Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Beitragvon Interessierter » 9. November 2020, 09:28

Rainer Burgis

Am 15. Oktober 1978 um 18.00 Uhr erfolgte nördlich von Mechau die Auslösung des Grenzsignalzaunes Feld 18, um 19.55 Uhr erfolgte eine weitere Auslösung im Feld 20. Die alarmierten DDR-Grenzer hörten kurz danach eine Detonation und entdeckten am Grenzzaun zwei durch Minen verletzte Flüchtlinge.


Bild
Bildquelle: Stefan Appelius

geboren am 14. September 1958 in Salzwedel
getötet durch Splitterminen am 15. Oktober 1978
Ort des Zwischenfalles: 2000 Meter nördlich von Mechau im Altmarkkreis, Bereich der Grenzsäule 347 (Sachsen-Anhalt)


Rainer Burgis ging aus einer heimlichen Liebesbeziehung seiner in Westdeutschland verheirateten Mutter mit ihrem aus der DDR geflüchteten Cousin hervor. Als Rainers Mutter ihre Schwangerschaft bemerkte, entschied sich das Paar gemeinsam zur Übersiedlung in die DDR, wo beide in der LPG „Tierproduktion” Stappenbeck arbeiteten, einem Vorort der alten Hansestadt Salzwedel – unweit der innerdeutschen Grenze. Ihr im September 1958 geborener Sohn Rainer galt als lernbehindert und war stark kurzsichtig. Seine Tante Inge Burgis erinnert sich an einen „herzensguten Jungen”.

Nach dem Besuch der Sonderschule in Salzwedel arbeitete Rainer Burgis in der elterlichen Genossenschaft als Viehpfleger und in der Futterwirtschaft. Einige Monate vor seinem späteren Fluchtversuch lernte er in der LPG den Melker Wilfried Senkel kennen und freundete sich mit ihm an. Nach Ermittlungen des DDR-Staatssicherheitsdienstes planten Burgis und Senkel, im Herbst 1978 nach Bayern zu fliehen, wo Rainers Großeltern damals lebten. Um ihren Fluchtversuch zu tarnen, gaben sie an, sie wollten mit ihren Fahrrädern zum Pilzesuchen in den Wald.

Am 15. Oktober 1978 um 18 Uhr erfolgte nördlich von Mechau die Auslösung des Grenzsignalzaunes Feld 18 und um 19.55 Uhr eine weitere Auslösung im Feld 20. Die alarmierten DDR-Grenzer hörten kurz danach eine Detonation und entdeckten am Grenzzaun zwei durch Minen verletzte Flüchtlinge. Nach Aussage von Wilfried Senkel versuchte Rainer Burgis, den mit Selbstschussanlagen gesicherten Grenzzaun an jenem Herbstabend zu überklettern. Dabei löste er zwei tödliche Splitterminen aus. Er wollte sich, nach Aussage von Wilfried Senkel, auf keinen Fall festnehmen lassen und unter allen Umständen in die Bundesrepublik flüchten. Beim Eintreffen der durch den Vorfall herbeigeeilten DDR-Grenzsoldaten war Rainer Burgis bereits seinen Verletzungen erlegen. Um eine Beobachtung von der Westseite auszuschließen, verbargen DDR-Grenzer die Leiche von Burgis im Unterholz, während der schwer verletzte Wilfried Senkel zur medizinischen Behandlung abtransportiert wurde. Die Obduzenten in der Medizinischen Akademie Magdeburg stellten einen Tag später am Leichnam von Rainer Burgis „61 unterschiedlich geformte Metallsplitterverletzungen fest”.

Im DDR-Gerichtsverfahren gegen Wilfried Senkel wegen „versuchter Republikflucht” durfte der Tod von Rainer Burgis nicht erwähnt werden. In einem Schreiben der Untersuchungsabteilung der BV Magdeburg des MfS vom 24. Oktober 1978 an den Bereichsleiter Abwehr des Grenzkommando Nord in Stendal heißt es: „Unter Beachtung der sich aus diesem Vorkommnis ergebenden erhöhten Anforderungen an die Konspiration wird zum Zwecke der Beweisführung gebeten, das […] Festnahmeprotokoll der Grenztruppen der DDR unter dem Gesichtspunkt der Alleintäterschaft des Senkel nochmals abfassen zu lassen. In dem zu erstellenden Festnahmeprotokoll dürfen keine Hinweise auf die Mittäterschaft der Person BURGIS enthalten sein.”

Rainer Burgis wurde bereits wenige Tage nach dem Grenzzwischenfall in Salzwedel beigesetzt. „Es war ganz schrecklich, denn es durfte ja keiner etwas sagen”, erinnert sich seine Tante Inge Burgis: „Da stand ja überall die Stasi rum.” Eine Beisetzung im Familiengrab fand nicht statt, weil eine seiner Tanten Einwände geäußert hatte. Das Grab von Rainer Burgis wurde wenige Jahre nach dem Fall der Mauer eingeebnet.

https://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das ... index.html

Bei allem Verständnis dafür, dass man als AGT solche Mordapparate wohl installieren musste, stellt sich mir die Frage ob und welche Gedanken sich diese Menschen eigentlich machten, wohlwissend wie schrecklich und auch tödlich diese Automaten gegen ihre eigenen Mitbürger wirkten?
Was wäre eigentlich passiert wenn man gesagt hätte, dass man den Anbau nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könnte?

Kann es wirklich sein, dass niemand Gewissenskonflikte hatte? Wie zum Beispiel der Edelknabe, der lediglich meinte, dass er genug damit zu tun hatte sich um seine kleine Familie zu kümmern?

Und warum äußert sich selbst heute kaum jemand von den entsprechenden " Installateuren " dazu?
Interessierter
 

Re: Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Beitragvon Olaf Sch. » 9. November 2020, 10:07

Wer lädt sich schon gern selbst Schuld auf? Vor allem wenn man Null Unrechtsempfinden besitzt, Diktatoren verherrlicht und auch sonst einen ziemlich an der Waffel hat?
Olaf Sch.
 

Re: Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Beitragvon Nostalgiker » 9. November 2020, 10:18

Na Akku. vertreibst du dir die Langweile ein wenig mit rumpöbeln?
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts zu verlieren hat. Janis Joplin

Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen, die immer bei anderen auf die Rechtschreibfehler hinweisen, eine Persönlichkeitsstörung haben und unzufrieden mit ihrem Leben sind. Netzfund
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Re: Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Beitragvon Dr. 213 » 9. November 2020, 15:00

Wenigstens ein schlechtes Gewissen hatten die Verantwortlichen für den Todeszaun mit der dort technisch
vorbereitete Menschenzerfetzung durch Sprengfallen und Todesautomaten.

Wo man doch in Helsinki versprochen hatte, nun endlich auch brav zu sein.

Herzlichst
Dr. 213
Dr. 213
 

Re: Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Beitragvon Interessierter » 9. November 2020, 15:24

Haben die Verantwortlichen der DDR es nicht einfach nach außen so aussehen lassen? Ich jedenfalls kenne einen, der diese Todesautomaten anbaute und dabei kein schlechtes Gewissen hatte.
Interessierter
 

Re: Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Beitragvon Olaf Sch. » 9. November 2020, 16:42

Nostalgiker hat geschrieben:Na Akku. vertreibst du dir die Langweile ein wenig mit rumpöbeln?


hast du schon deine Haustiere gefüttert?!
Olaf Sch.
 

Re: Von 61 Metallsplittern aus SM70 getötet

Beitragvon Interessierter » 10. November 2020, 15:09

1. Mai 2017, 10:34
Zitat Edelknabe:
Ich schrieb so erinnere ich mich auch einmal, das mir zu damaliger Zeit des Wehrdienstes ganz andere Sachen viel, viel wichtiger waren.So zum Beispiel die täglichen Briefe Nachhause.Gerade weil ich zu dem Zeitpunkt schon ne kleine Familie hatte.

Ich schrieb ferner, das gerade die Pionierarbeit (auch die an der Anlage 501) für mich eine ganz normale Arbeit war,( wohl bedingt durch meinen Metallberuf) die eben den Tag, diese verdammten Tage des Wehrdienstes richtig gut herum brachten.


@Edelknabe:
Da du deine obenstehende Aussage ja permanent bestreitest, habe ich sie einmal kopiert und eingestellt. Nur um der Wahrheit die Ehre zu geben. Wie man lesen kann, konntest du dich aber im Mai 2017 daran erinnern.

Ich denke, wenn du dich ausschließlich der Wahrheit bedienen würdest, hättest du auch beim Beruferaten bessere Karten.

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