Sächsische Postmeilensäule

Sächsische Postmeilensäule

Beitragvon pentium » 16. September 2015, 16:26

Sächsische Postmeilensäule

Die Sächsischen Postmeilensäulen sind steinerne Distanzsäulen die während der Regierungszeit Augusts des Starken an allen wichtigen Straßen des Kurfürstentums Sachsen aufgestellt wurden. Das Kurfürstentum Sachsen war damals wesentlich größer als das gleichnamige heutige Bundesland und so findet man derartige Säulen auch in Thüringen Brandenburg Sachsen-Anhalt und Polen .

Die Errichtung der Postmeilensäulen im Kurfürstentum Sachsen war keinesfalls eine singuläre Entwicklung. Aus der Geschichte sind eine Reihe von Ländern bekannt die derartige Entfernungsangaben an Straßen errichten ließen.

Eine systematische Ausmessung mittels in regelmäßigen Abständen erstellter hölzerner Distanzsäulen wurde bereits 1695 vom sächsischen Oberpostmeister Ludwig Wilhelm für die Straße Leipzig - Dresden vorgeschlagen.

Landesvermessung durch Zürner

Die sächsischen Postmeilensäulen sind untrennbar mit dem Namen Adam Friedrich Zürner verbunden. Dieser erhielt am 12. April 1713 vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. den Auftrag das Land kartografisch zu erfassen. Nur wenige Wochen später wurde dieser Auftrag bereits auf die Erstellung einer besseren Postlandkarte erweitert.

Da die Entfernungsangaben zur damaligen Zeit häufig auf ungenauen Schätzungen beruhten mussten die Entfernungen von Zürner neu ermittelt bzw. die vorhandenen Daten zunächst überprüft werden. Dazu wurde von ihm der geometrische Messwagen konstruiert bei dem das Hinterrad über ein Schneckengetriebe ein Zählwerk antrieb. Diese Methode ermöglichte eine sehr genaue Vermessung der Straßen .

Ein weiteres Problem stellten in diesem Zusammenhang die benutzen Maßeinheiten dar. Im Kurfürstentum existierten zur damaligen Zeit noch verschiedene Meilenmaße . Zur Vereinheitlichung wurde daher am 17. März 1722 die sächsische Meile eingeführt (1 Meile = 9 062 km). Als Entfernungsangabe wurde von Zürner die damals übliche Wegstunde genutzt wobei eine Meile zwei Wegstunden entsprach.

Die Messfahrten begannen in der Regel in Leipzig oder Dresden wobei das Zählwerk an der Stadtgrenze (am Stadttor ) auf Null gesetzt wurde. Aus diesem Grund wurde auch von einer Leipziger bzw. Dresdner Distanz gesprochen. Bei einer solchen Fahrt musste der Gehilfe des Vermessers aller viertel Meile einen durchnummerierten hölzernen Distanzpflock einschlagen und daneben ein Loch graben. Das Aushubmaterial wurde dabei zur Befestigung des Holzpfahls genutzt. Für den Schutz des Vermessungspfahles hatte letztlich der Besitzer des Grundstücks Sorge zu tragen.

In einigen Fällen wurden die Vermessungen auch außerhalb des Kurfürstentums fortgesetzt. Überall dort wo das sächsische Territorium durch andere Herrschaftsbereiche unterbrochen war wurde auf Straßen auf denen sächsische Posten verkehrten mit Erlaubnis des Eigentümers ebenfalls vermessen.

Die Vermessung umfasste neben dem Kursächsischen Kernland die kursächsischen Anteile der Grafschaften Henneberg und Mansfeld die Schöneburger Landen die Gebiete der albertinischen Nebenlinien Merseburg und Weißenfels sowie die beiden Lausitzen .

Insbesondere in der Oberlausitz gestaltete sich die Landesvermessung schwierig da hier die Stände die Tätigkeit Zürners zu verhindern suchten. Erst ab dem 29. Juni 1723 konnte Zürner mit der Vermessung der Ober- und Niederlausitz beginnen. 1730 waren die Vermessungsarbeiten an den wesentlichen Straßen des Landes abgeschlossen.

Errichtung der Säulen

Am 19. September 1721 erging der kurfürstliche Befehl an die Ämter der Städte Dresden Meißen und Großenhain steinerne Postmeilensäulen zu errichten. Kurze Zeit später am 1. November 1721 wurde der Befehl auf das gesamte Land ausgedehnt. Noch am selben Tag wurde von der zuständigen staatlichen Behörde

"Die Generalverordnung die Setzung der steinernen Post-Säulen in Chur-Sächßis Landen betreffend"

und das

"Mandat daß die Unkosten zur Setzung der steinernen Post-Säulen auf Kosten desjenigen Orts Obrigkeit auf dessen Grund und Boden selbige zum stehen kommen geschehen sollen."


erlassen. Für die Oberlausitz erfolgte am 24. November 1721 eine separate Anweisung.

Welche Säulen im einzelnen gesetzt werden sollten wurde von Zürner selbst der damit am 14. Dezember 1721 durch ein Dekret Augusts des Starken beauftragt wurde ausgearbeitet. Zürner legte fest dass direkt vor den Toren der Stadt eine große Distanzsäule aller viertel Meile eine Viertelmeilensäule aller halbe Meile eine Halbmeilensäule und aller Meile eine Ganzmeilensäule errichtet werden musste.

Widerstände

Sowohl die Kosten als auch die Verantwortung für die Setzung der Säulen lagen bei der jeweiligen Obrigeit des Ortes. Dies erklärt weshalb die Maßnahmen nicht auf ungeteilte Zustimmung im Lande stießen. Einerseits bat der Sächsische Landtag den Kurfürsten auf das kostspielige Projekt zu verzichten andererseits traf es im gesamten Land auch auf den Widerstand der Beamten und Städte.

Aufgrund der schleppenden Umsetzung der Anweisungen musste der Kurfürst schließlich zu harten Maßnahmen greifen. So wurden Beamten für Nachlässigkeiten Disziplinarmaßnahmen und bei Terminüberschreitungen Strafen in Höhe von 20 Talern angedroht.

Da bereits dem Befehl vom 19. September 1721 eine wahrscheinlich von Zürner selbst ausgearbeitete 24 Punkte umfassende Denkschrift beigefügt war ist anzunehmen dass man von Anfang an mit Problemen rechnete. Als Vorteile der Landesvermessung wurde beispielsweise angeführt dass die Bezahlung von Boten und Stafetten etc. überprüfbar werde und die Preise dadurch nicht mehr willkürlich festsetzbar seien dass es weniger Klagen der Reisenden über zu hohe Entgelte geben werde die zu dieser Zeit im hohen Maß Gerichte und Oberbehörden beschäftigten und dass Wege- und Beförderungszeit durch die Vermessung erstmals exakt festgelegt sein würden. Ein weiteres Argument war dass Straßen im Winter und bei schlechtem Wetter besser erkennbar seien.

Besonders stark war der Widerstand gegen die Postmeilensäulen in der Oberlausitz. 1723 weigerten sich die Stadträte von Bautzen und Görlitz Zürner in dieser Angelegenheit überhaupt zu empfangen. Erst am 31. März 1724 erklärten sich die Stände der Oberlausitz bereit den Anweisungen Folge zu leisten.

Da vereinzelt Säulen beschädigt und sogar umgeworfen wurden setzte ein Mandat von 1724 für solche Taten "Festungshaft" und andere "harte und exemplarische Strafen" fest.

Aufgrund des anhaltenden Widerstandes konnte sich schließlich am 12. April 1728 der Sächsische Landtag mit dem Beschluss die Säulen nur auf Haupt- und Poststraßen zu errichten gegen den Kurfürsten durchsetzen.

Erscheinungsbild

Überlieferungen legen nahe dass erste Skizzenentwürfe von August dem Starken selbst angefertigt wurden. Das letztendliche Erscheinungsbild der Säulen ist aber mit großer Gewissheit auf den Landesbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann zurückzuführen.

Große Distanzsäule
Die Große Distanzsäule bestand aus sieben Teilen. Den Unterbau bildeten Sockel Postament und Postamentbekrönung.

Das sächsische und das polnische Wappen
Der Oberbau bestand aus Zwischenplatte(Schaftfuß) Schaft Wappenstück und Aufsatz(Spitze). Die Säulen hatten in der Regel eine Höhe von 8 Ellen (4 53 Meter ) und ruhten auf einem eine halbe Elle hohen Fundament. Die einzelnen Teile der Säule wurden mittels in Blei vergossenen Eisenstiften zusammengehalten. Auf dem Schaft der Säule wurde die Inschrift angebracht. Diese war auf Anweisung Zürners in deutscher Schrift (Fraktur) gehalten und anhand von für jede Stadt ausgearbeiteten Distanztabellen erstellt. Teil der Inschrift war auf allen Säulen ein auf jeder der vier Seiten angebrachtes Posthorn das als Zeichen für die staatliche Posthoheit stand. Am oberen Teil waren zwei von der polnischen Königskrone bekrönte Wappen über Eck angebracht. Bei diesen Wappen handelt es sich um das kurfürstlich-sächsische und das königlich-polnische. Direkt unterhalb des Wappens befand sich auf blauem Grund das goldene Monogramm AR (Augustus Rex) als Zeichen der Königswürde August des Starken.

Ganzmeilensäule
Die Ganzmeilensäule wurde wie der Name bereits sagt im Abstand von einer Meile errichtet. Sie war ungefähr 3 75 Meter hoch und ähnelte in ihrer Form der großen Distanzsäule. Sie war jedoch schlanker und hatte kein Wappenteil . Die Beschriftung wurde auf zwei Seiten angebracht so dass der Reisende diese in Fahrtrichtung lesen konnte. Auf der Straßenseite befand sich die so genannte Reihennummer.

Halbmeilensäule
Die Halbmeilensäule auch als Stundensäule bezeichnet hatte einen niedrigen Sockel und einen darüberliegenden sich von oben nach unten verjüngenden Schaft. Nach oben hin abgeschlossen wurde die Säule durch eine dachförmig abgeschrägte Platte. Die Gesamthöhe betrug etwa 3 Meter. Sie enthielt die selben Inschriften wie die Ganzmeilensäule. Die ungünstige Bauform dieser Säule führte dazu dass heute nur noch wenige dieser Art erhalten sind.

Viertelmeilenstein
Der Viertelmeilenstein ruhte auf einem niedrigen Sockel und bestand aus einer rechteckigen Platte. Die Gesamthöhe betrug etwa 1 7 Meter. Inschriften waren für diese Säulen nicht vorgesehen sie trugen lediglich das Monogramm "AR" ein Posthorn und das Jahr der Anfertigung.

quelle:
uni-protokolle.de/Lexikon
http://www.rosswein-online.de/rosswein- ... lensaeule/
http://www.kursaechsische-postmeilensae ... &Itemid=68

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