Russlandfeldzug 1812

Kriegsgeschichte der Epoche von 1792 bis 1815.

Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 25. Juni 2015, 11:43

Russlandfeldzug 1812
Der Vormarsch


Siegesgewiss überschritten Napoleons Soldaten im Juni 1812 die Grenze nach Russland. Doch der Angriff der größten Armee, die es bis dahin gegeben hatte, endete in einem beispiellosen Desaster.

Zitat:
„Napoleon wollte mit dem Zarenreich einen potenziellen Widersacher ausschalten und außerdem die Kontinentalsperre gegen England wiederherstellen“, erklärt Bernhard Kroener, Militärhistoriker an der Universität Potsdam, die Motivation des Franzosenkaisers. Doch sei nicht von vornherein die Eroberung Moskaus das Ziel gewesen. Vielmehr hätte Napoleon vorgehabt, die russischen Armeen in offener Feldschlacht nahe der Grenze schlagen und so den Zaren zu Verhandlungen zu zwingen. „In spätestens zwei Monaten wird Alexander um Frieden bitten“, hatte der zuvor so erfolgreiche Eroberer vor Beginn des Kriegszugs geprahlt.

Möglich wäre ein solcher Verlauf durchaus gewesen. Die russischen Truppen waren bereits in den ehemals ostpolnischen Gebieten aufmarschiert und damit in Reichweite, etwa 200 000 bis 250 000 Mann stark. Am 24. Juni 1812 begann Napoleon seinerseits mit 450 000 Soldaten den Fluss Njemen zu überschreiten – in Ostpreußen Memel genannt – und zog ihnen entgegen. Doch statt sich zur Schlacht zu stellen, wichen die Armeen des Zaren zurück. „Das war keine geniale Strategie, sondern aus der Not geboren, denn sie fürchteten zu Recht, dass sie zu diesem Zeitpunkt gegen Napoleons Truppen keine Chance gehabt hätten“, sagt Kroener...]

Bereits nach wenigen Tagen besetzte die Grande Armée kampflos die heutige litauische Hauptstadt Wilna, in Eilmärschen ging es weiter nach Osten. Trotzdem bekamen die Franzosen und ihre Verbündeten die russischen Truppen nicht zu fassen. Stattdessen machte die sommerliche Hitze mit Temperaturen von mehr als 30 Grad den Marschierenden zu schaffen. Außerdem versanken nach wolkenbruchartigen Regenfällen Wagen und Kanonen im Schlamm. Da die Soldaten keine Zelte mit sich führten, waren sie auch nachts dem Wetter ausgesetzt.

Je weiter die Armee vorrückte, desto mehr Probleme gab es mit dem Nachschub. „Die Verbindungslinien waren für eine ausreichende Versorgung einfach zu lang“, erläutert Kroener eine der grundlegenden Schwierigkeiten dieses Feldzugs. Dazu fanden die Soldaten in den dünnbesiedelten Gebieten, durch die sie zogen, kaum etwas zu essen. Die Praxis der französischen Revolutionsheere, die sich bei ihren Zügen durch Mitteleuropa vor Ort versorgt hatten, musste in den weitgehend menschenleeren Sumpf- und Waldlandschaften Ostpolens und Westrusslands scheitern. Viele – vor allem junge – Rekruten starben an Erschöpfung und schlechter Ernährung. Und weil es an Hafer fehlte, gingen zahlreiche dringend benötigte Pferde zugrunde.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 25. Juni 2015, 11:50

Etwas Logistik zum Feldzug

In früheren Kriegen hatte sich die französische Armee fast ausschließlich aus dem durchzogenen Land versorgt. In der Regel hatten französische Revolutionstruppen ebenso wie später Napoleons Truppen keinen militärisch organisierten Tross wie andere Armeen und waren deshalb schneller und beweglicher. Für den Krieg gegen Russland hatte Kaiser Napoleon eine umfangreichere Logistik als bisher geplant, und in Preußen und Polen wurden viele Lagerhäuser mit Vorräten gefüllt. Auf den Flüssen in Preußen und Polen wurde eine große Zahl von Lastkähnen eingesetzt, die den Nachschub auf dem Wasserweg übernahmen. Der Zeitpunkt für den Einmarsch war ebenfalls unter logistischen Aspekten festgelegt worden. Napoleon ging davon aus, dass die Armee sich zu dieser Jahreszeit auch mit russischem Getreide versorgen könnte, und für Pferde und Rinder sollte ausreichend Futter vorhanden sein. Die medizinische Versorgung war für die damalige Zeit vorbildlich. Die französische Armee war eine der ersten, die über Sanitätsfuhrwerke verfügten. Der Arzt Dominique Jean Larrey, der die mobilen Lazarette eingeführt hatte, begleitete die Armee in Russland als Leiter des medizinischen Korps.
...
Durch diesen Anspruch war der Tross, der der Großen Armee folgte, sehr umfangreich. Alleine Napoleons persönlicher Tross bestand aus achtzehn Versorgungswagen, einem Garderobewagen, zwei Butlern, drei Köchen, sechs Dienern und acht Pferdeknechten. Er selbst fuhr in einer sechsspännigen Kutsche, weitere 52 Kutschen wurden allein für seinen Stab benötigt sowie eine enorme Zahl von Fuhrwerken nur für dessen Versorgung.
Zum Bau von Brücken führte man auf mehreren Wagen Pontons mit sowie Fuhrwerke mit Material und Werkzeug für Pioniere. Feldschmieden und eine mobile Druckerei gehörten zum Tross. Die Artillerie hatte nur mit ihren Lafetten für die Kanonen und den dazugehörigen Munitionswagen mehr als 3.000 Fuhrwerke.
Schneider, Schuster und andere Handwerker begleiteten die Armee. Mehr als 50 Kassenwagen mit Geld für den Sold der Soldaten und andere Ausgaben begleiteten die Truppen. Jeder Stab der einzelnen Korps hatte einen riesigen Fuhrpark, darunter viele Fuhrwerke für den persönlichen Komfort der höheren Offiziere. Häufig wurden dadurch die Fuhrwerke behindert, die für die Versorgung der Armee wichtig waren. Der Arzt Heinrich von Roos berichtete, dass, als er Wilna erreichte, seine Sanitätsfahrzeuge noch nicht einmal den Njemen überquert hatten.
...
Über den bei den Verbänden schon vorhandenen Fuhrpark hinaus hatte Napoleon für das militärische Transportwesen zusätzlich 26 Equipagen-Bataillons mit über 6.000 Wagen bereitstellen lassen. Hinter der Armee sollten Herden mit Schlachtvieh folgen, das aber, ohne Pausen vorwärtsgetrieben, rasch abmagerte und zum beträchtlichen Teil am Straßenrand verendete.
Darüber hinaus war ein Teil der 26 Equipagen-Bataillons mit Ochsen bespannt, die für den späteren Verzehr vorgesehen waren; diese Tiere verendeten wegen der mangelhaften Versorgung aber schon nach kurzer Zeit. Die Fuhrwerke der 26 Equipagen-Bataillone, die zusammen eine Transportkapazität von kaum 8000 Tonnen besaßen, reichten für die Versorgung der rund 600.000 Mann der Grande Armée (die Besatzungstruppen in Preußen und Polen sowie die zahlreichen Militärbeamten, die der Armee folgten, mussten schließlich ebenfalls ernährt werden) nicht im entferntesten aus.
Daher requirierten die französischen Einheiten – genau wie schon die „Revolutionstruppen“ vor ihnen – in Preußen, Polen und Litauen unzählige Pferdefuhrwerke. Nach einem offiziellen Bericht der Regierung in Königsberg wurden im Jahr 1812 von der französischen Armee alleine in der preußischen Provinz Ostpreußen 1.629 Fuhrwerke und 7.546 Pferde förmlich requiriert.[7] Darüber hinaus nahmen die durchziehenden Truppen der Grande Armée aus der Provinz noch weitere 26.579 Wagen und 79.161 Pferde gewaltsam mit. Aus den anderen preußischen Provinzen und dem Großherzogtum Warschau wurden ähnliche Zahlen gemeldet.
Der Marquis de Chambray bezeichnete diese zahllosen Privatfuhrwerke, die ohne Ordnung die Truppen begleiteten, als „eine wahre Plage“, da sie andauernd die Straßen blockierten und dadurch die marschierenden Verbände auseinanderrissen.[8] Die von der Armee zum Mitkommen gezwungenen Pferde und Menschen mussten sich, da sie nicht zur Armee gehörten, selbst versorgen. Diese wurden für kurze Zeit rücksichtslos ausgebeutet, so dass viele von ihnen dabei elend zugrunde gingen und nicht mehr nach Hause zurückkehrten.[9] Die Große Armee verteilte sich Ende August auf eine Fläche von rund 350.000 Quadratkilometern. Von den gut gefüllten großen Magazinen in Danzig hatten die Fuhrkolonnen nur bis Smolensk über 900 Kilometer zurückzulegen.
...
Für diesen Weg benötigte ein Transportbataillon (hin und zurück) mehr als 80 Tage. Daher waren im Januar und Februar 1813 noch viele der französischen Magazine in Preußen, in Polen oder in Litauen mit Lebensmitteln, Kleidung, Medikamenten und sonstigem Bedarf gefüllt, als sie von russischen und preußischen Truppen erobert wurden, während gleichzeitig viele französische Soldaten verhungerten. Alleine in Wilna erbeuteten die russischen Truppen 4 Millionen Portionen Brot und Zwieback, 3,6 Millionen Portionen Fleisch und 9 Millionen Portionen Branntwein, Wein und Bier sowie etliche tausend Tonnen Bekleidung und sonstigen Militärbedarf.

In Minsk erbeuteten sie, trotz den Versuchen, sie bei der Besetzung der Stadt noch zu verbrennen, 2 Millionen Portionen Brot und Zwieback.[10] Der Anspruch der Grande Armée „schneller und beweglicher“ zu sein als andere Heere, führte dazu, dass der militärisch völlig unorganisierte Tross von Anfang an den Kampfeinheiten nicht folgen konnte, so dass der Hunger bei vielen Einheiten schon einsetzte, noch ehe der Njemen überschritten oder Grodno erreicht waren. Daher waren von Anfang an viele Soldaten auf der Suche nach Ess- und Trinkbarem. Dabei verließen sie nicht selten ihre Einheit, um auch in entfernter gelegenen Dörfern nach Nahrung zu suchen (wie zahlreiche Tagebücher und Briefe von Soldaten belegen). Nicht zuletzt deshalb verlor die Grande Armée schon in den ersten sechs Wochen rund 50.000 Soldaten durch Desertieren.

Bei den Einheiten gab es zwar Fuhrwagen für Lebensmittel, aber keine Wagen für das Futter der rund 150.000 Pferde. Die Tiere, die jeden Tag schwer zu arbeiten und dadurch auch einen erhöhten Energiebedarf hatten, waren weitgehend auf das Grünfutter angewiesen, das sie in der Nacht grasen konnten. Daher blieben bereits auf dem Weg nach Wilna etwa 10.000 Pferde liegen. Bis zur Schlacht von Smolensk gingen schon mehrere zehntausend Pferde ein.[11] Trotz der unterwegs laufend zwangsweise erfolgten Requirierung von Pferden musste auf dem Rückzug von Moskau ein großer Teil der französischen Kavallerie zu Fuß gehen, um Wagen und Geschütze bespannen zu können. Trotzdem mussten auf dem Rückzug nach kurzer Zeit zahlreiche Munitionswagen und Kanonen wegen fehlender Zugtiere verbrannt oder stehen gelassen werden. Das Gleiche gilt für die provisorischen Transportwagen für Kranke und Verwundete.

Die Logistik der „Großen Armee“ von 1812 war somit höchstens für einen ganz kurzen Feldzug ausgelegt. Das „revolutionäre“, auf Requirierung beruhende System war angesichts des dünn besiedelten Landes schon in Polen und Litauen ungenügend, es versagte endgültig, als die Armee am Dnjepr (kurz vor Smolensk) die Grenze nach („Alt-“) Russland überschritt und ab dort fast nur noch verlassene Dörfer und große Wälder vorfand. Da die Grande Armée auch keine Zelte für die Soldaten mit sich führte, mussten diese selbst bei Schneetreiben und klirrendem Frost im Freien biwakieren. Der weitgehende Verzicht auf einen militärisch organisierten Tross rächte sich in Russland. Die Invasoren verloren dadurch wesentlich mehr Menschen durch Hunger, Krankheit und Desertion als durch Feindeinwirkung...]

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Ich hoffe Rainer-Maria, jetzt sind einige Fragen beantwortet?

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Volker Zottmann » 25. Juni 2015, 12:08

Das ist auch für mich interessant.
Man denkt nur an Napoleons Stippvisite 1812, doch kaum mal an das Versorgungsheer. Das sind logistisch gesehen, damals noch ohne motorisierten Fuhrpark, unvorstellbare Dimensionen.

Gruß Volker
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Edelknabe » 26. Juni 2015, 17:16

Siehe Pentium mit:

"Ich hoffe Rainer-Maria, jetzt sind einige Fragen beantwortet?"
Textauszug ende

Erstmal Danke für den Text, der passte mal so richtig realistisch brutal neben die "ach so glorreichen Schlachten". Also beim Nachschub/dem Tross kam ich auf ca. 22 zurückgelegte Kilometer am Tag.Aber die Kilometer für die Marschkolonnen stehen noch im Raum. Was wurde also täglich zurück gelegt,gelaufen, bei solchen Eilmärschen?

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 26. Juni 2015, 17:25

Edelknabe hat geschrieben:Siehe Pentium mit:

"Ich hoffe Rainer-Maria, jetzt sind einige Fragen beantwortet?"
Textauszug ende

Erstmal Danke für den Text, der passte mal so richtig realistisch brutal neben die "ach so glorreichen Schlachten". Also beim Nachschub/dem Tross kam ich auf ca. 22 zurückgelegte Kilometer am Tag.Aber die Kilometer für die Marschkolonnen stehen noch im Raum. Was wurde also täglich zurück gelegt,gelaufen, bei solchen Eilmärschen?

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Hatten wir doch schon im Waterloo-Thread, Rainer-Maria.
Zitat:
Erst mal hat sich die Marschleistung der Soldaten seit der Antike nicht viel geändert, die Legionen Roms marschierten etwa 30 km am Tag. Man kann davon ausgehen, dass die Grande Armee beim Vormarsch auf Moskau etwa dasselbe Tempo hatte.

Aus dem Tagebuch des Capitains Theodor von Papet über den Feldzug in Russland 1812

Die Strapazen des Vormarsches mit schwierigsten Strassen-, Wetter- und Versorgungsbedingungen werden im Tagebuch nüchtern beschrieben. Hinter den Zeitangaben von bis zu 10-stündigen Märschen pro Tag verbergen sich oft Marschleistungen von ca. 50 km an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen...

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Edelknabe » 27. Juni 2015, 16:44

Wieder Danke Pentium, du bist doch der kleine Militärexperte neben unserem Spartacus aber das hatten wir unter Garantie noch nicht. Wie lange (an Tagen)waren denn die Späher der Großen, der Grande Armee Napoleons immer vorneweg, so was die Feindberührung betraf? Denn so eine Riesenarmee wälzte sich ja nicht lautlos durch die Landschaften, hier russische genannt, auch deren angrenzende Landschaften.

Und waren die Späher nicht besonders gefährdet, siehe Einheimische mit Bewaffnung....oder ihren Bewaffneten so die Bojaren, Grundbesitzer, Kulaken denn in deren Scheunen voll Stroh lies sich da wohl nicht übernachten? Und wie groß von der Zahl her war so ein Spähtrupp eigentlich zu Pferde?

Rainer-Maria immer auf der Suche nach Antworten....für den kleinen Mann, die Frau, deren Kinder,die Enkel, eben ein Verfechter der einfachen Klasse, des Proletariates....des Volkes.
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 27. Juni 2015, 18:09

Späher? Wir sind doch nicht auf Indianerpfaden? Aber wir wenden uns erst einmal den Armeen zu!

Die Grande Armée

Die Grande Armée bestand beim Feldzug gegen Russland nicht einmal zur Hälfte aus Franzosen. Selbst diese waren nach heutigem Verständnis zu einem erheblichen Teil Italiener, Deutsche, Niederländer, Belgier oder Kroaten, denn Frankreich hatte weite Teile Italiens, die Niederlande, die deutschen Gebiete westlich des Rheins einschließlich des späteren Belgien und große Teile Norddeutschlands bis Lübeck sowie dalmatinische Gebiete annektiert.
Außerdem dienten in der französischen Armee seit 1796 freiwillig die aus Polen bestehende Weichsellegion und andere einzelne polnische Verbände, eine irische und eine portugiesische Legion und eine nordafrikanische Reitertruppe sowie mehrere 1807 in Spanien zwangsrekrutierte Regimenter.

Die Staaten des Rheinbundes brachten ihre gesamten Streitkräfte mit rund 120.000 Soldaten für den Feldzug gegen Russland auf, darunter mehr als 30.000 Mann aus dem Königreich Bayern, über 27.000 Mann des Königreichs Westphalen und 20.000 Sachsen. Diese Staaten hatten eigene Korps, die von französischen Generalen kommandiert wurden, während die Kontingente der kleineren Rheinbundmitglieder in die französische Armee integriert waren.
Westphälische Truppen 1812

Die Polen im Herzogtum Warschau sahen im Russlandfeldzug die Gelegenheit einer Wiederherstellung Polens durch Rückeroberung der von Russland annektierten Gebiete. Das Herzogtum stellte nach Frankreich und dem Rheinbund in einem nationalen Kraftakt mit über 70.000 Mann den drittgrößten Anteil an der Grande Armée. In den ersten Kriegswochen errichtete Napoleon weitere polnische und litauische Verbände in den eroberten Gebieten. Zusammen mit den in der französischen Armee und den seit Anfang 1813 in den neu formierten Verbänden des Herzogtums Dienenden haben im Sechsten Koalitionskrieg rund 100.000 Polen für Napoleon gekämpft. Auch Truppen der napoleonischen Satellitenstaaten Königreich Italien und der Schweiz kamen in Russland für Napoleon zum Einsatz.

Österreich und Preußen mussten sich unter politischem Druck verpflichten, Hilfskorps für Napoleon zu stellen. Österreich hatte sich verpflichtet, ein Armeekorps von 30.000 Mann[12] zu stellen, etwa ein Fünftel seiner Streitkräfte, und Preußen musste mit 20.000 Mann beinahe die Hälfte seiner mobilen Streitkräfte aufbieten.[13] Im Unterschied zum österreichischen Korps, dessen Kommandeur, Fürst Schwarzenberg, Napoleon direkt unterstellt war, wurde das preußische Kontingent als Division in das Korps der französischen Marschalls MacDonald eingegliedert (10. Armeekorps).
Der Kampfwert dieser beiden Korps, die einige Jahre zuvor gegen Frankreich gekämpft hatten, war nicht sehr groß. Es fehlte die Motivation, um für Napoleon gegen einen ehemaligen Verbündeten zu kämpfen. Nachdem sich Preußen zur Gestellung eines Hilfskorps verpflichtet hatte, schrieb der preußische König an den russischen Zaren: „Beklagen Sie mich, aber verdammen Sie mich nicht. Vielleicht kommt bald die Zeit, wo wir in engem Bunde vereint handeln werden.“[14] Der russische Gesandte in Wien, Graf Stakelberg, berichtete nach Sankt Petersburg, dass der Einsatz des österreichischen Korps sich auf das Notwendige beschränken würde.[15]

Seit der mehrfachen Veröffentlichung von Bestandslisten der Grande Armée, der Briefe und Depeschen von Kaiser Napoleon und dem französischen Hauptquartier ist die Gliederung und Stärke der Grande Armée von 1812 weitgehend geklärt.[17] Da die Stärke der Einheiten, wie den wöchentlichen Bestandslisten des Großen Hauptquartiers[18] gut zu entnehmen ist, sich durch Abgänge und Neuankömmlinge praktisch täglich veränderten, werden hier in der kurzen Zusammenstellung die Zahlen gerundet angegeben.[19] Nach den Bestandslisten war die Feldarmee, mit der Kaiser Napoleon am 24. Juni 1812 die russische Grenze überschritt, etwas mehr als 420.000 Mann stark. Sie bestand aus dem Großen Hauptquartier, dem 1. bis 8. und dem 10. Armeekorps, der Kavalleriereserve (mit etwas über 40.000 Reitern) mit dem 1. bis 4. Kavalleriekorps und der Kaiserlichen Garde (in der Stärke eines Armeekorps). Zusammen mit dem österreichischen Hilfskorps von 30.000 Mann und den dazugehörigen „großen Parks“, den großen Armee-Fuhrparks der Artillerie, des Trains (dem Nachschubwesen) und der Genie-Truppen, d. h. der Pioniere, mit all den dazugehörigen Unterstützungstruppen über 22.000 Mann, umfasste die Armee der ersten Linie etwa 475.000 Mann[20] und fast 200.000 Pferde.

Hinter dieser Armee folgten weitere Unterstützungs- und Nachschubtruppen, zu denen auch ein Belagerungspark (vorgesehen für Riga) und weitere Brückentrains gehörten. Außerdem zählten zu diesen Truppen die Intendanturen, die Feldjustiz, die Feldpostämter, die Gendarmerie und diverse Handwerkerkompanien sowie die in Litauen neu angeworbenen Truppen (in erster Linie Deserteure der russischen Armee). Zusammen zählten diese Truppen etwa 35.000 bis 40.000 Mann. Dahinter folgten im Verlauf der nächsten Wochen die Truppen der zweiten und dritten Linie: das 9. und das 11. Armeekorps, diese waren – zusammen mit gleichzeitig nachrückenden Ersatztruppen aus der Heimat – etwa 95.000 bis 100.000 Mann stark. Ihre Hauptaufgabe war es, die langen Nachschubwege für die vorderen Truppen zu sichern und neue Magazine in den besetzten Gebieten anzulegen und diese gegen mögliche Angriffe zu schützen.

Dies ergibt zusammen eine Armee von insgesamt mehr als 610.000 Mann. In dieser Zahl sind die übrigen rückwärtigen Truppen und die Festungsbesatzungen in Norddeutschland, Preußen, Danzig und in Warschau (ca. 70.000 Mann) nicht mit enthalten. Davon abweichende Zahlen, die sich in der Literatur finden, erklären sich meist daraus, dass in manchen Kurzdarstellungen des Feldzuges die umfangreichen Hilfs- und Versorgungstruppen ganz oder teilweise mit Stillschweigen übergangen werden oder ohne weitere Zahlenangaben in einem Nebensatz bloß angedeutet werden.

Bis Mitte Dezember 1812 gelangten etliche Einheiten des nachrückenden 11. Armeekorps „nur“ bis Ostpreußen bzw. bis ins Herzogtum Warschau.[21] Da diese Truppen die russische Grenze nicht überschritten haben, werden auch sie in manchen Darstellungen des Feldzuges nicht mitgezählt. Abgesehen davon, dass diese Truppen unbestritten dennoch Teil der „Grande Armée“ waren, übernahmen sie im Dezember 1812 die Deckung der über die Beresina zurückgekommenen Soldaten und sicherten damit gemeinsam mit den ebenfalls zurückgebliebenen Besatzungen der Festungen in Preußen und Warschau die Reste des geschlagenen Heeres gegen die nachdrängende russische Armee und ermöglichten diesen dadurch, sich wieder zu sammeln und notdürftig zu reorganisieren. Alleine schon dadurch, dass sie ab Mitte Dezember 1812 den Vormarsch der russischen Armee zeitweilig aufhielten,[22] was sie anschließend in den Strudel des Untergangs mit hineinzog, wurden auch sie zu Teilnehmern des russischen Feldzuges.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 27. Juni 2015, 18:19

So jetzt mal zu den vollen Scheunen.
Die Russen verbrennen alles, was der Feind gebrauchen könnte, die Angreifer müssen Nahrung für Mensch und Tier requirieren, plündern die Dörfer.
Kosaken - Einheiten stoßen auf ihren wendigen Pferden blitzschnell auf diese Trupps und versuchen sie zu vernichten. Diese Requirierungen sind einerseits lebensnotwendig, schwächen aber andererseits zahlenmäßig die kämpfende Truppe und verbreiten unter der Bevölkerung des Landes Angst und Schrecken, sodass die Einwohner eher ihren Besitz anzünden, bevor er in die Hände der Angreifer fällt.

Die Russen können nur 240.000 Mann dem Kaiser der Franzosen entgegensetzen und ziehen sich deshalb konsequent zurück. In Wilna / Vilnius (ca. 100 km entfernt) zieht die Grande Armée am 28. Juni ein. Die ersten Nachschubprobleme machen sich besonders in der Mitte der Marschkolonne bemerkbar, aber Napoleon will von der mangelhaften Versorgung nichts wissen. Einen Monat später fällt Witebsk (ca. 450 km) ohne Gegenwehr. Napoleon versucht in Gewaltmärschen die Zarenarmee zu stellen, aber die Russen kennen das Gelände und weichen konsequent so schnell zurück, dass Napoleon sie nicht überholen kann, um an ein intaktes Depot heranzukommen, denn der Nachschub stockt.

Als Napoleons Truppen am 17. August das bereits brennende Smolensk (ca. 650 km) erreichten, zählte man nur noch 160.000 Mann. Die Generäle rieten zur Sicherung der eroberten Gebiete und zur Reorganisation der angeschlagenen Armée, denn die Versorgungswege sind sehr lang geworden und die Ernährungssituation wird immer kritischer. Aber Napoleon entschied sich für die Fortsetzung der Offensive in Richtung Moskau (noch 400 km.)

quelle: Dr. Bernd Kirschbaum, »Er ging mit Napoleon nach Russland, wir haben nie wieder von ihm gehört!«

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Edelknabe » 28. Juni 2015, 09:46

Gute Fortsetzung Pentium und wo wurde eigentlich begraben? Gab es da so ne Art Sammelstätten vor Ort und lies man die Toten auch in Ruhe(von den Einheimischen her) als die dann geschlagene Grande Armee längst wieder weg war? Da gäbe es ja Parallelen zum Adolf von 41-45, (Fall Barbarossa)wenn ich nicht falsch liege?

Was war mit die Kinder (wenn geboren)der mit Gewalt oder auch nur aus Liebe geschwängerten einheimischen Frauen? Blieben Soldaten(Desertation) vor Ort, wurden somit Einheimische wenn auch anfangs Fremde, gründeten Familien, nahmen sich ein Stück Boden zum bewirtschaften?

Rainer-Maria also das sind wieder Fragen Mann wirst du sagen, und Einen setz ich noch drauf, hatte die Truppe auch so ne Art "Fahrendes Bordell"?
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 28. Juni 2015, 11:21

Edelknabe hat geschrieben:Gute Fortsetzung Pentium und wo wurde eigentlich begraben? Gab es da so ne Art Sammelstätten vor Ort und lies man die Toten auch in Ruhe(von den Einheimischen her) als die dann geschlagene Grande Armee längst wieder weg war? Da gäbe es ja Parallelen zum Adolf von 41-45, (Fall Barbarossa)wenn ich nicht falsch liege?

Was war mit die Kinder (wenn geboren)der mit Gewalt oder auch nur aus Liebe geschwängerten einheimischen Frauen? Blieben Soldaten(Desertation) vor Ort, wurden somit Einheimische wenn auch anfangs Fremde, gründeten Familien, nahmen sich ein Stück Boden zum bewirtschaften?

Rainer-Maria also das sind wieder Fragen Mann wirst du sagen, und Einen setz ich noch drauf, hatte die Truppe auch so ne Art "Fahrendes Bordell"?


Was hast du eigentlich für Vorstellungen wie damals ein Schlacht abgelaufen ist, Rainer-Maria?
Mal davon abgesehen, nein es gab keine Sammelstellen und es gibt auch keine Parallelen zu Adolf dem Schrecklichen. Es gab auch noch kein Rotes Kreuz und auch noch keine Narkosemittel bei Operationen.
Und die Truppe hatte bestimmt andere Probleme als Frauen zu schwängern und Boden zu bewirtschaften oder Bordelle zu besuchen. Wir sind im Jahr 1812! Rainer-Maria.
Lies mal was über die verwundeten und gefallenen Soldaten nach der Völkerschlacht bei Leipzig.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 28. Juni 2015, 11:48

Die russische Armee

Die Stärke der russischen Armee sollte eigentlich 600.000 Mann betragen, dafür bezahlte der Zar. Tatsächlich waren aber zu Beginn des Krieges nur etwa 420.000 Mann vorhanden.
Aufgrund der Größe des russischen Reiches verteilten sich die 420.000 Soldaten über ein weites Gebiet. In vielen Belangen war die Armee noch hinter anderen Armeen zurück, deshalb nahm man gern ausländische Offiziere. Deutsche, österreichische, schwedische und sogar französische Offiziere dienten in der russischen Armee. Als Alexander I. forderte, Napoleon solle die Polen in seiner Garde entlassen, konterte der, der Zar solle erst die vielen Franzosen in seiner Armee entlassen. Als einziger ernsthafter Gegner Napoleons war Russland ein Sammelbecken für viele seiner Gegner. General Langeron, ein Franzose, kämpfte bereits seit Jahren in der russischen Armee. Der hohe Anteil ausländischer Offiziere wurde nicht von allen gern gesehen, auch weil sie häufig besser bezahlt und mit einem höheren Dienstgrad eingestellt wurden.

Die einfachen Soldaten waren Russen und Männer aus den von Russland besetzten Gebieten. Im Hinblick auf die Verständigung war die russische Armee deshalb im Vorteil gegenüber der Grande Armée, in der viele verschiedene Sprachen gesprochen wurden und es sogar zu Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Nationalitäten kam. In der Hoffnung auf Überläufer wurde die Russisch-Deutsche Legion gebildet. 10.000 Exemplare eines Aufrufes, sich der Legion anzuschließen, wurden nach Deutschland und in die deutschen Truppen geschleust. Das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Da Preußen von Frankreich besetzt war, sah man die Preußen als einen der moralisch schwächsten Punkte der Grande Armée an. Deshalb versuchten ehemalige preußische Offiziere, die nun in russischen Diensten standen, die Soldaten direkt an der Front zum Überlaufen zu bewegen, der Oberstleutnant Tiedemann wurde dabei erschossen. Bereits im Juli 1812 stießen 30 Mann des aus Holländern bestehenden zweiten Garde-Ulanen-Regiments zur Legion. Später folgten 50 preußische Infanteristen und 40 Husaren, die im Raum Riga in Gefangenschaft geraten waren. Am 22. August, nach dem Gefecht bei Dahlenkirchen, lief ein preußisches Jägerbataillon fast geschlossen über. Insgesamt war die Legion 1812 aber bedeutungslos und kam erst 1813 zum Einsatz.

Mit zwei Dingen wird die russische Armee häufig in Verbindung gebracht – die geplante Rückzugsstrategie und die Taktik der verbrannten Erde. Es gab weder das eine noch das andere. Der Rückzug wurde aus der Not geboren, nach Carl von Clausewitz „hat der Krieg sich so gemacht“. Es gab zwar entsprechende Überlegungen und Vorschläge, aber Clausewitz bestritt, dass es in dieser Form geplant war.

Dem widerspricht die Darstellung Caulaincourts, des französischen Gesandten am Zarenhof, die er am 5. Juni 1811 nach seiner Rückkehr aus St. Petersburg nach einem fünfstündigen Bericht an Napoleon noch am selben Abend niedergeschrieben hat:[24]

„Wenn das Waffenglück gegen mich sein sollte, hatte Alexander gesagt, zöge ich mich lieber bis nach Kamtschatka zurück, als dass ich Provinzen abträte und in meiner Hauptstadt einen Vertrag abschlösse, der nur ein Waffenstillstand wäre. Der Franzose ist tapfer; aber lange Entbehrungen und ein hartes Klima entmutigen ihn. Unser Klima, unser Winter werden für uns kämpfen. Wunder geschehen bei Euch nur dort, wo der Kaiser steht. Er kann nicht überall sein, er kann nicht jahrelang von Paris fernbleiben! Alexander hatte gesagt, er sei sich des Talents Napoleons, Schlachten zu gewinnen nur zu bewusst und werde es daher vermeiden, dort gegen die Franzosen zu kämpfen, wo sie unter seinem Kommando stünden. Mit Bezug auf die „guerilla“ in Spanien äußerte er, die ganze russische Nation werde einer Invasion Widerstand leisten.“

Die russische Armee war zu Beginn des Krieges über eine breite Front verteilt und zu schwach gegen die Grande Armée. Was die Taktik der verbrannten Erde betrifft, gibt es bis Smolensk keine Berichte über größere Brände, und Smolensk geriet hauptsächlich durch die Schlacht selbst in Brand.
Wilna, Minsk und Witebsk fielen den Franzosen weitgehend unversehrt in die Hände, wie auch viele andere Orte. Die russische Armee hat allerdings eigene Vorräte, die sie nicht mitnehmen konnte, verbrannt. Es wurden aber nicht die Vorräte der Zivilbevölkerung verbrannt oder deren Häuser. Das geschah erst, nachdem Napoleon Smolensk verlassen hatte, und hier lässt sich nicht ausschließen, dass einige Brände durch die französische Armee verursacht wurden. Es existieren Berichte, dass Soldaten Häuser plünderten, die ja in dem Fall noch unversehrt gewesen sein müssen. Die Berichte über verbrannte Dörfer stammen häufig von Soldaten der französischen Nachhut, die die Russen dafür verantwortlich gemacht haben. Noch kurz vor Moskau fiel die Stadt Moschaisk nahezu unzerstört in die Hände der französischen Armee, die dort ihr Lazarett und eine Garnison einrichtete. Verwundete russische Soldaten, die sich in den Häusern befanden, warf man auf die Straße.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Edelknabe » 28. Juni 2015, 14:03

Sag mal Pentium, du schwelgst mir doch zu sehr bei dem ganzen Schlachtenkram siehe dein:

"Was hast du eigentlich für Vorstellungen wie damals ein Schlacht abgelaufen ist, Rainer-Maria?
Mal davon abgesehen, nein es gab keine Sammelstellen und es gibt auch keine Parallelen zu Adolf dem Schrecklichen. Es gab auch noch kein Rotes Kreuz und auch noch keine Narkosemittel bei Operationen.
Und die Truppe hatte bestimmt andere Probleme als Frauen zu schwängern und Boden zu bewirtschaften oder Bordelle zu besuchen. Wir sind im Jahr 1812! Rainer-Maria."
Textauszug ende

Übrigens ein "Na und" auf dein Jahr 1812. Ich denke fast, das läuft dir unter Garantie so bissel warm den Rücken herunter was....das ganze Schlachtgetümmel. Dabei wollte der Rainer hier einfach nur die ganz einfachen brutalrealistischen Dinge in der Truppe beleuchten. Denn so richtig gekämpft wurde ja erst gut 120 Kilometer vor Moskau, bis dahin nur marschiert. Und erzähle mir hier nix vom Drange(oder besser freiwilligen Verzicht) des Mannes nach ner fremden Frau im fremden Lande oder bist du gar....fast hätte ich getextet "wohl vom anderen Ufer"?

Rainer-Maria der einmal gelesen hatte, das die Russen (die Sowjets)beim Vormarsch nach Deutschland( 2.Weltkrieg) im Vorbeimarschieren auch auf die Stahlhelme der toten Landser geschossen haben. Die Helme, die auf den Holzkreuzen hingen.War wohl normal, war einfach geschuldet dem Leid, Unglück und Verderben, was der Deutsche vorher ins Land getragen hatte.

Deswegen meine Frage nach den Begräbnissorten(wenn auch einzelne Gräber) der Grande Armee.
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 28. Juni 2015, 14:23

Edelknabe hat geschrieben:Sag mal Pentium, du schwelgst mir doch zu sehr bei dem ganzen Schlachtenkram siehe dein:

"Was hast du eigentlich für Vorstellungen wie damals ein Schlacht abgelaufen ist, Rainer-Maria?
Mal davon abgesehen, nein es gab keine Sammelstellen und es gibt auch keine Parallelen zu Adolf dem Schrecklichen. Es gab auch noch kein Rotes Kreuz und auch noch keine Narkosemittel bei Operationen.
Und die Truppe hatte bestimmt andere Probleme als Frauen zu schwängern und Boden zu bewirtschaften oder Bordelle zu besuchen. Wir sind im Jahr 1812! Rainer-Maria."
Textauszug ende

Übrigens ein "Na und" auf dein Jahr 1812. Ich denke fast, das läuft dir unter Garantie so bissel warm den Rücken herunter was....das ganze Schlachtgetümmel. Dabei wollte der Rainer hier einfach nur die ganz einfachen brutalrealistischen Dinge in der Truppe beleuchten. Denn so richtig gekämpft wurde ja erst gut 120 Kilometer vor Moskau, bis dahin nur marschiert. Und erzähle mir hier nix vom Drange(oder besser freiwilligen Verzicht) des Mannes nach ner fremden Frau im fremden Lande oder bist du gar....fast hätte ich getextet "wohl vom anderen Ufer"?

Rainer-Maria der einmal gelesen hatte, das die Russen (die Sowjets)beim Vormarsch nach Deutschland( 2.Weltkrieg) im Vorbeimarschieren auch auf die Stahlhelme der toten Landser geschossen haben. Die Helme, die auf den Holzkreuzen hingen.War wohl normal, war einfach geschuldet dem Leid, Unglück und Verderben, was der Deutsche vorher ins Land getragen hatte.

Deswegen meine Frage nach den Begräbnissorten(wenn auch einzelne Gräber) der Grande Armee.


Ohne Adolf den Schrecklichen und Schmuddel-Fantasien geht es wohl nicht, Rainer-Maria.
Nein es gab keine Stahlhelme 1812 und auch keine Holzkreuze, sondern Massengräber! Und wie kommst du auf die Idee, dass erst vor Moskau gekämpft wurde?
Und wenn du schon die brutalrealistischen Dinge in der Truppe beleuchten willst, dann frage dich mal ob du von der Ruhr geschwächt oder halb verhungert oder verdurstet noch einen Drang nach fremden Frauen verspürt hättest? Das ist doch Mummpitz! Sicher gab es auch zu dieser Zeit solche Übergriffe! Aber statt deiner "Weibergeschichten" solltest du dich mal mit dem Leben der Soldaten zur damaligen Zeit beschäftigen!

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Volker Zottmann » 28. Juni 2015, 14:25

Die Quellen sagen oft unterschiedliche Verluste aus, Doch sind es zwischen 80000 bis 105000 Tote auf beiden Seiten in der Schlacht bei Borodino gewesen. Trotz des momentanen Sieges der napoleonischen Truppen bei dieser Schlacht wurde der Krieg verloren, nicht zuletzt, weil Napoleon weiter in Moskau einmarschierte und ewig auf Verhandlungen warten musste.... Das kann sich jeder selbst erlesen.

Rainer, was soll nun Deine recht naive Fragerei zu den Toten? Meinst Du, die bekamen ein Heldenbegräbnis? Massengräber wurden als einzige Möglichkeit erwogen, wie wohl in solchen Fällen üblich. Namenlose Landser waren das, irgendwo rekrutiert und dann nach Belieben sinnlos geopfert. Meinst Du, die hätte wer übergeführt, vielleicht noch bis in deren Heimatländer? An Ort und Stelle wurden die bestattet. Listen über Tote finden sich allenthalben zu der Offizierskaste.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Edelknabe » 28. Juni 2015, 15:13

Hatte ich etwas von" ÜBERFÜHREN IN DIE HEIMAT" getextet liebster Volker? Also bitte nicht meine Texte nach deinem Gutdünken mißbrauchen. Und das da elende verreckt wurde weiß ich selber "noch allerliebster" Pentium. Deswegen fragte ich ja Anfangs zugegeben etwas naiv "Etwa Jeder einzeln vergraben oder so wie hier jetzt aufgeführt Massengräber"

Und ob Grabanlagen dann sinngemäß entehrt, geschliffen wurden? Auch das war eine ganz normale Frage BIIIIIITTTTTTTeeSchön. Und bitte nicht siehe "Du und deine ewigen Weibergeschichten". Denn ich kann es schon nicht mehr hören, es ermüdet, ich komme mir dann immer vor wie so ein abgehalfterter Pornodarsteller und das bin ich einfach nicht. Denn was sollte ne Vergewaltigung durch die Truppe in einem Dorf beim Vormarsch mit WGeschichten zu tuen haben? Oder gar die Bordelle wenn vorhanden waren für die Truppe?

Rainer-Maria und Danke....hätte fast noch getextet "Habe fertig Ihr....."
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 28. Juni 2015, 15:21

Der Einmarsch der Grande Armée
russland 1813..png


In der Nacht zum 24. Juni 1812 befahl Kaiser Napoleon bei Kowno (Kaunas) den Bau von drei Schiffsbrücken und den Übergang seiner Grande Armée über den Njemen. Er überschritt damit zugleich die Grenze und eröffnete den Angriff auf Russland.[25] In den nächsten Tagen bis zum 30. Juni[26] folgte dann ein Heer von insgesamt etwa 475.000 Mann (einschließlich des österreichischen Hilfskorps und der „Großen Parks“
Der Kaiser erwartete einen schnellen Sieg, sein strategisches Ziel war es, die russischen Hauptstreitkräfte zu einer Schlacht zu stellen und möglichst früh vernichtend zu schlagen, deshalb folgten seine Truppen den russischen Streitkräften in Eilmärschen. Das Verfolgen hatte katastrophale Auswirkungen:

Unmittelbar nach dem Einmarsch begannen tagelange Gewitterregen, die das Land in Sumpf und Morast verwandelten. Beim Versuch, die angeschwollene Wilia zu überqueren, ertranken die meisten Soldaten einer polnischen Kavallerieschwadron. Die Armee entfernte sich immer mehr von ihren Versorgungsfuhrwerken, die im Schlamm steckenblieben. Der sächsische General Ferdinand von Funck berichtete, dass man auf mehr als 1200 Bauernwagen Brot für vier bis fünf Tage nachschleppte. Trotzdem hungerten die Soldaten, weil das Brot sie nicht erreichte.

Jeder Soldat hatte eine Notration Zwieback dabei, aber es war streng verboten, sie anzugreifen. Das dünn besiedelte Land konnte die große Masse der Armee nicht ernähren, zudem hatte sich bereits die russische Armee aus dem Land versorgt. Durch unsauberes Wasser, das man aus Flüssen und Sümpfen schöpfte, erkrankten viele Soldaten an der Ruhr. Der Branntwein, mit dem man üblicherweise das Wasser genießbar machte, war ausgegangen.

Ferdinand von Funck schrieb dazu: „Die Ruhr wütete förmlich unter den Regimentern und wenn wir unterwegs halt machten, musste allemal nach dem Winde die Seite bestimmt werden, nach der die Leute zur Befriedigung natürlicher Bedürfnisse antreten sollten, weil fast in wenigen Minuten die Luft verpestet war.“ Tausende Soldaten starben in den ersten Wochen an Krankheiten oder Entkräftung, viele desertierten und einige Soldaten nahmen sich in ihrer Verzweiflung das Leben. Deserteure, die man wieder einfing, wurden meist erschossen. Andere zogen in kleinen oder größeren Banden durch das Land und terrorisierten die Bevölkerung. Auch die Verluste an Pferden waren enorm, bereits in den ersten Tagen starben mehr als 20.000. Die Futtersituation für die gewaltige Menge Pferde war dramatisch. Man verfütterte das Stroh von den Dächern der Häuser, falls diese noch nicht abgebrannt waren. Heu und Hafer gab es nur selten, unreifes Getreide führte zu Krankheiten und der ständige Vormarsch bot keine ausreichenden Ruhepausen für die Pferde.

Durch Briefe der Soldaten waren diese Verhältnisse sehr schnell auch in Deutschland bekannt, was zu Beunruhigungen führte. Bereits am 2. August verbot König Friedrich von Württemberg deshalb, dass seine Soldaten, die in Russland waren, schlechte Nachrichten in der Heimat verbreiten: „Allerhöchstdieselben wollen daher jede fernere schriftliche Äußerung dieser Art auf das Ernstlichste verboten haben mit dem ernsten Anfügen, dass wenn dergleichen wieder statthaben sollte, die Urheber mit den empfindlichsten Strafen belegt werden sollen“.

Zar Alexander I. befand sich bereits seit Ende April bei der russischen Armee und hatte das Kommando. Militärisch hatte er wenig Erfahrung und vertraute auf seine Berater, wie beispielsweise auf den preußischen General Karl Ludwig von Phull.
Die 1. russische Westarmee unter Barclay de Tolly war den Franzosen zahlenmäßig weit unterlegen, sie bestand aus etwa 118.000 Mann. Ihr stand eine mehr als dreifache Übermacht gegenüber.
Mehr als 150 km südlich befand sich die 2. Westarmee unter Bagration mit 35.000 Mann. Die Reservearmee von Alexander Tormassow mit 30–35.000 Mann[27] befand sich noch weiter südlich und konnte in den Kampf gegen Napoleons Hauptarmee vorerst nicht eingreifen. Östlich von ihr waren die riesigen Pripjetsümpfe, die einen Rückzug in diese Richtung unmöglich machten. Ihr stand nur das österreichische Hilfskorps im Raum Brest-Litowsk gegenüber. Napoleon verstärkte es mit dem 7. Korps, das aus sächsischen Truppen bestand.
Die Armee von Tschitschagow, die aus dem Krieg gegen das Osmanische Reich zurückkehrte, war noch weit entfernt, ebenso Verstärkungen aus Finnland unter General Steinheil. Barclay de Tolly und Bagration mussten sich zurückziehen. Bei Deweltowo kam es am 28. Juni zum ersten Gefecht zwischen russischen und französischen Truppen. Während eines schweren Gewitters zog Napoleon am Nachmittag desselben Tages in Wilna ein. Eine Woche später, am 5. Juli, gab es an der Düna das erste Artillerieduell, drei Tage danach besetzte Marschall Davout Minsk.

General von Phull ging der Rückzug nicht schnell genug, mehrfach schickte er den Oberstleutnant Clausewitz zu Barclay de Tolly, um ihn zu einem schnelleren Rückzug zu bewegen.[28] Er befürchtete, dass Napoleon vor der russischen Armee in Drissa sein würde. Dort hatte Russland bereits Monate vorher mit dem Ausbau von Stellungen begonnen und die Armee wollte sich, nach dem Plan von Phull, zur Schlacht stellen. Bagration sollte gleichzeitig im Rücken der Armee Napoleons die Offensive ergreifen.
Als die Armee in Drissa ankam, erwies sich das vorbereitete Gelände als ungeeignet. Es befand sich direkt an der Düna, die an dieser Stelle nicht sehr tief war. Teile der französischen Armee hätten der russischen Armee nach einer Umgehung in den Rücken fallen können. Brücken waren nicht vorhanden, weshalb man bei einem Rückzug die Kanonen hätte zurücklassen müssen. Eine Niederlage hätte die Vernichtung der Armee zur Folge gehabt und damit die Niederlage Russlands. Am 10. Juli geriet die Vorhut des 4. französischen Kavalleriekorps Latour-Maubourg, unter dem polnischen General Rosnietzky, bei Mir in einen Hinterhalt und wurde von Kosaken unter General Platow geschlagen. Am 14. Juli verließ die russische Armee Drissa. Am gleichen Tag kam es bei Romanowo erneut zu einem Gefecht zwischen Kosaken und polnischer Kavallerie unter Rosnietzky.

Nach den Regenfällen der ersten Tage hatte eine Hitzewelle eingesetzt, die beiden Seiten zu schaffen machte.

Clausewitz berichtete, dass er nie in seinem Leben so unter Durst gelitten hätte. Auf der französischen Seite war die Versorgungslage weiter katastrophal, Staub und Hitze machten den Soldaten zusätzlich zu schaffen. Die Verluste der Armee erhöhten sich, bereits in den ersten zwei Wochen hatte sie 135.000 Mann verloren, ohne dass es zu größeren Kampfhandlungen gekommen war.[29] Tausende Pferdekadaver lagen entlang der Marschwege. Auch die medizinische Versorgung funktionierte nicht, weil die Sanitätsfuhrwerke zurückblieben. Es fehlte an Essig, den man zum Desinfizieren benutzte, sowie an Medikamenten und Verbandsmaterial. Wie Larrey berichtete, verwendete man Hemden, später Papier, Leinwand oder Heu, um die Verwundeten zu verbinden. Für die Medikamente gab es keinen Ersatz, ebenso nicht für den Essig...

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Hungernde Soldaten, Rainer-Maria und nichts zu trinken! Ein dünnbesiedeltes Land und erste Kämpfe! Keine Medikamente und kein Verbandsmaterial!

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 28. Juni 2015, 15:31

Edelknabe hat geschrieben:Hatte ich etwas von" ÜBERFÜHREN IN DIE HEIMAT" getextet liebster Volker? Also bitte nicht meine Texte nach deinem Gutdünken mißbrauchen. Und das da elende verreckt wurde weiß ich selber "noch allerliebster" Pentium. Deswegen fragte ich ja Anfangs zugegeben etwas naiv "Etwa Jeder einzeln vergraben oder so wie hier jetzt aufgeführt Massengräber"

Und ob Grabanlagen dann sinngemäß entehrt, geschliffen wurden? Auch das war eine ganz normale Frage BIIIIIITTTTTTTeeSchön. Und bitte nicht siehe "Du und deine ewigen Weibergeschichten". Denn ich kann es schon nicht mehr hören, es ermüdet, ich komme mir dann immer vor wie so ein abgehalfterter Pornodarsteller und das bin ich einfach nicht. Denn was sollte ne Vergewaltigung durch die Truppe in einem Dorf beim Vormarsch mit WGeschichten zu tuen haben? Oder gar die Bordelle wenn vorhanden waren für die Truppe?

Rainer-Maria und Danke....hätte fast noch getextet "Habe fertig Ihr....."


Grabanlagen? Stellenweise wird heute noch nach Massengräbern aus jenen Schlachten gesucht, Rainer-Maria. Lies mal Berichte von Schlachten aus dieser Zeit. Nimm mal als Beispiel die Völkerschlacht bei Leipzig, wo sind wohl die Gefallenen begraben? Selbst in der Fröschweiler-Chronik von 1870/71 wird berichtet, das man noch nach Jahre nach der Schlacht, in den Wäldern auf gefallene Soldaten gestossen ist!

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 4. Juli 2015, 15:04

Barclay de Tolly übernimmt das Kommando

Nachdem die Armee am 18. Juli in Polozk angekommen war, übergab der Zar das Kommando an Barclay de Tolly und reiste über Moskau nach Sankt Petersburg. In einem Manifest vom selben Tag rief der Zar den russischen Adel auf, Soldaten zu stellen und erklärte, dass ein Oberbefehlshaber für die Armee später ernannt werden sollte.
Barclay de Tolly ließ 25.000 Mann unter General Wittgenstein in Polozk zurück, um den Weg nach Sankt Petersburg zu sichern, das 2. und 6. Korps der Armee Napoleons marschierten in Richtung Polozk. Barclay de Tolly zog mit seiner Armee weiter nach Witebsk, wo er sich mit der 2. Westarmee vereinigen wollte. Napoleon versuchte die Vereinigung der beiden Armeen zu verhindern.
Am 23. Juli konnte der von Bagration mit seinem Korps nach Mogiljow befohlene General Nikolaï Raïevski in der Schlacht bei Mogiljow die Truppen von Marschall Davout nur einen Tag aufhalten und musste sich dann zurückziehen. Dadurch war ein Marsch in Richtung Norden nach Witebsk nicht mehr möglich. Bagration musste sich nun in Richtung Smolensk bewegen. Barclay de Tolly hatte inzwischen Witebsk erreicht und schickte das Korps von General Ostermann zur Sicherung nach Ostrowno. Nach dreitägigen Kämpfen wurde Ostermann am 27. Juli geschlagen. Am gleichen Tag gab es einen russischen Erfolg, mehr als 2.100 Sachsen unter General Klengel[30] kapitulierten in Kobryn vor Einheiten der Armee Tormassows.[31]

Um die beiden Armeen doch noch zu vereinigen, musste Barclay de Tolly sich ebenfalls in Richtung Smolensk bewegen und verließ Witebsk. Napoleon erreichte Witebsk am 28. Juli und stoppte den Vormarsch seiner Armee. Er kündigte an, dass er hier den Winter verbringen wollte und der Krieg im folgenden Jahr fortgesetzt werden sollte. Aufgrund der katastrophalen Versorgungslage war das nur schwer möglich. Die russischen Vorratslager waren zerstört, die eigenen Vorratslager in Preußen und Polen waren weit entfernt. Vom neu angelegten Depot in Wilna bis nach Witebsk betrug die Entfernung mehr als 300 Kilometer. Napoleon hatte seine Versorgungslinie überdehnt. Bei den schlechten Straßenverhältnissen war eine ausreichende Versorgung im Winter und der folgenden Schneeschmelze nicht gewährleistet. Ihm blieben zwei Alternativen: Rückzug der gesamten Armee auf eine realistische Verpflegungslinie oder Weitermarsch in fruchtbarere Gebiete zwischen Smolensk und Moskau, aus denen man sich versorgen konnte.

Davout und Bagration zogen indessen auf parallelen Routen in Richtung Smolensk. Wittgenstein schlug am 31. Juli französische Truppen in der Nähe von Kljastizy. Bei der anschließenden Verfolgung wurde am Tag darauf der russische General Kulnew tödlich verwundet. Barclay de Tolly erreichte Smolensk am 2. August, Bagration zwei Tage später. Wenige Tage danach begannen die Kämpfe um Polozk zwischen dem Korps von Wittgenstein und den beiden französischen Korps.

Im Hinblick auf Bagration hatte der Zar keine klaren Verhältnisse geschaffen. Bagration war der dienstältere General und wurde Barclay de Tolly nicht ausdrücklich unterstellt. Da der auch Kriegsminister war, übernahm er das Kommando. Bagration war mit der Kriegsführung von Barclay de Tolly nicht einverstanden, er wurde dabei besonders von General Jermolow, Chef des Generalstabes von Barclay de Tolly, unterstützt. In mehreren Briefen an Jermolow und General Araktschejew hatte sich Bagration bereits seit Wochen über die Rückzugstaktik Barclay de Tollys beschwert.
Für viele Russen war er als Livländer ein Deutscher. Tatsächlich sprach er lieber deutsch und nur schlecht russisch, deshalb umgab er sich gern mit deutschen Offizieren. Als er Clausewitz ohne Rücksprache mit Jermolow in den Generalstab berief, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Jermolow und Oberst Wolzogen, der das vermittelt hatte. Davor hatte Barclay de Tolly bereits, unter ähnlichen Umständen, Leopold von Lützow eingestellt. Auch Eugen von Württemberg und der russische Oberst Toll unterstützten Bagration und wollten, dass der den Oberbefehl übernahm. General Bennigsen hatte wohl selbst Ambitionen auf den Oberbefehl und setzte sich ebenfalls für eine Ablösung Barclay de Tollys ein. Diese Intrigen und die Furcht des russischen Adels um seine Besitztümer führten zur Ernennung Kutusows zum Oberbefehlshaber.

Am 7. August rückten die beiden russischen Armeen von Smolensk in Richtung Rudnia vor. Am folgenden Tag kam es bei Inkowo zu einem Gefecht zwischen Kavallerieeinheiten von General Sebastiani und Kosaken unter Platow, Sebastiani zog sich zurück. Der russischen Armee fielen Unterlagen Sebastianis in die Hände. Wolzogen, der diese auswertete, fand ein Schreiben, in dem Marschall Murat Sebastiani vor einem Angriff gewarnt hatte. Nach Wolzogen lautete der Text sinngemäß: „Soeben erfahre ich, dass die Russen eine gewaltsame Rekognoszierung in der Richtung auf Rudnia vornehmen wollen; seien Sie auf Ihrer Hut und ziehen Sie sich bis auf die Infanterie, die Ihnen zur Unterstützung angewiesen ist, zurück …“ Auch Barclay de Tolly bestätigte, dass der russische Plan verraten worden war. Neben anderen geriet Woldemar von Löwenstern, im Stab von Barclay de Tolly, unter Verdacht. Er schrieb in seinen „Denkwürdigkeiten eines Livländers“, dass er als Kurier nach Moskau geschickt wurde und ahnungslos ein Schreiben überbrachte, mit dem Befehl ihn festzusetzen. Drei weitere Offiziere polnischer Herkunft sowie der Fürst Lubomirsky hatten das gleiche Schicksal erlitten. Oberstleutnant Graf de Lezair, gebürtiger Franzose und Adjutant von Bagration, kam kurz darauf in Moskau an und überbrachte nichts ahnend seinen eigenen Haftbefehl. Löwenstern wurde bald darauf freigelassen, Lezair erst 1815. Wie Wolzogen später schrieb, war Lubomirsky, ein Adjutant des Zaren, der Schuldige. Er hatte in Smolensk zufällig die Unterhaltung einiger Generale mitgehört und in einem Brief seine Mutter gewarnt, die sich auf ihrem Schloss in Ljadui im vorgesehenen Kampfgebiet befand.

In diesem Schloss hatte Murat sein Hauptquartier, was Lubomirsky natürlich nicht wusste. Nach der Niederlage von Inkowo setzte Napoleon seine Truppen wieder in Bewegung und verließ Witebsk. Seine Armee sammelte sich im Raum Smolensk, Barclay de Tolly und Bagration mussten sich zurückziehen. Die russische Nachhut unter General Newerowski wurde am 15. August bei Krasnoi in ein Gefecht mit dem 3. Korps der französischen Armee verwickelt, bei dem sie erhebliche Verluste erlitt und neun Kanonen verlor. Es war Napoleons 43. Geburtstag, und am Abend wurden ihm die erbeuteten Kanonen präsentiert.

Die Festungsanlagen von Smolensk waren in schlechtem Zustand und auf Dauer nicht zu halten. Barclay de Tolly wollte deshalb nur mit einem Teil seiner Truppen die Stadt verteidigen, während sich die Armee von Bagration in Richtung Osten auf Dorogobusch zurückziehen sollte. Der Rest der 1. Westarmee sollte die Flankensicherung übernehmen. Die Verteidigung der Stadt sollte nur den Rückzug der beiden Armeen sichern. Am 17. August kam es zur Schlacht um Smolensk. Napoleons Hauptarmee hatte vor der Schlacht nur noch 175.000 Mann. Insgesamt hatte er bereits mehr als ein Drittel seiner Armee verloren, hauptsächlich durch Krankheiten, Entkräftung und Desertion. Auch die russische Armee hatte auf dem Weg nach Smolensk Verluste durch Desertion erlitten, überwiegend waren es Soldaten aus den von Russland besetzten polnischen Gebieten.
Hinzu kamen Verluste durch Krankheiten, von denen auch die russische Armee nicht verschont wurde. Nach zweitägigem Gefecht zog sich die russische Armee aus Smolensk zurück, auch Wittgenstein musste sich in Polozk zurückziehen. Der Kommandeur der Bayern, General Deroy, wurde bei den Kämpfen um Polozk tödlich verwundet, ebenso General Justus Siebein. Marschall Oudinot wurde verwundet, wie auch die bayerischen Generale Karl von Vincenti und Clemens von Raglovich.

Auf dem Rückzug gelang es Barclay de Tolly am 19. August bei Walutino, französische Truppen zurückzuwerfen. Das Korps von General Junot griff nicht in die Kämpfe ein und verhinderte damit einen möglichen französischen Sieg. Der französische General Gudin wurde tödlich verwundet und der russische General Tutschkow[32] geriet schwer verwundet in Gefangenschaft.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 12. Juli 2015, 15:14

Auf dem Weg nach Borodino

Wie schon geschrieben, nennenswerten Widerstand leisteten die Truppen des Zaren erst, als Napoleons Armee ins russische Kernland vorstieß – bei Witebsk und Smolensk. Beide Städte gingen an die Eindringlinge verloren und die Stimmung am Hof in St. Petersburg sowie im Land insgesamt sank auf den Tiefpunkt. Der Zar sah sich nun gezwungen, den bisherigen Oberbefehlshaber Barclay de Tolly durch Fürst Kutusow zu ersetzen, der bereits in früheren Jahren gegen Napoleon gekämpft hatte. Doch auch der vermied zunächst die Schlacht und wich weiter nach Osten zurück.

Angeblich hat der französische Eroberer in Witebsk überlegt, den Feldzug zumindest für 1812 zu beenden – was eine kluge Entscheidung gewesen wäre. Zu diesem Zeitpunkt war seine Armee bereits auf etwa 150 000 Soldaten geschrumpft. „Spätestens in Smolensk hätte Napoleon umkehren müssen“, bestätigt Kroener. „Noch weiter vorzurücken war ein großer Fehler.“ Trotz seiner Bedenken entschied sich Napoleon dann doch, Richtung Moskau weiterzuziehen. Hatte er das Herz Russlands in seiner Gewalt, so glaubte er, könne sich der Zar Verhandlungen nicht mehr verschließen.

Und so kam es am 7. September schließlich doch noch zur großen Schlacht – bei dem Dorf Borodino, mehr als 100 Kilometer vor den Toren Moskaus.

quelle: Focus

Die Schlacht

General Kutusow verfügte über etwa 120.000 Mann Infanterie und Kavallerie, sowie 640 Kanonen. Das unübersichtliche, stark bewaldete und mit Gestrüpp bewachsene Gelände, welches dazu noch von Schluchten und Höhenrücken durchzogen war, ausnutzend, hatte Kutusow seine Truppen südlich und nordöstlich von Borodino aufgestellt.
Am rechten Flügel, im Norden, hielt Barclay mit 75.000 Mann eine Anhöhe, welche, durch Schanzen verstärkt, von den Franzosen die Große Schanze genannt wurde. Dahinter kam eine Senke, daran anschließend waren weitere Schanzen aufgeworfen, von den Franzosen die Drei Pfeile genannt. Diese waren besetzt von einer Division der 2. Westarmee unter Fürst Bagration, der insgesamt 30.000 Mann zur Verfügung hatte. Nach Süden schloss sich das stark bewaldete Gelände oberhalb des Dorfes Utiza an, welches General Nikolaj Alexejewitsch Tutschkow hielt.

Die Armee Napoleons hatte ebenfalls eine Stärke von rund 128.000 Mann, davon etwa 28.000 Mann Kavallerie und 16.000 Kanoniere mit 587 Kanonen. Die Armee bestand zu einem großen Teil aus Polen, Württembergern, Westfalen, Sachsen, Kroaten und Bayern.

Bereits am 5. September war es zu Kämpfen um die vorgelagerte Schanze von Schewardino gekommen, die von den Franzosen erobert wurde. Die russischen Verluste betrugen 6000 Mann, der russische General Krasnow wurde tödlich verwundet. Die Verluste auf französischer Seite betrugen 4000 Mann.

Napoleons Schlachtplan sah vor, dass sein Stiefsohn Eugène de Beauharnais, der mit seinem rechten Flügel nördlich der Straße nach Moskau stand, zunächst einen Ablenkungsangriff gegen das Dorf Borodino zu führen hatte. Napoleon wollte die Russen glauben machen, dies sei der Hauptstoß, mit dem Ziel der Umfassung ihres rechten Flügels. Den eigentlichen Angriff sollte aber etwas später in der Mitte Marschall Davout gegen Fürst Bagration vortragen, während die Kavallerie des polnischen Fürsten Poniatowski den linken Flügel der Russen umgehen sollte, um diesen in den Rücken zu fallen.

Um 5:30 Uhr des 7. September befahl Napoleon das Feuer zu eröffnen. Prinz Eugene griff sofort Borodino an, während die Marschälle Davout und Ney mit der Infanterie gegen die „Drei Pfeile“ vorgingen, von denen herab die Russen mit Kartätschen in die französischen Linien feuerten.
Wie außerordentlich heftig und verlustreich die Kämpfe verlaufen würden, bekam Napoleon schnell zu spüren, Davouts Pferd wurde erschossen. Der Kaiser ersetzte ihn durch General Rapp. Der wurde zum 22. Mal in seiner Laufbahn verwundet und durch General Dessaix ersetzt, welcher aber auch nach kurzer Zeit angeschossen wurde.

Ney hatte unterdessen die südliche Geschützstellung genommen und hielt sie gegen die Gegenangriffe der Russen. Napoleon schickte ihm Unterstützung durch Joachim Murat an der Spitze der Kavallerie.
Napoleon war von der Hartnäckigkeit der Russen überrascht, welche auch auf verlorenem Posten noch weiterkämpften, während sich in den vergangenen Jahren Österreicher und Preußen unter solchen Umständen ergeben oder sich zurückgezogen hatten. Napoleon sagte über die russischen Infanteristen: „Sie sind Festungen, die man mit Kanonen zerstören muss.“

Um 10 Uhr hatten die Ereignisse den ursprünglichen Plan Napoleons überholt. Eugene hatte Borodino genommen und nahm von dort aus die „Große Schanze“ unter Feuer, während Poniatowski zwar den russischen linken Flügel zerschlagen hatte – General Tutschkow war gefallen und Fürst Bagration schwer verwundet – aber in dem dichten Buschwerk auf der Anhöhe dahinter kam er unter schweres Feuer der Russen, und es war ihm nicht möglich, die „Drei Pfeile“ zu umgehen.

Somit war die Schlacht nur noch durch Artillerieduelle und Frontalangriffe weiterzuführen, im Kampf Mann gegen Mann, was auch geschah.

Kurz nach 10:00 Uhr erhielt Napoleon eine Nachricht von Ney, der darum bat, dass ihm die ganze Reserve, das heißt die Kaiserliche Garde, zu den „Drei Pfeilen“ gesandt werde, um dort den entscheidenden Durchbruch durch die russische Mitte zu erzwingen. An sich war dieser Vorschlag vernünftig und der einzig mögliche Weg, diese Schlacht mit einem Sieg zu beenden, da die Truppen von Ney und Murat sich zwar hervorragend geschlagen hatten, aber erschöpft waren und dringend verstärkt werden mussten.
Noch während Napoleon überlegte, ob er diesem Vorschlag entsprechen sollte, kam jedoch eine Meldung vom linken Flügel. Kutusow hatte seine Kavalleriereserve unter General Uwarow und Kosaken unter Platow gegen Eugene eingesetzt und diesen in die Verteidigung gedrängt.

Marschall Bessières, der Kommandeur der Garde, fragte seinen Kaiser: „Wollen Sie 2.600 Kilometer von Paris ihre letzten Reserven riskieren?“ So half er Ney nur eingeschränkt, indem er noch mehr Geschütze auf die „Drei Pfeile“ feuern ließ, bis es schließlich insgesamt 400 waren. Außerdem schickte er ihm eine frische Division unter General Friant zur Hilfe, was allerdings nicht den gewünschten Erfolg brachte. Friant, der bereits bei Smolensk verwundet worden war, wurde erneut verwundet.

An der „Großen Schanze“ wurde der französische General Louis-Pierre Montbrun tödlich verwundet. Napoléon ersetzte ihn durch General Auguste de Caulaincourt. Mehrere Kavallerieangriffe folgten. Nachdem am Mittag die Schanze hatte erobert werden können, musste man sich nach einem russischen Gegenangriff wieder zurückziehen. Der französische General Charles-Auguste Bonamy wurde in der Schanze schwer verwundet und geriet in Gefangenschaft. Am Nachmittag konnte die Schanze durch Kavallerie und Infanterie aus den Korps von Ney und Eugène endgültig erobert werden, dabei wurde auch Caulaincourt tödlich verwundet. Die Russen wurden zurückgeschlagen. Napoleon, vorsichtig geworden angesichts des Widerstandes der Russen, erlaubte seinen Truppen jedoch nicht die Verfolgung des Gegners.

Verluste

Die Verlustzahlen weichen in den Quellen erheblich voneinander ab. Die höchsten Einschätzungen entsprechen aber oftmals nicht mehr dem aktuell überwiegend von den Historikern vertretenen Zahlen. Die DDR-Militärhistoriker Helmert und Usczeck gaben die Verluste auf französischer Seite mit 58.000 von 135.000, die auf russischer Seite mit 44.000 von 128.000 an.[4] Ludwig Renn wiederum schrieb den 130.000 Franzosen 50.000 Verluste und den 120.000 Russen 58.000 Verluste zu.[5] Dass somit (fast) die Hälfte der russischen Armee vernichtet war, bestätigte auch Eugen Tarlé. Das Militärhistorische Museum in Minsk sprach noch im Jahr 1987 in seiner Ausstellung von 28.000 Toten (von 130.000) auf französischer und 52.000 (von 120.000) auf russischer Seite. Exakt diese Opferzahlen aber bestätigte 2008 auch das Landesmuseum Kassel (in seiner Ausstellung über König Lustik und den Modellstaat Westphalen) als auch von westphälischen Opfern des Russlandfeldzugs die Rede war (westphälische Kürassiere kämpften in der Schlacht von Borodino an den Rajewski-Schanzen).

Fazit

Dadurch, dass das Kampffeld nach dem geordneten russischen Rückzug in französischer Hand blieb, ist die Schlacht als ein taktischer Sieg der Franzosen zu werten. Die hohen Verluste der Franzosen wogen jedoch wegen ihrer Unersetzlichkeit deutlich schwerer als die russischen. Zwar stand nun für Napoleon der Weg nach Moskau offen, er verpasste jedoch in einer Situation, in der die Zeit dramatisch gegen ihn spielte, einen überlegenen entscheidenden Sieg, der den Gegner vielleicht dazu bewogen hätte, mit ihm zu verhandeln. In strategischer Hinsicht war der Ausgang der Schlacht von Borodino für Napoleon ungünstig.

Auf russischer Seite wurde mit General Bagration einer der fähigsten Generäle tödlich verwundet. Kutusow meldete nach der Schlacht einen russischen Sieg. In Russland wurden Dankgottesdienste abgehalten, der Sieg wurde gefeiert, Kutusow zum Marschall ernannt. Die Einwohner Moskaus wurden allerdings vom Anmarsch der französischen Truppen überrascht. Während in Sankt Petersburg gefeiert wurde, marschierten französische Truppen in Moskau ein. Die Schlacht von Borodino hatte Napoleon gewonnen, aber durch seine Entscheidung, weiter nach Moskau zu marschieren und dort mehr als einen Monat auf Verhandlungen zu warten, hatte er den Krieg verloren.



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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 12. Juli 2015, 16:06

Nachtrag zu Borodino

Albrecht Adam (1786–1862) war Schlachtenmaler und begleitete Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais auf dem Feldzug nach Russland. Adam beobachtete die Schlacht von Borodino. Er beschrieb die Situation nach der Schlacht so.

„Bluttriefend schleppten sich die Soldaten aus dem Kampfe, an vielen Stellen war das Feld mit Leichen bedeckt; was ich an Verwundungen und Verstümmelungen an Menschen und Pferden an diesem Tag gesehen, ist das Gräßlichste, was mir je begegnete, und läßt sich nicht beschreiben.“[16]

Albrecht Adam verdichtete seine Eindrücke später in dem Gemälde von 1840 des verlassenen Schlachtfeldes Nach der Schlacht (im Museum Georg Schäfer) mit sterbendem und reiterlosem Pferd, gefallenem Soldaten und zwei Soldaten, die sich um verwundete Kameraden kümmern.

Eine ausführliche und realitätsnahe Beschreibung dieser Schlacht sowie der Schlacht an der Beresina findet sich in Tolstois Roman „Krieg und Frieden“ (1868–69; Band III, 2. Teil, Kap. XIX–XXXIX). Auch andere russische Künstler wie Tschaikowski und Puschkin und Lermontow haben sich mit dem Thema befasst. In Theodor Fontanes Roman „Vor dem Sturm“ (1878, 3. Band 11.Kapitel) findet sich eine Schlachtschilderung aus der Perspektive eines Mitglieds der Brigade Thielmann.

Nach der Schlacht wurde eine 1814 in Bessarabien gegründete Siedlung Borodino benannt, die als Dorf Nummer 1 mit deutschen Auswandern in dem Landstrich entstanden war. Zar Alexander I. hatte in einem Manifest von 1813 deutsche Kolonisten ins Land gerufen, um die neu gewonnenen Steppengebiete, die er im Russisch-Türkischen Krieg den Türken abgerungen hatte, zu kultivieren.

Im Jahre 1912, zum 100. Jahrestag der Schlacht von Borodino, wurde von Franz Roubaud ein monumentales Panoramagemälde geschaffen und 1962 in einem eigens errichteten Rundbau (Panoramamuseum der Schlacht von Borodino) am Kutusowski-Prospekt in Moskau ausgestellt.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon Volker Zottmann » 12. Juli 2015, 17:42

pentium hat geschrieben:
Im Jahre 1912, zum 100. Jahrestag der Schlacht von Borodino, wurde von Franz Roubaud ein monumentales Panoramagemälde geschaffen und 1962 in einem eigens errichteten Rundbau (Panoramamuseum der Schlacht von Borodino) am Kutusowski-Prospekt in Moskau ausgestellt.

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Das wirklich Besondere ist, dass man eine Treppe emporsteigt, ahnungslos als Tourist, was einen erwartet.
Oben angekommen steht man in einem mit Geländer begrenzten Rund und schaut ringsum, kreisrund wie von einem Hügel runter auf die Weite der Steppenlandschaft. Über einem der Himmel als bemalte Glaskuppel. Zehntausende Soldaten der feindlichen Armeen stehen sich lebensecht gemalt gegenüber. Ringsum Tod und Verdammnis. Tote liegen gar samt umgestürzten Geschütz im Graben, der vor dem Bild bis zum Geländer ansteigend naturgetreu nachgebaut ist. Ebenso verkohlte Bauernhäuser. Man muss ganz genau hinschauen, um überhaupt den Übergang zwischen den in der Absperrung bis zum Bildrand stehenden Kulissen und dem Gemälde zu erahnen. Schaurig schön. Eigentlich eine ganz fürchterliche realistisch gestaltete Szenerie mit der Momentaufnahme des Geschehens.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 12. Juli 2015, 20:51

Personalien

Michail Illarionowitsch Kutusow


Michail Illarionowitsch Fürst Kutusow wurde am 19. September 1745 in St.Petersburg geboren. Er war Generalfeldmarschall und ein Schüler von Alexander Wassiljewitsch Suworow . Kutusow gilt in Russland als Held des Vaterländischen Krieges von 1812 / 1813 gegen Napoleon .

Als Sohn eines Ingenieurgenerals absolvierte er 1759 die Ingenieursschule war als Lehrer für Mathematik tätig und trat 1761 in das Astrachaner Ingenieurregiment ein. Kutusow wurde 1762 dem Revaler Generalgouverneur als Adjutant zugeteilt. Sowohl am Feldzug gegen die polnischen Konförderierten 1764 / 1765 als auch an den russisch-türkischen Kriegen nahm er teil. Generalmajor Kutusow kommandierte am 21. Dezember 1790 die 5. Angriffskolonne beim Sturm auf die türkische Festung Ismail. General Suworow erwähnte in seinem Bericht ausdrücklich seinen Mut und Können.

Von 1792 bis 1794 war Kutusow Gesandter in Istanbul sowie offizieller Vertreter Russlands auf internationalen Konferenzen. Die Jahre 1794 bis 1799 verbrachte er damit das Landkadettenkorps zu leiten sowie Inspektor der Truppen in Finnland zu sein. 1798 war das Jahr seiner Beförderung zum General der Infanterie. In den Jahren 1799 bis 1801 und 1801 / 1802 fungierte er als Militärgouverneur von Litauen bzw. St.Petersburg . Nach der Zeit als Kutusow von 1802 bis 1805 in Ungnade gefallen war folgten folgende Stationen in seiner militärischen Karriere:

1805 Oberkommandierender der Russischen Truppen gegen Napoleon
1806 / 1807 Militärgouverneur von Kiew
1808 Kommando über ein Korps im Fürstentum Moldau
1809 bis 1811 Militärgouverneur von Litauen
1811 Kommandeur der Moldaufront

Er war Oberbefehlshaber des russischen Heeres in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz 1805 . Russland kämpfte dort an der Seite Österreichs gegen die Armee Napoleons in Böhmen mußte sich jedoch geschlagen geben.

Am 7. September 1812 löste er General Barclay de Tolly als Oberbefehlshaber der russischen Truppen im Kampf gegen Napoleon ab. Kurz vor seinem Tod folgte seine Berufung zum Oberbefehlshaber der preussisch -russischen Truppen.

Im Oktober 1811 wurde er in den Grafenstand und im Dezember 1812 in den Fürstenstand erhoben. Er starb als Fürst Golenistschew-Kutusow am 28. April 1813 in Bunzlau .

Thematisiert wird die Dreikaiser-Schlacht und der Krieg gegen Napoleon in dem Roman " Krieg und Frieden " von Leo Tolstoi.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 16. Juli 2015, 15:57

Die Besetzung von Moskau

Da Kutusow einen Sieg bei Borodino verkündet hatte, sah man in Moskau anfangs keinen Grund, die Stadt zu verlassen. Die Entscheidung, die Stadt zu räumen, wurde erst am Nachmittag des 13. September getroffen. Als Marschall Murat am 14. September in Moskau einrücken wollte, war die Stadt noch nicht vollständig geräumt, viele Bürger Moskaus und Soldaten der russischen Armee befanden sich noch in der Stadt. Nach Verhandlungen erklärte sich Murat bereit, einige Stunden zu warten. Am Nachmittag marschierte er in Moskau ein. Die russische Armee musste fast 10.000 verwundete oder kranke Soldaten zurücklassen.
Mehrere tausend russische Nachzügler wurden gefangen genommen, einige davon hatten sich lieber an der Plünderung Moskaus beteiligt und dabei den Anschluss an die Armee verloren. Moskauer Kaufleute hatten sie zur Plünderung aufgefordert, weil sie nicht wollten, dass ihre Waren in französische Hände fielen. Heinrich von Brandt, Offizier in der Weichsellegion, berichtete, dass man beim Einmarsch ganze Wagenzüge mit Mehl, Grütze, Fleisch und Schnaps vorfand. Am gleichen Tag wurde in Sankt Petersburg der Sieg von Borodino verkündet. Tagelang wurde der Sieg gefeiert, Kutusow wurde zum Marschall und Fürst ernannt.

Am Abend des 14. September kam es in Moskau zu den ersten Bränden, die möglicherweise von betrunkenen französischen Soldaten durch den sorglosen Umgang mit Feuer verursacht wurden. Diese Brände hatte man am nächsten Morgen weitgehend unter Kontrolle. In der folgenden Nacht brachen an vielen Stellen Moskaus neue Brände aus. Ein Sturm am 16. September führte dazu, dass sich das Feuer schnell ausbreitete. 75 % der Stadt, die zu zwei Dritteln aus Holzhäusern bestand, wurden vernichtet. Viele Menschen starben in den Flammen, darunter auch verwundete oder kranke russische Soldaten. Mit dem Brand begannen die Plünderungen der französischen Armee, die offiziell verboten worden waren. Nach dem Motto, bevor es verbrennt, können wir es ja für uns retten, wurde alles, was einen Wert hatte und sich bewegen ließ, aus den Häusern geholt.
In einem Brief an den Zaren machte Napoleon am 20. September den Gouverneur von Moskau, Graf Rostoptschin, für die Brände verantwortlich. Nach seiner Darstellung waren 400 Brandstifter auf frischer Tat ertappt worden. Sie hatten Rostoptschin als ihren Auftraggeber genannt und wurden erschossen.[36] Die Feuerspritzen der Stadt waren auf Anweisung Rostoptschins aus der Stadt entfernt oder zerstört worden. Nach dem Brand zählte man 11.959 Tote sowie 12.456 Pferdekadaver. Von 9.158 Häusern waren 6.532 zerstört. Von den 290 Kirchen waren 127 zerstört.

Dem Brand von Moskau ist keine wirkliche entscheidende Bedeutung beizumessen, da trotzdem immer noch bedeutende Materialmengen zur Versorgung zumindest der Infanterie vorgefunden werden konnten. Der Stand der französischen Armee erhöhte sich sogar in weiterer Folge während des Aufenthaltes durch das Eintreffen von Nachzüglern. Dennoch wirkten sich hier ungeheure Disziplinlosigkeiten in Form unkontrollierter Plünderungen und Requisitionen negativ auf die Versorgungslage aus. Vorgefundene Bestände an Spirituosen führten zu verheerenden Exzessen der französischen Soldaten.[37]

Napoleon selbst residierte im Kreml, der unversehrt geblieben war. Der größte Teil der Armee war, weniger komfortabel, außerhalb der Stadt untergebracht. Napoleon wartete vergeblich darauf, dass ihm der Zar Verhandlungen anbot. Mehrmals sandte er Unterhändler zu Kutusow, um Verhandlungen anzubieten. Der Zar war nicht zu Verhandlungen bereit und verbot Kutusow am 4. Oktober, weitere Gespräche zu führen. Alexander I. war verärgert, er hatte Kutusow bereits im August, vor dessen Abreise zur Armee, in Kenntnis gesetzt, dass alle Gespräche und Unterhandlungen mit dem Feind, die zum Frieden führen könnten, zu vermeiden seien.

Sein Schreiben war nun eine deutliche Zurechtweisung an Kutusow: „Jetzt muss ich nach dem, was geschehen ist, mit derselben Entschiedenheit wiederholen, dass ich diesen von mir angenommenen Grundsatz von Ihnen in seiner größten Ausdehnung und in der strengsten und unbeugsamsten Weise beobachtet zu sehen wünsche.“ Bis auf einige Vorpostengefechte herrschte bis zu diesem Verbot eine Art stillschweigender Waffenstillstand, da Napoleon anfangs auf Verhandlungsangebote wartete und, als diese ausblieben, selbst Verhandlungen anbot. Die russische Armee konnte das ausnutzen und führte Verstärkungen heran. Zweimal hatte Napoleon den General Lauriston als Unterhändler zu Kutusow geschickt. Als Lauriston am 13. Oktober ohne Ergebnis zurückkehrte, beschloss Napoleon den Rückzug.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 16. Juli 2015, 16:48

Napoleons Rückzug

Ein französischer Offizier beschrieb den Abzug: „Hinter einer miserablen Artillerie und einer noch miserableren Kavallerie zog sich eine ungeordnete, bizarre Menschenmenge entlang, die an seit langem vergessene Bilder erinnerte – die fürchterlichen Horden von Mongolen, die Hab und Gut sowie Beutestücke mit sich getragen hatten. Es bewegte sich ein großer Tross von Kutschen und Wagen; da zogen lange Kolonnen, die mit so genannten Trophäen beladen waren; weiter marschierten bärtige russische Männer, schwer atmend unter dem Gewicht des gesammelten Raubgutes; dort trieben andere Gefangene zusammen mit den Soldaten ganze Herden von abgemagerten Kühen und Schafen; dort fuhren auf den Wagen, mit allen möglichen Schätzen beladen, Tausende von Frauen, verletzte Soldaten, Offiziersburschen, Dienern und allerlei Gesindel.“

Die französische Armee bewegte sich, nachdem sie Moskau verlassen hatte, in Richtung Südwesten. Der russische General Dochturow verteidigte am 24. Oktober Malojaroslawez gegen das Korps von Eugène de Beauharnais, musste sich aber am Nachmittag zurückziehen. Im Verlauf des Tages hatte die Stadt mehrfach den Besitzer gewechselt. Kutusow vermied eine Entscheidungsschlacht und befahl den Rückzug in Richtung Kaluga. Auf eine Verfolgung Kutusows wollte sich Napoleon nicht einlassen und zog sich am 26. Oktober zurück. Der Rückweg war fast identisch mit dem Hinweg, man zog also durch schon weitgehend verwüstetes und ausgeplündertes Land, wo oftmals noch die Toten des Vormarschs unbeerdigt an den Straßen und auf den Schlachtfeldern lagen! Schauriger Höhepunkt war dabei ohne Zweifel der 29. Oktober, als die Armee über das Schlachtfeld von Borodino zog, auf dem fast alle Toten der Schlacht noch unbeerdigt lagen. Trotz kalten Wetters (es lag schon etwas Schnee und es herrschte eisiger Wind) soll der Verwesungsgestank unbeschreiblich gewesen sein...

Der zögerliche und zaghafte Kutusow war kein ebenbürtiger Gegner für Napoleon. Am 3. November kam es zur Schlacht bei Wjasma. Russische Truppen unter General Miloradowitsch standen anfangs einer Übermacht der Franzosen gegenüber. Im Laufe des Vormittags stieß die Division von Eugen von Württemberg dazu. Kutusow, am Morgen mit dem Großteil der Armee nur wenige Kilometer vom Schlachtfeld entfernt, griff nicht ein. Seine Truppen lagerten bei Binkowo. Erst am Nachmittag schickte er 3.000 Mann Kavallerie zur Unterstützung.[38] Sie erreichten den Kampfplatz erst kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit.

Napoleon erreichte Smolensk am 9. November, konnte dort seine Truppen sammeln, und verließ die Stadt erst fünf Tage später. Für den Rückmarsch hatte Napoleon den Weg über Minsk vorgesehen. Der war kürzer, und in der von Franzosen besetzten Stadt lagerten eine Million Tagesrationen für seine Soldaten. Auch in Krasnoi konnte Kutusow trotz starker Überlegenheit Napoleon nicht aufhalten. Später ließ er es zu, dass sich die beiden französischen Korps aus Polozk mit der Hauptarmee Napoleon vereinigen konnten, wodurch der Übergang über die Beresina erst möglich wurde...]

Noch etwas zum Wetter, was auf der Webseite "winterplanet.de" im Beitrag Napoleon und das Wetter sehr ausführlich rein Wettertechnisch beschrieben wird, hier ein kurzer Auszug:

Zitat:
Um den 6. November herum erfolgte dann ein erster, massiver Kälteeinbruch mit Höhe- bzw. besser gesagt Tiefpunkt am 14. 11. Die Nachttemperaturen dürften wohl unter -20°C gelegen haben. Das ganze zudem verbunden mit dichtem Schneefall...]

Mit drei russischen Armeen gelang es Kutusow nicht, den Übergang von 28.000 Soldaten der Grande Armée über die Beresina zu verhindern, obwohl sich an beiden Ufern russische Truppen befanden. Die teilweise getrennt operierenden Armeen von Tschitschagow und Wittgenstein waren mit jeweils etwa 30.000 Mann nicht stark genug gegen nur noch 50.000 schlecht versorgte Soldaten der Grande Armée. Tschitschagow, der vorher Minsk genommen und damit Napoleons Plan zunichtegemacht hatte, ließ sich durch einen vorgetäuschten Übergang an anderer Stelle ablenken.
Wittgenstein konnte die Nachzügler auf dem Ostufer der Beresina gefangen nehmen und zeichnete sich dadurch aus, dass eine französische Division unter General Partouneaux vor seinen Truppen kapitulieren musste. Sie hatte den Anschluss an ihre Armee verloren. Kutusow selbst war mit mehr als 50.000 Mann weit zurückgeblieben und an der Schlacht an der Beresina nicht beteiligt. Damit wurde eine politische Lösung nach einer Kapitulation oder Gefangennahme Napoleons verpasst. Tschitschagow wurde für sein angebliches Versagen in den Ruhestand versetzt. Bei Kutusow beschränkte sich der Zar auf Vorwürfe, weil Napoleon entkommen konnte.

Quelle: Wiki und winterplanet.de

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 16. Juli 2015, 17:07

Das Ende des Feldzuges

In Frankreich war es Ende Oktober zu einem Putschversuch unter General Malet gekommen. Malet hatte verkündet, dass Napoleon tot sei. Napoleon verließ die Armee am 5. Dezember 1812, obwohl er bereits Anfang November in Smolensk vom Putschversuch erfahren hatte, und reiste nach Paris. Eine frühere Abreise war zu riskant, da er sich noch in russisch kontrolliertem Gebiet befand. Das Kommando übergab er an Murat. Wichtiger als der Putschversuch von Malet war die Tatsache, dass Napoleon eine neue Armee aufbauen musste.

Am 14. Dezember überschritten Reste der Grande Armée den zugefrorenen Njemen und erreichten Polen. Murat schrieb an Napoleon: „An einsatzfähigen Soldaten melde ich dem Kaiser 4.300 Franzosen und 850 Hilfstruppen“.
Später folgte eine Handvoll Nachzügler. Das 10. Korps, in dem das preußische Hilfskorps war, befand sich noch in Russland und marschierte in Richtung Preußen. Die Division Grandjean des Korps erreichte Preußen mit 6.000 Mann, überwiegend Polen, Bayern und Westphalen. Das preußische Korps hatte noch 15.000 Soldaten von vorher 20.000 Mann. Durch die Konvention von Tauroggen am 30. Dezember wurde es neutral und griff nicht mehr in die Kampfhandlungen ein.

Das österreichische Korps stellte am 5. Januar die Kampfhandlungen ein. Es bestand ursprünglich aus 33.000 Mann und zählte am Ende des Feldzugs noch 20.000 Mann, hinzu kamen Reste des 7. Korps. 100.000 Soldaten der Armee Napoleons waren in Gefangenschaft geraten, viele davon starben an ihren Verwundungen, Krankheiten oder erfroren auf dem Marsch in die Gefangenschaft, wer zurückblieb wurde meist getötet. Das gleiche Schicksal erlitten auch die russischen Soldaten, die in französische Gefangenschaft geraten waren. Die überlebenden Gefangenen wurden von Russland bis zum Jahr 1814 freigelassen. Sobald sich ihr Heimatland dem Kampf gegen Napoleon angeschlossen hatte, ließ man sie frei. Einige blieben in Russland, wie der württembergische Regimentsarzt Heinrich von Roos. Er geriet an der Beresina in Gefangenschaft und praktizierte später in Sankt Petersburg.

In den Listen des hannoverschen Leutnants Heinrich Meyer finden sich Namen weiterer Soldaten, die in Russland geblieben sind. Meyer wurde von der preußischen Regierung nach Russland geschickt, um das Schicksal vermisster Soldaten zu klären. Es ging in erster Linie um Soldaten aus den Gebieten, die nach dem Krieg an Preußen fielen. Der Hintergrund war mehr bürokratischer Natur. Es ging um Erbschaften, Wiederverheiratungswünsche von Frauen vermisster Soldaten und ähnliches.
In Zusammenarbeit mit russischen Stellen konnte Meyer das Schicksal von etwa 6.000 Soldaten ermitteln, die meisten waren gestorben. Nicht wenige waren in die russische Armee eingetreten. Damit ist offensichtlich nicht die Russisch-Deutsche Legion gemeint, da Meyer das in seinen Aufzeichnungen unterscheidet. Deutsche Soldaten, die in die russische Armee eintraten, hatten nach dem Krieg Anspruch auf ein Stück Land in Russland.

Die Grande Armée wurde von mehreren Zehntausend Zivilisten begleitet, darunter Handwerker, Verwaltungsbeamte und Schreiber. Wer es sich leisten konnte, hatte Diener oder Köche dabei und es war nicht selten, dass Ehefrauen und Kinder die Armee begleiteten. Glücksritter und Kriminelle folgten der Armee, um sich am Krieg zu bereichern. Auch von diesen sind die meisten umgekommen. Im Frühjahr 1813 wurden entlang des Rückzugweges der Grande Armée mehr als 240.000 Tote verbrannt oder in Massengräbern beigesetzt, darunter auch die Toten von Borodino, die man nach der Schlacht liegengelassen hatte. 130.000 Pferdekadaver wurden verbrannt oder verscharrt.

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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 18. Juli 2015, 20:21

Bilanz

Wintermärchen

Häufig wird der Winter für die Niederlage Napoleons verantwortlich gemacht, aber die russischen Soldaten kämpften unter den gleichen Wetterbedingungen; allerdings waren die Russen mit Winterhärten vertrauter als die Franzosen. Die Schneefälle begannen am 6. November. Eine Analyse der bei Martinien für diesen Monat genannten französischen Offiziersverluste ergibt, dass fast 90 % zeitlich und geographisch auf Kampfhandlungen entfallen. Für einige Tage wurde es etwas wärmer, weshalb die Beresina nicht zugefroren war.

Die niedrigsten Temperaturen erreichte der Winter erst nach dem Übergang. Vorher wurde Napoleons Armee immer wieder in Kämpfe verwickelt. Sie verfügte über zu wenig Pferde und musste viele ihrer Fuhrwerke verbrennen, Kanonen wurden unbrauchbar gemacht und zurückgelassen. Sogar die mitgeführten Pontons zum Brückenbau wurden, wenige Tage bevor man die Beresina erreichte, verbrannt.

Tatsächlich war Napoleon auf einen Winterkrieg nicht vorbereitet. Es fehlte an warmer Bekleidung, und die Pferde waren für diese Temperaturen falsch beschlagen. Das führte häufig zu Unfällen mit den Fuhrwerken. Lediglich die polnische und die preußische Kavallerie hatten ihre Pferde scharf beschlagen und waren damit auf die Winterbedingungen eingestellt.

Bei der Arrière-Garde (Nachhut) kam es beim Rückzug nach Wilna zu starken Verlusten durch die Rückzugsgefechte, den Ausfall der Verpflegung und am 6. Dezember 1812 durch die extreme Kälte von „einigen 20 Grad“. Die Kälte war am 7. Dezember „auf das höchste“ gestiegen. Durch sie starben in der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember viele Menschen im Biwak von Oszmiana. Die Reste der Truppen waren als Arrière-Garde kaum mehr zu gebrauchen und trafen am Abend des 8. Dezember vor den Toren von Wilna ein.[46]

Ein großes Problem waren die hygienischen Verhältnisse. Die meisten Soldaten hatten Läuse, von denen Krankheiten wie Fleckfieber oder Wolhynisches Fieber übertragen wurden. Brach jemand erschöpft zusammen, übernahm man seine Kleidung und damit auch die Läuse. Bereits im Sommer waren in Russland Epidemien ausgebrochen, die von den marschierenden Truppen und der fliehenden Bevölkerung im Land verbreitet wurden. Die Armeen schleppten diese Krankheiten später auch nach Polen und Deutschland. Tausende Soldaten und hunderttausende Zivilisten beider Seiten starben an Krankheiten. Eine Volkszählung in Russland ergab 1816 einen Bevölkerungsrückgang von einer Million Menschen.

Gefangene

Auf beiden Seiten haben nur wenige Gefangene überlebt. Russische Soldaten, die in französische Gefangenschaft gerieten, bekamen kaum etwas zu essen, besonders auf dem Rückzug, da die Wachmannschaften selbst nicht genug zum Leben hatten. Hin und wieder warf man den Gefangenen Teile von Pferdekadavern hin. Wer körperlich so geschwächt war, dass er unterwegs zurückblieb, wurde erschossen oder erschlagen. Der württembergische Offizier Ernst von Baumbach schrieb über die russischen Gefangenen: „Nicht selten fand man, dass der Hunger die Überlebenden zu dem fürchterlichen Entschluss getrieben hatte, ihre gestorbenen Kameraden anzunagen.“ Mit Ausnahme der Offiziere wurden verwundete Russen in der Regel nicht versorgt, denn man war bereits mit der Versorgung der eigenen Verwundeten hoffnungslos überfordert. Sie wurden geplündert – begehrt waren gefüllte Brotbeutel, Alkohol, Geld und Wertsachen – und einfach liegen gelassen. In den meisten Fällen war das ihr Todesurteil. Nach Baumbach fand man noch elf Tage nach der Schlacht von Borodino lebende russische Verwundete, die in ihrer Not die toten Pferde angenagt hatten.

Soldaten Frankreichs, die in russische Gefangenschaft gerieten, waren nicht besser dran. Viele wurden von Kosaken geplündert, häufig einschließlich ihrer Kleidung, Schuhe oder Stiefel und mussten bei eisiger Kälte barfuß und fast nackt marschieren. Nur wenige haben das überlebt; wer liegen blieb, wurde getötet. Kosaken haben Gefangene an russische Bauern verkauft, die sie dann zu Tode folterten. Der Zar sah sich gezwungen, eine Belohnung für jeden Gefangenen auszusetzen, der lebend abgeliefert wurde. Die Kosaken werden bei fast allen Zeitzeugen negativ dargestellt. Sie wurden meist zur Aufklärung und für überraschende Überfälle eingesetzt. Bernardi rechnete sie in der Schlacht von Borodino, dort waren immerhin 7.000 Kosaken, in der Armeestärke nicht mit, weil sie in seinen Augen keinen Wert hatten. Von der regulären russischen Armee wurden die Gefangenen entgegen den Umständen meist ordentlich behandelt. Löwenstern berichtete von französischen Nachzüglern, die das Feuer seiner Soldaten sahen und sich zu ihnen gesellten. Russen und Franzosen saßen gemeinsam am Feuer und am nächsten Morgen zogen die russischen Soldaten weiter. Gefangene hätten sie nur behindert. Löwenstern berichtete aber auch von einem Massaker durch die Zivilbevölkerung. Als er mit seinen Soldaten in einen Ort kam und die Einwohner ihre russischen Uniformen erkannten, fielen sie über unbewaffnete französische Nachzügler her. Es gibt eine Reihe von Berichten über Folterungen und Morde an französischen Gefangenen durch die russische Zivilbevölkerung. Gefangene wurden mit Stroh umwickelt und angezündet, auch lebendig begraben. Solches passierte übrigens auch im von Frankreich besetzten Spanien.

Die meisten Soldaten der Grande Armée, die in Russland in Gefangenschaft gerieten, starben an Krankheiten. Einfache Soldaten, häufig unterernährt, zum Teil verwundet und ohne ausreichende medizinische Versorgung, hatten bei einer Krankheit nur geringe Überlebenschancen. Der bayerische Feldwebel Josef Schraefel überlebte die Gefangenschaft, obwohl auch er krank wurde. Er berichtete, dass man die Toten während des Winters im Wald stapelte.[48] Seine Frau Walburga, welche die Armee als Marketenderin begleitet hatte und auch nach seiner Gefangennahme bei ihm blieb, starb in Russland.


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pentium
 
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Re: Russlandfeldzug 1812

Beitragvon pentium » 18. Juli 2015, 20:26

Bilanz Fortsetzung

Verluste

Die Höhe der Verluste lässt sich nicht eindeutig feststellen, da es viele widersprüchliche Zahlen gibt. Für westliche Historiker war der Krieg Mitte Dezember mit dem Überschreiten des Njemen beendet. In Russland hat der Vaterländische Krieg einen anderen Zeitrahmen und wurde erst später beendet. Dadurch weichen Truppenstärken, Verlustzahlen, Zahl der Gefangenen und Überlebenden voneinander ab. Truppen, die erst 1813 in die Kämpfe eingegriffen haben, aber nie in Russland selbst waren, werden mitgerechnet. Andererseits wurden als Rückkehrer oftmals nur jene Einheiten berücksichtigt, die noch tatsächlich waffentragend und kampffähig waren. Der preußische Militärwissenschaftler Clausewitz schrieb unmittelbar nach dem Krieg, dass von 610.000 Soldaten der Grande Armée nur 23.000 das westliche Ufer der Weichsel erreichten. Dem sowjetischen Historiker Jewgeni Wiktorowitsch Tarle zufolge kehrten etwa 30.000 Mann wieder über den Njemen zurück.[50] Heinz Helmert und Hansjürgen Usczeck, ostdeutsche Historiker des Militärverlags der DDR, gingen später von insgesamt 81.000 Rückkehrern und Versprengten aus, die sich bis Dezember 1812 wieder über die Grenze schleppten.[49]

Viele Unterlagen sind während des Krieges oder später verloren gegangen, weshalb das Ausmaß der Verluste nur an einigen Beispielen dargestellt werden soll. Von 9.000 Schweizern traten nach dem Übergang über die Beresina noch 300 Mann zum Appell an, davon ein großer Teil verwundet. Danach folgten die tiefsten Temperaturen des Winters von 1812. Nur ein Teil dieser Soldaten hat überlebt. Meyers Konversationslexikon bezifferte hingegen Ende des 19. Jahrhunderts die Verluste des 16.000 Mann starken Schweizer Hilfscorps auf 6.000 Mann.[51] Vallotton schrieb, dass insgesamt nur 300 von 12.000 Schweizern den Feldzug überlebt haben.[52] Spätere Forschungen haben dagegen ergeben, dass deutlich weniger Soldaten aus der Schweiz in Russland waren. In der heutigen Literatur wird die Stärke des Hilfscorps zum Teil nur mit 7.000 Mann angegeben.[53]

Von 30.000 Mann des bayerischen VI. Korps traten am 13. Dezember noch 68 kampffähige Soldaten an.[54] Von mehr als 27.000 Westphalen kehrten nur 800 zurück. Von 15.800 Württembergern waren nach dem Rückzug noch 387 Mann vorhanden. Die badische Division, anfangs etwa 7.000 Mann, bestand am 30. Dezember noch aus 40 kampffähigen und 100 kranken Soldaten. Die sächsische Kavalleriebrigade Thielmann wurde bei Borodino fast vollständig vernichtet, 55 Mann kehrten zurück.[55] Von 2.000 Mecklenburgern kehrten 59 zurück. Lediglich die beiden Hilfskorps aus Österreich und Preußen, die nie weit in russisches Gebiet eingedrungen sind und deshalb kürzere Versorgungs- und Rückzugwege hatten, weisen niedrigere Verlustzahlen auf.

Nach dem Rückzug erhielten die Bayern bis zum 29. Dezember Verstärkungen von 4.200 Mann.[56] Diese Truppen marschierten erst im Oktober aus Bayern ab und sind ein Beispiel für die unterschiedliche Auslegungsmöglichkeit der Zahlen im Verhältnis zum Vaterländischen Krieg.

Am 26. Juni 1813 hatte der österreichische Kanzler Metternich eine Unterredung mit Napoleon, die er protokollierte. Unter anderem schrieb er: „Napoleon fasste sich, und mit ruhigem Ton sagte er mir folgende Worte […]: Die Franzosen können sich nicht über mich beklagen; um sie zu schonen, habe ich die Polen und die Deutschen geopfert. Ich habe in dem Feldzug von Moskau 300.000 Mann verloren; es waren nicht einmal 30.000 Franzosen darunter. Sie vergessen, Sire, rief ich aus, dass Sie zu einem Deutschen sprechen.“

Die Zahl der Gefangenen in den westlichen russischen Gouvernements betrug nach Angaben des russischen Kriegsministeriums am 28. Februar 1813 11.754 Mann, darunter 4.508 Franzosen, 1.845 Polen, 1.834 Spanier, 1.805 Deutsche,[57] 659 Italiener, 617 Österreicher und 218 Schweizer.[58] Tarlé hingegen ging von bis zu 100.000 Franzosen aus, die sich Ende 1812 in russischer Gefangenschaft befanden.[50] Hinzu kommen Soldaten, die in die Russisch-Deutsche Legion eingetreten waren, deren Stärke nach Clausewitz im Dezember 1812 etwa 4.000 Mann betrug und im folgenden Mai 5.000 Mann stark gewesen sein soll.

Als Chef des Generalquartiermeisterstabes der Legion war er über deren Stärke informiert. Der erste Stärkerapport der Legion vom 10. Dezember 1812 verzeichnet dagegen nur 1.667 Mann und zwei Pferde. Die Abweichungen zwischen Stärkerapport und den Zahlen von Clausewitz erklären sich durch den hohen Krankheitsstand, verursacht durch Epidemien. Laut Helmert/Usczeck betrug die Legion Anfang 1813 an Offizieren und Mannschaften hingegen 8.800 Mann.[49] Freiherr vom Stein hatte die Stärke mit 8.773 Mann beziffert, wobei unklar ist, woher er diese Zahl hatte, da die Legion erst im November 1814 eine Stärke von über 8.500 Mann erreichte.[59] Sie bestand nicht nur aus Deutschen: Angeblich haben sich Niederländer in Scharen freiwillig gemeldet und Italiener gaben sich als Deutsche aus, um aufgenommen zu werden. Anders als oft in der Gefangenschaft bedeutete der Dienst in der Legion regelmäßige Versorgung, Bekleidung und vernünftige Unterkünfte. Im Vergleich zum Kontingent, das Spanien stellte, ist die Zahl der Gefangenen sehr hoch. Die meisten von ihnen gehörten zur Division Durutte, die erst im November eingesetzt wurde. Es waren hauptsächlich Kriegsgefangene, die mehr oder weniger freiwillig zum Einsatz kamen. Viele Soldaten desertierten.

Zu den russischen Verlusten gibt es wenige Quellen, sie betrugen etwa 210.000 Mann.[60] General Wilson berichtete, dass die Armee Kutusows in den vier Wochen, bevor sie Wilna erreichte, die Hälfte ihrer Soldaten verloren hatte. Von 10.000 Rekruten, die man als Verstärkung nach Wilna schickte, erreichten nur 1.500 Soldaten die Stadt, viele davon krank.

Nachwirkungen

Nach der Niederlage der Grande Armée in Russland begannen die Befreiungskriege, die Napoleons Herrschaft über Europa ein Ende setzten. Anfang 1813 kündigte Preußen als erstes deutsches Land die Allianz mit Frankreich auf und verbündete sich mit Russland und Schweden. Im Sommer trat Österreich diesem Bündnis bei, das Napoleons Armee vom 16. bis 19. Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig die entscheidende Niederlage beibrachte. Die letzten deutschen Verbündeten Napoleons wechselten nun die Seiten. Nach dem Einmarsch der Alliierten in Frankreich sah er sich im März 1814 gezwungen, abzudanken und auf die Insel Elba ins Exil zu gehen. Nach seiner Rückkehr und der Herrschaft der 100 Tage wurde er in der Schlacht von Waterloo 1815 endgültig besiegt.

Unterdessen hatten sich die Sieger auf dem Wiener Kongress bereits an die Neuordnung Europas gemacht, die Russland, Österreich und Preußen durch die Gründung der Heiligen Allianz zu garantieren gedachten. In Frankreich, das die Grenzen von 1792 erhielt, kehrten mit Ludwig XVIII. die Bourbonen auf den Thron zurück. Russland und Preußen teilten sich das polnische Herzogtum Warschau. Preußen erhielt zudem Gebiete im Westen Deutschlands, die es später zur Rheinprovinz zusammenfasste. Litauen und andere früher polnische Gebiete blieben russisch, ebenso Finnland. Für dessen Verlust wurde Schweden mit der Angliederung Norwegens entschädigt. In Kongresspolen wurde unter russischer Herrschaft zunächst eine liberale Verfassung eingeführt. Der polnisch-russische Gegensatz verschärfte sich jedoch weiter und führte 1830 zu einem Aufstand, den Russland niederschlug. Die Verfassung wurde aufgehoben und Polen zur russischen Provinz erklärt.

Kulturelle Hinterlassenschaften

In der Folgezeit entstanden zahlreiche Literaturwerke, die dem Vaterländischen Krieg gewidmet sind, darunter Leo Tolstois Roman Krieg und Frieden.

In der russischen Sprache hinterließ der Krieg das Wort Scharomyga (Шаромыга), was soviel wie Bettler, Landstreicher, Schmarotzer bedeutet. Dies rührte von den zahlreichen französischen Deserteuren her, die der Krieg hinterließ. Sie streiften durch das Land umher und sprachen die Bauern mit „cher ami“ an, um sie nach etwas Essbarem zu bitten.

Die Orte der Schlachten wurden bei der Ansiedlung deutscher Auswanderer ab 1814 in Bessarabien berücksichtigt. Das Fürsorgekomitee als russische Ansiedlungsbehörde vergab diese Namen für bessarabiendeutsche Ansiedlungen, wie Arzys, Beresina, Borodino, Leipzig, Malojaroslawez, Paris, Krasna (Krasny) und Tarutino.

In den linksrheinischen deutschen Gebieten, die man nach dem Friedensschluss von Campo Formio (1797) an Frankreich abtrat, wurden viele Soldaten für die napoleonische Armee rekrutiert. Dementsprechend groß war später dort auch der napoleonische Veteranenkult. Besonders im Bereich des heutigen Rheinhessen-Pfalz, dem früher etwa das französische Département du Mont-Tonnerre entsprach, wurden in zahlreichen Orten Veteranengesellschaften der ehemaligen napoleonischen Armee gegründet und Gruppen- sowie Einzeldenkmäler errichtet. Solche Napoleonsteine existieren u. a. in Koblenz, Mainz-Gonsenheim (1839), Kreuznach (1843), Oppenheim, Ober-Olm (1842), Ingelheim-Großwinternheim (1844), Eimsheim (1852), Worms, Pfeddersheim, Grünstadt, Frankenthal (Pfalz), Kaiserslautern, Zweibrücken und Biedesheim (1855).

Der Obelisk am Karolinenplatz in München wurde 1833 vom bayerischen König Ludwig I. zum Gedenken an die im Russlandfeldzug gefallenen Bayern errichtet.

quelle: Wiki

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