DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon Interessierter » 17. Juni 2020, 09:16

Ein ehemaliger Grenzsoldat aus Salzwedel blickt für die Volksstimme auf seine Zeit an der Grenze zurück.

Salzwedel l Es ist nass und kalt. Ein paar Krähen krächzen durch den tristen Novemberhimmel, Menschen sind weit und breit nicht zu sehen. Der Himmel zeichnet ein trübes, ein beinah trauriges Bild über den Wiesen und Bäumen der westlichen Altmark. Der Atem malt kleine Wolken. Die Feuchtigkeit zieht Schritt für Schritt durch das Schuhwerk, als Walter A. (Name geändert) bei Klein Chüden, in der Nähe der Stadt Salzwedel, seinen ehemaligen Arbeitsplatz erklärt. Walter A. war aber weder Landwirt noch Jäger, Walter A. war Grenzer.

Seine Vergangenheit sieht man ihm nicht an. Ein 67-Jähriger mit Brille, blauer Jeans, schwarzer Winterjacke und braunen Lederschuhen. Mit seiner kleinen Rente wohnt er in einem Mehrgeschosser in der Hansestadt. Mietwohnung, Balkon und kleines Auto. Walter A. ist ein gewöhnlicher Rentner im Osten Deutschlands – seine Vergangenheit ist es nicht.

30 Schuss geladen


„Die Grenze ist unter allen Umständen zu sichern“, sagt Walter A., das war sein Auftrag als Unteroffizier der Nationalen Volksarmee, kurz NVA. „Wenn ich draußen war, war meine Waffe immer mit 30 Schuss unterladen und gesichert – weitere 30 Schuss waren Reserve“, sagt der Salzwedeler. Von 1970 bis 1973 „sicherte“ er die innerdeutsche Grenze in der Altmark gegen den „kapitalistischen Westen“. „Jede Kompanie hatte etwa zehn Kilometer zu sichern“, erzählt er. Zehn Kilometer, die sein Leben prägten. Zehn Kilometer, die für die einfache DDR-Bevölkerung eine verbotene Zone darstellten. Zehn Kilometer Todesstreifen, so hat es das DDR-Regime gewollt und umgesetzt.

Mit Köfferchen am Fuchsberg

Walter A. ist kein gebürtiger Salzwedeler. Vor 67 Jahren ist er in Weißewarte, einem Ortsteil von Tangerhütte, aufgewachsen. Für seine Ausbildung zum Modellbauer zog es den Altmärker nach Wernigerode. Nach bestandener Prüfung arbeitete der heutige Rentner noch in Weißwarte in einem Betrieb als Former, als das verheißungsvolle Angebot kam. Sogenannte „Werber sind auf mich zugekommen“, erinnert er sich. Dass er seinen Dienst für die Volksarmee machen musste, war ihm ohnehin klar. Nun kam das Angebot der Grenzer. „Ich fragte einen Freund, welche Arbeit auf mich zukommen wird“, sagt Walter A., der von diesem nur belächelt wurde. „Arbeit?“, fragt der Freund. „Nein, Arbeit ist das keine. Du gehst und schaust – das ist deine Arbeit“.

Für Walter A. war das seinerzeit ein verlockendes Angebot. So führte ihn sein Weg über das Wehrkreiskommando in Tangerhütte mit einem Sammeltransport auf dem Lkw nach Wittenberge und von dort mit dem Zug nach Salzwedel. „Ich bin mit einem kleinen Köfferchen am Fuchsberg angekommen“, erinnert er sich. Ab Mai 1970 gehörte Walter A. der NVA an. Im Oktober gleichen Jahres war seine Unteroffiziersausbildung abschlossen und er gehörte fortan zum Grenzregement 24, später nach Fritz Heckert benannt. Fritz Heckert war ein Mitbegründer des Spartakusbundes. Eine Vereinigung von marxistischen Sozialisten, die während des 1. Weltkriegs am Ziel einer internationalen Revolution des Proletariats festhielten, um Kapitalismus, Imperialismus und Militarismus weltweit zu stürzen. Das Grenzregiment 24 stationierte A. in der „Kompanie 5“, seinem Abschnitt an der altmärkischen Grenze.

Die ganze Geschichte erfährt man hier:
https://www.volksstimme.de/lokal/salzwe ... er-altmark
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon steffen52 » 17. Juni 2020, 20:00

Immer schön zu lesen was Du so aus dem Netz einstellst. Möchte auch nichts dagegen sagen, aber da Du ja Fan für solche damaligen Dingen(Grenze-DDR) bist, wäre es für Dich angebracht gewesen sich mal mit EX-DDR- Grenzern und
EX-BGS Leuten an einen Tisch zusetzen und deren Geschichten( Einschätzungen) zu hören. Würde Deinen Horizont sehr erweitern! Habe ich vergangener Woche gemacht. Da bekommt man die realen Einblicke wie das damals
an der Grenze ablief. Okay, sich aus den Sessel heute zu erheben ist( Altersbedingt) nicht mehr Dein Ding, nicht böse gemeint. Da wird erzählt ohne Schmus was , egal von welcher Seite, abging! [denken]
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon Bahndamm 68 » 17. Juni 2020, 20:49

Hallo Wilfried,
auch ich habe den Artikel jetzt gelesen, einfach Klasse, dass der Mann seine Zeit nicht vergessen hat. Wie emotional er die Geschichte auch erzählt hat. Wer dabei gewesen ist, der kann die Epoche nicht vergessen. Unsere Väter haben ja ihre Erlebnisse auch bis zum Ende ihres Lebens erzählt.
Recht vielen Dank für den Artikel.
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon steffen52 » 17. Juni 2020, 20:56

Bahndamm 68 hat geschrieben:Hallo Wilfried,
auch ich habe den Artikel jetzt gelesen, einfach Klasse, dass der Mann seine Zeit nicht vergessen hat. Wie emotional er die Geschichte auch erzählt hat. Wer dabei gewesen ist, der kann die Epoche nicht vergessen. Unsere Väter haben ja ihre Erlebnisse auch bis zum Ende ihres Lebens erzählt.
Recht vielen Dank für den Artikel.
VG Hermann

Habe ja nichts gegen den Artikel gesagt(geschrieben) Hermann! Mir ging es nur darum mal sich real mit den Leuten an den Tisch zusetzen und ihre Meinung und Begegnungen persönlich zu erleben. Das ist doch das gelbe vom Ei. Kennst es doch auch
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon AkkuGK1 » 17. Juni 2020, 21:38

Na was mir aufgestoßen ist, welche NVA hat an der Grenze gestanden? Während meiner Dienstzeit habe ich nur Angehörige der GT gesehen...

Was der Interessierte mit seiner Lebenszeit anfängt, geht uns nichts an.
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon Bahndamm 68 » 17. Juni 2020, 21:42

steffen52 hat geschrieben:
Bahndamm 68 hat geschrieben:Hallo Wilfried,
auch ich habe den Artikel jetzt gelesen, einfach Klasse, dass der Mann seine Zeit nicht vergessen hat. Wie emotional er die Geschichte auch erzählt hat. Wer dabei gewesen ist, der kann die Epoche nicht vergessen. Unsere Väter haben ja ihre Erlebnisse auch bis zum Ende ihres Lebens erzählt.
Recht vielen Dank für den Artikel.
VG Hermann

Habe ja nichts gegen den Artikel gesagt(geschrieben) Hermann! Mir ging es nur darum mal sich real mit den Leuten an den Tisch zusetzen und ihre Meinung und Begegnungen persönlich zu erleben. Das ist doch das gelbe vom Ei. Kennst es doch auch
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Hallo Steffen,
was hast du wieder zwischen den Zeilen von mir gelesen. [peinlich]
Ich hatte Wilfried angesprochen und den Artikel lobenswert erwähnt und bin aber gedankenmäßig überhaupt nicht auf deine Zeilen eingegangen. Da dürfte eine Fehler in dir vorliegen. Den Smilie habe ich bewußt entfernt, warum ist nur dir bekannt.
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon steffen52 » 17. Juni 2020, 22:04

AkkuGK1 hat geschrieben:Na was mir aufgestoßen ist, welche NVA hat an der Grenze gestanden? Während meiner Dienstzeit habe ich nur Angehörige der GT gesehen...


Wie jetzt, Olaf? Zu meiner Zeit waren wir noch Grenzer der NVA. Also einfach die Zeit beachten! Später gab es nur GT und so sahen auch die Kennzeichen der Grenztruppen aus. An meine W50zig stand noch NVA.
Ja es gibt auch noch ältere User hier die an der Grenze dienen mussten!!! [denken]
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Juni 2020, 22:10

steffen52 hat geschrieben: An meine W50zig stand noch NVA.

Gruß steffen52

War das einer mit Anhänger? Wegen W50zig? Also ein W fünfzigzig. Oder konnte der nur schneller fahren?

Gruß Volker
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon AkkuGK1 » 17. Juni 2020, 22:27

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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon karnak » 18. Juni 2020, 04:02

Auf keinen Fall, ich war von 75 bis 78 da, in der Zeit gab es den Ärmelstreifen, um Hammer, Zirkel, Ährenkranz an der Autotür kam noch ein grüner Streifen und das KFZ Schild wechselte von NVA in GT.
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon Edelknabe » 18. Juni 2020, 07:08

Konkret/exakt erstes Halbjahr 1977 Einführung des Schwarz Rot Gold gestreiften Trainingsanzuges, auch das mit dem Ärmelkram auf der Ausgangsuniform. GT im Nummernschild stand schon drauf.Karnak, wie machte das Schwein, als es gegen die Wand rannte? Richtig Mann.....nämlich Uffffffz.

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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon karnak » 18. Juni 2020, 09:28

Eine Weile war statt des Ärmelstreifens sogar mal ein grünes Barett im Gespräch. Sich aber daran erinnernd, dass es die " Green Beret" schon gibt hat man sich wohl anders entschieden. [flash]
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon AkkuGK1 » 18. Juni 2020, 12:42

"Humor aus" haste vergessen Maria!

schöne Grüße von Klaus Kinski
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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon Edelknabe » 18. Juni 2020, 17:14

Wir sind zwar voll OT Akku, aber dieser Klaus Kinski, ich konnte den Kerl nie leiden und plötzlich, der wollte mal den wars Jesus spielen, auf irgendeiner Bühne, da wurde mir der Kerl richtig symphatisch.Wegen wohl so einem Arschloch von Zuschauer. Ob der eventuell Pensionenbetreiber war? Humor aus.

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Re: DDR: Meine Zeit als Grenzer in der Altmark

Beitragvon steffen52 » 18. Juni 2020, 17:25

Edelknabe hat geschrieben:Wir sind zwar voll OT Akku, aber dieser Klaus Kinski, ich konnte den Kerl nie leiden und plötzlich, der wollte mal den wars Jesus spielen, auf irgendeiner Bühne, da wurde mir der Kerl richtig symphatisch.Wegen wohl so einem Arschloch von Zuschauer. Ob der eventuell Pensionenbetreiber war? Humor aus.

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