern vor allem um unsere alten Kameraden, die schon in Rente sind und denen mit den läppischen 250 Euro auch nicht geholfen ist. Viele haben eine sehr geringe Rente, da sie durch die unmenschlichen Haftbedingungen zu meist später Arbeitsunfähig wurden.

Wenn man durch unmenschliche Haftbedingungen später arbeitsunfähig wurde, bekommt man vom Versorgungsamt zusätzlich zu den "läppischen 250 Euro" noch eine Beschädigtenversorgung nach § 21 Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG) in Verbindung mit dem Bundesversorgungsgesetz (BVG), die gestaffelt ist je nach Schwere der amtsärztlich festgestellten Erkrankung.

Verfasser K.
Verfasser
 

Re: DDR Opferrente

Beitragvon Spartacus » 1. April 2013, 17:18

Danke für die vielen Antworten, weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

ABV, wenn Dein Nick einiges über Dich aussagt, Du also ABV warst, würdest Du Dich dann rückblickend als Täter, Mitläufer oder eben nur einfach Volkspolizist bezeichnen?

Nur mal eine Frage: Warum sollte jemand der viele Jahrzehnte als (Volks)polizist, Kriminelle dingfest machte, Leben und Gesundheit riskierte und die Bevölkerung schützte, nicht im Alter seine wohlverdiente Rente bekommen?

Wenn das so wäre, keine Frage, dann ist seine Rente wohlverdient. Aber wo gab es solche VPler? Vielleicht ein paar vereinzelte Dorfpolizisten, die sich wirklich nichts zu schulde kommen ließen. Ansonsten hat wahrscheinlich jeder VPler, während seiner Laufbahn schon politische verhaftet und "zugeführt" und wußte das auch. Somit hat er sich schuldig gemacht und da helfen nun mal auch keine Ausreden.

Was nun die verschiedenen Häftlingsorganisationen betrifft, so wurden diese unterwandert und von Personen beeinflusst, die selbst niemals politisch inhaftiert waren. Siehe die aktuelle Situation bei der VOS.

Und ja es stimmt, wir haben keine Lobby, weshalb sich niemand für uns interessiert und das ist es, was mich auf die Palme bringt, wenn es erlaubt ist.

Verfasser,

auch ich bin vollumfänglich rehabilitiert und kann Dein Problem nachvollziehen. Mein ehemaliger Richter ist auch verstorben, aber der Staatsanwalt lebt nicht nur noch, sondern ist sogar noch im Amt. Seinen Namen erfuhr ich erst durch meine Rehabilitation, da ich damals zum erstenmal mein Gerichtsurteil ( als Kopie ) zu sehen bekam. Na ich denke, das kennst Du ja auch. Ich habe versucht, diesen Staatsanwalt abzusägen, aber ...............grrrrr.
Rechtsstaat, mein Gott..........!

Ansonsten stimme ich Dir voll zu, was Deine Ansichten zur Verrentung betrifft. ( Lese mich jetzt mal kurz in Deinen Tread ein )

Beste Grüße

Spartacus

P.S. Natürlich steht mein Nick für eine Überzeugung, die aber nichts mit dem Bund zu tun hat.


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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Verfasser » 1. April 2013, 19:05

ABV hat geschrieben:Für mich wäre interessant, an welchen Kriterien sich die Begriffe "Opfer" und "Täter" festmachen lassen. Um Täter zu sein, muss man, zumindest im strafrechtlichen Sinn, eine konkrete Unrechtstat begangen haben. Übertragen auf die DDR-Aufarbeitung würde das für mich bedeuten, dass zum Beispiel ein ehemaliger Richter, der sich nachweislich der Rechtsbeugung schuldig machte, ohne Zweifel in diese Kategorie fällt.

Das SED-Unrecht mit dem bundesdeutschen Strafrecht aufzuarbeiten ist schwierig und deshalb zum großen Teil auch nicht gelungen. Wenn ein DDR-Richter wegen Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden sollte (ich stellte Strafanzeige), musste auf Grund des zur Anwendung kommenden Rückwirkungsverbotes (Art. 103 Abs. 2 GG) sich der bundesdeutsche Richter in die Lage des DDR-Richter hineinversetzen, praktisch das gesamte DDR-Strafrecht neu studieren, was schon für sich eine komplizierte Aufgabe ist, und prüfen, ob der DDR-Richter nach DDR-Recht Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung begangen hat. Manchmal gelingt das, oft auch nicht. Oft wurde gar nicht erst Strafanzeige gestellt wegen der Kompliziertheit.

Der Richter bleibt aber nach wie vor, auch wenn er nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde, ein Täter, wenn er Urteile gefällt hat, die der politischen Verfolgung dienten. Das ist leicht nachzuprüfen. Man braucht sich nur die Rehabilitierungsbestimmungen anzusehen:

Politische Haft (DDR) - Wikipedia hat geschrieben:Das Gesetz über Entschädigung von Opfern rechtsstaatswidriger Strafverfolgungsmaßnahmen im Beitrittsgebiet (Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz - StrRehaG) zählt eine Reihe von Normen des DDR-Strafrechts auf, die in der Regel der politischen Verfolgung dienten.[15] Dieser Regelkatalog beinhaltet aus dem Strafgesetzbuch der DDR:

§ 96 – „Hochverrat“
§ 97 – „Spionage“
§ 98 – „Ungesetzliche Sammlung von Nachrichten“
§ 99 – „Landesverräterische Nachrichtenübermittlung“
§ 100 – „Staatsfeindliche Verbindungen“/„Landesverräterische Agententätigkeit“
§ 105 – „Staatsfeindlicher Menschenhandel“
§ 106 – „Staatsfeindliche Hetze“
§ 213 – „Ungesetzlicher Grenzübertritt“
§ 219 – „Ungesetzliche Verbindungsaufnahme“
§ 220 – „Öffentliche Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“
§§ 245,246 – „Geheimnisverrat“
§ 256 – Wehrdienstentziehung/-verweigerung

sowie „Boykotthetze“ gemäß Artikel 6 Abs. 2 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949.

ABV hat geschrieben:Ebenso wie Ermittler oder Vernehmer, die Beweise manipulierten oder Geständnisse durch physische oder psychische Gewalt erzielten.

Vernehmer wurden meist auch nicht angezeigt, selbst wenn sie psychische Gewalt anwendeten, um Geständnisse zu erpressen. Das liegt vielleicht daran, dass manch einer gar nicht weiß, dass Isolationshaft psychische Gewalt und Folter ist, die strafbar sein kann.

Die psychische Gewalt in Form der Isolationshaft war ein beliebtes, oft angewendetes Mittel, um Gestännisse zu erpressen. Am Anfang hatte ich die Aussage verweigert, einen Anwalt verlangt, den ich nicht bekam, Haftbeschwerde eingelegt, die wirkungslos blieb, bis die Foltermethode wirkte und mich zum Sprechen brachte. Man spannte mich auf die Folter mit der Frage: "Was passiert jetzt?"

Isolationshaft - Wikipedia hat geschrieben:Die Isolationshaft ist wegen ihrer Auswirkungen auf den Häftling sehr umstritten und wird von Kritikern auch als Vernichtungshaft bezeichnet.

Rechtliche Bewertung
Isolationshaft als solche und damit auch ihre Rahmenbedingungen sind gesetzlich in der Regel nicht festgeschrieben. Die Unterbringung von Gefangenen unter Isolationsbedingungen wird aber weltweit von Menschenrechtsorganisationen geächtet und als Foltermethode bezeichnet, wird aber auch vermutlich weltweit im offiziellen und inoffiziellen Justizvollzug ohne Rechtsgrundlage eingesetzt.

ABV hat geschrieben:Oder grundlos, nur zum eigenen " Vergnügen" prügelnde Gefängniswärter.

Die nicht prügelnden Gefängniswärter waren auch Täter. Ihre Tat war, dass sie dem Unrechtsstaat dienten, Menschen, die nichts verbrochen hatten, zu bewachen und zu drangsalieren.

ABV hat geschrieben:Aber was ist mit den vielen, vielen anderen. Denen keine konkrete Schuld vorgeworfen werden kann. Kann oder darf man überhaupt Menschen pauschal zu Tätern, im tiefen Sinne der Definition, erklären?

Na klar kann und darf man die oben beschriebenen Menschen pauschal zu Tätern erklären, weil sie eben Täter sind (Erklärung s. o.).

ABV hat geschrieben:Opfer sind für mich alle diejenigen, die nur weil ihnen vorenthaltene Menschenrechte wahrnahmen, mit irgendwelchen, aus heutiger Sicht "schwachsinnigen" Gesetzen in Konflikt gerieten.

Was Opfer sind, dürfe klar sein. Was Täter sind, scheint Ihnen leider nicht klar zu sein. Alle, die diese "schwachsinnigen" Gesetzen machten (z. B. Egon Krenz), aber auch die, die für die Einhaltung dieser "schwachsinnigen" Gesetze sorgten, Stasi-Ermittler/Vernehmer, Staatsanwälte, Richter, Wachpersonal in den Stasi-Gefängnissen und im Strafvollzug, Grenzposten an der DDR-Staatsgrenze, Zollorgane, die Briefe und Bücher unterschlugen, usw. waren Täter. Sie alle können eigentlich nicht erwarten, dass man ihre Tätigkeit als wertvoll für die Gesellschaft betrachtet und ihre Rente genauso bewertet, wie bei Werktätigen, zumal ihre Gehälter um 60 % überhöht waren.

Apropos Stasi-Ermittler und Volkspolizei

Die westdeutsche grüne Abrüstungspartei schmückte sich mit dem Abzeichen "Schwerter zu Pflugscharen", das von Abrüstungsaktivisten der Evangelischen Kirche der DDR hergestellten wurde, und besuchte Erich Honecker in Berlin.

Bild
Quelle

Die Grünen wollten natürlich auch die Abzeichenhersteller, bzw. -träger in der DDR besuchen, zu denen auch ich zählte. Das gefiel den Tätern, hier der Partei- und Staatsführung, natürlich überhaupt nicht. Die Täter schalteten weitere Täter vom MfS und der Volkspolizei ein, um diesen Kontakt zu verhindern.

Die Stasi-Offiziere Oltn. Kö und Major Zer verfolgten mich rund um die Uhr:

Bild
Kontrollwut der Stasi

und sorgten dafür, dass ein eventuell beabsichtigter Kontakt, der für die Stasi nahe lag, unterbunden wird.

Man sah den Kontakt zu der westdeutschen Abrüstungspartei als "Handlungen an, die geeignet sind, das sozialistischen Zusammenleben der Bürger in der Öffentlichkeit zu stören" und die auch den Weltfrieden gefährden könnten. Die so genannte "öffentliche Ordnung und Sicherheit" war unbedingt zu gewährleisten.

Alles war vorbereitet:

Bild

Die Volkspolizei hatte nun die unrühmliche Aufgabe, mir die Auflage zu erteilen und sie unter Androhung von "Zwangsmitteln gemäß §16 Absatz 2 des Gesetzes über die Aufgaben und Befugnisse der DVP" auch durchzusetzen, die Wohnung nicht zu verlassen, damit ein eventuell geplanter Kontakt zu den Günen gar nicht erst zustande kommt.

Die Volkspolizei zählt zumindest zum Teil auch zu den Tätern, die Bürgerrechtler und Friedenaktivisten unterdrückte. Für diese ehrenvolle Aufgabe muss sie natürlich ohne Abstriche mit einer um 60% überhöhten Rente überbelohnt werden?

ABV hat geschrieben:Gehören aber auch Leute, die in jedem Staat der Welt gültige Strafrechtsnormen verletzten und möglicherweise in einem DDR-Gefängnis unkorrekt behandelt wurden, ebenfalls uneingeschränkt zur Kategorie "Opder"?
Oder muss man auch dort differenzieren?

Wer die in der DDR gültigen Strafrechtsnormen, die für die Welt natürlich gar nicht gültig sind (13 Stück - oben habe ich sie aufzählt) verletzt, gehört in überhaupt kein Gefängnis, egal ob er dort korrekt oder unkorrekt behandelt wurde. Wo man differenzieren muss, das ist bei den wirklich Kriminellen und auch Stasispitzeln, die der Bundesregierung zum Freikauf untergeschoben wurden. Das sind natürlich keine Opfer, obwohl sie sich als solche ausgeben.

Apropos Zollorgane

Bild

Die Zollorgane müssen wie die Volkspolizei und die NVA natürlich auch ohne Abstriche mit einer um 60% überhöhten Rente überbelohnt werden als Dank für die Entziehung von Friedensliteratur? Wo kommen wir denn hin, wenn die DDR-Gesellschaft sich in einem Friedensstaat auch noch an Friedensliteratur orientiert und erfreut? Die DDR-Gesellschaft hat gefälligst die überhöhten NVA-Gehälter und die Rüstung zu bezahlen?

Verfasser K.
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Spartacus » 2. April 2013, 17:45

Ich stimme Verfasser voll und ganz zu !

Und um noch einmal etwas grundlegendes anzumerken:

Wieso haben eigentlich immer die Täter den Wunsch, sich mit ihren Opfern auszusöhnen?

Wieso sollten wir, die Opfer, uns mit ihnen aussöhen?

Was hätten wir denn davon?


Diese ewig gestrigen geistigen Tiefflieger sind unverbesserlich, wie ihr Wirken deutlich zeigt:

http://www.mfs-insider.de/

Zitat: Wen sprechen wir an?

" Betroffene unserer früheren Tätigkeit, denen an einer umfassenden und objektiven Bewertung der Maßnahmen des MfS im Inneren der DDR gelegen ist"

Objektiv????

Da sind lauter "Experten" unter sich und reden sich ihre Verbrechen schön.

Beste Grüße

Spartacus


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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Merkur » 2. April 2013, 21:24

Spartacus hat geschrieben:Und um noch einmal etwas grundlegendes anzumerken:
[b]Wieso haben eigentlich immer die Täter den Wunsch, sich mit ihren Opfern auszusöhnen?
Spartacus


Wer sollte einen solchen Wunsch haben ? Man sollte überhaupt erst einmal ganz klar darlegen, wer hier "Täter" und wer "Opfer" ist.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon wibi » 2. April 2013, 22:08

Hallo zusammen,ich möchte mich wieder mal da ihr ja das Thema habt was ich 2012 schon mal angesprochen hatte und die Tschekisten sollen nicht denken ich bin nicht mehr.
Ich bin ja immer noch viel unterwegs,und PC macht süchtig,da ist es schon in der Welt interessanter zumal man immer was dazu lernen kann wie jetzt Argentinien/Chile wo ich im Feb.war.Was ich dort für Meinungen gehört habe,da sind die garnicht so weit von unseren Problemen entfernt.
Es freut mich schon,das es hier jetzt Personen gibt die die gleichen Denkansätze bzw Meinung haben wie ich und einigen gestrigen unter die Nase halten.Aufarbeitung heißt wohl nicht den anderen seine Meinung aufzudrücken,aber einigen muß man zum denken anregen.sie haben es ja in 40 Jahren nicht gebraucht,Waren Befehlsempfänger und jetzt fangen sie langsam an die rote Diktatur zu verteitigen.
Meinen Dank an Verfasser und Spartacus die vieles auf den Punkt gebracht haben.Karnak Du bist wohl einer von wenigen die sprechen (sowie Bonsack)aber mir ist das zu wenig).Schwanitz/Großmann sollen doch endlich mal ihren tschekistischen Eid über Bord werfen.Es wäre doch an der Zeit nach 23 Jahren die vielen ungeklärten Fälle mal aufzudenken.Mich würde von allen Tschekisten im Forum mal interessieren wieso sie bei der Firma angeheuert haben.Habt Ihr nie gemerkt was das für eine Firma ist ?Ihr müßtet doch alle so wie Schabowski eingestehen,ja wir haben uns menschenfeindlich verhalten und sind einverstanden,dass unsere Rente so gekürzt wird.Das wäre ein Symbol der Gerechtigkeit an die Opfer und zum Hartz IV Empfänger wird von Euch dadurch niemand.
Als Opfer würde mich z.B.die Stasi Hochschule Potsdam sehr interessieren.Dort sind Doktortitel erworben worden (Dr.Arbeiten sind im Internet)da denke ich an Schreibtischtäter Eichmann und diese Tschekisten dürfen in dieser Gesellschaft als Rechtsanwälte usw.tätig sein.Ist es da nicht berechtigt ihre Renten zu kürzen und dieses Geld den Opfern zu geben ?
Die Bestrafung der Täter ist doch ins Wasser gefallen,da 90 das deutsche Recht zum tragen kam.Die letzte Regierung"DDR"
hätte sie zur Verantwortung ziehen können und müssen.Die Stasi +IM s sind aber gerade zu der Zeit sehr aktiv geworden und haben alles verhindert was die Firma aus den Angeln gehoben hätte.Es wurde ja bereits gesagt gegen was sie verstoßen haben,hinzufügen möchte ich noch das Postgeheimnis Abt.M Ich habe noch das Bild im Kopf von der Volkskammer,Schnur,Merkel ,Gysi - de Maiziere alle belastet,niemand gibt was zu.Ganz im Gegenteil Akte Merkel ist unter Verschluß.Gysi klagt sofort immer in Hamburg.Wo ich sage(Verdacht) die West Richter und Abgeordneten haben bis heute
Angst vor den Tschekisten.Jeder hat so ein kleines Geheimnis was nicht an die Öffendlichkeit soll und bei den Personenkreis könnte dies den Job kosten wenn das an Licht kommt.
wibi
 

Re: DDR Opferrente

Beitragvon Dille » 2. April 2013, 23:15

@Wibi ---
nicht daß Du meinst, Widerspruch bekommst Du nur aus der Ecke der "ewigen" Tschekisten, nee, auch von mir. Zustimmen kann ich Dir erst einmal, ich war 1980 auf Dienstreise in Chile, nachdem Allende durch den Militärputsch des Pinochet entmachtet war, und ich habe damals keinen, wirklich keinen getroffen, der der Allende- Zeit nachgetrauert hätte. Ich war enttäuscht -- für mich war es nach dem Prager Frühling ein weiteres Sozialismus- Experiment, dem ich mehr Erfolg gewünscht hätte. Überraschend war für mich, daß ich auf der Straße (in der Kneipe) mit jedem sprechen konnte, und sich unter der Militärdiktatur niemand scheu umgedreht hat, um erst einmal die Umgebung zu sondieren. Aber wie gesagt, niemand hat Allende nachgetrauert, zu meinem Bedauern.
Ich muß aber zugestehen, außer in den Kneipen war ich mehr in der middle-class unterwegs, also im Fernmeldeamt in Santiago und mit dem seinerzeitigen technischen Personal auch privat.

Von mir bekommst Du auch keinen Beifall für einen Vergleich des Schreibtisch- Massenmörders Eichmann mit vermuteten oder echten Tätern aus dem MfS, ich lege Wert darauf, daß wir in einem Rechtsstaat leben und zuerst einmal von der Unschuldsvermutung auszugehen haben -- bis die Schuld durch ein ordentliches Gericht bewiesen ist. Das mag oftmals scheitern, an der Beweislage (die heute Gottseidank anders ist als seinerzeit), an der Verjährungsfrist usw., wenn Du heute so vehement für eine Strafverfolgung von "Tätern" eintrittst, dann empöre Dich bitte auch einmal lautstark über die Strafverfolgung von Tätern nach 1945 ! (und wir wollen mal festhalten -- auch Eichmann wurde in Israel bestraft !)

Dann die Renten --- ich finde es gerecht, wenn Angehörige DDR- staatstragender Institutionen eine Rente nach dem Durchschnitt der normalen DDR- Werktätigen erhalten, das wollten sie schließlich auch laut Propaganda immer sein. Solange sie also SV- Beiträge bis zur Obergrenze 600,- M zahlten, wäre es also widersinnig, ihnen diese Renten daraus streitig machen zu wollen. Hatten sie ein Einkommen wesentlich über dem Durchschnittseinkommen eines DDR- Werktätigen (denen sie ja so nahe standen), dann muß man ihnen bis zum Durchschnittseinkommen eines DDR- Werktätigen auch zugestehen, daß sie daraus einen gewissen Teil zur zusätzlichen Altersvorsorge aufwandten -- über den Prozentsatz mag man streiten. Bekamen sie eine Zusatzversorgung nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einem bestimmten staatsnahen Organ (also, außer z.B. Feuerwehr oder sowas), ist das ersatzlos zu streichen -- dafür haben sie keine eigenen Aufwendungen erbracht und diesem Staat ist es nicht zuzumuten, dafür dann Leistungen zu erbringen. Das ist schlicht meine Meinung.

Dann noch kurz zur Liste der Personen, u.a. Merkel. Wo ist Dein Problem ?? Wenn Du dort nicht gelebt hast, verschone uns bitte mit solchen Plattitüden wie "in Moskau studiert" oder "in der FDJ" oder "Agit- Prop- Beauftragte" -- @Wibi, hast Du "drüben" gelebt ?? Kannst Du ein dort gelebtes Leben nachvollziehen, wenigstens ansatzweise ?? Wenn nein, was gibt Dir die Sicherheit, daß Du nicht auch "Sekretär für Agitation und Propaganda" geworden wärst ??? Ich weiß zumindest noch, wie sowas ablief : "...man Angela, du kannst doch gut quatschen, wir brauchen da noch jemanden.....und du machst doch gesellschaftlich noch nichts.....und wenn du das machst, dann haben wir auch unsere Ruhe...."

Gute Nacht, Dille
Dille
 

Re: DDR Opferrente

Beitragvon karnak » 3. April 2013, 09:35

wibi hat geschrieben:Mich würde von allen Tschekisten im Forum mal interessieren wieso sie bei der Firma angeheuert haben.

Man konnte dort nicht anheuern,man wurde gefragt.Und vorher hat man sich lange mit dem"Kandidaten" beschäftigt,wusste so ziemlich alles über Ihn.
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Re: DDR Opferrente

Beitragvon Interessierter » 3. April 2013, 10:15

Bereits im März des Jahres 2010 fragte die Bundeszentrale für politische Bildung:

Politisch Verfolgte – verdrängte DDR-Vergangenheit?

Inhaftierung, Zwangsumsiedlung, seelische und körperliche Gewalt: Die DDR-Diktatur schöpfte die ganze Bandbreite repressiver Maßnahmen aus. Auch heute ist das Schicksal der Verfolgten nur wenigen bewusst.


Auch 20 Jahre nach dem Ende der realsozialistischen Diktatur muss sich die gesamtdeutsche Gesellschaft in vielfacher Hinsicht damit beschäftigen, wie mit dem Erbe der untergegangenen DDR umgegangen werden soll. Dieses Erbe wirkt nicht nur in Gestalt der materiellen und seelischen Folgen des tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Umbruchs nach. Vielmehr gehört hierzu auch das Vermächtnis derer, die sich dem SED-Regime aus politischen Motiven aktiv widersetzt haben und dafür unterdrückt und verfolgt worden sind. Die Entschädigung und Rehabilitierung der Opfer der Diktatur ist eine moralische Bringschuld des demokratischen und sozialen Rechtsstaates des geeinten Deutschlands.

Das diktatorische Regime der DDR hatte die ganze Bandbreite repressiver Maßnahmen ausgeschöpft, die Unrechtsstaaten zur Sicherung ihrer Herrschaft ersinnen. Mit oft menschenverachtenden Mitteln sollten innenpolitische Gegner und Kritiker zum Aufgeben bzw. in die Isolation gezwungen werden. Die Opfer dieser Repression, d.h. von Inhaftierung, Zwangsumsiedlung oder beruflicher Benachteiligung und ähnlicher Maßnahmen der Verfolgung, sind von den Folgen der Anwendung psychischer und physischer Gewalt größtenteils bis heute gezeichnet. Dennoch ist über ihr Schicksal nach dem Ende der DDR im nunmehr vereinigten Deutschland wenig bekannt. Insbesondere ihre rechtliche, soziale und gesundheitliche Situation ist nach wie vor nicht ausreichend erforscht.

Es ist zu fragen, wie die Ostdeutschen heute die in ihrer Mitte lebenden Opfer des SED-Staates betrachten. Ob die Opfer als solche anerkannt werden und inwieweit die Maßnahmen zur Rehabilitierung und Entschädigung allgemein als gerecht und angemessen akzeptiert werden, hängt wesentlich davon ab, wie die DDR von der Bevölkerung heute im Rückblick wahrgenommen wird. Hier kommt eine Befragung der Thüringer Bevölkerung durch das Jenaer Zentrum für empirische Sozial- und Kulturforschung zu folgenden Ergebnissen (ebenfalls 2008): Befragt nach ihrer damaligen und ihrer heutigen Einstellung zur DDR, äußerten die Interviewten auf einer Skala von -5 bis +5 durchschnittlich gesehen nur eine schwach positive Einstellung (zwischen +0,9 bis +1). Diese fast indifferente Grundhaltung zur DDR ist angesichts des häufig vorherrschenden Eindrucks von ostalgischer Verklärung überraschend. Zumindest werden die viel beschworenen "guten Seiten" der DDR mit deren "schlechten" repressiven Antlitz offenbar verrechnet. Das bestätigt folgende Gegenüberstellung: Die DDR erhält rückschauend sehr positive Werte für soziale Sicherheit (+2,5), aber sehr negative Werte für die Gewährung von Freiheitsrechten und den Zustand der damaligen Infrastruktur. Das insgesamt schwach positive Image der DDR verkehrt sich folglich ins Negative, wenn der Bereich der sozialen Sicherheit ausgeklammert wird (für vergleichbare Ergebnisse siehe auch den Sachsen-Anhalt-Monitor von 2009).

Der Unrechtscharakter des DDR-Staates ist bis heute bemerkenswert präsent. Fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) haben damals Formen staatlicher Willkür und Ungerechtigkeiten nach eigenen Angaben selbst wahrgenommen. Auf konkrete Formen repressiver Maßnahmen (z. B. berufliche Benachteiligungen, psychische Einschüchterungen, Kontaktverbote mit Ausreiseantragstellern oder Westverwandten) angesprochen, äußerten sogar 85 Prozent der Befragten, ihnen seien solche Praktiken erinnerlich.

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-e ... folgte?p=1

Im Angesicht solcher hohen Prozentzahlen von Repressalien Betroffener, kann ich mich nur noch mehr über die User wundern, die hier
anderslautend schreiben bzw. das erlittenen Unrecht von Opfern noch ganz oder teilweise bestreiten.
Vor Versöhnung kommen bei mir immer noch die Begriffe Einsicht und Reue der Täter ! Mit Menschen, bei denen das nicht vorhanden ist, muß man sich auch nicht versöhnen.

Da jeder Mensch anders ist, muß man auch nicht die Versöhnung eines Einzelnen als Beleg des Erfolges mit eingeschlossenem " Inneren Frieden " bezeichnen.
Opfer die beispielsweise hier lesen was von bestimmten Usern so gegen und über sie " abgesondert " wird, fänden bestimmt keinen inneren Frieden, wenn sie sich mit solchen Menschen versöhnen würden. Versöhnung heißt auch für die Opfer immer, die Selbstachtung nicht zu verlieren. Wenn bestimmte User in Foren, erneut versuchen nun Opfer verbal zu demütigen, wie damals bestimmte Schergen der Stasi und anderer Organe des Regimes, dann kann man diese nur verachten .

Ich finde Niemand hat das Recht Opfern vorzuschreiben, wie sie mit ihrem erlittenem Unrecht umzugehen haben. Niemand hat das Recht ihren Ruf nach Gerechtigkeit zu bestreiten !

Ganz besonders nicht Personen, die früher in Organen der DDR gedient haben. Das meine ich pauschal und nicht auf eine bestimmte Person bezogen. Es ist völlig legitim wenn sie nach Gerechtigkeit verlangen.

" Der Interessierte "
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