"Sachsens Glanz und Preußens Gloria"

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Beitragvon pentium » 15. Dezember 2025, 17:09

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"Sachsens Glanz und Preußens Gloria" war mit 21 Millionen Mark die teuerste Fernseh-Produktion der DDR. Die aufwendig produzierte Historien-Serie war hochkarätig besetzt - unter anderem mit Rolf Hoppe und Gunter Schoß. Vor 40 Jahren feierte der Sechsteiler Premiere. Das Dresdner Kraszewski-Museum widmet dem Werk und der Barockzeit nun eine Ausstellung.
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*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: "Sachsens Glanz und Preußens Gloria"

Beitragvon pentium » 15. Dezember 2025, 17:17

Produziert wurde Sachsens Glanz und Preußens Gloria in den Jahren 1983 und 1984 durch das Fernsehen der DDR, die ersten beiden Teile über Gräfin Cosel erst 1987. Die Serie kostete lt. MDR-Fernsehsendung Umschau 21 Millionen DDR-Mark.

Zahlreiche Aufnahmen entstanden an den tatsächlichen Schauplätzen der Handlung oder an historischen Orten, die als Ersatz für ähnliche, aber nicht mehr existierende oder über die Jahrhunderte zu stark veränderte Bauten dienten. Zu den Drehorten zählten unter anderem der Stallhof im Dresdner Schloss, der Dresdner Zwinger, der Barockgarten Großsedlitz, die Burg Stolpen, die Festung Königstein, die Görlitzer Altstadt, das Schloss Moritzburg, das Bautzner Domstift, das Schloss Albrechtsburg in Meißen, Park Sanssouci in Potsdam, die Dornburger Schlösser in Dornburg-Camburg, in Leningrad die Eremitage und in Prag die St. Nikolaus-Kirche.

Als literarische Vorlage für Sachsens Glanz und Preußens Gloria dienten drei Romane des polnischen Schriftstellers Józef Ignacy Kraszewski (Gräfin Cosel, Brühl und Aus dem Siebenjährigen Krieg), die auch als Sachsentrilogie bekannt sind. Die detailreichen und in mancher Hinsicht stark von den tatsächlichen historischen Geschehnissen abweichenden Romane wurden jedoch für die Drehbücher erheblich gestrafft und verändert, so dass die Verfilmung eine recht freie Umsetzung der Romanmotive darstellt. Auch inhaltlich gibt es mehrere Fehler, so wurde zum Beispiel Heinrich von Brühl erst 1737 in den Grafenstand erhoben, wird aber im Film bereits 1733 als Graf und damit im Adelsrang auf einer Ebene mit Graf Sulkowski stehend bezeichnet.

Einen Gag baute man in die Serie ein, indem man für die Rolle des jungen Grafen Brühl den Schauspieler und nachmaligen Regisseur Leander Haußmann verpflichtete. Er ist der Sohn von Ezard Haußmann, der den Brühl in den restlichen 4 Teilen spielt. Leander Haußmann konnte auch seinen Freund Uwe Dag Berlin in der Rolle des jungen Sulkowski in die Produktion einbringen. Die beiden Haußmanns trennt im wahren Leben ein Alter von 24 Jahren. Im Film selbst beträgt der Altersunterschied nur 3 Jahre. So spielt Leander Haußmann den Brühl um 1715, während sein Vater den Brühl ab 1733 spielt.

Gert Fröbe zeigte sich sehr begeistert, als er von der Planung des Mehrteilers hörte und wollte die Rolle Augusts des Starken spielen, bot sogar an, sich mit einer unbekannten Millionensumme an dem Projekt zu beteiligen. Letztendlich wurde der Vorschlag abgelehnt. Fröbe war sehr enttäuscht darüber und leitete selbst ein Projekt in die Wege. In dem Fernsehspiel August der Starke von 1984 übernimmt er seine Wunschrolle dann doch. Auf der DVD Sachsens Glanz und Preußens Gloria aus der Reihe Große Geschichten findet sich diese Fernsehproduktion als Bonusmaterial wieder.

Die Dreharbeiten zur Serie wurden dadurch erschwert, dass manche Bauten noch von Kriegszerstörungen gezeichnet und erst teilweise wiederaufgebaut waren, z. B. das Dresdner Residenzschloss. Hinzu kommen verschiedene historische Ungenauigkeiten. So gibt es einige Einstellungen, in denen Gegenstände und Gebäude zu sehen sind, die es zum Zeitpunkt der Handlung noch gar nicht gab. So ist in den Stadtansichten von Dresden das Neue Rathaus zu sehen, das aber erst von 1905 bis 1910 gebaut wurde. In verschiedenen Einstellungen sind Gullydeckel zu sehen, obwohl in Dresden erst ab 1850 erste unterirdische Kanäle angelegt wurden. In einer Einstellung im 1. Teil, in der Karl XII. auf seinem Ritt nach Dresden gezeigt wird, sind im Hintergrund die beiden als Marienbrücke bezeichneten Elbbrücken zu sehen, die erst von 1856 bis 1852 bzw. von 1898 bis 1901 gebaut wurden. Etliche Aufnahmen zeigen auch Gaslaternen, obwohl die ersten Laternen dieser Art Beleuchtung in Dresden erst am 23. April 1828 am Schloss leuchteten. An anderen Stellen sind im Bild z. B. Straßenbahnschienen, Glühlampen, Telefonfreileitungen oder Weidezäune zu sehen. Auch der Dresdner Fürstenzug, die Semperoper und sogar die in den 1970er Jahren elektrifizierte Bahnstrecke Dresden – Bad Schandau finden sich im Film. Ein Kuriosum in dieser Hinsicht ist sicherlich ein Förderband, das im Hintergrund einer Einstellung in Pillnitz im 5. Teil zu sehen ist. Ähnlich verhält es sich teilweise mit der Musik im Film. So wird beispielsweise die Krönung Augusts des Starken im Jahr 1697 mit dem erst im Jahre 1825 komponierten Te Deum des 1770 geborenen Komponisten Anton Reicha untermalt. Allerdings muss man bei all diesen historischen Unkorrektheiten feststellen, dass sie durch geschickte Kameraführung und Schnitt im Film kaum auffallen.
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