Wie kam die Wismut zu ihren Ferienheimen an der Ostsee?
Als ich eben über die Wismut recherchierte und darauf stieß, dass Zinnowitz das Urlaubsdomizil der Wismutkumpel war, also die Wismut über nahezu alle Hotels und Pensionen der Stadt verfügte, las ich, dass die gesamten privaten Hotels und Pensionen an der Ostsee 1953 in einer einzigen Aktion verstaatlicht wurden. Da fiel mir wieder ein, dass als Antwort auf meinen Tweet über die Unbeliebtheit des sächsischen Dialekts @jasmunder
die Aktion "Rose" von 1953 ins Spiel brachte, als 400 Polizeischüler der VP-Schule Arnsdorf, Sachsen, an der Ostseeküste einfielen und die gesamte private Ferienindustrie schikanierten. Und das wahrscheinlich mit breitem sächsischen Dialekt.
Die Aktion "Rose" war ja ein unglaubliches staatliches Gaunerstück. Die mehr als 400 Polizeischüler, nicht hat mal richtige Polizisten, durchsuchten innerhalb von 4 Wochen im Februar 1953 über 700 Hotels, Pensionen und Gaststätten. Dabei wurden Straftaten konstruiert, um die Besitzer enteignen zu können. Das waren wilde und willkürliche Vorwürfe: Verstöße gegen das Volkseigentumsschutzgesetz (VESchG von 1952), „Wirtschaftsverbrechen“, Schwarzhandel, „Spekulation“, Westkontakte, „Agententätigkeit“. Als Beweise dienten West-Zigaretten, Bohnenkaffee, nicht abgeführte Pfennigbeträge, höhere Preise als staatlich erlaubt. Über 400 Personen wurden verhaftet und von Sondergerichten in Schnellverfahren von 1 bis 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Objekte wurden dem FDGB und der Wismut übereignet. Flankiert wurde die Aktion durch die staatshörigen Medien, Zeitungen (Neues Deutschland, Ostseezeitung) und Rundfunk hetzten massiv gegen die „Ratten“, „Gauner“, „Spekulanten“.
Die Aktion erhöhte die Wut und Unzufriedenheit der Bevölkerung. Zumal die meisten Einrichtungen erst mal leer standen oder schlecht geführt wurden. Nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 ließ man die meisten Verurteilten frei, sie wurden aber weder rehabilitiert noch entschädigt, von einer Rückgabe des illegal geraubten Eigentums nicht zu reden. Die meisten verließen die DDR.
Mit dieser Aktion wurde der Ostseetourismus über den FDGB zentral gelenkt. Weg vom Privateigentum, hin zu volkseigenem Urlaubswesen. So richtig gut war das aber nicht. Später blühte das private Übernachtungsgewerbe wieder auf, allerdings in Privatzimmern, manchmal abenteuerliche Bleiben, wie ausgebaute Schuppen oder Garagen oder in kleinen Pensionen, die man 1953 nicht enteignet hatte. Viele Betrieb errichteten Bungalows oder andere Ferienobjekte für ihre Mitarbeiter an der Ostsee, vor allem das Campingplatzgewerbe blühte auf. Für letztere brauchte man aber einen Zeltschein, die zentral vergeben wurden. Spontan ging gar nichts! Verrückte Zeiten, eben sozialistische Planwirtschaft!
Nach der Wende wurde geraubtes Eigentum der Aktion Rose zurückübertragen, aber nur, wenn die Eigentümer zurück kamen und die vergammelten Häuser wieder aufbauten.
https://x.com/Forstler1/status/2010808102418063864?s=20