Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bringt angesichts des langwierigen EU-Beitrittsprozesses der Ukraine eine Art vorübergehende Teilmitgliedschaft des Landes ins Spiel. »Ich schlage vor, die Idee einer ›assoziierten Mitgliedschaft‹ für die Ukraine weiter zu erörtern«, schreibt Merz in einem Brief an die EU-Spitzen, über den mehrere Medien übereinstimmend berichten. Demnach soll die Ukraine etwa an Treffen des Rats der EU-Länder teilnehmen können, ohne jedoch ein Stimmrecht zu erhalten.
Er stelle sich »eine politische Lösung vor, die die Ukraine der Europäischen Union und ihren Kerninstitutionen sofort wesentlich näher bringt, ohne die laufenden Beitrittsverhandlungen zu beeinträchtigen«, schlägt Merz vor. Dies ist seiner Einschätzung nach ohne Vertragsänderungen möglich und würde »lediglich eine starke politische Einigung« erfordern.
Der am 18. Mai datierte Brief ist an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa und den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides adressiert. Zypern hat derzeit die halbjährlich rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne.
...Ukraine als „assoziierte Mitgliedschaft“ in der Europäischen Union ins Spiel. [1, 2]
Bundeskanzler Friedrich Merz schlug diese Zwischenlösung im Mai 2026 in einem Brief an die EU-Spitzen vor, da ein regulärer, schneller EU-Beitritt aufgrund zahlreicher bürokratischer Hürden unrealistisch bleibt. Der Vorschlag zielt darauf ab, dem Land im Krieg ein starkes politisches Signal zu senden und es sofort enger an die Kerninstitutionen zu binden, ohne die laufenden Beitrittsverhandlungen zu behindern. [1, 2, 3]
## Kernelemente des Vorschlags von Friedrich Merz:
* Teilnahme ohne Stimmrecht: Kiew soll an Treffen des Rates der EU (Fachministerräte) sowie des Europäischen Rates (EU-Gipfel) teilnehmen können. [2]
* Vertretung in Institutionen: Die Ukraine könnte ein Mitglied der EU-Kommission (ohne Ressort), Abgeordnete im EU-Parlament sowie einen Assistenzrichter am Europäischen Gerichtshof benennen – jeweils ohne Stimmrecht. [3, 4]
* Sicherheitsgarantie: Der weitreichendste Teil sieht die volle Angleichung an die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik vor, inklusive der EU-Beistandsklausel nach Artikel 42.7. Diese würde Mitgliedstaaten im Falle eines Angriffs zur Hilfe verpflichten, gilt jedoch nicht rückwirkend für bereits laufende Konflikte. [2, 5]
* Gedrosselter EU-Haushalt: Die Ukraine würde nicht sofort vollen Zugriff auf das EU-Budget (wie die Agrarförderung) erhalten, sondern gestaffelt nach Fortschritt der Verhandlungen. [2, 5]
* Keine Vertragsänderung: Laut Merz lässt sich dieses Modell rein über eine „starke politische Einigung“ der Mitgliedstaaten auf dem Verordnungsweg umsetzen. [2]
## Reaktionen und Kritik
Die Initiative stieß auf ein geteiltes Echo. Während deutsche Grüne und FDP den Vorstoß als diskussionswürdig lobten, reagierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ablehnend und bezeichnete einen reinen Sonderstatus anstelle einer echten Vollmitgliedschaft als „ungerecht“. Auch innerhalb der EU-Kommission und bei einigen Diplomaten gibt es Vorbehalte, da das leistungsorientierte Standard-Beitrittsverfahren nicht durch Sonderlösungen aufgeweicht werden soll. [6, 7, 8, 9]