Rassismus in der DDR

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Rassismus in der DDR

Beitragvon Interessierter » 12. September 2018, 10:58

"Mongolenschwein" und "schlitzäugige Fratze" – Rassismus im DDR-Alltag

1968: Ein 24-jähriger Student aus der Mongolei, zur Ausbildung in Heiligendamm, wird zum Ziel des Hasses. Zwei Männern "passt sein Aussehen nicht", sie provozieren den Studenten und greifen ihn schließlich an. Das MfS ermittelt, die Täter werden gefasst und verurteilt – wegen "Staatsverleumdung".


Über 6.000 Kilometer liegen zwischen Heiligendamm, dem ältesten Seebad Deutschlands, und Arwaicheer, der zentralmongolischen Provinzhauptstadt nahe der Wüste Gobi. Im Jahr 1967 kam der 24-jährige Shagdar T. aus Arwaicheer zur Ausbildung an die Ostsee. Seit 1953 wurden hier an der Fachschule für angewandte Kunst junge Menschen unter anderem in den Bereichen Gebrauchsgrafik, Möbelbau und Modegestaltung ausgebildet. T.s Aufenthalt war Resultat der Kooperation, die die Mongolei und die DDR im Rahmen der sozialistischen Staatengemeinschaft pflegten. "Wir stellen mit Freude fest, daß sich die Beziehungen der aufrichtigen Freundschaft und brüderlichen Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern und Parteien […] allseitig entwickeln und festigen", konstatierte 1967 ein Vertreter der Mongolischen Revolutionären Volkspartei auf dem SED-Parteitag.

Am 25. Februar 1968 besuchte T. mit drei deutschen Kommilitonen die Heiligendammer Gaststätte "Palette". Am Nachbartisch saß Harry W. mit Freunden, zu denen im Laufe des Abends auch W.s Bekannter Uwe B. stieß. Das zufällige Aufeinandertreffen von T., W. und B. eskalierte in den folgenden rund zwei Stunden zu einer rassistischen Gewalttat in Wort und Tat – ein Beispiel für die "tiefer liegenden rassistischen und fremdenfeindlichen Einstellungen in der ostdeutschen Gesellschaft".


"Verprügeln, weil er ein Mongole ist"

Folgt man den Vernehmungsprotokollen des MfS, so fasste der 23-jährige B. im Laufe des Abends den Entschluss, gegen T. handgreiflich zu werden: "Ich wollte ihn 'verprügeln', weil er ein Mongole ist. […] Mir paßte eben sein Aussehen als Mongole nicht." Der einige Jahre ältere W. habe sich bereit erklärt mitzumachen. Zunächst provozierte der alkoholisierte B. den Studenten mit rassistischen Beleidigungen. Er beleidigte ihn als "mongolischen Hund", "Mongolenschwein" und "schlitzäugige Fratze", "sprach sich abfällig über das Aussehen des Studenten aus" und drohte, ihn aus dem Fenster zu werfen – so W. in der Vernehmung. Doch die Provokation misslang. T. reagierte nicht darauf.

"Durch diese besonnene Haltung von seiten des Studenten wurde ich wütend und ich entschloß mich daher, den mongolischen Studenten tätlich zu provozieren. […] Ich stellte T[...] unverhofft ein Bein, so daß dieser ins Stolpern geriet. Dabei berührte mich T[...] mit seiner Hand an meinem Kinn, woraufin ich den mongolischen Studenten tätlich angreifen wollte. Es kam aber nicht dazu, denn der Mitbeschuldigte W[...] hatte bereits den mongolischen Studenten tätlich angegriffen." T. erlitt durch die Schläge, gegen die er sich wehrte, eine Platzwunde und weitere Gesichtsverletzungen.

W.s Aussagen legen die Vermutung nahe, dass auch die soziale Distanz zwischen den Studenten und der örtlichen Einwohnerschaft eine Rolle bei der Tat gespielt haben könnte. So erklärte er: "Ich habe allgemein gegen die Studenten eine persönliche Abneigung, weil sie sich teilweise ungebührlich verhalten und gegen die Einwohner von Heiligendamm voreingenommen sind." Auch stammten W. und B. aufgrund ihrer Berufe aus einem ganz anderen Milieu, sodass sich W.s Vorwurf, "du mongolisches Schwein studierst auf unsere Kosten", wohl zum Teil mit dem Gefühl sozialer Benachteiligung gegenüber den Studenten erklären lässt.

Doch im Kern handelte es sich bei W.s und B.s Tat in der Gaststätte um expliziten Rassismus. "Ich wundere mich, daß ihr als Deutsche zu diesem Schwein haltet", rief B. nach eigener Aussage anderen Gästen zu, die sich um den blutenden T. kümmerten. Der mongolische Student wurde angegriffen, weil er fremd war, nicht weil er Student war. Es liegt zudem nahe, den Hass auf den Studenten auch als Resultat fortwirkender rassistischer Prägungen aus dem Nationalsozialismus zu verstehen. Das Feindbild des sowjetischen "Untermenschen" wurde in der NS-Propaganda oft als bedrohliches Wesen mit "mongolischen" Gesichtszügen dargestellt.

Weiter mit dem Beitrag und einem Video geht es hier:
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 12. September 2018, 11:19

Die dokumentierten Fälle wird es sicher so alle gegeben haben.
Aber im Harz war anscheinend alles anders. Langsam beginne ich das auch zu glauben. Hier hat gegenüber all den Algeriern, Irakern Mosambikanern und Zyprioten kein bekannter Übergriff stattgefunden. Und wenn doch, dann wurde der nie propagiert. In QLB war es zwischen den ausländischen Studenten und auch den später dazugekommenen vietnamesischen Gastarbeitern nie zu Zwischenfällen gekommen. Die wohnten auch nie völlig separiert. Wohnten auf gleichen Fluren, teils unter einem Dach im Krankenhaus.

Einmalig waren nach der Wende um 1992 Übergriffe gegen ein Wohnheim in Quedlinburg, wo auch Balkan-Kriegsflüchtlinge untergebracht waren. Da kam ein brauner Mob, von außerhalb gesteuert und brachte Unruhe. Dem ist aber ganz Quedlinburg gleich zu Anfang entschieden entgegengetreten und hat den Anfängen von Rassismus getrotzt. Das hält bis heute an.
Ebenso läuft es heute in Halberstadt mit dem Aufnahmeheim für die Immigranten. Randale gab es anfangs 2015 dort, aber untereinander und gegen die Einrichtungen. Sonst ist heute alles friedlich.
Kann es vielleicht doch auch an der heutigen wie damaligen Bevölkerungsdichte liegen und dass hier die Menschen doch etwas entspannter leben und miteinander umgehen?

Gruß Volker
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Interessierter » 24. September 2018, 12:01

Schattenland der Völkerfreundschaft

Rostock-Lichtenhagen - Rassismus und Neonazismus in den ostdeutschen Bundesländern

Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen? Eine Folge der Wendewirren. Neonazis? Ein aus dem Westen importiertes Problem. Bis heute wird in Ostdeutschland die eigene Geschichte von Rassismus und Neonazismus gern geleugnet.

VertragsarbeiterInnen lebten von der Bevölkerung isoliert in Wohnheimen; individuelle Freundschaften waren nicht gern gesehen. Vertragsarbeiterinnen, die in der DDR schwanger wurden, mussten das Land sofort verlassen. In den 1980er Jahren waren VertragsarbeiterInnen vermehrt rassistischer Schikane ausgesetzt. Nicht selten wurde ihnen die schlechte Versorgungslage angelastet. Rassistische Klischees von »den Fitschies, die uns alles wegkaufen«, waren weit verbreitet. Der Hetze gegen PolInnen, die in Betrieben offen als »arbeitsscheu, asozial und diebisch« verunglimpft wurden, setze die DDR-Führung nichts entgegen, da antipolnische Ressentiments Sympathien für eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung fernhalten sollte.

Rassismus wird als »Rowdytum« verharmlost


Ab Mitte der 1980er Jahre häufen sich in den Lagebildern von Polizei und Staatssicherheit Berichte über rassistisch motivierte Angriffe auf VertragsarbeiterInnen. Schauplätze sind Volksfeste und Diskotheken. So auch in der Nacht vom 19. auf den 20. September 1987 in Stassfurt (Bezirk Magdeburg, heute Sachsen-Anhalt). Der Mosambikaner Carlos ConceiÇao wird von deutschen Jugendlichen in der Disko rassistisch angepöbelt, dann geschlagen. Schließlich ertränken die Täter ihr Opfer in der nahegelegenen Bode. Ein rassistischer Mord, den die DDR-Behörden erfolgreich vor der Öffentlichkeit vertuschen. Die Täter werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgeurteilt, die Freunde des Opfers bei Strafe der Ausweisung zum Stillschweigen gezwungen.

In der Öffentlichkeit der DDR sind Rassismus und Rechtsextremismus Tabuthemen. Nach dem Motto »Das gibt es bei uns nicht« sind Rassismus und Rechtsextremismus nur dann Thema in den DDR-Medien, wenn es um Westdeutschland geht.

Mehr hier:
https://www.akweb.de/ak_s/ak574/16.htm
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Interessierter » 11. Januar 2019, 16:35

Neonazi-Frauen in DDR Immer nur „Freundinnen von Nazis”

Bild

Femke Opper ist in die Texte der Ausstellung in der Gedenkstätte in Bernburg vertieft.
Foto: Pülicher


Ausstellung in der Bernburger Gedenkstätte stellt Biografien von vier rechtsextremen Frauen in der DDR in den Mittelpunkt.
Die Ausstellung widerlegt auch die damalige SED-Meinung, Rechtsextremismus sei ein reines Jugendphänomen.



Rechtsextremismus war in der DDR ein absolutes Tabuthema – und offiziell überhaupt nicht existent. Dass die Wahrheit anders aussah, zeigt die Ausstellung „Rechtsextreme Frauen in der DDR der 1980er Jahre im Blick von MfS und Polizei“, die am Mittwoch in der Bernburger „Euthanasie“-Gedenkstätte eröffnet wurde.

Rückblick auf die 1980er Jahre in der DDR

„Mitte der 1980er Jahre wurde immer offensichtlicher, dass die DDR ein Problem mit Rechtsextremismus hatte“, sagt die Historikerin und Kuratorin der Ausstellung, Henrike Voigtländer.

Wendepunkt war demnach der 17. Oktober 1987, als ein Punk-Konzert in der Berliner Zionskirche von etwa 30 Skinheads aus der rechten Szene der DDR überfallen wurde – auch wenn die DDR-Führung von West-Berliner Rechtsradikalen sprach.

Kaum untersucht ist aber bislang die Rolle von Frauen innerhalb dieser gewaltbereiten Gruppen in der DDR. „Frauen werden mit ihren politischen Meinungen und Handlungen oft übersehen und unterschätzt“, sagt Voigtländer. Und das Beispiel des Nationalsozialistischen Untergrunds um Beate Zschäpe zeige, dass das bis heute so sei. Auch sie sei zunächst als politisch uninteressant eingestuft worden.

Auf Tafeln gibt es die Biografien von vier Frauen

Die Ausstellung besteht aus acht Tafeln, denen man neben allgemeinen Informationen zum Thema „Rechtsextremismus in der DDR“ auch die Biografien von vier Frauen entnehmen kann. Sie alle zogen Ende der 1980er Jahre durch rechtsextremistische Taten und Verhaltensweisen das Interesse des Ministeriums für Staatssicherheit auf sich.

Eine von ihnen ist das kahlgeschorene Skinhead-Girl Sabine P. – auch wenn das nicht ihr richtiger Name ist. Er wurde wie der der anderen Frauen von der Kuratorin geändert. P. stammt aus Potsdam, absolviert eine Lehre zur Textilreinigungsfacharbeiterin und kommt über Fußballspiele des Berliner Fußballclubs BFC Dynamo mit Skinheads in Kontakt.
Skinheads werden in Akte der DDR-Volkspolizei zu Fußballrowdys

1986 reist sie mit einer Skinhead-Gruppe nach Dresden, wird in eine Schlägerei verwickelt und danach von der Polizei verhört. In der Polizeiakte wird sie später als „Fußballrowdy“ bezeichnet – ihre Skinhead-Kleidung und Neonazi-Ideologie bleiben unerwähnt.

Später wird sie verhaftet, weil sie in einem Jugendclub Gäste und Polizisten beschimpft und einen Laternenmast zerstört. Sie selbst bezeichnet sich im Verhör als Neonazi, verhaftet wird sie jedoch wegen „Rowdytums“.

Endvierzigerin ritzte Hakenkreuze in Bäume

Laut Henrike Voigtländer eine gängige Praxis damals und Ausdruck der Fehleinschätzung. Wenn überhaupt, seien Frauen nur die Freundinnen von Nazis gewesen, aber niemals selbst rechtsextrem.

Die Ausstellung widerlegt auch die damalige SED-Meinung, Rechtsextremismus sei ein reines Jugendphänomen. Denn Hilde K., eine weitere beleuchtete Biografie, war schon Ende 40, als sie im Stadtpark einer thüringischen Kleinstadt Hakenkreuze an Bäume malt und Parolen gegen russische Bürger brüllt.

https://www.mz-web.de/bernburg/neonazi- ... --31465132
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon andr.k » 11. Januar 2019, 23:34

Interessierter hat geschrieben:Skinheads werden in Akte der DDR-Volkspolizei zu Fußballrowdys


Fehlt hier etwas? Wie hat das funktioniert? [denken]
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Beethoven » 12. Januar 2019, 08:19

Wir sind alle Menschen. Und wer behauptet, dass es in der DDR keine Neonazis gab, verschließt wohl die Augen. Es wird ganz sicher Neonazis gegeben haben nur hatten die niemals eine breitere Basis oder gar eine Partei, wie die NPD aus den 60-er / 70-er Jahren in der BRD.

Zu Zeiten der DDR lebten diese Neonazis ihre Gesinnung mehr oder weniger im "geheimen" aus. Wurde es ruchbar, ging das "böse MfS" gegen diese Blödmänner vor.

Erst mit dem Ende der DDR und den wirren Verhältnissen in dieser Zeit, erlaubte sich der braune Mob aus den Löchern zu kriechen und Molotovs gegen Hauswände zu werfen.
Ich habe keine große Ahnung von diesen Nichtdenkern, kann mir aber vorstellen, dass die meisten Werfer im Grund genommen, nie wirklich Nazis waren oder gar den Ausländer an sich haßten (ich mag mich da irren).
Jugendliche Krawallmacher, die ihren Frust über die damaligen Verhältnisse, den Verlust klarer Strukturen in denen sie einst lebten, angestachelt durch die Gruppe, auslebten und zwar in einer Art, die diese Jugendlíchen, wenn man sie heute danach befragen würde, sicherlich zum größten Teil bereuen bzw. ihr damaliges Tun, gar nicht mehr verstehen können.

Das soll keine Entschuldigung derer Handlungen sein.

Trennung

Wir hatten an der OHS und der MAK viele ausländische Offiziershörer. Teilweise waren die in eigenen Gruppen zusammen gefasst, wie z.B. die Vietnamesen, teilweise waren sie aber auch ganz normal in die Seminargruppen der NVA-Offiziershörer / Offiziersschüler integriert. Ich weiß von keinem einzigen Fall, dass diese ausländischen Militärkader in irgend einer Weise diskriminiert wurden. Eher im Gegenteil. Sie waren Bereicherungen in unserem damaligen Leben.

Trennung

Nach der Wende war ich zu Gast bei 17 unterschiedlichen Armeen und da meistens bei solchen, die einst meine / unserer Gegner gewesen wären. Anders herum waren auch viele Soldaten dieser einstigen "Gegner" bei uns zum Springen.
Das Verhältnis war immer sehr herzlich. Man achtete sich und saß am Abend gemeinsam an der Feuerschale. Auf jeden Fall ist das besser so, als wenn man sich gegenseitig den Kopf weggeschossen hätte.
Wir lachten darüber, dass wir uns mal als Gegner hätten gegenüber stehen können. Das Primat der Politik, welches Soldaten nun mal anerkennen müssen, hätte uns zu Gegnern gemacht. Als Menschen und Kameraden haben wir uns ausgezeichnet verstanden. Aber ich denke und Scorn, Sparta und andere werden mir das bestätigen, man muss sich kennen lernen um Schranken in den Köpfen abzubauen.

So saß gestern ein Vietnamese bei mir im Besprechungsraum, der eine Immobilie in Berlin erwerben wird. Ein Optikermeister und kluger Mann, der seit 16 Jahren in Deutschland lebt und nun schon mehrere Geschäfte eröffnet hat. Solche assimilierten Ausländer wünsche ich mir und man sieht, wenn man den Ausländern eine Chance gibt, sind sie oft hervorragende Mitglieder unserer Gesellschaft.

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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 12. Januar 2019, 11:02

Beethoven hat geschrieben:Zu Zeiten der DDR lebten diese Neonazis ihre Gesinnung mehr oder weniger im "geheimen" aus. Wurde es ruchbar, ging das "böse MfS" gegen diese Blödmänner vor.
Freundlichst


Kannst du Beispiele nennen, wie das aussah? So?
Als am 17. Oktober 1987 in der Ostberliner Zionskirche ein Punk-Konzert von Neonazis überfallen wurde, wurde die Öffentlichkeit erstmals mit diesem Problem konfrontiert. Etwa 30 Skinheads drangen mit Fahrradketten und Stangen bewaffnet und dem Ruf: „Juden raus aus deutschen Kirchen“, „Sieg Heil“ in das Gebäude ein. Sie begannen auf die Konzertbesucher einzuschlagen. Die Flüchtenden wurden bis auf die Straße verfolgt und unter den Augen der untätigen Volkspolizei weiter verprügelt. Wer sich an die Ordnungshüter wandte und um Schutz bat, wurde abgewiesen. Die durch ihre kurzgeschorenen Haare, Bomberjacken und Springerstiefel deutlich erkennbaren Täter blieben an diesem Tag von der sonst schnell zuschlagenden Staatsmacht unbehelligt. Die Nachricht von diesem Skandal sprach sich wie ein Lauffeuer in Berlin herum. Wie konnte das geschehen?

Nach der Öffnung der Stasi-Akten zeigte sich indes ein völlig anderes Bild. Der Ausgangspunkt des Überfalls war eine Feier in der Ostberliner Diskothek „Sputnik“, gewesen, wo die Skins die Verabschiedung eines der Ihren zum 10-jährigen Ehrendienst in der Nationalen Volksarmee gefeiert hatten. Die Prügelei sollte der Höhepunkt des Festes werden.
Skinheads als Freiwillige in der Nationale Volksarmee (NVA)? Das war ein wohl gehütetes, aber kein seltenes Phänomen.

Die Härtesten gingen zu den Fallschirmjägern. Wer die hohen gesundheitlichen Anforderungen nicht erfüllte, wurde mit Verachtung aus der Gruppe ausgeschlossen. Seit ihrem Bestehen hatte die NVA anziehend auf Rechtsradikale gewirkt.

Zwischen 1965 und 1980 gab es 730 Vorfälle mit rechtsextremistischen Hintergrund, die von der Stasi erfasst wurden. Dies ist wenig, bezogen auf die Gesamtzahl der Armeeangehörigen. Es handelt sich hierbei aber nur um die bekannt gewordenen Fälle. Die Dunkelziffer liegt höher. Das lässt sich aus der Art der Vorkommnisse schließen. So organisierten ein Unteroffizier und ein Jugendclubleiter zwischen 1965 und 1970 über hundert Gesprächsrunden, in denen über die „Vorzüge“ des Dritten Reiches debattiert wurde, ergänzt durch Lesungen aus Hitlers „Mein Kampf“ und dem „Völkischen Beobachter“. Zusätzlich wurden Reden von Goebbels angehört. Mehrere aktive Armeeangehörige nahmen an diesen Runden teil.


Weiter:
https://www.kas.de/web/ddr-mythos-und-w ... in-der-ddr

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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Beethoven » 12. Januar 2019, 16:13

Natürlich nicht felächendeckend.

Nach dem 20. April 1973 (oder 74 - weiß ich nicht mehr). Ein Schulkamerad von mir (wie waren Lehrlinge), wurde zum Direktor der Berufsschule gebeten und kam dann erst übernächsten Tag wieder in die Schule. Warum ? Er hatte mit ein paar Freunden gefeiert und dabei wurde wohl auch auf Adolfnazi angestoßen. Er wurde durch Organe ausführlich befragt, wenn ich das mal so schreiben darf. Mehr weiß ich nicht. Er hat uns das dann so erzählt.

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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 12. Januar 2019, 17:02

Ich leb(t)e ja nun heute im, früher am Harz. Der wiederum ist weder Sachsen noch Erzgebirge oder Sächsische Schweiz.

Kritiker horcht auf, ich lobe jetzt die DDR: [wink]
Niemals vor der Wende habe ich rechte Auswüchse, Aufmärsche, Versammlungen (und seien sie noch so klein gewesen) vernommen.
Das gab es hier einfach nicht.

Gruß Volker
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 12. Januar 2019, 17:04

Volker Zottmann hat geschrieben:Niemals vor der Wende habe ich rechte Auswüchse, Aufmärsche, Versammlungen (und seien sie noch so klein gewesen) vernommen.
Gruß Volker


Wenn sie vorhanden waren, du nichts mitbekommen hast, dann müssen sie sehr geheim gewesen sein. Da kann also nur der Staat dahinterstecken. Logisch oder? [denken]

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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 12. Januar 2019, 22:16

Liest Du jetzt auch schon oberflächlich, Jörg? Ich schreibe nur von meinem Wohnumfeld.

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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 12. Januar 2019, 23:01

Volker Zottmann hat geschrieben:Liest Du jetzt auch schon oberflächlich, Jörg? Ich schreibe nur von meinem Wohnumfeld.

Gruß Volker


Und ich meinte das übergreifend und nachdenklich! Habe schon richtig gelesen. [wink]

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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 13. Januar 2019, 11:29

was für eine Frage, ob es Rassismus in der DDR gegeben hätte oder nicht - allein die Begriffe Fidschi und Kanake habe ich noch im Ohr. Aber beide Begriffe zeigen mir auch, wie verblödet die Nutzer dieser Begriffe sind. IQ etwas über Schaf - sorry liebe Wollwesen, sollte ich euch hiermit beleidigt haben.
König von Deutschland, das kann ich mir richtig vorstellen, die Gefängnisse wären voll mit Gesperrten - ich bin raus.
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon SkinnyTrucky » 13. Januar 2019, 11:41

AkkuGK1 hat geschrieben:was für eine Frage, ob es Rassismus in der DDR gegeben hätte oder nicht - allein die Begriffe Fidschi und Kanake habe ich noch im Ohr. Aber beide Begriffe zeigen mir auch, wie verblödet die Nutzer dieser Begriffe sind. IQ etwas über Schaf - sorry liebe Wollwesen, sollte ich euch hiermit beleidigt haben.


Der Rassismus in der DDR war breiter im Volk vertreten als er sichtbar durch irgendwelche Vollpfosten mit Springer-Stiefel und Bomberjacken war....


groetjes

Mara
Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken.... (Burkhart Veigel) Bild
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon ratata » 13. Januar 2019, 11:46

Volker Zottmann hat geschrieben:Ich leb(t)e ja nun heute im, früher am Harz. Der wiederum ist weder Sachsen noch Erzgebirge oder Sächsische Schweiz.

Kritiker horcht auf, ich lobe jetzt die DDR: [wink]
Niemals vor der Wende habe ich rechte Auswüchse, Aufmärsche, Versammlungen (und seien sie noch so klein gewesen) vernommen.
Das gab es hier einfach nicht.

Gruß Volker

Volker , da gebe ich dir recht . Eigentlich kenne ich keine solche rassistischen Auswüchse wie es berichtet wird nicht . Es gab in der DDR nur einen Hass , das war der Hass auf die Russen . was wurde über diese Besatzer geschimpft . Einbrüche ende der 80 Jahren , waren nur …. die Russen . MfG ratata
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2019, 12:28

ratata hat geschrieben:Es gab in der DDR nur einen Hass , das war der Hass auf die Russen . was wurde über diese Besatzer geschimpft . Einbrüche ende der 80 Jahren , waren nur …. die Russen . MfG ratata


Und wie betrachtest du dann die heutigen Erkenntnisse, siehe von augenzeuge » Sa Jan 12, 2019 11:02 ?

AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon ratata » 13. Januar 2019, 14:48

augenzeuge hat geschrieben:
ratata hat geschrieben:Es gab in der DDR nur einen Hass , das war der Hass auf die Russen . was wurde über diese Besatzer geschimpft . Einbrüche ende der 80 Jahren , waren nur …. die Russen . MfG ratata


Und wie betrachtest du dann die heutigen Erkenntnisse, siehe von augenzeuge » Sa Jan 12, 2019 11:02 ?

AZ

AZ , ich möchte mal wissen , ob ihr in Halle so schnell wie heute , die Nachrichten aus den von dir beschriebenen Orten bekommen habt .
Gammler , Skinheads so nannte man sie in der DDR .


Die Fussballstadien in der DDR boten in zweierlei Hinsicht Abwechslung vom grauen Alltag, zum einen konnte man seinen Verein unterstützen, zum anderen dienten diese als Podium um Frust gegen den ungeliebten Staat abzulassen. Als jugendlicher Fussballfan mit Schal und Kutte galt man als Aussenseiter, jenseits des zwanghaften und "uniformierten" FDJ-Alltags. Und krampfhaft wurde versucht diesem westlich geprägtem Phänomen Herr zu werden, allerdings mit nicht allzugrossem Erfolg. Erst Mitte der 80-ziger Jahre fand man sich mit dem Problem so langsam ab und versuchte die Geschichte in staatliche Bahnen zu lenken. Fanclubs wurden aufgefordert sich registrieren zu lassen, damit man diese Gruppierungen besser kontrollieren und "Störer" und "Rowdies" (offizieller Sprachjargon damals) besser isolieren konnte. Erreicht wurde damit aber nur das Gegenteil. Angespornt durch ihre Vorbilder aus England und dem anderen Teil Deutschlands entwickelte sich eine Szene die schwer kontrollierbar wurde und sich jenseits aller sozialistischen Normen bewegte.
Die Fussballszene bestand zum grossen Teil aus den jeweiligen Trendrichtungen . So waren in den 70`er Jahren die langhaarigen sogenannten Blueser (offizieller Sprachjargon der Staatsmacht "Gammler") tonangebend. Anfang der 80-ziger Jahre gab es dann auch Punks und Metaller (Fussballrocker). Die sogenannten Popper blieben ausser in Berlin und Leipzig der Szene aussen vor. So ab 1986, ausgehend auch von Berlin begann dann ein weiteres unbegreifliches Phänomäen (für die Staatsmacht) die Szene zu bereichern, die Skinheads. In der Regel war ein Fussball Fan mit Jeanshose und -jacke bekleidet. Die Westmarke steigerte die Anerkennung. Sehr beliebt waren auch die sogenannten Parka, wobei hier das selbe wie für die Jeanssachen galt. Beim Schuhwerk waren die sogenannten "Klettis" (halbhohe Wildlederschuhe mit sehr dünner Sohle) sehr beliebt. Im Sommer trug man einfache Sandaletten, die sogenannten Jesuslatschen. Turnschuhe wurden natürlich auch sehr gern getragen, wobei sich diese zum Ende der 80-ziger Jahre immer mehr durchsetzten.

https://www.wallstreet-online.de/diskus ... r-ehem-ddr
Fußball-Fanszene in der ehem. DDR | wallstreet-online.de - Vollständige Diskussion unter:


Von Nazis und Rassismus war damals noch keine rede. mfG ratata
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Nov65 » 13. Januar 2019, 15:02

augenzeuge hat geschrieben:
ratata hat geschrieben:Es gab in der DDR nur einen Hass , das war der Hass auf die Russen . was wurde über diese Besatzer geschimpft . Einbrüche ende der 80 Jahren , waren nur …. die Russen . MfG ratata


Und wie betrachtest du dann die heutigen Erkenntnisse, siehe von augenzeuge » Sa Jan 12, 2019 11:02 ?

AZ
Ich kann diese Aussage nicht bestätigen. Die Soldaten der Sowjetarmee hatten eher das Mitleid der Bevölkerung. Andreas
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 13. Januar 2019, 16:22

Nov65 hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:
ratata hat geschrieben:Es gab in der DDR nur einen Hass , das war der Hass auf die Russen . was wurde über diese Besatzer geschimpft . Einbrüche ende der 80 Jahren , waren nur …. die Russen . MfG ratata


Und wie betrachtest du dann die heutigen Erkenntnisse, siehe von augenzeuge » Sa Jan 12, 2019 11:02 ?

AZ
Ich kann diese Aussage nicht bestätigen. Die Soldaten der Sowjetarmee hatten eher das Mitleid der Bevölkerung. Andreas

Das habe ich beim Lesen auch gerade gedacht Andreas.
Hier in QLB gab es auch keine bekannten Übergriffe von sowjetischen Soldaten. Folglich auch nie Hass auf diese.
Uns taten da eher die Verkehrsregler leid, die oft schon 2 Tage vor den Panzerkolonnen postiert wurden und ohne Ablösung an Ort und Stelle hinvegetierten.


Gruß Volker
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Nov65 » 13. Januar 2019, 16:30

Ich kenne eine Frau, die von einem sowj. Soldaten vergewaltigt wurde. Das ist ein schlimmes Verbrechen, aber gab es dafür nicht auch Bedingungen in denGarnisonen dieser armen Schw.... Die sowj Armeeführung hielt die Soldatewn in bejammerswerten Umgebung. Für kleine "Vergehen" gab`s Prügel mit dem Koppel. Die Aussagen von VS kann ich aus eigenem Erleben nur bestätigen. Die Offiziere verkloppten Armeeinventar bzw. Wohnungsinventar. Die Soldaten mussten beim Aufladen helfen. Und in jeder Garnisonsumgebung schacherte die deutsche Bevölkerung mit den Offizieren. Mangelware wie Heizkörper, preiswertes Benzin, Automatikuhren usw. gingen über den "Ladentisch".
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2019, 17:06

Ich kannte keinen, der die Russen hasste. Im Gegenteil, ich kannte nur Arbeitskollegen, die mit ihnen abends tranken und mal etwas besorgten, was es nicht gab.

So bin ich z.B. an einen elektrischen Heizlüfter gekommen. Der konnte man um 1983 nicht im Laden kaufen, weil das Netz dann zusammengebrochen wäre. [flash]
Bei 8 Pfennig pro kWh wars nicht so teuer.

AZ
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon ratata » 13. Januar 2019, 22:13

Nur um hier mal Ruhe mit den Russen und dem Hassen reinzubringen . Wer hat nicht alles über die Russen damals geschimpft . ich sage im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch … Gehasst …
Der kleine Moschkote war beschissen dran , selber habe ich erlebt wie Soldaten von Offizieren in den Hintern getreten , bzw. in den Magen geschlagen wurden .
Als ich am kanten war , da fuhren die Russen einfach auf Wegen durchs Grenzgebiet , so manches mal haben wir sie Kontrollieren müssen , Herbst 69 war das , am Tage erkannte man sie , aber als es anfing dunkel zu werden , da biste dann vom Postenplatz zur Straße gerannt um zu sehen wer da mit Licht kommt.
Natürlich haben auch wir mit den Russen gehandelt , 20 Liter Im Kanister frisch vom Tank gezapft für 20 Mark . das im Betrieb . Wisst ihr wie ich die gehasst habe , wenn ich im Betrieb Bereitschaft hatte , die Freunde Samstag oder Sonntags mit 30 LKW diesen SIS -Schüsseln und Urals in der Zufahrt unangemeldet standen , der Offizier mir mit Händen und Füßen erklärte was er möchte , Mineralia
wollte er . Dann haste Stunden gebraucht, um jemanden am Wochenende, von der Betriebsleitung zu erreichen . Die Russensind nicht abgerückt , sogar wenn kein Radlader da war , dann luden sie per Hand ihr Lkw voll. ( kleine Episode ) Geliebt hatte ich sie wenn ich dann so gegen 17 h Feierabend hatte .
Wist ihr wie die Bevölkerung hier bei uns über die Russen schimpften , wenn sie LKW weise ins Warenhaus anrückten und sich massenhaft Kindersachen kauften und auf uns Deutsche schimpften . da viel schon zig mal der Ausdruck ..Nazis ..

Habe ich heute hier im Forum eine andere Meinung über die Migranten , dann Hasse ich sie, nach Eurer Meinung . bin ein Nazi . oder auch AfD Wähler . so sind doch eure Reaktionen . mfg ratata
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Nov65 » 14. Januar 2019, 07:57

Hallo@ratata. Du liegst falsch mit deiner Feststellung "eine andere Meinung = Nazi". Du bist auf keinen Fall ein Nazi, sondern ein kritischer Mensch. Grüße von Andreas
Zuletzt geändert von Nov65 am 14. Januar 2019, 08:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 14. Januar 2019, 08:40

ratata, eine sehr interessante kurze Story. Nein, ich zweifle nichts an!

AZ
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Beethoven » 14. Januar 2019, 10:07

Z.B. in Magdeburg aber auch vielen anderen Großstädten mit Garnisonen der CA, gab es gute und schlechte Erlebnisse mit den Angehörigen der CA.

Da rettet der sowjetische Soldat das Kind welches aus dem Fenster fiel mit seinem Körper, da halfen sie bei Katastrophen usw.
Das Gegenteil, es kam zu Vergewaltigungen bis hin zum Mord. Aber das geschah genauso mit anderen Besatzungsmächten im anderen Teil Deutschlands. Schlimm ist es allemal.

Den Soldaten der CA die zur WGT gehörten, ging es vergleichsweise besser als dem "Muschik" im weiten Land. Andererseits hatten sie kaum die Möglichkeit mal nach draußen zu kommen und z.B. ein Mädel kennen zu lernen.
Und wenn für einen 19 - bis 23-jähriger junger Mann, der über Monate und Jahre hinweg die Kaserne nicht verlassen kann, die beste Freundin seine Hand ist, dann kann sich da schon so einiges auf- oder anstauen. Das ist keine Entschuldigung für Verbrechen aber es ist eine "Anklage" an die Oberen, die sich über solche menschlichen Bedürfnisse ihrer Unterstellten keine Platte machten. Leider ging es vielen Soldaten in der NVA nicht viel anders.

Hamsterkäufe wird es gegeben haben. Andererseits gab es in den Garnisonsstädten auch die öffentlichen "Magazin-e" wo auch der Deutsche Bürger feine Sachen kaufen konnte. Ich denke da an die "Mischka-Pralinen" oder an die bereits erwähnten Heizgeräte, Uhren, Ferngläser, Spielzeug und Lebensmittel usw., die man in unseren Warenhäuser nicht fand. Eigentlich waren diese "Magazin-e" für die Familien der Berufssoldaten der CA gedacht aber sie waren öffentlich und konnten durch jeden Menschen betreten werden und es konnte jeder dort Waren in der Währung der DDR kaufen.

Na ja, fremde Soldaten im eigenen Land sind meist problematisch, wenn sie nicht in der Bevölkerung aufgehen.

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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 14. Januar 2019, 10:39

Das Magdeburger Kind wurde von einem Offizier mittels seines Mantels aufgefangen.
Verbrechen waren im Bezug auf die hunderttausenden Soldaten eher gering.
Was in keinem Verhältnis stand, waren die Verkehrsstraftaten. Kein Tag verging, wo nicht Russen Autos rammten, sich selbst überschlugen und irgendwie Schaden anrichteten. Wenn die sogenannten "Freunde" alles konnten, aber disziplinierte Verkehrsteilnehmer waren sie nie.

Gruß Volker
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 14. Januar 2019, 12:06

kann man heute bei Utube sehen, wie die immer noch den Verkehr unsicher machen :D
König von Deutschland, das kann ich mir richtig vorstellen, die Gefängnisse wären voll mit Gesperrten - ich bin raus.
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 14. Januar 2019, 12:50

AkkuGK1 hat geschrieben:kann man heute bei Utube sehen, wie die immer noch den Verkehr unsicher machen :D

...Oder als Tourist erleben, wenn der besoffene Busfahrer bei rot über die Kreuzung brettert. So einmal erlebt im März 1970.

Gruß Volker
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Transitfahrer » 16. Januar 2019, 19:44

Hier mal ein MfS Bericht

Info Nr. 80/76 vom 29.1.1976

29. Januar 1976
Information Nr. 80/76 über eine Unterschriftensammlung durch eine Oberschülerin im Zusammenhang mit dem Einsatz algerischer Werktätiger im Kombinat Leuna, die im Wohnheim in Spergau, [Kreis] Merseburg, [Bezirk] Halle untergebracht sind

Quelle: BStU, MfS, ZAIG 2474, Bl. 1–4 (7. Expl.).
Serie: Informationen.
Verteiler: Honecker, Sindermann, (Herbert) Krolikowski, Tisch, Dickel – MfS: Mittig/HA XVIII, Ablage, HA XVIII/AIG.



Dem MfS wurde bekannt, dass durch die 16-jährige Oberschülerin [Name] in der Gemeinde Spergau (ca. 1 800 erwachsene Einwohner), Kreis Merseburg, Bezirk Halle, 117 Unterschriften für eine Resolution gesammelt wurden, in der Maßnahmen zur Gewährleistung von Sicherheit, Ruhe und Ordnung im Zusammenhang mit den in Spergau untergebrachten algerischen Werktätigen gefordert werden.
Zuvor hatte sich die [Name der Oberschülerin] an den Bürgermeister der Gemeinde Spergau mit einem Resolutionsentwurf gewandt, der nur wenige Unterschriften trug. Die in diesem Entwurf enthaltenen Forderungen nach Ausweisung der algerischen Werktätigen aus Spergau hatte der Bürgermeister als zu aggressiv zurückgewiesen.
Am 27. Januar 1976 wurde durch die Schulleitung das veränderte Schriftstück, das u. a. die Unterschriften von Angehörigen des Lehrkörpers und Mitgliedern des Gemeinderates trägt, eingezogen und der Kreisleitung der SED übergeben. Zum gleichen Zeitpunkt unterrichtete der Bürgermeister die Kreisleitung über die erfolgte Unterschriftensammlung.
Im Zusammenhang mit dieser Information an die Kreisleitung der SED trat die Kreiseinsatzleitung zusammen. Es wurde beschlossen, die Resolution als Eingabe zu behandeln. In einer Sekretariatssitzung der Kreisleitung wurden Schritte zu einer Verbesserung der Betreuung der algerischen Werktätigen im Freizeitbereich beraten und im Zusammenwirken mit dem VPKA verstärkte Sicherungsmaßnahmen (Streifentätigkeit) festgelegt.
Die [Name der Oberschülerin] motivierte bei einer volkspolizeilich durchgeführten Befragung ihre Handlungsweise damit, dass die durch algerische Werktätige verursachten Vorkommnisse eine Gefährdung des Lichtmessfestes am 31. Januar/1. Februar darstellen könnten, da sich Frauen und Mädchen abends nicht mehr auf die Straße trauen würden.
Das Vorkommnis in Spergau ist im Zusammenhang mit anderen negativen Erscheinungen zu sehen, die der Unterschriftensammlung vorausgegangen sind. Im Einsatzobjekt Kombinat Leuna gab es bereits in der Vergangenheit Diskussionen unter Belegschaftsangehörigen, die ihren Ausgangspunkt in Fehlverhaltensweisen algerischer Werktätiger hatten. So kam es u. a. zu solchen Äußerungen wie:
– Mit den algerischen Werktätigen würde zu viel hergemacht, ihre Beschäftigung im Kombinat sei eine Fehlentscheidung, und man solle sie dorthin schicken, wo sie hergekommen seien.

– Wenn sich DDR-Bürger so verhalten würden wie die algerischen Werktätigen, wären sie sofort inhaftiert worden.

– Die Entlohnung für die algerischen Werktätigen sei, gemessen an ihren Leistungen, zu hoch und ungerecht gegenüber den DDR-Beschäftigten.

DDR-Mitarbeiter des Kombinats, darunter eingesetzte Betreuer und Dolmetscher, vertreten den Standpunkt, eine weitere Zusammenarbeit mit algerischen Werktätigen abzulehnen.
Solche Diskussionen setzten sich im Freizeitbereich fort und führten im Wohngebiet Spergau zu Erscheinungen wie:
– Ankündigung, künftig Versammlungen und Veranstaltungen fernzubleiben, da man ständig damit rechnen müsse, durch algerische Werktätige belästigt bzw. körperlich misshandelt zu werden,

– Äußerungen durch ein Gaststättenehepaar, dass die Stammgäste ausblieben, da sich kein Spergauer abends mehr auf die Straße traue. Des Weiteren gäbe es wegen Zechprellerei und rowdyhaften Vorkommnissen durch die algerischen Werktätigen laufend Ärger,

– Einschätzung durch Teile der Bevölkerung von Spergau, dass die angewandten polizeilichen Mittel und Maßnahmen zur Durchsetzung von Ruhe und Ordnung unzureichend und unwirksam seien.

In der Ortschaft Spergau kam es bisher zu insgesamt 16 Vorkommnissen mit algerischen Werktätigen. Diese sowie weitere Vorkommnisse im Einsatzobjekt Leuna beinhalten vorwiegend
– tätliche Auseinandersetzungen zwischen algerischen Werktätigen sowie mit Bürgern der DDR, besonders unter Einfluss von Alkohol,

– Beschädigung und Zerstörung von Einrichtungsgegenständen im Wohnheim,

– Verweigerung der Arbeitsaufnahme im Zusammenhang mit Lohnproblemen,

– Diebstahlshandlungen.1

Durch die zuständigen staatlichen Organe und gesellschaftlichen Organisationen sind entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden.

1 Vgl. zur Grundproblematik Behrends, Jan C. u. a. (Hg.): Fremde und Fremdsein in der DDR. Berlin 2003.
Die Information ist wegen Quellengefährdung nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt.
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 16. Januar 2019, 19:49

Wie sich die Denkweisen wiederholen.... [angst]

AZ
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