Nov65 hat geschrieben:... das Buch" Stalin-Verbrannte Erde" gelesen. Danach konnte ich nur noch ausspucken, wenn ich an die kommunistischen Führer egal wo denke.Sie haben jede Illusion einer anderen Welt kaputt gemacht.Ich finde es sehr bedauerlich, dass noch heute damalige Grenzer ihren "Ehrendienst an der Staatsgrenze" hochhalten. Siehe Forum Grenzer suchen Grenzer.
@S51 und andere "Grenzgänger in Foren " können das bestimmt beurteilen.
Gruß an alle Diskutanten
Was ist denn eine Illusion? Warum heißt sie so?
Es funktioniert oder funktionierte doch immer auf die gleiche Art und Weise und ist keineswegs auf den Kommunismus begrenzt. Jemanden zum Unmenschen zu machen um dann mit ihm machen zu können was man eben will, das ist keine kommunistische Erfindung und keineswegs auf diese Gesellschaftsordnung begrenzt. Waren nicht die schlimmsten Verbrecher der Neuzeit irgendwann alle mal "Zöglinge der freien Welt". Ob sie nun Saddam Hussein, Bin Laden oder sonstwie hießen? Oder gerne auch mal Präsidenten von Verbündeten mit Millionen von Opfern in anderen Ländern waren?
Und wie schon zig Mal geschrieben. Der Dienst an der ehemaligen Grenze war in aller Regel eben nicht mit der Festnahme von Irgendwem verbunden. Noch viel weniger mit der Anwendung irgendeiner Waffe gegen irgendwen. In den 80-er Jahren gab es um die 40 000 Mann bei den GT. Über die gesamte Zeit der DDR mögen es um die 500 000 Mann gewesen sein. Von denen ist nur ein verschwindend geringer Teil selbst an der Linie jemals in die Verlegenheit gekommen, einen Grenzverletzer auch nur zu sehen, geschweige denn festzunehmen. Der Prozentsatz jener, die die Waffe angewendet haben, dürfte in den Promillebereich kommen.
Wer bei GT war, dürfte schon begriffen haben, dass er dort die Existenz seines Staates schützte. Wie sehr, das hat doch keiner überschaut. Doch so gut wie jeder an der Linie hat auch das gar nicht immer friedfertig erscheinende Auftreten der Gegenseite erlebt. Wenn ich mir anschaue, wie hoch heute der Prozentsatz der Menschen ist, die in einer Gesellschaft mit den jeweiligen Leitwölfen nicht nur zu bereitwillig heulen, wie hoch mag dann der Prozentsatz bei den Grenzern gewesen sein, die denen da drüben die gleiche Angst vor dem "Aggressor" zubilligten, wie sie sie selber hatten?
In aller Regel war der Dienst an der Grenze fühlbar ein Stoppzeichen für all die mal privaten mal recht öffentlichen Schreihälse der Gegenseite. Die man durchaus als zumindest politische Bedrohung empfand wie das Militär auf der jeweiligen Gegenseite sehr offensichtlich keine Kuschelfunktion hatte. Das diese Linie eben auch die Trennlinie zwischen den Systemen war, das hat man als Grenzer der DDR genauso deutlich empfunden wie der BFSO, die Kollegen der BAOR, der Zöllner oder der BGS-ler. Vom GI mit ihrer manchmal schon ein bischen arg extremen Art gar nicht zu reden.
Alle Seiten an der Linie hüben wie drüben empfanden es eben auch so, dass ihr Dienst, so er ordentlich verrichtet wurde, den Frieden sicherte. Und jede Seite rechnete und rechnet es sich eben auch an, dass es so blieb.
Das der Dienst bei GT eben auch, wie 1989 gezeigt hat, das für die Existenz der DDR entscheidende Korsettstängchen war, das hat doch kaum jemand damals schon überblickt.
Ein GV war an der Grenze so selten, dass man über ihn mehr nachdachte als so etwas jemals zu erleben. Ergo ist für die Ex-Grenzer die andere, aus ihrer Sicht eben auch friedenerhaltende Seite des Dienstes und die Kameradschaft viel präsenter. Das hält man hoch, nicht die andere, dunkle Seite.
Dazu kommt logischerweise ein gewisser Beißreflex, nennen wir es mal so. Wenn dir der gegenwärtige Politzirkus erzählt wie schlecht und furchbar du warst. Der gleiche Politzirkus, der kein Problem damit hat, eigene Soldaten irgendwo am Hindukusch dabei zu verheizen um ein anderes Land zu besetzen und seinen Willen aufzuzwingen. Oder auf andere Länder einzubomben weil deren Politik einem nicht passt? Wie glaubhaft ist das denn?
Die sind doch kein bischen besser.