Stasi Akten öffnen oder schließen?

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Interessierter » 22. Januar 2013, 13:00

Der nachstehend eingestellte Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, daß das begangene Unrecht einzelner Abteilungen und Menschen dieses " Schildes und Schwertes " der Partei, auch bei nachfolgenden Generationen nicht in Vergessenheit gerät.

"Stasi - was geht mich das an?"

Am Jahrestag des Sturms auf die Stasi-Zentrale vor 23 Jahren diskutierten 330 Schüler in der Normannenstraße


Für alle Beteiligten war es eine neue Erfahrung - der erste Schülerprojekttag des BStU anlässlich des Jahrestages.


Am 15. Januar 2013, dem 23. Jahrestag der Erstürmung des Ministeriums für Staatssicherheit durch Bürger der DDR, lud der Bundesbeauftragte 330 Schülerinnen und Schüler aus vier Bundesländern in die Stasi-Unterlagen-Behörde.
Ihr Vorwissen über die ehemalige DDR-Geheimpolizei war recht unterschiedlich. Viele wurden bei ihrem Besuch erstmals umfassend über Stasi, SED und DDR informiert, weil die Lehrpläne das Thema erst spät oder nur am Rande vorsehen.

Geboten wurden Ausstellungen, Führungen, Diskussionen und Filmbeiträge, um sich ein Bild von der Arbeitsweise der ehemaligen DDR-Geheimpolizei zu machen - und über die einschüchternden Auswirkungen des Wirkens der Stasi.
Großes Interesse zogen aber auch nachlesbare Musterakten und das Stasi-Archiv auf sich, insbesondere die virtuelle Rekonstruktion zerrissener Akten. "Wie lange brauchen Sie, um eine Seite wieder zusammenzusetzen", lautete eine häufig gestellte Frage.
Als lehrreich bewerteten die Schüler auch die angebotenen Zeitzeugengespräche. Im Gedankenaustausch mit Frank Ebert von der Jugendopposition konnten sich die Schüler nicht vorstellen, wie das war einfach so verhaftet zu werden, wie das der Stasi möglich war. Und so lautete auch eine Frage: "Was würden Sie heute denken, wenn Sie festgenommen werden würden?" Die Antwort von Frank Ebert war ganz klar: "Heute hätte ich dann eben die Möglichkeiten des Rechtsstaates und der Öffentlichkeit, mich dagegen zu wehren. Es gibt keine Willkür. Und wenn unrechtmäßig gehandelt wurde, kann man dagegen Proteste organisieren, die Öffentlichkeit informieren, Rechtsanwälte einschalten, die nicht mit dem Staat zusammen arbeiten."

Spannend war für die Schüler auch das Zeitzeugengespräch mit Bernd Stracke, der in den 80er Jahren in Leipzig ein Punk war und ins Visier der Stasi geriet. "Manche sagen ja, die DDR war gar nicht so schlecht. Können Sie das verstehen?", lautete die Frage. Bernd Stracke hat das seine eigene Meinung: "Naja. Wenn man vielleicht ein Bauer irgendwo auf dem Land war und jeden Tag seine Kühe auf die Wiese geschoben hat. Und abends dann wieder in den Stall, dann war man vielleicht ganz glücklich, weil man auch nie mit dem Staat in Berührung kam. Aber das ging den meisten ja eher nicht so. Und mir schon gar nicht. Sobald man sich etwas unabhängig von den verlangten Mustern bewegte, war man im Konflikt", berichtet er der Klasse. "Manche sagen ja auch, die DDR war irgendwie menschlicher, 'kuscheliger'. Aber das kommt mir alles so falsch vor," erzählte Stracke, "ich habe ja im Nachhinein erfahren, dass an vielen Stellen Menschen und sogar meine eigentlichen Freunde mich verraten haben. Zwei meiner Band-Mitglieder haben der Stasi regelmäßig über alles berichtet. Und viele Leute haben sich einfach weggeduckt und sind abgetaucht, wenn man sich mit dem Staat angelegt hat."

Das Wegducken und Wegschauen vieler Bürger aus Angst ebenfalls ins Visier der Stasi zu gerieten, machten Filmausschnitte aus dem Film "Feindbilder" der Bundeszentrale für politische Bildung deutlich. Regisseur Holger Kulick zeigte unter anderem einen Zusammenschnitt aus Überwachungsvideos der Stasi, auf dem zahlreiche Verhaftungen auf dem Berliner Alexanderplatz zu sehen sind. Zivil gekleidete Mitarbeiter der Staatssicherheit ziehen im September 1989 zumeist junge Menschen rüde aus dem Verkehr, die sie für potenzielle Demonstranten halten. "Heutzutage würden Passanten dazwischen gehen und fragen, ey was soll das", reflektierten die Schüler, "oder sie würden einfach da stehen und glotzen. Aber die hier schauen alle weg, so als geht sie das nix an. Offenbar aus purer Angst."

Die meisten der anschließend befragten jungen Besucher resümierten, dieser außergewöhnliche Schultag sei gewiss "anschaulicher" und "lehrreicher" gewesen, als normaler Geschichtsunterricht, der Inhalt allerdings auch "sehr bedrückend".

http://www.bstu.bund.de/DE/Bundesbeauft ... 15_01.html
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Neun » 22. Januar 2013, 17:06

Menschen die ihr pers. Leben in der DDR heute also als nicht so schlecht beurteilen können also nur dumme Bauern gewesen sein. Na da wird der Bildungsauftrag doch erfüllt!

Meinen Glückwunsch an die zahlreichen Bauern hier Forum. [grin]
Neun
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Nov65 » 22. Januar 2013, 17:48

Neun hat geschrieben:Menschen die ihr pers. Leben in der DDR heute also als nicht so schlecht beurteilen können also nur dumme Bauern gewesen sein. Na da wird der Bildungsauftrag doch erfüllt!

Meinen Glückwunsch an die zahlreichen Bauern hier Forum. [grin]

Hi @Neun, Bauern gab es ja ab 1961 nur wenige in der DDR. Und die waren nicht gerade Freunde der DDR (LPG Typ 1 und 2). Nach der "Sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft" gab es überwiegend Genossenschaftsbauern. Aber das ist nicht mein Einwand zu Deiner Aussage. Und diese Unterscheidung kennst Du ja auch.
Im Link wird wörtlich und inhaltlich ausgesagt, dass derjenige, der nur seine Arbeit verrichtete, wie eben ein (Genossenschafts) Bauer, sich nicht mit dem Staat anzulegen brauchte. Diese Feststellung stimmt doch.Er hatte ja kaum Berührungspunkte, außer der Mangelwirtschaft. Und für den Staatsapparat war er kein Verfolgungsthema. Also bekamen Staatsbüttel keinen Auftrag, gegen ihn vorzugehen.
Gibt es in unserem Forum Landwirte? Aber so meinst Du Deinen Glückwunsch ja auch nicht.
Gruß, Andreas
Nov65
 
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Interessierter » 22. Januar 2013, 17:51

Die Aussage von Bernd Stracke lautete:

Wenn man vielleicht ein Bauer irgendwo auf dem Land war und jeden Tag seine Kühe auf die Wiese geschoben hat. Und abends dann wieder in den Stall, dann war man vielleicht ganz glücklich, weil man auch nie mit dem Staat in Berührung kam. Aber das ging den meisten ja eher nicht so. Und mir schon gar nicht. Sobald man sich etwas unabhängig von den verlangten Mustern bewegte, war man im Konflikt", berichtet er der Klasse.


Was für ein plumper Versuch Stimmungsmache zu betreiben, in dem man einen Satz herausnimmt und versucht den Eindruck zu erwecken, Stracke hätte andere DDR - Bürger als ( dumme ) Bauern bezeichnet. Bürger die in Organen dieses Staates dienten, Anhänger des Sozialismus a la DDR und Bürger, die sich aus Angst vor Repressalien eingerichtet hatten, waren wohl eher von Strack gemeint.

Naja, die ehemaligen Vernehmer sind heute auch nicht mehr das, was sie früher mal waren und das im wahrsten Sinne des Wortes. [laugh]

" Der Interessierte "
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Hamiota » 22. Januar 2013, 18:02

Wenn ich mir den Beitrag des Interessierten durchlese drängt siche einen der Verdacht auf daß es bei den ganzen "Gedenkstätten" gar nicht um solche handelt sondern um Einrichtungen welche ein ganz spezielles Geschichtsbild zu vermitteln haben. Das die Mehrheit der ehemaligen DDR Bürger es durchaus anders sahen als der ehemalige Punk Stracke geht dabei glatt verloren, es ist davon auszugehen das es gewollte ist! Kinder und Jugendliche sollten von solchen Geschichtsverfällschungsveranstaltungen ferngehalten werden wenn man keine anderen Zeitzeugen als Punks und andere schräge Vögel aufbieten kann! Nun wird mir auch klar warum einige der ehemaligen Führer in Hohenschönhausen von Herrn Hubertus Knabe Hausverbot bekamen obwohl sie ehemalige Insassen waren: sie waren nicht bereit "Sachen" zu verbreiten welche sich nicht mit ihrem eigenen Erleben decken!

Im Übrigen bin ich der Meinung dasss die Stasi Akten im Jahre 23 der deutschen Einheit in der jetzigen Form geschlossen werden und einer wissenschaftlichen Aufarbeitung im Bundesarchiv zugeführt werden sollten. Sollten dann die entsprechenden Akten der bundesdeutschen Behörden bis 1989 noch irgendwann hinzu kommen könnte man endlich an eine ehrliche, neutrale und wissenschafftliche Aufarbeitung der deutschen Teilung und der Bewertung der Nachrichtendienste in Ost und West gehen!

Gruß [hallo]
Peter
Hamiota
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Janko » 22. Januar 2013, 18:13

@Nov65..........Im Link wird wörtlich und inhaltlich ausgesagt

Die Aussage ist eigentlich, dass es "Bauern irgendwo auf dem Lande gab" (ja wo eigentlich sonst leben Bauern ?), "die Kühe auf die Wiese schieben" (kenn ich persönlich zwar nicht, ordnet aber das Verhältnis des S. zu den Bauern ein), im Prinzip interessiert ihn das überhaupt nicht, sondern seine Ich-bezogenheit ist doch viel wichtiger.

Nur wer ist Stracke ?

Übrigens da steht weder was von "Verfolgungsthema" noch "Staatsbütteln" .
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Wosch » 22. Januar 2013, 19:09

Nun dann, was die Bauern in der DDR betrifft oder betraf: Einige von ihnen waren sogar sehr schlau, insbesondere Diejenigen die sich vor ihrer zwangsweisen "Rekrutierung" in die nach stalinistischem Vorbild geschaffenen "Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften" aus dem Staube machen konnten. Bis dahin unterlagen sie einer "Abgabepflicht" die teilweise willkürlich festgesetzt wurde und oftmals nicht zu erfüllen war. In solchen Fällen war erstmalig eine Verwarnung fällig, danach konnte man durchaus auch enteignet und als Volksschädling, Saboteur oder auch aus an deren erfundenen kriminellen Gründen ins Zuchthaus gewandert sein. Wie man mit den Bauern in der DDR in den 50er Jahren umgegangen ist zeigt diese kleine Episode, die ich hier wahrheitsgemäß wiedergebe: "In meinem geliebten Ludwigslust gab es schon zur Zeit der Weimarer Republik und danach auch zu Adolfs Zeiten eine kleine Kneipe mit dem Namen "Zur Linde" (Ludwigslust war eine Lindenstadt), Nachdem aber die "sozialistische Bodenreform" die Großbauern verdrängt hatte und jedem ehemaligen Knecht ein Stückchen Land sein Eigen nennen ließ, wurde in Würdigung dieser sozialistischen "Großtat" unsere kleine Kneipe umgenannt und es prangte ab sofort über dem Eingang "Zum freien Bauer". Als man dann aber ein paar Jahre später diesen "freien" Bauern wieder das bischen Eigentum abgenommen hatte (indem man sie in die LPG´s reinpreßte) und auch der letzte seiner persönlichen Freiheit beraubt war, nannte man die Gaststätte "Zum Freien Bauer" wieder in "Zur Linde" um. Ich schrieb das hier schon mal, sollte auch nur eine Gedankenstütze sein damit nicht vergessen wird was damals üblich war. Die Zeit der "Zwangskollektivierung" habe ich noch sehr gut in Erinnerung den Ludwigslust war nicht nur ein Grenzkreis sondern weitestgehend ein Kreis mit überwiegend landwirtschaftlicher Struktur. Man bediente sich der hinterhältigsten Mittel um die Bauernschaft zum "freiwilligen" Eintritt in die "Kolchosen" zu "überzeugen", unter anderem erschwerte man ihnen die Möglichkeiten, notwendige Bedarfsgüter für die Fortführung der landwirtschaftlichen Arbeiten zu erwerben und erzielte damit logischerweise, daß die eingeforderte "Abgabepflicht" nicht eingehalten werden konnte, was wiederrum strafbare Konsequenzen nach sich ziehen "mußte". In dieser Zeit verließen viele "freie Bauern" Haus und Hof, gingen bei Nacht und Nebel in den Westen und Etliche drehten aus Angst vor dem sonst auf sie Zukommenden den Gashahn auf, oder nahmen sich auf eine andere Art un Weise das Leben. Soweit zu den "Dummen" und "Schlauen" Bauern bevor man sie wie Nutztiere hinter Zäune und Mauern hielt.
Ach ja, Stasi-Akten immer schön "offen" lassen, damit man aus der Vergangenheit lernen kann.
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Janko » 22. Januar 2013, 19:31

@Wosch.....Nachdem aber die "sozialistische Bodenreform"


Nur der Richtigkeithalber, eine "sozialistische Bodenreform" hat es 1945/1946 nicht gegeben.
Es hat einen Bodenreform in der SBZ gegeben die Großbauern über 100 ha, die a) kriegsverbrecher und b)aktive Mitglieder der NSDAP waren, enteignete.

Über den Weg, die Irrungen und Wirrungen könnte man sich unterhalten...nur , warum setzte und setzt man alles dran die aus den eheml. "Kolchosen" entstandenen AGRAR-GmbH`s (oder wie sie sich auch nennen mögen) zu zerschlagen ?

Dieser Denkprozeß mag anstrengend sein, lässt aber auch die "Kollektivierung" unter einen anderen Blickwinkel erscheinen.
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Nov65 » 22. Januar 2013, 19:43

Janko hat geschrieben:@Nov65..........Im Link wird wörtlich und inhaltlich ausgesagt

Die Aussage ist eigentlich, dass es "Bauern irgendwo auf dem Lande gab" (ja wo eigentlich sonst leben Bauern ?), "die Kühe auf die Wiese schieben" (kenn ich persönlich zwar nicht, ordnet aber das Verhältnis des S. zu den Bauern ein), im Prinzip interessiert ihn das überhaupt nicht, sondern seine Ich-bezogenheit ist doch viel wichtiger.

Nur wer ist Stracke ?

Übrigens da steht weder was von "Verfolgungsthema" noch "Staatsbütteln" .

@Janko, was soll man nur zu Deinem Posting sagen?
Da wird derjenige infrage gestellt, der den Bauern auf dem Lande meint (Na klar ist jedem bewusst, dass der auf dem Lande lebt, aber vielleicht darf der Stracke sich so äußern oder?) und der andere, der weiterführende Aussagen zum DDR-Landwirt in verschiedenen Eigentumsebenen als Antwort auf @Neun trifft. Du bist ja nicht gemeint, Du hast zum Kern der Diskussion ja keine Meinung, sondern läufst mit einem roten Stift in der Hand herum. Toll!.
Gruß, Andreas
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Janko » 22. Januar 2013, 20:09

@Nov65.........Du hast zum Kern der Diskussion ja keine Meinung,


Der Kern ist doch...öffnen oder schließen ?...oder ?

Dazu hab ich mich eigentlich, unmissverständlich, schon eher geäußert.
Reagieren , also schreiben, kann ich nur auf das was dasteht. Das mag bei dir Widerspruch erzeugen, bin eben kein "Reininterpretierer".
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Wosch » 23. Januar 2013, 19:00

Janko hat geschrieben:@Wosch.....Nachdem aber die "sozialistische Bodenreform"


Nur der Richtigkeithalber, eine "sozialistische Bodenreform" hat es 1945/1946 nicht gegeben.
Es hat einen Bodenreform in der SBZ gegeben die Großbauern über 100 ha, die a) kriegsverbrecher und b)aktive Mitglieder der NSDAP waren, enteignete.

Über den Weg, die Irrungen und Wirrungen könnte man sich unterhalten...nur , warum setzte und setzt man alles dran die aus den eheml. "Kolchosen" entstandenen AGRAR-GmbH`s (oder wie sie sich auch nennen mögen) zu zerschlagen ?

Dieser Denkprozeß mag anstrengend sein, lässt aber auch die "Kollektivierung" unter einen anderen Blickwinkel erscheinen.



Ich hatte die "sozialistische Bodenreform" extra in Anführungszeichen gesetzt um Dir den nötigen Spielraum zur Antwort vorzugeben, Viel ist ja leider nicht dabei heraus gekommen,
zu rot: "Es hat einen Bodenreform in der SBZ gegeben...", Du meintest wahrscheinlich eine, ich gehe mal davon aus.
zu grün: "Na dann laß mal von Dir hören was Du zu den "Irrungen und Wirrungen" beizutragen hast, damit wir uns über diese "unterhalten" können.
Gerne könntest Du bei Deinem scheinbaren Bedarf auch einen neuen Thread eröffnen, evtl. mit dem Namen: "Bodenreform in der SBZ".
Daß ein Denkprozeß auch manchmal sehr anstrengend sein kann leuchtet mir schon ein, jedoch daß die angeblichen"Zerschlagungen" von AGRAR-GmbH´s mit den "Irrungen und "Wirrungen" bei den Zwangskollektivierungen der bis dahin angeblichen "Freien Bauernschaft" überhaupt NICHTSzu tun hatten, ist doch relativ einfach nachzuvollziehen. Es sei denn, man wolle dem Ganzen eine andere Richtung geben.
Was Du als"Irrungen und Wirrungen" bezeichnest, hatte Hundertausenden ins Unglück und Verderben gestürzt und kann meiner Meinung nach von Dir nur als zum Himmel schreiende Verharmlosung des roten Terrors (nach stalinistischem Vorbild) bezeichnet werden.
Also, es wäre nett wenn Du das mit den "Irrungen und Wirrungen" mal etwas genauer erläutern könntest. [ich auch]

Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Nov65 » 23. Januar 2013, 21:58

Janko hat geschrieben:@Wosch.....Nachdem aber die "sozialistische Bodenreform"


Nur der Richtigkeithalber, eine "sozialistische Bodenreform" hat es 1945/1946 nicht gegeben.
Es hat einen Bodenreform in der SBZ gegeben die Großbauern über 100 ha, die a) kriegsverbrecher und b)aktive Mitglieder der NSDAP waren, enteignete.

Über den Weg, die Irrungen und Wirrungen könnte man sich unterhalten...nur , warum setzte und setzt man alles dran die aus den eheml. "Kolchosen" entstandenen AGRAR-GmbH`s (oder wie sie sich auch nennen mögen) zu zerschlagen ?

Dieser Denkprozeß mag anstrengend sein, lässt aber auch die "Kollektivierung" unter einen anderen Blickwinkel erscheinen.

Die Umstrukturierung nach 1990 von in der DDR gegründeten Genossenschaften in Unternehmen, die den wirklichen früheren Landeigentümern gehören, ist doch nicht verwerflich oder?
Gruß, Andreas
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Interessierter » 24. Januar 2013, 13:34

Stasi - Akten müssen offen bleiben, das belegen doch schon die letzten Zahlen aus Sachsen :


Sachsen arbeiten Vergangenheit auf: Einsichtsanträge in Stasi-Akten gestiegen


Das Interesse an einer möglichen Stasi-Historie ist bei den Sachsen ungebrochen. So wurden bis November allein in Sachsen rund 21.000 Anträge auf Akteneinsicht gestellt. Aber auch die Anzahl an Stasi-Überprüfungen nahm zu.

Bis Ende November gab es laut Behörde bereits 123 Fälle, im Vorjahr waren es gerade einmal neun. Vermutlich geht die gestiegene Anzahl auch auf das geänderte Stasi-Unterlagen-Gesetz zurück. Mit dem Jahresbeginn wurde der Personenkreis im öffentlichen Dienst, der überprüft werden kann, vergrößert. Zudem können mit dem geänderten Stasi-Unterlagen-Gesetz jetzt auch Angehörige von Verstorbenen leichter Akten einsehen.

http://www.leipzig-fernsehen.de/default ... ws=1262569
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Janko » 24. Januar 2013, 17:28

@Nov65......Die Umstrukturierung nach 1990 von in der DDR gegründeten Genossenschaften in Unternehmen, die den wirklichen früheren Landeigentümern gehören, ist doch nicht verwerflich oder?


Deinem Denkprozeß zur Unterstützung, als Mitglieder der Genossenschaften waren sie auch immer noch Landeigentümer, denn dieses Land wurde auch nach der Umstrukturierung wieder eingebracht bzw. richtigerweise drin gelassen.
Die Frage ist doch, warum man heute daran geht diese Größenordnung im Osten,entstanden aus den "Kolchosen", wieder zu zerschlagen ? Weil sie uneffektiv arbeiten ?
Zusammenhänge mußt du schon ein biss`l selber erkennen.
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Janko » 24. Januar 2013, 17:57

@Wosch........Was Du als"Irrungen und Wirrungen" bezeichnest, hatte Hundertausenden ins Unglück und Verderben gestürzt und kann meiner Meinung nach von Dir nur als zum Himmel schreiende Verharmlosung des roten Terrors (nach stalinistischem Vorbild) bezeichnet werden.

Ja unser Oberlehrer hat natürlich den Lapsus erkannt. Hätte aber genügt nur das Wort r o t zu markieren. Zumindest hat das immer mein Oberlehrer so gemacht. Ich bin eben auch so ein Gewohnheitstier und erschreck immer so wenn gleich eine ganze Seite in rot kommt.
Wenn du dir dann den Schaum wieder vom Mund gewischt hast, kannst du dir ja meinen Beitrag noch mal durchlesen (oder auch nicht).
Was du mit deiner Meinung reininterperetierst ist erst mal dir überlassen. Derartiges hab ich aber nicht geschrieben.

Der Prozeß der Bodenreform, über Gründung der LPG's verschiedener Typen, Volkseigene Güter bis hin zur Spezialisierung in Pflanzenbau u. Tierzucht (mal nicht zu vergesse das es auch in der DDR noch verschiedentlich Einzelbauern gab) wer ist denn da der Meinung das er nicht politisch gewollt war und ideologisch begleitet wurde ?
Nur, welche Lösung unter Berücksichtigung der Versorgung und fortschreitenden Technisierung, mal nicht zu vergessen der Reparationsleistungen an die SU wäre denn in Frage gekommen ?
Und wenn ich von den zuletzt bestehenden LPG`s schreibe die in AGRAR-GmbH aufgegangen sind , so besteht da sehr wohl ein Zusammenhang, denn nur in diesen Größenordnungen kann man effektiv produzieren. Aber offensichtlich passen die heut immer noch nicht ins Bild und man versucht diesen allerlei Steine in den Weg zu legen.

Aber eigentlich ist das jetzt auch vom obigen Thema her, biss`l links abgebogen.

....und wie gesagt biss`l fein machen und Schaum abputzen
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Nov65 » 24. Januar 2013, 20:10

Janko hat geschrieben:@Nov65......Die Umstrukturierung nach 1990 von in der DDR gegründeten Genossenschaften in Unternehmen, die den wirklichen früheren Landeigentümern gehören, ist doch nicht verwerflich oder?


Deinem Denkprozeß zur Unterstützung, als Mitglieder der Genossenschaften waren sie auch immer noch Landeigentümer, denn dieses Land wurde auch nach der Umstrukturierung wieder eingebracht bzw. richtigerweise drin gelassen.
Die Frage ist doch, warum man heute daran geht diese Größenordnung im Osten,entstanden aus den "Kolchosen", wieder zu zerschlagen ? Weil sie uneffektiv arbeiten ?
Zusammenhänge mußt du schon ein biss`l selber erkennen.

@Janko, musst nicht den Schlauberger geben. Meine Eltern waren auch Genossenschaftsbauern. Hast` es deshalb mit jemandem zu tun, der sich in diesem Metier auskennt.Natürlich weiß ich auch vom Konkurrenzkampf der Landwirtschaftsunternehmen West-Ost und den Wünschen West nach Verkleinerung der großen Ostunternehmen.
Gruß, Andreas
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Wosch » 24. Januar 2013, 20:27

Janko hat geschrieben:@Wosch........Was Du als"Irrungen und Wirrungen" bezeichnest, hatte Hundertausenden ins Unglück und Verderben gestürzt und kann meiner Meinung nach von Dir nur als zum Himmel schreiende Verharmlosung des roten Terrors (nach stalinistischem Vorbild) bezeichnet werden.



Ja unser Oberlehrer hat natürlich den Lapsus erkannt. Hätte aber genügt nur das Wort r o t zu markieren. Zumindest hat das immer mein Oberlehrer so gemacht. Ich bin eben auch so ein Gewohnheitstier und erschreck immer so wenn gleich eine ganze Seite in rot kommt.
Wenn du dir dann den Schaum wieder vom Mund gewischt hast, kannst du dir ja meinen Beitrag noch mal durchlesen (oder auch nicht).
Was du mit deiner Meinung reininterperetierst ist erst mal dir überlassen. Derartiges hab ich aber nicht geschrieben.

Der Prozeß der Bodenreform, über Gründung der LPG's verschiedener Typen, Volkseigene Güter bis hin zur Spezialisierung in Pflanzenbau u. Tierzucht (mal nicht zu vergesse das es auch in der DDR noch verschiedentlich Einzelbauern gab) wer ist denn da der Meinung das er nicht politisch gewollt war und ideologisch begleitet wurde ?
Nur, welche Lösung unter Berücksichtigung der Versorgung und fortschreitenden Technisierung, mal nicht zu vergessen der Reparationsleistungen an die SU wäre denn in Frage gekommen ?
Und wenn ich von den zuletzt bestehenden LPG`s schreibe die in AGRAR-GmbH aufgegangen sind , so besteht da sehr wohl ein Zusammenhang, denn nur in diesen Größenordnungen kann man effektiv produzieren. Aber offensichtlich passen die heut immer noch nicht ins Bild und man versucht diesen allerlei Steine in den Weg zu legen.

Aber eigentlich ist das jetzt auch vom obigen Thema her, biss`l links abgebogen.

....und wie gesagt biss`l fein machen und Schaum abputzen



Das mit dem "Schaum vor´m Mund" laß ich einfach mal links liegen, denn es lohnt nicht auf so einen Null-Spruch überhaupt zu reagieren. Also @Janko, ich kannte nach Abschluß der "Zwangskollektivierung" nicht einen "Einzelbauer" es sei denn man würde so einen in der Stadt lebenden "Häusler"(der in der Regel noch nicht einmal ein Pferd hatte und seinen Wagen statt dessen von zwei Kühen ziehen ließ) als "Bauer" bezeichnen und ich kannte Etliche. Mein Onkel Paul aus Mühlenbeck und mein Onkel Walter aus Krebsförden waren beide in den dortigen LPG´s und glaube mir, sie waren es nicht freiwillig! In einem würde ich Dir allerdings recht geben, nämlich daß die "Zwangskollektivierung" politisch" gewollt war, dergestalt daß man dem großen Bruder aus der Sowjetunion nacheiferte obwohl man aus dessen Mißwirtschaften mit den immer wieder aufgetretenen Hungersnöten eigentlich Lehren hätte ziehen können. Ich kann mich noch daran erinnern (etwa 1958/59) wie Die Kühe in den von der Sowjetunion übernommenen Rinderoffenställen buchstäblich in ihrem eigenen Mist angefroren und erfroren sind und es hatte sich Keiner getraut die vorgegebenen Instruktionen in Bezug auf die Weisungen zum Bau dieser Rinderoffenställe zu kritisieren. Was von den "Freunden kam, mußte ja das Beste sein, so war das eben.
Politisch gewollt?? Ja natürlich und zwar von Denen, denen es darum ging dem Genossen Stalin (dem besten Freund der Menschheit und dem genialsten Mensch auf Gottes Erden) und nach dessen Ableben seinen Nachfolgern fortwährend zu huldigen, aber nicht gewollt von der Landbevölkerung, wenn man von den paar Agitatoren und "Einpeitschern" mal absieht.
Die "ideologische" Begleitung die Du ansprichst bestand doch im wesentlichen darin daß man die Bauern erpreßte, bedrohte, belog, schikanierte und Vieles unter Strafe stellte (wie zum Beispiel "Schwarz Schlachten" oder andere banale Dinge). Daß die Mehrheit der LPG´s nicht effizient gewirtschaftet hatten muß ich Dir gegenüber doch nicht erwähnen, oder? Was gaben sie den her, die Produktionsgenossenschaften und warum waren die Metzger- und Gemüseläden der Republik zur damaligen Verkündung der abgeschlossenen "Kollektivierung" und auch danach immer chronisch leer? Warum mußte man nach allen Möglichem Schlange stehen und warum mußte man nach überall hin "Beziehungen" (sprich Vitamin B) haben um was "Ordentliches" in den Mund bzw. auf den Teller zu bekommen?
Es wäre dem Thema "Bauern, LPG´s und Bodenreform in der DDR" mit Sicherheit mehr gedient, wenn man dabei den damaligen Umgang mit den betroffenen Personen in den Vordergrund stellen täte, anstatt die Frage "was man denn sonst für "Lösungen unter Berücksichtigung........" gehabt hätte. Mit Deinen "Irrungen" und Wirrungen" jedenfalls nicht. Und im Nachhinein so tun, als ob das Volk für die "Zwangskollektivierung" war, ist entweder Unkenntnis, oder der Versuch einer absichtlichen Täuschung Derjenigen, die diese Zeit nicht selbst miterlebt haben. Aber dafür bin ich ja hier, wie schon gesagt, ich kann mich gut an die Zeit erinnern.

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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon augenzeuge » 29. Januar 2013, 08:49

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat die Arbeit der Stasi-Beauftragten Ulrike Poppe gewürdigt. Ihre differenzierte Herangehensweise habe Brandenburg gut getan, erklärte Platzeck anlässlich des 60. Geburtstages von Poppe am Samstag.

Im Zeitraum 2010 und 2011 hatten knapp 2000 Menschen bei ihr Rat gesucht.

Durch ihre eigene Geschichte in der DDR und nach der friedlichen Revolution sowie ihre Sensibilität für geschichtliche Zusammenhänge habe Poppe eine besondere Glaubwürdigkeit erlangt. "Viele Aufgaben stehen noch an und das Interesse an der SED-Diktatur wird weiterhin groß sein", so Platzeck. "Da ist es gut, Ulrike Poppe im Amt zu wissen."
http://www.rbb-online.de/nachrichten/po ... rdigt.html

AZ
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon inel » 29. Januar 2013, 14:25

augenzeuge hat geschrieben:Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat die Arbeit der Stasi-Beauftragten Ulrike Poppe gewürdigt. Ihre differenzierte Herangehensweise habe Brandenburg gut getan, erklärte Platzeck anlässlich des 60. Geburtstages von Poppe am Samstag.

Im Zeitraum 2010 und 2011 hatten knapp 2000 Menschen bei ihr Rat gesucht.

Durch ihre eigene Geschichte in der DDR und nach der friedlichen Revolution sowie ihre Sensibilität für geschichtliche Zusammenhänge habe Poppe eine besondere Glaubwürdigkeit erlangt. "Viele Aufgaben stehen noch an und das Interesse an der SED-Diktatur wird weiterhin groß sein", so Platzeck. "Da ist es gut, Ulrike Poppe im Amt zu wissen."
http://www.rbb-online.de/nachrichten/po ... rdigt.html

AZ


Und das ist wohl dringend erforderlich im Land Brandenburg, ist dieses Bundesland doch dafür bekannt, mit den Problemen der DDR-Regierungskriminalität und deren Aufarbeitung besonders leichtfertig umgegagngen zu sein.

Nirgends sonst wurden die Überprüfungen nach Vorbelastungen Einzelner lascher durchgeführt als dort. Und nirgends ist die Quote der übernommenen ehemaligen MfS-Mitarbeiter und dergleichen höher als in Brandenburg. Dort arbeitet in Potsdam bis heute auch ein Richter am Arbeitsgericht, der vor der Wende als Untersuchungsrichter tätig war und der den vorläufig festgenommenen Häftlingen dann in der U-Haftanstalt die Haftbefehle verkündet hat, die aus seiner Feder erlassen wurden.

Und den Vogel abgeschossen hatte weiland der Potzdamer Oberbürgermeister, der es sich nicht nehmen ließ, dem ehemaligen Volksrichter Wohlgethan eine Gratulationsnote zum 100 jährigen Geburtstag ins Altenheim in Potsdam zu schicken. Er wurde zuvor ausdrücklich vor diesem Schritt gewarnt. Nicht zuletzt die Wissenschaftler des in Potsdam ansässigen "Zentrum für zeithistorische Forschung" klärten ihn in allen Einzelheiten auf, welche Taten diesen "Richter" vorgeworfen und auch nachgewiesenen werden konnten. Etliche Ermitlungsverfahren gegen Wohlgethan wegen Rechtsbeugung u.s.w. waren anhängig gewesen. Die Verfahren mussten dann aber mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand Wohlgethans eingestellt werden. Der Volksmund bezeichnete ihn als "Roten Freisler".

Der OB musste dann auf den öffentlichen Druck hin eine Kehrwende um 180° vollziehen und mit aller Kraft zurück rudern. Nur so konnte er mit knapper Not verhindern, dass man ihn aus dem Amt gejagd hätte (was ich als richtige Konsequenz angesehe).
inel
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Interessierter » 30. Januar 2013, 21:29

In Argentinien sind sie im 30. Jahr der Aufarbeitung der Militärdiktatur angelangt. Da haben wir hier noch viel Zeit.

[grins]
Interessierter
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Neun » 30. Januar 2013, 22:04

Interessierter hat geschrieben:In Argentinien sind sie im 30. Jahr der Aufarbeitung der Militärdiktatur angelangt. Da haben wir hier noch viel Zeit.


Wir? [wink]
Neun
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Interessierter » 31. Januar 2013, 09:14

Richtig, wir hier in Deutschland haben noch viel Zeit für die Aufarbeitung der DDR - Diktatur . [wink]
Interessierter
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Nov65 » 31. Januar 2013, 21:02

Neun hat geschrieben:
Interessierter hat geschrieben:In Argentinien sind sie im 30. Jahr der Aufarbeitung der Militärdiktatur angelangt. Da haben wir hier noch viel Zeit.


Wir? [wink]

Hi @Neun: Die Frage ist doof.
Gruß, Andreas
Nov65
 
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon tom-jericho » 1. Februar 2013, 13:26

Nov65 hat geschrieben:
Neun hat geschrieben:
Interessierter hat geschrieben:In Argentinien sind sie im 30. Jahr der Aufarbeitung der Militärdiktatur angelangt. Da haben wir hier noch viel Zeit.


Wir? [wink]

Hi @Neun: Die Frage ist doof.
Gruß, Andreas


Die Antwort aber ooch! [wink]
tom-jericho
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon augenzeuge » 30. Januar 2014, 08:56

Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, spricht sich für eine Schließung seiner Behörde nach 2019 aus. Entscheidend aber sei, dass der Zugang zu den Akten möglich bleibe.

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... oerde.html

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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Janko » 30. Januar 2014, 11:13

Was heißt jetzt ....nach 2019 ? 2025 oder 2030 oder....????

Ja der Jahn, Roland ist schon ein Cleverle, 2019 ist er 66 und kann seinen wohlverdienten Ruhestand geniesen,...hört sich so an wie nach mir die Sintflut.
Im Moment fehlen auch bissl so die "Paukenschläge" und mit die "Schnipselsäcke" gehts auch nicht so richtig vorwärts. Das kann schon lustlos machen.
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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon augenzeuge » 30. Januar 2014, 11:29

Was soll dann aus den 1550 Mitarbeitern werden? Gibts da schon Ideen?

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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon augenzeuge » 9. Oktober 2014, 18:47

Wie die Stasi-Papiere zusammengesetzt werden.....

Dass die Stasi brisantes Material vor allem aus der Endzeit der DDR beseitigt hat, ist inzwischen erwiesen....

"In diesen vielen tausend Säcken befinden sich die Unterlagen der letzten Tage, der letzten Monate, der letzten Jahre vor dem Ende der DDR. Das heißt, es sind offene, aktive Vorgänge, an denen das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hat, sonst hätten die Akten nicht in den Büros der operativen Mitarbeiter gestanden", sagt Rüdiger Sielaff. Es geht also um nichts weniger als die Geschichte der friedlichen Revolution.

Es gibt MfS-Bezirksverwaltungen, von denen kein einziger Sack mit zerrissenem Material überliefert ist, Potsdam zum Beispiel. In Frankfurt(Oder), wo die Hinterlassenschaften dieses Bezirks und des Bezirks Cottbus verwaltet werden, sind es 1550 Säcke, ein Zehntel des Gesamtbestandes. In der Erfurter Außenstelle gibt es 308 Säcke, Kartons, Archivschachteln, und Bündel mit - so der Fachterminus - "vorvernichtetem Material", von dem bislang nichts rekonstruiert wurde. In Gera sind es 430 Säcke. 216 Säcke zählt die Außenstelle Suhl.

Bild

http://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail/ ... -413044320

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Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Interessierter » 3. April 2015, 10:14

Aufklärung hat kein Verfallsdatum

„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Dieses Zitat August Bebels steht sinnbildlich auch für die Aufarbeitung der DDR. Dieser Aufgabe hat sich Roland Jahn verschrieben. Der Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde war jetzt in Bad Homburg zu Gast.

111 Kilometer Akten und eineinhalb Millionen Fotos beherbergt die Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin und ist damit eines der größten Archive Deutschlands. Seit über 20 Jahren haben Bürger der DDR, aber auch Forscher und Hinterbliebene die Möglichkeit, Einsicht in die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, kurz Stasi, zu bekommen. Beinahe zwei Millionen Menschen machten bisher von dieser Möglichkeit Gebrauch. Das beweise, wie bedeutsam diese direkte Form der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit für viele Betroffene sei, erklärte Roland Jahn.

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen erzählte bei seinem Besuch in der Reimers-Stiftung nicht nur von seiner eigenen DDR-Vergangenheit (siehe ZUR PERSON), sondern auch von seinen Aufgaben und Pflichten als Beauftragter für Stasi-Unterlagen. Dabei war es ihm wichtig zu betonen, dass Aufarbeitung nicht nur bedeute, Gerechtigkeit für die Opfer zu schaffen, sondern auch, das eigene Handeln in Frage zu stellen. „Es geht darum zu begreifen, wie Diktaturen entstehen und was sie am Leben hält. Dazu gehört auch ein kritischer Blick auf die eigene Biografie.“ Aufklärung von Unrecht habe kein Verfallsdatum, sagte Jahn und erntete dafür große Zustimmung. Er ist sich sicher, dass nur, wer den Unrechtsstaat begreife, auch den Rechtsstaat schützen könne. Daher sei außer Erwachsenenbildung und Fachkongressen auch die Aufarbeitung der DDR-Diktatur in Schulen und Familien ein wichtiger Bestandteil einer gesellschaftlichen Aufklärung.

http://www.taunus-zeitung.de/lokales/ho ... 11,1251262

Es ist völlig richtig, dass auch nach 25 Jahren Menschen ihre Akte einsehen können. Es gibt nach viel aufzuarbeiten, auch wenn es manchem Ex - Diener dieser Diktatur nicht sonderlich gefällt. [denken]
Interessierter
 

Re: Stasi Akten öffnen oder schließen?

Beitragvon Merkur » 3. April 2015, 10:58

Interessierter hat geschrieben:
Es gibt nach viel aufzuarbeiten, auch wenn es manchem Ex - Diener dieser Diktatur nicht sonderlich gefällt. [denken]


In der Tat gibt es viel aufzuarbeiten, allerdings tut das die Behörde recht einseitig. Es gibt in dieser Behörde sicherlich etliche Kilometer Akten, deren Inhalt ein wesentlich anderes Bild auf das MfS werfen würden. Nur wäre BStU dumm, sich diesen Akten zu widmen, denn wer stellt sich gern selbst infrage.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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