Es wird nicht viele User interessieren aber da ich diesen Beitrag aus gegebenem Anlass in einem anderen Forum,
soeben verfasst habe, setze ich ihn hier auch ein.
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Offiziershörer an der Militärakademie der NVA „Friedrich Engels“
Allgemeines
Die Militärakademie (MAK) der NVA wurde, nach dem die Offiziershochschule der KVP aufgelöst wurde, im Jahre 1959 gegründet und war Zeit ihres Bestehens bis zur Auflösung, in Dresden – Strehlen, nahe dem „Großer Garten, stationiert.
Sie war die höchste militärische Bildungseinrichtung der DDR.
An der MAK wurden Offiziere aller Teilstreitkräfte, ein geringer Teil von Offizieren der Volkspolizei (hier nur Offiziere aus den Polizeibereitschaften oder Fachlehrer an der Offiziershochschule der VP) und dem militärischen Zweig des MfS, als auch, ab 1962, Offiziere ausländischer Armeen, in Führungsfunktionen, in der Führungsebene Truppenteil (Regiment, selbständiges Bataillon oder Gleichgestellte), Verband (Division, Gleichgestellte), operative Vereinigung (Armeekorps, Armee, Front), als auch für Stabsverwendungen in den Stäben (Kommandos) der Militärbezirke (entspricht einem Armeekorps), der Kommandos der Teilstreitkräfte oder in ministerielle Verwendungen, in einem dreijährigen Studium (Ing.-technische Dienste in 4 Jahren) heran- und ausgebildet.
Die Studieninhalte waren auf die Spezifik der Offiziershörer (OH) der jeweiligen Teilstreitkraft ausgelegt, was sich schon in den Bezeichnungen der Sektionen (Fakultäten) ausdrückte.
In den Sektionen gab es mehrere unterschiedliche Lehrstühle, die die Spezifik weiter verfeinerten.
Es gab 5 Sektionen (Fakultäten):
- Sektion 1 – Gesellschaftswissenschaften
- Sektion 2 – Landstreitkräfte (inkl. pro Jahr je eine Seminargruppe mit OH der Artillerie und der Grenztruppen der DDR)
- Sektion 3 – Panzer – Ingenieur - Dienst
- Sektion 4 – Luftstreitkräfte / Luftverteidigung
- Sektion 5 - Seestreitkräfte
Selbständige, zentrale Lehrstühle, die keiner Sektion angeschlossen waren, wurden von Stellvertretern des Chefs der MAK geführt. Dies waren die Lehrstühle für:
- Fremdsprachen
- Mathematik, Physik, Computer- und Rechentechnik
- Geschichte der Kriegskunst / Militärgeschichte
- Funkelektronischer Kampf (NATO-Sprache „Eloka“)
- Mobilmachung
- Strategische Fragen der Landesverteidigung / Grundlagen der operativen Kunst
- Akademische Kurse leitender Offiziere der NVA, der Grenztruppen der DDR und Zivilverteidigung
Um die Offiziershörer zu hoch spezialisierten, militärwissenschaftlichen Führungsoffizieren heran zu bilden, wurde ein breit angelegtes, generalistisches Studium in allen Bereichen der Naturwissenschaften, technischen-, militärischen- und gesellschaftswissenschaftlichen Ausbildungsprofilen, angelegt.
Dabei war ein hoher Praxisanteil in Form von Vorbereitung und Führung von Gefechten und anderen Handlunge wie z.B.:
- Handlungen vor, bei und nach dem Einsatz von Kernwaffen oder anderer MVW,
- Märsche und Verlegungen (Straße, Kolonnenwege, Eisenbahn, Luftverlegung, per Schiff)
- Herstellen der Einsatz- und Gefechtsbereitschaft vor und nach Gefechten,
- Vorbereitung und Durchführung von Ausbildung und Truppenübungen,
- Pioniertechnische Handlungen,
- Handlungen und Aufgaben im Truppen- und Garnisionsdienst (Stabsdienst)
und anderes mehr, auf der taktischen Karte mit anschließenden Kommandeurshandlungen oder in den jeweiligen, angenommenen Dienststellungen, im realen Gelände, durchgeführt.
Im 2. Studienjahr fand eine Kommandostabsübung in der Führungsebene Regiment (Gleichgestellte) statt, in welchem eine Seminargruppe einen Regimentsstab zu bilden hatte und über eine Woche hin, mit wechselnden Funktionen, auf der Karte Gefechte, mit allem was dazu gehört, zu führen hatte. Dieser Stab wurde durch Offiziershörer der Hörergruppe der Artillerie und bei Bedarf, wenn z.B. Deckungsabschnitte an der Staatsgrenze zu beziehen waren, durch Offiziershörer der Grenztruppen der DDR, verstärkt.
Eine ähnliche Kommandostabsübung, diesmal in der Führungsebene Division (Gleichgestellte), wurde im 3. Studienjahr durch geführt.
Es gab einige „Ableger“ der MAK, in welchen Offiziere an zivilen Universitäten im Auftrage der NVA studierten, wie z.B.:
- Offiziere im Finanzdienst, die an der Bruno-Leuschner-Universität studierten. Meteorologen und andere Fachrichtungen, die an der MAK nicht gelehrt wurden, studierten an
unterschiedlichen Universitäten. Sie erhielten das Absolventenabzeichen in gelber Grundfarbe;
- Offiziere als Ärzte / Apotheker, die an der MMU (Militärmedizinische Universität) Ernst-Moritz-Arndt zu Greifswald studierten. Grundfarbe des
Absolventenabzeichens war dunkelgrün;
- Offiziere des Militärtransportwesens. Sie studierten an der Friedrich List Universität. Deren Abzeichenfarbe war dunkelblau;
- Politoffiziere studierten an der MPHS (Militärpolitische Hochschule) in Berlin. Ihr Absolventenabzeichen besaß eine hellrote Grundfarbe.
Der Autor geht im Weitern nur auf das Studienprofil „Allgemeine Truppenkommandeure der Landstreitkräfte“ (Mot.-Schützen- Panzer- und Luftlandetruppen), das er von 1985 bis 1988 absolvierte, ein.
Wie wurde man Offiziershörer?
Zunächst musste der zukünftige Offiziershörer den Wunsch haben, sich an einer Militärakademie weiter zu bilden und dieses nicht leichte Studium und für 3 oder 4 Jahre getrennt von der Familie, zu absolvieren und dies gegenüber seinem Regimentskommandeur (Gleichgestellte) äußern.
Der Kommandeur wird sich den Offizier über eine längere Zeit „genauer ansehen“, um einschätzen zu können, ob er diesen Offizier für würdig und vor allem fähig hält, nach Absolvierung des Studiums eine höhere Führungsposition einzunehmen.
Sollte dieser Offizier noch keine „Ausgangsdienststellung“ inne haben und zwar mindestens die eines Stellvertreters des Bataillonskommandeur / Abteilungskommandeur, wird er diese Dienststellung in Kürze einnehmen und hat sich darin zu bewähren. Erst dann wird er in den engeren Kreis der Bewerber für ein Studium aufgenommen und erhält ein gerüttetes Maß an Studienmaterial, was der zukünftige Offiziershörer zu verinnerlichen hat.
Der Kommandeur des Regimentes spricht, gemeinsam mit dem Offizier der das Studium beginnen möchte, beim Divisionskommandeur vor und hat den Offizier vor dem Divisionskommandeur und anderen Vertretern der Division vorzustellen und zu verteidigen. Dabei legt er unterer anderem eine Einschätzung durch das Politorgan des Regimentes vor als auch eine Einschätzung der Mitarbeiter der Verwaltung 2000 (MfS in der NVA). Der Offizier muss dem Gremium gegenüber Rede und Antwort stehen.
Mit der Zustimmung durch den K-Division werden die Unterlagen an das Kaderorgan (heute heißt das „Personal“) der Militärakademie gesandt und der Offizier bekommt die Auflage, einen Vorbereitungslehrgang von 6 – 8 Wochen, an der Offiziersschule zu besuchen, um sich auf das Studium vorzubereiten.
Im Anschluss wird der zukünftige Absolvent zum Zulassungsverfahren an die Militärakademie geladen, die sich über drei Tage hinzieht.
Hier hat er sich verschiedenen Prüfungen zu unterwerfen, die da sind:
- Taktiktest mit Fragen und Problemen bis zur Bataillonsebene;
- Mathematiktest auf dem Niveau des Abitur;
- Sporttest (für die Note 1 - 3000 m Lauf in 11:10 Minuten, 12 Klimmzüge,
18 x Gewichtstoßen mit 50 kg, 300 m schwimmen, 45 Minuten Ausdauerlauf);
- Russisch – Text von deutsch ins russische übersetzen und umgekehrt.
Den Abschluss bildet ein Gespräch vor der Zulassungskommision, wo persönliche Fragen gestellt werden über politische Einstellung bis zu taktischen Problemen und Ausbildungsinhalten.
Am Ende dieses Gespräches erfährt der Offizier, ob ihn die Zulassungskommision für ein Studium an einer Militärakademie empfehlen wird oder nicht.
Wenige Wochen nach der bestandenen Zulassungsprüfung erhält der zukünftige Offiziershörer die Studienzulassung und die Zeit des Beginns des Studiums.







