Sonnensucher! Kunst und Bergbau der Wismut

Sonnensucher! Kunst und Bergbau der Wismut

Beitragvon pentium » 15. April 2025, 10:44

Sonnensucher! Kunst und Bergbau der Wismut – Ausstellung 2025 in Zwickau

10. April – 10. August 2025
Historische Baumwollspinnerei 1896, metaWERK AG,
Pölbitzer Str. 9, 08058 Zwickau

Öffnungszeiten
Dienstag-Freitag 10-17 Uhr,
Samstag-Sonntag 10-18 Uhr
https://sonnensucher-ausstellung.de/
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: Sonnensucher! Kunst und Bergbau der Wismut

Beitragvon pentium » 15. April 2025, 10:47

Der MDR brachte in seiner Sendung ARTOUR bereits einen Bericht über die Ausstellung:
https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZ ... GExNWM1NGU
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: Sonnensucher! Kunst und Bergbau der Wismut

Beitragvon pentium » 15. April 2025, 11:00

In einer historischen Baumwollspinnerei in Zwickau ist eine um- fassende Ausstellung zur Wismut-Kunst zu sehen, die auch die gesellschaft- lichen Verhältnisse ihrer Zeit widerspiegelt. Es gibt einige Entdeckungen – und nicht nur Gemälde.

Von Matthias Zwarg

Zwickau - Der „Brigadier Günter Franke“ schaut etwas skeptisch, erschöpft, fast enttäuscht in einem Gemälde von Siegfried Otto-Hüttengrund aus dem Jahr 1987. Vielleicht ahnt er schon, dass die Zeit des Bergbaus der Wismut und im Zwickauer Revier ihrem Ende zugeht. Vielleicht ist er unzufrieden mit der stagnierenden Entwicklung in seinem Land, der DDR, vielleicht hat seine Brigade die Norm nicht erfüllt, vielleicht ist auch jemand aus dem Arbeitskollektiv, wie das damals hieß, in die Bundesrepublik ausgereist.

Zu sehen ist das Gemälde des Hohenstein-Ernstthaler Künstlers, der später mit ganz anderen Bildern auf sich aufmerksam machen wird, in der Ausstellung „Sonnensucher – Kunst und Bergbau der Wismut“ in einer ehemaligen Baumwollspinnerei, dem heutigen Meta-Werk in Zwickau. Kuratiert von Paul Kaiser, der sich seit langem für einen würdigen Umgang mit der Kunstsammlung der einstigen Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut einsetzt, sind in der Ausstellung auf etwa 1500 Quadratmetern rund 300 Werke aus eben jener Kunstsammlung und Leihgaben mit Bezug zur Wismut und dem Bergbau im Zwickauer Revier zu sehen.

Erstmals werden die Kunstwerke aber auch in Beziehung zur Arbeitswelt der Bergleute gesetzt – dokumentiert in Ausschnitten aus Filmen, vor allem aber in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Fotos, unter anderem von Werner Mahler.

Gezeigt wurden Teile der Wismut-Kunstsammlung schon einmal vor mehr als zehn Jahren in Chemnitz und in Gera, aber noch nie in einem solchen Umfang wie jetzt in Zwickau und auch noch nie so eng verwoben mit den Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergleute, die bis heute die Erinnerungen vieler, nicht nur älterer Menschen in der Region prägen.

Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Wismut Stiftung gGmbH, der Stadt Zwickau, dem Dresdner Institut für Kulturstudien und dem Kunstverein Zwickau in relativ kurzer Zeit organisiert wurde, zeigt mutig die gesamte Breite der von der Wismut gesammelten Kunst. Darunter sind spektakuläre Entdeckungen wie die großformatige Ölmalerei auf Aluminiumblech des Thüringer Malers Kurt Hanf aus dem Jahr 1971 „Aus der Tiefe fördern wir die Sonne“, die ein noch völlig ungetrübtes Bild des Sozialismus – vom wachsamen Soldaten bis zu spielenden Kindern – zeichnen. So, wie es auch, vor allem aus den 1950er-Jahren, noch zahlreiche Bilder kraftstrotzender, optimistisch lächelnder Bergleute gibt, die ehrlichen Herzens daran geglaubt haben, mit der DDR ein besseres Deutschland aufzubauen, die eben „Sonnensucher“ waren, wie es der Titel der Schau unter Anspielung auf den gleichnamigen, seinerzeit von der DDR-Kulturbürokratie verbotenen Film von Konrad Wolf suggeriert.

Doch die Wismut war keineswegs nur an „linientreuer“ Kunst interessiert. In der Sammlung finden sich viele Namen unangepasster Künstlerinnen und Künstler wie die der Clara-Mosch-Gruppe aus Karl-Marx-Stadt oder eine berührende Radierung der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley.

Auch die Gemälde und Grafiken kommen der sozialen und ökologischen Realität des Bergbaus und der Bergarbeiter in den 1980er-Jahren immer näher. Wenn etwa der sowjetische Maler Viktor Makejew (1924– 1985) in seinem Todesjahr „Die Pyramiden des 20. Jahrhunderts“ (auch: „Haldenlandschaft“) malt, dann sind das keineswegs Monumente des Sieges über die Natur, sondern Mahnmale ihrer Zerstörung. Auch die „Thüringer Bergbaulandschaft“ von Alexandra Müller-Jontschewa aus dem Jahr 1984 ist keine blühende, sondern eher eine verblühende, tief verletzte Landschaft. Und auch in die Menschenbilder mischen sich immer mehr Skepsis, Enttäuschung, Zweifel und Verzweiflung, so etwa in Karl-Heinz Jakobs (1929–1997) „Bergarbeiterkopf“, in Jürgen Szajnys „Bergbauveteran Adolf Nestler“ (1981) oder dem Porträt „Selbst mit Helm“ von Eva Schulze-Knabe (1907–1976), einer der wenigen Frauen in der Präsentation.

Die über viele Räume verteilte Ausstellung erinnert zudem an die Sportförderung der Wismut – allen voran des Fußballvereins Wismut Aue, aber auch von Boxern wie Stefan Förster und Radsportlern wie Olaf Ludwig. Aufgenommen wurden ganz bewusst, so Paul Kaiser, auch einige Arbeiten sowjetischer Künstler, die aus verschiedenen ehemaligen Sowjetrepubliken kamen und zu Pleinairs der Wismut eingeladen worden waren.

Die Ausstellung richtet sich nicht nur an Menschen, die noch mehr oder weniger unmittelbar mit der Wismut und dem Bergbau verbunden waren, wie Paul Kaiser und Julia Dünkel, Geschäftsführerin der Wismut Stiftung gGmbH, sagen. Es geht ihnen um die Akzeptanz ostdeutscher Kunst im Allgemeinen und ihren Beitrag zur regionalen Identitätsstiftung im Besonderen.

Es wird und darf und soll auch über diese Ausstellung, bewusst im Umfeld der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz platziert, Streit geben: Wird da einem sozialistischen Vorzeigeunternehmen, das mit der Uranförderung maßgeblich am Kalten Krieg beteiligt war, zu viel Ehre zuteil? Oder wird da einem Teil der hiesigen Geschichte mit dem nötigen Respekt, kritischem Abstand, aber doch auch wohlwollender Aufmerksamkeit begegnet? Eine Antwort wird man nur finden, wenn man sich die Ausstellung anschaut und auf das Kunstkombinat einlässt.

Die Ausstellung „Sonnensucher“ ist bis 10. August in der Historischen Baumwollspinnerei 1896 an der Pölbitzer Straße 9 in Zwickau zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis freitags 10 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und am Ostermontag von 10 bis 18 Uhr. Über Ostern gibt es am Samstag, Sonntag und Montag jeweils 11 und 17 Uhr Kuratorenführungen mit Dr. Paul Kaiser. » Internet: https://sonnensucher-ausstellung.de

Die Wismut war keineswegs nuran „linientreuFrer“ Kunst interessiert.

Freie Presse...
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Re: Sonnensucher! Kunst und Bergbau der Wismut

Beitragvon Edelknabe » 16. April 2025, 18:19

Alte Erinnerungen kamen hoch, und zwar als ich mir folgendes Video reingezogen hatte. Und zwar war darin von einem Speisesaal in Seelingstädt die Rede, indem wir mit der Brigade irgend wann im Frühjahr 1973 immer gefrühstückt haben. Darin wohl auch ein Wandgemälde nur daran erinnere ich mich weniger, eher an die Rohrtrasse in deren Werksgelände woran wir gearbeitet haben. Geschlafen hatten wir damals in Ronneburg in einem Wohnlager und frühmorgens ging es mit deren Gelenkbussen (tschechischer Bauart) in deren Werk in Seelingstädt. Danke für den Beitrag.

Der MDR brachte in seiner Sendung ARTOUR bereits einen Bericht über die Ausstellung:
https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZ ... GExNWM1NGU

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