Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Alles was in den Zeitraum nach der Wende gehört. Das Zusammenwachsen von zwei grundverschiedenen Systemen, Probleme, Erwartungen, Empfindungen usw.

Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Volker Zottmann » 31. März 2018, 12:21

andr.k hat geschrieben:
Interessierter hat geschrieben:Daran ändern auch alle Verklärungsversuche nichts.




Welche?


Hier bewirbt sich gerade einer für die Blindenbrille des Monats! [laugh]
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon andr.k » 31. März 2018, 12:27

Volker Zottmann hat geschrieben:Wann wurde denn in Schwerin am Theater der letzte amtierende OibE überflüssig? (War er sicher immer, aber ich meine überflüssig aus Sicht des MfS)

Gruß Volker


Schau mal ...

http://neues-forum.info/forum/viewtopic.php?p=251179#p251179

http://neues-forum.info/forum/viewtopic.php?p=251256#p251256

Wie man lesen kann, hatten wir das Thema schon. Leider stehen dort sehr ungenaue Angaben und die Behauptungen einiger User machen das Thema nicht glaubwürdiger.

Im Buch "Ensembles der DDR" stehen die genauen Zahlen. In Schwerin hatte die Staatskapelle allein schon 86 festangestellte Musiker. Dazu kommen noch weiteres künstlerisches Personal wie, Dirigenten, Korrepetitoren, musikl. Assistenten, Bühnenarbeiter, Solisten, also Sänger, der Chor - auch mal locker 35 Männer und Frauen. Damals gab’s auch noch ein Ballett, Ausstattung, Tischlerei, Schlosserei, Techniker, Büro ... Vom reinen Überschlag schnell mal 350 Festangestellte. Außerdem gab es damals noch die Schweriner Philharmonie ( wurde im Westen aufgelöst ) nochmals bestimmt 50 Leute.
Keine weiteren Fragen mehr ….
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Merkur » 31. März 2018, 12:36

augenzeuge hat geschrieben:Wie kannst du es dann erklären, dass die finanziellen Mittel insgesamt bis 1989 gestiegen waren, die Zahl der Hauptverantwortlichen MfSler auch danach in anderen Bereichen zunahm?
AZ


Im Jahr 1984 schlugen sich die Probleme der DDR-Wirtschaft auch im MfS nieder, die Zahl der Mitarbeiter stagnierte und wuchs danach nur noch unwesentlich an.
Was die OibE betrifft, empfehle ich Dir die MfS-Personalstatistik von Gieseke in: Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit, S. 557. Dort ist die OibE-Reduzierung von 1983 zu 1984 unmissverständlich dokumentiert.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon zoll » 31. März 2018, 13:13

Merkur hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Beide als "Sicherheitsorgane" zu bezeichnen ist bereits Schönfärberei.
Gruß Volker


Beide waren gemäß Paragraph 88 (2) StPO sogar Untersuchungsorgane. Das ist keine Schönfärberei sondern ein gesicherter Fakt aus der Strafprozessordnung. Das kann einem gefallen oder nicht, es ändert nichts an der Tatsache.

Merkur, so wie du deinen ehem. Dienstherrn verteidigst muss ich glauben du hast bei dem noch "Aktien".
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Merkur » 31. März 2018, 13:20

zoll hat geschrieben:Merkur, so wie du deinen ehem. Dienstherrn verteidigst muss ich glauben du hast bei dem noch "Aktien".
zoll


Zum einen hatte ich in der DDR keinen Dienstherrn und zum anderen ist es die Realität. Man muss sie nicht mögen, was aber den Fakt nicht ändert.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon augenzeuge » 31. März 2018, 14:09

Merkur hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Weil es ganz sicher nie an finanziellen Mitteln gescheitert wäre. [grins]
AZ


Zumindest wurde auch deswegen der OibE-Bestand drastisch reduziert. 1983 gab es 3471 OibE, danach sank die Zahl erheblich. 1988 verfügte das Ministerium dann noch über 1856 OibE.

1600 OibE weniger. Demgegenüber stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der hauptamtlichen MfS Mitarbeiter um mehr als 6000. Musste man da nicht sparen?
AZ
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon andr.k » 31. März 2018, 19:37

Interessierter hat geschrieben:Wenn ein ehemaliger VP behauptet ich hätte hier keine Fakten bezüglich der Aufgaben, Struktur und dem Verhältnis zum MfS eingestellt, so kann das nur an seiner Lese- oder Erkenntnisschwäche liegen.
Die Erkenntnisse des BStU, die ich hier eingestellt habe, machen mehr als deutlich klar, dass im Arbeitsgebiet K I bei der VP die OibE des MfS das Sagen hatten.

Daran ändern auch alle Verklärungsversuche nichts.

Selbst im NVA – Forum kann man dieses Lesen:
Im Jahre 1989 waren im Arbeitsgebiet I der Kriminalpolizei auf allen Ebenen 459 Personen inoffiziell für das MfS tätig. Das sind rund 20% der Mitarbeiter des Arbeitsgebietes I der Kriminalpolizei.
Um einen Überblick zu geben, welche Positionen bei der Kriminalpolizei innerhalb der BdVP mit OibE des MfS besetzt wurden zwei Beispiele:
BdVP Gera:
Leiter der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP = OibE "Kurt",
Leiter des Dezernates I der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP = OibE "Klaus",
Leiter der Operativgruppe I / U der BdVP Gera,
Stv. Leiter der Operativgruppe I / U der BdVP Gera,
Leiter des Dezernates II der Abteilung Kriminalpoizei der BdVP Gera = OibE "Horst."

BdVP Dresden:
Leiter des Dezernates I der Abteilung Kriminalpoizei der BdVP Dresden,
Stv. Leiter des Dezernates I der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP Dresden,
Leiter der Operativgruppe I / U der BdVP Dresden und zwei weitere Angehörige von I / U der BdVP Dresden
Leiter des Dezernates II der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP Dresden,
Leiter der Arbeitsrichtung I der Kriminalpolizei im VPKA Dresden
Leiter Kommissariat I der Kriminalpolizei im Transportpolizeiamt Dresden.


Davon ausgehend, dass es ca. 14 Bezirksdirektionen der VP in der DDR gab, kann jeder ungefähr die Gesamtzahl der OibE hochrechnen und erkennen was für ein Stuss es ist, uns weismachen zu wollen, dass es insgesamt nur 25 gewesen wären... [flash]

Weitere Ausführungen wird es von mir zu derartigen schönrednerischen Behauptungen nicht geben. [mundzu]


Dein Beispiel zeigt jetzt nur 3 OibE ("Kurt", "Klaus" und "Horst") aus 2 Bezirken der DDR. Nicht wirklich viel, oder?
Außerdem gab es nur 14 Bezirksbehörden und nicht ca. 14 Bezirksdirektionen.

Interessierter hat geschrieben:Durchführungsbestimmungen zur Dienstanweisung 2/79 über das politisch - operative Zusammenwirken mit der AG I der K gibt. ( GVS 0008 MfS 42/78 )


Bevor du jetzt gar nichts mehr zu Thema sagen möchtest, wäre es noch hilfreich mir zu erklären, was es mit der "GVS 0008 MfS 42/78" auf sich hat.

Weiter möchte ich dich bitten mir zu zeigen, wo ich hier Verklärungsversuche und schönrednerische Behauptungen unternommen habe. Danke. Die Lese- oder Erkenntnisschwäche liegt mit Sicherheit nicht bei mir.

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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon zoll » 1. April 2018, 13:32

Ob nun die ehem. MfS-MA versuchen dieses Thema in die richtigen Bahnen zu lenken ist bei gutmütigster Betrachtung verständlich.
Wenn sie versuchen die Zahlen ins rechte Licht zu rücken ist auch verständlich.
Was mir aber schon lange klar ist, jeder OibE, jeder MfS-MA und jeder Spitzel war einer zuviel.
Jeder von diesen "Herren" gehörte in die Produktion. Nur dort wurde für das Volk und nicht gegen das Volk gearbeitet.
Wenn man sein Volk anständig behandelt bedarf es nur wenig innere Aufklärung und keine Unterdrückung.
Der ganze Apparat der Schikane, der Unterdrückung, der Bevormundung und was sonst noch im Namen des Sozialismus betrieben wurde wäre nicht nötig gewesen.
Das gilt übrigens für alle Regierungsformen mehr oder weniger.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Volker Zottmann » 1. April 2018, 14:18

zoll hat geschrieben:Ob nun die ehem. MfS-MA versuchen dieses Thema in die richtigen Bahnen zu lenken ist bei gutmütigster Betrachtung verständlich.
Wenn sie versuchen die Zahlen ins rechte Licht zu rücken ist auch verständlich.
Was mir aber schon lange klar ist, jeder OibE, jeder MfS-MA und jeder Spitzel war einer zuviel.
Jeder von diesen "Herren" gehörte in die Produktion. Nur dort wurde für das Volk und nicht gegen das Volk gearbeitet.
Wenn man sein Volk anständig behandelt bedarf es nur wenig innere Aufklärung und keine Unterdrückung.
Der ganze Apparat der Schikane, der Unterdrückung, der Bevormundung und was sonst noch im Namen des Sozialismus betrieben wurde wäre nicht nötig gewesen.
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Und dass die Unrecht hatten, war ihnen stets bewusst!
Genau darum haben sie auch die Spuren ihrer Schandtaten beseitigen wollen. Sie wussten, dass sie Verbrechen am eigenen Volk verübten und darum sollten alle Spuren beseitigt werden.
Dass heute noch Bewahrer dieser "gerechten Sache" auf dem Plan sind, ist schändlich.

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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Grenzwolf62 » 1. April 2018, 15:07

Ein naher Verwandter war zu DDR-Zeiten bei der VP Leiter einer MUK, der wurde nachwendlich auch übernommen.
Sein Job vorwendlich bedingte natürlich Zusammenarbeit mit dem anderen Ministerium, da kam er wohl nicht daran vorbei.
Mörder dingfest machen ist in meinen Augen eine ehrenvolle Tätigkeit, egal in welchem politischen Umfeld auch immer.
Sex und Golf können Spaß machen auch wenn man davon nicht viel Ahnung hat.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Beethoven » 8. April 2018, 08:05

Ab einer bestimmten Ebene, gerade in den bewaffneten Organen der DDR, war es unerlässlich mit dem MfS zusammen zu arbeiten. Das bedeutete jedoch nicht, dass man sofort eine Verpflichtungserklärung unterschreiben musste bzw. ein IM wurde.

Die Strukturen waren halt so, dass z.B. bei schweren Vorkommnissen das MfS stets vor Ort war und teilweise sogar ohne Hinzuziehung der Polizei Ermittlungen durch führte. Das war im militärischen Bereich sicher sogar noch stärker als im zivilen Bereich.
So saß ich auch mit dem für meine Truppe verantwortlichen Mitarbeiter der Verwaltung 2000 beisammen und wir tauschten unsere Erkenntnisse aus und berieten darüber, wie dieser oder jener Mängel abzustellen war oder wie es zum Vorkommnis kommen konnte.

Ich habe diese Mitarbeiter der Verwaltung 2000, mit denen ich es zu tun hatte, stets als um die Sache bemühte, ehrliche und kluge Männer kennen gelernt.

Nun weiß ich, dass jetzt gleich wieder Gegenkommentare kommen werden. Aber das ist mir Bockwurst. Die Männer der Verwaltung 2000 haben Ihre Aufgabe gehabt und allem Anschein nach, ordentlich erfüllt.
Ihr wisst doch, wenn die Mitarbeiter des MfS alles Dummlinge gewesen wären, würde man heute über diese Männer und Frauen lachen. Aber es baut sich noch heute ein Hass gegen diese Mitarbeiter auf, und ich habe den Eindruck dass es in diesem Forum schon Blüten treibt. Das MfS war also ein würdiger Gegner gegen den BND, die CIA oder wie andere, damals noch gegnerische Dienste so hießen.
Die Bespitzelung von Bürgern schließe ich bewusst aus diesem Beitrag aus. Das machen andere Geheimdienste auch, wenn vielleicht auch nicht in dem Umfang. Und heute weiß selbst Beate Uhse (möge ihr die Erde leicht sein) oder Amazon mehr über den Bürgern Deutschlands, als das MfS je wußte.

So, das Stöckchen habe ich hingeworfen. [wink]

freundlichst
Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.
Sie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.

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Quo quisque stultior eo magis insolescit, gelle Herr F.?

Achte mehr auf Deinen Charakter, als auf Deinen Ruf.
Dein Charakter ist das, was Du wirklich bist, doch Dein Ruf ist nur das, was andere von dir halten.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Nov65 » 8. April 2018, 10:53

Über dieses Stöckchen mag springen wer will. Ich jedenfalls nicht. Und die kritischen User in unserem Forum sicher auch nicht.
Natürlich mussten bestimmte Berufsgruppen nach Aufforderung mit MA des MfS zusammenarbeiten, d.h. aber nicht Meldungen ohne Anforderung zu entrichten. Das MfS war eine DDR-Behörde mit "Firmenschild" an der Haustür. Wer über bestimmte Vorgänge befragt wurde, musste Auskunft geben. Aus diesem Grunde ist nicht jeder verdächtig, als Denunziant oder Spitzel gearbeitet zu haben.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Interessierter » 27. Juni 2018, 10:29

Polizei - Spuren in der Mülltüte

SED-treue Kripoleute sabotieren die Arbeit des Gemeinsamen Landeskriminalamtes in den Ost-Ländern.


Die Ermittlungsakten waren von Amts wegen getürkt. Um die Leser irrezuführen, wurden die Seiten teils doppelt, teils gar nicht numeriert, mal von Hand, mal mit einem mechanischen Stempel paginiert. Bei Vorgängen, die wegen ihrer Brisanz mit Schellack versiegelt worden waren, fehlten die Plomben oder waren falsche Codenummern in die Siegel gestanzt.

Zusammenhanglos hatten Ermittler Berichte in Ordnern aneinandergereiht und wahllos verstreute Kopien, unter fortlaufenden Seitenzahlen, zwischen die Originale geheftet. Was auf den Aktenrücken stand, hatte mit dem Inhalt oft nichts zu tun.
Den manipulierten Aktenschrott erhielten die Staatsschützer der West-Berliner Polizei von ihren Ost-Kollegen: Material über das bis heute ungeklärte Attentat auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" im April 1986. Seit Monaten schon stößt die West-Kripo bei dem Versuch, Amtshilfe aus dem Osten zu bekommen, auf blanke Obstruktion.


Mit "geradezu unglaublicher Überheblichkeit", erfuhr ein "La-Belle"-Ermittler, reagierten Kripo-Leute beim Gemeinsamen Landeskriminalamt (GLKA) der fünf neuen Länder in Berlin-Hohenschönhausen, wenn einer aus dem Westen wegen des Attentats nachfragte. Und Fragen gibt es viele: Umfangreiche Akten über den Fall, in den auch die Stasi verwickelt war, lagern in Ost-Berlin.

"Gezielt hintertrieben", mutmaßt Berlins Innensenator Erich Pätzold, 60, würden im GLKA "jetzt aufgenommene Ermittlungen" über "ehemalige Entscheidungsträger" im Osten. "Wir haben Zweifel", resümierte Pätzold in einem Beschwerdebrief an Bonns Innenstaatssekretär Hans Neusel, "daß das GLKA in der bestehenden Form jemals willens und in der Lage sein wird, seinen rechtsstaatlichen Auftrag zu erfüllen."

Zweifel sind berechtigt. Die oberste Polizeibehörde der ostdeutschen Bundesländer erweist sich als Mißgeburt. Denn das GLKA ist, organisatorisch und personell, nichts anderes als das ehemalige Zentrale Kriminalamt (ZKA) der DDR. Und das ZKA ist bruchlos aus der einstigen Hauptabteilung Kriminalpolizei des DDR-Innenministeriums hervorgegangen.

Zwar haben gut 200 Mitarbeiter aus der einstigen Zentrale der Volkskripo mittlerweile abgemustert. Als Handlanger des SED-Regimes hätten sie keine Chance im neuen Staat gehabt. Aber das Amt hat seine Sollstärke, 700 Mann, schon fast wieder erreicht. Und die Neuen sind auch nicht besser.

Aufgefrischt wurde die Kripo-Belegschaft ausgerechnet durch rund 120 ehemalige Angehörige des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Der letzte DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel (CDU) hatte Stasi-Leute nicht nur als Berater in sein Ressort geholt, sondern auch mit Posten in der Polizeizentrale versorgt. So hat der Stasi-Geist im GLKA die Wende überlebt. Wie zum Beweis hat die neue Kripo-Behörde ihre Büros in einem berüchtigten Stasi-Quartier eingerichtet.

Das GLKA residiert, hinter meterhohen Mauern mit Stacheldrahtkronen, mit Wachtürmen und Flutlicht bewehrt, innerhalb des weitläufigen Gebäudekomplexes der früheren MfS-Hauptabteilung IX. Die MfS-"Untersuchungsabteilung" führte vor allem Ermittlungen gegen Abweichler von der SED-Linie und in bedeutenden Kriminalfällen. Ausgesuchte Richter und Staatsanwälte betrieben die Strafverfahren im unmittelbaren Auftrag der Staatssicherheit.

Das Know-how der Stasi-Ermittler ist hier erhalten. Die Kriminaltechnische Abteilung des GLKA ist personell fast identisch mit der "Operativ-technischen Spurenauswertung" der alten Hauptabteilung IX.
Um so provokanter ist der Umgang der Präzisions-Kriminalisten des alten Systems mit Beweisstücken für die West-Ermittler: In Müllbeuteln, die mit Fettstift grob gekennzeichnet waren, präsentierten sie den Kollegen fürs Mikroskop bestimmtes Spurenmaterial über den nach dem "La-Belle"-Attentat erschossenen mutmaßlichen Doppelagenten Mohammed Ashur.
Für Pätzold ist das ein Beweis für Sabotage: Die ganze Unordnung im Osten widerspreche "der bekannt akribischen Arbeitsweise der vorher für die Vorgänge Verantwortlichen".

Weiter geht es hier:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13501514.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon augenzeuge » 27. Juni 2018, 11:40

Ich habe es schon immer geahnt. [blush]
AZ
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon pentium » 27. Juni 2018, 12:30

augenzeuge hat geschrieben:Ich habe es schon immer geahnt. [blush]
AZ


Ja 1990, gibt es da inzwischen neue Erkenntnisse?

...
Immer zu zweit sie sind. Keiner mehr, keiner weniger. Ein Meister und ein Schüler.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon Danny_1000 » 27. Juni 2018, 12:58

[laugh] [laugh] [laugh]
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben
dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon andr.k » 3. November 2018, 22:10

Interessierter hat geschrieben:Seit Monaten schon stößt die West-Kripo bei dem Versuch, Amtshilfe aus dem Osten zu bekommen, auf blanke Obstruktion.


Sehr seltsam… Dabei wurden die Ermittlungsakten und KT-Gutachten gegen A. Musbahomer, aus Dezember 1987, im August 1990 vom Generalstaatsanwalt der DDR angefordert. Über die sieben Haftbefehle und Festnahme des A.F. Mansour ist auch keine Rede.

[denken]
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon zonenhasser » 4. November 2018, 10:45

Den manipulierten Aktenschrott erhielten die Staatsschützer der West-Berliner Polizei von ihren Ost-Kollegen: Material über das bis heute ungeklärte Attentat auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" im April 1986. Seit Monaten schon stößt die West-Kripo bei dem Versuch, Amtshilfe aus dem Osten zu bekommen, auf blanke Obstruktion.

Mit "geradezu unglaublicher Überheblichkeit", erfuhr ein "La-Belle"-Ermittler, reagierten Kripo-Leute beim Gemeinsamen Landeskriminalamt (GLKA) der fünf neuen Länder in Berlin-Hohenschönhausen, wenn einer aus dem Westen wegen des Attentats nachfragte. Und Fragen gibt es viele: Umfangreiche Akten über den Fall, in den auch die Stasi verwickelt war, lagern in Ost-Berlin.


pentium hat geschrieben:Ja 1990, gibt es da inzwischen neue Erkenntnisse?


Ja, das Attentat auf "la Belle" ist weitgehend aufgeklärt, auch die Rolle der Stasi dabei, die Täter verurteilt.

Westdeutschen und US-amerikanischen Ermittlungsergebnissen zufolge wurde das Attentat vom libyschen Volksbüro (Eigenbezeichnung der libyschen Botschaft) in Ost-Berlin organisiert. Nach der deutschen Wiedervereinigung stützten Akten des Ministeriums für Staatssicherheit diese These. Das „Bürgerbüro“ (u. a. Konrad Weiß, Wolf Biermann, Bärbel Bohley, Rudolf Scharping) enthüllte, 1986 habe die Staatssicherheit der DDR sichergestellten Sprengstoff einem arabischen Terroristen wieder ausgehändigt im Wissen, dass dieser die Diskothek La Belle zerstören sollte.
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Re: Volkspolizisten und ihre Übernahme trotz Stasizuarbeitung

Beitragvon andr.k » 4. November 2018, 16:15

zonenhasser hat geschrieben:
Den manipulierten Aktenschrott erhielten die Staatsschützer der West-Berliner Polizei von ihren Ost-Kollegen: Material über das bis heute ungeklärte Attentat auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" im April 1986. Seit Monaten schon stößt die West-Kripo bei dem Versuch, Amtshilfe aus dem Osten zu bekommen, auf blanke Obstruktion.

Mit "geradezu unglaublicher Überheblichkeit", erfuhr ein "La-Belle"-Ermittler, reagierten Kripo-Leute beim Gemeinsamen Landeskriminalamt (GLKA) der fünf neuen Länder in Berlin-Hohenschönhausen, wenn einer aus dem Westen wegen des Attentats nachfragte. Und Fragen gibt es viele: Umfangreiche Akten über den Fall, in den auch die Stasi verwickelt war, lagern in Ost-Berlin.


pentium hat geschrieben:Ja 1990, gibt es da inzwischen neue Erkenntnisse?


Ja, das Attentat auf "la Belle" ist weitgehend aufgeklärt, auch die Rolle der Stasi dabei, die Täter verurteilt.

Westdeutschen und US-amerikanischen Ermittlungsergebnissen zufolge wurde das Attentat vom libyschen Volksbüro (Eigenbezeichnung der libyschen Botschaft) in Ost-Berlin organisiert. Nach der deutschen Wiedervereinigung stützten Akten des Ministeriums für Staatssicherheit diese These. Das „Bürgerbüro“ (u. a. Konrad Weiß, Wolf Biermann, Bärbel Bohley, Rudolf Scharping) enthüllte, 1986 habe die Staatssicherheit der DDR sichergestellten Sprengstoff einem arabischen Terroristen wieder ausgehändigt im Wissen, dass dieser die Diskothek La Belle zerstören sollte.
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