Lagebild zum Antisemitismus in Sachsen

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Lagebild zum Antisemitismus in Sachsen

Beitragvon Interessierter » 23. Juni 2020, 12:45

„Ich wünsche mir, dass Sachsen der bundesweite Vorreiter im Kampf gegen Antisemitismus wird“

Aluhut, Neonazis, „Reichsbürger“: Antisemitismus und Verschwörungsmythen bedrohen jüdisches Leben im Freistaat Sachsen. Die Amadeu Antonio Stiftung veröffentlicht ein zivilgesellschaftliches Lagebild zum Antisemitismus in Sachsen. Es benennt die wesentlichen Aufgaben und Forderungen zur Stärkung des Kampfes gegen den wachsenden Judenhass.

In Zeiten der COVID-19-Pandemie erreichen Verschwörungsmythen im Netz ein Millionenpublikum. Seit ein paar Wochen begibt sich der Unmut über die vermeintliche Verschwörung der Mächtigen auf die Straße. Die Behauptung, das Corona-Virus sei eine Lüge, um eine Diktatur zu errichten, mündet in Antisemitismus und NS-Vergleiche. Ein Beispiel ist das Tragen eines gelben „Judensterns“ mit der Inschrift „Nicht Geimpft“. Der Stern soll zur Schau stellen, dass die Kritiker*innen der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus die „neuen Juden“ seien. Inzwischen wurde der Stern auf zahlreichen Kundgebungen dokumentiert. Zuletzt sorgte die Leipziger Onlinefirma „Spreadshirt“ für Aufsehen, weil sie das Motiv auf Hoodies und T-Shirts druckte.

Der Online-Verkauf von NS-verharmlosender Kleidung und die Verbreitung strukturell antisemitischer Verschwörungsmythen auf den Straßen von Dresden und Leipzig sind aktuelle Manifestationen eines Antisemitismus, der in der Gesellschaft verankert ist
: Um die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Antisemitismus im Freistaat Sachsen zu erfassen, veranstaltete die Amadeu Antonio Stiftung im Oktober 2019 ein landesweites Netzwerktreffen. Nun veröffentlicht die Stiftung ein zivilgesellschaftliches Lagebild, das exemplarische Einblicke in die verschiedenen Facetten des Antisemitismus gewährt.

So schreiben Frank Schubert und Timo Büchner über Antisemitismus in der extremen Rechten. Sie werfen einen Blick auf die extrem rechte Partei „Der Dritte Weg“, deren „Stützpunkt Vogtland“ in der sächsischen Stadt Plauen seit mehreren Jahren ein „Partei- und Bürgerbüro“ unterhält, auf die extrem rechte Musikszene und die extreme Rechte im Fußball. Gerade der Blick auf die stark ausgeprägte und fest verankerte Rechtsrock-Szene zeigt, wie offen antisemitische Botschaften verbreitet werden. Zudem berichtet Benjamin Winkler über seine Erfahrungen im Umgang mit Reichs- und Verschwörungsideologien, die in Sachsen ein vergleichsweise konstant hohes Niveau aufweisen.


Der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben und gegen Antisemitismus, Dr. Thomas Feist, warnt: „Die Hemmschwelle für verbale und körperliche Gewalt gegen Jüdinnen und Juden nimmt in den vergangenen Jahren kontinuierlich ab. Das ist – nur 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – eine massive Bedrohung für jüdisches Leben in Sachsen. Deshalb müssen wir dringend handeln!“ Insofern werden die Gespräche und Texte durch Forderungen ergänzt, die zur Stärkung der zivilgesellschaftlichen Strukturen im Kampf gegen Antisemitismus notwendig sind.

https://www.belltower.news/lagebild-zum ... rd-100575/
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