Buscho hat geschrieben: Hier die Fahrer , Kantinenmitarbeiter und Fensterputzer für das Gute im MfS anzuführen ist doch einfach lächerlich und zugleich für mich der Hinweis auf das Wissen des Bösen im MfS , denn wer diese " Subunternehmer " benennt kennt ja dann genau die Grenze zwischen Gut und Böse .
Buscho
Auch ich denke, dass der Kern der Diskussion nicht auf die technischen und administrativen Mitarbeiter gelegt werden sollte. Fakt aber ist, dass die Wach- und Sicherungseinheiten (Wachregiment, WSE der HA und BV), die operativ-technischen Diensteinheiten (Funkabwehr- und Aufklärung, Operative Technik usw), die Passkontrolleinheiten, die Rückwärtigen Dienste (Bauwesen, Versorgung, Kfz-Dienst usw.) sowie administrative Diensteinheiten wie Kader und Schulung, Internationale Zusammenarbeit, Zebrale Auswertungs- und Informationsgruppe, Auswertungs- und Informationsgruppen der BV u.dgl. einen erheblichen Teil des Personalbestands ausmachten und deshalb auch zu betrachten sind. Wer sich mal ernsthaft mit der Struktur des MfS beschäftigt hat, wird dies bestätigen können.
Allerdings fällt mir auf, dass es hinsichtlich der operativen Diensteinheiten und insbesondere der Arbeit der IM-führenden Mitarbeiter eine einseitige Auslegung auf die Prozesse der "flächendeckenden Überwchung der Bevölkerung" gibt. Insgesamt ist es unseriös, die Entwicklung des MfS und dessen Aufgaben losgelöst von nationalen und internationalen Prozessen zu betrachten. Ich möchte dies nur ansprechen aber jetzt nicht darauf eingehen. Ich betrachte es als falsch, dass MfS insgesamt als Repressivorgan der Partei zu sehen, dessen Wirken darauf ausgerichtet war, dass Volk zu unterdrücken zu verfolgen und im Schach zu halten. Dieser medialen Darstellung der letzten 20 Jahre ist ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung erlegen.
Das MfS existierte nicht außerhalb des Gesetzes, es galten Gesetze, Vorschriften usw. An dieser Gesetzgebung nahm während ihrer Existenz niemand Anstoß. Die DDR wurde von keinem internationalen Gremium, auch nicht der UNO, kritisiert oder gerügt, dass sie internationales Recht gebrochen hätte oder sich gegen Gesetze der Menschlichkeit vergangen hätte. Diese Vorwürfe entstanden erst nach 1990.
Nun aber zur operativen Tätigkeit.
Wer die Struktur des MfS vom Ministerium bis in die Kreisdienststellen betrachtet, dem müsste aufgefallen sein, dass sich erhebliche Teile der operativen Mitarbeiter nicht mit der Bevölkerung an sich beschäftigt hatten, sondern umfangreiche Aufgaben der Spionageabwehr (in den Kreisen vor allen an militärischen Objekten) sowie der Sicherung der Volkswirtschaft und des Verkehrswesens zu realisieren hatten.
Ich will mal beim Beispiel Volkswirtschaft bleiben. Das MfS war in diesem Zusammenhang neben dem Geheimnisschutz und der Spionageabwehr in der Volkswirtschaft auch im erheblichem Maß daran beteiligt, Ursachen von Missständen zu ergründen, Störungen, Havarien und Brände zu verhindern/zu untersuchen sowie Sabotage, Korruption und andere schädigende und strafrechtlich relevanten Dinge aufzudecken und zu bearbeiten. Dazu arbeitete es natürlich mit einer Reihe von IM in der Volkswirtschaft zusammen. Diese Zusammenarbeit war ganz einfach notwendig, da verschiedene, für die operative Bearbeitung und später für die Untersuchungstätigkeit im Ermittlungsverfahren relevante technisch Abläufe, nur über Experten-IM nachzuvollziehen oder zu klären waren. Ist die Arbeit des MfS in der Volkswirtschaft verwerflich ? Ich meine nein.
Betrachtet man die heute oftmals in der Kritik stehende Linie IX (Untersuchungsorgan des MfS) so wird man auch hier feststellen, dass sich mit Ermittlungsverfahren bei PUT in der HA IX lediglich eine Abteilung mit ca. 30 Mitarbeitern beschäftigte, in den Bezirksverwaltungen des MfS waren es ca. jeweils fünf Mitarbeiter. Allein schon aus diese Zahl mach deutlich, dass PUT nicht der Schwerpunkt war. Die Darstellung der anderen Bereiche der Linie IX, wie die Untersuchung von Spionageverbrechen, Verbrechen in der Volkswirtschaft, Untersuchung von Militärstraftaten, Ermittlungsverfahren gegen MfS-Angehörige, Aufklärung von Nazi- und Kriegsverbrechen oder Untersuchung von bedeutsamen Vorkommnissen (Mord, Brände usw.) sucht man in der medialen Darstellung vergeblich, da sie nicht ins Konzept passen und mit der vorgegaukelten „flächendeckenden Überwachung der Bevölkerung“ nicht in Einklang zu bringen sind.
Zur besseren Vorstellung ein Zahlenbeispiel. Ich habe mal die Einsätze der Spezialkommission (SK) der Linie IX einer Bezirksverwaltung über den Zeitraum von zwei Jahren betrachtet. Die SK(en) war dafür zuständig, bei für das MfS relevaten Vorkommnissen den Ersten Angriff zu realisieren und danach zu ermitteln. In einem Zeitraum von zwei Jahren wurden durch die SK einer BV insgesamt 102 Einsätze realisiert, die sich wie folgt aufteilten:
35 Brände
8 Havarien/Störungen
8 Suizide
5 Morde
2 fahrlässige Tötungen
4 natürliche Todesfälle
2 Körperverletzungen
8 Einsätze wegen schriftlicher staatsfeindlicher Hetze
6 Einsätze wegen Diebstahls
7 Einsätze wegen öffentlicher Herabwürdigung
4 Einsätze wegen unbefugten Waffen- und Sprengmittelbesitzes
3 Einsätze wegen Sachbeschädigung
2 Einsätze wegen der Androhung von Gewaltakten
2 Einsätze wegen Hausfriedensbruchs
1 Einsatz wegen unbefugter Benutzung von Kfz
1 Einsatz wegen der gewaltsamen Öffnung eines Panzerschranks
1 Einsatz Verdacht Fahnenflucht
1 Einsatz Untersuchung eines unbekannten Objekts
1 Einsatz Untersuchung Sprengstoffverdächtiger Gegenstand
1 Einsatz Untersuchung des Angriffs auf ein Militärfahrzeug.
Auch hiebei ist erkennbar, dass der Schwerpunkt der Arbeit nicht bei „politischen“ Delikten lag.