Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Welche Musik ist gut? Einen guten Film gesehen? Büchervorstellungen oder -diskussionen? Irgend ein anderes Thema welches interessiert? Der Bereich für allgemeine Themen welche nicht das Thema DDR/BRD betreffen. Interessante Artikel, aktuelle Ereignisse und Entwicklungen.

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon nightfire64 » 26. November 2011, 12:44

manudave hat geschrieben:Scorn,
den typisch ostdeutschen Dialekt mit einem leicht sächsischem "Släng" kann man wohl kaum abstreiten.



Die Altsächsische Sprache umfasst die Sprache des alten Siedlungsgebietes der Sachsen und Angeln von den Anfängen der schriftlichen Überlieferung bis ins frühe Mittelalter. Sie gehört zu den germanischen Sprachen. [grins]


Und das bitte genau lesen und dann weiter lachen:



Um sich mit der sächsischen Sprache (Dialekt) vertraut zu machen, müssen Sie ein paar grundlegende Dinge beachten. Viele denken, Sachsen seien zu faul zum sprechen und bekommen die Zähne nicht auseinander. Das ist aber grundsätzlich falsch, denn Sachsen verschlucken Endungen oder ziehen Wörter ganz geschickt zu einem Laut zusammen. Es ist etwa nicht aus Faulheit, sondern der Grund ist die effektive Zeitersparnis. So können Sachsen mit weniger Aufwand und in kürzester Zeit viel mehr sagen. Außerdem denken die Sachsen nicht groß drüber nach, wie sie es nun sagen. Nein, sie sind direkt und reden einfach drauf los. Frei nach dem Motto: "Is de Gusche ehma breed, dann gönn mor ooch glei alles nausloof'n lass'n!" (übersetzt: "Ist der Mund einmal offen, warum hinter dem Berg halten.")
Manche bildungsfernen Mitdeutschen erachten diese Kommunikationsform als etwas primitiv oder unterbelichtet, doch beleidigen sie damit...

die sächsische Ehrlichkeit und Offenheit die sie vielleicht selber gerne hätten. [zunge] [grin]

http://www.barockstadt-dresden.de/diale ... he-sprache

Ach wie bin ich stolz, auf mein sächsich!! Bild

Liebe Grüße

Kerstin Bild
nightfire64
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Wosch » 26. November 2011, 16:18

manudave hat geschrieben:Scorn,
den typisch ostdeutschen Dialekt mit einem leicht sächsischem "Släng" kann man wohl kaum abstreiten. Der obere Teil der neuen Länder bleibt da natürlich auf der Strecke... [flash]
Bei uns in Hessen wird ja auch ein Dialekt immer mit uns verbunden - aber eigentlich handelt es sich nur um das Gebabbel - das heißt wirklich so - aus dem Raum Frankfurt. Der Dialekt "Hessisch" existiert also nicht - aber irgendwie in den Köpfen der Deutschen doch...

Das nur mal zur Krönung der OT-Beiträge... [grins]



Hallo Manu!, "Hört de Redde de?" Kurze Frage, bitte kurze Antwort.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
Wosch
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon vs1400 » 26. November 2011, 23:01

vor einigen tagen hab ich hier ne beispielhafte bürgermeisterin erwähnt, danach ein post aus meiner alten heimat und jetzt ein film.
"Die Welle" lief gerade eben auf prosieben und sollte, aus meiner sicht, in den lehrplan aufgenommen werden.

gruß vs















vs1400
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon SkinnyTrucky » 27. November 2011, 01:26

Jau VS, dieser Film hat das Predikat wertvoll....ich hab ihn auch in meiner DVD-Sammlung....

....schaut euch ihn an, wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt....!!!

Mara
Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken.... (Burkhart Veigel) Bild
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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon dein1945 » 27. November 2011, 10:41

[quote="Nostalgiker"]

@Mara

nachdem ich "frei" reisen konnte war Frankreich das Land meiner Begierde. also buchte ich an der VHS einen Kurs "Französisch für Touristen" was sich in diesem Land von sehr großem Vorteil herausstellte.

Da wir einen auf "Selbstverpflegung" machten kauften wir natürlich in den örtlichen Supermärkten ein.
ein sehr peinliches und beschämendes Erlebnis hatte ich in der Nähe von Bordeaux. Vor mir eine unverkennbare Deutsche welche irgendwelche Wurst/Kkäse kaufen wollte. Allerdings auf deutsch und ihrem Dialekt. Die Olle vor dem Tresen bekam fast einen Herzinfarkt wegen der renitenten Französin, weil diese blöde französiche Kuh pardu nicht kapierte was die Deutsche da in ihrem bereiten Dialekt verlangte.
Um es kurz zu machen, das deutsche Etwas war die klischeehafte Krawalltussi aus dem Ruhrpott welche die Welt nicht mehr verstand. Wieso sprechen die nicht deutsch!!!! war auf ihre Stirn getackert.
Ihr Deutsch war allerdings auch sehr gewöhnungsbedürftig.


Jetzt weiß ich warum ich meine Frau auch nach fast vierzig Jahren nie verstehe, die Tussi kommt aus Oberhausen, ich frag mich nur was Dir noch so alles einfällt !

Gruß von einem der nie etwas versteht [peinlich]
dein1945
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Nostalgiker » 27. November 2011, 11:08

dein1945 hat geschrieben:Jetzt weiß ich warum ich meine Frau auch nach fast vierzig Jahren nie verstehe, die Tussi kommt aus Oberhausen, ich frag mich nur was Dir noch so alles einfällt !

Gruß von einem der nie etwas versteht [peinlich]


@dein1945, das ist die Tragik des gelebten Lebens und mit dieser Bürde müssen wir einfach fertig werden [laugh]

Gruß
Nostalgiker
Nostalgiker
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon dein1945 » 29. November 2011, 10:30

Nostalgiker hat geschrieben:
dein1945 hat geschrieben:Mal so nebenbei, 3 Jahre Knast nur weil man 1968 RIAS hörte, allerdings im Kollegenkreis,....


Danke für die Aufklärung! jetzt weiß ich das unsere gesamte Lehrlingsklasse, inklusive Lehrausbilder, 1968 in Wirklichkeit im Knast gesessen haben und nicht in der Berufsschule.

Gruß
Nostalgiker


Na da habt ihr wohl einen "Singeabend" mit RIAS "Schlager der Woche" veranstaltet, soll ja vorgekommen sein. Nicht vom hörensagen oder aus zweiter, dritter oder gar vierter Hand, kenne ich die Fälle, ich kannte alle Personen persönlich ! Aber macht nichts ! Es gibt immer Einen der es besser weiß, ich kann damit gut leben ! Auch hierzu werde ich nichts mehr schreiben. Wenn es allerdings so weiter geht wird von mir garnichts mehr kommen, dann hast Du es ja erreicht was Du meinst wenn Du schreibst es fällt den Anderen immer nichts mehr ein !

Gruß aus Dummsdorf
dein1945
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2011, 10:57

@dein1945, warum so dünnhäutig?

Nur weil ich ein wenig skeptisch auf Deine Behauptung das nur das hören von RIAS im Kollegenkreis 1968 eine dreijährige Haftstrafe einbrachte?

Wir hörten während der Arbeit auf den Baustellen die entsprechenden Sender, wir hörten diese Sender im GST-Lager während der vormilitärischen Ausbildung, wir hörten sie während unseres Ernteeinsatzen wo wir zur Musik über brandenburgische Äcker krochen......

Es ist nichts passiert, es kam auch nie Einer der sagte "mach mal den Sender aus" oder so.
Das sind meine Erfahrungen, gemacht in diesem Zeitraum 1967 bis 1970, und eigene Erfahrung gleichzusetzen mit Besserwisserei, na gut wenn du das so siehst.

Auch wenn das hören/sehen von Westsendern in der DDR nicht wohlgelitten war, besonders Eifrige Selbstverpflichtungen abgaben nie, aber auch nie einen Westsender zu hören und zu sehen, ich es selbst erlebt habe das mal mein Besuch Anfang der Siebziger das Wohnzimmer verließ weil ich Tagesschau sah, war der Fakt an sich, das hören und sehen von Westsendern ein Strafbestand, weil rigoros verboten.
Wenn jemand wegen eines politschen Deliktes, meinetwegen "Herabwürdigung" und ähnlichem verurteilt wurde, dann war die Anklage in der Regel bemüht das Verwerfliche der Tat durch den Hinweis auf ständiges hören/sehen von Westsendern zu untermauern. Weil der "Täter" dadurch nämlich negativ beeinflußt wurde.

Außerdem erscheinen mir 3 Jahre, nur für Radio hören, doch sehr ungewöhnlich. Vielleicht fragst Du mal bitte Deine Gewährsperson was noch so alles im Urteil stand wofür dieses Strafmaß ausgesprochen wurde.

Gruß
Nostalgiker
Nostalgiker
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon dein1945 » 29. November 2011, 11:39

Nostalgiker hat geschrieben:@dein1945, warum so dünnhäutig?

[color=#40FFFF]Hab ne Lederhaut, kommt wahrscheinlich von zuviel Sonne ![/color]

Nur weil ich ein wenig skeptisch auf Deine Behauptung das nur das hören von RIAS im Kollegenkreis 1968 eine dreijährige Haftstrafe einbrachte?

Warum eigentlich nicht ?

http://www.pnn.de/potsdam/583008/

http://www.stiftung-aufarbeitung.de/opp ... ikel_id=89

Wir hörten während der Arbeit auf den Baustellen die entsprechenden Sender, wir hörten diese Sender im GST-Lager während der vormilitärischen Ausbildung, wir hörten sie während unseres Ernteeinsatzen wo wir zur Musik über brandenburgische Äcker krochen......

Es ist nichts passiert, es kam auch nie Einer der sagte "mach mal den Sender aus" oder so.
Das sind meine Erfahrungen, gemacht in diesem Zeitraum 1967 bis 1970, und eigene Erfahrung gleichzusetzen mit Besserwisserei, na gut wenn du das so siehst.

Auch wenn das hören/sehen von Westsendern in der DDR nicht wohlgelitten war, besonders Eifrige Selbstverpflichtungen abgaben nie, aber auch nie einen Westsender zu hören und zu sehen, ich es selbst erlebt habe das mal mein Besuch Anfang der Siebziger das Wohnzimmer verließ weil ich Tagesschau sah, war der Fakt an sich, das hören und sehen von Westsendern ein Strafbestand, weil rigoros verboten.
Wenn jemand wegen eines politschen Deliktes, meinetwegen "Herabwürdigung" und ähnlichem verurteilt wurde, dann war die Anklage in der Regel bemüht das Verwerfliche der Tat durch den Hinweis auf ständiges hören/sehen von Westsendern zu untermauern. Weil der "Täter" dadurch nämlich negativ beeinflußt wurde.

Außerdem erscheinen mir 3 Jahre, nur für Radio hören, doch sehr ungewöhnlich. Vielleicht fragst Du mal bitte Deine Gewährsperson was noch so alles im Urteil stand wofür dieses Strafmaß ausgesprochen wurde.

Liegt leider schon auf dem Friedhof !

Gruß
Nostalgiker


Gruß zurück
dein1945
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2011, 12:46

@dein1945,

jetzt sieht es schon etwas anders aus.
Ich gehe mal davon aus das der Mann aus dem ersten Link nicht Dein verstorbener Bekannter ist.

Die Sache mit den Briefen an den RIAS. Das geht nun weit über das reine hören dieses Senders hinaus. Wenn die entsprechenden Leute vom MfS die sich mit solchen Sachen beschäftigten einen schlechten Tag hatten war ziemlich schnell aus einem Brief in dem ich einen Musikwunsch äußerter oder meinen Favoriten für die Hitparade benannte eine ungesetzliche Kontaktaufnahme mit einer feindlichen Macht oder wie das genau hieß hergestellt. Da half auch nicht das immer diese "neutralen" Adressen angegeben wurden wo man hinschreiben sollte.

Ebenfalls ist mir diese Geschichte mit dem Rolling Stones Konzert bekannt.
Als wir davon hörten, waren wir von der Richtigkeit überzeugt. Obwohl etwas skeptisch, das Haus stand unmittelbar am Mauerstreifen, zur damaligen Zeit war die Fläche auf Ostberliner Seite noch nicht vollständig bebaut, aber ob man wirklich so nah herankommt das man was hört und die Männekin auf dem Dach auch wirklich sieht?????

Fragen die wir uns nicht beantworten konnten und auch nicht geklärt wurden. Wir wurden geschickt daran "gehindert" nach Berlin zu fahren indem die Teilnahme an der Demo zum 07.10. kurzerhand von der Schule zu einer unabdingbaren Pflichtveranstaltung erklärt wurde und ein fernbleiben sehr gut begründet werden mußte.

Die dort vor Ort zugeführten Jugendlichen sind dann bestimmt nicht wieder wegen des Grundes "Radio hören" zu Haftstrafen verurteilt wurden, sondern weil sie in Folge des Hörens dieses "Hetzsenders" dem "Aufruf" zur Störung der friedlichen Ordnung gefolgt sind und sich vielleicht auch noch polizeilichen Maßnahmen widersetzt haben.
So entsteht ein kausaler Zusammenhang und natürlich kann ich den "Rest" ausblenden und nur das Radio hören als Grund für Repressalien heranziehen.
Das "Radio hören" und zwar den "falschen" Sender war nur ein Auslöser für die Folgeereignisse.
All das wäre den Jugendlichen nicht passiert wenn sie einen gefestigten Standpunkt gehabt hätten. Denn dann hätten sie von vornherein nicht solch einen Sender gehört der solch dekadent/aufputschende Musik spielte.

Außerdem waren die Stones, schon auf Grund des ihnen verpassten Images von ihrem damaligen Management, die personifizierte Verkörperung der Verderber der Jugend. Übrigens auch im Westen waren die Stones "Feindbild". Da nahm sich Ost und West nicht viel.

Gruß
Nostalgiker
Nostalgiker
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon dein1945 » 29. November 2011, 14:23

Nostalgiker hat geschrieben:@dein1945,

jetzt sieht es schon etwas anders aus.
Ich gehe mal davon aus das der Mann aus dem ersten Link nicht Dein verstorbener Bekannter ist.

Da geb ich Dir mal recht !

Die Sache mit den Briefen an den RIAS. Das geht nun weit über das reine hören dieses Senders hinaus. Wenn die entsprechenden Leute vom MfS die sich mit solchen Sachen beschäftigten einen schlechten Tag hatten war ziemlich schnell aus einem Brief in dem ich einen Musikwunsch äußerter oder meinen Favoriten für die Hitparade benannte eine ungesetzliche Kontaktaufnahme mit einer feindlichen Macht oder wie das genau hieß hergestellt. Da half auch nicht das immer diese "neutralen" Adressen angegeben wurden wo man hinschreiben sollte.

Was passierte eigentlich wenn ich einen Musikwunsch an Radio DDR schrieb ?

Die neutralen Adressen waren auch für mich ein Witz, da hast Du direkt mal recht !

Ebenfalls ist mir diese Geschichte mit dem Rolling Stones Konzert bekannt.
Als wir davon hörten, waren wir von der Richtigkeit überzeugt. Obwohl etwas skeptisch, das Haus stand unmittelbar am Mauerstreifen, zur damaligen Zeit war die Fläche auf Ostberliner Seite noch nicht vollständig bebaut, aber ob man wirklich so nah herankommt das man was hört und die Männekin auf dem Dach auch wirklich sieht?????

Ja die Mauersteine brauchte man ja für die Mauer, oder ?

Fragen die wir uns nicht beantworten konnten und auch nicht geklärt wurden. Wir wurden geschickt daran "gehindert" nach Berlin zu fahren indem die Teilnahme an der Demo zum 07.10. kurzerhand von der Schule zu einer unabdingbaren Pflichtveranstaltung erklärt wurde und ein fernbleiben sehr gut begründet werden mußte.

Die dort vor Ort zugeführten Jugendlichen sind dann bestimmt nicht wieder wegen des Grundes "Radio hören" zu Haftstrafen verurteilt wurden, sondern weil sie in Folge des Hörens dieses "Hetzsenders" dem "Aufruf" zur Störung der friedlichen Ordnung gefolgt sind und sich vielleicht auch noch polizeilichen Maßnahmen widersetzt haben.

War für mich nie ein Hetzsender, hat wohl zuviel über die Mißstände in der DDR berichtet ?

So entsteht ein kausaler Zusammenhang und natürlich kann ich den "Rest" ausblenden und nur das Radio hören als Grund für Repressalien heranziehen.
Das "Radio hören" und zwar den "falschen" Sender war nur ein Auslöser für die Folgeereignisse.
All das wäre den Jugendlichen nicht passiert wenn sie einen gefestigten Standpunkt gehabt hätten. Denn dann hätten sie von vornherein nicht solch einen Sender gehört der solch dekadent/aufputschende Musik spielte.

Einen gefestigten Standpunkt hatte ich auch, hab ihn Heute noch, aber Ärger hatte ich deshalb noch nie !

Außerdem waren die Stones, schon auf Grund des ihnen verpassten Images von ihrem damaligen Management, die personifizierte Verkörperung der Verderber der Jugend. Übrigens auch im Westen waren die Stones "Feindbild". Da nahm sich Ost und West nicht viel.

Bei mir waren auch die "Stones" nie mit einem Feindbild behaftet, war schon 1965 in der Waldbühne beim ersten Konzert in Berlin !

Gruß
Nostalgiker


Mal den Gruß zurück
dein1945
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Wosch » 29. November 2011, 15:13

Absolut lachhaft ist die Äußerung von @Nostalgiker daß die "Rolling Stones" in der BRD auch als Feindbild wahrgenommen wurden. Mein persönliches Erlebnis (1965 Live-Auftritt der STones in der Münsterlandhalle zu Münster, Eintritt 6,-DM) und die Beliebtheit der Band bei der Jugend (dafür sprechen der Plattenumsatz und die Präsenz in den Medien), hier hatte sich kein "Bekloppter" über das "Yeah, yeah,yeah" mokiert (Ja , ich weiß das gehörte zu den Beatles, aber paßt auch hier her!)
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]

PS. Das hatte den Genossen schon immer gestunken, daß sich die Jugend der DDR mehr an die Musik des "dekadenten Westen" orientierte und das durch Haarschnitt und Kleidung zum Ausdruck bringren wollte. Das mit dem "Lipsy" ging dann natürlich auch schön in die Hose. [laugh]
Wosch
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2011, 16:01

dein1945 hat geschrieben:
Nostalgiker hat geschrieben:@dein1945,

jetzt sieht es schon etwas anders aus.
Ich gehe mal davon aus das der Mann aus dem ersten Link nicht Dein verstorbener Bekannter ist.

Da geb ich Dir mal recht !
Das ist aber nett! Ist nicht ironisch gemeint.

Die Sache mit den Briefen an den RIAS. Das geht nun weit über das reine hören dieses Senders hinaus. Wenn die entsprechenden Leute vom MfS die sich mit solchen Sachen beschäftigten einen schlechten Tag hatten war ziemlich schnell aus einem Brief in dem ich einen Musikwunsch äußerter oder meinen Favoriten für die Hitparade benannte eine ungesetzliche Kontaktaufnahme mit einer feindlichen Macht oder wie das genau hieß hergestellt. Da half auch nicht das immer diese "neutralen" Adressen angegeben wurden wo man hinschreiben sollte.

Was passierte eigentlich wenn ich einen Musikwunsch an Radio DDR schrieb ?
Jetzt überraschst Du mich. Du hast Radio DDR gehört?
Oder war das mehr rhetorisch gemeint?
Also ich hatte nie einen Musikwunsch den ich Radio DDR mitteilen wollte

Die neutralen Adressen waren auch für mich ein Witz, da hast Du direkt mal recht !
Da mußte bestimmt immer ein absoluter Musikhasser beim "Verein" mithören und der hatte die Adressen schneller notiert wie wir sie hörten......


Ebenfalls ist mir diese Geschichte mit dem Rolling Stones Konzert bekannt.
Als wir davon hörten, waren wir von der Richtigkeit überzeugt. Obwohl etwas skeptisch, das Haus stand unmittelbar am Mauerstreifen, zur damaligen Zeit war die Fläche auf Ostberliner Seite noch nicht vollständig bebaut, aber ob man wirklich so nah herankommt das man was hört und die Männekin auf dem Dach auch wirklich sieht?????

Ja die Mauersteine brauchte man ja für die Mauer, oder ?
Nicht direkt, aber die Pläne für die Umgestaltung in ein sozialistisches Stadtzentrum waren wohl noch nicht ganz fertig. Ansonsten, weiß ich nicht, es gab damals sehr viele freie Flächen. Eventuell auch Kriegsfolgen????


Fragen die wir uns nicht beantworten konnten und auch nicht geklärt wurden. Wir wurden geschickt daran "gehindert" nach Berlin zu fahren indem die Teilnahme an der Demo zum 07.10. kurzerhand von der Schule zu einer unabdingbaren Pflichtveranstaltung erklärt wurde und ein fernbleiben sehr gut begründet werden mußte.

Die dort vor Ort zugeführten Jugendlichen sind dann bestimmt nicht wieder wegen des Grundes "Radio hören" zu Haftstrafen verurteilt wurden, sondern weil sie in Folge des Hörens dieses "Hetzsenders" dem "Aufruf" zur Störung der friedlichen Ordnung gefolgt sind und sich vielleicht auch noch polizeilichen Maßnahmen widersetzt haben.

War für mich nie ein Hetzsender, hat wohl zuviel über die Mißstände in der DDR berichtet ?
Die " " bei dem Wort Hetzsender bei mir beachten, vielleicht ist dann klare wie ich das meinte

So entsteht ein kausaler Zusammenhang und natürlich kann ich den "Rest" ausblenden und nur das Radio hören als Grund für Repressalien heranziehen.
Das "Radio hören" und zwar den "falschen" Sender war nur ein Auslöser für die Folgeereignisse.
All das wäre den Jugendlichen nicht passiert wenn sie einen gefestigten Standpunkt gehabt hätten. Denn dann hätten sie von vornherein nicht solch einen Sender gehört der solch dekadent/aufputschende Musik spielte.

Einen gefestigten Standpunkt hatte ich auch, hab ihn Heute noch, aber Ärger hatte ich deshalb noch nie !
Hätte beim letzten Satz vorsichtshalber lieber als Beginn 'Ironie on' und am Schluß 'Ironie off' schreiben sollen?

Außerdem waren die Stones, schon auf Grund des ihnen verpassten Images von ihrem damaligen Management, die personifizierte Verkörperung der Verderber der Jugend. Übrigens auch im Westen waren die Stones "Feindbild". Da nahm sich Ost und West nicht viel.

Bei mir waren auch die "Stones" nie mit einem Feindbild behaftet, war schon 1965 in der Waldbühne beim ersten Konzert in Berlin !
Ich vergaß Einzugrenzen das sich dies Feinbild hauptsächlich auf die Spießer in Ost und West bezog. Die Stones waren bei der Jugend sehr beliebt.
So, so Du warst da 1965 also mit dabei bei dem Waldbühne kaputt machen!
Wir konnten damals nur die entsprechenden Kommentare in den Abendnachrichten am darauf folgenden Abend sehen. Die waren nun alles andere wie Positiv, jedenfalls für uns.
Ansonsten mußte ich mich dann mit Vor- und Nachberichten in der Bravo und dem Twen über die Tournee begnügen.



Nostalgiker


Mal den Gruß zurück



weil wir jetzt so schön OT sind, kann auch dieses Poster hier rein:
Bravo 37-1965 Cover Rolling Stones.jpg


Hing mal an meiner Wand im Jugendzimmer.
Vielleicht ist es Dir noch bekannt.

Gruß
Nostalgiker
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Nostalgiker
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Affi976 » 29. November 2011, 16:27

Zitat:...Die Sache mit den Briefen an den RIAS. Das geht nun weit über das reine hören dieses Senders hinaus. Wenn die entsprechenden Leute vom MfS die sich mit solchen Sachen beschäftigten einen schlechten Tag hatten war ziemlich schnell aus einem Brief in dem ich einen Musikwunsch äußerter oder meinen Favoriten für die Hitparade benannte eine ungesetzliche Kontaktaufnahme mit einer feindlichen Macht oder wie das genau hieß hergestellt. Da half auch nicht das immer diese "neutralen" Adressen angegeben wurden wo man hinschreiben sollte. Zitat Ende

Als ich im Frühjahr die Stasiakte meines bereits verstorbenen Vaters bekam, fielen mir mehrere Karten und Briefe mit Musikwünschen und Rätseln meines Vaters und meiner beiden Brüder, im Original in die Hände.
Da bei uns nur solche Sender liefen war es für mich nicht unbedingt ungewöhnlich. Ungewöhnlich war aber die Schrift eines Großteils meiner Familie dort zu finden. Die Briefe hatten z.B. alle unsere Ostberliner Adresse, aber innen drinnen stand, für den Fall eines Gewinns, eine Westberliner Adresse.
Außer, das es in der Akte stand, hat es offenbar keine Menschenseele interessiert.
Weder mein Vater, noch meine Brüder, wurden wegen Riashören und noch an den Sender schreiben belangt.
Und um hier nicht wieder.....so war es in meiner Familie!!!!!!
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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2011, 16:29

@wosch,

extra für Dich dieses kurze historische Video der Berliner Abendschau vom 18.September 1965:



und wenn Dir das immer noch nicht reicht kannst Du diesen Link Das Rolling Stones Konzert in der Westberliner Waldbühne 1965 ausführlich über die Ereignisse nachlesen.
falls Du diese vielen Seiten nicht schaffst, hier ein kleiner Auszug:

Würden Sie nicht auch der Mei­nung sein, daß vielleicht die publizistische Vorbereitung dieses Gastspiels die jungen Leute bewogen hat, die Show abzuziehen, die ihnen ja von einigen Zeitungen suggeriert wurde. Wir haben ja hier einige Uberschrlften, da Ist von der,.Musikschlacht des Jahres" ge­schrieben worden, da ist aber auch schon angedeutet worden, daß mehrere 100 Polizeibeamte anwesend sein werden und für Ruhe und Ordnung sorgen wer· den, was also schon mal die Anti-Stimmung unter den jungen Leuten anheizen sollte. Dann ist hier z. B. berichtet worden, daß bei vorangegangenen Gast­spielen ein Gitarrist zu Boden getrampelt, der nächste durch die Luft gewirbelt worden ist. ......

Besonders die Springerpresse heizte im Vorfeld des Konzertes die Stimmung an und spekulierte über das was passieren könnte um dann hinterher als es nach dem Konzert zu den bekannten Ausschreitungen kam, sehr genüßlich darüber zu berichten.
Letztens sah ich in einer Doku über die 60er Jahre wie sich Bundesbürger, befragt was sie von den "Langhaarigen" und "Gammlern" halten, vor laufender Kamera dahingehend äußerten das diesespack am besten in Arbeitslagern aufgehoben wäre......
Die sich sinngemäß so äußerten sahen keineswegs "Bekloppt" aus, nein wie ganz normale Bürger sahen sie aus.

Und nochwas wosch, man kann zu W. Ulbricht stehen wie man will, bekloppt war er garantiert nicht.

Gruß
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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2011, 16:34

@Affi,

das glaube ich Dir gerne das da nichts weiter passierte.
Nur mal angenommen Dein Vater wäre wegen einer anderen Sache ins Visier geraten, die Jungs hätten nachgefragt ob irgendwo schon ein Vorgang liegt, dann hätten sie auch die Briefe entsprechend verwendet.

Postüberwachung war wahrscheinlich ein großes Hobby, auch ich konnte meine komplette Post ab 1972 nochmal lesen.

Gruß
Nostalgiker
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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon karl143 » 29. November 2011, 16:35

Was das jetzt noch alles mit den braunen Gebieten im Osten zu tun hat ist mir leider zu hoch. Zum Feindsender hören, fällt mir nur noch die Kennung von BBC
ein, und die Bestrafungen und Verhaftungen durch die Gestapo. Kein weiter Kreis zum MfS. Als wenn sich ein Geheimdienst nicht um anderes zu kümmern hätte. Probleme hatte die DDR genug.
karl143
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Zicke » 29. November 2011, 16:58

karl143 hat geschrieben:Was das jetzt noch alles mit den braunen Gebieten im Osten zu tun hat


Hier wieder News aus dem Revier
http://www.weser-kurier.de/Artikel/News ... tmund.html





Der mutmaßliche Haupttäter, ein 24-Jähriger vorbestrafter Skinhead, war noch am Tatort festgehalten worden und sitzt bereits seit Sonntag in Untersuchungshaft. Die beiden anderen sind den Behörden bekannt, aber auf freiem Fuß. Nach zwei Mittätern wird weiter gesucht.Dortmund gilt als eine Hochburg von Rechtsextremisten.Die Verdächtigen haben laut Staatsanwaltschaft am Samstagabend auf dem Weihnachtsmarkt die 16 und 17 Jahre alten Türken ohne Anlass angesprochen, verprügelt und getreten. Sie trugen dabei laut Polizei die für die rechte Szene typische Kleidung und brüllten nach Angaben eines Opfers in den "Ruhr Nachrichten" ausländerfeindliche Sprüche. Das 16-jährige Opfer erlitt Verletzungen, musste aber nicht stationär ins Krankenhaus.

Der mutmaßliche Haupttäter war nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits 2005 wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, weil er einen Punker erstochen hatte. Er sei 2010 nach einer günstigen Prognose auf freien Fuß gekommen, habe aber noch zwei Jahre auf Bewährung zu verbüßen. (dpa)[/color]
Zicke
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Affi976 » 29. November 2011, 17:06

Zitat Nostalgiker:...Dein Vater wäre wegen einer anderen Sache ins Visier geraten

ist er @ Nostalgiker. Gegen ihn lief mehrere Jahre eine OPK [shocked] . Und das genau Anfang der 60er Jahre.
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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2011, 18:04

karl143 hat geschrieben:Was das jetzt noch alles mit den braunen Gebieten im Osten zu tun hat ist mir leider zu hoch. Zum Feindsender hören, fällt mir nur noch die Kennung von BBC
ein, und die Bestrafungen und Verhaftungen durch die Gestapo. Kein weiter Kreis zum MfS. Als wenn sich ein Geheimdienst nicht um anderes zu kümmern hätte. Probleme hatte die DDR genug
.


@karl, weder Kreis noch Linie! Mal wieder eine Behauptung wider besseren Wissens Deinerseits.

Ab dem 01. September 1939 war das Hören von Feindsendern im Reichgebiet bei Strafe verboten.
Hier zur gefälligen Beachtung das entsprechende Gesetzblatt: Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen

Falls Du oder jemand Anderes diese Schrift nicht richtig lesen kann, hier der Text:

Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen.

Vom 1. September 1939.

Im modernen Krieg kämpft der Gegner nicht nur mit militärischen Waffen, sondern auch mit Mitteln, die das Volk seelisch beeinflussen und zermürben sollen. Eines dieser Mittel ist der Rundfunk. Jedes Wort, das der Gegner herübersendet, ist selbstverständlich verlogen und dazu bestimmt, dem deutschen Volke Schaden zuzufügen. Die Reichsregierung weiß, daß das deutsche Volk diese Gefahr kennt, und erwartet daher, daß jeder Deutsche aus Verantwortungsbewußtsein heraus es zur Anstandspflicht erhebt, grundsätzlich das Abhören ausländischer Sender zu unterlassen. Für diejenigen Volksgenossen, denen dieses Verantwortungsbewußtsein fehlt, hat der Ministerrat für die Reichsverteidigung die nachfolgende Verordnung erlassen.

Der Ministerrat für die Reichsverteidigung verordnet für das Gebiet des Großdeutschen Reichs mit Gesetzeskraft:

§ 1
Das absichtliche Abhören ausländischer Sender ist verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Zuchthaus bestraft. In leichteren Fällen kann auf Gefängnis erkannt werden. Die benutzten Empfangsanlagen werden eingezogen.

§ 2
Wer Nachrichten ausländischer Sender, die geeignet sind, die Widerstandskraft des deutschen Volkes zu gefährden, vorsätzlich verbreitet, wird mit Zuchthaus, in besonders schweren Fällen mit dem Tode bestraft.

§ 3
Die Bestimmungen dieser Verordnung gelten nicht für Handlungen, die in Ausübung des Dienstes vorgenommen werden.

§ 4
Für die Verhandlungen und Entscheidung bei Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung sind die Sondergerichte zuständig.

§ 5
Die Strafverfolgung auf Grund von §§ 1 und 2 findet nur auf Antrag der Staatspolizeistellen statt.

§ 6
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda erläßt die zur Durchführung dieser Verordnung erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften, und zwar, soweit es sich um Strafvorschriften handelt, im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Justiz.

§ 7
Die Verordnung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft.

Berlin, den 1. September 1939

Der Vorsitzende des Ministerrats für die Reichsverteidigung // Göring // Generalfeldmarschall
Der Stellvertreter des Führers // R. Heß
Der Generalbevollmächtigte für die Reichsverwaltung // Frick
Der Reichsminister und Chef der Reichskanzlei // Dr. Lammers

______________________________________________________________________________________________________________________________

Nun sei so freundlich Karl und suche den entsprechenden Beschluß oder das entsprechende DDR Gesetz heraus mit der Du Deine aus der Luft gegriffene Behauptung untermauerst.
Nur einfach eine Behauptung in den Raum stellen, was bezweckst Du damit?

Wenn Du Dich weitergehend über die Anwendung oben genannter Verordnung informieren möchtest lege ich Dir folgende Dissertation ans Herz. "Rundfunkverbrechen" vor nationalsozialistischen Sondergerichten. Eine vergleichende Untersuchung der Urteilspraxis in der Reichshauptstadt Berlin und der südbadischen Provinz

Ist viel Text, ihn zu lesen schadet Dir bestimmt nicht.

Gruß
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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon karl143 » 29. November 2011, 19:30

Dann ist es noch schlimmer als bei den Nazis. Die haben das wenigstens gesetzlich abgedeckt. Das in der DDR Menschen auch verurteilt wurden, weil sie Westsender hörten, beweist dieser Ausschnitt aus diesem Bericht:

http://www.bstu.bund.de/SharedDocs/Down ... cationFile

Verurteilt wegen „staatsgefährdender Hetze“ –
Reaktionen auf den Mauerbau im Bezirk Rostock
von Dr. Michael Heinz (BStU) und Anita Krätzner (Universität Rostock)

Was im „Kampfauftrag der FDJ“ galt, galt auch für die restlichen DDR-Bürger als Programm: Auf das Hören westlicher Sender sollte verzichtet werden, deswegen verschärfte die SED nach dem Mauerbau das medienpolitische Klima. Ordnungsgruppen der FDJ stiegen während der „Aktion Blitz“ (oder auch „Ochsenkopf“-Aktion genannt) Empfängern von West-Sendern auf die Dächer und drehten Antennen um oder sägten sie ab. An die Häuser der Westempfänger klebten die Ordnungsgruppen papierne Ochsenköpfe.34 Im Zentralorgan der FDJ, der „Jungen Welt“ vom 7. September 1961 hieß es unter der Überschrift „Unsere Blitze zünden – ‚Ochsenköpfe’ verschwinden“:
Mit vielen Ideen sind die FDJler überall dabei, die ‚Aktion Blitz kontra NATO-Sender’ zu einem neuen kräftigen Schlag gegen die kalten Krieger zu machen. In zahlreichen Diskussionen in Städten und Dörfern schufen unsere Freunde Klarheit darüber, daß in keinem Haus NATO-Sender gehört oder gesehen werden. So sind in der Grenzgemeinde Harkensee, Kreis Grevesmühlen, schon seit einigen Tagen sämtliche Fernsehantennen in Richtung Frieden eingestellt.
Eine besonders originelle Idee hatten die Freunde der FDJ-Organisation der Mathias-Thesen-Werft in Wismar. Sie schufen die Figur ‚Tele-Conny’, die all jenen an die Haustür geheftet bzw. am Arbeitsplatz angebracht wird, die noch immer die Fernsehsendungen des Westens empfangen. Sobald die Antennen aber in Richtung Sozialismus zeigen, wird ‚Tele-Conny’ wieder abgeholt.
Das Sekretariat des ZK der SED wies einen Tag zuvor an, dass sich die Empfänger „freiwillig“ die Kanäle für Westfernsehen aus ihren Apparaten ausbauen lassen sollten. In den Gebieten, wo gar kein DDR-Fernsehen empfangen werden konnte, sollte die Post die Fernsehzulassungen kündigen und dafür sorgen, dass die Geräte außer Betrieb gesetzt werden.
Der Handel sollte in diesen Gebieten keine Fernseher mehr verkaufen. In der Weisung des Sekretariats des ZK hieß es: „Ab sofort ist das organisierte Westfernsehen und die Verbreitung westlicher Nachrichten strafrechtlich zu verfolgen.“35
Die Westsender konnten ein anderes als das zugelassene Bild über den Mauerbau und die politischen Maßnahmen der DDR verbreiten. Das war ein Grund, warum ihr Empfang so rigide unterbunden werden sollte. In einem besonderen Fall eskalierte die Situation:
Nach dem 13. August 1961 bildete sich ein Rettungsschwimmer von der Insel Usedom sein Urteil über den Mauerbau, indem er den „feindlichen“ Sender Freies Berlin (SFB) hörte – ein negatives Urteil. In Diskussionen auf der Seebrücke von Zinnowitz und in einer Gaststätte verurteilte er die Schließung der Sektorengrenzen in Berlin. Außerdem stellte er den SFB auf der Seebrücke an, als andere Personen dabei waren und verbreitete so zum Beispiel eine Rede Willy Brandts gegen den Mauerbau. Per Lautsprecher beschallte er sogar den Strand mit Westschlagern. Selbst als Funktionäre, die ein Sonnenbad nahmen, sich bei ihm darüber beschwerten, verweigerte er ein Einlenken. Am 14. September 1961 verhaftete ihn die Staatssicherheit. Aufgrund „staatsgefährdender Hetze“ verurteilte ihn das Bezirksgericht Rostock zu drei Jahren und sechs Monaten Haft, die er in der Strafvollzugsanstalt Bautzen I verbüßen musste. Auch dort gab er sich unbequem und verweigerte zum Beispiel die Sonntagsarbeit, daher lehnte man eine Amnestie ab und entließ ihn erst am 12. März 1965. Ein mitbeteiligter und daher ebenfalls angeklagter Kellner erhielt dieselbe Strafe, wurde jedoch bereits im April 1964 entlassen, obwohl er sich wesentlich radikaler geäußert hatte.

Mit dem Ankleben von Symbolen an Haustüren usw. erinnert mich das auch an die braunen Jahre, Nostalgiker. Man hatte gut in Geschichte aufgepasst. Was man doch alles so übernehmen konnte [flash]
karl143
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Wosch » 29. November 2011, 19:51

Nostalgiker hat geschrieben:@wosch,

extra für Dich dieses kurze historische Video der Berliner Abendschau vom 18.September 1965:



und wenn Dir das immer noch nicht reicht kannst Du diesen Link Das Rolling Stones Konzert in der Westberliner Waldbühne 1965 ausführlich über die Ereignisse nachlesen.
falls Du diese vielen Seiten nicht schaffst, hier ein kleiner Auszug:

Würden Sie nicht auch der Mei­nung sein, daß vielleicht die publizistische Vorbereitung dieses Gastspiels die jungen Leute bewogen hat, die Show abzuziehen, die ihnen ja von einigen Zeitungen suggeriert wurde. Wir haben ja hier einige Uberschrlften, da Ist von der,.Musikschlacht des Jahres" ge­schrieben worden, da ist aber auch schon angedeutet worden, daß mehrere 100 Polizeibeamte anwesend sein werden und für Ruhe und Ordnung sorgen wer· den, was also schon mal die Anti-Stimmung unter den jungen Leuten anheizen sollte. Dann ist hier z. B. berichtet worden, daß bei vorangegangenen Gast­spielen ein Gitarrist zu Boden getrampelt, der nächste durch die Luft gewirbelt worden ist. ......

Besonders die Springerpresse heizte im Vorfeld des Konzertes die Stimmung an und spekulierte über das was passieren könnte um dann hinterher als es nach dem Konzert zu den bekannten Ausschreitungen kam, sehr genüßlich darüber zu berichten.
Letztens sah ich in einer Doku über die 60er Jahre wie sich Bundesbürger, befragt was sie von den "Langhaarigen" und "Gammlern" halten, vor laufender Kamera dahingehend äußerten das diesespack am besten in Arbeitslagern aufgehoben wäre......
Die sich sinngemäß so äußerten sahen keineswegs "Bekloppt" aus, nein wie ganz normale Bürger sahen sie aus.

Und nochwas wosch, man kann zu W. Ulbricht stehen wie man will, bekloppt war er garantiert nicht.

Gruß
Nostalgiker



Ich schrieb ja schon bereits daß ich 1965 bei der ersten Rolling Stones in Deutschland, in Münster, anwesend war. Wenn Du solchen "Schnick-Schnack als Beweis für ein bundesdeutsches "Feindbild" gegenüber den Stones deklarieren möchtest, dann iust das mehr als dürftig. Sicherlich lag nicht Allen die Musik der Rolling Stones (das hing in gewisser Hinsicht wohl auch mit dem Alter zusammen) aber die Waldbühne wurde nicht von den Stones demoliert, genausowenig wie die Krawalle bei dem Dresden-Dortmund-Fußballspiel den Spielern der beiden Vereine anzulasten wären. Auf diese Idee könnte nur Einer kommen, der mit der Dummheit der Leute rechnet die ihm das abnehmen sollten. Das Gastspiel in Münster lief übrigens ganz ohne Randale ab, Bei der Waldbühne sah das etwas anders aus, genauso wie beim Auftritt von Bill Haley ein paar Jahre zuvor. Jedenfalls zu meiner Zeit gab es kein "Feindbild" zu den Rolling Stones, daß die Konzerte aller Gruppen hier in den Medien unterschiedlich bewertet und die demolierte Waldbühne nicht gutgeheißen und die Springerpresse als Anschieber benannt Wurde beweist doch letztendlich nur wie schwach der Inhalt aufgebaut war.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
Wosch
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Zicke » 29. November 2011, 20:40

Zeit, ein Vorurteil zurechtzurücken.
Nämlich die Probleme mit Neonazis allein im Osten Deutschlands zu vermuten. Wir schauen jetzt nach Dortmund. Die Großstadt im Ruhrgebiet ist zu einer Hochburg der rechten Szene geworden, Straftaten mit einem rechtsextremen Hintergrund nehmen auffällig zu.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Auch in NRW wird es künftig Beratungsstellen für Opfer rechtsextremer Gewalt geben. Das Land stellt dafür in diesem Jahr 300.000 Euro zur Verfügung. Wenn an Rhein und Ruhr Menschen von Neonazis und anderen extremen Rechten angegriffen wurden, musste bisher in dringenden Beratungsfällen auf Experten aus Ostdeutschland zurückgegriffen werden. 149 schwere Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2010 in NRW, im Jahr 2009 waren es 169. Eine landesweite Opferberatung, die sich in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und den anderen neuen Ländern bewährt hat, gibt es hier noch nicht.

"Ohne Frage ist der Bedarf an Unterstützung vorhanden. Das ist regional sicher unterschiedlich. Wichtig ist aber, dass es eine, in allen Teilen des Landes gut erreichbare Beratung gibt, bei der die Experten die Opfer gezielt aufsuchen", sagt Andreas Kersting vom NRW- Familienministerium, den NRW-Titeln der WAZ-Mediengruppe. Die Landeszentrale für politische Bildung NRW ist für das Projekt verantwortlich. Besonders viele Übergriffe zählen die Behörden in Neonazi-"Hochburgen" wie Dortmund-Dorstfeld und in der Region Aachen.
Zitate aus:
http://nokturnaltimes.wordpress.com/tag ... ihochburg/
http://www.ptext.de/nachrichten/waz-nrw ... alt-224506
Zicke
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Interessierter » 29. November 2011, 21:11

Da es leider auch schon immer Probleme mit " Rechten " an den alten Bundesländern gab, was auch eigentlich jeder weiß, frage ich Dich einfach mal: Wer behauptet, daß es diese Probleme alleine in den neuen Bundesländern gibt?

Du wolltest dieses Vorurteil zurechtrücken:
Nämlich die Probleme mit Neonazis allein im Osten Deutschlands zu vermuten
, daher meine Frage.

[hallo]
Interessierter
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Zicke » 29. November 2011, 21:16

Hallo Interessierter
Interessierter hat geschrieben:Du wolltest dieses Vorurteil zurechtrücken:


das sind Zitate , aber auch der "Fred" stellt eine These " Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland" oder?
Zicke
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon karl143 » 29. November 2011, 21:34

Zicke,
sicher gibt es auch in den alten Bundesländern Probleme mit den Rechten. Auch hier ganz in der Nähe in Bückeburg (Spiegel TV vom letzten Sonntag).
Aber es gibt in den alten Ländern nicht diese flächendeckenden braunen Flecken auf der Landkarte wie Sächsische Schweiz, Uckermark, Usedom usw.

Eigentlich ist es schlimm, das so ein Thema überhaupt nach diesen 12 schlimmen Jahren überhaupt noch aktuell ist. Schlimm ist es aber, das es wohl noch genug hirnlose gibt, die den geschichtlichen HIntergrund noch immer nicht schnallen, wie zum B. die Fans von Zwickau, die beim Oberliga Spiel gegen Aue II Nazigesänge getätigt haben. Und auch da geht es nicht um ein paar Leute, sondern um einige mehr. Wir sollten hier in diesem Thread auch wieder auf das Thema zurückkommen. Dazu ist die Sache zu Ernst [hallo]
karl143
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon Interessierter » 29. November 2011, 22:14

wie zum B. die Fans von Zwickau, die beim Oberliga Spiel gegen Aue II Nazigesänge getätigt haben.


Hierzu der passende Bericht von yahoo:

http://de.eurosport.yahoo.com/29112011/ ... ickau.html
Interessierter
 

Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon augenzeuge » 29. November 2011, 22:20

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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon vs1400 » 3. Dezember 2011, 12:19

jena war ein voller erfolg, wie mir berichtet wurde. viel polizei, doch keine zwischenfälle.

Peter Maffay über rechte Gewalt

50.000 rocken gegen Rechts

Szenekontakte der Terrorzelle

gruß vs
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Re: Der braune Sumpf in (Ost)Deutschland

Beitragvon augenzeuge » 3. Dezember 2011, 19:09

Warum die "Neonazibräute" gar nicht harmlos sind....

http://www.stern.de/politik/deutschland ... 58099.html
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