Dille hat geschrieben:Noch ein Wort zum @Interessierten : es ist durchaus Realität und richtig, daß es nicht schwarz oder weiß zuging, und wer hier liest und verstehen will, soll auch verstehen, daß es eben "so'ne und solche" gab, daß es hier so ausgehen konnte, und dort ganz anders --- und er/ sie soll dann auch verstehen, daß es gegen Entscheidungen (z.B. Verweis von der Schule) keine Möglichkeit gab, Rechts- staatlich vorzugehen, ganz im Gegenteil --- solche Entscheidungen mußten dann gemeinsam in der Aula noch belobhudelt werden. Und hier möchte ich doch gerne mal jene "...man mußte nicht Mitglied sein....." hören, ob sie dann auch noch die Zivilcourage besessen hätten, in der Aula aufzustehen und sich öffentlich gegen eine solche Entscheidung auszusprechen --- Respekt für jede(n), die/ der hier "den Finger hebt" (ich auch nicht).
(meine Unterschrift unter die Zustimmung zur brüderlichen Hilfe in der CSSR 1968 fiel leider einem grippalen Infekt zum Opfer -- so sah der feige Widerstand aus)
So hat das eben funktioniert in einem Nicht- Rechtsstaat, eine Mischung von Duckmäusertum, fehlender Zivilcourage, eigenem kleinen Vorteil, Verantwortung für die Familie, Fehlen jeglicher Verwaltungsgerichtsbarkeit, und eben auch Repression bei zuviel Widerborstigkeit.
Hallo Dille, aus meiner Sicht ein wirklich guter Beitrag!
Zu Feigheit, Duckmäusertum und ..............., will ich nur sagen, alles Dinge, die in einer Demokratie ebenso vorhanden sind. In der Privatwirtschaft, wenn man seinen Job nicht unbedingt gleich verlieren will, bleibt auch oft nichts anders übrig, als feige zu sein – also berechnend zu kuschen. Und das gar nicht so selten. Wenn ich so zurückdenke, war meine Wenigkeit oft feige - also auch kein Held. Nur selten, wenn der Zorn überhandnahm, meldete ich mich zu Wort. Heute denke ich mir, hätte schon öfters das Maul aufreißen können. Auch beim Bundesheer, wo Drill durch manche sogenannte Arschlöcher unschöne Auswüchse annahm, haben alle geschwiegen. Man wollte ohne Probleme die Zeit (nur 6 - 8 Monate) so gut als möglich überstehen.
Die Feigheit – also das nicht mutig sein, läuft meist aber eher auf unbewusster Ebene ab. Keiner denkt ja in dem Augenblick: ich bin feige – ich bin berechnend....... erst im Nachhinein sinnt der eine oder andere darüber nach. Bei aller Feigheit kam ich aber auch zu dem Schluss, sie hat durchaus auch ihre positive Seiten. Wenn ohne Mitläufertum ausnahmslos alle immer nur Helden gewesen wären, vielleicht gäb`s uns gar nicht mehr.
Wollte ich nur so einbringen.
Ein kleiner Einwand noch, ich finde es nicht so gut, wenn man HJ mit FDJ vergleicht. Kenne zwar beides nicht, kann mir aber schon vorstellen, dass da vermutlich - im mehr oder weniger direkten oder indirekten Einhämmern weltverbesserlicher Dogmen – doch ein Qualitätsunterschied vorhanden war.
mfG
rupert