Neues aus Tschernobyl...

Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon pentium » 7. Juli 2023, 14:49

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat recht ausführlich aus Anlass 25 Jahre Tschernobyl die damalige Arbeit zusammen getragen. Dabei wurde deutlich, was die DDR konnte (nämlich eine schwache Kontamination durch Messungen zu begleiten) und was nicht (bei einer stärkeren Kontamination hätten Mittel (Transport, Dekontamination, Jodtabletten usw.) und Notfallpläne gefehlt. Die Mängel wurden gerade wegen der Nichtinformationspolitik des großen Bruders sehr ernst genommen und akribisch zusammen getragen. Es gab dann auch Verbesserungen, ob sie bei im Ernstfall aber gegriffen hätten weiß ich nicht.

Die Entsorgung von manchem Salatkopf im Westen war pure Panik, geschürt von nicht einheitlichen Meldungen in der Presse und der nicht einheitlichen Reaktion der verschiedenen Behörden.
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 2. April 2025, 16:45

Ein ehemaliger Arbeitskollege gab mir die DVD aus 2019. Schreibweise "Chernobyl", bestimmt Ukrainisch? Insgesamt 2DVDs, fünf Teile. Ich wusste echt nicht, das wir da haarscharf an einer noch schlimmeren Katastrophe vorbeigeschlittert sind wenn das Atomzeugs, diese Schmelze (die Lava aus Bor und Sand) das Grundwasser erreicht hätte. Denjenigen die sich damals geopfert haben, zum Beispiel auch auch diesen Bergleuten aus Tula, diese dann die schon mit mehr Wissen um die Sache herangingen, denen sollte man mehr wie Denkmäler errichten.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon augenzeuge » 2. April 2025, 18:06

Edelknabe hat geschrieben:Ein ehemaliger Arbeitskollege gab mir die DVD aus 2019. Schreibweise "Chernobyl", bestimmt Ukrainisch? Insgesamt 2DVDs, fünf Teile.

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Die hier?
https://m.media-amazon.com/images/I/81G ... L1500_.jpg
Hab ich auch noch zu gucken, lohnt sich?

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 2. April 2025, 18:14

Auf jeden Fall Jörg lohnt sich das Teil. Stark diese Szene, wo die Anwohner das brennende Kraftwerk bestaunen und ihre Haare wohl durch die starke Radioaktivität wie im Wind zu fliegen beginnen Auch diese wo der alte Mann in der ersten Sitzung der Partei den Lenin sinngemäß zitiert.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon augenzeuge » 26. April 2026, 08:34

Mal wieder jährt sich dieser Tag.

Als sich am 26. April 1986 eine der gravierendsten menschgemachten Katastrophen aller Zeiten ereignet, bekommt fast die gesamte Welt es nicht mit. In einer Kette schwerer Fehler kommt es im Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl zur Kernschmelze - und zur Explosion. Heute ist klar, was damals geschah.


Die größte Lüge der Sowjets danach:
"Wir können heute feststellen, dass das Unglück keine Schäden in der Bevölkerung verursacht hat."
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/wi ... 44390.html

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon augenzeuge » 26. April 2026, 08:41

In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 gerät im Atomkraftwerk Tschernobyl ein Test an einem der Reaktoren außer Kontrolle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen vergeblich, die Schmelze des Reaktorkerns, den GAU, zu verhindern. Die Welt erfährt davon zunächst nichts.

Erst Tage später gibt es offizielle Informationen aus der sowjetischen Partei- und Staatsführung. Schweden meldet erhöhte Radioaktivität und vermutet einen Unfall im eigenen Atomkraftwerk Forsmark. Erst, als dort kein Problem gefunden werden kann und auch andere skandinavische Länder alarmierende Werte messen, richtet sich der Blick auf die Sowjetunion.

Nach 40 Jahren verschwimmen die Erinnerungen, man kann nicht mehr so einfach beantworten, wo man am 26. April 1986 war. Es ist die Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, es gab das Internet noch nicht, wer heute erwachsen oder vielleicht schon gar Senior ist, war ein Kind oder zumindest jung. Anderen haben sich die Erinnerungen regelrecht eingebrannt.

Susanne und Werner Rau sind im April 1986 von West-Berlin aus auf Motorrädern unterwegs in Italien. "Von der Tschernobyl-Katastrophe erfuhren wir durch das Radio", erzählt Susanne Rau. "Natürlich nur auf Italienisch, was ich ein bisschen verstand." Am nächsten Morgen kaufen sie in einem kleinen Laden in einem Dorf in der Toskana nicht nur Panini, sondern auch eine Zeitung, um mit Hilfe eines Wörterbuchs zu verstehen, was gerade passiert.

Was und wie viel man von den Geschehnissen in Tschernobyl erfährt, hängt stark davon ab, ob man diesseits oder jenseits des Eisernen Vorhangs lebt. In den westdeutschen Nachrichten fällt der Name Tschernobyl erstmals am 26. April um 21 Uhr, da ist das Reaktorunglück bereits das wichtigste Thema.

Frank Zörner ist im April 1986 bei der Volksmarine der DDR in Bad Sülze. Der damals 21-Jährige hat einen Dauer-Landgangschein und fährt immer wieder heimlich nach Hause. Er hört wie die meisten DDR-Bürgerinnen und -Bürger zuerst aus den Westnachrichten von den Vorgängen in der Ukraine. Während es dort bald kaum ein wichtigeres Thema gibt, herrscht in den DDR-Medien noch Stille.

Erst am 29. April, gegen Ende der "Aktuellen Kamera" ist in der Hauptnachrichtensendung des DDR-Fernsehens erstmals davon die Rede. Es sind wenige, dürre Sätze, die am nächsten Tag auch im SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" stehen - auf Seite fünf. In einem Atomkraftwerk in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik habe sich ein Unglück ereignet. Einer der Reaktorblöcke sei beschädigt worden. Es würden Maßnahmen ergriffen, um die Folgen zu beseitigen. Eine Regierungskommission sei eingesetzt.

Nie wieder unbeschwert?
"Wir dachten, die Russen haben dumme technische Fehler gemacht und so einen Reaktor gegen die Wand gefahren", erinnert sich Zörner. Über die Auswirkungen habe man sich einfach keine Gedanken gemacht. Tschernobyl ist so weit weg, die radioaktive Strahlung unsichtbar. So geht es vielen in der DDR.

"Die Russen haben erstmal dementiert und irgendwann kam es dann so stückchenweise raus", erinnert sich die damals 18-jährige Elke Hauser. Sie pendelt 1986 zwischen ihrem Heimatort Villingendorf und ihrem Ausbildungsort Stuttgart. Auch sie ist nicht besonders besorgt. "Es wurden regelmäßig Messwerte verlesen, überall. Es ging viel darum, ob man den Salat aus dem Garten essen soll und es wurde auch einiges untergepflügt. Auf keinen Fall sollte man Pilze aus dem Wald essen, weil sich da die Strahlung besonders ablagert. Man sollte auch nicht auf den Spielplatz gehen, aber dafür war ich mit 18 ja sowieso zu alt."

Doch so unbesorgt ist nicht jeder. Der heute 80-jährige Hans-Georg Stoppel gräbt im Ruhrgebiet seinen gesamten Kräutergarten um, die gerade 16-jährige Frauke Niemeyer gerät in den Tagen nach dem Unglück in Ostwestfalen-Lippe in einen Regenguss und reagiert fast panisch. "Zuhause habe ich ungefähr eine Stunde geduscht. Ich konnte diese Gefahr überhaupt nicht einschätzen. Am nächsten Tag war wieder herrlichstes Wetter und ich hatte das Gefühl, im Garten strahlt es von überall. Es schien mir alles toxisch zu sein. Ich dachte, jetzt kann ich nie wieder unbeschwert in der Natur sein."

Sabine Oelmann macht in West-Berlin gerade Abitur und spürt, dass ihre Eltern das Thema nur ungern besprechen, sondern eher "runterspielen". "Ich habe mir Sorgen über diese Wolke voller Dreck und Gift gemacht. Und darüber, ob unsere Kinder später krank zur Welt kommen würden, obwohl das wirklich noch weit weg war." Erst nach und nach wird das ganze Ausmaß der radioaktiven Wolken und ihre Verteilung über Europa bekannt. Hannes Schönemann war erst ein knappes Jahr zuvor aus der DDR, wo er in politischer Haft saß, nach Hamburg gekommen. "Ich habe versucht, alle mir wichtigen Menschen im Osten zu erreichen, um sie irgendwie zu beunruhigen, also wachsam zu machen. Im Osten wurde das ja sehr heruntergespielt."

Der 19-jährige Thomas Schmoll verlässt in Leipzig aus Angst vor dem radioaktiven Fallout kaum das Haus. Vor allem aber tun ihm die Menschen vor Ort leid, besonders die, die in Tschernobyl in schon damals vollkommen unzureichender Schutzkleidung versuchen, zu retten, was zu retten ist. "Es war klar, dass die Leute im Einsatz die Gefahren nicht kannten und sterben würden."

Als Susanne und Werner Rau auf dem Rückweg von Italien die DDR im Transit durchqueren, müssen sie mit ihren Motorrädern durch ein Becken mit einer dekontaminierenden Flüssigkeit fahren, "damit die Strahlung nicht in die DDR gelangen konnte".
Erst zu Hause erfahren sie die Einzelheiten der Katastrophe. Sie essen jahrelang keine Pilze und Beeren. Heidi Driesner, die zur Zeit des Unglücks in Bulgarien lebt, trinkt ihren Kaffee "wegen Tschernobyl" bis heute schwarz. "Es hieß, man soll auf keinen Fall frische Milch trinken. Und dabei bin ich geblieben."

Irgendwann werden die Meldungen aus Tschernobyl weniger. Es bleibt ein Unwohlsein, eine unterschwellige Angst, dass mit der Radioaktivität doch etwas ins eigene Leben eingezogen ist, das erst später seine Wirkung entfalten wird. Frank Zörner spricht im Sommer 1988 in Ungarn mit Studenten aus Kiew, von denen einige auch bei der Abriegelung von Tschernobyl und Reinigungsarbeiten im Einsatz waren. "Ich weiß noch, dass es ein Thema war, dass sie Angst hatten vor Krebs, dass sie sich dort aufgrund der erhöhten Strahlung etwas eingefangen haben."

Heidi Driesner findet sich rückblickend leichtsinnig und gutgläubig. Sie und ihr Mann ernten und essen 1986 in Bulgarien die herrlichsten Steinpilze und lassen sich auch von einem einheimischen Bauern nicht davon abhalten, der sie im Wald heftig beschimpft. "Wir haben alles gut überlebt, uns ist nichts passiert", sagt die heute 76-Jährige. "Aber ich bin damit viel zu leichtfertig umgegangen." Und Susanne Rau hält bis heute fest: "Das Gefühl der Bedrückung verschwand erst nach einiger Zeit."


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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 26. April 2026, 09:34

Der 26.04.1986 war übrigens ein Sonnabend. Bei mir im Notizkalender steht an diesem Tag "Garten, Kaffeetrinken mit Ria und Wolfram u. gemeinsamer Fernsehabend."

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon pentium » 26. April 2026, 09:45

40 Jahre Tschernobyl: Manfred Haferburg schildert, wie der Reaktor durch Fehlbedienung und Konstruktionsmängel außer Kontrolle geriet. Die Explosion von Reaktorblock 4 war kein Zufall. Es war eine „toxische Mischung aus Designfehlern, Bedienfehlern und fehlender Sicherheitskultur“.
Sie wurde hierzulande dankend aufgenommen, um mit massiver Übertreibung die Panik vor Kernkraft zu steigern und endete schließlich im KKW-Blackout und Energiearmut in Deutschland.
https://www.tichyseinblick.de/podcast/t ... pril-2026/
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Gerd Böhmer » 26. April 2026, 10:01

pentium hat geschrieben:40 Jahre Tschernobyl: Manfred Haferburg schildert, wie der Reaktor durch Fehlbedienung und Konstruktionsmängel außer Kontrolle geriet. Die Explosion von Reaktorblock 4 war kein Zufall. Es war eine „toxische Mischung aus Designfehlern, Bedienfehlern und fehlender Sicherheitskultur“.
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hatte ich gestern schon daran gedacht, als im TV der Film "die Wolke kam" ...
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon augenzeuge » 26. April 2026, 18:06

Karnak, was war das eigentlich für ein Becken mit einer dekontaminierenden Flüssigkeit? [flash]

Nun, ich war damals von Berlin aus über Bayern nach Cheb gefahren. Familientreffen.
Aber ich erinnere mich nicht, dass es so ein Becken bei der Transiteinreise gegeben hätte. Kann aber sein, das kam später.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon karnak » 26. April 2026, 18:18

Das werden sich dann wohl ein paar Lederhosen ohne jede Sachkenntnis ausgedacht haben [flash] . Man kann radioaktive Verstrahlung nicht mittels Durchfahren durch irgendeine Flüssigkeit entfernen oder minimieren, dass wäre nur bei biologischen Kampfstoffen zumindest etwas möglich.
Wenn man das trotzdem glaubt müsste man sich fragen was man da für eine hochradioaktive Brühe produziert wenn 100 Fahrzeuge durchgefahren sind und radioaktiver Staub in der Kuhle" eingedickt" wird. Also nein, sowas gab es nicht,nur das Zurückschicken" verstrahlter" Fahrzeuge. [grin]
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon pentium » 26. April 2026, 18:24

Die Flüssigkeit hilft jedoch bei der sogenannten Dekontamination von radioaktiven Partikeln (Staub, Flüssigkeiten oder Gase), die an Oberflächen, Kleidung oder der Haut haften.
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 26. April 2026, 18:37

Wir hatten einen User damals im Forum. Sein Wohnort irgend wo bei Wittenberge, sein Name ? Ein Treffen mit ihm(ich bin noch auf der Suche) war um 2017-19 in Boizenburg. In 1986 (zum Zeitpunkt des Unfall) war Kerl Fernfahrer bei der Deutrans und in der UdSSR nahe dem Reaktor unterwegs. Er schilderte spätere gesundheitliche Probleme (zum Bsp. Haarausfall)und ich hoffe, der Kerl lebt heute noch?

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon karnak » 26. April 2026, 18:41

Sicher, indem man den Gegenstand, das Fahrzeug mittels Bürste und hochwirksamer Seifenlauge von dem radioaktiven Staub durch schnödes Abschrubben befreit. Ich habe das 3 Jahre lang gemacht. Aber nicht durch einfaches Durchfahren durch eine wie immer geartete Flüssigkeit in einer Desinfektionswanne. Das hilft maximal bei der Maul und Klauenseuche vor dem Kuhstall. [flash]
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon pentium » 26. April 2026, 19:00

karnak hat geschrieben:Sicher, indem man den Gegenstand, das Fahrzeug mittels Bürste und hochwirksamer Seifenlauge von dem radioaktiven Staub durch schnödes Abschrubben befreit. Ich habe das 3 Jahre lang gemacht. Aber nicht durch einfaches Durchfahren durch eine wie immer geartete Flüssigkeit in einer Desinfektionswanne. Das hilft maximal bei der Maul und Klauenseuche vor dem Kuhstall. [flash]


Die waren eben der Meinung, das da an den Reifen radioaktiver Staub sein könnte....
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon karnak » 26. April 2026, 19:31

[grin] Genau und die reinigst Du durch einfaches Durchfahren. Im Gegensatz zu chemischen und biologischen Schadstoffen die durch chemische ,bzw. Desinfektionsmittel zerstört oder in ungefährliche Verbindungen verändert werden können ist das mit radioaktiven Partikeln, Staub oder was auch immer nicht möglich. Die kann man einfach nur mit hochwirksame Tensiden ( Mersolat) abwaschen und als radioaktives Material irgendwo Zwischen oder Endlagern. [hallo]
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 27. April 2026, 08:00

Kurz noch einmal hin zu dem hier:

"Wir hatten einen User damals im Forum. Sein Wohnort irgend wo bei Wittenberge, sein Name ? Ein Treffen mit ihm(ich bin noch auf der Suche) war um 2017-19 in Boizenburg. In 1986 (zum Zeitpunkt des Unfall) war Kerl Fernfahrer bei der Deutrans und in der UdSSR nahe dem Reaktor unterwegs. Er schilderte spätere gesundheitliche Probleme (zum Bsp. Haarausfall)und ich hoffe, der Kerl lebt heute noch? und ende"

Habe es gefunden, nur leider seinen Namen nicht mehr. Ist aber auch egal denn sollte der gute Kerl schon tot sein bringt es hier auch Niemanden etwas. Das Treffen war übrigens im September 2017 und ein paar Fotos davon sind in meiner Bildergalerie.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon karnak » 27. April 2026, 08:25

Letztlich waren die Strahlenwerte durch diesen Unfall in Westeuropa ziemlich ungefährlich,der Abstand zur Kernschmelze glücklicherweise groß genug. Aber auch da wurde schon ein riesen Theater veranstaltet, ohne irgendeine Sachkenntnis von hohlrübigen Politikern mit irgendwelchen Fachbegriffen umhergeworfen, ständig neue Maßeinheiten für unterschiedliche Strahlungsformen ins Spiel gebracht von denen man überhaupt nicht wusste was das eigentlich ist. Halt wie mit der Triage oder der Inzidenz, keiner weiß so genau was das eigentlich ist aber es klingt unheimlich klug und kompetent. [flash] Und es war natürlich auch noch ein gefundenes Fressen für die kalten Krieger. Ich sehe noch diesen Innenminister Zimmermann vor mir der vor lauter Orgasmen gar nicht mehr in den Schlaf gekommen sein dürfte. [flash]
Kann sich noch jemand an den" Molke Zug" erinnern. 8000 Tonnen Molkepulver von Meggle,aus Bayern, wie das die Art dieses Volksstammes bis heute ist halsen sie gerne anderen gewisse" Unannehmlichkeiten " auf [flash] ,wurde mit Güterwaggons auf ein Militärgelände nach Niedersachsen gekarrt und stand dort ewig rum. Es sollte dort " gereinigt" werden, wahrscheinlich so wie die LKW wenn sie durch eine Entkontaminierungsmulde fahren. Natürlich völlig unmöglich verstrahltes Material " zu reinigen" und danach ist es" sauber". Gestern im NDR, danach wurde es als Düngemittel verbraucht. Was auch nicht stimmt, wenn überhaupt wird es nur geringfügig Strahlenbelastet gewesen sein und man hat es einfach auf einer Kippe eingegraben.
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 27. April 2026, 10:27

Na ja ungefährlich? Wir hatten Freunde in Eberswalde und Freund war leidenschaftlicher Pilzsammler, wohl auch Esser? Eines Morgens in die Neunziger ruft Freundin an, der Jürgen sei von heute auf morgen ganz plötzlich verstorben? Vom Alter her noch keine 45 Jahre, er hatte wohl eine vollkommen zersetzte Bauchspeicheldrüse gehabt? Das war schon straff das Ganze und hängt Hundert Pro mit Tschernobyl zusammen.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon karnak » 27. April 2026, 11:18

[grin] Hundertprozentig, nun sind aber vorher und nachher auch schon Leute an Bauchspeichelkrebs gestorben. Ansonsten gab es nach Tschernobyl in Deutschland nie statistisch nachweisbare Häufung von Erkrankungen durch Strahlungsbelastung aus Umwelt und Nahrung. Es war immer nur aufgepauschtes Theater durch Medien, Politik und" Experten". [hallo]
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon pentium » 27. April 2026, 11:52

Edelknabe hat geschrieben:Na ja ungefährlich? Wir hatten Freunde in Eberswalde und Freund war leidenschaftlicher Pilzsammler, wohl auch Esser? Eines Morgens in die Neunziger ruft Freundin an, der Jürgen sei von heute auf morgen ganz plötzlich verstorben? Vom Alter her noch keine 45 Jahre, er hatte wohl eine vollkommen zersetzte Bauchspeicheldrüse gehabt? Das war schon straff das Ganze und hängt Hundert Pro mit Tschernobyl zusammen.

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Die Belastung durch den Altbergbau im Erzgebirge ist heute differenziert zu betrachten: Während die direkte Strahlung im Freien durch aufwendige Sanierungen meist gering ist, bleibt die Belastung durch das Edelgas Radon in Innenräumen eine Herausforderung.
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Die radioaktive Belastung durch Halden im Erzgebirge ist ein Erbe des intensiven Uranerzbergbaus (vor allem durch die SDAG Wismut) und natürlicher geologischer Gegebenheiten...

Wir müssten hier alle verstrahlt durch die Gegend laufen. In den Wäldern des Erzgebirges ist die Belastung von Wildpilzen heute aus radiologischer Sicht überwiegend unbedenklich. Während die Region durch den Uranbergbau und den Reaktorunfall von Tschernobyl vorbelastet ist, liegen die Messwerte für Speisepilze in Sachsen meist deutlich unter den kritischen Grenzwerten.

Wo hat denn dein Freund Pilze gesammelt....? Bestimmt nicht in den Bayerischen Wäldern. Die Belastung durch Cäsium-137 (Folge von Tschernobyl 1986) ist im Erzgebirge deutlich geringer als in Süddeutschland oder dem Bayerischen Wald. Extremszenario: Um allein durch Pilze den Grenzwert für die Bevölkerung (1 mSv/Jahr) zu erreichen, müssten Sie etwa 133 kg Pilze mit einer Belastung von 600 Bq/kg innerhalb eines Jahres essen.
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 27. April 2026, 14:11

Na gut, "Ärzte" unter sich. Aber vielleicht ist der gute Kerl auch an etwas ganz anderem gestorben? Ich erinnere mich da polnischer Freunde, mit denen Jürgen Geschäfte machen wollte? Egal, weiter im Thema.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon augenzeuge » 27. April 2026, 15:30

Die Belastung durch Cäsium-137 ist heute 40 Jahre nach dem Unfall um mehr als die Hälfte zurückgegangen, da die physikalische Halbwertszeit von
bei ca. 30 Jahren liegt. Die zusätzliche Strahlenexposition für den Menschen ist im Alltag gering.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon pentium » 27. April 2026, 15:47

Edelknabe hat geschrieben:Na gut, "Ärzte" unter sich. Aber vielleicht ist der gute Kerl auch an etwas ganz anderem gestorben? Ich erinnere mich da polnischer Freunde, mit denen Jürgen Geschäfte machen wollte? Egal, weiter im Thema.

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zersetzte Bauchspeicheldrüse...Eine sich zersetzende Bauchspeicheldrüse ist das Resultat einer akuten Pankreatitis, bei der Verdauungsenzyme fälschlicherweise das Organ selbst verdauen (Autodigestion). Hauptursachen sind Gallensteine oder hoher Alkoholkonsum.
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Edelknabe » 27. April 2026, 18:20

Stimmt Pentium, dem Alkohol war Jürgen zugetan, das muss ich ehrlich eingestehen. Aber gut, wer stirbt mit unter 45? Im übrigen arbeitete Jürgen im selben Spezialbau wie meine Wenigkeit, nur einem anderem Zweigbetrieb und vielleicht waren die Freunde nicht ganz unschuldig siehe Stichwort "Methylalkohol." Aber weiter im Thema.

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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon pentium » 27. April 2026, 18:30

die Ursachen und der Ablauf sind gut bekannt.

Es sollte getestet werden, ob auch bei einem Stromausfall die Restenergie der Turbine ausreicht um die Kühlmittelpumpen mit Eigenenergie zu versorgen bis der Notstrom übernimmt (etwa 40 bis 60 Sekunden). Erschwerend sollte mit getestet werden wie Kühlmittelmangel das Problem verstärkt.

Dies ist als konventioneller Test der Turbine geplant gewesen und hätte eigentlich vor der Inbetriebnahme des Reaktors gemacht werden müssen. Diese Versuchsanordnung war schon riskant, wäre aber allein kaum Ursache eines Unglücks geworden.

Während der planmäßigen Lastreduzierung bei der Vorbereitung des Versuchs kam plötzlich die Anforderung von mehr Strom, es wurde kurzfristig wieder hochgefahren, d.h. die Steuerstäbe wurden aus dem Reaktor gezogen (eingeschobene Steuerstäbe unterbinden die Kernspaltung). Dies hatte eine Veränderung der physikalischen Bedingungen für die Brennelemente zur Folge, der ursprüngliche Versuch hätte jetzt nicht mehr durchgeführt werden dürfen. Er wäre jetzt auch sinnlos, denn die Wiederholbarkeit war nicht mehr gegeben. Der Reaktor hätte komplett runter und dann wieder hoch gefahren werden müssen. Die Forderung nach Wiederholbarkeit bewirkte auch die Abschaltung diverser Sichheitssysteme, der nächste, noch gröbere Fehler.

Warnungen einzelner Ingenieure wurden ignoriert und der Versuch lief weiter, die Leistung wurde wieder herunter gefahren. Dann zeigten sich erste Hinweise auf Probleme und unerwartet stieg die Leistung an. Der Schichtleiter löste eine Schnellabschaltung aus und hier rächte sich ein Konstruktionsfehler: Beim Einfahren der Steuerstäbe steigt die Kritikalität erst kurz an bevor sie dann absinkt. Bei der Schnellabschaltung wurden jatzt viele Steuerstäbe auf einmal bewegt und dieser kurze Moment steigender Kritikalität löste eine überkritische Reaktion aus, d.h. auch mit eingefahrenen Steuerstäben läuft die Kettenreaktion beschleunigt weiter. Die Katastrophe war da.

Mehrere Faktoren führten jetzt aber noch zu einer Verstärkung der Auswirkungen. Durch die verlängerte Teillast war der Reaktor mit Xe135 "vergiftet", d.h. die physikalische Situation unterschied sich deutlich vom Normalfall und machte die Erfahrungen der Bedienmannschaft zunichte. Die plötzliche Erwärmung der Brennstäbe übertrug sich auf die verringerte Menge des Kühlmittels in so kurzer Zeit, dass das Kühlmittel verdampfte und durch eine Explosion den Reaktor zerstörte. Ohne Xenonvergiftung und bei ordnungsgemäßer Kühlmittelmenge hätte der Reaktor wahrscheinlich gehalten.

Die Explosion und dadurch ausgelöste Brände griffen auf den Graphitkern über, der daraufhin (er wurde durch die immer noch beschleunigt ablaufende Kettenreaktion auch von innen weiter erhitzt) zusammen mit Knallgas (entstanden durch Reaktionen mit dem Zirkalloy der Brennstabmäntel) zu weiteren Explosionen und Feuersturm führte. Dies sorgte dafür, dass große Mengen von Aktivität weit in die Atmosphäre aufseigen konnten und so eine große Fläche kontaminierten. Hierbei ist ungeklärt, welche der Explosionen das Dach letztlich zerstörten.

Nicht zuletzt durch Falschmeldungen (trotz Beweise des Gegenteils wurde noch einige Stunden lang behauptet, dass der Reaktor intakt wäre) wurden nicht alle Massnahmen gleich mit voller Intensität eingeleitet und es dauerte noch Tage bis der Reaktorkern wirksam gekühlt und die Graphitbrände gelöscht werden konnten. In dieser Zeit erhöhte sich frei gesetzte Aktivität weiter.

(Zusammen gefasst anhand von Berichten des Bundesamts für Strahlenschutz und der IAEA).
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: Neues aus Tschernobyl...

Beitragvon Ari@D187 » 27. April 2026, 19:59

Der Großteil der Kontamination nach dem Reaktorunfall lag als Staub und Aerosole auf Oberflächen – Radionuklide wie Cäsium-137, Iod-131 oder Strontium-90 hafteten an Lack, Reifen, Fahrwerken und Hohlräumen. Solche „losen" Partikel ließen sich mit Wasser, Tensiden oder speziellen Dekontaminationslösungen mechanisch tatsächlich abwaschen. Das hatte mehrere sinnvolle Effekte: Es reduzierte die Gamma-Strahlung in der Nähe der Fahrzeuge (Schutz der Fahrer und Liquidatoren), und es verhinderte, dass LKW die Kontamination in saubere Gebiete verschleppten. Gerade beim kurzlebigen Iod-131 (Halbwertszeit ~8 Tage) zählte jede vermiedene Exposition in den ersten Wochen.

Das Problem wurde durch das Abspritzen aber nicht beseitigt, sondern verlagert. Das Abwasser war jetzt selbst radioaktiv und sickerte oft ungeklärt in den Boden – die Waschplätze wurden so zu sekundären Kontaminationsherden. Bei stark verstrahlten Fahrzeugen, vor allem solchen, die direkt am Reaktor eingesetzt waren, half Waschen ohnehin kaum: Radionuklide hatten sich in Gummi, Lack, Motoröl und Filtern festgesetzt oder es waren hochaktive „heiße Partikel" (Brennstofffragmente) eingedrungen, die sich mechanisch nicht entfernen ließen. Genau deshalb existieren bis heute die berühmten Fahrzeugfriedhöfe wie Rassocha und Burjakowka – tausende Hubschrauber, Panzer und LKW wurden dort verbuddelt, weil keine Dekontamination ausreichte.

Als Teil einer Stufenstrategie war das Absprühen rational und wirksam für oberflächliche, lose Kontamination. Es war aber kein Allheilmittel, und die sowjetische Praxis – oft ohne ausreichenden Strahlenschutz für die Reinigungstrupps und ohne Auffangen des Abwassers – schuf neue Probleme. Aus heutiger strahlenschutzfachlicher Sicht würde man es ähnlich tun, aber mit geschlossenen Waschanlagen, Auffangwannen und Klassifizierung: erst messen, dann entscheiden, ob waschen, einlagern oder verschrotten.
(Claude)

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