Der Katastrophenwinter 1978/79

extreme Winter, Hochwasser u.s.w.

Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Interessierter » 3. Januar 2019, 13:42

Ärmlicher Mensch. Wie kann nur so viel Niedertracht in einem Menschen gebündelt sein.


Das fragt ein User, der hier nachweislich, verlogen bestritten hat Teile der User als " Schlichte Gemüter " bezeichnet zu haben und der als Fake " Thoth " sich nachweislich, verlogen hier wieder eingeschlichen hat. [laugh] [bloed]
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Nostalgiker » 3. Januar 2019, 14:04

Deine unsachliche Kontinuität @Interessierter in Bezug auf pöbeln und Diffamieren hat etwas beruhigendes weil sie beständig ist und nicht großartig variiert.
Drei vorgefertigte Satzbausteine reichen dir.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon ratata » 3. Januar 2019, 14:18

Wer kennt es noch . Das Rätsel : Es steht vor der Haustür und sieht schwarz aus . Damals kam immer die Antwort : der Schornsteinfeger . So Anfang Dezember 78 war es hier im damaligen Bezirk Magdeburg im Umgang . Antwort dazu .. das Jahr 79 ..
Es kam so auch , wie üblich mussten wir da noch Sylvester bis Mittag Arbeiten . Aber da meine Betrieb außerhalb der Ortschaften lag , entschlossen sich die Betriebsleistung , vielmehr der amtierende Chef des Betriebes , die Kollegen eher nach Hause zu schicken . Um 11 schloss ich die Werkestatt ab , es fing an mit Regnen und die Temperaturen waren aber unter Null Grad . Die Straßen und Autoscheiben waren total vereist . Zu Hause angekommen , Erstmal die Nachrichten verfolgen . Draußen wurde es immer kälter , wie es in der ganzen DDR aussah , sehr besch…… Kurz vor 24 h dann Stromausfall , Jahreswechsel mit Kerzenlicht . Die Kohleöfen hielten aber alles warm im Haus . Als Pflichtbewusster Werkstattmeister , fuhr ich dann gleich am 1 Januar zur Arbeit , die LKW die in der Werkstatt zur Reparatur waren , hier erstmal das Wasser von den Motoren ablassen . was draußen ebenfalls an LKW stand , Wasser ablassen . Die Heizkessel erstmal mit Braunkohle füllen . damit es in den Nebenräumen wo die Drehmaschinen standen nicht so sehr auskühlt.
Dann wieder zu Mittagessen nach Haus . Aber mit dem 2 Januar , da ging es so richtig los im Betrieb . Kein Strom , die Verwaltung konnte nicht arbeiten , da die Technik nicht so weit war , alles per Hand berechnen , schreiben auch . Die Telefonanlagen alles Gleichstrom ,hatten noch eine Batterie betriebene Anlage . Aber der Krisenstab hatte ständig kontakt zu uns . So mussten wir dann die uns gestellten Notstromaggregate überprüfen ,diese wurden dann den Krankenhäusern gegeben . Um uns in den Reparierenden Abteilungen , kümmerte sich niemand , wir waren uns selber überlassen . Die Produktion draußen musste anlaufen .
Am Abend dann zu Haus , kein Strom , Wasser warm machen ging alles noch , der Küchenofen konnte es noch. Die Verkaufsstellen machten auch früher zu ,im Kerzenlicht war nichts mehr gewehrleistet . Die Sortimente die draußen in der Anlieferung standen , waren kaputt gefroren . Milch usw. wurde immer weniger .
Im Betrieb ging es typisch DDR zu. Erstmal die Spitzenbelastungszeiten abwarten . Am Schmiedefeuer wurde sich erstmal aufgewärmt . Dann durften wir die Beleuchtung in der Werkstatthalle anstellen . Nach dem nächsten Anruf vom Energetiker , die eine Schweißmaschine anstellen , dann eine Drehmaschine so ging das denn die nächsten Wochen weiter . nur mal ein kleiner Überblick . Unsere Sprengbrigade , die wurden in die Braunkohle geschickt , die mussten in den Stillgelegten Ortschaften bei Leipzig , leergezogene Häuser sprengen . Platz für die Abraumbagger schaffen . mfg ratata
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Nostalgiker » 3. Januar 2019, 14:26

Der 31.12.1978 war ein Sonntag.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon ratata » 3. Januar 2019, 14:42

Nostalgiker hat geschrieben:Der 31.12.1978 war ein Sonntag.

Richtig , [peinlich]
Verladung Bereitschaft Werksatt , alles war damals noch im Betrieb . ratata
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Nostalgiker » 3. Januar 2019, 14:52

In Berlin begann die Winterkastastrophe 1978/79 schleichend am 29.12. 1978.
Am Morgen war es auf dem Weg zur Arbeit für die Jahreszeit ziemlich warm. Von der Katastrophe auf Rügen war weder am Vorabend was im Rundfunk noch Fernsehen zu hören oder zu sehen gewesen.
Inwieweit ARD und ZDF über die chaotischen Verhältnisse in Schleswig-Holstein berichtet haben weiß ich nicht mehr.

Im Laufe des Tages fing es nach der Mittagszeit leicht an zu regnen, was aber auch keinen weiter beunruhigte.
Der 29.12. war ein Freitag und zum Feierabend wünschten wir uns alle einen guten Rutsch ins Neue Jahr und alle gingen nach Hause.
Es war zum Feierabend bereits dunkel, es regnete, es wehte ein starker Wind und es war ziemlich kalt. Die Gehwege und Strassen waren bereits mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Ich schlitterte zu meiner U-Bahn Station, die war fast vor dem Haus in dem ich arbeitete und stieg in den Zug in meine Richtung. Der Zug kam nur bis zum Alexanderplatz und es hieß alles aussteigen der Zug endet hier. Technische Probleme wurden benannt. Es gibt einen Schienenersatzverkehr, Abfahrt in Richtung Pankow vor dem Haus der Elektroindustrie. Die Menschen aus einer Vollbesetzten U-Bahn versuchten sich in einen Bus zu quetschen was natürlich nicht gelang. Zum Glück kamen zügig weitere Busse und ich gelangte in einen und konnte weiter in Richtung zu Hause fahren.
Nach dem Senefelder Platz kommt die U-Bahn aus ihrem Tunnel und wird zu Hochbahn. Auf der Steigung sahen wir das "technische Problem", die Schienen waren vereist und die U-Bahn kam die Steigung nicht hoch .....
Na Prima.
Also S-Bahnhof Schönhauser ausgestiegen und zum Glück kam gerade eine Strassenbahn mit der ich nach Hause fahren konnte.
In den Nachrichten immer noch nichts von der sich anbahnenden Katastrophe.

Am anderen Morgen, dem 30.12.1978 erfreute ich mich am in der Nacht gefallenen Schnee und ging zum Bäcker um Schrippen und Brot zu kaufen und vor allem um die bestellten Pfannkuchen abzuholen die ich zur Silverstparty am nächsten Tag mitbringen sollte.
Brot ja, Schrippen ja aber keine Pfannkuchen. Eine sichtlich verzweifelte Bäckersfrau erklärte immer wieder der murrenden Kundschaft das sie durch den schlechten Gasdruck das Fett zum backen nicht heißbekommen.
Sie würden alles versuchen und wir sollten nach dem Mittag oder am Nachmittag noch mal vorbeischauen oder am besten am Sonntagfrüh.
Ich meldete mein Begehr für den Sonntag an und ging nach Hause.
Weiter war ich an diesem Tag nicht unterwegs.
Ein befreundetes Ehepaar war bereits am Donnerstag nach Rügen gefahren, sie wollten Silvester mit Freunden in Binz feiern.
Meine Eltern waren bei Freunden im Vogtland bei Plauen und weitere Verwandte waren im Thüringer Wald zum Urlaub.

Der Morgen des 31.12. 1978 brach an, es schneite vor sich hin und ich stapfte durch den Schnee zum Bäcker um die Pfannkuchen zu holen welche tatsächlich fertig waren.
Bibbernd trug ich sie nach Hause und fragte mich im Stillen warum ich so friere.
Dazu muß ich bemerken das ich im September 1978 nach Berlin gezogen bin und ausgerechnet meine Winterklamotten hatte ich bei einer Freundin eingelagert mit der ich aber zum Glück am Nachmittag verabredet war um gemeinsam zu einer Silvesterparty zu gehen.
Zu Hause angekommen riskierte ich erstmalig seit ein paar Tagen einen Blick auf das Außenthermometer am Küchenfenster und ich dachte ich sehe nicht richtig oder es ist kaputt. Es zeigte 21 oder 22 Grad Minus an.
Ok sagte ich mir, bei dieser Temperatur darf dir Kalt sein.
Um an meine Wintersachen zu gelangen mußte ich einmal queer durch die Stadt, von Pankow nach Adlershof ......
Telefon war ja nicht und um auf Nummer sicher zu gehen dachte ich mir fährst mal los.
Ich also halbwegs warm angezogen aber mit Halbschuhen durch das inzwischen sehr starke Schneetreiben zum S-Bahnhof.
Auf dem Weg dorthin fiel mir auf das auf der Prenzlauer Promenade und auch auf den anderen Strassen keinerlei Reifenspuren im Schnee zu sehen waren. Eine glatte unberührte Schneefläche auf den Strassen. Nur auf den Fußwegen ab und an Fußspuren.
Auf dem Autobahnzubringer tauchte aus dem Schneetreiben ein einsamer Skiläufer auf der in Richtung Innenstadt lief .....
Das war faktisch der einzige Verkehr den ich gesehen habe.
Auf dem S-Bahnsteig Himmel und Menschen, denen Wind und Schneetreiben gehörig zusetzten. Erwartungsvoll starrten wir in die Richtung aus der unsere S-Bahn kommen sollte.
Irgendwann sahen wir im Schneegestöber eine Bahn kommen und die blieb ca. 400 Meter vor dem Bahnhof stehen. Als sich nach gut 15 Minuten immer noch nichts rührte beschloss ich nicht mehr zu warten sondern loszulaufen.
Also lief ich erst die Prenzlauer Promenade und dann die Prenzlauer Allee durch den hohen Schnee lang. Nichts war geräumt was auch ziemlich sinnlos gewesen wäre denn es schneite immer noch heftig und war bitter kalt.
Am Bahnhof Prenzlauer Allee angekommen der Bahnsteig voller Menschen. Es sei seit fasst einer Stunde keine Bahn mehr gekommen wurde mir auf Nachfragen gesagt. Klar, da steckte immer noch der Zug vor Heinersdorf im Schnee.
Also weiter laufen.
Auf meinem Weg lag auch die Wohnung wo am Abend die Party stattfinden sollte,
Ich lieferte die Pfannkuchen ab, wärmte mich auf und dann lief ich weiter die Dimitroff runter durch die Warschauer bis zum S-Bahnhof Warschauer Strasse.
Strassenbahnen fuhren natürlich auch keine.

Dort geschah dann das Wunder, es kam tatsächlich eine S-Bahn welche nach Grünau wollte. Ich rein in den Zug und nach 5 Minuten habe ich es fast bereut denn im Zug war es eiskalt, fast noch kälter als draussen und außerdem bewegte ich mich nicht mehr.
Irgendwann kam ich am späteren Nachmittag in Adlershof an.
Meine damalige Freundin war den ganzen Tag nicht draussen gewesen und nen Außenthermometer hatte sie auch nicht. Deswegen meinte sie das ich den mitgebrachten Wermut schnell in den Kühlschrank stellen solle damit wir vor Aufbruch zur Party noch einen Schluck davon trinken können.
Ich meinte zu ihr das wir ihn eher auftauen müssen denn ich schleppe ihn seit Stunden durch Temperaturen um Minus 20 Grad und mehr und ich will jetzt endlich meine Wintersachen zum anziehen .....

Gegen 19 Uhr brachen wir auf um mit der S-Bahn in den Prenzlauer Berg zu fahren.
Inzwischen waren die Verantwortlichen bei der S-Bahn auf die Idee gekommen die Züge zwischen den Bahnhöfen pendeln zu lassen. Wir mußten also an jeder Station aussteigen und in den Zug auf der anderen Seite steigen um bis zu nächsten Station zu kommen.
Die Menschen machten das beste aus der Situation, sie feierten bereits im Zug denn fast alle führten reichlich Getränke und Essen mit sich.
Gegen 23:30 Uhr waren wir dann am Ziel und konnten mit den schon eingetroffenen Gästen ins Neue Jahr feiern.

Am 1.1.1979 schneite es nicht mehr so heftig und zumindest der S-Bahnverkehr funktionierte wieder halbwegs. Zwar eisekalte Waggons aber sie fuhr.
Die einzige Strasse welche bereits am 31.12. vom Schnee beräumt wurde war die Mollstrasse, Greifswalder Strasse, Berliner Allee .......

Am 2.1. wieder auf Arbeit und das Gebäude eiskalt. Über die freien Tage wurde natürlich nicht geheizt.
So richtig arbeiten konnten wir bei 10 Grad Zimmertemperatur auch nicht.

Am 3.1. mußten ein Kollege und ich auf Dienstreise und da bei der Bahn auch so gut wie nichts ging bekamen wir ausnahmsweise einen Dienstwagen mit Fahrer spendiert. Auf die Idee das Treffen vor Ort abzusagen ist auch keiner gekommen und die Leute in dem Betrieb wo wir hinfuhren hatte aktuell ganz andere Sorgen als sich mit uns über irgendwelche Lieferprobleme zu unterhalten.

Wesentlich härter hatte es die Freunde getroffen welche nach Rügen wollten. Sie fuhren am Donnerstag direkt in das Chaos hinein.
Sie kamen mit dem letzten Zug noch in der Nacht von Stralsund nach Rügen aber dieser blieb vor Bergen im Schnee stecken. Sie mußten die Nacht im eiskalten Zug verbringen und wurden am Vormittag evakuiert. Auf der Strasse warteten Busse und um dort hinzukommen mußten sie sich ca. 100 Meter durch brusthohen Schnee durchkämpfen. In Bergen wurden sie in einer Schulturnhalle untergebracht. Sie konnten die Freunde in Binz informieren und die wollten sie abholen.
Mit einem Pferdeschlitten. Aus dem Ort sind sie mit dem Schlitten noch raus gekommen aber als sie den ersten umgekippten Räumpanzer gesehen haben sind doch sicherheitshalber wieder umgekehrt.
Die Freunde harrten bei Kerzenlicht bis Neujahr in der Turnhalle aus dann bestand die Möglichkeit nach Binz zu kommen. Von der Insel sind sie erst am darauffolgenden Wochenende gekommen.

Meine Eltern und ihre Freunde saßen auch ab Mitternacht am 31.12. bei Kerzenschein. Kein Strom, kein Gas. Zum Glück eine Etagenheizung im Einfamilienhaus und im Keller ein Campingkocher so das sie wenigstens Wasser für Getränke warm machen konnten.
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon augenzeuge » 3. Januar 2019, 15:34

Danke für die letzten längeren Beiträge. [hallo]
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Edelknabe » 3. Januar 2019, 16:31

Das interessiert mich einmal, dieser Text von Ameisenferdinand vom 31. Dezember 201 mit diesem:

"Ich saß zu dieser Zeit in der Strafvollzugsanstalt Naumburg ein, wegen versuchter Republiksflucht. Da haben wir anfangs gar nichts davon mitbekommen, Stromausfälle gab es nicht."
textauszug ende

Also hatten die Strafanstalten Notstromer? Wer kann da beitragen, eventuell Spartacus? Und nee, Notstromer sind ja keine Erfindung aus der DDR, die gab es bestimmt schon bei die Reichsdeutschen?

Rainer-Maria

Übrigens ne tolle Sache. Strom fällt aus....und hast du nicht gesehen...in wenigen Sekunden nur rattern die Dinger los.
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon karnak » 3. Januar 2019, 16:48

Sicher wird das so gewesen sein, in jedem Bereich mit Sicherheitsrelevanz oder zwingend notwendiger Stromversorgung wie Krankenhäusern mit Operationsbereich gab und gibt es sowas. Und warum nun die Frage?
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Volker Zottmann » 3. Januar 2019, 16:49

Im Harz lag der Schnee nicht höher als gewöhnlich.
Frieren brauchten wir auch nicht, denn die neue Forster Zentralheizung leistete gute Arbeit. Schlecht nur, wenn der Strom ausfällt. Wann genau das war weiß ich nicht mehr, nur war ich zum Glück zu Hause. So riss ich das Küchenfenster auf, und warf das gesamte Kohle-Koksfeuer mit kleiner Schippe parterre aus dem Küchenfenster auf den Gehweg.
Ohne diese Vorsichtsmaßnahme wäre der Stahlkessel unweigerlich durchgebrannt. Das Problem war, dass dann die Rohrleitungen der 15mm Rohre zufroren und einzelne Quetschmuffen dieser Selbstbauheizung auseinander sprengten. Nachströmendes Heizungswasser verunstaltete unsere Küche zum Waschhaus....
Ich machte dann, was man eigentlich nicht tun soll, ich heizte die Wohnstube mit der Camping-Propanheizung notdürftig.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon augenzeuge » 3. Januar 2019, 16:58

Volker Zottmann hat geschrieben: ich heizte die Wohnstube mit der Camping-Propanheizung notdürftig.

Gruß Volker


Oh, das ist nicht ungefährlich. Abgase!!! [angst]

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon karnak » 3. Januar 2019, 17:19

Sowas kann uns jederzeit wieder mal erwischen und die Auswirkungen in heutiger Zeit dürften noch dramatischer sein. Der Winterdienst ist schon bei einem normalen Winter überfordert [flash] , bei der deutschen Bahn mit ihrem " hochsennsiblen " Fuhrpark dürfte absolut nichts mehr funktionieren. Lagerhaltung im LebensmittelEinzelhandel gibt es nicht mehr, es wird ALLES täglich frisch mit LKW angeliefert, nach 3 Tagen sind die Regale leer und die Anarchie dürfte einsetzen. Keine Kasse, kein Geldautomat funktioniert mehr, keine Tür geht mehr auf, kein Telefon funktioniert mehr, die Möglichkeiten von DHW und ähnlichem dürften begrenzt sein. Man kann mich für bekloppt halten aber ich bin ein Prepper für Arme. [flash] Ich habe immer für 1 Woche Essen und Wasser im Haus, für 1000 Km Sprit auf Halde, eine Kochmöglichkeit neben der Elektrizität, ein Kurbelradio und ein kleines Notstromaggregat im Keller. [flash]
Meine Frau verdreht immer die Augen ob meines Tuns, vielleicht ist sie mir nochmal dankbar.
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Edelknabe » 3. Januar 2019, 17:27

Erlebt zur Flut in Sachsen wann wars 2002? Siehe das vom Karnak mit diesem:

"..... nach 3 Tagen sind die Regale leer und die Anarchie dürfte einsetzen. Keine Kasse funktioniert mehr, keine Tür geht mehr auf, kein Telefon funktioniert mehr, die Möglichkeiten von DHW und ähnlichem dürften begrenzt sein."
textauszug ende

Rainer-Maria....und dann Männers..."gilt sinngemäß das Recht des Stärkeren, Schnellsten, Pfiffigsten, Vorsorglichsten...."

PS: Und nee Karnak, mich interessierte das nur mal, mit die Notstromer, weil selber schon an die Dinger tätig gewesen.
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Volker Zottmann » 3. Januar 2019, 17:31

augenzeuge hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben: ich heizte die Wohnstube mit der Camping-Propanheizung notdürftig.

Gruß Volker


Oh, das ist nicht ungefährlich. Abgase!!! [angst]

AZ

Stimmt!
Hurra wir leben noch. Ohne Campingofen wären wir gleich erfroren. Da galt es die Risiken abzuwägen

Gruß Volker
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon SkinnyTrucky » 3. Januar 2019, 19:02

Wir hatten eine Kachelofen zusätzlich zur Zentralheizung....bei den Stromausfällen wurde nur das Wohnzimmer geheizt....Licht gab es von Kerzen....

....ich fand den Winter toll, denn die meterhohen Schneeverwehungen eröffneten ungeahnte Möglichkeiten für uns Kinder....

Mein Vater war allerdings gut zugange mit seinem Stalowa Wola L34....damit machte er überall die Straßen wieder frei....

soeiner



Ich fand es auch jedesmal echt cool wenn er mich mal damit fahren ließ auf seiner regulären Arbeit.... [grins]


groetjes

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Spartacus » 3. Januar 2019, 19:06

Edelknabe hat geschrieben:
Also hatten die Strafanstalten Notstromer? Wer kann da beitragen, eventuell Spartacus? Und nee, Notstromer sind ja keine Erfindung aus der DDR, die gab es bestimmt schon bei die Reichsdeutschen?

Rainer-Maria



In Bautzen hatten sie eine alte ausrangierte Dampflok im Einsatz, die lieferte Heißen Dampf für die Heizung und wohl auch Strom, wenn es denn sein musste. [grins]

Danke an Nosti für den detaillierten Beitrag, den ich mit Interesse gelesen habe. [hallo]

Und ja richtig Kristian, ich habe für Notfälle auch vorgesorgt. Lebensmittel habe ich immer für mindestens 30 Tage im Haus und im Keller einen Gaskocher mit 4
Ersatz Kartuschen, der reicht dann auch ungefähr 4 Wochen.

Zur Not auch noch eine Axt und die Kaschi steht eh immer neben dem Bett. [flash]

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denn es gibt ja noch zum Glück, als Beruf die Politik.

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon SkinnyTrucky » 3. Januar 2019, 19:11

Spartacus hat geschrieben:Und ja richtig Kristian, ich habe für Notfälle auch vorgesorgt. Lebensmittel habe ich immer für mindestens 30 Tage im Haus und im Keller einen Gaskocher mit 4
Ersatz Kartuschen, der reicht dann auch ungefähr 4 Wochen.

Zur Not auch noch eine Axt und die Kaschi steht eh immer neben dem Bett. [flash]

Sparta


Mitglied der Prepper Scene....oder was.... [shocked] [denken]



groetjes

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Spartacus » 3. Januar 2019, 19:18

SkinnyTrucky hat geschrieben:
Mitglied der Prepper Scene....oder was.... [shocked] [denken]



groetjes

Mara


Nee Mara, gelernt ist gelernt. Ich war schon Prepper, da waren die Prepper noch gar nicht geboren. Du hättest mal den Turm meines Panzers im Einsatz
von innen sehen sollen.

Da hing alles voll, mit Schinken, Salami und so weiter. [flash]

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon SkinnyTrucky » 3. Januar 2019, 19:29

Spartacus hat geschrieben:Nee Mara, gelernt ist gelernt. Ich war schon Prepper, da waren die Prepper noch gar nicht geboren. Du hättest mal den Turm meines Panzers im Einsatz
von innen sehen sollen.

Da hing alles voll, mit Schinken, Salami und so weiter. [flash]

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Und haste da keine Angst gehabt zwar rein aber nicht mehr raus aus dem Panzer zu kommen.... [flash]

Naja, bisken Vorrad im Haus zu haben, kann nicht schaden....wir hatten damals auch eine gut sortierte Speisekammer....und unsere immer volle Tiefkühltruhe mit Nutriafleisch stand zum Glück in der unbeheizten Veranda....wir hätten locker ein halbes Jahr nicht mehr raus gemußt.... Kartoffeln und Gemüse war genug eingekellert....


groetjes

Mara
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon ratata » 3. Januar 2019, 19:40

SkinnyTrucky hat geschrieben:Wir hatten eine Kachelofen zusätzlich zur Zentralheizung....bei den Stromausfällen wurde nur das Wohnzimmer geheizt....Licht gab es von Kerzen....

....ich fand den Winter toll, denn die meterhohen Schneeverwehungen eröffneten ungeahnte Möglichkeiten für uns Kinder....

Mein Vater war allerdings gut zugange mit seinem Stalowa Wola L34....damit machte er überall die Straßen wieder frei....

soeiner



Ich fand es auch jedesmal echt cool wenn er mich mal damit fahren ließ auf seiner regulären Arbeit.... [grins]


groetjes

Mara

Heute schreibt er vom L34 , den sein Vater fuhr . Wenn das Ding kaputt war , stand er meistens am Bahnhof in Siedenlangenbeck . Weißt du , wie oft ich diesen Radlader selber reparierte . Mit dem Wandler nach Herzfelde zu den Polen zur Reparatur gefahren und spät am Abend wieder eingebaut . Heidberg hieß damals das Abbaugebiet . Der junge Betriebsleiter hieß mit Nachnamen Tüb…
und sein Schlosser Schul…. wohnen beide noch dort oben . mfg ratata
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Gerd Böhmer » 3. Januar 2019, 21:17

augenzeuge hat geschrieben:
0.12.1978 D 270 auf unbestimmte Zeit verspätet,
D 814 zirka 120 Minuten später,
D 613 auf unbestimmte Zeit verspätet,
P 3514 zirka 95 Minuten später,
D 514 zirka 170 Minuten später,


Donnerwetter. Du bist echt ein Profi, was die Bahn betrifft.

Du könntest vielleicht in einem anderen Thread mal erklären, was an den Schienen in Ost und West so unterschiedlich war. Kaum im Westen, fuhr der Zug ruhiger und schneller..... [denken] ...warum war das so?

AZ


Hallo,

Aber gerne doch. Der grosse Unterschied waren die Gleislage und das sich bei der DR das lückenlos geschweisste Gleis nur langsam durchsetzte. Dazu kam die höhere Verkehrsdichte und Belastung der Strecken bei der DR. Desweiteren kommt hinzu, das bei der DB schon ab der Mitte der 1960-er Jahre höhere Geschwindigkeiten als bei der DR gefahren wurden. Bei höheren Geschwindigkeiten gelten für den Oberbau und die Gleise weit höhere Anforderungen an den Bau und die Instandhaltung. Bei der DR war die höchste Geschwindigkeit 120 km/h, während die DB ab Mitte der 1960-er Jahre die Geschwindigkeit schrittweise auf 160 km/h und sogar 200 km/h erhöhte.
Welcher Thread ist denn mit dem anderen Thread gemeint ?
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon pentium » 3. Januar 2019, 21:29

Gerd Böhmer hat geschrieben:
Welcher Thread ist denn mit dem anderen Thread gemeint ?


Einen Thread über Schienen, meinte der @AZ sicherlich, hier geht es ja mehr um diesen Katastrophenwinter
...obwohl irgendwo muss es einen Thread über die Bahn geben...?
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Gerd Böhmer » 3. Januar 2019, 22:14

pentium hat geschrieben:
Gerd Böhmer hat geschrieben:
Welcher Thread ist denn mit dem anderen Thread gemeint ?


Einen Thread über Schienen, meinte der @AZ sicherlich, hier geht es ja mehr um diesen Katastrophenwinter
...obwohl irgendwo muss es einen Thread über die Bahn geben...?


Hallo,

Na sicher, ich werde einmal abwarten. Aus persönlicher Sicht einmal ein Nachtrag. Ich war 1978/79 ja noch als Fachlagerist (Grosshandelskaufmann nach heutiger Sicht) im CENTRUM-Warenhaus am Berliner Alexanderplatz tätig. Im Januar 1979 wurden wir dann zum Schneeräumen im Bereich des Alexanderplatzes abkommandiert. Schneeschippen und zwischendurch Grog trinken - Rum muss, Zucker kann, Wasser darf - ich war nachher vollkommen besoffen und wusste nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen war. Und das auf Kosten des Arbeitgebers ...
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon augenzeuge » 4. Januar 2019, 18:02

Ich fand den Film klasse.

Was sagte die Stasi darüber:
"Es gibt einen enormen Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Regierung.
Es ist schockierend das in einem soz. Staat mit straffer Planwirtschaft nach 30 jährigem Bestehen bereits in wenigen Tagen ein totaler Zusammenbruch der Wirtschaft möglich ist. Das lässt Rückschlüsse auf die tatsächliche Störanfälligkeit der Volkswirtschaft zu."


Faszinierende Bilder der Autobahn West.

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon ratata » 4. Januar 2019, 20:54

Der Katastrophenwinter 1978 /79 , der wiederholte sich jedes Jahr während meiner beruflichen Tätigkeit . Bis das Ende der DDR kam . Wie bekannt ,begann in der sozialistischen Industrie am 2 Oktober der Tag der Winterfestmachung . Alles wurde protokolliert und die festgelegten Programme , wie Bereitstellung von Notstromaggregaten deren Funktion , Bereitstellung von Motorölen , Hydraulikölen
,Batterien . Die Kontrollen wurden bei mir in der Firma in Verbindung mit der Zivilverteidigung durch geführt . Aber an der ganzen Situation hat sich jedes Jahr nichts geändert .
Man wollte aber diese Situationen ,wie 78/79 nicht wieder erleben . Wie war es denn, was nicht vorhanden war , konnte nicht gestellt werden , was kaputt war , konnte wegen fehlender Ersatzteile nicht repariert werden .
Die größten Feinde des Sozialismus waren , Frühling , Sommer , Herbst und Winter . Aber langsam schleichen sich diese 4 heute auch wieder ein . [super] ratata
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon pentium » 9. Januar 2019, 12:24

Mit dem Beitrag "Als der Winter zur Katastrophe wurde" hat "Freie Presse" bei vielen Lesern Erinnerungen an den Jahreswechsel 1978/79 geweckt. Hier eine Auswahl der Zuschriften.

An die Besonderheit des Wetterumschwungs zum Jahreswechsel 1978/ 79 kann ich mich noch gut erinnern. Ab dem 26. Dezember 1978 waren wir in Zöblitz zu Besuch. Im Norden der DDR herrschten bereits ab 27./28. Dezember winterliche Bedingungen, während im Erzgebirge Temperaturen bis plus zehn Grad Celsius gemessen wurden. Am Tag der Rückfahrt nach Karl-Marx-Stadt mit dem Pkw am 30. Dezember gegen 12 Uhr hatte Berlin laut Wetterbericht bereits minus zehn Grad. Während der Fahrt in nördliche Richtung gefror zunehmend der Regen auf der Frontscheibe, die Fahrt musste mehrfach unterbrochen werden. Bei Ankunft im Beimlergebiet war es dann schließlich winterlich. Zur Silvesterfeier in der Heideschänke war die Temperatur auf unter minus 20 Grad gefallen. Außerdem hatte es stark geschneit. Am 1. Januar 1979 betrug nach dem Mittagessen im "Pappelhain" beim Spaziergang die Höchsttemperatur auch minus 20 Grad. Am folgenden Tag galt es, das Auto freizuschaufeln, die Batterie auszubauen und zu laden. Skifahrten waren gleich auf dem benachbarten Katzenbuckel in Adelsberg möglich. Erst am Sonntag, dem 7. Januar 1979, trat eine Frostmilderung ein. Klaus Thürmer

Silvester 1978, in Familie feierten wir im ganz kleinen Kreis. Stromausfall - halbe Spannung im Haus, die Glühlampen glühten nur noch düster, dann war alles finster. Wir schauten kurz zum Fenster raus, alles finster in den Häusern, nur die Straßenlampen leuchteten, weil es Gaslampen waren. Und es schneite wunderschön, es war sehr heimelig bei Kerzenschein und Kofferradiomusik, denn da waren Batterien drin. Wir erkundigten uns bei den Hausbewohnern, ob jemand Probleme hat. Nein, es war alles o.k. Jeder hatte genügend Kohlen im Keller ... Der Strom wird schon bald wieder zugeschaltet werden, dachten wir. Also Prosit Neujahr! Bei Kerzenlicht den Jahreswechsel begehen, das war doch schön, ein Glas Sekt und ein bissel Tischfeuerwerk ... Aber am Morgen schneite es immer noch, Strom war keiner da, das verwunderte uns dann schon. Wir frühstückten, denn mit dem Gaskocher konnten wir ja Kaffee kochen und Brötchen aufbacken. Da ich in der Nähe unserer Wohnung an der Friedrich-Engels-Straße im VEB Tisora arbeitete und wir Handwerker für die Schneeberäumung auf den Fußwegen verantwortlich waren, bin ich am 1. Januar 1979 in den Betrieb. Der Heizer war schon da und schippte den Hof, heizen konnte er nicht, denn die Ölheizung brauchte Strom, den wir nicht hatten. Nach und nach kamen andere Kollegen und guckten nach dem Rechten, Abteilungsleiter, Direktor, Kraftfahrer kamen in den Betrieb, ohne dass sie gerufen wurden. Unsere Fische im Aquarium im Frühstücksraum der Handwerker machten mir Sorgen, die Wassertemperatur sank. So bin ich nach Hause und hab auf dem Gaskocher heißes Wasser bereitet, das ich im Eimer in den Betrieb getragen und fast schluckweise ins Aquarium gegeben habe, damit die Temperatur wieder steigt. Das Prozedere hab ich mehrere Tage früh und abends wiederholt.

Schnell wurde ein Krisenstab gebildet, der sich um die Gefahrenlage zu kümmern hatte. Viele Ingenieure waren sowieso zum Schneedienst am Bahnhof Hilbersdorf eingeteilt. Der Zug der Zivilverteidigung wurde ebenso zu Hilfeleistungen eingesetzt. Verhandlungen mit der Energieversorgung brachten uns wenigstens die Gewissheit, dass wir die Heizungsanlage nicht leeren mussten. Wir bekamen immer mal für drei Stunden Strom, den wir sofort nutzten, um die Ölheizung anzufeuern. Immer unter Kontrolle der Zimmertemperaturen, damit wir nicht zuviel heizten, sondern nur so, dass die Heizung nicht einfrieren konnte. Wolfgang Aurich

Ich war damals 17 Jahre alt, wohnte in Rabenstein und war Lehrling im ersten Lehrjahr. Ich wollte mit meinen neuen Mitlehrlingen zusammen in der sogenannten Villa in Gablenz Silvester feiern. Bei der Veranstaltung kannte ich kaum jemanden und war so auf mich alleine gestellt. Alkohol floss dort reichlich, ich hatte keine Erfahrung mit den harten Sachen und merkte, ziemlich typisch in dem Alter, viel zu spät, dass alle Grenzen längst überschritten waren. Um mich nicht völlig zu blamieren, schlich ich mich noch vor Mitternacht davon. Ich hatte ganz in der Nähe, im Neubau-Block, Verwandtschaft, dorthin wollte ich mich retten. In meinem Zustand verwechselte ich den Block, wollte in die Wohnung, es war ja inzwischen saukalt, klopfte, wohl ziemlich heftig, die Tür ging auf, ich stand drin und wunderte mich: Nanu, gar keiner da? Ich hatte das Schließblech mit abgerissen. In dem Moment kam der Wohnungsinhaber, ein großer, starker Mann, zurück. Er war mit seiner Frau kurz draußen gewesen. Ohne Vorwarnung verprügelte er mich als mutmaßlichen Einbrecher nach Strich und Faden. Erst seine Frau wies ihn darauf hin, dass ich praktisch hilflos war. Daraufhin wurde die Polizei geholt, das dauerte eine Weile, und als der Streifenwagen ankam, war ich zumindest wieder ansprechbar. Vor dem Revier Carl-von-Ossietzky-Straße stand ich gegen 2 Uhr morgens alleine auf der bitterkalten Straße, ohne genau zu wissen, wo ich war. Also bin ich Richtung Zentrum gewandert, in der Hoffnung, dort einen Anschluss zu erwischen. Es schneite, wurde immer kälter, ich war nur mit einer Jeans und Studenten-Kutte bekleidet. Ich kam an der Zenti an, keine Bahn ... Okay, dachte ich, lauf ich in Richtung Zwickauer Straße, sollte die Linie 1 kommen, höre ich die und kann unterwegs noch aufspringen. Das wäre nicht das erste Mal gewesen, bei der damaligen Funkenkutsche war das noch möglich. Es kam natürlich keine Bahn und so bin ich immer weiter gelaufen, immer die Zwickauer Straße lang bis Siegmar und dann die Oberfrohnaer Straße bis Rabenstein. Früh, 5Uhr, war ich zu Hause, völlig kaputt. Axel Lederer

...
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon pentium » 9. Januar 2019, 12:27

Mit dem Beitrag "Als der Winter zur Katastrophe wurde" hat "Freie Presse" bei vielen Lesern Erinnerungen an den Jahreswechsel 1978/79 geweckt. Hier eine Auswahl der Zuschriften.

Im Winter 1978/79 war ich nicht in Karl-Marx-Stadt, sondern als Wehrdienstleistender bei der 6. Flottille der Volksmarine auf der Halbinsel Bug auf Rügen. Zunächst mussten wir alle bei der Schneeräumung der unmittelbaren Umgebung des Militärobjektes mitarbeiten. Als die Straßen soweit frei waren, bekam ich die Aufgabe, mit einem Lautsprecherwagen die Bevölkerung und im Schnee stecken gebliebene Urlauber über Notunterkünfte, Lebensmittel- und Brennstoffversorgung zu informieren. Während der zweiten Welle des Schneechaos' wurde ich zusammen mit einem Kameraden dazu eingeteilt, für etwa drei Wochen die Heizungsanlage im damaligen Haus der Armee in Dranske (heute Strandhotel), das als Notunterkunft diente, zu bedienen. Das war für zwei 19-Jährige mit Abitur eine große Herausforderung. Die Kohle war unter einer dicken Schneedecke begraben und festgefroren. Zunächst mussten wir ganz vorsichtig herausbekommen, wie die Anlage überhaupt funktioniert, ohne etwas kaputt zu machen. Die Heizer konnten aus Wiek nicht nach Dranske kommen. Telefon ging nicht. Ekhardt Preuß 1978 war mein erstes Studienjahr an der Ingenieurhochschule Mittweida. Ich wohnte in Hermsdorf/Thüringen. Die Anreise mit dem Zug nach den Weihnachtsferien klappte zwar mit erheblichen Verspätungen, aber noch erstaunlich gut. Schon in Karl-Marx-Stadt erfuhren wir, dass der Hochschulbetrieb wahrscheinlich vorübergehend eingestellt wird. Drei Viertel der Heizkörper in den Schulgebäuden und Wohnheimen waren geplatzt. In Mittweida erfuhren wir dann, dass die Semesterferien vorgezogen werden. Die Dozenten haben beim Wechsel der Heizkörper geholfen. Für uns ging es 14 Tage später mit dem Ende des Herbstsemesters und im Anschluss ohne Pause mit dem 2.Semester weiter. Mittweida war nach meiner Kenntnis eine der wenigen Hochschulen, die den Hochschulbetrieb vorübergehend einstellen mussten. Hanno Richter

Damals war ich 14 Jahre jung und die älteste von vier Geschwistern. Während die Jüngeren rechtzeitig zu Bett gebracht wurden, konnten meine Schwester und ich uns auf ein schönes Silvester freuen. Denn wie immer passte unsere liebe Oma auf die Kinderschar auf, während unsere Eltern feiern gingen. Alles lief wie immer. Wir schauten Fernsehen und warteten die Zeit ab. Plötzlich, so nach 22 Uhr, ging das Licht aus und der Fernseher sagte keinen Mucks mehr. Oma wunderte sich nur kurz und meinte: "Das wird schon wieder". Es war stockfinster! Wir machten es uns bei Kerzenschein gemütlich. Und hier sollte sich auch endlich mal der Vorzug eines Kachelofens bewähren. Weil ja nun kein Fernseher mehr lief, holten wir das "Mensch ärgere dich nicht!"-Spiel raus. Somit war die gemütliche Stimmung fast nicht mehr zu übertreffen! Oma erzählte von früher, dass es sowas während und nach dem Krieg immer mal gab. Und dann suchte Oma in ihrer Handtasche nach dem "Geheimnis"! Darauf hatten ich und meine Schwester gewartet: Eierlikör! Jedes Jahr zu Silvester hatte Oma ein Gläschen Eierlikör ausgeteilt. Oma verteilte bei Kerzenschein den Eierlikör in drei Gläschen und damit wollten wir nun in Kürze anstoßen auf das neue Jahr. In die Stille und Gemütlichkeit kam plötzlich ein Geräusch. Irgendjemand schloss die Wohnungstür auf. Und potzblitz! Da standen unsere Eltern. Sie hatten vorzeitig die Feier verlassen, weil auch dort der Strom weg war. Sie waren durch den Küchwald in aller Finsternis nach Hause gelaufen. In diesem Moment dachten wir alle Drei wohl das Gleiche: der Eierlikör! Unser verschworenes Geheimnis mit Oma! Davon sollten doch unsere Eltern nichts wissen. Während die Eltern noch von den Erlebnissen der letzten Stunden berichteten, nahm Oma geistesgegenwärtig noch zwei Gläser aus der Vitrine und füllte auch die mit Eierlikör. Gleich darauf ging draußen die Knallerei los, und wir stießen alle Fünf auf das neue Jahr an. Prost! Carmen Viehweger

Es war die Zeit der Berufsausbildung mit Abi im I-Werk. Wir waren im Lehrlingswohnheim an der Guerickestraße untergebracht und kamen kurz nach den Feiertagen dort wieder zusammen. Für mich als Johanngeorgenstädter war es eine große Freude, ganz normale heimische Schneeverhältnisse endlich auch in Chemnitz anzutreffen - hier als Katastrophe wahrgenommen. Unsere Unterkünfte in den Baracken waren ofenbeheizt, zum Glück. Die gefrorene Kohle loszubrechen, war recht einfach, so hatten wir es zumindest warm, aber noch nichts zu trinken, denn die Wasserversorgung funktionierte nicht mehr. Einer von uns kam auf die Idee, Schnee zu schmelzen. Wir nahmen einen großen Topf und waren zunächst überrascht, wie viel Schnee erforderlich war, um ein paar Liter Wasser zu erhalten. Darauf folgte die Ernüchterung. Es hatte sich eine deutliche Öl- und Schmutzschicht gebildet. Selbst unseren Kummer gewohnten Grünpflanzen wollten wir dies nicht zumuten. Statt der Ausbildung war Hilfe angesagt, bei der Schneeräumung und in der Heizung. Das gemeinsame Anpacken und Meistern der Situation hatte gut getan, den Zusammenhalt verstärkt und ungeahnte Fähigkeiten freigesetzt. Christian Köhler

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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon augenzeuge » 9. Januar 2019, 13:39

Während der Fahrt in nördliche Richtung gefror zunehmend der Regen auf der Frontscheibe, die Fahrt musste mehrfach unterbrochen werden.


Woran lag das wohl...?
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Winter 1987

Beitragvon andr.k » 18. Januar 2019, 20:49

Ein paar Info's aus dem Winter 1987.

W1 MdI.jpg


W2 MdI.jpg


W3 MdI.jpg


W4 MdI.jpg


W6 MdI.jpg
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Re: Der Katastrophenwinter 1978/79

Beitragvon Spartacus » 19. Januar 2019, 15:34

augenzeuge hat geschrieben:
Während der Fahrt in nördliche Richtung gefror zunehmend der Regen auf der Frontscheibe, die Fahrt musste mehrfach unterbrochen werden.


Woran lag das wohl...?
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