@icke auch mir gefällt das Haus ohne Puhdys davor wesentlich besser, aber wir wollen hier doch nicht etwa eine Antipuhdysfraktion gründen?
@vs1400
für meine generation = otto normalbürger, hatte renft keine bedeutung.
Betimmt betrifft das auch Diestelmann, Hansi Biebl Band, Neumis Rockzirkus, Bürckholz-Formation, Uwe Schickora Band, Joko Deve Sextett, Holger Biege Veronika Fischer, Ute Freudenberg, Christiane Ufholz,Franz Bartsch, Frank Hille, Klosterbrüder/Magdeburg und noch einige mehr die mir jetzt auf die Schnelle nicht mehr einfallen. Alles Bands, Sängerinnen/Sänger oder "nur" Musiker welche entweder aus aus dem Land gingen, verboten wurden als Band, als Künstler Spielverbot auf Lebenszeit erhielten. Die meisten der hier genannten traf es nach 1976, Ausnahme in dieser Reihe ist die Bürkholz Formation welche bereits 1973 verboten wurde. Anlass war ein Konzert der Band in Hellerau bei Dresden anlässig einer Betriebsfeier. Auch hier zog ein "Verantwortlicher" den Stromstecker um die Jugend zu beruhigen. Nur ließ sich die Jugend nicht beruhigen, und Körperkontaktdiskussionen mit dem Freund und Helfer Einsatzkommando brachte auch keine Klärung der Situation.
Das war schon damals zu viel, also beklagte sich der Zuständige des Bezirks Dresden beim Zuständigen des Bezirkes Leipzig, das Problem wurde zur Klärung weiter an die schon bekannte Frau Oehlschlegel gereicht welche dann das machte was sie am besten konnte, sie Verbot die Band kurzerhand.
Deren Sänger Hans-Jürgen Bayer, auch mal Sänger bei Renft, startete eine Erfolgreichen Karriere als Schlagersänger.
Die offizielle Kulturpolitik tat alles um oben Genannte aus dem kollektiven Bewußtsein zu tilgen, was ja offensichtlich wie vs für sich feststellt durchaus gelungen ist.
Anfang der Achtziger erschien ein "Rock-Lexikon" Made in DDR über in der DDR ansässige Bands und Sänger. Oben genannte fanden in dem Buch nicht statt. Es ist natürlich interessant zu lesen welche Verrenkungen gemacht werden um irgendwelche Lücken in Band Geschichten zu erklären.
In einem muß ich vs beipflichten das die Ostmugge in den Achtzigern so gut wie Tod war.
Die großen, etablierten Bands waren satt und die Nachdrängenden wurden, wenn sie nicht konform waren nicht so richtig rangelassen.
Mit Einschränkungen lass ich für mich in den Achtzigern noch Silly und City gelten. Das war es dann aber im Prinzip auch schon.
Karat, aus Panta Rhei hervorgegangen, fuhr bereits 1976 mit einem fliederfarbend lakierten Volvo Truck zum Konzert vor und die Show der Band war damals gut. Naja da spielte auch noch Hansi Neumann als Sänger mit und Swillms bediente die Keyboards.
Die Siebziger waren, bis auf die Verbote und Ausreisen abgesehen, durchaus fruchtbare Jahre und die Bands lieferten gute Konzerte und Platten ab.
"Am Fenster" konnte ohne rot zu werden oder sich schämen müssen laut auf der Strasse per Kofferradio gehört werden, mitsingen war auch nicht peinlich.
Als die FDJ Oberen realisierten das ihnen mal wieder die Jugend abhanden kommt wurden Ende der Achtziger diese riesen Open Airs in Berlin organisiert.
Die großen Ostbands hielten sich mit Auftritten vornehm zurück, vielleicht ahnten sie was auf sie zukommen würde. Die Bands (Ost) welche spielten wurden gnadenlos ausgefiffen und mit Gegenständen beworfen.
Einzig City (Slogan: "Ohne Bart und ohne Haare mit City durch die Achtziger Jahre") traute sich auf die Open Air Bühne in Weißensee. Sie wurden nicht niedergebrüllt, hatten sie doch mit dem Album "Casablanca" ein sehr gutes Album abgeliefert.
Einzig "Halb und halb" sollten sie auf "Wunsch" nicht spielen, davon das der Text auch nicht rezitativ vorgetragen werden dürfe, daran hatte kein Funktionär gedacht; also trug der Sänger den Text als Wortbeitrag vor mit der sinngemäßen Ankündigung, weil ich es nicht singen soll, sage ich den Text auf.
Die Staatsmacht lieferte sich immer mal Kämpfe mit aufgebrachten Jugendlichen, gerade im Umfeld von Rockkonzerten.
Hier sei nur Erfurt, Altenberg und Berlin zu nennen. In Berlin fand ausgerechnet am 7.Oktober 77 im Gebiet um den Fernsehturm solch eine Schlacht statt. Bei einem Rockkonzert am Fernsehturm kam es zu einem Unfall in der Zuschauermenge und die Polizei bahnte sinnigerweise mit Hilfe ihrer Schlagstöcke eine Schneise für die Hilfskräfte zum Unglücksort. Das goutierte die Staatsjugend nun überhaupt nicht und schon war die schönste Strassenschlacht im Gange.
Die Band Pankow war sowas wie ein Sonderfall, gelitten, geliebt, gehasst von den Oberen.
Jedes Jahr am 21.Juni gab Pankow ein Konzert im Friedrichshain zu denen das Volk pilgerte.
Pankow sang nicht mehr vom 'Frühling bis in den August' oder stellte fest das die Ferne auch nicht da ist wenn ich hinkäme in die Ferne, ne sie sangen über 'Aufruhr in den Augen', 'wollten anders sein' und 'hatten das Land und die alten Männer zu lange gesehn'
Den wahnwitzigsten Coup des DDR Rock leistete sich Pankow im Rahmen ihrer 'Aufruhr in den Augen' Tour 1988, als sie die Bigband der inzwischen auf Gorbi vereidigten "Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte" mit auf Tournee nahm, um mit ihr jene Songs zu intonieren, die Jahre zuvor SED-Funktionäre wutschnaubend torpediert hätten -mit eben diesen Soldaten als Drohpotential an der Seite.
Das war für uns im Publikum sehr irritierend als auf einmal zig Musiker in den Uniformen der SU Streitkräfte die Bühne enterten und erstmal ohne Band ausgerechnet amerikanische Swing Musik der 40er Jahre spielten. Als Pankow endlich kam und die Russen immer noch nicht verschwanden dämmerte es dem Einen oder Anderen im Publikum ob der "Funktion" der Soldaten auf der Bühne.
Nebenbei bemerkt war es ein tolles Konzert und die Big Band passte mit ihrem Sound sehr gut zu den Pankow Liedern, punklastige Rockmusik meets Swing, sowas hört man nicht alle Tage.
Punk war nicht so mein Ding und darum weiß ich da wenig drüber was in dieser Beziehung außerhalb der offiziellen Kulturpolitik lief.
Halb- oder Inoffizielles wurde sowieso immer beliebter.
In Schöneweide gab an der Haupteinfallstrasse in die Hauptstadt eine sehr unscheinbare private Kneipe. Relativ groß und vor allem bei Musikern beliebt. Wenn sie am Wochenende in der Nacht von einem Konzert in der Provinz zurückkamen nach Berlin wurde dort von Einigen ein Zwischenstopp eingelegt.
Der Fan wußte dies natürlich und so saß man ab 24 Uhr dichtgedrängt und erwartungsfroh in den Räumlichkeiten und je nach dem welche Musiker so nach und nach eintrafen wurden mehr oder minder gute Jam Sessions gespielt, bis früh am morgen zur Begeisterung der Anwesenden.
Falls nun wieder jemand meint in der DDR galt doch 24 Uhr Ausschankschluß hat er natürlich recht.
Nur galt das nicht für private Feiern in Gaststätten. Je nachdem wie der Wirt drauf war wurde nach der Nationalhymne um 24 Uhr im Radio ein Schild "private Feier" an die Eingangstür gehängt, selbige abgesperrt; wir waren schließlich Privat da; der Sender im Radio gewechselt und die Party ging weiter.
Sowas habe ich öfters erlebt.
Gruß
Nostalgiker