Privilegierte Flucht über die Ostsee

Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon Icke46 » 21. Mai 2026, 08:16

Ich lese schon seit einigen Tagen online die Dokumentensammlung „Die DDR im Blick der Stasi“. Die Bände sind in Jahre aufgeteilt und ich bin mittlerweile im Jahr 1970 angekommen.

Dabei ist mir dieser Bericht aufgefallen, und ich fand es doch erstaunlich, was in diesem Jahr so alles möglich war:

IMG_1240.jpeg


Ich hätte nicht gedacht, dass es 1970 im Bezirk Rostock 5470 Personen mit der Genehmigung zum befahren der seinerzeitigen 3-Meilen-Zone und annähernd 500 Personen mit Genehmigung für internationale Gewässer gab. Genauso erstaunlich fand ich, dass sich der im Bericht genannte Arzt eine Segeljacht für 40.000 M bauen ließ. Nichts ist unmöglich, scheint mir….

Lustig finde ich ja, dass die Ehefrau Lehrerin für Marxismus-Leninismus war - ob sie auch im Westen dasselbe Fach unterrichtet hat [denken] ?
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 21. Mai 2026, 17:00

dass die Ehefrau Lehrerin für Marxismus-Leninismus war


Nicht nur das war interessant. Und nein, deine Fragen lassen mich auch erstaunen. Hätt ich nicht in der Größenordnung vermutet.

Aber das war ne Zeit, wo man noch ein paar Chancen hatte, übern Zaun/ übers Meer zu kommen.

Achso, im Westen bekamst du schon mit sozialistischer Ökonomie (Studium) keinen Job. Die Lehrerin musste flexibel sein. Dein Studium nützte dir jedoch nix.

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon karnak » 21. Mai 2026, 17:28

Und was soll das sein, eine Leherin für Marxismus-Leninismus, eine Staatsbürgerkundelehrerin?
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon pentium » 21. Mai 2026, 17:32

Was soll eine priviligierte Flucht sein?

Das maritime Grenzregime der DDR war lückenlos organisiert. Um die Fluchtbewegung über das Meer zu stoppen, gab es eine strikte Dreiteilung der Zonen und Genehmigungen: [1, 2, 3]

## 1. Die Drei-Meilen-Zone (Das Küstenmeer) [4]
Die Drei-Meilen-Zone (ca. 5,5 Kilometer) bildete das Hoheitsgebiet der DDR unmittelbar vor der Küste. [1, 5]

* Tagsüber: Das Befahren war für Freizeitkapitäne und Angler theoretisch erlaubt, sofern das Boot registriert war und die Insassen eine entsprechende Genehmigung vorweisen konnten. [2, 4]
* Nachts: Ab Sonnenuntergang galt ein absolutes Fahrverbot. Boote mussten im Hafen an fest zugewiesenen Plätzen angekettet und verschlossen werden. [6]
* Sperrungen: Der Strand selbst wurde nachts mit starken Scheinwerfern beleuchtet und durfte von Zivilisten nicht mehr betreten werden. Radar- und Suchtürme der [Grenzbrigade Küste](http://ostsee-grenzturm.com/en/border-history/) überwachten jeden Meter dieser Zone. [1, 2, 7]

## 2. Der „Passierschein“ (Die Genehmigung PM 18)
Wer sich als DDR-Bürger privat auf der Ostsee bewegen wollte, stieß auf ein bürokratisches System aus Sonderstempeln und Genehmigungen. Für das küstennahe Gewässer war die PM 18 entscheidend: [4]

* PM 18 (Befahren der Küstengewässer): Dies war der umgangssprachliche „Passierschein“ für den privaten Wassersport im küstennahen Raum (innerhalb der 3-Meilen-Zone). [4]
* Voraussetzungen: Man erhielt diesen Stempel in den Personalausweis nur nach einer gründlichen Überprüfung durch die [Stasi](https://rathaus.rostock.de/de/quot_imme ... asi/293433). Wer Verwandte im Westen hatte oder politisch auffiel, bekam keine Genehmigung. [4, 8]
* Einschränkungen: Selbst mit PM 18 mussten Bootsführer vor jedem Auslaufen bei den Grenztruppen einen exakten Fahrtenschritt (inklusive Rückkehrzeit und namentlicher Besatzungsliste) anmelden.

## 3. Das „PM 19“ (Das Ticket für die Hochsee)
Der Vermerk PM 19 war die höchste und am schwersten zu erlangende Stufe der maritimen Reiseerlaubnis. [4, 8]

* Verlassen der DDR-Gewässer: Das PM 19 berechtigte den Inhaber, die Seegrenzen der DDR komplett zu überschreiten und internationale Gewässer oder ausländische Häfen anzusteuern. [4]
* Zielgruppe: Diese Genehmigung erhielten fast ausschließlich Berufsschiffskapitäninnen und -kapitäne, Seeleute der [Deutschen Seereederei (DSR)](https://www.mdr.de/geschichte/ddr/wirts ... e-100.html) sowie absolute Spitzensportler im Bereich des Hochseesegelns. [4, 9, 10]
* Sicherheitsprüfung: Die Vergabe war an radikale politische Linientreue geknüpft. Oft mussten Familienmitglieder als „Geiseln“ in der DDR zurückbleiben, um das Risiko einer Republikflucht zu minimieren. [8]

## Absurde Konsequenzen für den Alltag
Aufgrund der extremen Fluchtgefahr wurden bestimmte Sportarten an der Ostsee komplett verboten oder stark eingeschränkt: [7, 11]

* Paddel- und Schlauchboote: Der private Besitz und die Nutzung an den Stränden der offenen Ostsee waren streng untersagt.
* Windsurfen: Das in den 70er/80er Jahren aufkommende „Brettsegeln“ wurde an den Küsten weitgehend verboten. Surfen durfte man meist nur auf Binnenseen, da ein Surfbrett als potenzielles Fluchtmittel eingestuft wurde. [7, 11]

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie die Grenzbrigade Küste die Einhaltung dieser Zonen technisch überwachte, oder interessiert Sie ein konkretes Fluchtschicksal aus dieser Zeit? [3, 12]

[1] [https://paz.de](https://paz.de/artikel/wie-die-ddr-die- ... 13369.html)
[2] [https://ostsee-grenzturm.com](http://ostsee-grenzturm.com/en/border-history/)
[3] [https://www.politische-bildung.sh](https://www.politische-bildung.sh/veran ... stsee.html)
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon pentium » 21. Mai 2026, 17:34

karnak hat geschrieben:Und was soll das sein, eine Leherin für Marxismus-Leninismus, eine Staatsbürgerkundelehrerin?


Eine Lehrerin für Marxismus-Leninismus (ML) war eine Lehrkraft an Hochschulen, Fachschulen oder in der Parteischulung der DDR. Sie vermittelte die offizielle Staatsideologie – bestehend aus historischem Materialismus, wissenschaftlichem Kommunismus und Politischer Ökonomie – und bereitete angehende Kader auf Parteilinie vor.

sagt wikipedia
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon pentium » 21. Mai 2026, 17:40

*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon Icke46 » 21. Mai 2026, 18:13

Zu dem Punkt PM18 bei pentium: Das ist auch so ein Gag bei dem im Bericht erwähnten Ophtalmologen: Sein Vater hat die DDR 1955 Richtung Westen verlassen, bei lückenloser Überwachung hätte er keine Genehmigung für die Ostsee bekommen dürfen…..
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon pentium » 21. Mai 2026, 18:16

Icke46 hat geschrieben:Zu dem Punkt PM18 bei pentium: Das ist auch so ein Gag bei dem im Bericht erwähnten Ophtalmologen: Sein Vater hat die DDR 1955 Richtung Westen verlassen, bei lückenloser Überwachung hätte er keine Genehmigung für die Ostsee bekommen dürfen…..


Es gab keine lückenlose Überwachung....
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 21. Mai 2026, 18:18

Icke46 hat geschrieben:Zu dem Punkt PM18 bei pentium: Das ist auch so ein Gag bei dem im Bericht erwähnten Ophtalmologen: Sein Vater hat die DDR 1955 Richtung Westen verlassen, bei lückenloser Überwachung hätte er keine Genehmigung für die Ostsee bekommen dürfen…..


Das zählte nicht allein. Wichtiger war z.B. die Einschätzung im Betrieb, Familie, überwachte Kontakte/Briefe zum Vater.... etc.

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon Icke46 » 21. Mai 2026, 19:23

pentium hat geschrieben:
Icke46 hat geschrieben:Zu dem Punkt PM18 bei pentium: Das ist auch so ein Gag bei dem im Bericht erwähnten Ophtalmologen: Sein Vater hat die DDR 1955 Richtung Westen verlassen, bei lückenloser Überwachung hätte er keine Genehmigung für die Ostsee bekommen dürfen…..


Es gab keine lückenlose Überwachung....


Nun widersprichst Du Dir aber, wenn Du im ersten Satz schreibst, dass das maritime Grenzregime lückenlos organisiert war [grins] ….
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon andr.k » 21. Mai 2026, 20:55

Unfassbar was hier Landratten fabulieren ... [flash]
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 21. Mai 2026, 20:58

andr.k hat geschrieben:Unfassbar was hier Landratten fabulieren ... [flash]


Wenn du das erklären möchtest, dann wäre es sehr schön.

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 22. Mai 2026, 06:21

augenzeuge hat geschrieben:
andr.k hat geschrieben:Unfassbar was hier Landratten fabulieren ... [flash]


Wenn du das erklären möchtest, dann wäre es sehr schön.

AZ


Andr. K, Du verhältst Dich ja wie die AfD? "Maul aufreißen", es besser wissen, und am Ende kommt ne Luftnummer. [laugh]

Ok, ich kenn da ne ganz andere norddeutsche Art. [denken]

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon Edelknabe » 22. Mai 2026, 09:16

Da seht ihr einmal was diese DDR für ein aufgeklärter Staat war. Das Zauberwort war wahrscheinlich "Beziehungen". Etwas was man haben musste ob Arbeiterklasse, Intelligenz bzw. Bauersmann. Was ich aber nicht so richtig verstehe ist diese Übervorsicht an Stränden wie Boltenhagen? Meinte da Staat ernsthaft, es könnte Jemand mit einer Luftmatratze die Fliege machen?

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 22. Mai 2026, 09:40

Edelknabe hat geschrieben:Meinte da Staat ernsthaft, es könnte Jemand mit einer Luftmatratze die Fliege machen?

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Ja, da hat es wohl Versuche gegeben. Und dann wars eben verboten.

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon Edelknabe » 22. Mai 2026, 12:03

Ich erinnere mich Ostsee zu DDR-Zeiten. Da ging nichts zu jeder Tageszeit ohne Volksmarine am Horizont Etwas was ich nach 1990 richtig vermisst habe, deren Boote aller Art, dort weit draußen. Deswegen hatte ich mir ja auch ein für damalige Verhältnisse recht modernes Fernglas zu gelegt. Eines was dann später völlig sinnlos im Strandkorb lag. Luftmatratze bei Nacht sehe ich ja noch ein nur am Tage entschuldige Jörg, das Verbot war bestimmt Paranoia.

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 22. Mai 2026, 12:28

Edelknabe hat geschrieben:Jörg, das Verbot war bestimmt Paranoia.
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Wenn du das heute immer noch glaubst, dann hat es keinen Zweck, dir das Gegenteil zu beweisen. [angst]

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon Icke46 » 22. Mai 2026, 15:58

Nun ja, Paranoia könnte man ja sagen, die Frage ist nur bei wem [grins] .

So lese ich in der Anordnung über die Ordnung in den Grenzgebieten und den Territorialgewässern der Deutschen Demokratischen Republik
-Grenzordnung-
vom 15. Juni 1972

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 22. Mai 2026, 16:16

Icke46 hat geschrieben:Nun ja, Paranoia könnte man ja sagen, die Frage ist nur bei wem [grins] .

So lese ich in der Anordnung über die Ordnung in den Grenzgebieten und den Territorialgewässern der Deutschen Demokratischen Republik
-Grenzordnung-
vom 15. Juni 1972

IMG_1242.jpeg


Ja, soviel zur Theorie. [flash] Wobei, das was ortsabhängig.

Wenn ich selbst nicht dabei gewesen wäre, als man uns die Nutzung von Schlauchboot und Luftmatratze offiziell untersagte....am FKK.

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon pentium » 22. Mai 2026, 18:19

Edelknabe hat geschrieben:Ich erinnere mich Ostsee zu DDR-Zeiten. Da ging nichts zu jeder Tageszeit ohne Volksmarine am Horizont Etwas was ich nach 1990 richtig vermisst habe, deren Boote aller Art, dort weit draußen. Deswegen hatte ich mir ja auch ein für damalige Verhältnisse recht modernes Fernglas zu gelegt. Eines was dann später völlig sinnlos im Strandkorb lag. Luftmatratze bei Nacht sehe ich ja noch ein nur am Tage entschuldige Jörg, das Verbot war bestimmt Paranoia.

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Die DDR-Flüchtlinge steuerten über die Ostsee vor allem Dänemark und die westdeutsche Insel Fehmarn an. Schweden war aufgrund der riesigen Entfernung extrem selten das direkte Ziel, und mit „Fährmann“ meinst du höchstwahrscheinlich die deutsche Ostseeinsel Fehmarn, die der DDR-Küste (beispielsweise ab Kühlungsborn) am nächsten lag. [1, 2]

Die Fluchtziele gliederten sich wie folgt auf:

* Dänemark (Sehr häufiges Ziel): Die dänischen Inseln Lolland (mit der Südspitze [Gedser](https://www.spiegel.de/geschichte/kalte ... 83335.html)) und Bornholm lagen geografisch sehr günstig. Viele Flüchtlinge trieben gezielt dorthin oder versuchten, die dänischen Gewässer zu erreichen, weil sie dort sicher vor der DDR-Grenzbrigade waren. [3, 4]
* Fehmarn / Schleswig-Holstein (Häufiges Ziel): Die schleswig-holsteinische Küste und die Insel Fehmarn waren die primären Ziele in Westdeutschland. Spektakulär war zum Beispiel die Flucht von Peter Döbler, der 1971 in einer 25-stündigen Extremleistung die 48 Kilometer von Kühlungsborn bis nach Fehmarn [durchschwamm](https://www.kas.de/de/veranstaltungsber ... die-ostsee). [1, 2, 5]
* Internationale Schifffahrtsrouten (Die „Fährstraßen“): Viele Flüchtlinge paddelten oder schwammen gar nicht bis ans andere Ufer, sondern versuchten, die stark befahrenen Linien der West-Fähren und Frachter zu erreichen. Sie hofften darauf, von einer dänischen oder westdeutschen Fähre (wie der Route Gedser–Großenbrode) entdeckt und an Bord geholt zu werden. [2]
* Schweden (Sehr selten): Schweden lag schlicht zu weit entfernt, um es mit einer Luftmatratze, einem Kajak oder schwimmend aus eigener Kraft zu erreichen. Nur Flüchtlinge auf großen Ostsee-Kreuzfahrtschiffen der DDR (wie der Völkerfreundschaft) nutzten manchmal einen unbewachten Moment, um in schwedischen Gewässern von Bord zu springen. [6]

Es gibt keine exakte offizielle Statistik, wie viele Personen speziell mit einer Luftmatratze geflohen sind, da die DDR-Behörden und historische Forschungen alle Fluchtversuche über das Meer zusammenfassen. [1, 2, 3]
Historiker ordnen die Zahlen der gesamten Ostsee-Fluchten wie folgt ein:

* Die Gesamtzahl: Zwischen 1961 und 1989 versuchten rund 5.600 bis 6.000 Menschen die Flucht über die Ostsee. Ein beachtlicher Teil davon nutzte einfache Badeutensilien wie Luftmatratzen, Schlauchboote oder Surfbretter. [2, 4, 5]
* Erfolgreiche Fluchten: Nur etwa 913 bis 1.000 Menschen gelang es tatsächlich, den Westen, Dänemark oder ein rettendes Schiff zu erreichen. [2, 4, 6]
* Gefasst oder gestorben: Rund 80 Prozent der Flüchtlinge wurden von der DDR-Grenzbrigade Küste festgenommen. Wissenschaftliche Untersuchungen der [Universität Greifswald](https://www.uni-greifswald.de/forschung ... le-238787/) konnten bisher mindestens 135 Todesfälle (durch Ertrinken oder Unterkühlung) lückenlos belegen. [2, 4, 7]

Ein prominentes Beispiel:
Trotz der extremen Gefahren gab es spektakuläre Einzelschicksale. So schaffte es beispielsweise der DDR-Bürger Hans-Christian Hermsdorf, sich auf einer einfachen Luftmatratze unbemerkt über die Ostsee in die Freiheit treiben zu lassen, wie eine Dokumentation des [NDR](https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 36320.html) eindringlich beschreibt. [8]
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon pentium » 22. Mai 2026, 18:20

Luftmatratzen waren an der Ostsee in der DDR nicht offiziell verboten, aber ihre Nutzung war strikt reglementiert und extrem gefährlich. [1, 2]
Da die Ostsee die offene Grenze zum Westen darstellte, fürchtete das DDR-Regime die sogenannte Republikflucht. Deshalb gab es folgende Einschränkungen: [1, 3, 4]

* Strenge Kontrollen: Das Paddeln oder zu weite Herausschwimmen auf Luftmatratzen war verboten. Die Grenzbrigade Küste und die Volkspolizei holten Schwimmer sofort zurück ans Ufer. [2, 4, 5]
* Keine aufblasbaren Boote: Während einfache Schwimmringe toleriert wurden, waren Schlauchboote oder Luftmatratzen, die als Fluchtmittel hätten dienen können, verpönt und wurden oft streng kontrolliert. [1, 3, 4]
* Sperrstunden: Ab 20:00 Uhr waren der Strand und das Wasser komplett gesperrt und wurden von Scheinwerfern abgeleuchtet. [1, 4]
* Grenzzone: Der gesamte 5-Kilometer-Streifen entlang der Küste war gesetzlich als Grenzzone deklariert, was den Zugang extrem erschwerte. [1]
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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon augenzeuge » 22. Mai 2026, 18:34

DDR-Bürger Hans-Christian Hermsdorf, sich auf einer einfachen Luftmatratze unbemerkt über die Ostsee in die Freiheit treiben zu lassen, wie eine Dokumentation des [NDR](https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 36320.html)

Leider findet man unter dem Link nix.

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Re: Privilegierte Flucht über die Ostsee

Beitragvon pentium » 22. Mai 2026, 18:39

augenzeuge hat geschrieben:
DDR-Bürger Hans-Christian Hermsdorf, sich auf einer einfachen Luftmatratze unbemerkt über die Ostsee in die Freiheit treiben zu lassen, wie eine Dokumentation des [NDR](https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 36320.html)

Leider findet man unter dem Link nix.

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Mal hier versuchen
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