Post- und Telefonüberwachung

Alles zum Thema Geheimdienste und Sicherheit in der DDR und in der BRD

Die Abteilung M: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Volker Zottmann » 2. Juni 2012, 21:43

Jeden Monat fuhr meine Mutter per Bahn oder PKW einmal zum 24-köpfigen Urania-Präsidium nach Berlin, dem auch sie angehörte. Ihr Fahrer hatte dann bis zur Rückfahrt Freizeit.
Da wurde dann eingekauft, so ziemlich alles was es in der “Provinz” nicht gab. Zum Beispiel Südfrüchte, edle Salami oder simples Klopapier.
Die Anreise erfolgte wie heute von Magdeburg kommend, doch konnte niemand über Drewitz/Dreilinden fahren, denn eine “schöne” kreisrunde stets festlich beleuchtete Grenze um West-Berlin verhinderte das.
Die Fahrt ging also südlich an Schönefeld vorbei, um dann einen Haken schlagend (über das Adlergestell durch Köpenick fahrend) Berlin, die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, mit mindestens 50 km Umweg zu erreichen.
An allen Berliner Ausfallstraßen waren in den 60-er Jahren zu allem Überfluss noch militärische Straßensperren, wie im heutigen Westjordanland zu durchfahren. Nach all den widrigen Personenkontrollen hatte man es dann geschafft (oder eben auch nicht).

In den großen Ferien durfte ich etwa 3 Mal mitfahren. Ich bekam etwas Taschengeld außer der Reihe in die Hand gedrückt und machte als 13- bis 15-jähriger Junge Ost-Berlin unsicher.
Als erstes kaufte ich ein 50-Pfennig-Aufbaulos und gewann umgehend 20 Mark. Ein schöner Tag!
Ich lief “Unter den Linden” vom Zeughaus bis an die Absperrung vor das Brandenburger Tor am Pariser Platz. Weiter ging es nicht!
Was ist wohl dahinter?
Weitere Blicke in den Stadtteil Tiergarten, mit seiner schon damals alles überblickenden “Gold-Else” auf dem Großen Stern, waren durch die, hässliche Berliner Mauer, den sogenannten “Antifaschistischen Schutzwall”, versperrt.
Es war ja keineswegs so, dass die Westberliner die Eingesperrten waren. Nein, denn die konnten diese Exklave ja jederzeit zu jedem Punkt dieser Erde verlassen. Richtig ist, dass uns Ostdeutschen und vor allem den Ost-Berlinern jeder Zutritt nach West-Berlin versperrt war, 28 lange Jahre.
Um meinen ersten Berlinbesuch abzurunden fehlte mir nur noch ein Besuch bei der Staatssicherheit! … Bin aber, um es vorweg zu nehmen, nur bis vor’s Tor irgend einer Versorgungseinrichtung gekommen!

Irgendwo nahe dem “Adlergestell” hatte der Urania-Fahrer plötzlich anzuhalten. Meine Mutter stieg aus, wechselte die Straßenseite über alle vier Fahrspuren und klingelte an einem großen verplatteten Eisentor. Mein Onkel kam umgehend heraus. Jetzt wusste auch ich, dass hier seine Arbeitsstelle, eine Versorgungsstelle der Staatssicherheit war. Hier arbeitete also mein Onkel Herbert, ihr Bruder.
Alles in allem vergingen keine 3 Minuten. Der Onkel stellte 5 große Papiersäcke vor die Tür und verschwand wieder, hastig, ohne mich zu begrüßen. Meine Mutter verstaute alle Säcke in Windeseile im Kofferraum des “EMW”. Dann ging die Fahrt Richtung Quedlinburg weiter.

Ich wurde zum absoluten Schweigen über das Gesehene vergattert. Doch warum Schweigen? Wenn alles rechtens ist, braucht doch niemand lügen oder etwas verheimlichen!
Die Tüten wurden in Quedlinburg irgendwann irgendwie aufgeteilt. Etwas zum Klappehalten für den Fahrer, einen Teil einer Tüte für Zottmanns, einen Teil für …
Wer noch was bekam oder bekommen musste bzw. wer oder welche Dienststelle den Löwenanteil erhielt, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.
Es ist jedoch nahe liegend, dass die Kreisdienststelle der Stasi in Quedlinburg die Zieladresse war und die Bonbons sicher nicht für ihre Inhaftierten gedacht waren.
Fakt ist aber, das der gesamte Inhalt gestohlene Bonbons aus Westpaketen waren. Angeblich wurden diese beschlagnahmt, weil die “verbrecherischen Bonner Ultras” in den Süßigkeiten verbotener Weise Tabletten schmuggelten.

Ich wurde ungewollt Zeuge eines klitzekleinen Puzzle-Teiles in Mielkes professionell betriebenem Postklau.

(Heute ist durch die Ermittlungen der Gauck-Behörde nachgewiesen, dass die “Stasipostler” tagtäglich in jedem einzelnen der 14 DDR-Bezirke mindestens 4.000 Pakete durchschnüffelten und in Selbstbedienung entnahmen, was gefiel …)
Warum aber bringt eine Mutter ihren minderjährigen Sohn in eine solch zwiespältige Situation?
Erziehungsberechtigten muss klar sein, dass Kinder und Jugendliche dieses Alters schon wesentlich mehr mitbekommen, als ihnen lieb ist!
Anzumerken ist, dass es die Urania-Berlin-Fahrten später monatlich einmal gab. Monat für Monat! Jahr für Jahr! Oft mit gleichem Haltepunkt.
(Erklärend ist anzumerken, dass in der DDR jeder Nomenklaturkader automatisch zur Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit verpflichtet und auch jederzeit dazu bereit war.)
Ihr Vater und ihr Bruder waren seinerzeit hauptamtliche Mitarbeiter. Über beide Fakten machte ich mir aber damals logischer Weise keine Gedanken, denn das war so gegeben, genauso, wie es jeden Winter schneite.

Hatten meine Schulfreunde Bonbons, oder Bollchen, wie es in Quedlinburg heißt, dann wurde geteilt. Hatte ich Bonbons, musste ich sie heimlich lutschen. Nie sollte davon jemand erfahren …
So wurde mein “Kollektivgeist” gestärkt …

1967 sah ich dann den Bau des Fernsehturms und die Kuppelmontage auf der Grünfläche gegenüber des Roten Rathauses.
Kurz nach der Einweihung 1969 war ich, bereits 18-jährig, mit meiner Mutter nach ihrer Urania-Sitzung zum krönenden Tagesabschluss auf den Fernsehturm “Sankt Walter” mittels Lift gefahren.
“Sankt Walter (Ulbricht)”, weil die Turmkugel ungewollt bei Sonnenschein immer ein schönes Kreuz erstrahlen lässt (in der Sowjetunion wäre der Architekt sicher sofort hingerichtet worden). Hier aber bekam der Turm nur seinen markanten Namen vom Berliner Volk und dessen Berliner Schnauze verpasst …
Die Ost-Elite wollte mittels Fernsehprominenz nun den Turm umbenennen, wollte gegensteuern. In Fernsehunterhaltungssendungen wurde nun vom “Telespargel” geredet. Diesen blödsinnigen Ersatznamen ließen sich die Berliner aber nicht aufdrücken …
Oben angekommen, suchte ich gleich das Brandenburger Tor.
“Dahinter das ist also West-Berlin?” – “Ja, Volker.” – “Und davor, das ist Ost-Berlin!”
Da wurde Mutter fuchtig, schaute sich unsicher um und herrsche mich dann an: “Das ist der demokratische Sektor!” (Dieser komische Satz fiel wortwörtlich.)
Nun wußte ich Bescheid.
Volker Zottmann
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 10:48

Volker Zottmann hat geschrieben:Nein, denn die konnten diese Exklave ja jederzeit zu jedem Punkt dieser Erde verlassen. Richtig ist, dass uns Ostdeutschen und vor allem den Ost-Berlinern jeder Zutritt nach West-Berlin versperrt war, 28 lange Jahre.
.



Ich will nur mal auf einen Punkte eingehen,

Es durfte also von 1961 bis 1989 kein Bürger der DDR nach Westberlin fahren ? Das dürften aber tausende anders sehen.

Glaubst Du selbst alles was Du schreibst ?
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Buscho » 3. Juni 2012, 15:10

Alfred ,
nu machst Du Dich aber unglaubwürdig , Du weisst was VZ zum Ausdruck bringen wollte , sonst hättest Du ja nicht geantwortet .
Wenn es möglich gewesen wäre , warum dann am 9.11.1989 der Stau an der Grenzeübergangsstelle Bornholmer Strasse ? Der Stau war so lang , das Otl Jäger die Kontrolle aussetzte .

Aber das Thema heißt - Postraub -

Buscho
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 15:15

Buscho,

auch das Thema Postkontrolle hatten wir schon.

Es geht darum was geschrieben wird.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Buscho » 3. Juni 2012, 15:30

Alfred ,
Postraub , Postkontrolle , Postklau hatten wir sicherlich , aber nicht das Erlebte von VZ .
Ob geschrieben oder gelesen , am glaubwürdigsten sind die selbst gesehnen Vorkommnisse .

Buscho
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 15:44

Buscho,

es geht ganz einfach darum, dass hier vielleicht Leute lesen, die noch JUNG an Jahren sind. Da sollte man schon die Wahrheit über die Reisetätigkeit schreiben. Und so wie dargestellt war es eben NICHT ! Da sind wir uns doch einig, oder ?

Da sollte man bei den Tatsachen bleiben.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon augenzeuge » 3. Juni 2012, 15:47

Alfred hat geschrieben:Es durfte also von 1961 bis 1989 kein Bürger der DDR nach Westberlin fahren ? Das dürften aber tausende anders sehen.

Glaubst Du selbst alles was Du schreibst ?


Willst du jetzt wirklich Tausende gegen Millionen ausspielen? [wink]
AZ
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 15:55

AZ,

man sollte bei den Tatsachen bleiben. Das insgesamt Millionen Bürger der DDR in die BRD und nach WB reisten ist doch bekannt.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Huf » 3. Juni 2012, 16:00

Also ich durfte nie vor dem 09.11.1989 in den Westen fahren, stets ohne Begründung abgelehnt! [sick]

VG Huf [hallo]
Huf
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Buscho » 3. Juni 2012, 16:09

Alfred ,
bitte kurze , aber zweifelsfreie Antwort auf die Fragen

a- konnte VZ an dem von ihm beschriebenen Tag über eine Güst in den Westteil von Berlin reisen ?
b- konnte sich Michael Gartenschläger nach den Absperrmassnahmen weiterhin seine Ted Herold Platten im Westen holen ?

wenn nein ,
was hätten sie machen müssen um legal in den Westteil von Berlin zu kommen und da sie minderjährig waren natürlich mit einem Elternteil .
( Mutter von VZ war ja schon bei ihm )

Buscho
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon augenzeuge » 3. Juni 2012, 16:10

Alfred hat geschrieben:AZ,

man sollte bei den Tatsachen bleiben. Das insgesamt Millionen Bürger der DDR in die BRD und nach WB reisten ist doch bekannt.


Richtig, aber schreib bitte auch die Bedingungen dazu! Und im Vergleich die Ablehnungen.

Hast du die Berichte der Maueröffnung nie gesehen, Alfred? Warum lagen sich die Menschen weinend in den Armen, freuten sich, nach 28 Jahren ihre Freunde sehen zu dürfen? Wenn es zuvor eine Normalität bei den Reisen gegeben hätte, wären diese Bilder nie so entstanden, oder?
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Volker Zottmann » 3. Juni 2012, 16:11

Mich würde viel mehr interessieren, wer noch von den beschlagnahmten Sachen wusste, evt. auch Bonbon aus geöffneten Paketen lutschte.
Meine Oma bekam vor 1961 ein total zerfleddertes Paket vom Zoll. Da war alles ineinander gekippt. Alle Tüten mit Backzutaten geöffnet, Da haben meine Eltern, also auch meine Mutter, eine Beschwerde nach Berlin geschrieben. Postwendend kam ein Entschuldigungsschreiben und reichlich Ersatz. Da war ich vielleicht 8 bis 10 Jahre alt. Woher kam aber der Ersatz? Das frage ich heute.
Und als ich 13 war, schmeckten mir die ersten "Nimm2Bonbons" sicher.
Nur hat die Begebenheit auch mein Denken ingang gesetzt. Ich sah die traurigen Augen meiner inzwischen verstorbenen Oma und stellte mir vor, wem man wohl nun all die Bonbons geklaut hat.
Mich in dieses Geschehen einzubeziehen, war für meine Erziehung eine pädagogische "Meisterleistung".
Volker Zottmann
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 16:12

Buscho,

Reisen waren im Rahmen der entsprechenden Regeln möglich und dies nutzen Millionen. Die Zahlen sind bekannt.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Buscho » 3. Juni 2012, 16:17

Alfred hat geschrieben:AZ,

man sollte bei den Tatsachen bleiben. Das insgesamt Millionen Bürger der DDR in die BRD und nach WB reisten ist doch bekannt.


Ja Alfred Du Schlitzohr , das ist schon richtig was Du schreibst !

Aber ich meine NACH dem Mauerbau und VOR dem Fall der Mauer .

Buscho
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 16:20

Buscho,

ja, die Zahlen beziehen sich doch auf die Zeit nach August 1961.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon augenzeuge » 3. Juni 2012, 16:33

Alfred hat geschrieben:AZ,

man sollte bei den Tatsachen bleiben. Das insgesamt Millionen Bürger der DDR in die BRD und nach WB reisten ist doch bekannt.


Alfred, bring doch mal Zahlen, wie viele Menschen von 1961-1971 in die BRD reisen durften, die nicht im Rentenalter waren.
AZ
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 16:35

Hier erst mal ein anderer Zeitraum.

"Des Weiteren war eine deutliche Verbesserung im innerdeutschen Reiseverkehr zu verzeichnen. Gab es 1984 1,5 Millionen Reisen von Rentnern aus der DDR in die Bundesrepublik, steigerte sich die Zahl 1985 auf 1,6 Millionen, 1986 auf 1,7 Millionen und 1987 schließlich auf 3,8 Millionen Reisen. Die Zahl der Reisen in dringenden Familienangelegenheiten stieg von 61.000 (1984) und 66.000 (1985) auf 244.000 im Jahr 1986 und schließlich auf 1,2 Millionen 1987."

Quelle: Konrad Adenauer Stiftung
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Sirius » 3. Juni 2012, 16:46

Ich habe einmal ein paar Zahlen von Anfang der achtziger Jahre, 1981/1982. Es gab jährlich ca. 1,5 Millionen Reisen von DDR-Rentnern in die BRD, aber jährlich nur 37.000 Reisen von DDR-Bewohnern, die noch nicht im Rentenalter waren. Also, 98 % der Westreisen wurden von Rentnern durchgeführt! Von 17 Millionen Einwohnern waren 18 % Rentner (= 3 Millionen). Das heißt, dass es 14 Millionen unterhalb des Rentenalters gab, von denen gerade einmal 37.000, also 0,26 % jährlich in die BRD reisen durften.

Das ein paar Jahre später mehr reisen durften, hatte nichts mit Großzügigkeit zu tun, sondern war Folge der finanziellen Schwierigkeiten, um vom Westen Geld zu bekommen.
Zuletzt geändert von Sirius am 3. Juni 2012, 17:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 16:50

Sirius,

schon mal auf die Idee gekommen, dass einiges auch an der Politik lag ?

Denk mal an die Verträge die ab Anfang der 70 iger Jahre abgeschlossen wurden.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Affi976 » 3. Juni 2012, 17:06

Im Buch "Westreisen" von Werner Paulsen kommen folgende Zahlen:
Jahr---------Rentnerreisen--------------------- Reisen in dringenden Fam.-ang.---------------------Gesamt
1982.........1,554000................................46000................................................1,600000
wähend Rentnerreisen in der Zahl konstant bleiben, steigen die Privatreisen über 64000, 66000 auf die folgende Reihe
1986.........1,516000...............................244000................................................1,700000
1987.........3,800000.............................1,200000................................................5,0000000
1988.........6,700000.............................1,100000................................................7,8000000
Darüber hinaus gab es Reisen in nichtsozialistische- und KSZE-Staaten im Jahr 1987 - 1421 und im Jahr 1988 - 1988 !
Über Dienstreisen in o.g. Länder liegen allerdings keine Zahlen vor.

VG Affi
Zuletzt geändert von Affi976 am 3. Juni 2012, 17:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Sirius » 3. Juni 2012, 17:12

Alfred hat geschrieben:Sirius,

schon mal auf die Idee gekommen, dass einiges auch an der Politik lag ?


Das die jüngere Bevölkerung kaum in den Westen/NSW reisen durfte? Der Grund war ganz einfach - die Menschen wären sonst in großer Zahl ausgereist, so wie bis zum August 1961. Insbesondere den Verlust einer größeren Zahl von Fachkräften wie Ärzte, Ingenieure, Techniker u.s.w.. hätte die DDR kaum verkraftet.

Alfred hat geschrieben:Denk mal an die Verträge die ab Anfang der 70 iger Jahre abgeschlossen wurden.


Die Zahl der Reisen stieg doch erst in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, das war doch lange Zeit nach den Verträgen, über 15 Jahre später. Aber selbst dann gab es keine richtige Reisefreiheit in den Westen, es durften doch bis auf Ausnahmen vor allem nur Einzelpersonen fahren, die "Geiseln" zurück ließen.
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Sirius » 3. Juni 2012, 17:38

Volker Zottmann hat geschrieben:(Heute ist durch die Ermittlungen der Gauck-Behörde nachgewiesen, dass die “Stasipostler” tagtäglich in jedem einzelnen der 14 DDR-Bezirke mindestens 4.000 Pakete durchschnüffelten und in Selbstbedienung entnahmen, was gefiel …)
Warum aber bringt eine Mutter ihren minderjährigen Sohn in eine solch zwiespältige Situation?
Erziehungsberechtigten muss klar sein, dass Kinder und Jugendliche dieses Alters schon wesentlich mehr mitbekommen, als ihnen lieb ist!


Volker,
ich habe einen Artikel im Spiegel zu der Thematik gefunden, aus dem Jahr 1976. Interessant ist, dass man schon damals wusste, wo die entnommene Ware gelandet war:

Der kleinere Teil der Verluste geht nach Schätzung von West-Postlern auf Diebstähle der im Osten immer noch äußerst begehrten Sendungen zurück. Vier Jahre Gefängnis für fortgesetzten Paketdiebstahl, über Post- und Zollbeamte verhängt, sind in der DDR keine Seltenheit. Ein Taschenrechner etwa (Einfuhr im Geschenkpaket erlaubt). der vom Zöllner auf dem Röntgenschirm geortet wird, findet schnell einen Dieb. Ein Hamburger schickte im vergangenen November bereits den zweiten -- er kam auch nicht an.

Der größere Teil der Verluste aber ist Folge amtlicher Maßnahmen: Das Beschlagnahmte wird in das Berliner Zentral-Asservatenlager geschafft und bevorzugten Partei- wie Regierungskreisen zum Billig-Kauf angeboten. Geschätzter Warenwert seit 1973: rund zehn Millionen Mark.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41279571.html
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Volker Zottmann » 3. Juni 2012, 17:44

Mit Verlaub, die Diskussion ist kalter Kaffee.
Ich beschreibe die Zeit, als ich 13 bis 15 Jahre alt war. Das war 1964 bis 1966.
Da wir ja soviel reisen konnten wir Reiselustigen war also die Mauer nur da, damit ich 13-Jähriges Provinzei mich schneller in den Westen finde. Nun habe ich Alfred verstanden. [super]
So, das war nur ein lustiger Einwurf, denn ich will mich nicht streiten!
Was aber der "Staatsmacht" hier gelungen ist, ist vom brisanten Thema abzulenken.

Bitte beantwortet mal meine aufgeworfenen Fragen, so Ihr könnt.
Volker Zottmann
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 18:01

Herr Zottmann,

nochmals. Dies war DEINE Mitteilung: "Richtig ist, dass uns Ostdeutschen und vor allem den Ost-Berlinern jeder Zutritt nach West-Berlin versperrt war, 28 lange Jahre."

Und die ist so definitiv falsch.

Sirius,

die Zahlen - unterhalb des Rentenalters - sind doch aufgeführt.

Und auch Ärzte durften REISEN.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon augenzeuge » 3. Juni 2012, 18:08

Volker Zottmann hat geschrieben:Mich würde viel mehr interessieren, wer noch von den beschlagnahmten Sachen wusste, evt. auch Bonbon aus geöffneten Paketen lutschte.


Alfred, welche Chancen bestanden denn für den Empfänger, diese Dinge zurückschicken zu lassen bzw. zu inspizieren?
AZ
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Volker Zottmann » 3. Juni 2012, 18:09

Alfred hat geschrieben:Herr Zottmann,

nochmals. Dies war DEINE Mitteilung: "Richtig ist, dass uns Ostdeutschen und vor allem den Ost-Berlinern jeder Zutritt nach West-Berlin versperrt war, 28 lange Jahre."

Und die ist so definitiv falsch.

Sirius,

die Zahlen - unterhalb des Rentenalters - sind doch aufgeführt.

Und auch Ärzte durften REISEN.


Also verbessere ich meine allen Anderen verständliche Aussage:
Uns, der breiten Masse der DDR-Bevölkerung war jeder Zutritt versperrt.
Ich möchte doch, dass auch ältere Offiziere oder Generäle mir folgen können.

Liebe Grüße, Volker
Volker Zottmann
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Wosch » 3. Juni 2012, 18:42

Was die Westreisen der DDR betrifft kann ich über den Versuch von @Alfred, uns weißmachen zu wollen daß die DDR ein für Westreisen offenes Land war, nur mit den Kopf schütteln. Hier werden doch offensichtlich Zahlen verdreht, verfälscht und zur Verdummung der Leser taktisch aufgearbeitet. So ein Rentner zum Beispiel hatte soundsoviele Tage, die er sich in der BRD aufhalten durfte. Diese teilte er sich zB. auf insgesamt 4 Besuchsreisen ein und unser Alfred macht dann einfach aus diesen 4 Westreisen vier Rentner in der Statistik die in dem besagten Jahre in die BRD reisten. So kamen natürlich auf dem Papier fast mehr Rentner in den Genuß dieser "Freizügigkeit" als es in der DDR wirklich gegeben hatte.
Außerdem müßten wir hier in der BRD ja Alle blind gewesen sein, weil wir das reisefreudige "Jungvolk" in der BRD übersehen hatten. Mir persönlich sind keine Personen bekannt, die außerhalb des Rentenalters bzw des Invalidensein´s hier einreisen durften, die sprichwörtlichen Ausnahmen hatte es sicher gegeben- es mußten aber schon sehr sehr gewichtige Gründe vorgelegen haben. Meine Schwester durfte erstmalig 1984 (50jährig)kommen, zur Beerdigung ihrer 78jährigen Tante- Mann und Kinder durften nicht mitkommen, ihr Arbeitgeber gab eine für sie positive "Stellungnahme" ab. Ost-Autos (außer denen von DEUTRANS) sind mir vor der Wende hier nie begegnet (Ich hätte sie bemerkt) und bei meinen vielen Zugreisen hatte ich eigentlich nur Rentner oder Reisende mit Trauer-Hintergrund in den Zügen Richtung Hamburg endecken können.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]

PS: Zu meinen Geburtstagen wurden alle Anträge meiner Geschwister abgelehnt, die Mutter durfte als sie Frühinvalidin wurde und der Vater erst nach Vollendung seines 65. Lebensjahres. So sah es aus, alles Andere ist Wunschdenken und entsprach nicht der Realität!!
Wosch
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Alfred » 3. Juni 2012, 18:45

Wosch,

dies sind nicht meine Zahlen, sondern Zahlen der K. Adenauer Stiftung.
Alfred
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Volker Zottmann » 3. Juni 2012, 18:51

[mundzu]
Volker Zottmann
 

Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon Huf » 3. Juni 2012, 18:56

Es wird zwar voll OT, aber wovon reden wir hier eigentlich? Von Reisefreiheit?
Reisefreiheit ist, wenn ich mich mit einem gültigen Personaldokument auf den Weg außerhalb meines Heimatlandes mache, ohne zuvor jemanden fragen zu müssen, außer, es besteht Visumspflicht.

@Alfred, und das gab es in der DDR zwischen dem 13.08.1961 und dem 09.11.1989?

Träume mal weiter...

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