Durch die Reformen in der ČSSR im Frühjahr 1968 - den "Prager Frühling" - hofften Menschen in allen sozialistischen Ländern auf demokratische Umgestaltungen auch in ihren Ländern. Sie wünschten sich eine Alternative zum "real existierenden Sozialismus", nämlich "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Der Einmarsch von Truppen der Warschauer Vertragsstaaten im Sommer 1968 begrub diese Hoffnungen. Enttäuschung, Wut und Hilflosigkeit fühlten auch viele DDR-Bürger, die die Reformen als Chance gesehen hatten. Viele von ihnen behielten ihre Meinung nicht für sich und gerieten dadurch in das Blickfeld des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
Zu ihnen gehörte auch Wolfgang Friemann. In den 60er Jahren hatte er vier Jahre lang in der Prager Botschaft der DDR gearbeitet und die gesellschaftliche Entwicklung in der ČSSR miterlebt.

Wolfgang Friemann wurde aus der SED ausgeschlossen, als man merkte, dass er die Partei verlassen will Quelle: BStU
Seine ablehnende Haltung zum Truppeneinmarsch und seine Absicht, aus der SED auszutreten, führten im Dezember zum Ausschluss aus der SED. Er hatte seine Meinung offen im Kreise seiner Kollegen und Parteigenossen vertreten. Im April 1969 wurde er in einen anderen Betrieb versetzt und seine Karriere beendet. Vor seinem Protest hatte er laut Stasi-Einschätzung eine "feste[…] Haltung zur Politik von Partei und Regierung der DDR" und war Sektorenleiter. Nach seinem Protest und trotz verantwortlicher Tätigkeit im Ministerium und im Ausland wurde er ein einfacher Technologe in Rostock.
Unter anderem sollen nicht unerwähnt bleiben:
Dem älteren Sohn, der 1988 auf Umwegen die einstige DDR in Richtung Göteborg/S. verließ, versagte die Stasi nach vierjähriger wissenschaftlicher Arbeit als Physiker die Promotion. Dafür entschuldigte sich 1993 der damalige Rektor der Universität Leipzig.
Nicht ausgeschlossen werden dürfen Handlungen von Pastoren, die mich trotz meiner Mitwirkung in Vorbereitung des Rostocker Kirchentages 1988 und dessen Durchführung bei der Stasi denunzierten. Zur Mitwirkung am Kirchentag wurde ich gebeten. Bis heute kein Wort der Entschuldigung.
Wolfgang Friemann
Rostock, im Juli 2001
Hier die Einschätzung des MfS:



http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Akten ... nn=2450076
Wer eben nicht mit den Wölfen ( Genossen ) heulte, der riskierte als Andersdenkender nicht nur seine, sondern auch die Existenz des Sohnes.








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