Wie Jugendliche in der DDR-Psychiatrie litten

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Wie Jugendliche in der DDR-Psychiatrie litten

Beitragvon Interessierter » 5. Februar 2020, 11:20

Sein halbes Leben war Axel Niebel weggesperrt. Den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte er in drei Kinderheimen, zwei geschlossenen Psychiatrieabteilungen im Vogtland und in Stralsund und später in einem Pflegeheim für Behinderte - obwohl er kein Pflegefall war. Lern- und Anpassungsschwierigkeiten nach einem Sturz aus einem Fenster im vierten Stock wurden dem Heimkind Axel zum Verhängnis. "Heute kriegst du Nachhilfeunterricht, einen Pädagogen an die Hand. Ich hab' eben Pech gehabt und kam in die Psychiatrie", sagt Axel und lacht verhalten.

"Wer glaubt schon einem Idioten?"


Kein Schulunterricht mehr nach der 6. Klassenstufe, keine Therapie, stattdessen prägten Gewalt, Gehorsam und Arbeit fortan seinen Alltag. Er erinnert sich, wie ein Pfleger ihn an den Haaren durch den Flur schleifte, sodass Büschel davon auf dem Boden lagen. Er sammelte sie auf, steckte sie in eine Tüte als Beweis für die Misshandlung. "Aber gegen ein Personal aus der Psychiatrie? Wer glaubt einem Idioten aus der Psychiatrie?"

Patienten wurden ohne rechtliche Grundlage fixiert


Der Psychiater Jan Armbruster, der seit vielen Jahren zur Geschichte der Psychiatrie in Stralsund forscht, weiß, dass viele ehemalige Patienten bis heute Angst davor haben, über ihre Erlebnisse zu berichten, erst recht gegenüber einem Psychiater. Im Keller des Stralsunder Hanseklinikums steht noch ein altes Netzbett. In einem solchen Bett wurde auch Axel Niebel in den 80er-Jahren fixiert. Ohne jede rechtliche Grundlage. "Ich weiß auch nicht, wie ich das ausgehalten habe", sagt er.

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In solchen Netzbetten wurden viele Betroffene zu Unrecht fixiert.

Mehr erfährt man hier:
https://www.ndr.de/geschichte/Das-Schic ... ie146.html
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