Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 16. August 2013, 18:22

Das geht schon in Ordnung Spartacus ohne das ich nachschauen werde nur waren die Grenztruppen der DDR (auch die Zeiten des Kalten Krieges in D.) eben nicht die Fremdenlegion. Tut mir ja...ne leid tut mirs nicht. Ich wollte da nicht hin, zu den GT, schrieb ich schon öfters, der Rainer hatte nen ordentlichen Beruf, ne kleine Familie, ich kam zurecht, auch ohne die 18 Monate am Kanten wunderbar zurecht...in dieser DDR.

Rainer-Maria
Benutzeravatar
Edelknabe
Grenztruppen
Grenztruppen
 
Beiträge: 19915
Bilder: 57
Registriert: 2. Mai 2010, 09:07

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 16. August 2013, 18:28

Hatte ich schon mitbekommen, das Du nicht hinwolltest. Aber da Du nun mal da warst, habe ich nur mal gefragt,
ob Du nicht fähig warst, Dich in die Situation des GV reinzuversetzen?

LG

Sparta


Ich bin stolz darauf, kein Smartdingsbums zu besitzen.
Nicht Deutschland schafft sich ab, sondern Deutschland schaltet sich ab.
Habeck und Baerbock in die Produktion. Die Grünen sind eine fortschrittsfeindliche Sekte.



Benutzeravatar
Spartacus
 
Beiträge: 28840
Bilder: 0
Registriert: 28. März 2013, 19:01
Wohnort: Bayern

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 16. August 2013, 18:49

Spartacus, der Rainer ist Einer der auf seinen Mitmenschen zugeht, so war ich immer schon, so habe ich es von meinem Vater gelernt.Der war Schichtarbeiter und wenn ich aus der Schule kam stand er mit wildfremden Leutchen unten an der Haustür und quatschte "über Gott und die DDR-Alltagswelt". Na gut, stellte ich mich als kleiner Kerl dazu und hörte zu.

Vielen gefällt das nicht(heute eher wie damals zu DDR-Zeiten), na gut, kann ich wunderbar damit leben. Ich war Pionier an dieser Grenze, Pionier hieß grenzunterstützende Einheiten und ich lese hier so von X-Situationen der Jungs von den Kompanien wo Leutchen eben nicht mit dem Samthandschuh angefasst wurden. Ich kann das wunderbar nachvollziehen...weil eben die Zeiten so waren...schrieb ich schon.

Und na klar, ich war kein Held...oder Samariter...oder Menschenfreund. Wäre ich heute Pastor(das wird mein zweiter Beruf im Jenseits) wäre ich Pastor gnadenlos.

Rainer-Maria
Benutzeravatar
Edelknabe
Grenztruppen
Grenztruppen
 
Beiträge: 19915
Bilder: 57
Registriert: 2. Mai 2010, 09:07

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 16. August 2013, 22:16

Edelknabe hat geschrieben: Und na klar, du junger Held hättest entgegen Befehl und sonstwas gehandelt, immer menschlich...
Rainer-Maria


Was ist daran so verkehrt? Wir verehren heute solche Leute eher als dumme stupide Befehlsausführer...... [denken]

Und das man selbst im kalten Krieg sich um Verletzte bestmöglich kümmerte, kann ja kein dummes Verhalten sein...nur ein menschliches- welches auch einem Soldaten nicht ganz abhanden gekommen sein sollte.......

AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 101340
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 16. August 2013, 22:58

S51 hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:...bei lagen lief die masse der komunikation über GMN Jörg
und von einem sankra im grenzabschnitt, hab ich noch nie gehört oder gelesen. doch nicht wir stellten uns so an, wir hatten nur diese möglichkeiten.
als das mit unserem soldaten auf der brockenstraße passierte, verbreitete sich die info recht schnell in den abschnitt, man bekam auch mit das dort einer von uns lag und ihm nicht geholfen wurde.
doch was sollte man tun?
nach dieser lage gab es heftige diskussionen, innerhalb der kompanie.
nur geändert hat sich nichts.

gruß vom Torsten [hallo]


Da hat die GK Schierke Ende der 80-er aber gewaltig abgebaut.
Zu meiner Zeit haben wir GAK öfter im Winter auf der Brockenstraße "Ersthelfer" gemacht bei Urlaubern aber auch unseren Leuten. Ich stehe einige Male als solcher im Nachweisbuch der DRK-Hütte am Bahnhof darinnen. Es konnte immer der Sankra vom Bataillion und noch unser Kompaniefahrer mit P 3 oder LO und großer Sanikiste darauf in den Abschnitt fahren mit einem GAK zur Absicherung und als Helfer. Meist war unser P 3 schneller einsatzbereit. Einmal auch der Kleinbus von den Russen vom Brockenplateau. Und bei Schnee der Motorschlitten mit Anhänger.
Auch Chaymos habe ich so zum Beispiel mal herausgeholt.
Problem war die Alarmierung. Funk ja nur bis zum Bahnparallelweg aber die nächste GMN-Sprechstelle war erst wieder bergauf an der alten Ilsenburger Straße. Dazwischen nichts, gut 3 Kilometer weit meist auch kein Posten und nur sporadisch wir GAK. Oft haben die Fahrzeuge vom und zum Brocken Meldungen über Unfälle gemacht aber meistens durften sie aus Geheimhaltungsgründen niemanden mitnehmen. Daran haben sich nur die Russen ab und zu nicht gehalten. Da ging oft Zeit verloren.
Aber es stimmt, zivile, geländegängige Sanis kenne ich aus der Zeit nicht. Die Krankenwagen fuhren nur bis an die Kompanie und haben dann von dort übernommen.


ich war kein GAK S51
und kann nur aus meiner damaligen zeit berichten. im "hinterland" bin ich nur zur einweisung gewesen bzw. beim an- und abmarsch einiger postenpunkte, vorn oder K-irgendwas.
doch selbst die wernigeröder feuerwehr hat man am KP der GK stehen lassen, als der russe oben brannte.

mal hin zum thema,
ein verletzter hätte aus dem sichtbereich des gegners gebracht werden sollen, falls dies nicht möglich wäre, hätte er auf irgend einer art abgedeckt werden sollen. eben so, dass es von drüben nicht genauer gesehen werden konnte.
weiterhin hätte ein verletzter nur durch unsere med-päckchen ( damit war allerhöchstens nen druckverbannt möglich) versorgt werden können und wäre dann auf nen LO, P3 oder ähnliches, bis zu ner professionellen versorgung, transportiert worden. unter 25 minuten hätte in schierke niemand die kompanie erreicht und schon gar nicht mit nem verletzten.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 17. August 2013, 00:02

augenzeuge hat geschrieben:
S51 hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:...Schon mal was von Funk gehört? Mann, sogar die Titanic konnte damit schon ca. 60 Jahre früher Hilfe rufen, und ihr stellt euch an wie die ersten Menschen..... [bloed] tschuldigung...musstet euch so anstellen......
AZ


Die Titanic konnte Hilfe rufen weil sie nicht Teil eines militärischen Apparates in einem militärischen Mächteblock war mit Geheimhaltungsvorschriften und so weiter und weil sie technisch diese Möglichkeit hatte.
Und selbst da war zwischen rufen und hören ein gewaltiger Unterschied. Mit mehr Opfern als die gesamte Grenze.
Wenn da vorne etwas geschah sollte es ja nicht die BBKF-Gegenseite vor unseren Leuten erfahren. Per Funk ohne Verschlüsselung zum Beispiel. Die waren auch nicht von schlechten Eltern.
Wir sprechen von den ausgehenden 80-er Jahren oder früher. Von Zeiten, als es da vorne gerade mal in den letzten Jahren Funk für die größeren Fahrzeuge gab aber die mobilen Stationen oft nur als muckierzeugender Ballast geeignet waren. Von Zeiten, zu denen ein Abschnitt als ausgebaut galt, wenn es alle 200 - 300 Meter einen GMN-Anschluß gab. Im Hinterland gerne auch mal einen auf 2 bis 3 Kilometer.
Üblicherweise, das hat nicht unwesentlich mit "Mc Murphy" zu tun, passierten (und passieren) die "Sachen" immer dort, wo man sie nicht gebrauchen kann.
Im Schierker Hinterland hatte ich Funkverbindung per UFT bis zum Bahnparallelweg und da auch nur bis 100 Meter vor dem Bahnhof Schierke. Oder anders, auf über 90 % des Hinterlandbereiches einer USM-Kontrolle war meine Verbindungsmöglichkeit Null und das während der gesamten Schicht. Irgendwann wäre dann mal aufgefallen das da jemand fehlte... Nicht umsonst habe ich seinerzeit gemeinsam mit meinen Festgenommenen am Schierker Bahnhof fast die Fenster am Eisenbahnerwohnheim eingeschmissen damit dort endlich jemand mal zum Telefon griff. Sonst hätten wir noch einige Stunden warten müssen...
Und da fiel der KGSi erst mal aus allen Wolken (die waren im Nachtnebel sowieso nicht zu sehen), weil er mich gar nicht mehr auf seinem Tableau hatte.
Eine einzige der Festnahmen, an denen ich beteiligt war, passierte in der Nähe einer Rufmöglichkeit. Das war an der unteren Schranke der Brockenstraße gleich bei der Kompanie. Bei allen anderen musste ich meine "Kunden" erst mal in die Nähe einer Rufmöglichkeit bugsieren. Oft Kilometerweit.
Rauchsignal, Leuchtrakete ... gab es aber nicht nur ich habe erlebt, wie so etwas folgenlos in der Harzer Nebelsuppe verpuffte. Oder keinen gestört hat weil keiner ausgerechnet da hinguckte.
Funk, GMN und so weiter, ja das gab es. Freilich. Praktisch jedoch oft nicht dort, wo man es gerade gebraucht hätte und wenn, dann fehlten Berechtigungen, Funkschlüssel oder der Akku war alle. Letzteres war bei allem, was schief gehen konnte so etwas wie die Ultima ratio. Darauf war Verlaß.
Alle meine Festnahmen sind gut ausgegangen, alle Einsätze auch aber es hat deren viele gegeben, wo ich mir hinterher eingestehen musste, das nicht nur ich viel Glück hatte. Dass das auch hätte gewaltig schief gehen können, alle Zutaten für kapitales Scheitern reichlich vorhanden waren.
-
Und wir schreiben hier ja eigentlich über die Fälle, wo es schief gegangen ist. Die waren jedoch selten.



Das ist deine Begründung, S51.

Auch wenn ich nicht dabei war, so ist mir die mögliche anwendbare Technik der Jahre bekannt. Es ist eindeutig, dass man hier gewisse Dinge, die du als selten bezeichnest, in Kauf nahm. Sie waren nicht wichtig genug, um hier etwas zu tun. Andererseits argumentierte man, dass man hier an der Nahtstelle der Pakte steht, ein ganz sensibler Bereich. Ein starker Grund, um hier moderne Technik einzusetzen. Wie wollte man denn den Frieden schützen, wenn man sich kaum verständigen kann? Im Fall der Fälle. Oder ging es vielleicht hier gar nicht drum?

Nein, es gab Möglichkeiten, man durfte sie nicht nutzen. Es war für das System besser einen Toten zu verschweigen, als ihm eine möglichst schnelle Hilfe zukommen zu lassen. Er war doch nur ein Verbrecher....ein "Schwein". Zumindest wurde er von nicht wenigen so genannt. Und es war gut, wenn er als Abschreckung anderen noch dienen konnte.
AZ


bekannt Jörg,
was bedeutet das?

was S51 beschreibt ist doch keine begründung. er musste, genau wie viele andere, mit dem vorhandenen auskommen und lass mir mal die freiheit etwas abzuschweifen, steh mal in der nacht auf und fahr in einen wald zum wandern, danach hast du nen gefühl für die nacht und es ist nicht immer nen schöner sternenhimmel oder mondschein.

hin zur technik des GMN im hinterland,
waren die säulen echt sehr übersichtlich und die von pentium erwähnten UFT's , zu meiner zeit das UFT 727, auch im hinterland nicht grenzenlos brauchbar.
hinzu machte sich auch bei diesen geräten unsere mangelwirtschaft bemerkbar. neue akkus waren schlichtweg mangelware und der nachrichten-uffz sollte einem freundlich gestimmt sein, um diesen mangel zu umgehen. an zweiter stelle brachen die stabantennen sehr gern durch, manch einer behalf sich mit klebeband und hoffte beim tausch ne drahtantenne zu erhalten.
sind aber alles nur berichte der umstände Jörg,
welche man versuchen sollte zu beachten.
was die bezeichnung des GV's betrifft Jörg,
sie war nicht alltäglich und man sollte derartiges nicht pauschalisieren, gerechter weise eben.

sinngemäß kann ich dir folgen und ja, heute sind wir um einiges erfahrener.
hören wir uns zu und hinterfragen, unter beachtung der zeit und deren umstände!

gruß vom Torsten
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 17. August 2013, 00:21

Spartacus hat geschrieben:Und nochmals Danke, besonders S51 für die ausführlichen Schilderungen.

Also das mit der mangelnden Kommunikation kommt mir auch spanisch vor, denn wenn die NATO
euch so angegriffen hätte, dann hättet ihr euch über ein Telefon / Funkgerät gar keinen Kopf
mehr machen müssen, das ihr dann schon lange in Kriegsgefangenschaft gewesen wärt.

Anders herum sind solche Aussagen natürlich sehr interessant und auch bezeichnend, da der
sog. antifachistische Schutzwall eben keiner war, sondern nur das, was er wirklich war.

Wäre es anders gewesen, dann hättet ihr ein ganz andere Ausrüstung gehabt und die gab es
damals auch schon bei euch, denke ich mal.( bin aber nicht so fit, was russische kommunikationstechnik
betrifft!)

Ich stelle mir das gerade so bildlich vor; da brettert ne Einheit Leopard II durch den Wald und der Grenzer
weiß nicht, wie er nun seinen Stab verständigen soll. Mann oh Mann
[grins]

LG

Sparta


im oberharz Spartacus, [wink]
ok, ist total OT. [grin]

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 17. August 2013, 00:31

Edelknabe hat geschrieben:Na klar Spartacus, "wir waren nur junge Grenzer im Sinne der Wehrpflicht auf Wacht für den Frieden,bissel naiv noch dazu, die Fremdenlegion und die Nato bestimmt dagegen die Elite". Das wolltest du doch hören Mann wenn ich deinen bissel arroganten Text so lese.

Uns Jörg genauso,nu habt ihr es bestätigt bekommen das Einer verblutet wäre weil der größte Teil der Truppe vorne am Kanten dummerweise aus im Grundberuf erlernten Maurern, Zimmerleuten, Gärtnern, Bäckern, Fleischern,Betonbauern, Elektriker, Gas,Wasser und Scheißeklempnern, Heizungsbauern,Fliesenlegern, Chemielaboranten, Fernmeldetechnikern,Freileitungsmonteuren, Stahlbauern, Schiffsbauern,Schweißern,Handelsmatrosen,Bibliothekaren,Kraftfahrern,Hochdruckkesselheizern,usw in den typischen DDR-Berufen ......aber eben nicht aus der Krankenhausbranche kamen oder gar Rettungssanitäter erlernt haben.

Was für ein Pech für den potenziellen Grenzverletzter aber auch, was für ein Pech? Ich sags doch, hatte es so glaube schonmal in einem meiner Anfangstexte sinngemäß geschrieben:

"In der DDR wusste jeder halbwegs in der Birne aufgeklärte Mitmensch das die Grenze Tabu für ihn ist...wie bei die alten Indianer. Aber na klar, man konnte es ja mal versuchen. Auch auf die Gefahr hin das Leben zu verlieren. Das war dann leider Pech"

Rainer-Maria

Einen guten Tag allen ins Forum


im stab hat man sich wohl schon immer weniger gedanken gemacht "blaublütiger".
man installierte und war dann wieder weg.
sag mal, hast du auch mal die fetzen von GV's aus dem zaun gesucht oder hast du echt nur gewartet oder installiert?
klartext wäre mir natürlich am liebsten, mei gudster. [wink]

vs
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 17. August 2013, 00:44

augenzeuge hat geschrieben:
Edelknabe hat geschrieben: Uns Jörg genauso,nu habt ihr es bestätigt bekommen das Einer verblutet wäre weil der größte Teil der Truppe vorne am Kanten dummerweise aus im Grundberuf erlernten Maurern, Zimmerleuten, Gärtnern, Bäckern, Fleischern,Betonbauern, Elektriker, Gas,Wasser und Scheißeklempnern, Heizungsbauern,Fliesenlegern, Chemielaboranten, Fernmeldetechnikern,Freileitungsmonteuren, Stahlbauern, Schiffsbauern,Schweißern,Handelsmatrosen,Bibliothekaren,Kraftfahrern,Hochdruckkesselheizern,usw in den typischen DDR-Berufen ......aber eben nicht aus der Krankenhausbranche kamen oder gar Rettungssanitäter erlernt haben.


Nein, Rainer, du ziehst die falschen Schlussfolgerungen. Der GV ist nicht verblutet, weil die Leute die falschen Berufe hatten. Er ist verblutet, weil das System so "die Hose voll hatte", weil sie niemanden trauten. Nicht mal allen, die an der Grenze ihren Dienst tun mussten und schon geprüft worden waren.
Wie einfach wäre es doch gewesen, wenn man einen Alarmplan aufgestellt hätte, wie ihn heute jede größere Firma hat. Und wenn man ohne große Genehmigungen einen Trabbi-Kübel hinfahren dürfte, der den GV so schnell es geht ins KH bringt. Du weißt genau, dass dies theoretisch möglich gewesen wäre....

Ich stell mir grad vor wie ich Rainman fragen würde, stell dir vor, da verblutet einer 100m von dir und du darfst keinen rausschicken ihn zu holen.....vermutlich hätte ich mich drüberweg gesetzt, ihn selbst geholt (/wenn man mich nicht auf dem Weg dahin erschossen hätte) und anschließend dafür nach Schwedt gekommen. Weil es der GV nicht wert war....nicht wahr? [bloed] Nun sag mir was an den Gedanken falsch ist!

AZ


ist aber alles nur spekulativ Jörg,
klar, heute sind wir schlauer.
ich wollte nicht erschossen werden, nicht in schwedt landen, noch weniger nen GV sehen oder treffen und hatte glück.
hätte ich dieses nicht gehabt ...
klar, ethisch bedenklich.
heute!

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 17. August 2013, 00:55

Edelknabe hat geschrieben:Spartacus, der Rainer ist Einer der auf seinen Mitmenschen zugeht, so war ich immer schon, so habe ich es von meinem Vater gelernt.Der war Schichtarbeiter und wenn ich aus der Schule kam stand er mit wildfremden Leutchen unten an der Haustür und quatschte "über Gott und die DDR-Alltagswelt". Na gut, stellte ich mich als kleiner Kerl dazu und hörte zu.

Vielen gefällt das nicht(heute eher wie damals zu DDR-Zeiten), na gut, kann ich wunderbar damit leben. Ich war Pionier an dieser Grenze, Pionier hieß grenzunterstützende Einheiten und ich lese hier so von X-Situationen der Jungs von den Kompanien wo Leutchen eben nicht mit dem Samthandschuh angefasst wurden. Ich kann das wunderbar nachvollziehen...weil eben die Zeiten so waren...schrieb ich schon.

Und na klar, ich war kein Held...oder Samariter...oder Menschenfreund. Wäre ich heute Pastor(das wird mein zweiter Beruf im Jenseits) wäre ich Pastor gnadenlos.

Rainer-Maria


im jenseits bekommst du berufsverbot "blaublütiger",
solltest schon mal in der sauna trainieren, je wärmer, je besser. [wink]

vs
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 17. August 2013, 01:08

augenzeuge hat geschrieben:
Edelknabe hat geschrieben: Und na klar, du junger Held hättest entgegen Befehl und sonstwas gehandelt, immer menschlich...
Rainer-Maria


Was ist daran so verkehrt? Wir verehren heute solche Leute eher als dumme stupide Befehlsausführer...... [denken]

Und das man selbst im kalten Krieg sich um Verletzte bestmöglich kümmerte, kann ja kein dummes Verhalten sein...nur ein menschliches- welches auch einem Soldaten nicht ganz abhanden gekommen sein sollte.......

AZ


Jörg,
die masse der grenzer waren GWD'ler, mussten dorthin und ihre zeit abdienen.
da war ne frau daheim, ne verlobte oder und auch noch nen kind. 8 wochen trennung waren standard und dann nen VKU als dresdner zb. in schierke. [smile] [denken] [denken]

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 17. August 2013, 09:02

Siehe Spartacus mit:

"ob Du nicht fähig warst, Dich in die Situation des GV reinzuversetzen?"

Entschuldige, jetzt habe ich die Fragestellung erstmal richtig gelesen denn ich lese doch manchmal zu schnell. "Reinversetzen"? Die Frage ist gut...sich in den Grenzverletzer reinversetzen, seine Situation, seine Absichten?

Wie ich schon schrieb, ich war damals Ende der 70er Jahre einfach Keiner der die Seite wechseln wollte, noch nicht mal, wenn der Rainer mit Anderen aus der Truppe vorne im Vorgelagerten(westwärts hinter dem Zaun I aber noch zum Gebiet der DDR gehörend) gearbeitet hatte.Mein gelernter Beruf war Top, eine selber mit Hilfe meines Schwiegervaters ausgebaute recht geräumige Wohnung im Leipziger Gründerzeithaus gerade fertig (einen Tag vor der Einberufung!), meine Frau ne recht Hübsche, was brauchte man mehr als junger Kerl von 23/24 Jährchen, Kind na ja ich war bestimmt anfangs nicht der vorbildliche Vater und sonst stimmte eben fast Alles.

Kurz und treffend formuliert, der Rainer hatte was zum festhalten, zum gut festhalten. Und das wollte er partout nicht wegschmeißen.

Ja Spartacus, und dann sollte ich mich reinversetzen können in Einen, der mit Macht die Seite wechseln wollte, dabei vielleicht noch schwer verletzt wurde? Der alles wegschmeißen wollte wenn er denn überhaupt als junger Mensch was zum wegschmeißen hatte.(Soll ausgeschrieben heißen, wenn er denn überhaupt schon was mit seinen eigenen Händen geschaffen hatte in dieser DDR) Schwierige Kiste soll auch wieder heißen, ich bin ein Kind der DDR, immer behütet, immer umsorgt, auch mal den Wanst vollbekommen und das öfters bis oft genug aber sonst war alles iO.

Ich glaube fast, die Frage müsste mit meinen weiten Ausführungen beantwortet sein? Und wenn nicht können wir ja nochmal texten, es noch weiterführen über die damaligen Zeiten, auch Alltagzeiten.

Rainer-Maria

Einen guten Sonnabend allen ins Forum
Benutzeravatar
Edelknabe
Grenztruppen
Grenztruppen
 
Beiträge: 19915
Bilder: 57
Registriert: 2. Mai 2010, 09:07

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Rüganer » 17. August 2013, 09:44

vs1400 hat geschrieben:
Ich stell mir grad vor wie ich Rainman fragen würde, stell dir vor, da verblutet einer 100m von dir und du darfst keinen rausschicken ihn zu holen.....vermutlich hätte ich mich drüberweg gesetzt, ihn selbst geholt (/wenn man mich nicht auf dem Weg dahin erschossen hätte) und anschließend dafür nach Schwedt gekommen. Weil es der GV nicht wert war....nicht wahr? [bloed] Nun sag mir was an den Gedanken falsch ist!

AZ


ist aber alles nur spekulativ Jörg,
klar, heute sind wir schlauer.
ich wollte nicht erschossen werden, nicht in schwedt landen, noch weniger nen GV sehen oder treffen und hatte glück.
hätte ich dieses nicht gehabt ...
klar, ethisch bedenklich.
heute!

gruß vom Torsten [hallo][/quote]


Treffend auf den Punkt gebracht, nicht mehr und nicht weniger war es damals so.
keiner wollte oder sollte erschossen werden, keiner wollte wegen dem, der da trotzdem alles auf eine Karte setzt, der wie der Ochse auf das rote Tuch blindlings auf die Mauer zu rennt, nach Schwedt. Richtig VZ, keiner wollte so einen sehen, bloß nicht bei mir... dies kann aber nur jemand nachfühlen, der da auf Türmen gesessen hat und der dies in der damaligen Zeit tun musste.
Ja und AZ, sich gewissen Anordnungen zu widersetzen und in Richtung Mauer oder Grenzzaun zu stürmen - lebensgefährlich. In Berlin musste man immer solche Besuche in Richtung Mauer anmelden und auf jeden Fall die Nachbartürme informieren, denn die würden garantiert das Feuer eröffnet haben, wenn da jemand, auch in Uniform, losstürmt. Dein Kommentar dazu in allen Ehren, aber sehr unrealistisch...
Ja und was willst du mit deinem einem Verbandspäckchen denn anfangen?

http://www.chronik-der-mauer.de/index.php/de/Media/TextPopup/id/1444783/oldAction/Detail/oldId/593920/oldModule/Start/page/0
Zitat aus dieser Seite:
Der Grenzverletzer wurde auf Höhe des Kfz-Sperrgrabens getroffen und von dort durch die Arlarmgruppe und den Zugführer geborgen. Von dort wurde er mit dem Trabant zum Postenbereich Köllnische Heide gebracht und hier nach ca. 16 Minuten mit dem Sankra zum VP-Krankenhaus transportiert. Hier wurde der Tod festgestellt.

Ca. 16 Minuten hat es gedauert, wahrscheinlich, weil es in Berlin war und sich dicht am Ort des Geschehens ein Tor im Hinterlandszaun befand. Wie schnell ist heute ein RTW von der Rettungswache vor Ort?

In solchen Fällen ist es auch nur schwer, sich in denjenigen hineinzuversetzen, der da umkommt. Warum bleibt er nicht stehen, dies ist die allererste Frage, die man sich stellt und die man nicht beantwortet bekommt.
Warum fasse ich an eine 1000 V Leitung an, wenn ich nur in die Freiheit will und wenn diese 1000 V Leitung von einem Unrechtsstaat da installiert wurde. Gegen jedes Menschenrecht, gegen jeden Verstand... aber fass ich dann da an? Warum laufe ich nach dem ersten Schuss weiter? Ist dies nicht genauso verrückt, wie an die Leitung zu fassen?
Rüganer
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 17. August 2013, 11:06

Rüganer hat geschrieben: Ja und AZ, sich gewissen Anordnungen zu widersetzen und in Richtung Mauer oder Grenzzaun zu stürmen - lebensgefährlich. In Berlin musste man immer solche Besuche in Richtung Mauer anmelden und auf jeden Fall die Nachbartürme informieren, denn die würden garantiert das Feuer eröffnet haben, wenn da jemand, auch in Uniform, losstürmt. Dein Kommentar dazu in allen Ehren, aber sehr unrealistisch...
Ja und was willst du mit deinem einem Verbandspäckchen denn anfangen?



Mag sein, dass man es als unrealistisch bezeichnet. Aber die Entwicklung der Menschheit ist voll von Fällen, die nicht immer nur das gemacht haben, was sture Befehle sagten....aber sie letztlich vorangebracht haben.

Ich kann mir schwer vorstellen, wenn ich ein Verantwortlicher Offizier an der Grenze bin, den Nachbartürmen mitteile, ich geh da jetzt hin und hole ihn, dass man das mit Gewalt unterbindet. Aber ich kann irren. Es ist immer eine Frage des Willens. In jedem Job.

Erinnere dich an an den US-Sergeant Hans Werner Pool. Hielt er sich an den Befehl? Ich weiß, das war die Ausnahme. [blush]

AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
Benutzeravatar
augenzeuge
Flucht und Ausreise
Flucht und Ausreise
 
Beiträge: 101340
Bilder: 20
Registriert: 22. April 2010, 07:29
Wohnort: Nordrhein-Westfalen

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 17. August 2013, 12:56

Rüganer hat geschrieben:In solchen Fällen ist es auch nur schwer, sich in denjenigen hineinzuversetzen, der da umkommt. Warum bleibt er nicht stehen, dies ist die allererste Frage, die man sich stellt und die man nicht beantwortet bekommt.
Warum fasse ich an eine 1000 V Leitung an, wenn ich nur in die Freiheit will und wenn diese 1000 V Leitung von einem Unrechtsstaat da installiert wurde. Gegen jedes Menschenrecht, gegen jeden Verstand... aber fass ich dann da an? Warum laufe ich nach dem ersten Schuss weiter? Ist dies nicht genauso verrückt, wie an die Leitung zu fassen?


Hallo Rüganer,

warum er nicht stehen bleibt, selbst nach dem ersten Schuss?

Versuche Dir mal vorzustellen, wie verzweifelt ein Mensch sein muss, um eben dies zu tun!

Die Menschen die sowas riskierten, waren doch nicht dumm, oder glaubt das hier jemand?
Sie hatten etwas einschneidendes erlebt, dass sie entweder rasend vor Wut, oder eben vor Verzweiflung machte.
Sie sahen keinen anderen Ausweg mehr, im wahrsten Sinne des Wortes und riskierten dann vollkommen bewußt
ihr Leben, um eben diesem Staat zu entfliehen. Lieber tot, als immer so weiter. Der helle Wahnsinn, wenn man
Menschen soweit bringt, so zu denken und es dann auch noch umzusetzen.

Nur was wußten der GV von der Grenze?

Gar nichts! Und das machte es natürlich noch einmal bedeutend schwerer für sie, was ja wohl auch gewollt war.
So brauchst Du als "Wissender" Dich doch nicht wundern, wenn ein GV an eine 1000 V Leitung greift. Der GV wußte
doch gar nicht, was das ist!

Was wußte ich damals, sagen wir als 20jähriger, ( also 1980) von der Grenze?

Ich wußte das es gefährlich werden würde, wenn ich versuchen würde, da durch zu kommen. Und das war es dann!
Ich hatte keine Ahnung, wie die Grenze wirklich aufgebaut war. Woher denn auch? Und so ging es doch allen normalen
Leuten in der DDR. Sie hatten keinen blassen Schimmer, von Minen, Selbstschussanlagen, Scheingrenzen und all dem.
Nicht umsonst kamen sie größtenteils ja nicht mal in die Nähe der Grenze.

Nun aber noch nicht einmal einen Norfallplan zu haben, was denn mit einem verletzten GV zu geschehen hat, zeigt
wieder einmal mehr als deutlich, wie menschenverachtend das System DDR wirklich war.

Das ist kein Vorwurf gegenüber den Grenzern, nicht mal deren Offiziere, sondern eben wieder an die wirklich
Verantwortlichen im ZK, die hier hätten Abhilfe schaffen können.

Ich denke aber, das sie niemals auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht haben!

Schönes Wochenende

Sparta


Ich bin stolz darauf, kein Smartdingsbums zu besitzen.
Nicht Deutschland schafft sich ab, sondern Deutschland schaltet sich ab.
Habeck und Baerbock in die Produktion. Die Grünen sind eine fortschrittsfeindliche Sekte.



Benutzeravatar
Spartacus
 
Beiträge: 28840
Bilder: 0
Registriert: 28. März 2013, 19:01
Wohnort: Bayern

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 17. August 2013, 13:24

Edelknabe hat geschrieben:Ja Spartacus, und dann sollte ich mich reinversetzen können in Einen, der mit Macht die Seite wechseln wollte, dabei vielleicht noch schwer verletzt wurde? Der alles wegschmeißen wollte wenn er denn überhaupt als junger Mensch was zum wegschmeißen hatte.
Rainer-Maria

Einen guten Sonnabend allen ins Forum


Nun überspitze ich das mal Rainer.

Was wäre denn gewesen, wenn sich der "Feind" der da auf die Grenze zurennt, als Deine Schwester entpuppt hätte?

Die Frage ist aber nicht nur an Dich gerichtet, denn ich denke mal, das war der Alptraum schlechthin für jeden Grenzer,
das da plötzlich ein naher Verwandter ausgerechnet in seinem Abschnitt einen Grenzdurchbruch wagt?

LG

Sparta


Ich bin stolz darauf, kein Smartdingsbums zu besitzen.
Nicht Deutschland schafft sich ab, sondern Deutschland schaltet sich ab.
Habeck und Baerbock in die Produktion. Die Grünen sind eine fortschrittsfeindliche Sekte.



Benutzeravatar
Spartacus
 
Beiträge: 28840
Bilder: 0
Registriert: 28. März 2013, 19:01
Wohnort: Bayern

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Rüganer » 17. August 2013, 17:05

@Sparta

Eben, dies ist der Punkt, den ich nicht begreife, warum...
Nimm den Fall, den dieser oben angeführte Link beschreibt. Wieso war der Mann so verzweifelt, dass er bei der Wahl: Ich kann erschossen werden oder als Alternative - ich halte das Maul und diene weiter in der von mir ungeliebten DDR, die Wahl des erschossen werdens traf? Der Mann hielt sich mehrere Stunden in der Laubenkolonie auf und sah die Grenze, sah, was da ablief und übersah doch die Alarmgruppe auf dem Bahndamm. Gerade Berlin war doch bekannt, eine Fahrt mit der S-Bahn zeigte doch, was die DDR sich da alles aufgebaut hatte, um ihre Leute einzusperren. Türme, Stacheldraht, eine hohe Mauer, kläffende Hunde - ein Szenario, wie in einem Horrorfilm.
Ich könnte verstehen, wenn man täglich auf Leute einprügelt, ihnen Nahrung vorenthält, sie arbeiten müssen, bis zum Umfallen - sie verrecken lässt - du als ex-Soldat kannst dir die Hölle von Stalingrad vorstellen, dass man sich da mit offener Jacke auf den Bahndamm stellt und lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende wählt, kann ich begreifen. das andere begreif ich immer noch nicht.
Was Deine Frage an den Edelknaben betrifft, ich denke mal, kein Angehöriger der Familie wäre mehr da losgegangen, denn es hat wohl jeder zu Hause erzählt, was da abgeht. Und wenn doch - zumindest in Berlin hätte der Posten erst dann seine Schwester erkannt, wenn er bei ihr gewesen wäre, ansonsten hast du nur für Bruchteile in der Nacht einen Schatten gesehen oder eine Person, es hat aber wohl niemals jemand erkennen können, wer da lief oder gar die einzelnen Gesichtszüge wahrgenommen. Immer dran denken - es sind nur Bruchteile von Sekunden, in denen sich das alles entscheidet, Wohl oder wehe...
Wenn S51 irgendwo jemandem hinterher gelaufen ist, dann ist dies anders, auf den Türmen in Berlin war nur Sehen oder nicht sehen und dann Handeln.
deswegen immer das Hoffen und Bangen - hoffentlich kommt keiner zu mir...
Und gewusst, Sparta, selbst bis Rügen drang der RIAS vor, der sagte, dass Sowjetzonale wieder an der Mauer jemanden erschossen haben. Also klar war da schon, ich kann da schnell erschossen werden...
nein, wir drehen uns da im Kreis, die große Manipulierei der Genossen ist es, die Leute wie mich so scharf gemacht haben, dass ich da auf dem Turm gesessen habe und meinen Job mit all dem, was da hätte kommen können, gemacht habe. Dieses tägliche Bequatschen, dieses Zuckerbrot ( mehr Sold, andere Verpflegung, bisschen mehr menschliches Umgehen miteinander in der Kaserne, keine EK- Allüren) und die Peitsche (Schwedt), dies war es, was so schändlich war. Heute das Erkennen, Junge, die haben dich derartig missbraucht, zum Glück kam eben keiner bei mir bzw. habe ich nicht geschossen als einer vorbei lief im Hinterland, sonst müsste ich mir heute von allen Seiten anhören, was ich doch für ein Verbrecher gewesen bin bzw. dass ich die Erlaubnis zur Benutzung der Waffe völlig falsch verstanden habe. Selbst heute finden die Leute, die die "großen Militärs " raushängen lassen, nur Ausflüchte.
Der ach so gescholtene Rainman hat es sehr gut auf den Punkt gebracht, da kommt so ein junger Kerl gezwungenermaßen zur Grenze und ein Lamettaträger pflanzt sich vor ihm auf und fragt ihn nach dem Schießen. wer sagt da schon nein... nur ganz wenige... Ich habe rumgeeiert und dann in der ersten Nacht vor einem Igel oder einer streunenden Katze auf Streife im Hinterland fast in die Hosen gemacht, jedenfalls hatte ich schon die Kugel im Lauf... Angst und Frage beantwortet...
Ich war und bin kein Militär, diesen Schei.. sollen die machen, die sich dazu berufen fühlen. Und ich war heilfroh, als ich die 12 Monate in Berlin an der Mauer unbeschadet überstanden habe. Und mit unbeschadet meine ich auch, dass ich auf keinen Menschen geschossen habe.
Rüganer
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 17. August 2013, 22:31

augenzeuge hat geschrieben:
Rüganer hat geschrieben: Ja und AZ, sich gewissen Anordnungen zu widersetzen und in Richtung Mauer oder Grenzzaun zu stürmen - lebensgefährlich. In Berlin musste man immer solche Besuche in Richtung Mauer anmelden und auf jeden Fall die Nachbartürme informieren, denn die würden garantiert das Feuer eröffnet haben, wenn da jemand, auch in Uniform, losstürmt. Dein Kommentar dazu in allen Ehren, aber sehr unrealistisch...
Ja und was willst du mit deinem einem Verbandspäckchen denn anfangen?



Mag sein, dass man es als unrealistisch bezeichnet. Aber die Entwicklung der Menschheit ist voll von Fällen, die nicht immer nur das gemacht haben, was sture Befehle sagten....aber sie letztlich vorangebracht haben.

Ich kann mir schwer vorstellen, wenn ich ein Verantwortlicher Offizier an der Grenze bin, den Nachbartürmen mitteile, ich geh da jetzt hin und hole ihn, dass man das mit Gewalt unterbindet. Aber ich kann irren. Es ist immer eine Frage des Willens. In jedem Job.

Erinnere dich an an den US-Sergeant Hans Werner Pool. Hielt er sich an den Befehl? Ich weiß, das war die Ausnahme. [blush]

AZ


weist du wo die offiziere waren, während ner lage, Jörg?
allerhöchstens löste ein offizier den KGsi ab oder machte ne endkontrolle des K6, doch die masse war in der kompanie.
vorn, am kanten standen immer die kleinen egal ob GWD'ler oder UaZ, leztere waren nicht mehr wert als erstgenannte, hatten nur mehr tage.
gefroren, geschwitzt und gebangt wurde gleich und Pool ... hast du ja selber erwähnt, war ne ausnahme.

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 18. August 2013, 10:21

vs1400 hat geschrieben:
weist du wo die offiziere waren, während ner lage, Jörg?
allerhöchstens löste ein offizier den KGsi ab oder machte ne endkontrolle des K6, doch die masse war in der kompanie.
vorn, am kanten standen immer die kleinen egal ob GWD'ler oder UaZ, leztere waren nicht mehr wert als erstgenannte, hatten nur mehr tage.
gefroren, geschwitzt und gebangt wurde gleich und Pool ... hast du ja selber erwähnt, war ne ausnahme.

gruß vom Torsten [hallo]


Das war vor 200 Jahren schon so!
Ich habe mir ganz lange und ausgiebig das Panoramagemälde der "Schlacht von Borodino" angesehen. Maler Rubo hat seinerzeit die Schlacht vor Moskaus Toren festgehalten. Du stehst vielleicht im Rund so 8 Meter vor der 111m langen Leinwand, brauchst aber schon ein Theaterglas, um Napoleon auf seinem Gaul zu erspähen. Ganz klein ist der Kerl, also recht weit weg, im sicheren Abstand zur sich vieltausendfach im Nahkampf mordenden russischen und französischen Truppen.
Will sagen, die Großen verhalten sich immer wie der kleine Napoleon - weit genug weg, den eigenen Kopf nie in der Schlinge!

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 18. August 2013, 10:47

Na Volker, also Einer muss die Masse ja lenken und leiten.Oder sagen wir mindestens Zwei. Und darin war der Napoleon mit seiner diktatorischen Befehlausgabe nicht gerade der Ungeübteste. Wie du in Neiden als Baupionier im Häschenhüpf zum frühen Morgen dreitausend Meter über die Piste hehüpft bist hatte doch der Unteroffizier auch in sicherer Entfernung gestanden und ist bestimmt nicht mitgehüpfelt?

Rainer-Maria
Benutzeravatar
Edelknabe
Grenztruppen
Grenztruppen
 
Beiträge: 19915
Bilder: 57
Registriert: 2. Mai 2010, 09:07

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 18. August 2013, 11:36

Ich schiebe noch etwas Sachliches hinterher Volker, und zwar für die Geschichtsinteressierten im Forum:

"Das Panoramagemälde Schlacht von Borodino des russischen Künstlers Franz Roubaud, wurde 1912 zum 100. Jahrestag der Schlacht erschaffen. Die russischen Generäle Bagration, Alexander Kutaisow, Nikolai und Alexander Tutschkow, Iwan Krasnow sowie Boris Golizyn wurden getötet oder tödlich verwundet, 21 weitere Generale wurden verwundet. Insgesamt wurden auf französischer Seite elf Generale getötet und 18 verwundet."

Soviel zur sicheren Entfernung.

Rainer-Maria ein sehr Interessierter, was die Völkerschlacht betrifft. Einen Schuhkarton voll Zinnsoldaten(die Kleinen wunderbar bemalten)war des Rainers kostbarer Besitz als kleiner Junge.Entsorgt hat ihn dann meine "liebe junge Frau Mutter" in den Container, als der Rainer schon ne ganze Weile ausgezogen war...und das mit dem Rest aus seinem Zimmer.

Aber ich habe Ihr verziehen....meinem Mütterchen.
Benutzeravatar
Edelknabe
Grenztruppen
Grenztruppen
 
Beiträge: 19915
Bilder: 57
Registriert: 2. Mai 2010, 09:07

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Interessierter » 18. August 2013, 12:12

Zitat Edelknabe:
Ja Spartacus, und dann sollte ich mich reinversetzen können in Einen, der mit Macht die Seite wechseln wollte, dabei vielleicht noch schwer verletzt wurde?


Also Rainer, bei diesem traurigen Thema und seinen Toten und Verletzten frage ich Dich: " Wenn AGT meinen, Aussenstehende sollten doch auch einmal versuchen, sich in deren Lage hineinzuversetzen, dann sollte es doch wohl auch nicht zu viel verlangt sein, daß AGTs sich umgekehrt auch einmal in die Lage von GVs versuchen hineinzuversetzen ?

Wer aber wie Du SM70 ( auf Befehl ) an der Grenze installiert hat und sich keine Gedanken macht, was diese Todesautomaten am menschlichen Körper anrichten kann und dann wie Du hier im Forum schreibt: " Was interessierten mich die Toten an der Grenze, ich hatte ja meine Familie zu Hause " , der kann sich nicht nur keine Gedanken machen, nein er will es nicht.

Solange es Menschen gibt, die sich so verächtlich über die Opfer der Grenze äussern, solange ist es auch wichtig und erforderlich den nachfolgenden Generationen aufzuzeigen, wie menschenverachtend dieses SED Regime war.

" Der Interessierte "
Interessierter
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 18. August 2013, 12:22

Rüganer hat geschrieben:@Sparta

Eben, dies ist der Punkt, den ich nicht begreife, warum...
Nimm den Fall, den dieser oben angeführte Link beschreibt. Wieso war der Mann so verzweifelt, dass er bei der Wahl: Ich kann erschossen werden oder als Alternative - ich halte das Maul und diene weiter in der von mir ungeliebten DDR, die Wahl des erschossen werdens traf? Der Mann hielt sich mehrere Stunden in der Laubenkolonie auf und sah die Grenze, sah, was da ablief und übersah doch die Alarmgruppe auf dem Bahndamm. Gerade Berlin war doch bekannt, eine Fahrt mit der S-Bahn zeigte doch, was die DDR sich da alles aufgebaut hatte, um ihre Leute einzusperren. Türme, Stacheldraht, eine hohe Mauer, kläffende Hunde - ein Szenario, wie in einem Horrorfilm.
Ich könnte verstehen, wenn man täglich auf Leute einprügelt, ihnen Nahrung vorenthält, sie arbeiten müssen, bis zum Umfallen - sie verrecken lässt - du als ex-Soldat kannst dir die Hölle von Stalingrad vorstellen, dass man sich da mit offener Jacke auf den Bahndamm stellt und lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende wählt, kann ich begreifen. das andere begreif ich immer noch nicht.
Was Deine Frage an den Edelknaben betrifft, ich denke mal, kein Angehöriger der Familie wäre mehr da losgegangen, denn es hat wohl jeder zu Hause erzählt, was da abgeht. Und wenn doch - zumindest in Berlin hätte der Posten erst dann seine Schwester erkannt, wenn er bei ihr gewesen wäre, ansonsten hast du nur für Bruchteile in der Nacht einen Schatten gesehen oder eine Person, es hat aber wohl niemals jemand erkennen können, wer da lief oder gar die einzelnen Gesichtszüge wahrgenommen. Immer dran denken - es sind nur Bruchteile von Sekunden, in denen sich das alles entscheidet, Wohl oder wehe...
Wenn S51 irgendwo jemandem hinterher gelaufen ist, dann ist dies anders, auf den Türmen in Berlin war nur Sehen oder nicht sehen und dann Handeln.
deswegen immer das Hoffen und Bangen - hoffentlich kommt keiner zu mir...
Und gewusst, Sparta, selbst bis Rügen drang der RIAS vor, der sagte, dass Sowjetzonale wieder an der Mauer jemanden erschossen haben. Also klar war da schon, ich kann da schnell erschossen werden...
nein, wir drehen uns da im Kreis, die große Manipulierei der Genossen ist es, die Leute wie mich so scharf gemacht haben, dass ich da auf dem Turm gesessen habe und meinen Job mit all dem, was da hätte kommen können, gemacht habe. Dieses tägliche Bequatschen, dieses Zuckerbrot ( mehr Sold, andere Verpflegung, bisschen mehr menschliches Umgehen miteinander in der Kaserne, keine EK- Allüren) und die Peitsche (Schwedt), dies war es, was so schändlich war. Heute das Erkennen, Junge, die haben dich derartig missbraucht, zum Glück kam eben keiner bei mir bzw. habe ich nicht geschossen als einer vorbei lief im Hinterland, sonst müsste ich mir heute von allen Seiten anhören, was ich doch für ein Verbrecher gewesen bin bzw. dass ich die Erlaubnis zur Benutzung der Waffe völlig falsch verstanden habe. Selbst heute finden die Leute, die die "großen Militärs " raushängen lassen, nur Ausflüchte.
Der ach so gescholtene Rainman hat es sehr gut auf den Punkt gebracht, da kommt so ein junger Kerl gezwungenermaßen zur Grenze und ein Lamettaträger pflanzt sich vor ihm auf und fragt ihn nach dem Schießen. wer sagt da schon nein... nur ganz wenige... Ich habe rumgeeiert und dann in der ersten Nacht vor einem Igel oder einer streunenden Katze auf Streife im Hinterland fast in die Hosen gemacht, jedenfalls hatte ich schon die Kugel im Lauf... Angst und Frage beantwortet...
Ich war und bin kein Militär, diesen Schei.. sollen die machen, die sich dazu berufen fühlen. Und ich war heilfroh, als ich die 12 Monate in Berlin an der Mauer unbeschadet überstanden habe. Und mit unbeschadet meine ich auch, dass ich auf keinen Menschen geschossen habe.


@Rüganer

vollkommen d`accord mit allem was Du schreibst, denn man muss halt auch noch zwischen der grünen Grenze und der
Mauer in Berlin unterscheiden. Ich bin froh, das Du da "heil" rausgekommen bist und vor allem, das Du heute weißt,
das Du elendiglich benutzt wurdest!

Noch mal zum nicht begreifen wollen:

Stell Dir vor, einer Mutter werden völlig unbegründet die Kinder weggenommen und diese dann zwangsadoptiert,
von einer STASI - Frau, die ein Auge auf die Kinder geworfen hat. ( Hundertfach passiert und von Margot Honecker
gedeckt!) Was tut diese Mutter? Sie wird in der DDR alles probieren und natürlich kläglich scheitern, sogar völlig
unschuldig im Knast landen und dann? Welche Möglichkeit hat sie noch? Ganz klar, sie muss in den Westen, denn da
und nur da, kann sie solch einen Druck ausüben, dass sie vielleicht ihre Kinder wiederbekommt.

Was wird diese Mutter also tun und was weiß die arme Frau wohl über die Grenze, die sagen wir mal in Dresden lebte?

LG

Sparta


Ich bin stolz darauf, kein Smartdingsbums zu besitzen.
Nicht Deutschland schafft sich ab, sondern Deutschland schaltet sich ab.
Habeck und Baerbock in die Produktion. Die Grünen sind eine fortschrittsfeindliche Sekte.



Benutzeravatar
Spartacus
 
Beiträge: 28840
Bilder: 0
Registriert: 28. März 2013, 19:01
Wohnort: Bayern

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 18. August 2013, 14:03

Spartacus hat geschrieben:
Edelknabe hat geschrieben:Ja Spartacus, und dann sollte ich mich reinversetzen können in Einen, der mit Macht die Seite wechseln wollte, dabei vielleicht noch schwer verletzt wurde? Der alles wegschmeißen wollte wenn er denn überhaupt als junger Mensch was zum wegschmeißen hatte.
Rainer-Maria

Einen guten Sonnabend allen ins Forum


Nun überspitze ich das mal Rainer.

Was wäre denn gewesen, wenn sich der "Feind" der da auf die Grenze zurennt, als Deine Schwester entpuppt hätte?


Die Frage ist aber nicht nur an Dich gerichtet, denn ich denke mal, das war der Alptraum schlechthin für jeden Grenzer,
das da plötzlich ein naher Verwandter ausgerechnet in seinem Abschnitt einen Grenzdurchbruch wagt?

LG

Sparta


da fragst du gerade den richtigen Spartacus,
er war doch nur bei den pionieren im stab und sein päckchen, dass mit den erinnerungen, hat er irgendwann mal hinter seinem zaun vergraben ... so eine seiner aussagen dazu und eben nur sinngemäß.


ein absoluter albtraum Spartacus,
nur ist mir nicht bekannt ob jemals jemand darüber berichtet hat.
ich kann dir nur aus meiner zeit und meiner damaligen gedankenwelt berichten, bin aber sicher, dass mir auch das wieder jemand in frage stellt.
egal,
man kommt ja nicht von jetzt auf heute zu seiner erkenntnis, daher möchte, muss ich ausholen, es scheint mir so besser verständlich zu sein.

auf der uffz-schule wurde man aufgebaut ein militärischer vorgesetzter zu sein, doch eben nur in der theorie und nach 6 monaten spuckte diese schule auch nur nen theoretischen uffz aus.
der kam mit 19 dorthin, wurde geschliffen, ausgebildet und zum ende hin, mit nem starken selbstbewusstsein der "meute" überlassen.
von einem tag auf den anderem ging das und erstmal wurde man getestet und läuft natürlich komplett auf, was man zu spüren bekommt. wenn der kleine mann es will, dann stehen alle räder still
und da kannst du ne kragenlize tragen oder nicht, bist eh erst knapp 20 lenze jung.
von der lehre weg zur armee, null plan vom wahren leben und nun sollste nem familienvater oder halt einfach einem lebenserfahreneren sagen was er zu tun oder zu lassen hat.
es zählten dienstalter und kompetenz, nicht nur auf den abschnitt bezogen, eher auch zwischenmenschlich.
dann gab es ja auch noch die e-bewegung und dagegen anzugehen war nicht leicht.
da musste man teilweise auch den uffz raus-hängen lassen, um es nicht eskalieren zu lassen. ein geben und nehmen war das, mit dem ziel akzeptiert zu werden,
als mensch.
schick mal nen alten gefreiten zum abwaschen in die küche und die knolle durfte endlich mal in den wohlverdienten ausgang gehen.
es ging dem E schlichtweg am a...h vorbei.
er musste damals auch da durch und nun kommt so nen knollenuffz.
doch gab es auch griffige E's die vorher bemerkt hatten, dass der uffz seine hütte selber putzt, wischt, ata fährt und bohnert. das hat sonst immer ne knolle gemacht
und schon war der knollenuffz nicht mehr ganz so ne knolle.
der setzt sich auch mal ein, dass der urlaub passt oder dieser und jener zusammen ausgang bekam,
bei dem man sich endlich mal wieder die kante geben konnte und raus aus dieser kompanie war, unter menschen.
meine erste schicht als postenführer hatte ich am schanzenauslauf (wurmbergschanze) mit einem gefreiten der selber postenführer war und mich wohl eher dort hoch führte, als ich ihn.
fast zwei stunden anmarsch, über mir noch unbekannte wege und er immer voraus.
ich kam ja frisch von der uffzschule und konnte theoretisch alles,
nur eben dass nicht und ich lernte wieder ne theorie über den haufen zu werfen.
die zweite theorie kam uns auf dem anmarschweg entgegen.
das postenpaar, welches am vorgeschriebenen postenpunkt die übergabe vollziehen sollte und dass war nicht irgendwo unterwegs,
sondern der BT9 am SAL (schanzenauslauf wurmbergschanze).
oben angekommen mussten wir uns beim KGsi anmelden und ich wollte meinem posten das beobachtungsfeld zuweisen,
so hatte ichs gelernt und zack, ging die nächste theorie flöten.
manche GMN-stecker rutschten aus der dose und ich brauchte dafür eine hand. die zweite brauchte ich für den hörer und mein posten grinste sich eins,
kam zu mir und sprach nen satz den ich nie vergessen werde.
" du brauchst ne dritte hand für die postentabelle (über GMN durfte eigentlich auch nur verschlüsselt gesprochen werden) und
unser beobachtungsfeld liegt in der anderen richtung".
dass hab ich erstmal nur registriert und noch nicht verarbeitet, nachdenklich machten mich seine worte,
doch es fehlte auch oft die zeit sich damit zu beschäftigen.
auf der einen standen nun seine worte, auf der anderen gab es täglich neue situatione/informationen die auch wichtig waren um dort "zu überleben".
man lernte diesen und jenen postenbereich kennen, wurde in die praxis eingewiesen und merkte immer mehr, wie gleich man einem soldaten oder gefreitem war.
getrennt nur, aus meiner damaligen und heutigen sicht, durch ne kragenlitze und nen doppelten grundwehrdienst. dass war mir so nicht bewusst, als knolliger junguffz und genau dass
lies mich auch abheben, in der ersten zeit eben und später kamen noch diese sinnfrei beförderungen dazu. war wohl auch so ne art planerfüllung mit dabei.
recht zügig wurde ich unterfeldwebel, da war ich knapp nen jahr in der einheit und ja, ich war aus meiner sicht keine knolle mehr.
hatte die hälfte geschafft und dann kam der druck von oben.
ich sollte überlegen ob ich nicht auch KGsi werden möchte, da ich ja nun auch zum unterfeld befördert wurde ... . in den anderen zügen sind schon alle KGsi und sie bräuchten noch dringend einen.
nein, ich wollte nicht.
ich hatte die worte des gefreiten im ohr und nie vergessen,
menschen von drüben gesehen die gewunken haben, zöllner grüßten mit nem freundlichen guten morgen und riefen auch mal fußballergebnisse rüber und die täglich aktualisierten fahndungslisten
zeigten immer nur "kriminelle oder verbrecher".

ja Spartacus,
die erste schicht als postenführer war entscheidend und ich machte mir fürchterliche gedanken.
doch eben anders.
was wenn "er" aus deinem ort ist?
... aus deiner straße?
ein nachbar?
was geschieht dann mit mir?
ne chance ihn zu erkennen hätte ich nie gehabt.
erst danach und dann?
hätte mir der staat dann irgendwie geholfen?
klar, hab ja alles richtig gemacht.
und dann???
die geben dir kein neues leben, selbst wenn du nicht mehr der bist, der du vorher warst.
zu einer für mich befriedigenten lösung kam ich nie, wär immer der gef...te gewesen und hab dann derartige gedanken verdrängt.
schuf mir rieten, um mich abzulenken wie tee trinken und dabei was schönes lesen oder briefe schreiben, die ich dann immer erst noch vorschrieb.
meine ausgänge verbrachte ich immer auch in wernigerode, dort gab es büchereien und fress ex- läden, in denen ich mir meinen tee besorgte.
abends ging es dann mit den jungs raus in schierke. gepflegt was essen, trinken und natürlich labern und lästern über die batzen.



dieses szenario
konnte ich jedoch nur mit mir ausmachen, sonst wäre ich staubig geworden und dass wollte ich nicht.
augen zu und durch, wird schon klappen und ja,

ich hatte verdammtes glück und war zu jung für diesen s....ß.

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 18. August 2013, 16:47

Siehe vs mit:

"da fragst du gerade den richtigen Spartacus,
er war doch nur bei den pionieren im stab und sein päckchen, dass mit den erinnerungen, hat er irgendwann mal hinter seinem zaun vergraben ... so eine seiner aussagen dazu und eben nur sinngemäß."

Na klar vs, der Rainer war leider nur Hobbygrenzer auf dem Stab in N. an der Elbgrenze und überlässt dir Ex-Unteroffizier natürlich gerne den Ruhm,ich habe da Null Problemo mit. "Habs auch schon wieder vergraben, im Schuhkarton, dort am Ende der Welt, da wo der Bretterzaun steht, genau Der, wo es dahinter gleich steil abfällt"

Rainer-Maria tut mir leid Spartacus,der Ernstfall wäre mit hoher Wahrscheinlich nicht eingetreten, denn meine Schwester war zu dem Zeitpunkt gerade beim MfS in Berlin....um tagtäglich auf deren Schreibmaschinen zu tippen.
Benutzeravatar
Edelknabe
Grenztruppen
Grenztruppen
 
Beiträge: 19915
Bilder: 57
Registriert: 2. Mai 2010, 09:07

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 18. August 2013, 18:11

Gut, dass vs1400 einfach mal zuerst geantwortet hat. Er hat wohl doch die Hintersinnigkeit der Frage des Spartacus besser erfasst...

Torsten, was Dir in der Situation durch den Kopf ging, was den Anstoß zum großen Nachdenken gab, hast Du sehr gut erläutert. Ich kann mich reinversetzen. Stelle lediglich im direkten Vergleich zu mir fest, dass in früherer Kinder- und Jugendzeit sich über solch Wenn und Aber leider keiner mit Dir auseinandersetzte. Du warst somit das bessere "Fressen" für das Wehrkreiskommando !
Mein frühes Nachdenken über die Grenze kam über meinen Vater und seine sehr langen klugen (eigentlich ganz simplen) Gedanken. Als wir redeten, war er ja auch noch keine 40 Jahre alt, hatte aber den leidvollen Krieg mit seinen Erfahrungen machen müssen.
Dann war meine halbe Sippe (väterlich) im Westen. Die andere Hälfte hier (linientreu mütterlich). Nun mach Dir als Heranwachsender mal zur "Weltpolitik" Gedanken. Da gewinnt immer der, der am meisten positiven Einfluss nahm!

In diesem Harzer Grenzabschnitt fuhr er mich schon mit der Sportkarre als 3-jährigen rum. Unten in Tanne saßen wir Jahre später am hölzernen Schlagbaum (heute B242) und sinnierten beide in Richtung des NOCH unerreichbaren Westens ...

Mir wurde vom RMR mal vorgehalten, dass es einfach nicht sein konnte, mit 17/18 Jahren schon im WKK zu sagen, dass man an der Grenze nie schießen wird, echt schon glasklare Ansichten zu haben...
So wie bei vs1400 diese Erkenntnis erst etwas später an der Grenze kam, war sie bei mir durch viele Gespräche schon ausgeprägt.
Bei gleicher Konstellation der Umstände wäre die garantiert auch dem Muldetaler Schriftsteller gekommen, ist für mich logisch.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 18. August 2013, 21:31

Edelknabe hat geschrieben:Siehe vs mit:

"da fragst du gerade den richtigen Spartacus,
er war doch nur bei den pionieren im stab und sein päckchen, dass mit den erinnerungen, hat er irgendwann mal hinter seinem zaun vergraben ... so eine seiner aussagen dazu und eben nur sinngemäß."

Na klar vs, der Rainer war leider nur Hobbygrenzer auf dem Stab in N. an der Elbgrenze und überlässt dir Ex-Unteroffizier natürlich gerne den Ruhm,ich habe da Null Problemo mit. "Habs auch schon wieder vergraben, im Schuhkarton, dort am Ende der Welt, da wo der Bretterzaun steht, genau Der, wo es dahinter gleich steil abfällt"

Rainer-Maria tut mir leid Spartacus,der Ernstfall wäre mit hoher Wahrscheinlich nicht eingetreten, denn meine Schwester war zu dem Zeitpunkt gerade beim MfS in Berlin....um tagtäglich auf deren Schreibmaschinen zu tippen.


du hattest doch deine chance offen zu antworten rainer,
die frage war an dich und ehemaliger grenzer gerichtet und da du schon gepostet hattest ...
wenn ich jedoch deine themen bezogenen so lese und mich mal nur in einen gastleser versetze, käme mir fast der gedanken du warst an der grenze.
mir gehts es dabei keinesfalls um ruhm, eher um nen zeitzeugen bericht und soweit mir bekannt, hatten zu meiner zeit die pioniere noch nicht mal ne kaschi mit im busch.
war das bei euch damals anders?

vs

ps: schreib nicht immer ex-uffz muldentaler ... ich war doch feldwebel [grin] [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 18. August 2013, 22:04

Volker Zottmann hat geschrieben:Gut, dass vs1400 einfach mal zuerst geantwortet hat. Er hat wohl doch die Hintersinnigkeit der Frage des Spartacus besser erfasst...

Torsten, was Dir in der Situation durch den Kopf ging, was den Anstoß zum großen Nachdenken gab, hast Du sehr gut erläutert. Ich kann mich reinversetzen. Stelle lediglich im direkten Vergleich zu mir fest, dass in früherer Kinder- und Jugendzeit sich über solch Wenn und Aber leider keiner mit Dir auseinandersetzte. Du warst somit das bessere "Fressen" für das Wehrkreiskommando !
Mein frühes Nachdenken über die Grenze kam über meinen Vater und seine sehr langen klugen (eigentlich ganz simplen) Gedanken. Als wir redeten, war er ja auch noch keine 40 Jahre alt, hatte aber den leidvollen Krieg mit seinen Erfahrungen machen müssen.
Dann war meine halbe Sippe (väterlich) im Westen. Die andere Hälfte hier (linientreu mütterlich). Nun mach Dir als Heranwachsender mal zur "Weltpolitik" Gedanken. Da gewinnt immer der, der am meisten positiven Einfluss nahm!

In diesem Harzer Grenzabschnitt fuhr er mich schon mit der Sportkarre als 3-jährigen rum. Unten in Tanne saßen wir Jahre später am hölzernen Schlagbaum (heute B242) und sinnierten beide in Richtung des NOCH unerreichbaren Westens ...

Mir wurde vom RMR mal vorgehalten, dass es einfach nicht sein konnte, mit 17/18 Jahren schon im WKK zu sagen, dass man an der Grenze nie schießen wird, echt schon glasklare Ansichten zu haben...
So wie bei vs1400 diese Erkenntnis erst etwas später an der Grenze kam, war sie bei mir durch viele Gespräche schon ausgeprägt.
Bei gleicher Konstellation der Umstände wäre die garantiert auch dem Muldetaler Schriftsteller gekommen, ist für mich logisch.

Gruß Volker


kann ich so nicht stehen lassen Volker,
meine eltern wurden in der nachkriegszeit geboren und mein vater zu jeder wahl vom abv abgeholt.
in der 5. oder 6. klasse gab es die ersten anfragen in der schule ... wer könnte sich denn vorstellen usw. usf. und auch die kasernenbesuche in halle/saale, an pioniernachmittagen machten mir diese richtung spannend. immer die neueste und beste technik und nebenher sichert man noch den weltfrieden.
ja, und dann wollte ich das auch tun. weltfrieden ist doch nichts falsches und dafür dient man gern auch länger. 6. oder 7. klasse eben und ich ging stolz nach hause, stellte mich an unseren schönen
kachelofen und eröffnete damit das gespräch nach dem abendessen.
mein vater wäre mir fast an die gurgel gegangen und schrie mich an ... wenn ich über diese grenze, ne waffe hätte und du mir gegenüberständest ... .
ab da war der typ für mich erledigt und die ehe meiner eltern zwei jahre später geschieden.
meine mutter wollte sich wohl keine vorwürfe machen lies mir mein leben und meine entscheidungen, was trotz allem besser war.

gruß vom Torsten ... ihr zwei. [wink] [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 18. August 2013, 22:26

Hallo Torsten,
Deine Einlassungen sind interessant. Doch ich lag dann nicht so falsch... Was ich meinte ist, dass Dir im Vorfeld seit der Kindheit keiner zur DDR eine gegenteilige Meinung bot. Wenn Dein Vater offenbar so eingestellt war, dann scheint Dir ja zuvor dies entgangen zu sein. Oder? Habt Ihr Euch früher mal über die Grenze ausgetauscht, dass wir hier prinzipiell "festgenagelt auf Lebenszeit" sind?
Diese Gespräche gab es mit meinem Vater, ich spürte seinen Unmut über seine Situation, eben nie weg zu dürfen und meinetwegen auch wieder zukommen ...
Mein Mutter hatte da aber eine ganz andere linientreuere Ansicht. Völlig konträr die beiden. Ich dazwischen! Einfluss aber nahm meine Mutter allenfalls diesbezüglich in Negativen. Denn sie diskutierte nie mit mir, Sie war die Partei und ordnete allenfalls an. Erklärende Diskussionen, Streitgespräche gab es nie. Sie hatte oder nahm sich für die Erziehung zu wenig Zeit, erwartete aber, dass wir Kinder funktionieren.
Für mich als älteres Kind und später als Jugendlicher war das keine schöne Situation.
Wenn ich sehe, wie viel Liebe und Zuwendung unsere Enkelinnen von ihren Eltern erfahren, und wie wir 4 Großeltern uns bemühen ... Kein Vergleich!

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 18. August 2013, 23:27

ich werde und würde meinen eltern nie einen vorwurf machen,
ihr handeln berief sich auf reaktionen der zeit Volker.
mein erzeuger hätte jedoch durchaus anders reagieren können.
egal.
meine mutter war parteilos, gelernte verkäuferin und umgeschulte krippenerzieherin. sie war angestellt im öffentlichem dienst und ihr war bewusst, wie weit sie gehen durfte.
die grenze an sich war wohl nie das problem, eher die gesamtheit.
was ich bewusst aber auch nur bei familienfeiern mitbekam, doch eben mehr am rande. meine oma achtete sehr darauf und schritt bei zeitem in die diskussion ein ... dass brauchen die kinder noch nicht zu wissen ... opa preschte hoch, trotz parteibuch und schimpfte auf die kommunisten, kurz danach war es in monte cassino, ehrte den führer um sich in darauf an seine gefangenschaft zu erinnern ... wir wurden dann schon am anfang ins bett verfrachtet, hörten aber gespannt mit.
ich denke sie hatten sich damit abgefunden und auch so wurden wir dann wohl auch erzogen.
so ist es und mach das beste daraus.

Volker,
in den winterferien liefen damals ne ganze zeit lang so berichte über stalingrad und den 2.wk im vormittags programm und die durfte ich erst sehen, wenn opa im atelie war.
direkte politische gespräche wurden mit mir, in der familie nie geführt.
mein vater arbeitete in 3 schicht rollende woche und meine mutter 2 schicht in der kindergrippe.
sie ist heute noch erstaunt, wenn ich meiner nichte, über meine kindheit und jugend, berichte.

einen vergleich, zwischen damals und heute, sollte man auch immer etwas von außen sehen, weniger emotional.

gruß vom Torsten [hallo]

ps: heutige großeltern wär ja auch mal nen thema wert. [grin]
vs1400
 

VorherigeNächste

Zurück zu Grenztruppen der DDR

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste