Was soll eine priviligierte Flucht sein?
Das maritime Grenzregime der DDR war lückenlos organisiert. Um die Fluchtbewegung über das Meer zu stoppen, gab es eine strikte Dreiteilung der Zonen und Genehmigungen: [1, 2, 3]
## 1. Die Drei-Meilen-Zone (Das Küstenmeer) [4]
Die Drei-Meilen-Zone (ca. 5,5 Kilometer) bildete das Hoheitsgebiet der DDR unmittelbar vor der Küste. [1, 5]
* Tagsüber: Das Befahren war für Freizeitkapitäne und Angler theoretisch erlaubt, sofern das Boot registriert war und die Insassen eine entsprechende Genehmigung vorweisen konnten. [2, 4]
* Nachts: Ab Sonnenuntergang galt ein absolutes Fahrverbot. Boote mussten im Hafen an fest zugewiesenen Plätzen angekettet und verschlossen werden. [6]
* Sperrungen: Der Strand selbst wurde nachts mit starken Scheinwerfern beleuchtet und durfte von Zivilisten nicht mehr betreten werden. Radar- und Suchtürme der [Grenzbrigade Küste](
http://ostsee-grenzturm.com/en/border-history/) überwachten jeden Meter dieser Zone. [1, 2, 7]
## 2. Der „Passierschein“ (Die Genehmigung PM 18)
Wer sich als DDR-Bürger privat auf der Ostsee bewegen wollte, stieß auf ein bürokratisches System aus Sonderstempeln und Genehmigungen. Für das küstennahe Gewässer war die PM 18 entscheidend: [4]
* PM 18 (Befahren der Küstengewässer): Dies war der umgangssprachliche „Passierschein“ für den privaten Wassersport im küstennahen Raum (innerhalb der 3-Meilen-Zone). [4]
* Voraussetzungen: Man erhielt diesen Stempel in den Personalausweis nur nach einer gründlichen Überprüfung durch die [Stasi](
https://rathaus.rostock.de/de/quot_imme ... asi/293433). Wer Verwandte im Westen hatte oder politisch auffiel, bekam keine Genehmigung. [4, 8]
* Einschränkungen: Selbst mit PM 18 mussten Bootsführer vor jedem Auslaufen bei den Grenztruppen einen exakten Fahrtenschritt (inklusive Rückkehrzeit und namentlicher Besatzungsliste) anmelden.
## 3. Das „PM 19“ (Das Ticket für die Hochsee)
Der Vermerk PM 19 war die höchste und am schwersten zu erlangende Stufe der maritimen Reiseerlaubnis. [4, 8]
* Verlassen der DDR-Gewässer: Das PM 19 berechtigte den Inhaber, die Seegrenzen der DDR komplett zu überschreiten und internationale Gewässer oder ausländische Häfen anzusteuern. [4]
* Zielgruppe: Diese Genehmigung erhielten fast ausschließlich Berufsschiffskapitäninnen und -kapitäne, Seeleute der [Deutschen Seereederei (DSR)](
https://www.mdr.de/geschichte/ddr/wirts ... e-100.html) sowie absolute Spitzensportler im Bereich des Hochseesegelns. [4, 9, 10]
* Sicherheitsprüfung: Die Vergabe war an radikale politische Linientreue geknüpft. Oft mussten Familienmitglieder als „Geiseln“ in der DDR zurückbleiben, um das Risiko einer Republikflucht zu minimieren. [8]
## Absurde Konsequenzen für den Alltag
Aufgrund der extremen Fluchtgefahr wurden bestimmte Sportarten an der Ostsee komplett verboten oder stark eingeschränkt: [7, 11]
* Paddel- und Schlauchboote: Der private Besitz und die Nutzung an den Stränden der offenen Ostsee waren streng untersagt.
* Windsurfen: Das in den 70er/80er Jahren aufkommende „Brettsegeln“ wurde an den Küsten weitgehend verboten. Surfen durfte man meist nur auf Binnenseen, da ein Surfbrett als potenzielles Fluchtmittel eingestuft wurde. [7, 11]
Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie die Grenzbrigade Küste die Einhaltung dieser Zonen technisch überwachte, oder interessiert Sie ein konkretes Fluchtschicksal aus dieser Zeit? [3, 12]
[1] [https://paz.de](
https://paz.de/artikel/wie-die-ddr-die- ... 13369.html)
[2] [https://ostsee-grenzturm.com](
http://ostsee-grenzturm.com/en/border-history/)
[3] [https://www.politische-bildung.sh](
https://www.politische-bildung.sh/veran ... stsee.html)