

Edelknabe hat geschrieben: Und na klar, du junger Held hättest entgegen Befehl und sonstwas gehandelt, immer menschlich...
Rainer-Maria

S51 hat geschrieben:vs1400 hat geschrieben:...bei lagen lief die masse der komunikation über GMN Jörg
und von einem sankra im grenzabschnitt, hab ich noch nie gehört oder gelesen. doch nicht wir stellten uns so an, wir hatten nur diese möglichkeiten.
als das mit unserem soldaten auf der brockenstraße passierte, verbreitete sich die info recht schnell in den abschnitt, man bekam auch mit das dort einer von uns lag und ihm nicht geholfen wurde.
doch was sollte man tun?
nach dieser lage gab es heftige diskussionen, innerhalb der kompanie.
nur geändert hat sich nichts.
gruß vom Torsten
Da hat die GK Schierke Ende der 80-er aber gewaltig abgebaut.
Zu meiner Zeit haben wir GAK öfter im Winter auf der Brockenstraße "Ersthelfer" gemacht bei Urlaubern aber auch unseren Leuten. Ich stehe einige Male als solcher im Nachweisbuch der DRK-Hütte am Bahnhof darinnen. Es konnte immer der Sankra vom Bataillion und noch unser Kompaniefahrer mit P 3 oder LO und großer Sanikiste darauf in den Abschnitt fahren mit einem GAK zur Absicherung und als Helfer. Meist war unser P 3 schneller einsatzbereit. Einmal auch der Kleinbus von den Russen vom Brockenplateau. Und bei Schnee der Motorschlitten mit Anhänger.
Auch Chaymos habe ich so zum Beispiel mal herausgeholt.
Problem war die Alarmierung. Funk ja nur bis zum Bahnparallelweg aber die nächste GMN-Sprechstelle war erst wieder bergauf an der alten Ilsenburger Straße. Dazwischen nichts, gut 3 Kilometer weit meist auch kein Posten und nur sporadisch wir GAK. Oft haben die Fahrzeuge vom und zum Brocken Meldungen über Unfälle gemacht aber meistens durften sie aus Geheimhaltungsgründen niemanden mitnehmen. Daran haben sich nur die Russen ab und zu nicht gehalten. Da ging oft Zeit verloren.
Aber es stimmt, zivile, geländegängige Sanis kenne ich aus der Zeit nicht. Die Krankenwagen fuhren nur bis an die Kompanie und haben dann von dort übernommen.
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augenzeuge hat geschrieben:S51 hat geschrieben:augenzeuge hat geschrieben:...Schon mal was von Funk gehört? Mann, sogar die Titanic konnte damit schon ca. 60 Jahre früher Hilfe rufen, und ihr stellt euch an wie die ersten Menschen.....tschuldigung...musstet euch so anstellen......
AZ
Die Titanic konnte Hilfe rufen weil sie nicht Teil eines militärischen Apparates in einem militärischen Mächteblock war mit Geheimhaltungsvorschriften und so weiter und weil sie technisch diese Möglichkeit hatte.
Und selbst da war zwischen rufen und hören ein gewaltiger Unterschied. Mit mehr Opfern als die gesamte Grenze.
Wenn da vorne etwas geschah sollte es ja nicht die BBKF-Gegenseite vor unseren Leuten erfahren. Per Funk ohne Verschlüsselung zum Beispiel. Die waren auch nicht von schlechten Eltern.
Wir sprechen von den ausgehenden 80-er Jahren oder früher. Von Zeiten, als es da vorne gerade mal in den letzten Jahren Funk für die größeren Fahrzeuge gab aber die mobilen Stationen oft nur als muckierzeugender Ballast geeignet waren. Von Zeiten, zu denen ein Abschnitt als ausgebaut galt, wenn es alle 200 - 300 Meter einen GMN-Anschluß gab. Im Hinterland gerne auch mal einen auf 2 bis 3 Kilometer.
Üblicherweise, das hat nicht unwesentlich mit "Mc Murphy" zu tun, passierten (und passieren) die "Sachen" immer dort, wo man sie nicht gebrauchen kann.
Im Schierker Hinterland hatte ich Funkverbindung per UFT bis zum Bahnparallelweg und da auch nur bis 100 Meter vor dem Bahnhof Schierke. Oder anders, auf über 90 % des Hinterlandbereiches einer USM-Kontrolle war meine Verbindungsmöglichkeit Null und das während der gesamten Schicht. Irgendwann wäre dann mal aufgefallen das da jemand fehlte... Nicht umsonst habe ich seinerzeit gemeinsam mit meinen Festgenommenen am Schierker Bahnhof fast die Fenster am Eisenbahnerwohnheim eingeschmissen damit dort endlich jemand mal zum Telefon griff. Sonst hätten wir noch einige Stunden warten müssen...
Und da fiel der KGSi erst mal aus allen Wolken (die waren im Nachtnebel sowieso nicht zu sehen), weil er mich gar nicht mehr auf seinem Tableau hatte.
Eine einzige der Festnahmen, an denen ich beteiligt war, passierte in der Nähe einer Rufmöglichkeit. Das war an der unteren Schranke der Brockenstraße gleich bei der Kompanie. Bei allen anderen musste ich meine "Kunden" erst mal in die Nähe einer Rufmöglichkeit bugsieren. Oft Kilometerweit.
Rauchsignal, Leuchtrakete ... gab es aber nicht nur ich habe erlebt, wie so etwas folgenlos in der Harzer Nebelsuppe verpuffte. Oder keinen gestört hat weil keiner ausgerechnet da hinguckte.
Funk, GMN und so weiter, ja das gab es. Freilich. Praktisch jedoch oft nicht dort, wo man es gerade gebraucht hätte und wenn, dann fehlten Berechtigungen, Funkschlüssel oder der Akku war alle. Letzteres war bei allem, was schief gehen konnte so etwas wie die Ultima ratio. Darauf war Verlaß.
Alle meine Festnahmen sind gut ausgegangen, alle Einsätze auch aber es hat deren viele gegeben, wo ich mir hinterher eingestehen musste, das nicht nur ich viel Glück hatte. Dass das auch hätte gewaltig schief gehen können, alle Zutaten für kapitales Scheitern reichlich vorhanden waren.
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Und wir schreiben hier ja eigentlich über die Fälle, wo es schief gegangen ist. Die waren jedoch selten.
Das ist deine Begründung, S51.
Auch wenn ich nicht dabei war, so ist mir die mögliche anwendbare Technik der Jahre bekannt. Es ist eindeutig, dass man hier gewisse Dinge, die du als selten bezeichnest, in Kauf nahm. Sie waren nicht wichtig genug, um hier etwas zu tun. Andererseits argumentierte man, dass man hier an der Nahtstelle der Pakte steht, ein ganz sensibler Bereich. Ein starker Grund, um hier moderne Technik einzusetzen. Wie wollte man denn den Frieden schützen, wenn man sich kaum verständigen kann? Im Fall der Fälle. Oder ging es vielleicht hier gar nicht drum?
Nein, es gab Möglichkeiten, man durfte sie nicht nutzen. Es war für das System besser einen Toten zu verschweigen, als ihm eine möglichst schnelle Hilfe zukommen zu lassen. Er war doch nur ein Verbrecher....ein "Schwein". Zumindest wurde er von nicht wenigen so genannt. Und es war gut, wenn er als Abschreckung anderen noch dienen konnte.
AZ
Spartacus hat geschrieben:Und nochmals Danke, besonders S51 für die ausführlichen Schilderungen.
Also das mit der mangelnden Kommunikation kommt mir auch spanisch vor, denn wenn die NATO
euch so angegriffen hätte, dann hättet ihr euch über ein Telefon / Funkgerät gar keinen Kopf
mehr machen müssen, das ihr dann schon lange in Kriegsgefangenschaft gewesen wärt.
Anders herum sind solche Aussagen natürlich sehr interessant und auch bezeichnend, da der
sog. antifachistische Schutzwall eben keiner war, sondern nur das, was er wirklich war.
Wäre es anders gewesen, dann hättet ihr ein ganz andere Ausrüstung gehabt und die gab es
damals auch schon bei euch, denke ich mal.( bin aber nicht so fit, was russische kommunikationstechnik
betrifft!)
Ich stelle mir das gerade so bildlich vor; da brettert ne Einheit Leopard II durch den Wald und der Grenzer
weiß nicht, wie er nun seinen Stab verständigen soll. Mann oh Mann![]()
LG
Sparta
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Edelknabe hat geschrieben:Na klar Spartacus, "wir waren nur junge Grenzer im Sinne der Wehrpflicht auf Wacht für den Frieden,bissel naiv noch dazu, die Fremdenlegion und die Nato bestimmt dagegen die Elite". Das wolltest du doch hören Mann wenn ich deinen bissel arroganten Text so lese.
Uns Jörg genauso,nu habt ihr es bestätigt bekommen das Einer verblutet wäre weil der größte Teil der Truppe vorne am Kanten dummerweise aus im Grundberuf erlernten Maurern, Zimmerleuten, Gärtnern, Bäckern, Fleischern,Betonbauern, Elektriker, Gas,Wasser und Scheißeklempnern, Heizungsbauern,Fliesenlegern, Chemielaboranten, Fernmeldetechnikern,Freileitungsmonteuren, Stahlbauern, Schiffsbauern,Schweißern,Handelsmatrosen,Bibliothekaren,Kraftfahrern,Hochdruckkesselheizern,usw in den typischen DDR-Berufen ......aber eben nicht aus der Krankenhausbranche kamen oder gar Rettungssanitäter erlernt haben.
Was für ein Pech für den potenziellen Grenzverletzter aber auch, was für ein Pech? Ich sags doch, hatte es so glaube schonmal in einem meiner Anfangstexte sinngemäß geschrieben:
"In der DDR wusste jeder halbwegs in der Birne aufgeklärte Mitmensch das die Grenze Tabu für ihn ist...wie bei die alten Indianer. Aber na klar, man konnte es ja mal versuchen. Auch auf die Gefahr hin das Leben zu verlieren. Das war dann leider Pech"
Rainer-Maria
Einen guten Tag allen ins Forum
augenzeuge hat geschrieben:Edelknabe hat geschrieben: Uns Jörg genauso,nu habt ihr es bestätigt bekommen das Einer verblutet wäre weil der größte Teil der Truppe vorne am Kanten dummerweise aus im Grundberuf erlernten Maurern, Zimmerleuten, Gärtnern, Bäckern, Fleischern,Betonbauern, Elektriker, Gas,Wasser und Scheißeklempnern, Heizungsbauern,Fliesenlegern, Chemielaboranten, Fernmeldetechnikern,Freileitungsmonteuren, Stahlbauern, Schiffsbauern,Schweißern,Handelsmatrosen,Bibliothekaren,Kraftfahrern,Hochdruckkesselheizern,usw in den typischen DDR-Berufen ......aber eben nicht aus der Krankenhausbranche kamen oder gar Rettungssanitäter erlernt haben.
Nein, Rainer, du ziehst die falschen Schlussfolgerungen. Der GV ist nicht verblutet, weil die Leute die falschen Berufe hatten. Er ist verblutet, weil das System so "die Hose voll hatte", weil sie niemanden trauten. Nicht mal allen, die an der Grenze ihren Dienst tun mussten und schon geprüft worden waren.
Wie einfach wäre es doch gewesen, wenn man einen Alarmplan aufgestellt hätte, wie ihn heute jede größere Firma hat. Und wenn man ohne große Genehmigungen einen Trabbi-Kübel hinfahren dürfte, der den GV so schnell es geht ins KH bringt. Du weißt genau, dass dies theoretisch möglich gewesen wäre....
Ich stell mir grad vor wie ich Rainman fragen würde, stell dir vor, da verblutet einer 100m von dir und du darfst keinen rausschicken ihn zu holen.....vermutlich hätte ich mich drüberweg gesetzt, ihn selbst geholt (/wenn man mich nicht auf dem Weg dahin erschossen hätte) und anschließend dafür nach Schwedt gekommen. Weil es der GV nicht wert war....nicht wahr?Nun sag mir was an den Gedanken falsch ist!
AZ
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Edelknabe hat geschrieben:Spartacus, der Rainer ist Einer der auf seinen Mitmenschen zugeht, so war ich immer schon, so habe ich es von meinem Vater gelernt.Der war Schichtarbeiter und wenn ich aus der Schule kam stand er mit wildfremden Leutchen unten an der Haustür und quatschte "über Gott und die DDR-Alltagswelt". Na gut, stellte ich mich als kleiner Kerl dazu und hörte zu.
Vielen gefällt das nicht(heute eher wie damals zu DDR-Zeiten), na gut, kann ich wunderbar damit leben. Ich war Pionier an dieser Grenze, Pionier hieß grenzunterstützende Einheiten und ich lese hier so von X-Situationen der Jungs von den Kompanien wo Leutchen eben nicht mit dem Samthandschuh angefasst wurden. Ich kann das wunderbar nachvollziehen...weil eben die Zeiten so waren...schrieb ich schon.
Und na klar, ich war kein Held...oder Samariter...oder Menschenfreund. Wäre ich heute Pastor(das wird mein zweiter Beruf im Jenseits) wäre ich Pastor gnadenlos.
Rainer-Maria
augenzeuge hat geschrieben:Edelknabe hat geschrieben: Und na klar, du junger Held hättest entgegen Befehl und sonstwas gehandelt, immer menschlich...
Rainer-Maria
Was ist daran so verkehrt? Wir verehren heute solche Leute eher als dumme stupide Befehlsausführer......![]()
Und das man selbst im kalten Krieg sich um Verletzte bestmöglich kümmerte, kann ja kein dummes Verhalten sein...nur ein menschliches- welches auch einem Soldaten nicht ganz abhanden gekommen sein sollte.......
AZ
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vs1400 hat geschrieben:
Ich stell mir grad vor wie ich Rainman fragen würde, stell dir vor, da verblutet einer 100m von dir und du darfst keinen rausschicken ihn zu holen.....vermutlich hätte ich mich drüberweg gesetzt, ihn selbst geholt (/wenn man mich nicht auf dem Weg dahin erschossen hätte) und anschließend dafür nach Schwedt gekommen. Weil es der GV nicht wert war....nicht wahr?Nun sag mir was an den Gedanken falsch ist!
AZ
[/quote]Rüganer hat geschrieben: Ja und AZ, sich gewissen Anordnungen zu widersetzen und in Richtung Mauer oder Grenzzaun zu stürmen - lebensgefährlich. In Berlin musste man immer solche Besuche in Richtung Mauer anmelden und auf jeden Fall die Nachbartürme informieren, denn die würden garantiert das Feuer eröffnet haben, wenn da jemand, auch in Uniform, losstürmt. Dein Kommentar dazu in allen Ehren, aber sehr unrealistisch...
Ja und was willst du mit deinem einem Verbandspäckchen denn anfangen?

Rüganer hat geschrieben:In solchen Fällen ist es auch nur schwer, sich in denjenigen hineinzuversetzen, der da umkommt. Warum bleibt er nicht stehen, dies ist die allererste Frage, die man sich stellt und die man nicht beantwortet bekommt.
Warum fasse ich an eine 1000 V Leitung an, wenn ich nur in die Freiheit will und wenn diese 1000 V Leitung von einem Unrechtsstaat da installiert wurde. Gegen jedes Menschenrecht, gegen jeden Verstand... aber fass ich dann da an? Warum laufe ich nach dem ersten Schuss weiter? Ist dies nicht genauso verrückt, wie an die Leitung zu fassen?
Edelknabe hat geschrieben:Ja Spartacus, und dann sollte ich mich reinversetzen können in Einen, der mit Macht die Seite wechseln wollte, dabei vielleicht noch schwer verletzt wurde? Der alles wegschmeißen wollte wenn er denn überhaupt als junger Mensch was zum wegschmeißen hatte.
Rainer-Maria
Einen guten Sonnabend allen ins Forum
augenzeuge hat geschrieben:Rüganer hat geschrieben: Ja und AZ, sich gewissen Anordnungen zu widersetzen und in Richtung Mauer oder Grenzzaun zu stürmen - lebensgefährlich. In Berlin musste man immer solche Besuche in Richtung Mauer anmelden und auf jeden Fall die Nachbartürme informieren, denn die würden garantiert das Feuer eröffnet haben, wenn da jemand, auch in Uniform, losstürmt. Dein Kommentar dazu in allen Ehren, aber sehr unrealistisch...
Ja und was willst du mit deinem einem Verbandspäckchen denn anfangen?
Mag sein, dass man es als unrealistisch bezeichnet. Aber die Entwicklung der Menschheit ist voll von Fällen, die nicht immer nur das gemacht haben, was sture Befehle sagten....aber sie letztlich vorangebracht haben.
Ich kann mir schwer vorstellen, wenn ich ein Verantwortlicher Offizier an der Grenze bin, den Nachbartürmen mitteile, ich geh da jetzt hin und hole ihn, dass man das mit Gewalt unterbindet. Aber ich kann irren. Es ist immer eine Frage des Willens. In jedem Job.
Erinnere dich an an den US-Sergeant Hans Werner Pool. Hielt er sich an den Befehl? Ich weiß, das war die Ausnahme.![]()
AZ
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vs1400 hat geschrieben:
weist du wo die offiziere waren, während ner lage, Jörg?
allerhöchstens löste ein offizier den KGsi ab oder machte ne endkontrolle des K6, doch die masse war in der kompanie.
vorn, am kanten standen immer die kleinen egal ob GWD'ler oder UaZ, leztere waren nicht mehr wert als erstgenannte, hatten nur mehr tage.
gefroren, geschwitzt und gebangt wurde gleich und Pool ... hast du ja selber erwähnt, war ne ausnahme.
gruß vom Torsten


Ja Spartacus, und dann sollte ich mich reinversetzen können in Einen, der mit Macht die Seite wechseln wollte, dabei vielleicht noch schwer verletzt wurde?
Rüganer hat geschrieben:@Sparta
Eben, dies ist der Punkt, den ich nicht begreife, warum...
Nimm den Fall, den dieser oben angeführte Link beschreibt. Wieso war der Mann so verzweifelt, dass er bei der Wahl: Ich kann erschossen werden oder als Alternative - ich halte das Maul und diene weiter in der von mir ungeliebten DDR, die Wahl des erschossen werdens traf? Der Mann hielt sich mehrere Stunden in der Laubenkolonie auf und sah die Grenze, sah, was da ablief und übersah doch die Alarmgruppe auf dem Bahndamm. Gerade Berlin war doch bekannt, eine Fahrt mit der S-Bahn zeigte doch, was die DDR sich da alles aufgebaut hatte, um ihre Leute einzusperren. Türme, Stacheldraht, eine hohe Mauer, kläffende Hunde - ein Szenario, wie in einem Horrorfilm.
Ich könnte verstehen, wenn man täglich auf Leute einprügelt, ihnen Nahrung vorenthält, sie arbeiten müssen, bis zum Umfallen - sie verrecken lässt - du als ex-Soldat kannst dir die Hölle von Stalingrad vorstellen, dass man sich da mit offener Jacke auf den Bahndamm stellt und lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende wählt, kann ich begreifen. das andere begreif ich immer noch nicht.
Was Deine Frage an den Edelknaben betrifft, ich denke mal, kein Angehöriger der Familie wäre mehr da losgegangen, denn es hat wohl jeder zu Hause erzählt, was da abgeht. Und wenn doch - zumindest in Berlin hätte der Posten erst dann seine Schwester erkannt, wenn er bei ihr gewesen wäre, ansonsten hast du nur für Bruchteile in der Nacht einen Schatten gesehen oder eine Person, es hat aber wohl niemals jemand erkennen können, wer da lief oder gar die einzelnen Gesichtszüge wahrgenommen. Immer dran denken - es sind nur Bruchteile von Sekunden, in denen sich das alles entscheidet, Wohl oder wehe...
Wenn S51 irgendwo jemandem hinterher gelaufen ist, dann ist dies anders, auf den Türmen in Berlin war nur Sehen oder nicht sehen und dann Handeln.
deswegen immer das Hoffen und Bangen - hoffentlich kommt keiner zu mir...
Und gewusst, Sparta, selbst bis Rügen drang der RIAS vor, der sagte, dass Sowjetzonale wieder an der Mauer jemanden erschossen haben. Also klar war da schon, ich kann da schnell erschossen werden...
nein, wir drehen uns da im Kreis, die große Manipulierei der Genossen ist es, die Leute wie mich so scharf gemacht haben, dass ich da auf dem Turm gesessen habe und meinen Job mit all dem, was da hätte kommen können, gemacht habe. Dieses tägliche Bequatschen, dieses Zuckerbrot ( mehr Sold, andere Verpflegung, bisschen mehr menschliches Umgehen miteinander in der Kaserne, keine EK- Allüren) und die Peitsche (Schwedt), dies war es, was so schändlich war. Heute das Erkennen, Junge, die haben dich derartig missbraucht, zum Glück kam eben keiner bei mir bzw. habe ich nicht geschossen als einer vorbei lief im Hinterland, sonst müsste ich mir heute von allen Seiten anhören, was ich doch für ein Verbrecher gewesen bin bzw. dass ich die Erlaubnis zur Benutzung der Waffe völlig falsch verstanden habe. Selbst heute finden die Leute, die die "großen Militärs " raushängen lassen, nur Ausflüchte.
Der ach so gescholtene Rainman hat es sehr gut auf den Punkt gebracht, da kommt so ein junger Kerl gezwungenermaßen zur Grenze und ein Lamettaträger pflanzt sich vor ihm auf und fragt ihn nach dem Schießen. wer sagt da schon nein... nur ganz wenige... Ich habe rumgeeiert und dann in der ersten Nacht vor einem Igel oder einer streunenden Katze auf Streife im Hinterland fast in die Hosen gemacht, jedenfalls hatte ich schon die Kugel im Lauf... Angst und Frage beantwortet...
Ich war und bin kein Militär, diesen Schei.. sollen die machen, die sich dazu berufen fühlen. Und ich war heilfroh, als ich die 12 Monate in Berlin an der Mauer unbeschadet überstanden habe. Und mit unbeschadet meine ich auch, dass ich auf keinen Menschen geschossen habe.
Spartacus hat geschrieben:Edelknabe hat geschrieben:Ja Spartacus, und dann sollte ich mich reinversetzen können in Einen, der mit Macht die Seite wechseln wollte, dabei vielleicht noch schwer verletzt wurde? Der alles wegschmeißen wollte wenn er denn überhaupt als junger Mensch was zum wegschmeißen hatte.
Rainer-Maria
Einen guten Sonnabend allen ins Forum
Nun überspitze ich das mal Rainer.
Was wäre denn gewesen, wenn sich der "Feind" der da auf die Grenze zurennt, als Deine Schwester entpuppt hätte?
Die Frage ist aber nicht nur an Dich gerichtet, denn ich denke mal, das war der Alptraum schlechthin für jeden Grenzer,
das da plötzlich ein naher Verwandter ausgerechnet in seinem Abschnitt einen Grenzdurchbruch wagt?
LG
Sparta
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Edelknabe hat geschrieben:Siehe vs mit:
"da fragst du gerade den richtigen Spartacus,
er war doch nur bei den pionieren im stab und sein päckchen, dass mit den erinnerungen, hat er irgendwann mal hinter seinem zaun vergraben ... so eine seiner aussagen dazu und eben nur sinngemäß."
Na klar vs, der Rainer war leider nur Hobbygrenzer auf dem Stab in N. an der Elbgrenze und überlässt dir Ex-Unteroffizier natürlich gerne den Ruhm,ich habe da Null Problemo mit. "Habs auch schon wieder vergraben, im Schuhkarton, dort am Ende der Welt, da wo der Bretterzaun steht, genau Der, wo es dahinter gleich steil abfällt"
Rainer-Maria tut mir leid Spartacus,der Ernstfall wäre mit hoher Wahrscheinlich nicht eingetreten, denn meine Schwester war zu dem Zeitpunkt gerade beim MfS in Berlin....um tagtäglich auf deren Schreibmaschinen zu tippen.
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Volker Zottmann hat geschrieben:Gut, dass vs1400 einfach mal zuerst geantwortet hat. Er hat wohl doch die Hintersinnigkeit der Frage des Spartacus besser erfasst...
Torsten, was Dir in der Situation durch den Kopf ging, was den Anstoß zum großen Nachdenken gab, hast Du sehr gut erläutert. Ich kann mich reinversetzen. Stelle lediglich im direkten Vergleich zu mir fest, dass in früherer Kinder- und Jugendzeit sich über solch Wenn und Aber leider keiner mit Dir auseinandersetzte. Du warst somit das bessere "Fressen" für das Wehrkreiskommando !
Mein frühes Nachdenken über die Grenze kam über meinen Vater und seine sehr langen klugen (eigentlich ganz simplen) Gedanken. Als wir redeten, war er ja auch noch keine 40 Jahre alt, hatte aber den leidvollen Krieg mit seinen Erfahrungen machen müssen.
Dann war meine halbe Sippe (väterlich) im Westen. Die andere Hälfte hier (linientreu mütterlich). Nun mach Dir als Heranwachsender mal zur "Weltpolitik" Gedanken. Da gewinnt immer der, der am meisten positiven Einfluss nahm!
In diesem Harzer Grenzabschnitt fuhr er mich schon mit der Sportkarre als 3-jährigen rum. Unten in Tanne saßen wir Jahre später am hölzernen Schlagbaum (heute B242) und sinnierten beide in Richtung des NOCH unerreichbaren Westens ...
Mir wurde vom RMR mal vorgehalten, dass es einfach nicht sein konnte, mit 17/18 Jahren schon im WKK zu sagen, dass man an der Grenze nie schießen wird, echt schon glasklare Ansichten zu haben...
So wie bei vs1400 diese Erkenntnis erst etwas später an der Grenze kam, war sie bei mir durch viele Gespräche schon ausgeprägt.
Bei gleicher Konstellation der Umstände wäre die garantiert auch dem Muldetaler Schriftsteller gekommen, ist für mich logisch.
Gruß Volker
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