Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Geld, Wirtschaft, Einkauf u.s.w.

Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon Interessierter » 6. Dezember 2011, 22:04

Der Focus meint heute dieses;

EUHintergrund: Die Kritik an den Ratingagenturen
Dienstag, 06.12.2011, 10:32
Die Bewertungen der Ratingagenturen sind umstritten. Ihnen wird vorgeworfen, die Finanzkrise 2008 mit verursacht zu haben, weil sie Bestnoten für Wertpapiere vergaben, in denen faule US-Immobilienkredite gebündelt waren.
Damit führten sie Anleger, darunter gerade auch deutsche Banken, in die Irre. In Europa wird zudem kritisiert, dass die drei profitorientierten US-Unternehmen Standard & Poor´s (S&P), Moody´s und Fitch den Markt dominieren und in der Regel ausgerechnet von denen, die sie bewerten, auch bezahlt werden. Die Wissenschaftler Hanno Beck und Helmut Wienert von der Hochschule Pforzheim sprechen von einem „engen Oligopol mit hohen Gewinnspannen und schlechter Bewertungsleistung“. S&P sorgte zudem vor einigen Wochen mit einer Computerpanne für Aufsehen.

In der Schuldenkrise basieren die Benotungen einzelner Länder oder Banken häufig auf schon bekannten Daten, sorgen aber zum Veröffentlichungszeitpunkt an den Märkten für erneute Verunsicherung. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier wollte daher die Bewertungen von Euro-Krisenländern unter bestimmten Umständen vorübergehend verbieten, konnte sich aber in diesem Punkt nicht durchsetzen. Allerdings sollen die Noten der Ratingagenturen künftig vergleichbarer und transparenter werden. Für ihre Regulierung zuständig ist die neue Europäische Wertpapieraufsicht ESMA in Paris.
...
EU: Hintergrund: Die Kritik an den Ratingagenturen - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland ... 91249.html
Interessierter
 

Re: Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon Interessierter » 7. Dezember 2011, 10:01

Auch Harald Schmidt hatte dazu etwas zu sagen:

http://www.focus.de/kultur/kino_tv/hara ... 28522.html

[hallo]
Interessierter
 

Re: Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon Interessierter » 7. Dezember 2011, 10:11

So will Europa reagieren :

Nach den kritischen Bemerkungen der US-Ratingagentur Standard & Poor's zur Kreditwürdigkeit von Euro-Ländern und dem Euro-Rettungsfonds EFSF ist in der Regierungskoalition die Forderung nach einer eigenen europäischen Ratingagentur wieder lauter geworden. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs (CDU), sagte der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch, es sei notwendig, 2012 intensiv den "Aufbau einer unabhängigen europäischen Ratingagentur" voranzutreiben. Als Vorbild nannte Fuchs die Stiftung Warentest in Deutschland.

Quelle:http://www.stern.de/news2/aktuell/politiker-von-cdu-und-fdp-fuer-europaeische-ratingagentur-1759747.html
Interessierter
 

Re: Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon CaptnDelta » 7. Dezember 2011, 10:59

Interessierter hat geschrieben:So will Europa reagieren :

Nach den kritischen Bemerkungen der US-Ratingagentur Standard & Poor's zur Kreditwürdigkeit von Euro-Ländern und dem Euro-Rettungsfonds EFSF ist in der Regierungskoalition die Forderung nach einer eigenen europäischen Ratingagentur wieder lauter geworden. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs (CDU), sagte der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch, es sei notwendig, 2012 intensiv den "Aufbau einer unabhängigen europäischen Ratingagentur" voranzutreiben. Als Vorbild nannte Fuchs die Stiftung Warentest in Deutschland.

Quelle: http://www.stern.de/news2/aktuell/polit ... 59747.html

Na, mal sehen ob da tatsaechlich was kommt, ob's dann "glaubwuerdiger" wird, und ob diese Agentur wahrgenommen wird.

Im Endeffekt isses doch so das S&P, Finch und Moody's eher ueberkorrekt reagieren, nachdem sie in der Subprime-Krise relativ klaeglich versagt haben. Und trotzdem hecheln sie den Maerkten noch hinterher: -zwar nicht ganz so schlimm wie Merkel, Sarkozy und andere Politversager in Europa- jedoch sind die Ratings-Agenturen immer noch ein paar Wochen hinterher: Italien hat schon Anfang Nov. ~7% fuer 10-jaehrige Staatsanleihen hinlegen muessen (da wird's grenzwertig), Deutschland ist vor ein paar Wochen in der Offerte von 10-Jaehrigen auf 2/3 der Emissionen sitzengeblieben. Genauso ist die momentane Kapitalisierung vieler franzoesischer und deutscher Banken absolut grenzwertig.

Was sollte eine Ratings-Agentur dazu sagen - "Alles in Butter"? Genau damit hat man sich bei Lehmann's die Finger verbrannt und wurde vor den Kadi gezerrt, deswegen macht man wohl jetzt lieber vorsichtiger und konservativer. Es muss denen keiner etwas glauben - und macht auch praktisch keiner verbatim.

Zum Thread-Titel: Die Frage stellt sich wohl so nicht, oder?
-Th

PS: Deutsche Boulevard-Seiten wie "Focus", "Stern" oder "Spiegel" haben in ihren Wirtschaftsredaktionen meist nur Abiturienten, Volontaere und andere abgeknickte Dilletanten, das merkt man auch am zitierten Eingangsbeitrag. Da waer' ich vorsichtig, den zitierten "Experten" was zu glauben.
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Re: Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon Sirius » 7. Dezember 2011, 12:37

Ratingganturen sind so etwas wie das Fieberthermometer, mit dem der Arzt bei seinem kranken Patienten die Körpertemperatur mißt, oder der Seismograph das Erdbeben. Wenn der Arzt eines der modernen elektronischen Thermometer mit Digitalanzeige benutzt, so kann es passieren, dass einige aus einer produzierten Charge einen systematischen Fehler haben und falsche Ergebnisse liefern. So wie die Ratingagenturen vor dem Lehman-Zusammenbruch auch nicht "funktionierten". Darum sollte sich ein Arzt auch niemals auf das Thermoter alleine verlassen und auch auf andere Symptome achten. Dem Arzt "Fieberthermoter" zu verbieten - was der Forderung nach einem Verbot der Ratingagenturen entspricht - wird den Patienten nicht gesund machen. Im Gegenteil, der Arzt erkennt noch schwerer, dass der Patient krank ist. Und die Forderung der europäischen Politiker nach einer eigenen Ratingagentur kann sinnvoll sein, muss es aber nicht. So wie es auch keinen Sinn macht, ein anderes Thermoter aus der Charge mit den defekten Geräten zu benutzen.

Wir haben es mit einer Staatsschuldenkrise zu tun, die "Fieberthermometer" zu beschimpfen, ist nichts anderes als das Werfen von Nebelkerzen. Der "Patient" hätte ein gesunderes Leben führen sollen, dann wäre er auch nie krank geworden.
Sirius
 

Re: Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon Interessierter » 9. Dezember 2011, 14:01

Es wird höchste Zeit, daß Europa eine eigene Rating- Agentur bekommt, daß jedenfalls hoffe ich um so mehr, nachdem ich diesen kritischen Beitrag las:



09.12.2011

S.P.O.N. - Der Kritiker
Volkswirtschaften wie Vieh vor sich hertreiben

Die Cowboy- und Lügnergeschichte des Banken-Kapitalismus: Der mit einem Oscar prämierte Dokumentarfilm "Inside Job" erzählt, wie es zur Finanzkrise kam und warum sich danach nichts geändert hat - er gehört unter den Weihnachtsbaum kultivierter Kapitalismuskritiker.
Info

Menschen sind Lebewesen, die mit aller Macht versuchen zu verbergen, wie lächerlich, klein und schwach sie sind. Manche nennen das Zivilisation.

Entschuldigung, das klingt jetzt etwas sarkastisch oder zynisch. Aber wir reden ja auch vom Kapitalismus: Das Schauspiel des Jahres, Kindertheater, Märchenstunde, Lustspiel, Marionettenstück, echte Tragödie, man kann es sehen, wie man will. Sicher ist eh nichts. Sicher ist nur: Keiner weiß wirklich, was gerade passiert.

Kapitalismus: Hier verbinden sich Fakten und Fiktionen auf abenteuerliche Art und Weise. Kapitalismus: Hier ist der Nullpunkt unserer Zeit. Kapitalismus: Hier kann man der erbärmlichen Existenz des Menschen mal ganz direkt ins Gesicht schauen. (Ja, ja, ja, mein lieber Bankerfreund Dirk, er hat auch gute Seiten, der Kapitalismus, aber heute geht es eben um die schlechten.)

Meine Lieblingskapitalismusszene 2011 stammt aus dem grandiosen, markerschütternden und in diesem Jahr mit dem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm "Inside Job". Erzählt wird die Cowboy- und Lügnergeschichte des Banken-Kapitalismus, erzählt wird, wie es zur Finanzkrise 2008 kam und dass sich danach nichts geändert hat. Im Gegenteil, sie kommen wie Springteufel immer wieder aus ihrer Schachtel, die gleichen Typen in den gleichen Anzügen, phantastisch.

Meinung wird Wahrheit

Da sitzen also in einer Szene die Vertreter der heute berühmten, berüchtigten Rating-Agenturen, die noch Tage vor dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers und dem Versicherungskonzern AIG die höchste Kredit-Note AAA gegeben haben (in Frankreich gibt es übrigens noch eine höhere Note, AAAAA, das ist das Gütezeichen für die Andouillettes, superfettige und eklig leckere Würste, aber das ist eine andere Geschichte). Da sitzen also diese Würste, also diese Männer sitzen da und sollen den amerikanischen Kongressabgeordneten erklären, wie sie zu ihren hasardeurhaften Bewertungen gekommen sind - und die sagen einfach, zusammengekauert und ihr Gesicht zerfurcht vom eigenen Lügenleben, seltsam breiig in ihrem Auftritt und fast schon zwischen ihren Worten verschwunden, obwohl sie noch da sitzen: Die sagen einfach "Das ist doch nur eine Meinung", "das ist doch nur unsere Meinung", "also, ich würde sagen, das ist doch nur eine Meinung".

Und die wird man ja wohl noch mal sagen dürfen. Seltsam nur, dass diese "Meinung" schon bald darauf und besonders in diesem Krisenjahr 2011 wieder "Wahrheit" wurde. Seltsam, dass diese so meinungsfreudigen Rating-Agenturen gerade in dieser Woche, in diesen Monaten die Volkswirtschaften wieder wie Vieh vor sich her treiben. Seltsam auch, dass sie ihre Wurstigkeit schon im Namen tragen: Moody's zum Beispiel heißt ja übersetzt nichts anderes als "launisch, grillenhaft, unbeständig", Fitch klingt wie ein alkoholkranker Privatdetektiv mit einem Hang zum Glücksspiel, und Standard & Poor's trägt nicht nur den Doppelstandard schon im Namen, die Firma ist auch ganz offen damit, dass Armut (poor) Teil ihres Programms ist.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 45,00.html
Interessierter
 

Re: Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon CaptnDelta » 9. Dezember 2011, 14:15

Hab gerade das gleiche gelesen, bin nur zu einem etwas andern Schluss gekommen...

Interessierter hat geschrieben:Es wird höchste Zeit, daß Europa eine eigene Rating- Agentur bekommt, daß jedenfalls hoffe ich um so mehr, nachdem ich diesen kritischen Beitrag las:
S.P.O.N. - Der Kritiker
Volkswirtschaften wie Vieh vor sich hertreiben

Die Cowboy- und Lügnergeschichte des Banken-Kapitalismus: Der mit einem Oscar prämierte Dokumentarfilm "Inside Job" erzählt, wie es zur Finanzkrise kam und warum sich danach nichts geändert hat - er gehört unter den Weihnachtsbaum kultivierter Kapitalismuskritiker.
....

Gutes Beispiel wie man trotz maessiger Bildung und voelliger Unkenntniss der jeweiligen Sachverhalte in den deutschen Medien was werden kann - der Autor ist die gelebte deutsche Tellerwaeschergeschichte, nur eben ohne Faehigkeiten, und ohne Happy End.

Interessierter hat geschrieben:... und Standard & Poor's trägt nicht nur den Doppelstandard schon im Namen...

Q.E.D

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Re: Ratingagenturen - Sinnvoll oder nicht?

Neuer Beitragvon manudave » 9. Dezember 2011, 16:06

Die Agenturen sind doch nur die Überbringer von Botschaften und Fakten und die sollten immer verschont werden (wie die Boten im Mittelalter eben). Sie können nichts für die Dinge, die sie aussprechen. Die Probleme löst man nicht, wenn man sich mit denen beschäftigt und nicht die Ursachen anpackt...
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