Der "weiße Tod" im Hungerwinter 1946/47

Der "weiße Tod" im Hungerwinter 1946/47

Beitragvon Interessierter » 17. Juni 2020, 08:58

Rund 55 Millionen Tote: Das ist die Schreckensbilanz von zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktaktur und des von Deutschland ausgehenden Angriffskrieges, des Zweiten Weltkriegs. Allein die Sowjetunion hat für ihren Anteil am Sieg über das nationalsozialistische Deutschland mit dem Tod von 27 Millionen Menschen bezahlt.

Am Ende des Jahres 1946, des ersten vollen Friedensjahres, ist in vielen kriegszerstörten europäischen Ländern kein Aufschwung in Sicht. Der Wiederaufbau verläuft äußerst schleppend. Ein trockener heißer Sommer hat dafür gesorgt, dass die Ernteerträge vielerorts selbst hinter den bescheidenen Erwartungen zurückgeblieben sind.

Kältester Winter des 20. Jahrhunderts


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Jedes Feuer bringt ein wenig Erleichterung: Trümmerfrauen wärmen sich am Feuer die von der Arbeit starren Hände.

Eine unerwartete Entwicklung macht die Lage noch schlimmer: Zwischen November 1946 und März 1947 müssen die Menschen den kältesten Winter des 20. Jahrhunderts durchleben. Schon im November sinken die Temperaturen unter Null. Anfang Dezember beginnt eine zweite Frostwelle und auch im Januar werden neue Minusrekorde gemessen. Die Kälte ist nicht nur grimmiger als gewöhnlich, sie dauert auch quälend lange an.

Als "weißen Tod" und "schwarzen Hunger" bezeichnen die Menschen damals ihr Elend. Nicht nur Deutschland ist betroffen, die Lage der Bevölkerung in ganz Europa ist dramatisch. Am härtesten trifft es die Sowjetunion. Schätzungen von Historikern zufolge kosten die Hungerjahre hier zwischen 1946 und 1948 noch einmal rund zwei Millionen Menschen das Leben.

Hungerwinter mit Hunderttausenden Toten in Deutschland

In Deutschland kämpfen vor allem die Bewohner der zerbombten Städte mit dem Hunger. Die Anzahl derer, die im Verlauf der Kälteperiode an den Folgen von Frost und Mangel sterben, ist nur annähernd schätzbar. Mehrere Hunderttausend Tote sind es, so die Hochrechnungen von Historikern.

Großstädter leiden besonders

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Stundenlang stehen die Menschen etwa 1946 in Hamburg Schlange, um an zugeteilte Lebensmittel zu gelangen.

In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Köln trifft die Kälte eine bereits stark ausgezehrte und geschwächte Bevölkerung. In Köln etwa können die Menschen sich im Verlauf des Jahres 1946 schon glücklich schätzen, wenn ihre täglichen Rationen mehr als 1.000 Kalorien ergeben. 800 Kalorien und weniger sind keineswegs selten. Die Zuteilungsperioden der Lebensmittelmarken werden zum alles bestimmenden Zeitmaß. Das tägliche Leben ist geprägt von der Anstrengung, das Allernötigste heranzuschaffen. Das heißt: stundenlanges Anstehen, weite Hamsterfahrten, Tauschen, aber auch gelegentlicher Diebstahl.

Der Bericht geht hier weiter:
https://www.ndr.de/geschichte/chronolog ... er166.html
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