Mythos Bergbau

Welche Musik ist gut? Einen guten Film gesehen? Büchervorstellungen oder -diskussionen? Irgend ein anderes Thema welches interessiert? Der Bereich für allgemeine Themen welche nicht das Thema DDR/BRD betreffen. Interessante Artikel, aktuelle Ereignisse und Entwicklungen.

Re: Armut in der DDR -Abgeschrieben im sozialen Märchenland

Beitragvon Sirius » 4. April 2016, 18:05

Kumpel hat geschrieben:Ich Hirni wollte da auch mal hin. Hat gottlob nicht geklappt.

Du meinst die Wismut? Da ich ja schon vorhin die Frage gestellt hatte. War Dir die Gefahr für die Gesundheit nicht bewusst? Auch wenn manche das vielleicht als unsinnige Frage ansehen; auch vielen Rauchern sind die Gesundheitsgefahren bekannt und sie rauchen trotzdem.
Sirius
 

Re: Armut in der DDR -Abgeschrieben im sozialen Märchenland

Beitragvon HPA » 4. April 2016, 18:08

Kumpel hat geschrieben:Viele habe diese Sonderversorgung der Wismut mit ihrem Leben bezahlt , die Genossen haben ja rechtzeitig diesen maroden Laden DDR an den Klassenfeind übergeben.
Damit konnte der anschließend mit Milliardensummen den ganzen Müllhaufen sanieren und die Kranken besser versorgen. Die Toten kommen nicht zurück.
Die Genossen mit ihrer stets großen Fresse hätten das nie in den Griff bekommen.


Ist doch im Mansfeldischen nicht anders. Da treffen und trafen sich komplette Brigaden, sofern noch am Leben, beim Radiologen.
HPA
 

Re: Armut in der DDR -Abgeschrieben im sozialen Märchenland

Beitragvon pentium » 4. April 2016, 18:11

Kumpel hat geschrieben:Es gibt keine alten Wismuter...


Ich Hirni wollte da auch mal hin. Hat gottlob nicht geklappt.Ein ehemaliger Kollege war beim der Wismut Hauer , seit vielen Jahren BU .


So, dann sind die alten Kumpel im Forum der GAG wo alles Geister, Kumpel? Du scheinst dich ja bei der Wismut auszukennen...

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Re: Armut in der DDR -Abgeschrieben im sozialen Märchenland

Beitragvon Kumpel » 4. April 2016, 18:24

Wenn du jetzt mal zurück gehst wirst du sehen , dass der Satz .....es gibt keine alten Wismuter ..... nicht von mir stammt.
Ich werde zukünftig Zitate besser kennzeichnen.
Allerdings ist das nicht so abwegig. Auf den Friedhöfen in den Wismutgebieten liegen sehr viele , die heute noch leben könnten wenn sie sich eine andere Arbeit gesucht hätten.
Ich denke , ein gewisses Risiko war den Leuten schon bewußt und am Anfang wurde den jungen Männern auch angeraten schnell Familien zu gründen und Kinder zu zeugen.
Aber dieses Ausmaß hatte wohl kaum einer auf dem Schirm wurde vielleicht auch von oben abgewiegelt und das Zeug mußte schließlich raus , der Russe brauchte das ja dringend für die Bomben.
Bei der Wismut wurde stramm nach Leistung bezahlt , die haben malocht wie die Tiere. Ein ehemaliger Kollege war dort etliche Jahre . Seit einigen Jahren ist er BU.
Kumpel
 

Re: Armut in der DDR -Abgeschrieben im sozialen Märchenland

Beitragvon steffen52-1 » 4. April 2016, 18:34

Kumpel hat geschrieben:Wenn du jetzt mal zurück gehst wirst du sehen , dass der Satz .....es gibt keine alten Wismuter ..... nicht von mir stammt.
Allerdings ist das nicht so abwegig. Auf den Friedhöfen in den Wismutgebieten liegen sehr viele , die heute noch leben könnten wenn sie sich eine andere Arbeit gesucht hätten.
Ich denke , ein gewisses Risiko war den Leuten schon bewußt und am Anfang wurde den jungen Männern auch angeraten schnell Familien zu gründen und Kinder zu zeugen.
Aber dieses Ausmaß hatte wohl kaum einer auf dem Schirm und das Zeug mußte schließlich raus , der Russe brauchte das ja dringend für die Bomben.

Kann mich noch erinnern,das Wismutkumpel erzählten, wie das abgebaute Uran in offenen LKW-Kippern durch das Zwickauer-Land gefahren wurde! Hatten nur zwischen Fahrerhaus und Kippmulde eine Bleiplatte Es tat ja nicht weh, es strahlte ja bloß!! [frown] Ging den Russen( sind ja die Sieger gewesen) am Arc... vorbei, wichtig das Zeug von da nach da zubringen
Grüsse steffen52-1
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Re: Armut in der DDR -Abgeschrieben im sozialen Märchenland

Beitragvon Sirius » 4. April 2016, 18:49

steffen52-1 hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Wenn du jetzt mal zurück gehst wirst du sehen , dass der Satz .....es gibt keine alten Wismuter ..... nicht von mir stammt.
Allerdings ist das nicht so abwegig. Auf den Friedhöfen in den Wismutgebieten liegen sehr viele , die heute noch leben könnten wenn sie sich eine andere Arbeit gesucht hätten.
Ich denke , ein gewisses Risiko war den Leuten schon bewußt und am Anfang wurde den jungen Männern auch angeraten schnell Familien zu gründen und Kinder zu zeugen.
Aber dieses Ausmaß hatte wohl kaum einer auf dem Schirm und das Zeug mußte schließlich raus , der Russe brauchte das ja dringend für die Bomben.

Kann mich noch erinnern,das Wismutkumpel erzählten, wie das abgebaute Uran in offenen LKW-Kippern durch das Zwickauer-Land gefahren wurde! Hatten nur zwischen Fahrerhaus und Kippmulde eine Bleiplatte Es tat ja nicht weh, es strahlte ja bloß!! [frown] Ging den Russen( sind ja die Sieger gewesen) am Arc... vorbei, wichtig das Zeug von da nach da zubringen
Grüsse steffen52-1

Eine große Gefahr ging vom dem radioaktiven Edelgas Radon aus, dass sich in den Schächten befand und ständig eingeatmet wurde, denn dann hatte man den "Strahler" im Körper. Das Uran mit seinem radioaktiven Isotop auf der Kippmulde hat ja "nur" von außen gestrahlt, solange man in seiner Nähe war.
Sirius
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon pentium » 4. April 2016, 19:22

Uranerzbergbau und die SDAG Wismut

Das Uranerz verschaffte dem Erzgebirge zuletzt Geltung und sicherte den Fortbestand des Bergbaus bis Anfang der 90-iger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Uranminerale waren bereits vor der Entdeckung des Elements Uran im Jahr 1797 bekannt. Mit der hin und wieder auf Gangkreuzen angetroffenen Pechblende wußte man jedoch lange Zeit nichts anzufangen. Der zielgerichtete Abbau von Uranerzen erfolgte erst ab Anfang des 19. Jahrhunderts. Man verwendete das Oxid, um Gläser gelb oder schwarz zu färben. Der Zusatz als Glasfärbemittel ist jedoch heute verboten.
1831 wurde aus einer Grube bei Breitenbrunn aus einem ein Erzlager streifenden Gang über eine Tonne Pechblende gewonnen. Bereits wenige Jahre später wurden bedeutende Mengen an Pechblende aus den obererzgebirgischen Lagerstätten des Schwarzenberger Reviers geliefert. Das Physikerehepaar Curie erwarb Ende des 19. Jahrhunderts einige Tonnen aus den Johanngeorgenstädter Erzgruben. Um 1900 lieferte auch das benachbarte Erzrevier von St. Joachimsthal über 50 Tonnen Pechblende.

Im Jahr 1871 ereignete sich in der Grube "Weißer Hirsch" ein aus mineralogischer Sicht bis heute einzigartiger Fund. Bei diesem "Jahrhundertfund" von Schneeberg wurde eine Anhäufung von farbenprächtigen Mineralen gefunden. Man entdeckte vier, wie sich viel später erst herausstellte sogar fünf, neue Uranglimmer-Minerale.

Nach Ende des 2. Weltkrieges und dem Abwurf der ersten amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, erhielt das radioaktive Schwermetall jedoch einen gänzlich neuen Stellenwert, denn es wurde zum Grundbaustoff für sowjetische Atombomben.
Nachdem man eine umfangreiche Dokumentation der Erzgruben erstellt hatte, wurden ab 1946 alte Gruben durch zehntausende Menschen mit ungeheurem Aufwand aufgefahren.
Die Besatzungsmacht gründete die SAG Wismut, deren erste Erkundungen schnell zum Abbau des begehrten Rohstoffs führten. Der Name Wismut war jedoch nur Tarnung, denn mit Wismutgewinnung hatte es nichts zu tun. Was damals in der Sowjetischen Besatzungszone begann, läßt selbst den Goldrausch in Nordamerika im Schatten stehen.
Außer den alten Erzgruben wurden auch zahlreiche neue Erkundungs- und Gewinnungsschächte in den Berg getrieben. In Johanngeorgenstadt etablierte sich u.a. das Gewinnungsobjekt 1. Bis 1953 gingen die Gewinne der SAG Wismut als Reparationsleistungen in die Sowjetunion. Ab 1954 wurde die DDR zu 50% beteiligt und die Gesellschaft in SDAG Wismut umbenannt. Die Ergiebigkeit vieler Standorte war jedoch nur von kurzer Dauer. Im Erzgebirge wurde nur in Schlema und Pöhla noch Uranerz bis 1990 abgebaut. Insgesamt wurden von der Wismut 1.200.000 Tonnen Erz gefördert und dabei ca. 230.000 Tonnen Uran gewonnen.
Seit 1990 werden im größten Umweltschutzprogramm Europas zahlreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt (u.a. Halden abgeflacht, abgedeckt und begrünt).


Radon - Schneeberger Krankheit und Radiumbäder

Die Bedingungen unter denen die Bergleute in vergangenen Jahrhunderten Erze förderten und die Hüttenleute diese weiterverarbeiteten, waren aus heutiger Sicht katastrophal. Die Lebenserwartung der Bergleute war entsprechend gering. Bereits im 16. Jahrhundert wußte man von der krankmachenden Wirkung der Stäube. Man nannte die verschiedenen Lungenkrankheiten (Silikose, Lungenkrebs, Tuberkulose) damals "Bergsucht".
Mit dem Vordringen in immer größere Tiefen, traten jedoch bei den Bergarbeitern in und um Schneeberg übermäßig viele Lungenerkrankungen auf. 1879 erkannte ein Schneeberger und ein Schwarzenberger Arzt, dass es sich bei der inzwischen als "Schneeberger Krankheit" bezeichneten Erkrankung um Lungenkrebs handelte. 1925 wurde die "Schneeberger Lungenkrankheit" in Sachsen in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Hauptursache für die Krebserkrankungen war ein farb- und geruchloses Gas: Radon.

Radon ist ein radioaktives Edelgas und das schwerste Gas überhaupt. Es bildet sich in der natürlichen Zerfallsreihe von Uran und Thorium aus Radium. Höhere Radonwerte treten besonders bei den magmatischen Gesteinen der Mittelgebirge auf (Bayerischer Wald, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Schwarzwald u.a.). Vor allem in Höhlen und Bergwerken sind meist stark erhöhte Konzentrationen messbar. Es kann auch durch Versorgungsleitungen und Schadstellen in Fundamenten in die Keller gelangen und sich im Haus verteilen, besonders bei niedrigen Außentemperaturen (Sogeffekt).
Da Radon sehr schwer ist, verbleibt beim Einathmen ein Teil in der Lunge. Bei Inhalation einer hohen Radonkonzentration über einen langen Zeitraum, kann dies zu Lungenkrebs führen.

Das Radon ist jedoch nicht direkt für die Strahlenbelastung verantwortlich. Die Radioaktivität des Gases spielt nur eine untergeordnete Rolle, da die α-Strahlung bereits durch Luft stark abgebremst wird. Durch die Haut kann die Strahlung ebenfalls nicht dringen, da bereits die ersten Zellschichten die Teilchen absorbieren.
Ursache für die hohe Strahlenbelastung der Lunge sind vor allem die radioaktiven Zerfallsprodukte des relativ kurzlebigen Edelgases, die sich im Lungengewebe und im Körper anreichern.
Im modernen Bergbau konnte man die Radonkonzentration durch Bewetterung auf ein Minimum reduzieren. Zur gesundheitlichen Vorsorge sollten Kellerräume in gefährdeten Gebieten gut gelüftet werden. Bei stärkeren Radonkonzentrationen (>1.000 Bq/m³) sind aufwendige Schutz- bzw. Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Wie vieles hat auch Radon zwei Seiten: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man die Heilkraft von radonhaltigen Wässern u.a. bei rheumatischen Erkrankungen. 1906 wurde das erste Radiumbad der Welt in St. Joachimsthal (Jáchymov) eröffnet. Einige Jahre später stießen Forscher der Bergakademie Freiberg in Schlema auf die damals stärksten radonhaltigen Wässer der Welt. 1918 wurde der Kurbetrieb in der Erzgebirgsgemeinde aufgenommen. In den 1930er Jahren zählte Oberschlema zu den bedeutendsten deutschen Heilbädern.

Nach Jahrzenten Wismutbergbau, wurde auch in Schlema der Kurbetrieb wieder aufgenommen und 1998 der Gemeinde das Prädikat "Ort mit Heilquellenkurbetrieb" verliehen.
Die therapeutische Wirkung von Radon beruht auf der Alpha-Strahlung, die Schutzmechanismen und Immunreaktionen auslöst und das umliegende Gewebe zur Regeneration anregt. Zahlreiche Studien belegen die erfolgreiche Behandlung bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, aber auch bei Stoffwechsel- und Harnerkrankungen.
Heute gibt es zahlreiche Kurbäder, in denen radonhaltige Heilwässer zur Behandlung eingesetzt werden, zum Beispiel Bad Brambach, Bad Gastein, Karlsbad (Karlovy Vary), Ischia (Italien) u.v.a.

quelle:
http://www.westerzgebirge.com/htm/erzge ... ergbau.htm

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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon pentium » 4. April 2016, 19:27

Ärzte Zeitung, 30.04.2012

Fast 10.000 Arbeiter der Wismut an Krebs erkrankt

DRESDEN (dpa). Die Zahl der durch Uranerzbergbau an Lungenkrebs erkrankten ehemaligen Wismut-Mitarbeiter ist höher als erwartet.

Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), die am 27. April in Dresden eine Bilanz vorlegte, wurden seit 1991 insgesamt 3700 Lungenkrebs-Fälle als Berufskrankheit bestätigt. Hinzu kämen 120 Menschen mit Kehlkopfkrebs sowie 2750 Menschen mit Silikose.

Mit einer so hohen Zahl an Lungenkrebs-Fällen sei nicht gerechnet worden, sagte DGUV-Hauptgeschäftsführer Joachim Breuer. Bis 1990 waren bereits 5500 Fälle der zumeist tödlich verlaufenden Krankheit festgestellt worden - so dass die Zahl der durch den Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen verursachten Lungenkrebs-Fälle nicht mehr weit von der 10.000er Marke entfernt ist.

Besonders die von Fachleuten als "wilde Zeit" bezeichnete Anfangsphase der 1940er und 1950er Jahre galt für die Kumpel als extrem gefährlich, weil es damals keinerlei Schutzmaßnahmen gab.

Betreuungsstelle vor 20 Jahren eingerichtet

Die DGUV hatte vor 20 Jahren eigens eine Betreuungsstelle eingerichtet. Mehr als 165.000 noch lebende Ex-Wismut-Beschäftigte waren nach der Wende ausgemacht worden. Allen habe man das medizinische Untersuchungsprogramm angeboten, aber nur rund 55.500 hätten schließlich daran teilgenommen.

Um nachweisen zu können, dass die Erkrankungen auch wirklich durch die frühere Tätigkeit im Uranerzbergbau verursacht wurden, wurden laut Breuer 940 Tätigkeiten und 250 Arbeitsorte nachgestellt und analysiert.

Die Daten reichten aus, um die Belastungen zu rekonstruieren, hieß es weiter. Insgesamt habe es 20.200 Verdachtsfälle gegeben, von denen 7800 als Berufskrankheiten bestätigt wurden - darunter sind auch Betroffene mit Meniskusschäden.

Bei den anderen 12.400 habe sich entweder der anfängliche Verdacht auf Erkrankung nicht bestätigt oder aber es habe sich herausgestellt, dass sie nicht durch den einstigen Wismut-Job verursacht wurden. "Wir sind in einem abklingenden Prozess", sagte Breuer und verwies auf die altersbedingte Abnahme der Fälle.

Von den einst 55.000 Wismut-Beschäftigten, die nach der Wende die Vorsorge-Untersuchungen in Anspruch nahmen, seien inzwischen nur noch 12.000 übrig geblieben.

http://www.aerztezeitung.de/medizin/kra ... rankt.html

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Re: Armut in der DDR -Abgeschrieben im sozialen Märchenland

Beitragvon Kumpel » 5. April 2016, 06:59

Sirius hat geschrieben:.............................
Eine große Gefahr ging vom dem radioaktiven Edelgas Radon aus, dass sich in den Schächten befand und ständig eingeatmet wurde, denn dann hatte man den "Strahler" im Körper. Das Uran mit seinem radioaktiven Isotop auf der Kippmulde hat ja "nur" von außen gestrahlt, solange man in seiner Nähe war.


Das Radon war nicht nur in den Schächten der Wismut vorhanden. Wir hatten es auch im Fluss und Schwerspat im Thüringer Wald. Da gab es dann ein paar Pfennige mehr auf die Stunde Radonzuschlag.
Einmal fiel bei uns die Bewetterung aus und wir hätten eigentlich sofort ausfahren müssen . Unser damaliger Steiger ließ uns aber weiter arbeiten mit der lapidaren Antwort er könne niemanden zwingen aber ........
Der Brigadier entschied dann wir bleiben unten und somit blieben eben alle bis zum Schichtende.Danach hatte ich starke Kopfschmerzen von den Sprenggasen. Mit meinem heutigen Wissen unverantwortlich.
Kumpel
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon HPA » 5. April 2016, 08:38

Beginnende CO Vergiftung

Sauber

Die Schlacken im Mansfeldischen waren ja auch durch die Bank radioaktiv. Die Schiefer waren teilweise sehr uraninithaltig. Radon war auch da ein Thema.
Was das Kombinat nicht hinderte, sog Wickelschlacken als Baumaterial zu produzieren.So manches Haus ist damit gebaut worden.

Ich persönlich würde mit Sicherheit kein radonhaltiges " Heil"wasser trinken oder stark radonhaltige Luft schnuppern,mit der Gefahr , dass sich ein paar nette alphastrahler in meinem Körper anreichern.
HPA
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Volker Zottmann » 5. April 2016, 09:13

HPA hat geschrieben:Beginnende CO Vergiftung

Sauber

Die Schlacken im Mansfeldischen waren ja auch durch die Bank radioaktiv. Die Schiefer waren teilweise sehr uraninithaltig. Radon war auch da ein Thema.
Was das Kombinat nicht hinderte, sog Wickelschlacken als Baumaterial zu produzieren.So manches Haus ist damit gebaut worden.

Ich persönlich würde mit Sicherheit kein radonhaltiges " Heil"wasser trinken oder stark radonhaltige Luft schnuppern,mit der Gefahr , dass sich ein paar nette alphastrahler in meinem Körper anreichern.



HPA nicht waren. Die SIND heute noch genauso strahlend. Und ein Wickelschlackehaus steht bei mir gegenüber. Zum Teil heute noch unverputzt. Die Wickelschlacken waren doch damals für die Kellermauerwerke die einzigen Steine, die man überhaupt mal bekam. Hier musste man aber schon jemanden vom Knast Volkstedt kennen. Denn dort wurden die mit Strafgefangenem im Akkord produziert.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon HPA » 5. April 2016, 10:32

Nicht dort , sondern auf der Hütte in Helbra. Und ja , die Dinger strahlen immer noch.

Das ArbeitsLager Volksstedt ist ja bekannt. Das wurde ja ganz bewusst dort weitergeführt um Arbeitskräfte für die schmutzigsten und gefährlichsten Arbeiten im Mansfeld Kombinat zur Verfügung zu haben.

Die fuhren ja auch ohne jede bergmännische Ausbildung ein. Immer auf die untersten Sohlen.Für 30 Mark im Monat.

@ Kumpel kann ja mal schildern, was dass hiess.
HPA
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Volker Zottmann » 5. April 2016, 11:22

Ja, natürlich Helbra. In Volkstedt war nur das "Hotel" für die Fachkräfte.
Ein älterer Kollege von mir saß dort in den 60ern ein, wegen eines Verkehrsunfalles. Er hatte wohl Schuld, aber Volkstedt hat ihn fürs restliche Leben gezeichnet.
"Ich hatte sicher Schuld am Tod eines Menschen, aber nur, weil ich eine Sekunde fahrlässig versagte. Ab dort aber war ich ein Schwerstverbrecher".

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon pentium » 18. Dezember 2016, 16:55

Im MDR läuft gerade die Große Bergparade in Annaberg-Buchholz.

Für alle Freunde von Bergparaden hier der Aufzug von 2015


Glück Auf!
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon ratata » 18. Dezember 2016, 18:34

@Pentium , habe alles gesehen Früher war ich öfters in deiner Region betrieblich unterwegs ,Markersbach , Steinbach , Rittersgrün . Annaberg .
Aber heute die Weihnachtssendung mit den Bergmännern , war eine gute Erinnerung . Dann noch zum Schluss , der Steiger Marsch . ratata

Hier oben in meiner nähe , ist ja der Kalisalzabbau noch voll in Gange . Alles was mal Braunkohle Tagebaue waren , sind noch Geschichte .
Harbke ist mir noch in Erinnerung , jedes mal wenn der Winter anklopfte , dann war Harbke Schwerpunkt .
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Spartacus » 19. Dezember 2016, 18:51

Im MDR läuft gerade die Große Bergparade in Annaberg-Buchholz.


Fragt sich nur, wie lange noch?

Wehe der erste linksgrüne Gutmensch stellt so eine ( rechtslastige ) Heimat Veranstaltung in Frage.

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Ich bin stolz darauf, kein Smartdingsbums zu besitzen.
Nicht Deutschland schafft sich ab, sondern Deutschland schaltet sich ab.
Habeck und Baerbock in die Produktion. Die Grünen sind eine fortschrittsfeindliche Sekte.



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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon pentium » 19. Dezember 2016, 18:55

Spartacus hat geschrieben:
Im MDR läuft gerade die Große Bergparade in Annaberg-Buchholz.


Fragt sich nur, wie lange noch?

Wehe der erste linksgrüne Gutmensch stellt so eine ( rechtslastige ) Heimat Veranstaltung in Frage.

Sparta


Was ist an einer Bergparade rechtslastig?

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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Sirius » 8. November 2017, 07:02

pentium hat geschrieben:Warum müssen wir eigentlich alles immer wieder und wieder durchkauen? Zu Völkershausen gibt es dutzend Beiträge im Thema "Mythos Bergbau"! Zumal es ja hier eigentlich um "Besorgte Bürger melden Erdbeben geht"!
Ach und natürlich war die Stahsie Schuld, wer sonst!

@Pentium, wenn ich es richtig gezählt habe, gibt es hier im Thread "Mythos Bergbau" gerade einmal zwei Beiträge zum Thema Völkershausen und nicht ein Dutzend. Und "durchgekaut" wurde da gar nichts, sondern nur zwei Links eingestellt, ohne anschließende Diskussion, falls Du das mit "durchgekaut" meinst.

Ich zitiere mal, was ich vor ein paar Jahren zum Inhalt der MDR-Sendung "DDR geheim - Raubbau um jeden Preis" (Titel bei Wiederholung in: "DDR - Kali fördern bis zum großen Knall" umbenannt) schrieb, als ich den Inhalt bezüglich der MfS-Involvierung noch besser in Erinnerung hatte:

Zu diesen Gebirgsschlägen gab es im MDR vor zwei Jahren die Fernseh-Dokumentation "DDR geheim - Raubbau um jeden Preis". In dieser Dokumentation äußerte sich ein Bergbau-Ingenieur. Wenn ich die Zahlen noch richtig in Erinnerung habe, mussten nach dessen Aussage die Stützpfeiler im Abbaufeld jeweils eine Stärke von mindestens zwölf Metern haben, um die Sicherheit des Bergwerks nicht zu gefährden. Nach seiner Aussage beharrte das MfS aber darauf, aus dem Bergwerk mehr Kali herauszuholen und zu diesem Zweck die Stärke der Stützpfeiler auf bis zu sechs Meter zu verringern. Deshalb sei ein verantwortlicher Bergbauingenieur von seiner Funktion durch das dort involvierte MfS entbunden worden und durch jemand anderen ersetzt worden. Aufgrund der zu geringen Stärke der Stützpfeiler sei das Abbaufeld bei der Sprengung dann eingestürzt. Inwieweit diese Aussage des Bergwerksingenieurs stimmt oder ob der Verweis auf die Verantwortung des MfS eine Schutzbehauptung zur Ablenkung für eigene Fehler der beteiligten Ingenieure war, und es tatsächlich ein Berechnungsfehler der Bergbauingenieure war - wie in dem Wikipedia-Artikel erwähnt - muss jeder selbst beurteilen.

http://neues-forum.info/forum/viewtopic.php?f=141&t=4795&p=85494&hilit=v%C3%B6lkershausen#p85494


Ein Auszug aus der Sendungsbeschreibung vom MDR:

....
Die Stasi als Mitarbeiter

Bei einer planmäßigen Sprengung unter Tage im Kalischacht Merkers war mit einem Schlag ein 6,8 Quadratkilometer großes Grubenfeld zusammengestürzt und hatte über Tage ein Erdbeben ausgelöst. 3.200 Pfeiler hatten schlagartig ihre Tragfähigkeit verloren. Das stärkste je von Menschenhand ausgelöste Beben war einer Kraft von zehn gleichzeitig gezündeten Hiroshima-Bomben vergleichbar. Ursache des Unglücks waren die zu knapp bemessenen Stützpfeiler im Salz, um die Ausbeute zu maximieren. Ein als Forschungsprojekt C/W getarntes Unterfangen in den Händen der Stasi.

Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit saßen in den Seismologischen Instituten und im Kalikombinat. Kritische Mitarbeiter waren nicht erwünscht und wurden aus Forschungsprojekten gedrängt. Nach dem Grubenschlag lieferten Wissenschaftler im Auftrag der Stasi ein Gutachten, das die Schuld dem Westen in die Schuhe schob. Doch die Menschen um Völkershausen glaubten nicht an die offizielle Version. Denn obwohl Wissenschaftler und Grubenleitung sich ihrer Sache sicher gewesen waren, hatten Bergleute unter Tage immer wieder von seismischen Veränderungen und Geräuschen berichtet.
....
http://neues-forum.info/forum/viewtopic.php?f=141&t=4795&p=85494&hilit=v%C3%B6lkershausen#p85494
Zuletzt geändert von Sirius am 8. November 2017, 07:24, insgesamt 4-mal geändert.
Sirius
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Sirius » 8. November 2017, 07:06

Das Thema MfS im Bergbau wurde auch in einem anderen Forum diskutiert. Dort gab es bezüglich der MfS-Involvierung sogar konkrete Angaben:

Kürzlich hatte ich die Möglichkeit der Einsicht in die Personalakte des hauptamtlichen Mitarbeiters des MfS Lothar Kürschner. Genosse Kürschner war vom Oktober 1964 bis 1985 Leiter der Operativgruppe Kali (MfS-Bezirkesverwaltung Suhl Abteilung XVIII), Sitz Merkers:

Vorschlag der Prämierung (600 Mark) vom 22.07.1967

"Genosse Major Kürschner, Leiter der Operativ-Gruppe Kali, hat bei der Klärung der Ursachen für den großflächigen Zusammenbruch des Ostfeldes im Kalibetrieb "Werra" am 23.06.1976 eine vorbildliche politisch-operative Arbeit geleistet.
Durch die zielgerichtete Arbeit mit inoffiziellen Mitarbeitern konnten entgegen den offiziell festgestellten Ursachen die tatsächlichen festgestellt werden.
Eine sehr gute Arbeit leistet Genosse Major K. auch durch das Zusammenwirken mit den zuständigen staatlichen Leitern, in dessen Ergebnis die inoffiziell festgestellten Ursachen offiziell bestätigt werden konnten.
Auf Grund dieser politisch-operativen Ergebnisse war es möglich, bedeutende Schlußfolgerungen zu ziehen und die Grundlage zu schaffen, um durch Maßnahmen der Regierung der DDR weitere solcher Vorkommnisse zu verhindern."

Gemeint war der Gebirgsschlag von 1975 unter Sünna. Die konkreten Ursachen wurden nicht genannt. Sie sind aber in der Akte "Kuppe" enthalten. Die Unterdimensionierung von zahlreichen Pfeilern wurde hier dokumentiert. Die Öffentlichkeit wurde aber niemals über die wahren Ursachen informiert.

Als 1989 der Gebirgsschlag unter Völkershausen passierte, mussten die ehemals offizielle Ursache (Laugenverpressung durch die BRD-Kalindustrie) wieder herhalten.

https://www.forum.untertage.com/viewtop ... 99#p101464
Zuletzt geändert von Sirius am 8. November 2017, 07:32, insgesamt 1-mal geändert.
Sirius
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Sirius » 8. November 2017, 07:09

und weiter:

....
Hallo,
der Lehrer, der sich angeblich nur mal in der Sendung zeigen wollte, bin ich.

Ab 1988 hat sich unter meinem Wohnort, gleich neben Völkershausen, öfters die Erde bewegt. Das dies sogar häufiger der Fall war, zeigte der Seismograph, der in unserem Keller installiert war. Mein Vater, bis zum Renteneintritt hat er als Vermessungstechniker in Merkers unter Tage gearbeitet, hat die Rollen mit den Ausschlägen wöchentlich in Merkers abgeliefert. Die entsprechenden Kommentare der dortigen Kollegen, waren ein weiterer Beleg dafür, das ein Ereignis bevorstand.
Den Gebirgsschlag vom 13. März 1989 habe ich in Vacha erlebt. Mein Vater konnte die Auswirkungen über Tage ihn in unserem Garten beobachten. Meine Frau war an diesem Tage sogar in Völkershausen.

Nach dem Gebirgsschlag stellten viele, dazu gehörten auch meine Frau und ich, die Fragen nach den Ursachen. Für die DDR-Machthaber stand der Sündenbock von Anfang an fest: die Verpressung der BRD-Kaliindustrie. Bereits 1975 hatte es einen Gebirgsschlag im Nachbarort Sünna gegeben. Das Politbüro unter Honecker hatte sich damals auf die Ursache "Verpressung" festgelegt (Ich besitze eine Kopie von diesem Beschluss.) Also stand auch für den 2. Gebirgsschlag die Ursache schnell fest. Da viele Bürger, dazu gehörten auch eine Menge Bergleute, mit dieser Begründung nicht einverstanden war, setzte das ein, was ich im Film gesagt habe. Fragesteller wurden beobachtet, diszipliniert und unter Druck gesetzt. Dazu gehörten meine Frau und ich. Uns wurden zwei Jahre Gefängnis angedroht, wenn wir die DDR-Argumente zur Entstehung des Gebirgsschlages nicht akzeptieren sollten.
Nachdem es möglich war, in unsere Stasiunterlagen Einblick zu nehmen, habe ich im Bundesarchiv und beim Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen zahlreiche Dokumente sichten können.
Wir stellten fest, dass von der SED-Kreisleitung, über die SED-Bezirksleitung bis zu Honecker persönlich über uns berichtet wurde.
Der Gebirgsschlag wurde ab 1988 eingeplant, da Kali für die DDR ein so wichtiger Devisenbringer war. Eine Veränderung des Abbaues, verbunden mit einer Reduzierung der Produktion, kam nicht in Frage. Den Gebirgsschlag hatte man viel intensiver eingeplant, als er dann aufgetreten ist.
...
Übrigens war sogar unser Stasispitzel im Fernsehbeitrag - NAME VOM ADMIN GELÖSCHT aus Völkershausen.
....
https://www.forum.untertage.com/viewtop ... 699#p99368
Sirius
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon pentium » 4. August 2019, 18:19

In Freital wird am Sonntag an das Grubenunglück vor 150 Jahren erinnert. Stadt und Bergbau- und Hüttenverein haben eine Gedenkveranstaltung in Kleinnaundorf organisiert. Mit dabei sind ab 11:00 Uhr 100 Bergmusiker, ebenso Innenminister Wöller und Oberbürgermeister Rumberg. Auch auf Schloss Burgk wird ab 13:00 Uhr an das Unglück erinnert. Am 2. August 1869 kam es in den miteinander verbundenen Grubenfeldern des Segen-Gottes- und Neue-Hoffnung-Schachtes zu einer schweren Explosion, bei der 276 Bergleute verunglückten. Es konnten sich lediglich drei Förder- und zwei Zimmerleute retten, die übrigen Bergleute starben.

1879 kamen in Freital 276 Bergleute ums Leben – Ausstellung auf Schloss Burgk

Vor 150 Jahren verloren über 270 Bergleute bei Schlagwetter-Explosionen im „Segen Gottes“- und „Neue Hoffnungs“-Schacht in Freital ihr Leben. Dem katastrophalen Grubenunglück widmet sich eine Ausstellung auf Schloss Burgk.
https://www.dnn.de/Region/Umland/1879-k ... loss-Burgk

...
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Volker Zottmann » 4. August 2019, 19:05

So auch in Helfta bei Eisleben. Ist aber "erst" rund 130 Jahre her. Mein Urgroßvater ist damals mit 24 Jahren auch eingefahren und nie wieder aus dem Berg gekommen. Eine Verpuffung wars, mit etlichen Toten und einigen Vermissten.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon pentium » 22. Februar 2020, 19:07

Der Tag, als 123 sächsische Bergleute starben

Von Hendrik Lasch

Am Rosenmontag 1960 ereignete sich in Zwickau das schwerste Bergwerksunglück in der DDR. 123 Kumpel im Karl-Marx-Werk starben. Jetzt sollen Akten offene Frage klären helfen.


Am 22. Februar 1960 um 8.20 Uhr wurde die Steinkohlengrube des Karl-Marx-Werks am Zwickauer Brückenberg von einer schweren Explosion erschüttert. In den Tiefen des Berges hatte sich eine Mischung aus Methan und Kohlenstaub entzündet – mit katastrophalen Folgen. Von den 178 Bergleuten der 1. Kohleabteilung verloren 123 ihr Leben. In einem 2,5 Kilometer langen Stollenabschnitt war die Hitze so groß, dass die Strecke vier Tage später von der Grubenwehr versiegelt und erst nach einem Jahr wieder geöffnet wurde.


Das Unglück im Zwickauer Revier, in dem seit 630 Jahren Steinkohle gefördert wurde, war das schwerste im Bergbau der DDR. Entsprechend schnell und intensiv wurde nach Ursachen gesucht. Die Regierung setzte eine Expertenkommission ein; das Ministerium für Staatssicherheit stellte Untersuchungen an; SED-Instanzen und Gewerkschaft berichteten. Trotzdem, sagt Dietmar Vettermann, Oberbürgermeister der westsächsischen Stadt, sei »die bittere Wahrheit bis heute nicht hundertprozentig ans Licht gekommen«.


Schon am 19. März 1960 erschien im »Neuen Deutschland« (Faksi) ein erstes Resümee des Ministerrates. In dem Bericht, der stark auf die »ständigen Grubenkontrollen« und »modernste Geräte und Mittel« im DDR-Bergbau abstellt, um Zweifel an den Sicherheitsstandards auszuräumen, wird auf das explosive Gemisch und Gebirgsbewegungen verwiesen. »Die Zündquelle, die die Explosion auslöste«, heißt es, »konnte jedoch bisher nicht ermittelt werden.«


An diesem Kenntnisstand habe sich bis heute nichts geändert, sagt Klaus Hertel, Vorsitzender des Zwickauer Steinkohlenbergbauvereins. Der 1989 gegründete Verein lud gestern zum alljährlichen stillen Gedenken auf den Zwickauer Friedhof. Dort steht seit 1962 ein Stein mit den Namen von 17 Bergleuten, die nicht geborgen oder zweifelsfrei identifiziert werden konnten. 150 ehemalige Bergleute und Familienangehörige kamen. Viele von ihnen, sagt Hertel, würden noch immer von der Frage nach dem Auslöser des Unglücks umgetrieben.


45 Jahre nach der Katastrophe sollen die Nachforschungen jetzt noch einmal intensiviert werden. Auslöser sind Aktenfunde des Journalisten Hans Häber, der bei der Bundesbehörde für die MfS-Unterlagen rund 1300 Seiten an Berichten und Dokumenten entdeckte. Die Stasi habe das Unglück »von der ersten Minute an akribisch und detailliert untersucht«, sagt Häber. Kein Wunder, sagt Silvia Teichert, Leiterin des Zwickauer Stadtarchivs: »Das Unglück erschütterte die Stadt und die Gesellschaft.« Zudem, ergänzt Hertel, habe man »auch Feindeinwirkung nicht ausgeschlossen«.
Die jetzige Suche gleicht einem »Puzzlespiel«, sagt Teichert. Neben den Stasi-Akten gibt es 40 Bände mit Berichten der SED-Kreis- und -Bezirksleitungen und sieben Bände der Bergbehörden, die im Bundesarchiv liegen. Manche sind schwer zugänglich. Ob der abschließende Bericht der Regierungskommission von 1962 noch existiert, ist ebenso offen wie die Frage, ob die Ermittlungen von Regierung und MfS zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Journalist Häber deutet an, die Stasi könne die Experten »beeinflusst« haben. Bergmann Hertel glaubt dagegen, sie habe nach zweijähriger Untersuchung angesichts der Stimmungslage in Zwickau lediglich darauf gedrungen, endlich einen abschließenden Bericht zu veröffentlichen.


Mit gemischten Gefühlen sehen die Bergleute und ihre Angehörigen vor allem Aussagen zur möglichen Schuld einzelner Kumpel entgegen. Der Stasi-Bericht lege »menschliches Versagen« nahe, sagt Häber. Eine Recherche des MDR hatte vor zwei Jahren angedeutet, bei Schießarbeiten sei fahrlässig gehandelt worden. Allerdings waren zwei Schießmeister unter Tage. Die Stadt, die erst in den nächsten Wochen Einsicht in die Unterlagen erhält, mahnt denn auch zu äußerster Vorsicht bei der Bewertung und zum Abgleich aller Quellen. Auch der Bergmannsverein warnt vor verfrühten Schuldzuweisungen: »Das ist noch immer ein sehr sensibles Thema.«


Gleichzeitig sind die Kumpel aber daran interessiert, wilde Spekulationen zu begraben, die von Kabelschäden bis zu Fahrlässigkeit reichen, die dem Faschingsmontag geschuldet waren. Die Formel von der »Verkettung unglücklicher Ursachen« sei nicht befriedigend, sagt Hertel. In den nächsten Monaten werden daher Berge von Akten gewälzt werden. Zum 46. Jahrestag sollen Ergebnisse vorgestellt werden. »Wir möchten wissen«, sagt der Bergmann, »was die Zündquelle war.«
https://www.untertage.com/presseschau/1 ... ieben.html
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Volker Zottmann » 22. Februar 2020, 21:38

Das wird auch in Erinnerung immer traurig bleiben, aber der Bericht ist auch schon 15 Jahre alt.
Das Unglück ist nun 60 Jahre her.
Vor 134 Jahren ist mein Urgroßvater im Mansfelder Revier bei einem Grubenunglück umgekommen, verschollen. Das wird auch noch familiär immer mal vorgeholt.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon zoll » 23. Februar 2020, 14:40

Wie so schön in dem Stasibericht über den Gebirgschlag beschrieben, war mal wieder die BRD daran schuld. So einfach konnte damals die Bevölkerung beruhigt werden. Dumm nur, dass sich nicht alle verarschen ließen. Aber diese "Revoluzzer" hat die Stasi auch noch klein gehalten.
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Interessierter » 1. Februar 2021, 10:44

Geheimsache Uranbergbau
Die Wismut AG - ein "Staat im Staat"


Die ostdeutsche Wismut AG war der drittgrößte Uranproduzent der Welt. Sie ermöglichte den Aufstieg der UdSSR zur nuklearen Supermacht. Um den strategischen Rohstoff Uran zu gewinnen, entstand in der DDR ein "Staat im Staate" - die Sowjetisch-deutsche Wismut Aktiengesellschaft.


Im Jahr 2008 rief die Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Technischen Universität Chemnitz ein internationales Forschungsprojekt zum Uranbergbau in der DDR ins Leben. Ziel war es, den Stellenwert des weitgehend verheimlichten Uranbergbaus in Politik und Wirtschaft des SED-Staates sowie die Sozial- und Alltagsgeschichte der SDAG Wismut zu untersuchen. Die Ergebnisse der dreijährigen Recherche wurden am im Rahmen einer Buchpräsentation der BStU-Chemnitz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Obwohl die SDAG Wismut kein System von Zwangsarbeiterlagern unterhielt und so eine Ausnahme unter den Uranbergbaubetrieben im sowjetischen Machtbereich darstellte, gab es auch innerhalb dieses "Staates im Staat" eine Überwachung der Mitarbeiter. Durch die Organisation der Wismut als eine Art Militärbetrieb setzten sich die Herrschaftsstrukturen aus einem Ineinandergreifen verschiedener Machtapparate zusammen. Die örtliche SED-Leitung und die staatlichen Verwaltungen arbeiteten eng mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zusammen.

Durch den Abwurf der ersten amerikanischen Atombomben fühlte sich die sowjetische Führung unter Druck gesetzt, ebenfalls schnellstmöglich Atomwaffen herzustellen. Doch erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ergab sich für die Sowjetunion die Möglichkeit, auf Metallvorkommen im sächsisch-böhmischen Raum zuzugreifen. Erste Funde von Uran veranlassten das sowjetische Innenministerium, eine breite Suche nach dem begehrten Element zu starten. Nach weiteren, erfolgversprechenden Funden gingen 1947 mehrere Bergbauanlagen im Erzgebirge auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) in sowjetischen Besitz über. Die Generaldirektion dieser "Zweigstelle der Staatlichen Sowjetischen Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie, Wismut" hatte ihren Sitz zunächst in Aue, ab 1949 dann in Chemnitz. Durch die Beteiligung der DDR an der Aktiengesellschaft wandelte sich die Wismut 1954 in eine Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG Wismut).

Die Jagd nach Uran für eine sowjetische Atombombe folgte, soweit dies möglich war, dem westlichen Vorbild USA. So lag die Bewachung der Produktionsanlagen in der UdSSR bei Spezialeinheiten des Ministeriums des Inneren und nicht bei der Armee, wie es bei den Amerikanern der Fall war. Um die Geheimhaltung sicherzustellen, setzte man auf die Arbeitskraft von Soldaten und Sträflingen in den "Atomstädten".

Für die Sicherheit der gesamten Uranindustrie waren in erster und letzter Instanz die Staatssicherheitsdienste der Sowjetunion und der DDR zuständig. Auf deutscher Seite übernahm die Volkspolizei die Aufgaben des Betriebsschutzes. Innerhalb des Unternehmens regelte das MfS die Bereiche Sicherheit, Ordnung und Geheimnisschutz. Dies wurde möglich durch die Einsetzung des deutschen Stellvertreters des Generaldirektors für Kader und Sicherheit, der zugleich ein Offizier des MfS im besonderen Einsatz (OibE) war und in dieser Funktion auf mehrere Einheiten zur Sicherung des reibungslosen Betriebsablaufes zurückgreifen konnte.

Bereits vor der Staatsgründung der DDR 1949 existierten in Sachsen sogenannte "Sonderzonen", in denen sich viele Bergbaubetriebe befanden. Für diese Zonen galten verschärfte Sicherheitskontrollen und erschwerte Zugangsbedingungen. Seit der Mitbeteiligung der DDR an der Wismut AG 1954 oblag die Sicherung dieser Zonen der Deutschen Grenzpolizei, die bis 1957 dem MfS unterstellt war.

Die "Objektverwaltung Wismut" der Bezirksverwaltung">BV Karl-Marx-Stadt war zuständig für die komplexe Sicherung des gesamten Industriezweiges Wismut mit allen ihren Objekten und Betriebsstätten. Zu den Hauptaufgaben zählten die Spionageabwehr, der Geheimnisschutz und die Vorbeugung und Verhinderung von Störungsfällen aller Art. Zur Durchführung nutzte die OV Wismut alle Strukturen und Instrumente des MfS. In dem Zeitraum von 1965 bis 1975 optimierte das MfS die Sicherheitsüberwachung in den Betrieben. Inoffizielle Mitarbeiter (IM) und Operative Vorgänge (OV) sollten das Risiko für Betriebsspionage und Geheimnisverrat minimieren. Im Jahr 1969 wurden beispielsweise mehr als 1200 Inoffizielle Mitarbeiter verzeichnet.

Im 1982 erging der Befehl, die Objektverwaltung Wismut aufzulösen. Mit wesentlich geringerem Personalbestand gliederte man die OV unter dem neuen Namen "Abteilung Wismut" in die Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt ein. Dies ist einer der ganz wenigen Fälle, in denen die Geheimpolizei nicht unentwegt wuchs, sondern Strukturen reduzierte.

Kurz vor ihrer Auflösung 1990 waren 46 hauptamtliche MfS-Mitarbeiter für die "Abteilung Wismut" tätig. Darunter waren 25 operative und 14 operativ-technische Mitarbeiter. Sie waren verantwortlich für etwa 15 000 Beschäftigte aller Betriebssparten. Unter anderem lagen auch gesellschaftliche Organisationen in Karl-Marx-Stadt im Verantwortungsbereich der Abteilung Wismut. Die Sicherheitskräfte der aufgelösten Objektverwaltung Wismut wurden 1982 in die Wacheinheit "Fritz Schmenkel" der Bezirksverwaltung untergeordnet. Dies betraf vor allem Berufssoldaten.

Bis zur Friedlichen Revolution im Herbst 1989 konnte die SDAG Wismut ihren eingeschlagenen Weg der Verharmlosung und Abwiegelung aller Folgen des Uranbergbaues weitestgehend beibehalten. Umweltverseuchungen, Gesundheitsgefährdungen und Zerstörungen von Landschaft und ganzen Siedlungen waren tabuisiert. Wer – wie bspw. der DDR-Umweltaktivist Michael Beleites - diese Gefahren für die Bergleute, ihre Familien und die umliegenden Gemeinden öffentlich machte, wurde von der Staatssicherheit verfolgt. Erst die friedliche Revolution brachte hier eine Änderung.

1990 beschloss die letzte DDR-Volkskammer die Beendigung des Uranbergbaus, doch erst im Mai 1991 schlossen die Sowjetunion und die Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen zur Stilllegung der SDAG Wismut. Die Langzeitfolgen des Uranerzbergbaus und der Gefahren, in die sich unzählige Bergleute tagtäglich begaben, beschäftigt die Menschen in den Montanregionen Sachsens und Thüringens noch bis heute.

https://www.bstu.de/informationen-zur-s ... anbergbau/
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Nostalgiker » 1. Februar 2021, 12:59

Es ist natürlich klar das nur in der DDR der Uranabbau Umweltschädlich war.

USA Bergbaufirmen welche das im zweiten Weltkrieg benötigte Uranerz abbauten, ebenso während der Zeit des Kalten Krieges, hatten damals bereits, wenn es sie denn gegeben hätte, am Werktor das große Schild auf dem geschrieben stand "Hier befindet sich ein Umweltfreundlicher Betrieb welcher sich seiner Verantwortung für Umwelt und Menschenbei beim Abbau von radioaktiven Material wohl bewusst ist."
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

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Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen, die immer bei anderen auf die Rechtschreibfehler hinweisen, eine Persönlichkeitsstörung haben und unzufrieden mit ihrem Leben sind. Netzfund
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Kumpel » 1. Februar 2021, 13:15

Du wirst doch jetzt nicht die DDR mit imperialistischen Staaten wie die USA in denen die Profitgier hemmungslos grassiert auf eine Stufe stellen wollen?
Kumpel
 

Re: Mythos Bergbau

Beitragvon augenzeuge » 1. Februar 2021, 13:58

Kumpel hat geschrieben:Du wirst doch jetzt nicht die DDR mit imperialistischen Staaten wie die USA in denen die Profitgier hemmungslos grassiert auf eine Stufe stellen wollen?


Um Gottes Willen. Da verhebt er sich doch. [angst]
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Re: Mythos Bergbau

Beitragvon Interessierter » 1. Februar 2021, 15:18

Nostalgiker » 1. Feb 2021, 12:59
Es ist natürlich klar das nur in der DDR der Uranabbau Umweltschädlich war.


Du wirst ja sicher zitieren können, wo das geschrieben steht, oder? Ansonsten wäre das wieder einmal nicht mehr als eine Behauptung oder Unterstellung von dir.... [ich auch]
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