Telefonat zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1978

Was dachte der DDR Bürger über den deutschen in der Bundesrepublik. Was hielt der Bundesdeutsche vom DDR Einwohner? Unterschiedliche Ansichten bestehen heute noch. Was drücken sie aus, was wird erwartet?

Telefonat zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1978

Beitragvon augenzeuge » 18. Oktober 2018, 18:59

Am Abend des 17. Oktober 1978 tauschen sich Helmut Schmidt und Erich Honecker am Telefon über Ernährungsgewohnheiten in Ost und West aus. Beide beklagen, dass die Leute viel zu viel essen und sich überhaupt ungesund ernähren. Das Gespräch der beiden Staatsmänner wirkt wie eine Satire. Aber es hat tatsächlich so stattgefunden.
https://www.mdr.de/zeitreise/schmidt-ho ... t-100.html

Telefongespräch zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Staats- und Parteichef Erich Honecker am 17. Oktober 1978, um 20:30 Uhr.

Schmidt: Bei uns ist das Getreide an und für sich sehr gut. Wir haben wieder einmal zu viel von dem Zeug. Erst hatten wir zu viel Milch und zu viel Butter, und neuerdings haben wir auch noch auf anderen Gebieten zu viel.

Honecker: Nun ja, darüber kann man ja einmal reden, da wir zu wenig davon haben.

Schmidt: Habt ihr zu wenig?

Honecker: Butter haben wir genug, Fleisch auch. Aber was wir brauchen, ist Futter für das Vieh...

Schmidt: Butter haben Sie genug?

Honecker: Für die Ernährung haben wir genug.

Schmidt: Ich habe auch Sorge, unsere Butter ist zu teuer für euch.

Honecker: Nein, ich glaube nicht.

Schmidt: Wir haben entsetzliche Preise hier durch die EG.

Honecker: Die DDR exportiert selbst sogar Butter.

Schmidt: Euer Lebensstandard hat sicherlich einen sehr hohen Stand erreicht...

Honecker: Ja, einen sehr hohen Stand. Wir sind ziemlich gleich auf diesem Gebiet.

Schmidt: Bei uns müssen die Leute alle aufgefordert werden, weniger zu essen.

Honecker: Ja, wir möchten das auch machen, nur sie essen nicht weniger. Das schadet sogar der Gesundheit, nur essen sie trotzdem nicht weniger. Wir haben den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Butter in der Welt - 14 Kilogramm.

Schmidt: Ja, das ist zu viel, die sollen lieber Margarine essen, da werden sie nicht so fett davon.

Honecker: Natürlich, Margarine ist auch viel besser.

Schmidt: Ich fasse auch immer große Absichten und große Vorsätze, und dann werden die immer nicht ausgeführt.

Honecker: Ja, das ist so. Ich trinke auch Kaffee, obwohl er teuer ist. Wir geben allein 400 Millionen Mark in Devisen aus für den Kaffee, unwahrscheinlich. Früher hatte man kaum, mit Ausnahme der Sachsen, Kaffee getrunken.

Schmidt: Haben Blümchenkaffee getrunken.

Honecker: Kathreiners Malzkaffee.

Schmidt: Das ist vorbei. Da sind sie heute nicht mehr damit zufrieden.

(...)

(Aus: Heinrich Potthoff, Bonn und Ost-Berlin 1969–1982. Dialog auf höchster Ebene und vertrauliche Kanäle, Bonn 1997. Text zitiert nach DER SPIEGEL 36/94.)
AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
R. v. Weizsäcker
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 51791
Bilder: 0
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Telefonat zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1978

Beitragvon zonenhasser » 18. Oktober 2018, 22:07

Honecker: ...Früher hatte man kaum, mit Ausnahme der Sachsen, Kaffee getrunken.

Schmidt: Haben Blümchenkaffee getrunken.

Ob Herr Schmidt wusste, was das bedeutete? Das war Kaffee, der war so dünn, dass man das Blümchenmuster am Boden der Meißner Tasse sehen konnte.
Die “Rote Fahne” schrieb noch “wir werden siegen”, da hatte ich mein Geld schon in der Schweiz.
Bert Brecht
Benutzeravatar
zonenhasser
 
Beiträge: 1012
Registriert: 19. Juli 2012, 23:25
Wohnort: Sachsen

Re: Telefonat zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1978

Beitragvon CaptnDelta » 6. Februar 2019, 14:20

Sorry, dieser eher aeltere Thread ist mir gerade in die Haende gerutscht:

augenzeuge hat geschrieben:Am Abend des 17. Oktober 1978 tauschen sich Helmut Schmidt und Erich Honecker am Telefon über Ernährungsgewohnheiten in Ost und West aus. Beide beklagen, dass die Leute viel zu viel essen und sich überhaupt ungesund ernähren. Das Gespräch der beiden Staatsmänner wirkt wie eine Satire. Aber es hat tatsächlich so stattgefunden.
https://www.mdr.de/zeitreise/schmidt-ho ... t-100.html

Telefongespräch zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Staats- und Parteichef Erich Honecker am 17. Oktober 1978, um 20:30 Uhr.

Schmidt: Bei uns ist das Getreide an und für sich sehr gut. Wir haben wieder einmal zu viel von dem Zeug. Erst hatten wir zu viel Milch und zu viel Butter, und neuerdings haben wir auch noch auf anderen Gebieten zu viel.
...
Schmidt: Wir haben entsetzliche Preise hier durch die EG.

AZ

Das erinnert an den Olsenbande-Film, in welchem diese mit Kuchen den Butterberg der EG in Bruessel ausgeraubt haben [laugh]

Sorry, und ihr lacht ueber Trump [flash]

-Th
..Totalitarianism does not mean that such regimes in fact exercise total control over their people, it means rather that such control is in their aspiration.
Martin Malia
Benutzeravatar
CaptnDelta
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 2202
Bilder: 200
Registriert: 22. April 2010, 06:59
Wohnort: San Francisco, California, USA

Re: Telefonat zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1978

Beitragvon karnak » 6. Februar 2019, 14:38

[grin] Na nu , die haben das aber unter 4 Augen, besser 2 Ohren ausgemacht [flash] , beim Trump , na ja. Ich lache nicht mal, mir Graut einfach nur bei jedem 2. Öffentlichen Auftritt. Im Februar will er ja wieder beim Kim sein, dass rechne ich ihm als so ziemlich einzig positives an. Logisch interessiert mich nur die Außenpolitik, die Innenpolitik der USA für mich eher zweitrangig. Dann bete mal zum lieben Gott, dass er sich dort nicht mal wieder zum Hampel macht, als US Präsident schlechter in der Bewertung der Welt wegzukommen als der Kim, dass ist dann schon richtig bitter. [flash]
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
Schoppenhauer
Benutzeravatar
karnak
 
Beiträge: 13283
Bilder: 0
Registriert: 5. Februar 2012, 13:18

Re: Telefonat zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1978

Beitragvon CaptnDelta » 6. Februar 2019, 14:49

karnak hat geschrieben:Na nu , die haben das aber unter 4 Augen, besser 2 Ohren ausgemacht, beim Trump , na ja. Ich lache nicht mal, mir Graut einfach nur bei jedem 2. Öffentlichen Auftritt. Im Februar will er ja wieder beim Kim sein, dass rechne ich ihm als so ziemlich einzig positives an. Logisch interessiert mich nur die Außenpolitik, die Innenpolitik der USA für mich eher zweitrangig. Dann bete mal zum lieben Gott, dass er sich dort nicht mal wieder zum Hampel macht, als US Präsident schlechter in der Bewertung der Welt wegzukommen als der Kim, dass ist dann schon richtig bitter. [flash]


Bin mir sicher das die in Vietnam auch unter 2 Ohren ueber Butter reden, warscheinlich sagt der Kim da auch das er genuegend davon hat [grins]
Ausserdem hat dem Kim das letzte mal fuer das Auto vom Donald sehr interessiert, bin mir sicher, da ist was im Westpaket.

"Bewertung der Welt", meinste damit die ehemalige Zeitung? [grins]

-Th
..Totalitarianism does not mean that such regimes in fact exercise total control over their people, it means rather that such control is in their aspiration.
Martin Malia
Benutzeravatar
CaptnDelta
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 2202
Bilder: 200
Registriert: 22. April 2010, 06:59
Wohnort: San Francisco, California, USA

Re: Telefonat zwischen Helmut Schmidt und Erich Honecker 1978

Beitragvon augenzeuge » 6. Februar 2019, 16:55

CaptnDelta hat geschrieben:Das erinnert an den Olsenbande-Film, in welchem diese mit Kuchen den Butterberg der EG in Bruessel ausgeraubt haben
-Th


Das mit dem Kuchen ist mir nicht in Erinnerung....denke, du meinst: Die Olsenbande schlägt wieder zu

Schon gewusst: [grins]
Aus politischen Gründen wurden in den DEFA-Dialogen einige Änderungen gegenüber dem Original vorgenommen:

Die Butter sollte laut dem dänischen Original nach Russland verkauft werden, da dort Buttermangel bestünde. In der DEFA-Synchronfassung wurden aus Russland „die unterentwickelten Länder“.
Kjelds Beschwerde, dass sein Neffe „nur Alkohol und Marxismus im Kopf“ habe, wurde in der DEFA-Synchronisation zu „nur Alkohol und Weiber im Kopf“ geändert.

AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
R. v. Weizsäcker
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 51791
Bilder: 0
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Erichs Urlaub 1980

Beitragvon Gerd Böhmer » 6. Februar 2019, 17:24

Hallo,

Da fiel es mir doch wieder ein ...

Erich's Urlaub,
Es war in der Zeit, nachdem Gorbi beim grossen Bruder an die Macht gekommen war.
Da ja Gorbi über die Haltung von Honecker bestens im Bilde war hat er ihn zu einem Arbeitsurlaub auf die Krim eingeladen.
Nun überlegt Erich - Mensch wer kann mich in der Zeit vertreten ?
Stoph ist zu alt und Krenz ist noch nicht soweit. Hm - wer kann es machen ?
Fällt Erich ein, da ist doch der Helmut Schmidt als alter SPD-Mann ...
Er ruft also den Helmut an - Du Gorbi hat mich zu einem Arbeitsurlaub auf die Krim eingeladen, kannst Du mich in der Zeit vertreten ?
Na klar doch - kein Problem, wir sind ja alte Genossen. Wann soll denn der Urlaub losgehen ?
Na dann und dann - gut ich komme.
Helmut Schmidt kommt nach Berlin und Erich sagt - viel hast Du nicht zu tun, aber drei Dinge sind mir wichtig:
1. die Wohnungspolitik,
2. die Wirtschaftspolitik und
3. die Jugend rennt mir zuviel in die Kirchen.
Helmut zu Erich - machen wir - schönen Urlaub.
Nach den vier Wochen Arbeitsurlaub kommt Erich zurück und fragt den Helmut - na wie ist es gelaufen ?
Bestens, Alles geregelt:
Erich - die Wohnungspolitik ?
Helmut - da habe ich die Westgrenzen aufgemacht,
Erich - die Wirtschaftspolitik ?
Helmut - da habe ich die Ostgrenzen dicht gemacht,
Erich - und rennt die Jugend noch in die Kirchen ?
Helmut - nein, das hat sich die Jugend abgewöhnt.
Erich - Bestens, wie hast De denn das geschafft ?
Helmut - na ganz einfach, ich habe Schnitzler zum Bischof schlagen lassen .
Gerd Böhmer
 
Beiträge: 49
Registriert: 30. August 2018, 19:43


Zurück zu Gedanken über das andere Deutschland

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron