Flug MH370
Kieler Gerät soll Wrack findenVon Annemarie Heckmann / Kieler Nachrichten
Am 8. März verschwand Flug MH370 von Malaysia Airlines auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Letzte elektronische Signale deuten auf einen Absturz des Flugzeugs über dem Indischen Ozean hin, bei dem 239 Menschen starben. Technik vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel soll nun helfen, Wrackteile aufzuspüren.
Kiel. Einige elektronische Signale der Boeing 777-200 sowie Satellitenortungen von möglichen Wrackteilen: Die Spur zum verschollenen Flug MH370 ist dünn und führt in den südlichen Indischen Ozean. Das mögliche Absturzgebiet liegt rund 2300 Kilometer nordwestlich von Perth und ist etwa so groß wie Niedersachsen. Das Meer ist dort über 4000 Meter, vielleicht auch 6000 Meter tief – eine exakte wissenschaftliche Kartierung der Region gibt es bislang nicht, sagt Dr. Andreas Villwock, Sprecher von Geomar in Kiel. Es ist also keine Kleinigkeit, die Maschine zu orten, auch wenn sie mit 64 Metern Länge, 61 Metern Spannweite, 263000 Kilogramm Gewicht selbst ein Schwergewicht ist. Zudem hat es die enorme Meerestiefe in sich: Menschen könnten dort nicht überleben, und auch die Technik ist enormem Druck ausgesetzt.
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Foto: Geomar
So funktioniert das Tauchsonar des Geomar-Zentums
Das Seitensichtsonar des Kieler Geomar-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung wird eigentlich für die wissenschaftliche Erforschung des Meeresgrundes genutzt. Die spezielle Sonartechnik arbeitet mit Schallwellen in unterschiedlichen Frequenzen. Aus der Art, wie die Signale reflektiert werden, können die Forscher ein detailliertes Bild des Meeresgrundes errechnen. Das System könne in Wassertiefen bis zu 6000 Metern eingesetzt werden und hat je nach Entfernung zum Meeresboden eine Auflösung von 25 bis 100 Zentimeter, erklärt Dr. Jörg Bialas, Geophysiker am Geomar.
Noch immer gleicht die Suche nach dem Wrack einem Stochern im Nebel, sagt Villwock – obwohl Schiffe eingesetzt wurden, Flugzeuge, zahlreiche Satellitenbilder ausgewertet und ein unbemanntes U-Boot in die Tiefen geschickt wurden. Im September startet nun eine neue Suchaktion. Australien, das die Aktionen koordiniert, hat die niederländische Firma Fugro Survey beauftragt, die eventuelle Absturzstelle – immerhin ein 60000 Quadratkilometer großes Gebiet – abzusuchen. Mit dabei ist das Seitensichtsonar (Side Scan Sonar) des Geomar Kiel.
Das etwa zweieinhalb Meter lange und 900 Kilo schwere Kieler Tauchgerät ist unbemannt und wird an einem Kabel in großen Meerestiefen geschleppt. Die spezielle Sonartechnik arbeitet mit Schallwellen in unterschiedlichen Frequenzen. Dabei wird ein akustisches Signal seitlich von einem Schleppkörper („Fisch“ genannt) abgestrahlt. Aus der Art, wie die Signale reflektiert werden, können die Forscher sich ein detailliertes Bild des Meeresgrundes errechnen. Das System könne in Wassertiefen bis zu 6000 Metern eingesetzt werden und habe je nach Entfernung zum Meeresboden eine Auflösung von 25 bis 100 Zentimetern, erklärte Dr. Jörg Bialas, Geophysiker am Geomar. Es könne koffergroße Teile in Tausenden Metern Tiefe erkennen. „Wir können das System bis zum Jahresende für die Suche bereitstellen“, sagte Bialas. Dann werde es wieder für die Forschung gebraucht.
Zuletzt war darüber spekuliert worden, dass das kanariengelbe autonome Unterwasserfahrzeug Abyss von Geomar bei dieser komplizierten Suche nach Wrackteilen dabei sein werde. Die besondere Tiefseedrohne (laut offiziellen Angaben gibt es nur noch zwei vergleichbare amerikanische Geräte) war 2011 bei der Suche nach der abgestürzten Air-France-Maschine im Atlantik vor Brasilien erfolgreich im Einsatz gewesen. „Abyss wird in den kommenden Monaten für verschiedenen wissenschaftliche Expeditionen benötigt und kann daher nicht zur Verfügung gestellt werden“, erläuterte Andreas Villwock.
Sobald Wrackteile eindeutig identifiziert sind, können Meeresforscher anhand von Strömungsmodellen feststellen, wo die Maschine ins Wasser gestürzt sein muss. Die Blackbox, die technische Daten wie Kurs, Flughöhe, Tempo und Gespräche im Cockpit aufzeichnet, sendete rund einen Monat nach dem Absturz Signale, doch auch sie konnte nicht aufgespürt werden.
Völlig unklar ist aber nach wie vor, warum die Maschine am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur (Malaysia) ins chinesische Peking vom Kurs abwich und die Kommunikationssysteme an Bord ausfielen. Die Polizei ermittelt wegen Sabotage, Entführung und Terrorismus. Die Ermittler schließen auch einen technischen Fehler nicht aus, erklärten die Behörden in Malaysia. Da die wahrscheinliche Absturzstelle in internationalen Gewässern liegt, leitet Malaysia als Heimatstaat des Flugzeugs die weiteren Ermittlungen.
AK