Zwangsadoptionen in der DDR

Es gab zwischen beiden deutschen Staaten große Unterschiede in der Sozialpolitik (welche ja eine der Philosophien des DDR-Sozialismus war). Wo lagen die Unterschiede? Wie effektiv waren beide Sozialsysteme? Was war ungerecht, was war gerecht? Wie ist es im Vergleich zu heute?
Der Bereich für Diskussionen zu den Sozialen Systemen der beiden deutschen Staaten.

Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 4. Mai 2018, 14:30

Und da gab es mal User die behauptet hatten, daß gäbe es alles nicht. [denken]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon karnak » 4. Mai 2018, 15:34

Das ist deswegen so weil in solchen Fällen immer eine staatliche Behörde entscheidet , sind die leiblichen Eltern aus den unterschiedlichsten Gründen in der Lage ein Kind zu betreuen und im Sinne und nach den Wertvorstellungen der Gesellschaft zu erziehen oder nicht. Solche Entscheidungen werden immer für irgendjemanden problematisch sein. Und so glaube ich z.B. nicht, dass es einen einzigen Fall dieser staatlich verordneten Adoptionen gibt bei denen den Eltern NUR aus Grund einer politischen oder religiösen Überzeugung das Erziehungsrecht entzogen wurde. Die das von sich behaupten, nicht inhaftiert wurden, die Haltbarkeit des Grundes mal beiseite gelassen, das Land verlassen haben und die Fragwürdigkeit der Verweigerung des eigenen Wohnortes auch beiseite gelassen, natürlich werden die das tun, würde ich auch nicht anders machen,besonders in einer Zeit in der man in jeden Fall ein Schulterklopfen bekommt, niemand auch nur auf die Idee kommen würde mal etwas genauer hinzuschauen, das böse Gesicht der "Rädelsführerin" dieser Zwangsadoptionen vor Augen, keiner würde sich das trauen und Ergebnisse öffentlich machen, weil sich das nach entsprechend gültigen Zeitgeist nicht gehört, dazu ist eine ganz spezielle Form von Geschichtsaufarbeitung schon viel zu weit vorangeschritten ohne dass man dafür nicht in der Luft zerissen würde.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 4. Mai 2018, 15:50

Kristian, und die vielen Kinder, die angeblich den Eltern als Totgeburt geraubt wurden, blendest Du aus?
Wie hoch mag die Dunkelziffer sein? Nicht jedes Elternpaar wird den plötzlichen Säuglingstod angezweifelt haben. Manch einer wird es geahnt haben, aber sich nie getraut haben, zu rebellieren.
Wie viele ergaben sich ihrem Schicksal, dass letztendlich eine Hexe mit blauen Haaren verursachte oder mindestens alimentierend begünstigte.
Diese Verbrechen bleiben immer Verbrechen.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon karnak » 4. Mai 2018, 15:56

Wenn es denn so war waren es massive Gesetzesverstöße, kriminelle Aktivitäten. Gibt es denn nun staatsanwaltliche Ermittlungsergebnisse die das zweifelsfrei belegen ? Wenn ja bin ich völlig auf der Seite derer die solche Vorwürfe erheben.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 4. Mai 2018, 17:55

Beitragvon karnak » 4. Mai 2018, 15:56
Wenn es denn so war waren es massive Gesetzesverstöße, kriminelle Aktivitäten. Gibt es denn nun staatsanwaltliche Ermittlungsergebnisse die das zweifelsfrei belegen ? Wenn ja bin ich völlig auf der Seite derer die solche Vorwürfe erheben.


Du musst einfach nur verstehend lesen, dann brauchtest du nicht nach Beweisen fragen und wieder einmal Fakten anzweifeln. Einfach paradox, da du selbst ja nie Beweise deiner Bestreiterei und Schonrederei lieferst, sondern leider immer nur auf deine verquere Logik verweist.

Dir scheint ja noch nicht einmal klar zu sein, dass deine ehemaligen Genossen permanent kriminelle Aktivitäten entwickelten und ebenfalls permanent Verstöße gegen die eigenen Gesetze begingen.

Hauptsache erst einmal alles bestreiten. [flash]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon karnak » 4. Mai 2018, 19:40

Ich frage nicht nach Beweisen und ich streite auch nichts ab, ich möchte einfach nur wissen ob es wegen der Zwangsadoptionen irgendwann mal staatsanwaltliche Ermittlungen gab und welche Ergebnisse aus diesen hervorgegangen sind. Sollte davon was in Deinen Beiträgen stehen kannst Du mir ja mal einen Tipp geben.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Beethoven » 5. Mai 2018, 06:13

Nach der Wende hörte ich auch davon, dass man Eltern die Kinder weg nahm. Was dran ist weiß ich nicht.

Wenn es aber geschah, dann ist das eine bodenlose Schweinerei, die für meine Begriffe bis zum letzten Kind aufgeklärt werden müssten
und die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass solche Taten bereits
verjährt sind - leider.

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 5. Mai 2018, 06:37

@karnak ist es Altersstarrsinn oder was treibt dich immer wieder zu deinen Verschönerungen des sozialistischen unrealen Lebens? Das war doch bekannt, selbst zu DDR Zeiten.

Andererseits sind wir in der Zone ja noch mit dem blauen Auge davon gekommen, kein Vergleich zu den Verbrechen in anderen kummunistisch geprägten Staaten.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon karnak » 5. Mai 2018, 08:00

AkkuGK1 hat geschrieben:@karnak ist es Altersstarrsinn oder was treibt dich immer wieder zu deinen Verschönerungen des sozialistischen unrealen Lebens? Das war doch bekannt, selbst zu DDR Zeiten.

Andererseits sind wir in der Zone ja noch mit dem blauen Auge davon gekommen, kein Vergleich zu den Verbrechen in anderen kummunistisch geprägten Staaten.

Mich treibt überhaupt nichts zu Verschönerungen, mein Altersstarrsinn hält sich auch noch in Grenzen, und die DDR, SED und Stasi ist mir schon seit ewigen Zeiten völlig gleichgültig, ich lasse mir eben nur nicht gerne irgendwas erzählen was anderen ins Konzept passt. Gerade damit bin ich nämlich schon mal gewaltig auf die Fresse gefallen. Ich möchte wissen und mir nicht erzählen lassen " was selbst zu DDR Zeiten bekannt war" Zu DDR Zeiten war auch bekannt, dass der Schnitzler x Mal verheiratet war, Lotte Ulbricht in der Schweiz in einer Villa wohnt, nach der Wende ist man sogar mit Rentnerbussen an einer Villa vorbei gefahren in der sie wohnt. [flash] , für sowas bin ich nicht zu haben, dass Kampfgruppen gegen die Unmenschlichkeit sich mit solcher Erzählerei zufrieden geben ist mir schon klar, mehr braucht man nicht, ich schon.
Also, was ist denn nun, haben Staatsanwaltschaften der Bundesrepublik Ermittlungen wegen Zwangsadoptionen aufgenommen und die dann auf Grund von Verjährungsfristen eingestellt oder nicht, zumindest dass wäre zwangsläufig gewesen. Haben Personen die die DDR verlassen und ihre Kinder dort zurückgelassen Anzeige wegen Zwangsadoption gestellt oder nicht, in dem Fall vor einer Verjährungsfrist und wurde daraufhin eine Staatsanwaltschaft aktiv und wenn nicht ,warum nicht, sind solche Anzeigen in Salzgitter dokumentiert worden?
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 5. Mai 2018, 14:33

wurde daraufhin eine Staatsanwaltschaft aktiv und wenn nicht ,warum nicht, sind solche Anzeigen in Salzgitter dokumentiert worden?


Na da hast du doch die Antwort schon gegeben, denn wie du wohl noch weißt, wurden alle Ermittlungen in Salzgitter unter den Tisch fallen gelassen.

Dabei wurden nach 1989 gut 62.000 Ermittlungsverfahren eingeleitet und da werden wohl auch viele wegen "Rechtsbeugung" dabei gewesen sein und Zwangsadoptionen
sind wohl genau das.

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Grenzwolf62 » 5. Mai 2018, 15:03

Es gab damals echt viele Assis wo die Kindesherausnahme nicht das Schlechteste war, der Assiparagraph wurde aber von Staatswesen auch mißbraucht im missliebige Leute zu, wie hieß das in Stasideutsch, etwas auf Linie zu bringen.
Die Abwägung ob das Eine oder das Andere praktiziert wurde ist schwer abzugrenzen, zumal es auch bei den bösen Ministerien, ob nun Volksbildung, Inneres oder Stasi Unterschiede gab, ich würde sagen 90% bei denen machten ihren Job ohne jemanden zu schaden, 10% waren lupenreine Verbrecher an ihrem Volk die man mindestens 10 Jahre zur Buße hätte locker einbuchten können, aber gerade die dicken Fische von denen guckten nicht durch Gitter, die waren dann wieder die Elite in der freien Wirtschaft von dem Geld das diese Gauner zur Seite schaffen konnten.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 5. Mai 2018, 16:36

karnak hat geschrieben:
AkkuGK1 hat geschrieben:@karnak ist es Altersstarrsinn oder was treibt dich immer wieder zu deinen Verschönerungen des sozialistischen unrealen Lebens? Das war doch bekannt, selbst zu DDR Zeiten.

Andererseits sind wir in der Zone ja noch mit dem blauen Auge davon gekommen, kein Vergleich zu den Verbrechen in anderen kummunistisch geprägten Staaten.

Mich treibt überhaupt nichts zu Verschönerungen, mein Altersstarrsinn hält sich auch noch in Grenzen, und die DDR, SED und Stasi ist mir schon seit ewigen Zeiten völlig gleichgültig, ich lasse mir eben nur nicht gerne irgendwas erzählen was anderen ins Konzept passt. Gerade damit bin ich nämlich schon mal gewaltig auf die Fresse gefallen. Ich möchte wissen und mir nicht erzählen lassen " was selbst zu DDR Zeiten bekannt war" Zu DDR Zeiten war auch bekannt, dass der Schnitzler x Mal verheiratet war, Lotte Ulbricht in der Schweiz in einer Villa wohnt, nach der Wende ist man sogar mit Rentnerbussen an einer Villa vorbei gefahren in der sie wohnt. [flash] , für sowas bin ich nicht zu haben, dass Kampfgruppen gegen die Unmenschlichkeit sich mit solcher Erzählerei zufrieden geben ist mir schon klar, mehr braucht man nicht, ich schon.
Also, was ist denn nun, haben Staatsanwaltschaften der Bundesrepublik Ermittlungen wegen Zwangsadoptionen aufgenommen und die dann auf Grund von Verjährungsfristen eingestellt oder nicht, zumindest dass wäre zwangsläufig gewesen. Haben Personen die die DDR verlassen und ihre Kinder dort zurückgelassen Anzeige wegen Zwangsadoption gestellt oder nicht, in dem Fall vor einer Verjährungsfrist und wurde daraufhin eine Staatsanwaltschaft aktiv und wenn nicht ,warum nicht, sind solche Anzeigen in Salzgitter dokumentiert worden?



ich habe eher den Eindruck, dass Du diese Aussage nur als Schild oder eine Art Ausrede/Selbstschutz nutzt, bewusst oder unbewusst.

E.von Schnitz war 4 mal verheiratet... das ist dann doch etwas über den Durchschnitt!

Ja eine Menge Unsinn wurde erzählt in der DDR, aber es gab eben auch viele Sachen, die stimmten, weil die eben nicht von Hörensagen kamen, sondern von Augenzeugen. Ich kannte eben die Vorgänge bei Erichs Staatsjagden von unseren Smut, der immer abkommandiert wurde zu den Anlässen, oder ein Arbeitskollege war bei Felix D. und konnte auch einiges erzählen über Wandlitz. Die Gerüchte über die Jugendwerkhöfe - haben im nachhinein alle gestimmt. Was mit Walters Witwe war - wayne. Erichs Witwe war aber wohl im Ausland im Exil...
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Wosch » 5. Mai 2018, 21:09

Da gab es mal den Film "Die Frau vom Check-Point Charly".
Wenn ich mich nicht irre basierte der doch auf reales Geschehen. Ich kann mich persönlich an die Frau erinnern, denn ich bin bei meinen Berlin-Fahrten mehrere Male extra zu diesem Übergang gefahren bevor oder nachdem ich die Prinzenstraße-Heinrich Heinestraße als Übergang benutzt hatte.

Mit schönem Gruß aus Kasel. [hallo]

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 6. Mai 2018, 08:41

Dazu passt auch diese Biografie einer Zwangsadoptierten

Bild
Autoren: Katrin Behr, Peter Hartl
Verlag: Droemer
Seitenzahl: 304 (Hardcover)
ISBN: 3-426-27566-X / 978-3-426-27566-5
Dieses Buch können Sie u.a. bei Amazon erwerben.


Inhalt:
Es ist ein kalter Morgen, als die Männer in den langen, dunklen Mänteln kommen und ihre Mutter abholen. Vier Jahre ist Katrin Behr damals alt. Ihr Bruder und sie werden in ein Heim gebracht und bald schon voneinander getrennt: Katrin wird von einer linientreuen Familie aufgenommen und schließlich zwangsadoptiert. Ihre Welt ist aus dem Lot. Noch viele Jahre wartet sie auf die Rückkehr ihrer Mama – vergebens. Erst als Erwachsene, nach dem Fall der Mauer, findet sie endlich eine Spur, die zu ihrer Mutter führt. Doch diese ist eine gebrochene Frau, viele Jahre in Haft haben sie gezeichnet. Und je mehr Katrin Behr sich mit ihrer eigenen Geschichte befasst, in Archive und auf Ämter geht, um Licht in die Vergangenheit zu bringen, desto mehr Schicksale begegnen ihr: Tausende von Kindern wurden in der DDR ihren Eltern weggenommen, weil diese politisch missliebig oder potenzielle Republikflüchtlinge waren. Und sie suchen noch heute nach ihren wahren Familien.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 6. Mai 2018, 11:16

Wosch hat geschrieben:Mit schönem Gruß aus Kasel. [hallo]

Wosch.


Wo ist das denn? Hier:?
https://www.google.de/maps/place/Kasel/ ... d6.7347321

Schönen Sonntag! [grins]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Wosch » 6. Mai 2018, 12:07

augenzeuge hat geschrieben:
Wosch hat geschrieben:Mit schönem Gruß aus Kasel. [hallo]

Wosch.


Wo ist das denn? Hier:?
https://www.google.de/maps/place/Kasel/ ... d6.7347321

Schönen Sonntag! [grins]
AZ




Danke Dir für das "nette" Gespräch.

[sick]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 6. Mai 2018, 12:20

Wosch hat geschrieben:Danke Dir für das "nette" Gespräch.

[sick]
Wosch.


Immer wieder gern. Aber nicht das du dich bevorzugt behandelt fühlst. [grins]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Wosch » 6. Mai 2018, 12:30

augenzeuge hat geschrieben:
Wosch hat geschrieben:Danke Dir für das "nette" Gespräch.

[sick]
Wosch.


Immer wieder gern. Aber nicht das du dich bevorzugt behandelt fühlst. [grins]
AZ

H




nein, aber ich bin mir Deiner besonderen Aufmersamkeit ziemlich sicher. [sick]

Wosch.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 6. Mai 2018, 12:55

Also mal kurz rück erinnert.

Wenn ein DDR Bürger in Giessen ankam, da war es mit das erste, dass er gefragt wurde, ober er etwas über Verbrechen der DDR Führung oder Rechtsbeugung in der DDR weiß.
Wenn ihm nun selbst sein Kind weggenommen wurde, so landete das somit sofort in Salzgitter und wurde mit allen Daten erfasst. Liegt ja wohl auf der Hand.

Somit wurden dann nach 89 auch die entsprechenden Ermittlungsverfahren von Salzgitter aus, eingeleitet.

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 18. Mai 2018, 08:29

Das Unrecht um in der DDR gestohlene Kinder vergeht nicht

Hunderte Neugeborene wurden in der DDR für tot erklärt, tatsächlich aber zur Adoption freigegeben. Die Politik könnte den Schmerz der Eltern lindern.

Das wird ein schmerzvoller Termin im Bundestag. Der Petitionsausschuss lädt für den 25. Juni neben Sachverständigen auch Betroffene zur Anhörung über „Zwangsadoptionen und staatlichen Kindesentzug in der DDR“.

Was lange her zu sein scheint, wird gegenwärtig werden. Dank der „Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR“ mit ihren 1500 Mitgliedern.

Kinder, Neugeborene, wurden von staatlichen Stellen für tot erklärt, tatsächlich aber zur Adoption freigegeben. Oder Eltern wurden zur Freigabe gezwungen. Da geht es um 300 bis 400 Fälle.

Die Abgeordneten können den Schmerz lindern

Was bei der Aufklärung helfen würde, steht schon vor der Anhörung fest. Die Aufbewahrungsfristen für Akten in Geburtskliniken müssten verlängert und eine zentrale Clearingstelle eingerichtet werden.

Außerdem müsste es eine gesetzliche Auskunftspflicht für alle Adoptivstellen geben. Unrecht vergeht auch so zwar nicht – aber die Abgeordneten können das Ihre tun, den Schmerz zu lindern.

https://www.tagesspiegel.de/politik/cas ... 80084.html

Wer wurde eigentlich für solche unmenschlichen, widerwärtigen Machenschaften zur Rechenschaft gezogen?
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 26. Juni 2018, 08:58

Die verlorenen Kinder der DDR

Sie hat ihre Tochter nie gesehen. Sie sei tot, sagte man ihr nach der Geburt. In Akten jedoch steht etwas anderes. So wie Katrin Huhnholz sehen sich 160 Mütter und Väter als Opfer der DDR.

Drei Schritte neben dem Terrarium, wo zwei Leopardengeckos regungslos im Sand glotzen, steht der Esszimmertisch. Eine dunkelblaue Decke liegt darauf, eine rote Kerze steht in der Mitte. Hier hätte Katrin Huhnholz Kaffee und Kuchen serviert. Hier hätte sie mit der Frau, die ihrer Nichte so verblüffend ähnlich sieht, geredet. Hier hätten die beiden Baby-Fotos betrachtet, Aufnahmen von Huhnholz’ Kindern und Fotos der Besucherin als Säugling. Hier hätten sie vor allem die wichtige Frage besprochen: Wann macht die Besucherin einen Erbgut-Test?

Dann, mit dem Ergebnis, hätten sie endlich die Antwort auf eine noch viel wichtigere Frage gehabt: War die fremde Frau, die hier in dieser kleinen Wohnung in Leipzig Kaffee hätte trinken sollen, die leibliche Tochter von Katrin Huhnholz?

Am 17. Februar 2018 wollten sie sich treffen. So war der Plan.

Der Plan ging schief.

Die Frau ist nie aufgetaucht, es gibt keinen DNS-Test, es gibt keine Antwort.

Vier Monate später sitzt Katrin Huhnholz am Esszimmertisch vor einem dicken Ordner und blättert Dutzende Dokumente durch, auf denen „Totenschein“ steht und „Autopsiebericht“ oder „gynäkologische Anamnese“. In diesem Ordner ist die Tragik im Leben der Katrin Huhnholz, 53 Jahre alt, Verkäuferin, dokumentiert. Sie blättert, schaut hoch, blättert wieder, schaut wieder hoch, irgendwann sagt sie: „Ich komme jetzt nicht mehr weiter. Da ist ein Gefühl der Ohnmacht.“ Die Trauer liegt weniger im Tonfall, sie ist in den Augen zu sehen, in den Blicken hinter der braunen Hornbrille.

Ihr Verdacht klingt ungeheuerlich

Die 53-Jährige, in Leipzig geboren und aufgewachsen, hat einen Verdacht. Einen, der ungeheuerlich klingt. Der Verdacht lautet: Ihre erste Tochter, nach Mitteilung der Ärzte in Leipzigs Universitätsklinik 1985 bei der Geburt gestorben, ist gar nicht tot. Die Ärzte haben gelogen und Huhnholz’ Tochter lebte, wurde im Krankenhaus weitergereicht, verkauft. Verkauft gegen Devisen an ein Ehepaar aus dem Westen, das ein Kind adoptieren wollte. Alles überwacht von der Stasi.

Der erschütternde Bericht geht hier weiter:
https://www.tagesspiegel.de/themen/repo ... 34108.html
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 26. Juni 2018, 11:20

Ich hoffe, da finden einige noch zueinander.
Früher gab's mal einen emotionalen User, der meinte, es gab keine Zwangsadoptionen in der DDR.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Zicke » 26. Juni 2018, 11:42

die Frau ist heute 50 Jahre, demnach bei der Geburt ihrer Tochter, 17. D müssten doch auch Eltern oder zumindest ein Elternteil etwas wissen.
Auch im Suchportal sind einige verworrene Jahreszahl angegeben. (Klinikaufenthalt 1991)
https://suchpool-zwangs-adoption.de/wp- ... /10071.pdf
z

Doch wenn ich all jene, die mir nicht in den Kram passen, deren Ansichten vielleicht irgendwie rechts sind, weiterhin Nazis nenne, dann ist das nicht nur faktisch falsch. Ich schmälere damit letztendlich auch das Andenken an die Opfer des NS-Regimes.

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 26. Juni 2018, 15:43

Zicke hat geschrieben:die Frau ist heute 50 Jahre, demnach bei der Geburt ihrer Tochter, 17. D müssten doch auch Eltern oder zumindest ein Elternteil etwas wissen.
Auch im Suchportal sind einige verworrene Jahreszahl angegeben. (Klinikaufenthalt 1991)
https://suchpool-zwangs-adoption.de/wp- ... /10071.pdf


Ok, Schreibfehler. Es ist jedoch absolut nicht nachvollziehbar, dass eine Frau ein Kind bekommt, Wochen mit dem Kind im KH liegt, und ihr das weggenommen wird, sie danach nie erfährt, wohin es gebraucht wurde.

Sie wurde auch auf sämtlichen Ämtern angemeldet, komisch wo sie doch nicht lebte.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 7. Juli 2018, 14:51

Lebt Juliane? Mutter sucht totgeglaubtes Kind

Christa Steenvoorden sucht ihre 1977 angeblich ums Leben gekommene Tochter. Um sich Gewissheit zu verschaffen, möchte sie das Grab öffnen lassen. Das verbietet die Stadt Sassnitz und stößt auf Proteste von Unterstützern der Mutter.

Bild
1 Quelle: Uwe Driest

Der Fall einer Mutter, die ihre seit 1977 tot geglaubte Tochter sucht, schlägt derzeit auf der Insel Rügen Wellen. Christa Steenvoorden (66) lebt seit 40 Jahren mit dem Gefühl, dass ihre Tochter Juliane noch leben könnte. Der Tod des damals dreijährigen Mädchens könnte von den Behörden vorgetäuscht worden sein, um das Kind zur Zwangsadoption freizugeben, so die Mutter. Vor einigen Jahren begann sie daher, in Archiven zu recherchieren und machte Ungereimtheiten aus.


Nachdem sie vor zwei Jahren auch noch den anonymen Anruf einer Frau erhalten habe, die sie ermutigte, nach ihrer noch lebenden Tochter zu suchen, beantragte sie, das Grab ihrer Tochter zu exhumieren. Das lehnte die Stadt Sassnitz ab. Christa Steenvoorden zog vor Gericht und bekam recht. Weil Bürgermeister Frank Kracht (Linke) in Berufung ging, startete ein Unterstützerkreis nun und eine Online-Petition und sammelt Unterschriften für die Öffnung des Grabes.

http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern ... ubtes-Kind
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 7. Juli 2018, 16:00

Warum geht der Bürgermeister in Berufung? Das stinkt doch.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 8. Juli 2018, 15:06

AkkuGK1 hat geschrieben:Warum geht der Bürgermeister in Berufung? Das stinkt doch.


Natürlich stinkt das gewaltig und das Gefühl einer Mutter sollte man nicht unterschätzen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. [hallo]

Ich war ja auch von 1984 bis 1989, also zumindest bis kurz nach dem Mauerfall, von der Bildfläche verschwunden. Kein Mensch in der DDR
wußte wo ich war, nur meine Mutter hatte die Ruhe weg und sagte immer, er lebt, es geht im gut, das fühle ich einfach.

Sparta
Nichts gelernt und dumm wie Brot, doch man leidet keine Not,
denn es gibt ja noch zum Glück, als Beruf die Politik.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 4. September 2018, 11:01

"Wenn du lebst, bitte melde dich" - DDR-Ärzte erklärten sie für tot - Mutter schreibt ergreifenden Brief an Tochter

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Birgit will bei der Suche nach Sandra nicht aufgeben - jetzt hat sie ihr einen Brief geschrieben

Sandra Herzog kam 1987 in Burg in der ehemaligen DDR zur Welt. Kurz nach der Geburt erklärten Ärzte Mutter Birgit, ihre Tochter sei tot - doch es gibt kaum Akten und kein Grab. Die 51-Jährige ist sich sicher, dass ihre Tochter noch lebt.

Hallo mein Schatz,

heute möchte ich Dir einen Brief schreiben, weil ich glaube, dass du lebst. Dieses Jahr bist du dreißig Jahre alt geworden und doch kenne ich dich nicht. Ich muss weit zurückgehen damit Du verstehst, warum Du nicht bei mir bist und ich Dich suche.

Ich war gerade mal 14 Jahre alt als ich mit meinem Freund 1980 von zu Hause in Potsdam weglief. Wir sind auf die schiefe Bahn geraten und ich habe viel Mist gebaut: Ich war gegen die DDR und habe gestohlen. Dadurch war ich kein ordentlicher DDR-Bürger mehr und die Volkspolizei steckte mich 1984 in ein Jugendwerkhof nach Hohenleuben. Als ich zwei Jahre später mit 20 Jahren entlassen wurde, wollte ich ganz neu anfangen. Doch ich lernte Deinen Vater kennen und es dauerte nicht lange und ich war schwanger mit Dir. Ich war so stolz.

"Du sahst aus wie dein Vater"

Bei allen Untersuchungen während der Schwangerschaft warst du immer gesund und munter. Am 17. Januar 1987 wolltest Du nun endlich das Licht der Welt erblicken. Meine Fruchtblase platzte und ich wurde in ein Krankenhaus nach Genthin gebracht. Dort wurde mir nach ein paar Stunden mitgeteilt, dass Sie mich nach Burg bei Magdeburg verlegen müssten, da sie keinen Venentropf hatten. Für die Fahrt gaben sie mir Faustan, ein starkes Beruhigungsmittel.

Am 18. Januar 1987 habe ich Dich in Burg um 7.55 Uhr entbunden. Du hast gleich geschrien und wurdest mir in die Arme gelegt. Das war der schönste Moment in meinem Leben. Du sahst mich mit großen dunklen Augen an. Dein kleiner Kopf war voll mit langen dunklen Haaren, du hattest rote Wangen und deine Nase war für deine Körpergröße ziemlich lang und spitz. Am Rand des Ohrs hattest du einen kleinen Knick, es sah aus als fehlte ein Stück. Du sahst deinem Vater so ähnlich und warst so süß.

Eine Krankenschwester hat dich dann gewogen, gemessen und gebadet. Du hast dabei die ganze Zeit geschrien, alles war normal. Diese Szene haben sich in meinem Gedächtnis eingebrannt. Gerade als Dich die Krankenschwester mir in den Armen legen wollte, kam eine dunkelhaarige Frau ins Zimmer. Sie nahm Dich an sich und sagte nur: „Sehen Sie das nicht?“ Dann verschwand sie mit Dir und die Krankenschwester und ich blieben verdutzt zurück. Seitdem habe ich Dich nie wiedergesehen.


"Ich war gebrochen"

Ich fragte die Ärzte, wo Du bist. Sie besprochen sich kurz, dann nahmen sie mich mit in ein Büro. Sie sagten mir, dass Du verstorben seist. Die Nachricht war ein riesiger Schock und ich fing fürchterlich an zu weinen. Sie gaben mir einen Zettel zum Unterschreiben – doch unter Schock verstand ich nicht was darauf stand. Ich war gebrochen.

Seit diesem Tage denke ich jeden Tag an dich. Und immer war da der Gedanke, dass du noch am Leben bist. Es war schrecklich, man hatte mir das Liebste genommen, was ich hatte. Die Beziehung zwischen Deinem Vater und mir zerbrach nach kurzer Zeit. Ich wollte mir sogar etwas antun.

"Die Akten sind verschwunden"

Nach der Wende 1990 sah ich eine Dokumentation, dass mehrere Kinder in der DDR für tot erklärt wurden und zur Adoption freigegeben wurden. Ab dem Moment fing ich an, zu recherchieren und nach dir zu suchen.

Doch es war nicht leicht und mir wurden immer wieder von Ärzten und Beamten Steine in den Weg gelegt. Sie hielten mich für psychisch krank. Aber ich habe immer weitergemacht und versucht so viele Dokumente wie möglich zusammentragen, um zu beweisen, dass du noch am Leben bist. Meine Stasiakte und die Akte bei meinem Gynäkologen sind jedoch nicht auffindbar. Auch im Krankenhaus in Genthin gibt es keine Akte über meinen Aufenthalt. In der Stasiakte meines Bruders steht nur drin, dass Du geboren wurdest und deine Personenkennzahl, jedoch nichts über deinen Tod.

"Es hat mich krank gemacht"

Fast 27 Jahre habe ich alles versucht, um Dich zu finden und versucht zu beweisen, dass du noch am Leben bist. Durch die ganzen Recherchen und Rückschläge bin ich im Laufe der Jahre erkrankt – körperlich als auch psychisch. Ich bin erwerbsunfähig und Frührentnerin.

Ich frage mich jeden Tag wie es dir geht und ob du wenigstens eine gute Familie bekommen hast. Du fehlst mir so sehr. Ich bekam nach dir mein Schatz noch zwei Mädchen, Deine Schwestern. Auch sie denken oft an Dich und möchten Dich endlich kennen lernen.


Das was mir angetan wurde, wünscht man nicht einmal seinem schlimmsten Feind. Das glaube mir, mein Kind. Ich habe alle Friedhöfe in der Umgebung von Magdeburg abgesucht, jedoch bist du nirgends auffindbar. Wo bist Du?

"Bitte melde dich"

Ich habe Angst eines Tages zu sterben und immer noch nicht zu wissen, was mit Dir geschehen ist und wo Du bist. Ich möchte Dich noch einmal in meinem Armen halten und den Rest meines Lebens dir eine gute Freundin oder sogar Mutter sein. Deine Schwestern haben mir immer geholfen und gaben mir immer wieder Mut, nicht aufzuhören Dich zu suchen.

Weißt du was das Schlimmste an der Situation ist? Du könntest neben mir stehen und wir beide würden nicht wissen, dass wir zusammengehören. Wenn Du diesen Brief gelesen hast und vielleicht glaubst das Du meine Tochter sein kannst, dann melde dich bitte (birgithoernchen@aol.com). Ich vermisse Dich!

Deine Dich liebende Mutter Birgit

https://www.focus.de/regional/magdeburg ... 66102.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 21. Oktober 2018, 10:44

Schicksal Zwangsadoption Bruder, wo bist du?

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Sindi Krahe (54) zeigt eine alte Aufnahme ihrer Familie aus den 1960er-Jahren.
Foto:
Eric Richard


Das Schicksal kann grausam sein. Durch Behörden-Willkür wurde hier eine ganze Familie zerstört: Als die Mutter von Sindi Krahe (54) im Jahr 1967 bei der Geburt ihres jüngsten Kindes starb, nahm das Amt dem Vater die anderen Kinder weg, steckte sie ins Heim und gab das Baby zur Adoption frei. Der Beginn eines tiefen Traumas. Jetzt will Sindi Krahe ihren verschollenen Bruder finden.

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Traute (✝37) hält ihre jüngste Tochter Sindi im Arm. Bei der Geburt des 5. Kindes verstarb die Mutter.
Foto:
Eric Richard


Sindi Krahe ist das jüngste von vier Geschwistern, als ihre Mutter im Sommer 1967 ein weiteres Baby erwartet. Die Familie lebt in einer ausgebauten Datsche in Kienberg (Kreis Dahme-Spreewald). Zwei Zimmer, Plumpsklo, das Wasser kam aus einem Brunnen. Wie es damals so war auf dem Land. Anfang Juli, Mutter Traute (✝37) ist hoch schwanger, nimmt das Unglück seinen Lauf: „Mein Bruder wollte nachts zu Mama ins Bett krabbeln und sah, dass überall Blut war“, erinnert sich Sindi Krahe (damals 5). Der Bruder (6) ruft in Panik die älteren Schwestern (8, 10) herbei. Eine läuft zur Telefonzelle, die anderen bittet die Nachbarn um Hilfe. „Papa war ja arbeiten“, sagt Krahe.

Der Krankenwagen fährt schließlich ohne Blaulicht ab, Sindi Krahe läuft dem Gefährt hinterher. Es ist die letzte Erinnerung, die sie an ihre Mutter hat. Kurz darauf, am Morgen des 4. Juli 1967 stirbt Traute Erna Makus, geborene Schmidt, im Kreiskrankenhaus Königs Wusterhausen. Das Baby jedoch konnten die Ärzte retten. Zurück bleibt der überforderte Witwer Emil Makus mit vier kleinen, traumatisierten Kindern.

Heutzutage würden die Ämter in solchen Fällen helfen, Therapien empfehlen, Haushaltshilfen organisieren. Doch in der DDR tickten die Uhren anders: „Wir Kinder wurden sofort in Heime gesteckt. Ich kam nach Potsdam, meine Schwestern nach Zeesen und mein Bruder nach Hohennauen. Das Baby wurde zur Zwangsadoption freigegeben“, sagt Sindi Krahe, die erst ein halbes Jahr später – Weihnachten 1967 – erfährt, dass die Mutter nicht mehr lebt.

Der Vater beantragt mehrfach, dass man ihm (alle!) seine Kinder zurück gibt – vergebens. „Zu Hause war es nicht besonders ordentlich und Papa hat auch ein bisschen getrunken. Vermutlich, um seine Schmerzen zu betäuben“, erinnert sich die gelernte Wirtschaftskauffrau. So bleiben die Geschwister bis zur Volljährigkeit in Heimen und das Baby verschollen. „Wir sind uns nicht einmal hundertprozentig sicher, ob es wirklich ein Junge war“, sagt Sindi Krahe. „Jemand hatte das mal zu Papa gesagt, aber wir haben ja nie etwas Schriftliches bekommen. Keine Geburtsurkunde, nichts.“

Demnächst müsste das Geschwisterkind 49 Jahre alt werden. Sindi Krahe hat versucht, ihn zu finden, kam aber bei den Ämtern nicht weiter. Ihr anderer Bruder hat sich mit 23 Jahren das Leben genommen, er hat den Tod der Mama nie verwunden. Der Vater starb mit 60 Jahren an Krebs. Umso mehr möchte Sindi Krahe das fehlende Familienmitglied finden. Sie sagt: „Wir sind nicht vollständig ohne ihn.“

https://www.berliner-kurier.de/berlin/k ... --24303904

Ein erschütterndes Schicksal, das unter die Haut geht.
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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