Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Kriegsgeschichte der Epoche von 1792 bis 1815.

Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon HPA » 20. Juni 2015, 20:37

Es gab damals schon schwarzpulvergefüllte bezünderte Hohlkugeln. Und die wurden aus Mörsern( ja) und Haubitzen verschossen.Ich bezog mich dabei auf die Aussage von Sirius, welche so nicht stimmt.
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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon Edelknabe » 20. Juni 2015, 20:45

Was mich einmal interessiert. Wieso schleppt Einer so Napoleon seine Diamanten mit aufs Schlachtfeld...in der Kutsche? Hatte der Mann keinen anderen sicheren Ort für seine Wertgegenstände(sagen wir sein Vermögen) finden können, mißtraute gar Jedem und Sonstwem? Irgend wie unlogisch der Kerl, also ich hätte das Zeugs irgendwo vergraben mit der stillen Hoffnung, es einmal wieder....irgend wann ausgraben zu können.

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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon pentium » 20. Juni 2015, 20:56

Edelknabe hat geschrieben:Was mich einmal interessiert. Wieso schleppt Einer so Napoleon seine Diamanten mit aufs Schlachtfeld...in der Kutsche? Hatte der Mann keinen anderen sicheren Ort für seine Wertgegenstände(sagen wir sein Vermögen) finden können, mißtraute gar Jedem und Sonstwem? Irgend wie unlogisch der Kerl, also ich hätte das Zeugs irgendwo vergraben mit der stillen Hoffnung, es einmal wieder....irgend wann ausgraben zu können.

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Ja Rainer-Maria und wenn du plötzlich Geld gebraucht hättest für neue Truppen z.B. oder für neue Kanonen oder was weiß ich, dann gräbst du deine Diamanten wieder aus oder wie....? Es wird Napoleons stille Wertreserve gewesen sein!

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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon pentium » 20. Juni 2015, 22:33

Die Struktur der Grande Armée von 1804 –1815

Die Artillerie

Für den Einsatz der Feldartillerie wurden nach dem Geschützsystem von Gribeauval 4-, 8- und 12-Pfünder verwendet sowie 6-Zoll-Haubitzen und 6-pfündige Mörser. Die Geschützarten wurden somit nach dem Gewicht des Geschosses unterteilt. Haubitzen wurden hingegen nicht nach dem Gewicht, sondern nach dem Kaliber benannt. Mörser und vergleichbare Geschütze mit kurzem Rohr und größerem Durchmesser wurden für Belagerungen eingesetzt.

Das am häufigsten eingesetzte Geschoss war die massive Eisenkugel, die sogenannte Vollkugel. Sie wurde gegen aufmarschierte Infanteriekolonnen und zur Bekämpfung von Hindernissen. verwendet, vor allem dann, wenn der Boden trocken und fest war, so daß das Geschoss immer wieder davon abprallte (Rollschuß). Daneben wurden von der Artillerie Büchsenkartätschen verschossen. Diese Kartätschen bestanden aus Blechbüchsen, die gefüllt mit kleine, eisernen Kugeln gefüllt waren.

Nach dem Abschuß zerplatzte diese Kartätsche, was einen tödlichen Kugelhagel auslöste. Diese Geschosse waren eine ideale Abwehr gegen massierte Infanterie und anreitende Kavallerie. Darüber hinaus wurden von der Artillerie auch Granaten eingesetzt. Granaten waren eiserne Hohlgeschosse, die mit Schwarzpulver gefüllt waren und am Ziel durch einen Zünder zum Detonieren gebracht wurden.

http://www.8eme.de/Franz_Armee_Artillerie.php

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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon Edelknabe » 21. Juni 2015, 12:30

Siehe Pentium mit:

"Granaten waren eiserne Hohlgeschosse, die mit Schwarzpulver gefüllt waren und am Ziel durch einen Zünder zum Detonieren gebracht wurden."
Textauszug ende

Wie zum Detonieren? Durch den Zünder? 1813? Was für ein Zünder und wurde der vorher (vor Abschuss)schon angezündet...etwa per Zündschnur? Wie funktionierte das?

Rainer-Maria entschuldigt, ich weiß, ich war nicht der fleißigste Schüler.Habe auch nicht studiert, so wie der Dille.
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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon pentium » 21. Juni 2015, 12:43

Edelknabe hat geschrieben:Siehe Pentium mit:

"Granaten waren eiserne Hohlgeschosse, die mit Schwarzpulver gefüllt waren und am Ziel durch einen Zünder zum Detonieren gebracht wurden."
Textauszug ende

Wie zum Detonieren? Durch den Zünder? 1813? Was für ein Zünder und wurde der vorher (vor Abschuss)schon angezündet...etwa per Zündschnur? Wie funktionierte das?

Rainer-Maria entschuldigt, ich weiß, ich war nicht der fleißigste Schüler.Habe auch nicht studiert, so wie der Dille.


Man Rainer-Maria, es waren z.B. Luntenzünder, die waren mit einem Pulversatz versehen, der beim Abfeuern von der Treibladung in Brand gesetzt wurde. Somindestens im 18. Jahrhundert.

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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon Edelknabe » 21. Juni 2015, 16:17

Hatten wir das hier eigentlich schon, denn das sind so Themen die bestimmt interessant sind, also wie das damals so abging, mit:

"Wie stelle ich denn nun eine Armee auf, für meine Ziele so der Napoleon, wo nehme ich eigentlich die ganzen jungen Kerlchen her, woher das Offizierkorps, und werden die Jungs auch für mich kämpfen, die tausende Kilometer mitmarschieren, dahin, wo ich hin will und wie komme ich zu Pferden, Wagen(abkaufen oder beschlagnamen?), dann zu der ganzen Esserei, zum Wein, zum Branntwein, zur Ausrüstung angefangen von der Uniform bis hin zum Gewehr?

War das nun Gewalt, Zwang, Freiwilligkeit, Naivität, fremde Länder sehen wollen, gar Vaterlandsliebe oder was war das damals, da doch noch keine Wehrpflicht existierte?

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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon pentium » 21. Juni 2015, 17:50

Edelknabe hat geschrieben:Hatten wir das hier eigentlich schon, denn das sind so Themen die bestimmt interessant sind, also wie das damals so abging, mit:

"Wie stelle ich denn nun eine Armee auf, für meine Ziele so der Napoleon, wo nehme ich eigentlich die ganzen jungen Kerlchen her, woher das Offizierkorps, und werden die Jungs auch für mich kämpfen, die tausende Kilometer mitmarschieren, dahin, wo ich hin will und wie komme ich zu Pferden, Wagen(abkaufen oder beschlagnamen?), dann zu der ganzen Esserei, zum Wein, zum Branntwein, zur Ausrüstung angefangen von der Uniform bis hin zum Gewehr?

War das nun Gewalt, Zwang, Freiwilligkeit, Naivität, fremde Länder sehen wollen, gar Vaterlandsliebe oder was war das damals, da doch noch keine Wehrpflicht existierte?

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Keine Wehrpflicht? Trifft so nur für die englichen Truppen zu, denn die Franzosen hatten seit 1793 bzw. 1798 mit der Levée en masse (frz. für ‚Massenaushebung‘) eine Form der Wehrpflicht. Die Preußen führten 1814 die Wehrpflicht ein, Rainer-Maria. Nur die Engländer hatten eine Kaderarmee, welche durch mehr oder weniger Freiwillige verstärkt wurde.

Zitat:
Wellington hatte Bedenken bezüglich der Loyalität seiner Truppen. Seine Armee ist ein multinationaler Verband, rund zwei Drittel stellen die Niederländer und die deutschen Fürsten von Hannover, Braunschweig und Nassau. Nur ein Drittel seiner rund 106.000 Soldaten sind Briten.
Besondere Sorge bereitet ihm das 30.000 Mann starke niederländische Korps. Ein Teil der Offiziere, besonders diejenigen aus Belgien, hegen mehr oder weniger offene Sympathien für Napoleon und sein Empiré. Viele Soldaten hatten zuvor für den Korsen gefochten, tragen sogar noch ihre französischen Uniformen und Orden. Bei den Deutschen sieht es nicht viel besser aus. Die Streitkräfte aus Hannover und Braunschweig bestehen teils aus kampfunerfahrenen Landwehreinheiten, teils aus Veteranen des aufgelösten napoleonischen Vasallenkönigreiches Westfalen, teils aus Rückkehrern deutscher Freiwilligenverbände aus Spanien. Nassau war bis zum Herbst 1813 mit Napoleon verbündet.
Wie bei den Niederländern auch, sind die neuen Strukturen noch nicht eingespielt, der Ausbildungsstand ist uneinheitlich und die Loyalität zu den neuen alten Landesherren nicht immer groß.
Und die britischen Divisionen? Schmerzlich fehlen Wellington seine kampferprobten Truppen aus dem spanischen Feldzug. Sie waren 1814 nach Nordamerika verschifft worden und werden nicht mehr rechtzeitig in Europa eintreffen. So muss er auch bei seinen Landsleuten zum Teil auf Milizen und unerfahrene Soldaten setzen...]

Blücher ist von der Kampfkraft seiner eigenen Armee nicht voll überzeugt. Sorgen bereiten ihm vor allem die Sachsen. Auf dem Wiener Kongress war Sachsen gezwungen worden, rund zwei Drittel seines Territoriums an Preußen abzugeben. Als Blücher daraufhin anordnete, die sächsischen Soldaten, die aus den zu Preußen kommenden Gebieten stammen, in die preußische Armee einzugliedern, war es zu einer Meuterei gekommen. Die Soldaten verlangten, zuerst von ihrem Eid auf den sächsischen König entbunden zu werden. Blücher selbst hatte sich in seinem Quartier vor aufgebrachten Soldaten verschanzen müssen.

Zwar wurde die Meuterei niedergeschlagen, doch das Misstrauen bleibt. Lieber lässt Blücher das komplette sächsische Kontingent – immerhin 15.000 Soldaten – nach Hause entlassen, als mit potentiellen Meuterern in den Krieg zu ziehen. Und um die preußische Armee steht es nicht viel besser. Rund die Hälfte der Soldaten stammt aus den 1814 gewonnenen Gebieten am Rhein. 20 Jahre hatten sie unter französischer Herrschaft gelebt, hatten für Napoleon gekämpft. Hier ist die Desertionsrate besonders hoch, ein Viertel der eingezogenen Soldaten wird fahnenflüchtig.

quelle: napoleonwaterloo

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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon Sirius » 21. Juni 2015, 18:17

HPA hat geschrieben:Sirius, man kannte und verschoss damals schon mittels Artillerie Granaten.Meines Wissens schon seit dem 17. Jh. Teilweise sogar schon früher.


Ja, es gab schon Granaten. In dieser Fernsehdokumentation ist davon die Rede, dass in Waterloo "meistens" Vollkugeln verschossen wurden. Leider wurde das "meistens" nicht näher quantifiziert, um eine genauere Vorstellung zu bekommen. Die Aussage, dass keine Granaten verschossen wurden, ist demnach falsch.

Anzumerken wäre dann noch, dass es Granaten mit Aufschlagzündern ab 1861 gab.
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Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon Edelknabe » 22. Juni 2015, 07:50

Danke Pentium mit dem kleinen Querbeet durch die damaligen Armeen. Und wie sah das eigentlich mit dem monatlichen(oder war es wöchentlich) Sold aus, was blieb denn davon übrig? Und wo bunkerte Soldat über die Jahre fern von Zuhause das Ersparte oder gab es da so ne Art "Truppensparkasse"? Was musste Soldat für Verpflegung, Trinken so Alkohol bezahlen siehe die Marketenderinen, was kostete das für körperliche Liebe bei den Freudenmädels, wenn vorhanden in der Truppe?

Gab es so ne Art Truppengeschirr oder hatte Jeder seine eigene Schüssel, den Trinkbecher?

Wo lagerte die Truppe wenn gerade mal nicht gekämpft wurde, in eine Art Zeltlager oder gab es schon feste Bauten so Kasernen? Genug der Fragen erst einmal.Was noch interessant wäre so büxte Einer aus,(Fahnenflucht) wie fand der Kerl eigentlich Nachhause. Eventuell Kompass oder Stand der Sonne/der Sterne oder immer der Nase nach? Musste er sich besser der Uniform entledigen denn das wäre ja aufgefallen oder konnte er voll bewaffnet doch besser Nachhause kommen?

Rainer-Maria und mit was (konkret) wischte sich damals Mann, Frau den Hintern ab, was nahm junge Frau bei monatlicher Menstruation und was zur Verhütung so die Prostituierten?

Einen guten Tag allen ins Forum
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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon Edelknabe » 25. Juni 2015, 07:01

Habe das einmal hier herüber geholt. Gerade, weil mich eben der Mensch, der Einzelne interessiert, der aus der Masse....eben den unten aufgeführten 400.000 Soldaten.

Siehe also unser Pentium mit:
"24. Juni

1812 - Napoléon greift Russland an. Die Grande Armée überschreitet mit ca. 400.000 Soldaten die Memel."
Textauszug ende

Wenn ich mir mal so überlege, jetzt liefen Die also los, Tag ein, Tag aus, denn die Truppe unter dem Napoleon wollte ja nach Moskau. Wie viele Kilometer waren das gleich? Und wie viele Tage mussten Die da laufen und die absolvierten Kilometer am Tag wären dabei auch noch interessant? So etwas geht unter Garantie auf das Schuhwerk, die Stiefel und Hufe der Pferde und gab es da auch Hufschmiede, Sattler,Schuster bei der Truppe, wer weiß das?

Und was war mit Welchen, die dabei, bei der ganzen Latscherei Fusslahm wurden, oder krank, wurden Die dann in die Wagen gepackt und wann, zu welcher Zeit wurde gegessen so früh, Mittags oder Abends und wer kochte da und wie lange wurde genächtigt ....und was wurde geträumt...aber ne, Letzteres war jetzt Humor Männer.

Nu los geht es, sonst schläft mir der Fred noch ein.

Rainer-Maria also Männer, erinnert sich Einer von Euch noch des Härtetest mit dem Gewaltmarsch? Waren das nicht 25 Kilometer am Tag? Ich zarter Jüngling war fix und fertig, konnte meine EinstrichKeinstrich auswringen, fiel dann wie tot ins Zelt, fror noch dazu wie ein Schloßhund, wir wärmten uns wohl gegenseitig ohne gleich schwul zu werden....und das war nur" EIN TAG"....ich habe es mal besser groß geschrieben.
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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon pentium » 25. Juni 2015, 10:31

Man Rainer-Maria, was für Vorstellungen hast du eigentlich von einem Feldzug in jener Zeit?
Erst mal hat sich die Marschleistung der Soldaten seit der Antike nicht viel geändert, die Legionen Roms marschierten etwa 30 km am Tag. Man kann davon ausgehen, dass die Grande Armee beim Vormarsch auf Moskau etwa dasselbe Tempo hatte.

Aus dem Tagebuch des Capitains Theodor von Papet über den Feldzug in Russland 1812

Die Franzosen hatten ihre Invasionsarmee wie folgt aufgestellt: Die erste Linie bildete die Zentralarmee von 450.000 Mann bestehend aus der kaiserlichen Garde und den Armeekorps Davout (I.), Oudinot (II.), Ney (III.) und Murat (Reiterreserve). Zu ihrer Unterstützung dienten die Korps Eugène (IV.) und Jérôme (VIII.). Das Korps Macdonald (X.) hatte die Nordflanke, das Korps Schwarzenberg (XII.) die Südflanke der Zentralarmee zu sichern. In der zweiten Linie standen 165.000 Mann als Verstärkungsreserve (Korps Victor (IX.) und Augerau (XI.)). In der dritten Linie blieben 60.000 Mann als Besatzung der Festungen in Preussen und Polen zurück.

Die Strapazen des Vormarsches mit schwierigsten Strassen-, Wetter- und Versorgungsbedingungen werden im Tagebuch nüchtern beschrieben. Hinter den Zeitangaben von bis zu 10-stündigen Märschen pro Tag verbergen sich oft Marschleistungen von ca. 50 km an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen.
Auf dem Vormarsch: Schlacht von Smolensk (17. August), Schlacht von Moshaisk/Borodino (7.September), Einnahme von Moskau (14. September) Auf dem Rückzug: Schlacht von Viasma (3. November), Schlacht bei Krasnoye (17. November)...]

Wenn du also die Daten vergleichst Rainer-Maria, Smolensk am 17.August, kannst du dir ausrechnen wie schnell der Vormarsch war.

Zitat:
Die ausreichende Versorgung der Marschierenden bricht schon am Beginn des Russlandfeldzuges zusammen. Die seit 1811 angelegten Magazine und Getreidelager erweisen als zu weit entfernt von der Marschroute der Truppen. Das Prinzip, sich aus dem Land, das die Armee durchzieht selbst zu ernähren, versagt bei Heeresstärken über 100.000 Mann. Verschärft wird das Versorgungsproblem durch die befohlene hohe Marschleistung. Dem sind Tross und Versorgungstransporte nicht gewachsen. So setzt in manchen Einheiten noch im befreundeten Großherzogtum Warschau der Hunger ein. Darunter leidet vor allem die Disziplin. Auf der Suche nach Essbarem und vor allem Trinkwasser verlassen viele Soldaten ihre Einheiten. Schätzungen gehen davon aus, dass schon in den ersten sechs Wochen 50.000 Mann der Grande Armée desertieren um zu überleben...]

http://programm.ard.de/TV/Programm/Send ... 8745105388

So viel erst mal. Wir sind ja schließlich im Waterloo-Thread, also am Ende der Geschichte....

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Re: Schlacht von Waterloo - 18. Juni 1815

Beitragvon pentium » 18. August 2015, 18:00

Nachtrag!

Weil er die falsche Darstellung in einem Schlachten­gemälde kritisierte, wurde Ernst Carl Külbel 1860 der Prozess gemacht.

Um 1835 schuf der Dresdner Professor Johann Friedrich Matthäi ein Gemälde für die „Waterloo-Galerie in London“[10] (wohl die Galerie, die sich in Wellingtons Londoner Wohnsitz, Apsley House befindet). Er nannte es „Tod des Schwarzen Herzogs“. Dieses Bild wurde um 1835 in einer Ausstellung zum Gedenken an den Schwarzen Herzog in der Braunschweiger Aegidienkirche, die damals nicht als Kirche, sondern als Ausstellungsraum genutzt wurde, ausgestellt.

Külbel erfuhr von dem Gemälde und ging in die Ausstellung, um es in Augenschein zu nehmen. Zu seiner großen Überraschung stellte er fest, dass das Dargestellte überhaupt nicht den historischen Fakten entsprach, die Külbel als unmittelbar Beteiligter des Geschehens kannte. Nicht nur hatte Matthäi das Leibbataillon als in Auflösung und Flucht begriffen dargestellt, was Külbel vehement bestritt, er urteilte darüber hinaus:

„Das Bild stellte einen völligen Paradezug dar; der Durchlauchtigste Herzog, umgeben von seinem Generalstabe, wie bei einem großen Manöver, nahm das Centrum ein; die Blässe des Gesichts zeigte an, daß der Augenblick seiner Verwundung gewählt war. Er sinkt nach der Idee des Malers oder seines Berichterstatters den Herren v. Wachholz und v. Bause in die Arme. – Waren diese Herren gegenwärtig gewesen? Hatten sie dem Durchlauchtigsten Herrn in diesem gefahrvollen Augenblicke zur Seite gestanden? – Ich muß diese Fragen entschieden verneinen, denn außer mir und meinen Gefährten war Niemand zugegen.“

– E. C. Külbel: Die letzten Augenblicke unsers Durchlauchtigsten Herzogs …. S. 9–10.

Hier die ganze Geschichte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Carl_K%C3%BClbel

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