DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Volker Zottmann » 28. Februar 2014, 23:16

Hallo Balu,
gerade Dein Zurückziehen sollte nicht geschehen.
Durch Dich sehen, erleben wir gerade, dass eben selbst bei dieser Radiosendung manipuliert wurde. Siehe die angeblichen Schläge vom Piotrowski. Alle Achtung vor Dir, bei Deiner Meinung zu letzterem, dennoch Falsches gerade zu rücken. Und so selbst den Piotrowski zu "entlasten". Dir liegt ganz offenbar an der Wahrhaftigkeit.

Kann ein Oetten damals einen falschen Eindruck bekommen haben und dann falsche Schlüsse gezogen haben? Du hast Dich ja beim Beschuss in eine Erdmulde geworfen. Es war regnerisch, Nieselregen. Selbst schreibst Du, dass der Flur blitzsauber war und Du dreckig, beingespreizt da stehen musstest. Kann es sein, dass Deine Hose vor Nässe triefte?
Ich denke mal, auch der Oetten hat geschlottert. Ob da die Wahrnehmung noch 100% mit der Erinnerung übereinstimmte?

Dass Du von den Schreibern enttäuscht bist, kann ich nachvollziehen:
An mich trat vor einiger Zeit ein freier Mitarbeiter eines "Fischer-Verlag Köln". (Hat nichts mit Rafimo zu tun) Der war auf meinen DDR-Lebenslauf aufmerksam geworden und wollte ein Buch über DDR-Kinder und Jugendliche verlegen. Ich sollte ein Jahrzehnt beisteuern. Drei andere Personen den Rest.
Nur konkrete Nachfragen bewahrten mich vor einem fatalen Fehler. Auf Nachfrage antwortete der Herr: "Wir wollen noch auf den Nostalgiezug aufspringen und was verdienen". Die hätten also gegen ein lächerliches einmaliges Honorar die Rechte an meinen Episoden gehabt und .... vermarktet. Auch gegen meine Grundüberzeugung. Denn ich habe die DDR nie rückblickend nostalgisch betrachtet.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Begrüßung des Grenzopfers Balu

Beitragvon Balu » 1. März 2014, 00:46

Hallo zusammen und vielen Dank für Eure Begrüßen. [hallo]

@Neun und @ Danny,

Die Frage ob sich das Ganze gelohnt hat, bzw. ob es das Ganze wert war lässt sich nicht mit einem Ja oder Nein beantworten. Wir waren 15 Jahre jung, ich habe meinen 16. Geburtstag in der Untersuchungshaftanstalt des MfS "Roter Ochse" in Halle "gefeiert".
Damals hat sich mir diese Frage nicht gestellt weil meine (Gedanken)Welt wesentlich kleiner war. Ich hatte andere Probleme als mir derartig philosophische Fragen zu stellen. Und meine Sichtweise heute als 50jähriger lässt sich mit damals ja nun gar nicht vergleichen. Insofern ist diese Frage nicht wirklich abschließend zu beantworten.

Was die Gerichtsverhandlung in Magdeburg 1996 anbelangt, ich bin weder ein Richter noch ein Racheengel! Was ich von der Verhandlung erwartet hatte war eine faire und offene Aufarbeitung der Geschehnisse vom 08.12.1979. Was ich bekam war ein Richter der alles tat um die beiden Schützen zu den einzigen Opfern des damaligen Tages zu machen. Sicherlich, irgendwo waren die beiden auch Opfer des damaligen Systems, keine Frage! Aber sich ausschließlich darauf berufen zu wollen ist mir etwas zu einfach.

@Augenzeuge

Mit meinen Eltern hatte ich bereits vor meiner Haftentlassung "Frieden geschlossen". Da ich auf Bewährung entlassen wurde stand ich während meiner 3jährigen Berufsausbildung ohnehin unter Kontrolle. Mein damaliger Klassenlehrer in der BBS war auch der Melder zum MfS. Das wusste ich aber bereits damals schon. Im Großen und Ganzen konnte ich mich nicht beklagen. Es gab zwar immer mal kleine Spitzen die ich ertragen musste. So durfte ich zwar in Buna als Schichtleiter arbeiten, aber mein Genosse Abteilungsleiter hat erfolgreich alles getan das mir die Mister Schule verwehrt blieb. Und auf meinen Grundwehrdienst durfte ich auch buchstäblich bis zum letzten Tag warten, so das alle meine direkten Vorgesetrzten jünger waren als ich. Aber wie gesagt, das waren Kleinigkeiten. Im Großen und Ganzen konnte ich ein ganz normales DDR Leben führen. In wie weit ich über meine Bewährungszeit hinaus unter der Beobachtung des MfS stand kann ich nicht sagen. Ich habe es bis heute bewusst vermieden meine Stasi Akte zu studieren. Wenigstens diese Enttäuschung wollte ich vermeiden.

@ Thalassa und @ Neun

Wir waren zwar noch Teenager, aber das man Stacheldrahtzäune, Mienen und bewaffnete Grenzsoldaten nicht aus Langeweile aufbietet machte auch uns deutlich das wir was verbotenes tun. Insofern waren wir schon "Täter".
Die Art und Weise jedoch, wie mit uns als Tätern umgegangen wurde macht uns aus meiner Sicht aber auch gleichzeitig zu Opfern.

@ Spartacus

Wie ich damit klar komme? Lange Zeit habe ich versucht zu verdrängen und zu vergessen. Leider war mir dies bis heute nicht möglich da immer wieder Leute in meine Leben traten welche alles wieder los treten wollten. Heute, nach so langer Zeit habe ich es als einen Teil meines Lebens akzeptieren gelernt. Und so kann ich damit Leben und auch darüber reden und lebe ein ganz normales Leben, etwas das Heiko nicht kann.

@ all

Wenn ich das richtig sehe sind in diesem Forum wohl offensichtlich beide Seiten vertreten, sprich Vertreter des damaligen Systems in der DDR als auch Gegner des selben. Darum nochmal, es geht mir nicht darum zu verurteilen oder zu verdammen, sondern es geht mir einfach nur um die Wahrheit und darum offen und vor allem ehrlich mit der damaligen Zeit und allem was dazu gehört umzugehen. Ich kann und will Albrecht und Meyer keine Absolution erteilen! Sie hatten die Waffen in ihren Händen und ihre Finger am Abzug. Und sie bewegten diesen Finger, das tat kein Piotrowski und auch kein Goldhahn für sie! Es waren die beiden ganz allein! Und es waren auch ganz alleine Albrecht und Meyer die bestimmt hatten in welche Richtung sie schießen! Sie kannten ihre Waffen und deren Wirkung im Dauerfeuer! Sie lagen beide in der Deckung und ließen uns auf 20 bis 30 Meter heran kommen bevor sie ohne vorherigen Anruf und ohne Warnschuss das Feuer auf uns eröffneten! Sie kannten das Gelände und auch den Alarmablauf des Grenzregimes, das heißt sie wussten ganz genau das uns der Rückweg bereits versperrt war.
Wir haben uns vom Bimmelzaun an den ganzen Weg bis zum Ort des Geschehens an der Schneise der Stromtrasse entlang bewegt. Ein anderer Weg war nicht möglich da der "Urwald" rechts und links der Schneise viel zu dicht war. Das heißt das dies auch der einzige mögliche Rückweg für uns war! Als wir an den Waldrand kamen und vor uns offenes Feld bis zum zweiten Zaun sahen, (ja wir sahen diesen zweiten Zaun vom Waldrand aus, also kann das Wetter wohl nicht soooo schlecht gewesen sein wie behauptet wurde), bewegten wir uns am Waldrand entlang nach rechts um aus der Sichtweite dieses links von uns stehenden Wachturmes zu kommen. Als wir meinten dies geschafft zu haben änderten wir die Laufrichtung direkt in Richtung Zaun und somit direkt auf Albrecht und Meyer zu. Es war zwar etwas diesig und es fiel leichter Nieselregen zu der Zeit. Aber es war erst kurz vor 16 Uhr und somit selbst zu dieser Jahreszeit noch hell genug das die beiden uns genau sehen konnten! Sie luden beide ihre Waffen durch worauf hin ich mich fallen lies und Heiko versuchte zurück zu laufen. Aber zurück wohin? Selbst wenn er die Schneise erreicht hätte, durch den Wald selbst konnte er ja auf Grund seiner Dichte nicht fliehen, also selbst wenn er die Schneise erreicht hätte, was wäre denn geschehen? Der Weg in der Schneise selbst war schon unwegsam genug und am anderen Ende warteten bekanntlich auch schon Posten auf uns. Das Argument das ich in dem anderen Thread gelesen habe, von wegen das Grenzverletzer zurück laufen um dann quer zu gehen und es an anderer Stelle erneut zu versuchen war für uns nicht möglich. Es gab für uns nur die Schneise als einigermaßen begehbares Areal! Und während des ganzen Weges lief Heiko ein bis zwei Meter hinter mir. Da aber, ob nun aus Albrechts oder aus Meyers Waffe auch Geschosse über mich hinweg gingen ist die Aussage der Beiden sie hätten nur auf den flüchtenden Heiko das Feuer eröffnet auch falsch und damit auch die Ablehnung meiner Nebenklage durch Richter Kupfer eine von mehreren seiner Fehlentscheidungen!
Nochmal, es geht mir hier nicht um Verurteilung! Und ich kann auch sehr gut nachvollziehen wie die Beiden sich gefühlt haben mussten als ihnen klar wurde das wir auf sie zu kommen und nicht auf irgend ein anderes Posten Paar. Ich musste meinen Wehrdienst 1989 abhalten, genau in der heißen Wendephase. Wir wurden vorzeitig vereidigt und mussten unsere Grundausbildung vorzeitig beenden. Und wir haben auch jeden Tag gebannt die Nachrichten verfolgt und gebetet das von Berlin kein Befehl kommt gegen die eigene Bevölkerung mit der Waffe in der Hand aus zu rücken. Ich muss aber leider auch ganz klar sagen das ich dem Meyer seine Betroffenheit abnehme und die Tatsache das er bis heute unter seinem Teil der Geschehnisse dieses Tages leidet. Das ich aber bis heute kein Verständnis für den Albrecht habe. Denn der hat bis heute nichts begriffen, egal ob aus fehlendem Niveau oder aber aus reinem Selbstschutz.


Gruß "Balu"
Balu
 

Re: Begrüßung des Grenzopfers Balu

Beitragvon Edelknabe » 1. März 2014, 08:09

Nur mal ein Vorschlag zur Güte. Inclusive Danny seinem Text wo er Fragen stellt sollte man das Ganze herüber in den eigentlichen Fred verschieben, denn sonst fahren wir hier irgendwie zweigleisig. Mich wundert schon das der Pentium schläft denn sonst isser immer der Erste, der so etwas bemerkt. Volkers Willkommensfred also in allen Ehren aber der eigentliche Sachverhalt sollte Drüben behandelt werden.

Der war gut was, der mit dem "Drüben"? Aus dem Westen drüben....aus Westdeutschland.

So hieß das damals in der DDR ..."Die da drüben...oder...meine Mutter fährt bald rüber oder meine Tante kommt morgen von Drüben".Und Die im Westen sagten dann:" Morgen Kinder fahren wir in die Zone, die Ostzone, passt immer schön auf, auf die Vopos da...da meint Klein- Fritzchen:"Aber Mutti, heißt das nicht seit 1949 DDR...die Deutsche Demokratische Republik?"
"Egal Junge, ich nenne es immer schon Zone nur sag du zu deren Volkspolizisten bitte nicht Vopo oder gar Zone, ach....sag besser garnischt"

Rainer-Maria war nur noch bissel Ost/Westhumor aus der Zeit des Kalten Krieges, einen guten Sonnabend allen ins Forum
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Re: Begrüßung des Grenzopfers Balu

Beitragvon Edelknabe » 1. März 2014, 08:23

Der Rainer nochmal. Meinen Text könnt ihr hier lassen. Drüben hätte ich dann auch noch paar Fragen an Balu.

Rainer-Maria "verdammt Danny diese Admins, die schlafen bestimmt erstmal aus"
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Re: Begrüßung des Grenzopfers Balu

Beitragvon Danny_1000 » 1. März 2014, 09:39

@EK,
lass sie halt noch schlafen !

@Balu,

herzlichen Dank für deine umfangreichen Ausführungen, die ich mit sehr großem Interesse gelesen habe. Mit Interesse auch deshalb, weil du die Ereignisse sehr sachlich geschildert hast.

Gruß
Danny
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben
dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Evelyn Beatrice Hall 1868; † nach 1939)
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Re: Begrüßung des Grenzopfers Balu

Beitragvon augenzeuge » 1. März 2014, 10:36

Balu hat geschrieben:Und es waren auch ganz alleine Albrecht und Meyer die bestimmt hatten in welche Richtung sie schießen! Sie kannten ihre Waffen und deren Wirkung im Dauerfeuer! Sie lagen beide in der Deckung und ließen uns auf 20 bis 30 Meter heran kommen bevor sie ohne vorherigen Anruf und ohne Warnschuss das Feuer auf uns eröffneten! Sie kannten das Gelände und auch den Alarmablauf des Grenzregimes, das heißt sie wussten ganz genau das uns der Rückweg bereits versperrt war.
Gruß "Balu"


Danke Balu für den sachlichen und glaubwürdigen Beitrag. Die Vermutung der Abläufe wird zur Gewissheit. Gut, dass du es geschrieben hast, manch anderen hätte man Ahnungslosigkeit womöglich vorgeworfen.
AZ
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„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
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Re: Begrüßung des Grenzopfers Balu

Beitragvon karnak » 1. März 2014, 12:10

Balu hat geschrieben:
Wenn ich das richtig sehe sind in diesem Forum wohl offensichtlich beide Seiten vertreten, sprich Vertreter des damaligen Systems in der DDR als auch Gegner des selben. Darum nochmal, es geht mir nicht darum zu verurteilen oder zu verdammen, sondern es geht mir einfach nur um die Wahrheit und darum offen und vor allem ehrlich mit der damaligen Zeit und allem was dazu gehört umzugehen. Ich kann und will Albrecht und Meyer keine Absolution erteilen! Sie hatten die Waffen in ihren Händen und ihre Finger am Abzug. Und sie bewegten diesen Finger, das tat kein Piotrowski und auch kein Goldhahn für sie! Es waren die beiden ganz allein! Und es waren auch ganz alleine Albrecht und Meyer die bestimmt hatten in welche Richtung sie schießen! Sie kannten ihre Waffen und deren Wirkung im Dauerfeuer! Sie lagen beide in der Deckung und ließen uns auf 20 bis 30 Meter heran kommen bevor sie ohne vorherigen Anruf und ohne Warnschuss das Feuer auf uns eröffneten! Sie kannten das Gelände und auch den Alarmablauf des Grenzregimes, das heißt sie wussten ganz genau das uns der Rückweg bereits versperrt war.

Erstmal vorab,willkommen im Forum und danke für die wohltuend sachlichen Beiträge.
Und jetzt etwas zu dem geschilderten Vorfall an der Grenze.Man muss sich bei der Bewertung solcher Vorfälle AUCH über Eines im Klaren sein,es zumindest mit in die Waagschale der Beurteilung legen, die Wahrscheinlichkeit,dass ein Wehrpflichtiger,selbst ein Länger Dienender in die Situation geriet solch einen Grenzdurchbruch verhindern zu müssen war sehr gering,es war eher unwahrscheinlich,dass er in diese Situation geriet.Natürlich gab es Planungen,Befehle,Vorstellungen was im Fall der Fälle zu tun ist,aber gerade bei diesen Dingen können Theorie und Praxis sehr unterschiedlich sein,der psychische Druck der auf dem"Verhinderer"lastet ist immens.Man hat im Prinzip keine Zeit zu überlegen was man jetzt am Besten tut,muss einfach handeln und ist sich bewußt,dass man keine Fehler machen darf und macht dann gerade besonders viel.
Ich habe in 13 Dienstjahren nicht einmal körperliche Gewalt anwenden müssen,geschweige denn musste ich die Waffe ziehen oder gar zum Einsatz bringen,habe in dieser Zeit 3 Festnahmen realisiert und weiß von meiner Ersten unter welchen gewaltigen Druck ich dabei stand,die Aufgaben und Entscheidungen die dabei gleichzeitig und parallel zu einander zu erfüllen und zu treffen waren,viele gleichzeitig von einem etwas wollten und wissen wollten,dabei keine Fehler zu machen ist fast schon Glücksache.
Und so ist es mit Sicherheit EIN Grund warum es bei einigen verhinderten Grenzdurchbrüchen zu diesen katastrophalen Ergebnissen kam.Die heute salonfähige Meinung,diese katastrophalen Ergebnisse waren so gewollt,geplant unter anderem mit dem Hintergrund"abzuschrecken"zweifle ich einfach an.Mir wurde auch nie irgendwo so ein"Ansinnen"nahe gebracht".
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Edelknabe » 1. März 2014, 12:59

Mal paar Fragen Balu weil ich doch meine, das ist der Fred(kein "Adminschwein" berücksichtigt hier neuerdings Wünsche vom Zusammenlegung ne ne?) wo es um den damaligen Ablauf geht.

Was waren denn so als damalige 15jährige recht grüne Jungs eure ganz normalen Vorstellungen von da vorn am Kanten(dem Zaun I, also der letzte Zaun gen Westen im Grenzerostdeutsch)? Und hatte eventuell mal einer in eurem Freundeskreis, Verwandtschaft so vorher bissel was erzählt wie das da aussieht, mit was Ihr eventuell rechnen müsstet, was ihr also genau überwinden müsst um in den Westen zu kommen? Mich interessiert das einmal als ehemaliger Pionier am damaligen Kanten und ich schreib mal nach deiner Antwort warum?

Der Bimmelzaun, hieß übrigens ausgeschrieben Grenzsignalzaun, der GSZ, der bimmelte auch nicht, der hupte und zwar "die Ochsen"(Signalhörner) hupten. So müsste es zumindest um eure Zeit gewesen sein, denn da war der Rainer vor Ort.(aber mehr im Norden der DDR) Heute, wenn mal Einer in der Logistik tätig ist, also wenn die großen und kleinen Rolltore der Hallen öffnen und schließen ist es zur Sicherheit für den dort Tätigen genau das recht laute Geräusch.

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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Rupert Hübelbauer » 1. März 2014, 13:57

@ Balu,

auch ich finde Deine Worte sehr glaubwürdig und durch Deine interessante Sachlichkeit auch weise.
Beeindruckend finde ich, dass Dir Wahrheiten und Gerechtigkeiten wichtig sind, das Verurteilen, Verdammen und Rache aber nicht. Glückwunsch! Interessieren würde mich, war das von Anfang an so, oder haben Dich zumindest kurzfristig – was nicht unverständlich wäre – Hass- und Rachegefühle nicht doch ein wenig begleitet?

mfG
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Spartacus » 1. März 2014, 15:21

@ Spartacus

Wie ich damit klar komme? Lange Zeit habe ich versucht zu verdrängen und zu vergessen. Leider war mir dies bis heute nicht möglich da immer wieder Leute in meine Leben traten welche alles wieder los treten wollten. Heute, nach so langer Zeit habe ich es als einen Teil meines Lebens akzeptieren gelernt. Und so kann ich damit Leben und auch darüber reden und lebe ein ganz normales Leben, etwas das Heiko nicht kann.


Danke für Deine Antwort Uwe und Dein langer Text hat mir gezeigt, dass Du eine gereifte, kluge und sogar
verständnisvolle Person bist. Du hast also mit der Sache in gewisser Weise abgeschlossen und das ist gut so,
denn das Leben geht weiter. Die Trauer um Heiko wird natürlich bleiben und ich denke mal, das jeder hier mit
Dir fühlt. Ich verstehe auch, dass Du Deine STASI - Akten nicht einsehen willst. Mir geht es so ähnlich, aber der
Zeitpunkt wird kommen. Für uns beide.

Wurdest Du rehabilitiert und / oder bekommst Du die "Opferrente"?

Nochmals Danke für Deine aufschlussreichen Beiträge, die uns hier im Forum mal wieder eine ganz andere Sichtweise
ermöglichen.

LG

Sparta


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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Balu » 1. März 2014, 19:10

Hallo karnak,

von offizieller Seite waren sie in diesem Ausmaß bestimmt nicht gewollt im eigentlichen Sinn des Wortes. Sie wurden "nur" billigend in Kauf genommen.
Es gibt aber den einen oder anderen Vertreter der damaligen Offiziers Gilde die ein solches Vorgehen durchaus wollten und auch forcierten. Zwei dieser Herrschaften wurden in "Lange Schatten" auch mit Namen genannt.

@ Spartakus

Nach der "offiziell" vollzogenen Wiedervereinigung, real ist sie ja bis heute noch nicht vollzogen, wurde ich auf meinen Antrag hin gerichtlich rehabilitiert und bekam eine kleine Haftentschädigung zugesprochen.

@ Rupert Hübelbauer

Ich denke mal das ich kein Mensch wäre wenn ich keine Wut, keinen Hass und all die anderen negativen Gefühle empfunden hätte. Ja ich habe sie damals gehasst, sie alle! Die beiden Schützen die wie kleine Möchtegern Rambos einfach drauf los geballert haben. Diesen verdammten Offizier der noch draußen im "Feld" diesen grausam kalten Spruch über den Zustand meines Freundes abgelassen hatte. Die Grenzer in der Kompanie denen der frisch gestrichene Flur wichtiger war als ein totes Kind. Ja, damals habe ich sie alle gehasst, damals mit 15 Jahren!
Heute bin ich 50 und habe meine ganz eigenen Erfahrungen im Leben machen dürfen und müssen. Und vieles davon ist geeignet manche Dinge zunehmend auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und zu bewerten. Wie ich schon sagte, dem Meyer nehme ich seine Betroffenheit absolut ab! Durch die Verhandlung 1996 bekam ich einen Einblick in die Persönlichkeit der beiden Meisterschützen und in ihre Vita bis zum Verhandlungstag.
Der Albrecht hingegen hatte bis zum Verhandlungstag nichts gelernt. Für diesen Menschen kann ich auch heute nur Verachtung gepaart mit einem leisen Hauch von Mitleid empfinden. Den selben Blödsinn den er vor langer Zeit einmal gegenüber Spiegel-TV geäußert hatte, den hatte er auch 1996 sinngemäß vor Gericht geäußert. Damals hatte selbst ein Piotrowski die Augen verdreht und dem Kopf geschüttelt.

@Rainer-Maria

Der Begriff "Bimmelzaun" war mir bis vor kurzen auch neu. [wink] Allerdings haben wir das Teil damals nicht als Signalzaun wahr genommen, denn es gab keine für uns sicht- und/oder hörbare Signale.
Heiko hatte absolut keine Vorstellung von der Grenze. Und in meiner damaligen Vorstellung war dieser 1. bzw. aus unserer Sicht letzte Zaun ein Äquivalent zu dem bereits überwundenen. Ich wusste nichts von an den Zäunen montierten Selbstschussanlagen. Nach meiner damaligen Vorstellung bestanden die Grenzanlagen aus zwei Zäunen von denen wir ja einen bereits überwunden hatten. Die Posten befanden sich nach meinen Vorstellungen vor diesem ersten Zaun. Unmittelbar vor dem zweiten und damit letzten Zaun habe ich neben einem festen Fahrweg für die Mannschaftswagen welche die Wachtürme "bestücken" einen Bereich mit Bodenmienen vermutet. Wir glaubten wirklich nach dem ersten Zaun auf keine Soldaten mehr zu treffen, außer dem personal auf den Türmen und das wir es geschafft hätten wenn wir den zweiten Zaun lebend erreicht und überwunden hätten.

Gruß Balu
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon karnak » 1. März 2014, 19:27

Balu hat geschrieben:Hallo karnak,

von offizieller Seite waren sie in diesem Ausmaß bestimmt nicht gewollt im eigentlichen Sinn des Wortes. Sie wurden "nur" billigend in Kauf genommen.
Es gibt aber den einen oder anderen Vertreter der damaligen Offiziers Gilde die ein solches Vorgehen durchaus wollten und auch forcierten. Zwei dieser Herrschaften wurden in "Lange Schatten" auch mit Namen genannt.


Unbestritten war das so,aber es macht eben bei historischer Betrachtung dieser Dinge einen Unterschied ob es "so gewollt"um "abzuschrecken" oder "billigend in Kauf genommen"wurde,wenn auch nicht für die Opfer des Ganzen,für die war das"Ergebnis" das Gleiche und damit nebensächlich. UND diesen Unterschied muss man benennen,besonders auch benennen dürfen,ohne als"Ewiggestriger","Verharmloser" und "Opferverhöhner""verdächtigt" zu werden.Und bei der"Offiziers Gilde"gab es auch mit Sicherheit den "Einen oder Anderen".Diese"Einen oder Anderen"gibt es übrigens immer, zu jeder Zeit,aber es sind eben die"Einen oder Anderen"und nicht pauschal DIE und auch das muss man benennen dürfen.
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Volker Zottmann » 1. März 2014, 19:29

Hallo Balu,

meine Frage ist gestern gestellt und durch das Verschieben in den einen gemeinsamen Thread wohl untergegangen. Hier nochmal mein Wortlaut:

Kann ein Oetten damals einen falschen Eindruck bekommen haben und dann falsche Schlüsse gezogen haben? Du hast Dich ja beim Beschuss in eine Erdmulde geworfen. Es war regnerisch, Nieselregen. Selbst schreibst Du, dass der Flur blitzsauber war und Du dreckig, beingespreizt da stehen musstest. Kann es sein, dass Deine Hose vor Nässe triefte?
Ich denke mal, auch der Oetten hat geschlottert. Ob da die Wahrnehmung noch 100% mit der Erinnerung übereinstimmte?


Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Balu » 1. März 2014, 19:48

@ karnak

Nichts anderes habe ich gesagt! [hallo]

Lieber Volker,

woher bitte soll ich wissen welche Eindrücke ein Eberhardt Otto im Dezember 79 hatte oder ob er sich bei seinem Interview einfach nur ein klein wenig wichtig tun wollte? [shocked]

Gruß Balu
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Volker Zottmann » 1. März 2014, 20:28

Balu hat geschrieben:
Lieber Volker,

woher bitte soll ich wissen welche Eindrücke ein Eberhardt Otto im Dezember 79 hatte oder ob er sich bei seinem Interview einfach nur ein klein wenig wichtig tun wollte? [shocked]

Gruß Balu


Da hast Du recht Balu.
Meine Frage zielte nur darauf ab, dass hier im Forum zu dieser Tragödie der Oetten auf mich immer einen sehr bedrückten Eindruck machte. Den hat das garantiert auch sehr beschäftigt. Entgegen anderen Verlautbarungen habe ich Oetten persönliche Mitteilungen geschickt, und im Grunde meinen Standpunkt nochmals einfühlsam dargelegt, dass man eben NICHT jeden Grenzer pauschal verurteilen kann. Für mich sind die wirklichen Täter im ZK zu suchen! Genauso, wie ich es im Thread mehrfach schrieb. Mir hat Oetten aber nie geantwortet.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Rupert Hübelbauer » 1. März 2014, 20:49

@ Balu,

danke für Deine aufrichtige Antwort. Mehr wollte ich nicht wissen.
Als 60 jähriger darf ich noch sagen: Mitleid (hin und wieder kurz gedacht) wird voraussichtlich nicht weniger,
nur mit der Zeit nicht unwahrscheinlich die Verachtung. Bringt ja auch nichts Heilsames.

Eine vielleicht indiskrete Frage doch noch. Bist Du irgendwie religiös geprägt?

rupert
Rupert Hübelbauer
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Balu » 1. März 2014, 20:55

Oh nein Rupert, ich bin bekennender und streng gläubiger Atheist. [crazy]
Meine einzige Religion ist das ich hin und wieder mal an das Gute in den Menschen glaube, nur um kurze Zeit später erneut enttäuscht zu werden. [wink]

Gruß Uwe
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Rupert Hübelbauer » 1. März 2014, 21:29

Balu hat geschrieben:Oh nein Rupert, ich bin bekennender und streng gläubiger Atheist. [crazy]

Macht nichts Uwe. Als religiös Denkender habe ich schon einige Atheisten kennengelernt, die was auf dem Kasten hatten und Religiöse, bei denen es meiner subjektiven Ansicht nach anders war. Aber bei diesen und jenen auch umgekehrt.

Meine einzige Religion ist das ich hin und wieder mal an das Gute in den Menschen glaube, nur um kurze Zeit später erneut enttäuscht zu werden. [wink]

Das mit den Enttäuschungen kann ich sehr sehr gut nachvollziehen. Ich hab mich schon daran gewöhnt. An den guten Fortschritt der Menschheit glaube ich auch - oder trotzdem.

rupert
Rupert Hübelbauer
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Edelknabe » 1. März 2014, 22:54

Siehe Balu mit:

"Der Begriff "Bimmelzaun" war mir bis vor kurzen auch neu. Allerdings haben wir das Teil damals nicht als Signalzaun wahr genommen, denn es gab keine für uns sicht- und/oder hörbare Signale."

Danke für deinen Text. Also normalerweise hätte bei eurem übersteigen des GSZ der Ochse(das Signalhorn) auslösen müssen, dann die zwei unterschiedlichen Rundumleuchten(ich weiß nicht mehr, war es Grün/Rot?) Mit dem drauf steigen berührte Stacheldraht den Stacheldraht...Signal in der Füst(Führungsstelle zeigte an, Signale vor Ort Hupe/Rundumleuchten kommen in Gang) so war der normale Werdegang wenn ich mich recht erinnere? Wie hießen die Zwei mit Krad, also ich werde auch schon langsam senil, also die düsten los um vor Ort zu schauen, was da ...und so kamen die Grenzkompanien in die Gänge, die nicht schon vor Ort waren.

Als ich eingezogen wurde Balu wusste ich nichts von den Grenzanlagen...wie das da so aussehen könnte.Erst vor Ort dachte ich nach ner Weile..."Wahnsinn, was für ein sinngemäß hinterfotziges System." Man steckte mich zu den Pionieren(der Rainer hatte nen Metallberuf)und die SM 70 war ein Teil unserer täglichen Arbeit am Zaun I.
Aber, jetzt kommt das aber, ich sah damals den Klassenfeind Drüben,im Westen und nicht im eigenen Lande. Das machte es einfacher,unkomplizierter, ich brauchte mich also nicht mit dem Gedanken herumschlagen, ob da zwei fast noch Kinder in meine gerade installierte Mine am Zaun rennen wollten.

Rainer-Maria
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Volker Zottmann » 1. März 2014, 23:20

Edelknabe hat geschrieben:Aber, jetzt kommt das aber, ich sah damals den Klassenfeind Drüben,im Westen und nicht im eigenen Lande. Das machte es einfacher,unkomplizierter, ich brauchte mich also nicht mit dem Gedanken herumschlagen, ob da zwei fast noch Kinder in meine gerade installierte Mine am Zaun rennen wollten.

Rainer-Maria


Und Dein Verstand hat nicht mal gefragt,
warum der "westliche Klassenfeind" erst über den Zaun klettern muss, damit die Minen auslösen? [sick]

Rainer, das glaube ich Dir nie und nimmer.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Balu » 2. März 2014, 00:06

Ging es denn nicht den meisten von uns so Rainer?
Irgendwie sind wir doch alle in dem Glauben aufgewachsen das wir die Guten sind und sich alles Böse dieser Welt an unserer West Grenze die Nasen platt drückt.
Und mal ganz ehrlich, die allermeisten haben versucht nicht darüber nach zu denken und ihr Leben so gut wie irgend möglich zu leben.
Ich war dabei auch keine Ausnahme. Ich machte nach meiner Haftentlassung meine Lehre, arbeitete eine Weile als Schichtleiter in Buna ohne die Chance zu bekommen meinen Meister zu machen. Dann zog ich nach Gera weil ich dort die Möglichkeit hatte eine Neubauwohnung zu bekommen. Also ein ganz normales "Ossi Leben" halt und der ständige Versuch zu vergessen was geschehen war.

Gruß Balu
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Nov65 » 2. März 2014, 11:12

Dem Rainer nehme ich die Sicht auf die DDR und deren Feind im Westen als damals junger Mensch ab.Da stand er nicht allein mit seiner Überzeugung. Viele haben nicht genügend nachgedacht und die Parolen überprüft.
Nur heute sollte er doch eine andere haben oder etwa nicht?
Andreas
Nov65
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Volker Zottmann » 2. März 2014, 13:22

Ich stehe immer noch mit Rafimo, dem Anwalt, in Kontakt. Auch er liest hier fleißig mit.
Seit 2 Tagen bin auch ich dabei, den ganzen Thread noch mal mit neutraler Sicht zu lesen.

Für mich ergibt sich daraus, Rafimos mühselige Recherche vor 2 Jahren war sehr nah am Geschehen. Und was ist er angefeindet worden....
Doch wer es objektiv nochmals liest, sieht ihn nun bestätigt.
Uwe Fleischhauer selbst beschreibt es ja ebenso, und er ist der Einzige der es wissen kann. Die Sicht war noch so gut, dass die Jungen als solche erkannt werden konnten. Immerhin haben sie, noch bei 30 m bis zu den Grenzern und den weiter dahinter stehenden Streckmetallzgrenzzaun deutlich sehen können.
Es gibt folglich keine Entschuldigung, schutzweise Anderes zu behaupten.
Er bestätigt auch die totale menschliche Entgleisung des Brehme.
Balu fragt auch, ob der Schießende nicht hätte anders reagieren können? Nämlich etwas höher halten und Löcher in den Sternenhimmel schießen? Selbst der wegrennende sichtbar unbewaffnete Heiko war nie eine Gefahr für die Grenzer.
Und diesbezüglich meine ich, ist es unerheblich aus welchem Anlass die Jungen türmen wollten. Das war auch nie der Streitpunkt.

Was Balu mächtig erschüttert, sind die falschen Äußerungen Jahre später im Radioreport. Der Sprecher macht sensationshaschend mehr und ein Eberhardt Otto (Oetten) offenbar auch.

Das Gute an diesem Thread ist: Er hat aufgeklärt und bewirkt, dass Balu nun endlich doch noch den Radiomitschnitt hörte und das Skript dazu lesen konnte.
Selbst wenn es bei ihm erneut Wunden aufreißt, wird er gestärkt daraus hervorgehen.
Somit hat sich aus meiner Sicht des Rafimos Beharrlichkeit ausgezahlt. Wirklich Schuldige sind benannt und Anregungen zum Nachdenken gab es zur Genüge.

Uns allen wünsche ich ein besseres offenes Forum!

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Spartacus » 2. März 2014, 14:33

@ Spartakus

Nach der "offiziell" vollzogenen Wiedervereinigung, real ist sie ja bis heute noch nicht vollzogen, wurde ich auf meinen Antrag hin gerichtlich rehabilitiert und bekam eine kleine Haftentschädigung zugesprochen.


Das ist gut so Uwe, denn so kommst Du spätestens bei Eintritt in die Rente, in den Genuss der "Ehrenpension".

Das was jetzt kommt, soll auf gar keinen Fall ein persönlicher Angriff sein, aber nach Deinen Erlebnissen an der Grenze
und der folgenden Haft, hat mich Dein weiterer Werdegang in der DDR doch verwundert. Wenn ich das mal so schreiben
darf. Klar Du warst noch sehr jung, aber nach diesen Erfahrungen hat es Dich nie in den Widerstand "getrieben"?

Du hattest dann doch am eigenem Leibe erfahren müssen, was das System wirklich ist.

Aber das lässt sich natürlich von mir so leicht dahin schreiben, denn ich nehme mal an, dass Du deine Lehren daraus
dahingehend gezogen hattest, dass man sich mit dem System eben nicht anlegen soll. Was ja auch nachvollziehbar
und eben nur menschlich ist.

Schönen Sonntag noch

Sparta


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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Balu » 2. März 2014, 15:44

Nun Sparta, wer sagt Dir denn das ich nicht am "Wiederstand" beteiligt war? Sicher, ich gehörte nicht zu den Aktivisten der ersten Stunde in der Leipziger Kirche, war aber bis zu meiner "Einberufung" auf zahlreichen Demos dabei.

Und nun noch etwas aus meiner aktuellen Vita zum weiter wundern, ich war vor ein paar Jahren sogar noch Mitglied von Die Linke und Kreisvorsitzender dieser Partei. Allerdings habe ich die Partei wegen unerträglicher Querelen im Kreisverband und mit dem Landesvorstand hier in NRW vor ein paar Jahren verlassen und bin zu den Grünen gewechselt in deren Kreistagsfraktion ich auch als Linker schon mitgearbeitet habe. Ich arbeite in unserem Kreistag als sachkundiger Bürger im Fachausschuß für Arbeit, Gesundheit und Soziales mit.

Gruß Balu
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon augenzeuge » 2. März 2014, 15:49

Oh, Balu, bei den Linken in NRW? Da musst du es echt schwer gehabt haben. [denken]

Das schafft ja nicht mal Frau Wagenknecht..... [wink]

Gruß aus NRW-
AZ
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Balu » 2. März 2014, 16:10

LOL ja es war eine "tolle" Zeit!
Der Landesvorstand und ich, wir hatten uns so richtig lieb, bis hin zum Bundesschiedsgericht. [zunge] [freu]
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Spartacus » 2. März 2014, 16:30

Balu hat geschrieben:
Und nun noch etwas aus meiner aktuellen Vita zum weiter wundern, ich war vor ein paar Jahren sogar noch Mitglied von Die Linke und Kreisvorsitzender dieser Partei.

Gruß Balu


Na leicht machst Du es einem ja nicht gerade, denn das passt ja nun wieder so gar nicht. Du bei den Linken?
Das verstehe wer will, oder c'est la vie?

Du wirst schon Deine Gründe gehabt haben und Du musst hier um Gottes Willen ja auch nicht die Hosen runter
lassen.

LG

Sparta


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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon Balu » 2. März 2014, 17:04

Nun Sparta,

so lange man der schwarzen Propaganda glaubt das Die Linke und die SED das selbe ist wird man es wohl nie verstehen. [wink]

Gruß Balu
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Beitragvon HPA » 2. März 2014, 17:11

Das Problem der Linkspartei sind deren Betonköpfe ,das hat weniger etwas mit der SED zu tun .
HPA
 

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