Post- und Telefonüberwachung

Alles zum Thema Geheimdienste und Sicherheit in der DDR und in der BRD

Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon tom-jericho » 21. September 2014, 05:49

Warum landete denn mein letzter Beitrag zur Bildbeschreibung schon wieder in der Mülltonne?

Ja, die Wahrheit kann manchmal grausam sein zu euch, oder?

Ihr habt doch auch alle einen Sockenschuß weg.
tom-jericho
 

Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon augenzeuge » 21. September 2014, 08:16

tom-jericho hat geschrieben:Warum landete denn mein letzter Beitrag zur Bildbeschreibung schon wieder in der Mülltonne?

Ja, die Wahrheit kann manchmal grausam sein zu euch, oder?

Ihr habt doch auch alle einen Sockenschuß weg.


Lies dir den Beitrag nochmal durch, Tom. Das Team hat absolut korrekt gehandelt, wie ich das sehe....
AZ
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Janko » 22. September 2014, 13:02

....."Telefonanschluss in der DDR wie ein Sechser im Lotto"....und die paar wurden dann auch noch "abgehört"....???
....dazu brauchte man ganze Abteilungen.....? ....ist ja lächerlich
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Interessierter » 22. September 2014, 14:47

Janko hat geschrieben:....."Telefonanschluss in der DDR wie ein Sechser im Lotto"....und die paar wurden dann auch noch "abgehört"....???
....dazu brauchte man ganze Abteilungen.....? ....ist ja lächerlich



Selbst 1989 besaßen nur elf von 100 DDR-Bürgern ein Telefon. Jahrelang musste man nach der Bestellung darauf warten - zehn bis 25 Jahre. Als die DDR 1990 aufhört zu existieren, gibt es noch 1,6 Millionen unbearbeitete Anträge...

Das ist nicht lächerlich, dass ist einfach traurig, wie unfähig sich auch hier das sozialistische System erwies.

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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon augenzeuge » 22. September 2014, 16:19

Janko hat geschrieben:....."Telefonanschluss in der DDR wie ein Sechser im Lotto"....und die paar wurden dann auch noch "abgehört"....???
....dazu brauchte man ganze Abteilungen.....? ....ist ja lächerlich


Janko, du hast es als Fachmann erkannt. Lächerlich war es! Aber man tat es. Allerdings war es ein Witz im verhältnis der anderen Überwachungsportale....Du weißt ganz sicher auch, wen oder wieviele man abhörte und welche Abtg. dafür zuständig war, nicht wahr? [wink]

Abteilung 16 überwachte z.B. die Telefonzellen Ostberlins. Abteilung 26 überwachte 100% aller Telefonanschlüsse der DDR (eig. MfS-Angaben). Von der Abtlg. gibts einige Säcke mit Schnipseln.... [grin]

Hast du schon mal was von »Kormoran«, »Lupine«, »Urian«, »Horizont«, »Kondor«, »Blitz«, »Radar«, »Rubin«, »Topas« und »Saphir 2 gehört? Ja, die überwachten etwas anderes..... [flash]

Übrigens, das MfS überwachte den Autotelefonverkehr (Funknetze B und C) von halb Bayern aus der CSSR. Rubin und Topas waren hier die Standorte (/IM's)....

Wer nun denkt, tief im Westen war man sicher, weit gefehlt. Über Abhörstationen (Steuerung 1- 1c), die sich in der StäV der DDR, DDR-Botschaften in Westeuropa, Botschaften der UdSSR etc. befanden, wurden die Funknetze B und C vom gesamten Rheinland abgehört. Die ggf. erforderliche Sprachentschlüsselung besorgte sich das MfS aus der BRD....dafür zahlte man gern Devisen.

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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Janko » 22. September 2014, 22:33

@az....mal vorweg...mein Wissen ist da sehr begrenzt...aber mal zu deiner Aussage...das die 26 100% der DDR-Telefonanschlüsse überwachte, wie soll man das verstehen, tag-täglich...?....wo steht da was dazu ?...und immer wieder das "abhören" aus den Botschaften, da muß man sich fragen wo der Ami das her hat...?
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon andr.k » 22. September 2014, 22:51

@Janko, hast Du diese beiden Lektüren schon einmal gelesen?

1. http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publi ... cationFile

und

2. http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publi ... cationFile

AK

Nachtrag:

Suche bitte mal nach den Orten RUBIN, TOPAS und SAPHIR 2 in diesen Dokumenten.

Rubin und Co.JPG
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon augenzeuge » 23. September 2014, 07:28

Janko, lies mal das Handbuch (Link von Andreas). Fürs erste sollte das einige Unklarheiten beseitigen.

Das MfS mit Männchen war wirklich in der Überwachung weltklasse. [wink]
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon karnak » 23. September 2014, 09:13

augenzeuge hat geschrieben:

Abteilung 16 überwachte z.B. die Telefonzellen Ostberlins. Abteilung 26 überwachte 100% aller Telefonanschlüsse der DDR (eig. MfS-Angaben). Von der Abtlg. gibts einige Säcke mit Schnipseln.... [grin]




Jetzt müsste man mal eine Zahl haben wie viele Telefonzellen es in Berlin gab und wie viel Telefonanschlüsse in der DDR und dann natürlich was man unter 100% Überwachung dieser ganzen Anschlüsse eigentlich verstehen soll. Keine Ahnung ob die Abteilung über eine Fangwortschaltung verfügte oder ob da Leute mit Kopfhörer saßen. Wenn das Letzte zutrifft, was ich ganz schwer vermute, muss es sich um eine gewaltige Abteilung gehandelt haben, denn auch in der DDR wird es wohl ein paar mehr als 1000 Anschlüsse gegeben haben.
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Volker Zottmann » 23. September 2014, 09:24

Mein Freund war Telekom-iker und sagt, dass nie alle Leitungen gleichzeitig abgehört wurden. Technisch unmöglich.
In Harzgerode war im Postgebäude eine Telefon-Schaltstelle. Da kamen normalerweise nur Befugte mit Ausweis rein. Dort wurden die Leitungen zum Teil noch gestöpselt. Dort wurden seinerseits öfter auch Leute mit einem ganz anderen Ausweis angetroffen, der normal nie berechtigt hätte einzutreten.
Er machte dann jeweils Meldung, aber ohne jede sonst üblichen Konsequenzen. Der Stasi-Klappfix war eben eine Universal-Dauereintrittskarte.

Gruß Volker
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Merkur » 23. September 2014, 09:30

1986 gab es in der Hauptstadt der DDR insgesamt 4760 öffentliche Münzfernsprecher.
Quelle: Kroll, Die Kriminalpolizei im Ostteil Berlins 1945-1990
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon karnak » 23. September 2014, 09:41

Volker Zottmann hat geschrieben:Mein Freund war Telekom-iker und sagt, dass nie alle Leitungen gleichzeitig abgehört wurden. Technisch unmöglich.
In Harzgerode war im Postgebäude eine Telefon-Schaltstelle. Da kamen normalerweise nur Befugte mit Ausweis rein. Dort wurden die Leitungen zum Teil noch gestöpselt. Dort wurden seinerseits öfter auch Leute mit einem ganz anderen Ausweis angetroffen, der normal nie berechtigt hätte einzutreten.
Er machte dann jeweils Meldung, aber ohne jede sonst üblichen Konsequenzen. Der Stasi-Klappfix war eben eine Universal-Dauereintrittskarte.

Gruß Volker

Meine Schwiegermutter war 30 Jahre lang solch eine "Stöpseldame". In diesen Räumen wurden nur Telefonate vermittelt, da wurde nicht abgehört. Das muss dann schon an anderer Stelle stattgefunden haben. Ich vermute mal ganz stark man hat im Inland die abgehört von denen man meinte das es notwendig ist, zu mehr war man technisch gar nicht in der Lage. Bei den Gesprächen die in den Westen gingen wird es sicher etwas anders gewesen sein, da war die Realisierung ja auch wesentlich einfacher, ein Großteil dieser Gespräche musste angemeldet werden.
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Volker Zottmann » 23. September 2014, 10:42

Das meine ich auch Kristian. Das ganze Obergeschoss war Telekom. Also Stöpselraum und daneben mehrere Schnittstellenräume. Frag aber nicht genauer. Mein Arterner Freund kam damals bis ins 52 km entfernte Harzgerode als Entstörer. Der traf "Deine" Kollegen fast regelmäßig hier, aber auch in Artern, Sondershausen und was weiß ich wo noch.

Gruß Volker
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon augenzeuge » 23. September 2014, 16:53

Ich weiß von einem Verwandten, der war Betriebsleiter und musste so Mitte der 70er Jahre aus dringenden familiären Angelegenheiten seinen Bruder in der BRD anrufen. Er ging Sonnabend in den Betrieb und telefonierte für ca. 3-5min.

Am folgenden Montag hatte er sich allen "Verantwortlichen" zu stellen. Das MfS war tätig geworden.....es wurde den halben Tag über sein Fehlverhalten diskutiert.....und ihm der "Kopf gewaschen". Für ihn war es ein Drama....
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Interessierter » 26. September 2014, 09:49

Debatte über "Fasse Dich kurz"

Eine Diskussion über Telefon-Abhörprotokolle der Stasi


Die Staatssicherheit schnitt in der Spätphase der DDR zahlreiche Telefongespräche von Oppositionellen mit. Wie nutzte die Stasi Informationen aus den abgehörten Gesprächen? Und wie gingen die Belauschten mit dem Wissen um die Verletzung Ihrer Privatsphäre um? Am Abend des 22. September 2014 diskutierten dies Experten und Betroffene bei einer Buchvorstellung des BStU in der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Bild
Diskussion bei der Buchvorstellung in der Gedenkstätte Berliner Mauer mit Opfern von Stasi-Abhöraktionen: Die Grünenpolitikerin Birgit Voigt (l.), der Bundesbeauftragte Roland Jahn, Moderatorin Jacqueline Boysen, der Bürgerrechtler Gerd Poppe und Pfarrer Rainer Eppelmann. Quelle: BStU / Griebe

Rund 16 Prozent der DDR-Bürger besaßen ein Telefon - und fast alle hatten Angst, ihre Gespräche werden abgehört. Dabei konnte die Stasi zeitgleich nur 4.000 Apparate überwachen, vor allem im urbanen Bereich, aber nicht flächendeckend. Doch die Angst, jederzeit abgehört werden zu können, war die eigentliche Macht der Stasi. Es sei ein "Mythos" gewesen, dass die DDR-Geheimpolizei "alle und alles überwachen kann". Das berichteten die Buchherausgeber Arno Polzin und Ilko-Sascha Kowalczuk zum Auftakt der Buchvorstellung ihrer mehr als 1000 Seiten umfassenden Dokumentation. Sie enthält 151 ausgewählte Abhörprotokolle aus der grenzüberschreitenden Telefonüberwachung des MfS. Zuständig für solche Mitschnitte war die Stasi-Hauptabteilung III, innerhalb der DDR agierte die für das Abhören zuständige technische Abteilung 26.

Weiter hier:
http://www.bstu.bund.de/DE/Bundesbeauft ... ssion.html

Wer die Diskussion als 2stündigen Audiobeitrag hören möchte, der kann das am Ende des Links machen.

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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon karnak » 26. September 2014, 14:43

Der Otto-Normal DDR-Bürger hatte keine Angst am Telefon abgehört zu werden, dass ist eine der Legenden die die grundsätzliche Stimmungslage in diesem Land die von Angst und Einschüchterung geprägt gewesen sein soll untermauern soll. Der Otto-Normal-DDR-Bürger konnte sich gar nicht vorstellen, dass er für ein Abhören interessant sein könnte, dass mag ein Trugschluss gewesen sein. Bei den Eppelmännern war das natürlich anders, sie wussten, dass sie sich mit dem Regime auf einem Gebiet anlegten wo es keinen Spaß verstand. Sprich, die Leute auf dieser Bühne reden über sich, nicht über das DDR-Volk.
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Volker Zottmann » 26. September 2014, 14:49

karnak hat geschrieben:Der Otto-Normal DDR-Bürger hatte keine Angst am Telefon abgehört zu werden, dass ist eine der Legenden die die grundsätzliche Stimmungslage in diesem Land die von Angst und Einschüchterung geprägt gewesen sein soll untermauern soll. Der Otto-Normal-DDR-Bürger konnte sich gar nicht vorstellen, dass er für ein Abhören interessant sein könnte, dass mag ein Trugschluss gewesen sein. Bei den Eppelmännern war das natürlich anders, sie wussten, dass sie sich mit dem Regime auf einem Gebiet anlegten wo es keinen Spaß verstand. Sprich, die Leute auf dieser Bühne reden über sich, nicht über das DDR-Volk.



Oh Oh, Kristian, Einsruch!
Angst hatte auch ich nie, wohl aber immer überlegt, was ich am Telefon sage. Bei Plastopack Harzgerode war es bekannt, dass die Abhörerei schon in der Zentrale begann. Es wurde fast immer mitgehört. Mehr Aussagen möchte ich in diesem Forum nicht tätigen, denn ich bin öffentlich hier und Harzgerode war eine Stasihochburg. (... Die Täter sind unter uns...)

Gruß Volker
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon karnak » 26. September 2014, 15:14

Na gut, ich will zugeben, dass da meine Wahrnehmung vielleicht eingeschränkt war. [grin] Wobei die Wörter Angst und Überlegt in verschiedene Kategorien gehören und um diese geht es mir Vordergründig, um den Eindruck der mit dem Wort Angst erweckt wird.
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon andr.k » 25. Februar 2015, 20:17

Stasi-Telefon wiederentdeckt

Berlin. Bei einer Razzia hat die Polizei zufällig das vor Jahren gestohlene Diensttelefon von Ex-Stasi-Minister Erich Mielke wiedergefunden. Entdeckt wurden das Telefon und zahlreiche weitere Ausstellungsstücke aus dem Stasi-Museum der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße in einer Berliner Wohnung, wie die Polizei mitteilte. Die Exponate, darunter auch Spezialkameras und versteckte Mikrofone aus Stasi-Beständen, waren vor sieben Jahren bei Einbrüchen in das Museum entwendet worden. Aus dem Arbeitszimmer Mielkes nahmen die Diebe ein „weißes Telefon mit Wählscheibe“ mit.

Quelle: dpa

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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon blockhom » 25. Februar 2015, 20:24

andr.k hat geschrieben:Stasi-Telefon wiederentdeckt

Berlin. Bei einer Razzia hat die Polizei zufällig das vor Jahren gestohlene Diensttelefon von Ex-Stasi-Minister Erich Mielke wiedergefunden. Entdeckt wurden das Telefon und zahlreiche weitere Ausstellungsstücke aus dem Stasi-Museum der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße in einer Berliner Wohnung, wie die Polizei mitteilte. Die Exponate, darunter auch Spezialkameras und versteckte Mikrofone aus Stasi-Beständen, waren vor sieben Jahren bei Einbrüchen in das Museum entwendet worden. Aus dem Arbeitszimmer Mielkes nahmen die Diebe ein „weißes Telefon mit Wählscheibe“ mit.

Quelle: dpa

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So lange es nicht das Rote Telefon war [laugh]
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon steffen52 » 25. Februar 2015, 20:30

blockhom hat geschrieben:
andr.k hat geschrieben:Stasi-Telefon wiederentdeckt

Berlin. Bei einer Razzia hat die Polizei zufällig das vor Jahren gestohlene Diensttelefon von Ex-Stasi-Minister Erich Mielke wiedergefunden. Entdeckt wurden das Telefon und zahlreiche weitere Ausstellungsstücke aus dem Stasi-Museum der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße in einer Berliner Wohnung, wie die Polizei mitteilte. Die Exponate, darunter auch Spezialkameras und versteckte Mikrofone aus Stasi-Beständen, waren vor sieben Jahren bei Einbrüchen in das Museum entwendet worden. Aus dem Arbeitszimmer Mielkes nahmen die Diebe ein „weißes Telefon mit Wählscheibe“ mit.

Quelle: dpa

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So lange es nicht das Rote Telefon war [laugh]

Denkst Du Manne, beim roten Telefon hätte sich noch jemand gemeldet? [grins]
Grüsse Steffen52
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon augenzeuge » 25. Februar 2015, 22:12

steffen52 hat geschrieben:Denkst Du Manne, beim roten Telefon hätte sich noch jemand gemeldet? [grins]
Grüsse Steffen52


Ja, Tom, mit der Frage:Nach Hause telefonieren? [flash]
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon tom-jericho » 27. Februar 2015, 15:38

andr.k hat geschrieben:Stasi-Telefon wiederentdeckt

Berlin. Bei einer Razzia hat die Polizei zufällig das vor Jahren gestohlene Diensttelefon von Ex-Stasi-Minister Erich Mielke wiedergefunden. Entdeckt wurden das Telefon und zahlreiche weitere Ausstellungsstücke aus dem Stasi-Museum der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße in einer Berliner Wohnung, wie die Polizei mitteilte. Die Exponate, darunter auch Spezialkameras und versteckte Mikrofone aus Stasi-Beständen, waren vor sieben Jahren bei Einbrüchen in das Museum entwendet worden. Aus dem Arbeitszimmer Mielkes nahmen die Diebe ein „weißes Telefon mit Wählscheibe“ mit.

Quelle: dpa

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Ich möchte bezweifeln, das es DAS TELEFON war.
Hat jemand die genaue Bezeichnung des Telefones?

Möchte jemand ein ROTES TELEFON?
tom-jericho
 

Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon tom-jericho » 27. Februar 2015, 15:41

augenzeuge hat geschrieben:
steffen52 hat geschrieben:Denkst Du Manne, beim roten Telefon hätte sich noch jemand gemeldet? [grins]
Grüsse Steffen52


Ja, Tom, mit der Frage:Nach Hause telefonieren? [flash]
AZ



Lach nicht so daemlich, ich muszte es schlieszlich studieren!!! [mad] [flash]
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Interessierter » 5. November 2015, 13:16

Zum Beitrag vom 26. September 2014, 09:49 auch noch dieses:

So perfide erpresste das MfS Oppositionelle

"Grüße an die Genossen!" - so locker reagierten manche Oppositionelle auf die Telefonüberwachung der Stasi. Und in der Tat wurden vor allem DDR-Oppositionelle Opfer der Stasi-Zweithörer. Allerdings in etwas geringerem Ausmaß als allgemein angenommen. "Die Stasi konnte nur 4000 Leitungen gleichzeitig abhören", so Ilko-Sascha Kowalczuk von der Stasi-Unterlagenbehörde.

Bei immerhin einer Million Telefonen in der DDR eher eine geringe Zahl. Berlin war dabei jedoch mehr betroffen als andere Orte in der DDR. "In der Hauptstadt hatte jeder zweite ein Telefon, im Rest der DDR war es nur jeder Sechste", so der Historiker.
Kowalczuk hat diese Woche ein neues Buch vorgestellt. "Fass Dich kurz" beschreibt, wie die Stasi die Telefonüberwachung gegen die DDR-Opposition einsetzte. Die Berufs-Spanner aus der Normannenstraße nutzten die privaten Details, um die Oppositionellen unter Druck zu setzen, vor Gericht in Schauprozessen aburteilen zu lassen oder einfach, um die Leute zu diskreditieren und mürbe zu machen.

"Das wohl extremste Beispiel ist das einer Frau, die sehr ordnungsliebend war", so Kowalczuk. Die Stasi hatte ein Psychogramm unter anderem aus ihren Telefongesprächen erstellt. "Die Stasi-Mitarbeiter sind dann jeden Tag, nachdem die Frau auf Arbeit gegangen war, in die Wohnung. Dort haben sie dann die Handtücher vertauscht oder die Eierbecher verstellt", berichtet der Historiker. Die Frau bekam schwere psychische Schäden, fühlte sich verfolgt.

In einem anderen Fall nutzte die Stasi das Wissen aus den Telefongesprächen und trieb einen Keil in eine Familie. "Die Eltern waren Oppositionelle und es störte sie, dass die Tochter gute Noten in Staatsbürgerkunde bekam. Also nutzten sie den Lehrer in der Schule, der IM war, und ließen die Tochter nur Einsen in Stabi bekommen", berichtet Kowalczuk. "Die konnte sagen, was sie wollte. Die Eltern dachten, die eigene Tochter redete den Genossen nach dem Mund. Darüber gab es heftigen Streit in der Familie."

Letztlich sei die Stasi aber mitunter auch auf die Opposition hereingefallen. "Die wussten, dass sie abgehört wurden und haben dann bestimmte Dinge auch ganz bewusst gesagt. Die wichtigen Details haben sie oft ausgespart."

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stad ... 94110.html
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Re: Post- und Telefonüberwachung

Beitragvon Interessierter » 6. November 2015, 11:21

Die Stasi hört mit

Der Radiosender "SWR2" hat am Montagmorgen in einer Wissenssendung erstmals Stasi-Abhörbänder im Radio gesendet. Die Abhörmethoden der DDR betrafen damals auch kirchliche Amtsträger. Betroffen war auch der Pfarrer Rainer Eppelmann aus Berlin, der von seinen Erfahrungen gegenüber pro berichtet.

Das DDR-Radio läuft im Hintergrund. Ein Klopfen auf eine metallische

Oberfläche ist zu hören: "Eins, zwei drei … Test." Zwei Mitarbeiter der

Staatssicherheit bringen eine Wanze in einer Wohnung an - und werden

dabei selbst überwacht. Die Staatssicherheit in der DDR hat nicht nur

Akten gesammelt, sondern auch Gespräche aufgezeichnet, mit und ohne

Wissen der Betroffenen. Insgesamt gab es 170.000 solcher Abhörbänder.

Nach der friedlichen Revolution blieben jedoch nur 28.000 übrig. Diese

Abhörbänder werden seit Jahren im Bundesarchiv für Stasi-Unterlagen in

Berlin aufgearbeitet und digitalisiert.

Wanzen im Seelsorgezimmer

Zu Zeiten der DDR wurden auch kirchliche Amtsträger mit Wanzen abgehört. So wie der Pfarrer Rainer Eppelmann aus Berlin. Er arbeitete von 1974 bis 1989 zunächst als Hilfsprediger, dann als Pfarrer in der Berliner evangelischen Samariterkirchengemeinde im Ostberliner Bezirk Friedrichshain und war dort gleichzeitig Kreis-Jugendpfarrer. 1982 trat er gemeinsam mit dem DDR-Kritiker Robert Havemann im "Berliner Appell" für eine unabhängige gesamtdeutsche Friedensbewegung ein. Das machte Eppelmann nach eigenen Aussagen zum Staatsfeind Nummer eins der DDR. Die Staatssicherheit plante daher auch die Ermordung Eppelmanns.

"Ich bin vermutlich jahrelang abgehört worden", sagt Eppelmann heute gegenüber pro. "Ich hatte Wanzen in meiner Privat- und Pfarramtswohnung entdeckt." Die Wanzen wurden systematisch in Eppelmanns Diensträumen mit zwei Seelsorgezimmern und seiner Privatwohnung angebracht. Als er die Wanzen entdeckte, war nicht nur er beunruhigt: "Innerhalb der Pfarrerschaft hat die Entdeckung eine große Aufmerksamkeit, Befürchtungen und Sorge hervorgerufen. Keiner hätte es für möglich gehalten, dass die Staatssicherheit so weit gehen und das geltende Recht mit Füßen treten würde", erzählt Eppelmann.

Weiter hier:
http://www.pro-medienmagazin.de/index.p ... &tx_ttnews[tt_news]=82967
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon augenzeuge » 28. Februar 2026, 19:17

Aus "Stasi in Thüringen" - Die Abteilung M in Thüringen

Teil1


Mitte September 1989 analysierten die Postkontrolleure der Erfurter Stasi die »aktuellen Reaktionen der Bevölkerung des Verantwortungsbereiches«. [shocked]

Es gehe darum, »kritische, zum Negativ-Feindlichen tendierende Positionen« zur politischen Entwicklung in der DDR festzustellen. Dabei gerieten mehrere Bürgerinnen und Bürger ins Visier der Stasi. In heimlich geöffneten Briefen einer Ärztin hieß es, »dass die DDR in einer tiefen Krise steckt, die in einer schlimmen Diktatur enden wird. […] Ihre Prinzipien geben unsere Bonzen nie auf. [...] Dabei würden sie viele Sorgen los sein, wenn sie uns Freiheit, d. h. Reise-, Presse- und Meinungsfreiheit sowie Chancengleichheit geben.«
Eine Schreiberin aus Erfurt schämte sich in ihrem Brief für den Satz von Erich Honecker »Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf«.

Mit kaum einer Überwachungsmaßnahme kam die Stasi den Gedanken der Menschen so nah wie mit der Postkontrolle. Da nur wenige DDR-Bürger über einen privaten Telefonanschluss verfügten und Telefonate in den Westen zudem zeitlich limitiert waren, bildeten Briefe, Karten und Pakete wichtige Kommunikationsmittel. Für die Kontrolle der Postsendungen war die Abteilung M (i S. 142) der Stasi zuständig, die es in der Berliner Zentrale und in jeder MfS-Bezirksverwaltung gab, nicht jedoch in den Kreisdienststellen (KD). Die KD und andere MfS-Diensteinheiten konnten jedoch der »M« den Auftrag erteilen, die Post eines Bürgers zu kontrollieren.

Zwar ahnten die Menschen, dass die Stasi in den Postverkehr eingriff, doch glaubten viele, sie könnten die Kontrollen umgehen: Sie gaben falsche Absender an, nutzten Adressen von Angehörigen, legten Blaupapier oder Alufolie gegen das Durchleuchten in die Briefe, verklebten die Kuverts mit Klebestreifen oder Siegellack oder warfen die Briefe in wohnortferne Briefkästen ein. Andere nummerierten ihre Briefe, um so ein »Verschwinden« von Postsendungen nachvollziehen zu können. Genau jene markierten und damit auffälligen Briefe waren es allerdings, die die Aufmerksamkeit der Stasi auf sich zogen und in die Merkmalsfahndung gerieten. Einen Teil dieser Briefe behielt die Stasi ein, andere kopierte sie, verschloss sie wieder und leitete sie im normalen Postverkehr weiter.

Täglich gingen Tausende Postsendungen durch die Hände der Kontrolleure, die direkt in den Hauptpostämtern, Briefverteilzentren, Bahnpostämtern und Postzollämtern tätig waren. Die abgeschotteten Räume des MfS waren in den Gebäuden der Deutschen Post als »(Dienst)Stelle 12«, beim Zoll als »Postzollfahndung« gekennzeichnet. Um sich mit falschen amtlichen Identitäten ausweisen zu können, wurden auf konspirativem Weg Ausweise der Deutschen Post und der Zollverwaltung für die Mitarbeiter der Abteilung M beschafft. Allein im Bezirk Gera war das gesamte Postaufkommen im Jahr 1983 auf mehr als 10 Millionen Sendungen angestiegen – ohne den DDR-internen Paket- und Päckchenverkehr. Die 117 hauptamtlichen »Tschekisten« der Postkontrolle, davon 30 Frauen, unter Leitung von Oberstleutnant Horst Scholz (Jg. 1930) waren rund um die Uhr im Einsatz. Die Postsendungen sollten so kurz wie möglich aus dem regulären Postverkehr herausgenommen und »taggleich« kontrolliert werden.

Die Geraer Postkontrolleure hatten jährliche Mengenvorgaben für die »operative Auswertung« zu erfüllen: Für das Referat M/1 waren dies 600 000 Sendungen. Davon waren ca. 25 Prozent der ausgewerteten Sendungen der Absenderüberprüfung auf Existenz und Schriftidentität zu übergeben. Ein anderer Kontrollbereich hatte 400 000 Sendungen aufgabenteilig zu untersuchen (1989). »Das Referat 3 wird […] auf ein Jahressoll von ca. 3 Millionen zu bearbeitende Sendungen orientiert.« Insgesamt waren fast 350 Postkontrolleure an den BV-Standorten Erfurt, Gera und Suhl sowie den jeweiligen Außenstellen mit dem Auswerten der Briefe und Pakete befasst.

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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon augenzeuge » 28. Februar 2026, 19:22

Teil2

Das MfS bearbeitete die Postsendungen mit unterschiedlicher Intensität. Besonderes Augenmerk galt Telegrammen, Briefen und Paketen im Auslandsverkehr. Ab den 1970er-Jahren wurde auch der Postverkehr innerhalb der DDR systematisch kontrolliert. Die ausgewählten Postsendungen wurden in die Bezirksverwaltung gebracht und ausgewertet.

Das Spektrum der Bearbeitung reichte von der bloßen äußeren Überprüfung über die inhaltliche Analyse, die Adress- und Absenderüberprüfung bis zur Speichelanalyse an Kuverts und Briefmarken. Bei vielen Briefen führte die Stasi einen Schriftenvergleich durch »mit der Zielstellung, unterschiedliche Absender gleicher Schrifturheberschaft« festzustellen. Zudem suchten die Mitarbeiter der Abteilung M nach Geheimschriften und mikroskopisch verkleinerten Nachrichten. Briefe mit »feindlich-negativen« Briefmarken, etwa mit Motiven der Menschenrechtsorganisation »Amnesty International« oder des Reichstagsgebäudes in West-Berlin, wurden von der Weiterbeförderung ausgeschlossen.

Die »Vereinigung der 40er-Genossen« aus Suhl richtete 1986 einen Brief an das Zentralkomitee der SED in Berlin. Offensiv forderte sie endlich eine Würdigung ihrer Leistungen: »Wäre es nach 40-jähriger Mitgliedschaft nicht angebracht, diesen Genossen eine Anerkennung ihrer Verdienste zu gewähren?« Die Vereinigung wie auch der Absender auf dem Umschlag, die »SED-Bezirksleitung Suhl Veteranenkom[itee]«, waren im ZK unbekannt.

Der Brief wurde an die SED-Bezirksverwaltung »zur Kenntnisnahme und eventuellen weiteren Bearbeitung« und von dort an das MfS in Suhl gesandt. MfS-Generalmajor Gerhard Lange möge bitte den Schreiber feststellen. Daraufhin wurde die Maschinenschrift mit den Schriftenspeichern in Erfurt, Gera und Suhl abgeglichen, allerdings ohne greifbares Ergebnis. Die Analyse des Speichels von Klebeflächen brachte zutage, dass der Schreiber männlich war und die Blutgruppe 0 hatte. Weiterhin wurde der Schreibmaschinentyp ermittelt. Zuletzt wurden alte Genossen aus Ilmenau, wo der fragliche Brief abgestempelt worden war, mit einer 40-jährigen SED-Mitgliedschaft ins Visier genommen. Die Recherche ergab acht Personen der Jahrgänge 1913 bis 1931. Am Ende kam aus dieser Gruppe keiner als Schreiber infrage – der anonyme Absender konnte trotz großem Aufwand nicht ermittelt werden. [flash]

Die Mitarbeiter der Abteilung M entnahmen den Postsendungen systematisch Bargeld und Wertsachen. Von 1984 bis 1989 wurden so in der DDR 33 Millionen DM aus Briefen entwendet. Weitere 10 Millionen DDR Mark nahm das MfS durch den Verkauf einbehaltener Paketinhalte ein. In einem Vermerk des MfS heißt es unverblümt: »Mit der Einbehaltung von Geldbriefsendungen und fehlgeleiteter Kleingutsendungen wird ein Beitrag der Abteilung M zur Stärkung der DDR geleistet. […] Die Einbehaltung von fehlgeleiteten Paketsendungen und Briefsendungen mit Zahlungs-mitteln muss streng geheim bleiben.«
Wegen des Risikos, dass sich eigene Mitarbeiter an den Brief- oder Paketinhalten bedienen könnten, war die Entnahme streng reglementiert. So trugen die Mitarbeiter Kittel ohne Taschen und waren nie allein im Raum.

Aus Sonneberg ging 1983 Post an die »liebe Tante Rosa« in die USA. Die Absender waren verärgert, weil ein Brief mit Geld aus den USA sie nicht erreicht hatte. Die Sonneberger schildern, wie sie sich bei der DDR-Post beschwert und welche unbefriedigenden Antworten sie erhalten hatten. Ein Ersatz für das verschwundene Geld sei nicht möglich, habe es von dort geheißen. Die Briefeschreiber stellten noch weitere Überlegungen an. Der DDR-Zoll könne für die Unterschlagung nicht verantwortlich sein, denn ein Zollstempel habe auf dem Brief gefehlt. Es bliebe nur ein Dieb, möglicherweise die örtliche Postbotin. Um weiteren Diebstahl auszuschließen, teilten die Absender Tante Rosa eine andere Adresse mit: Oberer Graben in Sonneberg. »Das ist unser bester Freund, er weiß Bescheid und so werden wir den Brief von ihm ungeöffnet erhalten.« Die neue Adresse findet sich umgehend in den Fahndungsunterlagen der Postkontrolle, denn der Brief war direkt nach dem Einwurf »ausgewertet« worden.

Ein anderer Fall wurde zum Jahresende 1986 in der Bezirksverwaltung Erfurt bekannt: Kontrolleure hatten über einen Zeitraum von fünf Jahren Geld, Briefmarken und Konsumgüter gestohlen – nicht für den Staatshaushalt der DDR, sondern für das eigene Portemonnaie. Die internen Kontrollen des MfS hatten versagt. Die Stasi-Mitarbeiter versteckten das Geld in der Unterhose oder in den Strümpfen, »wogegen andere Genossen Sachen aus Paketen mit dem ganzen Packpapier mit Aufschrift mit nach Hause nahmen«.

Mit dem Diebesgut fand unter den »Tschekisten« ein regelrechter Tauschhandel statt. So wurden gewissermaßen auf Bestellung der Kollegen – Mundharmonikas, Schallplatten, Uhren, Schmuck, Spielsachen, Kinderhosen oder Taschenrechner den Westpaketen entnommen und getauscht.
»Es wurden auch Sachen verbrannt, wie Packpapier von Paketen mit Anschriften, wenn der ganze Inhalt mitgenommen wurde […]. Dieses wurde vor den Toiletten gemacht, auf dem Kehrblech oder auf dem Steinfußboden. Die Asche wurde danach durch die Toilette weggespült.«

Ein Tatverdächtiger gab an, dass er von 1981 bis 1986 »zwischen 25 und 30 Tausend DM« für sich selbst abgezweigt hatte. Darüber hinaus hatte er Hunderte Postsendungen vernichtet sowie aus knapp 3 000 Sendungen Sammler-Briefmarken entnommen. Insgesamt 13 Mitarbeiter der BV Erfurt räumten ein, »unter Missbrauch ihrer Aufgabenstellung in unterschiedlicher Intensität strafbare Handlungen« begangen zu haben. Fünf Mitarbeiter wurden aus dem MfS-Dienst entlassen, drei degradiert und versetzt; fünf weitere erhielten Verwarnungen bzw. strenge Verweise. Gegen den Haupttäter wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Anfang 1989 legte die Stasi fest, wie sich ihre Abteilung Postüberwachung in Spannungsperioden bzw. im Verteidigungszustand verhalten sollte. Sie bereitete sich damit auf einen hypothetischen Fall vor, der dann im Herbst 1989 tatsächlich eintrat. Die Kontrolleure vernichteten umfassend konspirative Technik und Unterlagen. Am 8. November 1989 stellte die Stasi die Postkontrolle ein – fast 40 Jahre, nachdem sie damit begonnen hatte.

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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon pentium » 28. Februar 2026, 19:23

Wir reden hier aber von den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl....
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Re: Postraub oder: Die wahren Räuber

Beitragvon augenzeuge » 28. Februar 2026, 19:27

pentium hat geschrieben:Wir reden hier aber von den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl....


Lies doch einfach erstmal den Inhalt, der ist teils amüsant!

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