Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Beitragvon Interessierter » 1. September 2020, 07:19

Karl Korte

Karl Willi Heinrich Korte transportierte am 13. Januar 1959 Möbel in Richtung Stadtausgang Salzwedel. Ihm wurde mehrmals signalisiert anzuhalten, doch er reagierte nicht. Als er den dritten Sicherungsposten passierte, wurde ein gezielter Schuss abgegeben, der den 36-Jährigen tödlich verwundete.


geboren am 22. September 1922 in Garßen
erschossen am 13. Januar 1959
Ort des Zwischenfalls: Salzwedel (Sachsen-Anhalt)


Nach der Meldung über einen Grenzdurchbruch mit einem Fahrzeug, der sich am 12. Januar 1959 ereignet hatte, führte die Grenzpolizei im Raum Hoyersburg – Salzwedel – Grabenstedt auf Anordnung der Grenzbrigade Magdeburg verstärkte Fahrzeugkontrollen durch. Grenzpolizisten kontrollierten am Stadtrand Salzwedels alle ein- und ausfahrenden Personen und Fahrzeuge. Am 13. Januar 1959, gegen 9.35 Uhr fuhr Karl Korte mit seinem Laster auf der Braunschweiger Straße in Richtung Stadtausgang. Er transportierte Möbel der Möbelfabrik Salzwedel. Als das Fahrzeug in der Braunschweiger Straße eine Kurve passierte, hob Unteroffizier G. den rechten Arm und forderte den Fahrer des etwa 150 Meter entfernten Lkw damit zum Anhalten auf. Der Fahrer reagierte nicht und fuhr mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Unteroffizier G. sprang an den Straßenrand und ließ das Fahrzeug durchfahren. Nun hob der 20 Meter hinter dem Unteroffizier postierte Soldat S. ebenfalls den Arm und signalisierte dem Fahrer anzuhalten. Doch wiederum reagierte der nicht und fuhr weiter. Daraufhin feuerte Unteroffizier G. zwei einzelne Warnschüsse ab. Das Fahrzeug hielt dennoch nicht an.

Als es den 20 Meter entfernten dritten Sicherungsposten, besetzt mit dem Grenzpolizisten W., passierte, gab dieser einen gezielten Schuss auf den Wagen ab. Das Geschoss durchschlug die Plane des Lasters, das Führerhaus und traf den Kopf des Fahrers. Der Lkw fuhr nach etwa 100 Metern in einen Acker und kam dort zum Stehen. Die Grenzpolizisten eilten zum Fahrzeug. Als sie die Tür öffneten, stellten sie fest, dass der Fahrer Karl Korte nicht mehr lebte.

Wegen des Verdachts der Tötung leitete der Militärstaatsanwalt von Magdeburg ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt ein. Auch das Büro der SED-Kreisleitung befasste sich mit dem Todesfall und kam zu dem Ergebnis, „daß die Grenzpolizisten nach den Befehlen und Anweisungen zu recht gehandelt haben; wer die Deutsche Grenzpolizei oder Volkspolizei nicht als Organ unserer Arbeiter- und Bauern-Macht respektiert, kann kein anderes Ergebnis erwarten.”

Der im Kreis Celle in Niedersachsen geborene Karl Willi Heinrich Korte gehörte der SED an, hielt aber mit Kritik nicht hinter dem Berg. Eine nach seinem Tod verfasste Ergänzungsmeldung der Deutschen Grenzpolizei enthält eine politisch negative Einschätzung über ihn. Karl Korte sei „kein demokratischer Bürger [gewesen]. Von 1950 bis 1951 war er Kraftfahrer beim FDGB. Nach seiner Entlassung wurde er selbst Kraftfahrunternehmer.” Wiederholt habe er Funktionäre der Partei als Bonzen bezeichnet. „Bei den Wahlen mußte er mehrfach aufgefordert werden, seine Pflicht als Bürger der DDR zu erfüllen.”

Kortes Frau Irmgard wandte sich am 15. Januar 1959 mit einer Eingabe direkt an den Vorsitzenden des Staatsrates Walter Ulbricht. Zum Sachverhalt schrieb sie, der Lkw ihres Mannes sei weit entfernt von der Grenze gewesen und zudem in Richtung DDR gefahren. Sie bat den Vorsitzenden des Staatsrates um eine Untersuchung des Vorganges. Sie sei der Auffassung, dass die Grenzpolizisten keine Veranlassung gehabt hätten, auf ihren Mann zu schießen und dass demzufolge „die staatlichen Organe für ihre materielle Versorgung aufkommen müssten”.

Sie sei nicht in der Lage, das gemeinsame Fuhrgeschäft alleine weiterzuführen. Frau Korte erhielt daraufhin die Zusicherung, die Kreissparkasse werde die Rückzahlung eines fälligen Kredits stunden. Darüber hinaus kam es zu keiner Anerkennung ihrer Forderung. Bei einer mit ihr am 4. März 1959 geführten „Aussprache” in der SED-Kreisleitung Salzwedel habe sie schließlich eingesehen, dass nach den vorliegenden Berichten über den Hergang des Zwischenfalls, der zum Tode ihres Mannes geführt habe, die Grenzpolizisten pflichtgemäß gehandelt hätten und deswegen keine staatliche Versorgung für sie in Frage komme.

Die durch das SED-Zentralkomitee veranlasste Untersuchung des Vorfalls kam zu einem etwas anderen Ergebnis und endete mit Disziplinarstrafen für mehrere Offiziere der Deutschen Grenzpolizei. Der Chef der Abteilung für Sicherheitsfragen im SED-Zentralkomitee, Walter Borning, hielt am 20. März 1959 in seinem Bericht über einen „Schusswaffengebrauch mit tödlichem Ausgang” fest, die Untersuchung der Volkspolizei habe ergeben, dass die Grenzpolizisten in Salzwedel weisungsgemäß gehandelt hätten.

Der Befehl des Kommandeurs der Deutschen Grenzpolizei vom 3. Dezember 1958 über die Anwendung der Schusswaffe nur bei Lebensgefahr – dieser Befehl untersagt ausdrücklich den Schusswaffengebrauch auf Fahrzeuge – war den Unteroffizieren und Soldaten in Salzwedel nicht bekannt. Überprüfungen ergaben, dass der Stabschef der Grenzbereitschaft Salzwedel diesen Befehl ohne jegliche Veranlassung zu den Akten gelegt hatte und dass sowohl die Grenzbrigade Magdeburg als auch das Kommando der Deutschen Grenzpolizei die Durchführung des Befehls nicht kontrolliert hatten. „Vom Kommandeur der Deutschen Grenzpolizei wurden die dafür verantwortlichen Offiziere disziplinarisch bestraft.” Die ZERV stellte 1996 ihre Ermittlung zum Todesfall Karl Korte ein, da alle seinerzeit beteiligten Grenzpolizisten bestritten, den tödlichen Schuss abgegeben zu haben und für keinen von ihnen ein konkreter Tatnachweis möglich war.

https://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das ... index.html

Überhaupt keine Absicht zu erkennen, aus der DDR flüchten zu wollen; aber trotzdem erschossen. Das auch noch obwohl keiner der Grenzpolizisten geschossen haben will?!
Bevor wieder jemand meint, dass die Anwälte zu dieser Aussage geraten hätten, auf diese Erkenntnis wäre sonst sicher niemand gekommen... [grin]
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Re: Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Beitragvon Edelknabe » 1. September 2020, 10:10

Aus dem Link im Vortext:

"Doch wiederum reagierte der nicht und fuhr weiter."Textauszug ende

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Re: Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Beitragvon Kumpel » 1. September 2020, 10:15

Klar , die Grenzer hatten wahrscheinlich bloß Fahrräder dabei. Da mussten die schon schießen. Sonst wäre der eventuell noch in den Tiefen der DDR entfleucht.
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Re: Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Beitragvon Interessierter » 1. September 2020, 10:45

Edelknabe » 1. Sep 2020, 11:10
Aus dem Link im Vortext:

"Doch wiederum reagierte der nicht und fuhr weiter."Textauszug ende

Rainer Maria


Na klar, wer mit seinem Lkw freundwärts noch tiefer in die DDR hineinfährt und nicht anhält, der muss erschossen werden. Den Besitzer des Lkws und den Fahrer anhand des Kennzeichens ausfindig zu machen, wollte oder konnte man nicht?

Deine menschenverachtende Denkweise musst du nicht erneut bestätigen, das hast du bereits bei den von dir angebauten Selbstschussanlagen ausreichend demonstriert. [bloed]

Ob du wohl den gleichen Stuss geschrieben hättest, wenn der Fahrer dein Bruder oder dein Sohn gewesen wäre?
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Re: Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Beitragvon Kumpel » 1. September 2020, 10:48

Reine Gefahrenabwehr. Der hätte ja amerikanische Kartoffelkäfer an Bord gehabt haben können.
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Re: Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Beitragvon Edelknabe » 1. September 2020, 17:16

Ja klar Interessierter," meine Menschenverachtung".Die muss es gewesen sein. Was sollte auch anders von dir kommen? Dabei bin ich so ein ordentlicher Kerl.

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Re: Fahrer im Lkw erschossen und keiner will geschossen haben

Beitragvon Ari@D187 » 1. September 2020, 18:04

Interessierter hat geschrieben:[...]Bevor wieder jemand meint, dass die Anwälte zu dieser Aussage geraten hätten, auf diese Erkenntnis wäre sonst sicher niemand gekommen... [grin]

Freut mich, dass du diesbezüglich nun neuerdings auch mitreden kannst. [hallo]

Ari
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