"Besorgen Sie sich einen grösseren Russen"

"Besorgen Sie sich einen grösseren Russen"

Beitragvon Werner Thal » 24. Juni 2020, 13:32

DER SPIEGEL - 1/1964 - "Besorgen Sie sich einen größeren Russen"

Die Geschichte des US-Konvois 27 / Von James P. O´Donnell

Die Landverbindung mit Berlin bleibt - ungeachtet aller Entspannungsansätze, wie sie in der
Passierscheinregelung deutlich wurden - der gefährlichste Punkt in den Beziehungen zwischen
den Weltmächten. Die jüngste Kraftprobe auf der Autobahn, der Konvoi-Stopp vom vergangenen
Oktober (!963), hat bewiesen, wie schnell zwischen Helmstedt und Babelsberg, wo östliche und
westliche Rechte nie genau abgegrenzt worden sind, eine Krise in einen militärischen Konflikt
umzuschlagen droht. Der amerikanische Journalist James P. O´Donnell, der nach dem Mauerbau
im Stab des US-Generals Clay nach Berlin entsandt wurde und daher
aus sonst unzugänglichen Quellen schöpfen kann, hat in der Zeitschrift "Der Monat" erstmals eine
vollständige Schilderung des Zwischenfalls mit unbekannten Einzelheiten veröffentlicht:

U.S. Army Convoi 27 - Lastkraftwagen von 2,5 Tonnen, Weapons Carriers und Jeeps - eine ganz
alltägliche Einheit auf einer ganz alltäglichen Marschbewegung von Westdeutschland nach West-
Berlin. Der einzige Offizier und die 60 Unteroffiziere und Mannschaften sind ein Teil der A-Kompanie
des 3. Bataillons (6. Infanterieregiment) und in Berlin stationiert.
Der Anführer, Oberleutnant Raymond C. Fields, Kompanie-Offizier, ist ein hochgewachsener, schneidiger
26jähriger Junggeselle aus Pawnee im Staate Oklahoma. Mit einer gewissen Besorgtheit denkt man
daran, dass allein von seinem Urteilsvermögen und seiner seelischen Widerstandskraft Prestige-
Fragen von so ungeheuerlicher Bedeutung abhängen, dass ein einziger Fehlschluss oder Fehltritt
dieses Mannes die ganze Welt noch näher an den ohnehin gähnenden Abgrund bringen kann.
Doch Oberleutnant Fields, als "Ranger" ausgebildet und Absolvent der Infanterieschule in Fort
Benning, steht wie alle seine Kameraden auf ähnlichen Missionen die ganze Zeit unter strengsten
Anordnungen und ist, lange eher er das erste Hindernis erreicht, genau belehrt, was er zu tun und
zu lassen hat. Dem Zufall ist kein Raum gewährt.

https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery ... f/46162643

W. T.
Benutzeravatar
Werner Thal
 
Beiträge: 1688
Registriert: 20. Februar 2013, 13:21

Zurück zu Die westlichen Alliierten in der BRD/WB

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste