„Pistole statt Ball" - NVA, Vopo und Stasi im Fußball

Wie lief der Alltag in beiden deutschen Staaten zur Zeit der Teilung ab? Wie wurde gearbeitet? Was waren typische Berufe? Was wurde nach Feierabend gemacht? Wohin gings in den Urlaub?
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„Pistole statt Ball" - NVA, Vopo und Stasi im Fußball

Beitragvon Interessierter » 2. Februar 2020, 11:59

Vor 30 Jahren fiel die Mauer. Bis dahin mischten sogar Militär und innere Sicherheitsorgane im DDR-Fußball fleißig mit.

Berlin. Die rund 7000 Zuschauer im Erfurter Georgi-Dimitroff-Stadion erlebten am ersten Spieltag nach der Winterpause der DDR-Oberliga-Saison 1989/90 eine besondere Premiere. Zu Gast war der FC Berlin, der am 13. und letzten Spieltag der Hinrunde Anfang Dezember noch unter dem Namen BFC Dynamo angetreten war. Doch rund sechs Wochen nach dem Sturm auf die Stasizentrale in der Berliner Normannenstraße am 15. Januar hatte der Oberliga-Serienmeister die namentlichen Verbindungen zum langjährigen Sponsor Staatssicherheit mit Chef Erich Mielke gekappt. Unter dessen Regentschaft hatte der Verein von 1979 bis 1988 zehn Titel in Serie geholt.

Bananen für die Spieler

Doch nicht nur das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als Dienstgeber allein erregte die Gemüter in der Republik. Der Club profitierte von Bevorteilungen durch Schiedsrichter und genoss auch ein gewissen Hauptstadt-Bonus. „Wir waren der böse Stasiverein, klar“, sagte Frank Rohde anlässlich des 50. Vereinsbestehens im Jahr 2016, „wir kamen aus der Hauptstadt, in der es mehr gab als anderswo. Orangen etwa oder Bananen. Da war der Groll auf Dynamo und die Stasi – und der Neid auf den Erfolg, den wir hatten“.

Aber nicht nur mit Bananen und Orangen wurden die Kicker versorgt. Das Sponsoring beinhaltete in vielen Fällen recht schnell ein Auto, worauf normalerweise Jahre gewartet werden musste. Auch eine Wohnung für die Familie wurde bereitgestellt, im günstigsten Fall noch eine Datscha im Grünen und ein Job für die Spielerfrau.


300 Motorräder als Teil der Ablösesumme

Libero Rohde, der nach der Wende auch für Hertha BSC im Westteil der Stadt verteidigte, nannte auch die menschliche Komponente innerhalb des Teams: „Wir waren Spieler, die einen guten Teamgeist und viel Spaß miteinander hatten.“ Einer der Spieler war Andreas Thom, der als erster Ost-Profi für die damals enorme Ablösesumme von 2,8 Millionen D-Mark schon im Januar 1990 in den Westen zu Bayer Leverkusen wechselte. Der umtriebige Manager Reiner Calmund hatte als Teil der Ablösesumme sogar 300 Motorräder angeboten. „Aber das haben die BFC-Verantwortlichen abgelehnt“, sagte Calmund zum 20. Jubiläum der Fußball-Einheit.

Pistole statt Ball


Ungleich mehr Sympathien als der Stasi-Verein zog Dynamo Dresden an, auch wenn in der Elbmetropole die Volkspolizei das Sagen hatte. „Es war ja kein Geheimnis. Wir hatten Uniform und sogar einen Stahlhelm. Spieler hatten einen Dienstgrad, nach dem wurden sie bezahlt“, erzählt der frühere Trainer Eduard Geyer, der selbst Major der Nationalen Volkspolizei gewesen war. Und auch vor den polizeilichen Pflichten waren die Fußballer nicht gefeit. Pistole statt Ball hieß es laut Geyer: „Ich erinnere mich, dass wir einmal im Trainingsanzug zur Schießübung gefahren sind. Mit der Zeit hat das immer mehr abgenommen.“

Trotzdem unterschied sich das Image der Polizisten von dem des Mielke-Vereins. „Dynamo war eigentlich immer ein Verein, den man mit Fußball identifizierte, der die Leute durch sein Spiel begeisterte“, sagte Geyer, der nach der Wende Energie Cottbus in die Bundesliga führte.

ASK Vorwärts Berlin feierte letzten Meistertitel

Nicht in der Wendezeit, sondern zur Zeit des Mauerbaus beherrschten die Armeefußballer des ASK Vorwärts Berlin die Liga und feierten 1965 den vierten und letzten Meistertitel. Sechs Jahre später wurde der Verein nach Frankfurt/Oder delegiert, konnte aber nie mehr an die Glanzzeiten anknüpfen und mit dem Stasiclub BFC Dynamo oder dem Polizeiclub Dynamo Dresden mithalten.

In der letzten Oberligasaison 90/91 waren alle drei Clubs noch mal auf höchster nationaler Ebene unterwegs, dann trennten sich die Wege. Allerdings vereinen die zuvor großzügig gesponsorten Vereine zahlreiche Achterbahnfahrten durch die unteren Spielklassen auch bedingt durch wirtschaftliche Einflüsse. Deren Geldquellen versprachen oft regelrechte Flüsse, entpuppten sich dann aber eher als Rinnsale.

Der Nachfolgeverein 1. FC Frankfurt/Oder spielt aktuell in der sechstklassigen Brandenburg-Liga, zwei Klassen höher tritt der wieder in BFC Dynamo umbenannte Berliner Club in der Regionalliga gegen den Ball. Dynamo Dresden, auch schon im Fußball-Oberhaus des wiedervereinten Deutschland dabei, hält sich als einziger der Drei im Profifußball der 2. Bundesliga.

https://www.sportbuzzer.de/artikel/pist ... -fussball/

Eine Fußballmannschaft musste im Trainingsanzug zum Schießtraining fahren...... [laugh]
Was es in dieser " demokratischen " Republik so alles gab? Dabei sollten die doch eigentlich Toreschießen trainieren.
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Re: „Pistole statt Ball" - NVA, Vopo und Stasi im Fußball

Beitragvon icke46 » 3. Februar 2020, 11:52

Ich würde ja von der Sportbuzzer-Redaktion wissen, was für eine Organisation die Nationale Volkspolizei war -
ich meine, die Deutsche Volkspolizei ist mir ein Begriff, aber das scheint ja eine ganz geheime Truppe gewsen
zu sein - vermutlich hat nicht mal die Stasi was von ihrer Existenz geahnt [grins] .

Dabei fällt mir gerade ein, dass die Volkspolizei sich selbst als "deutsch" bezeichnete, obwohl doch das Wort ab-
geschafft werden sollte. Ich habe das noch im Ohr, wie zur Zeit des Hausarrests von Robert Havemann entweder
Fritz Pleitgen oder Lothar Loewe in Grünheide drehten und dabei von einem Offizier vom Platz gestellt wurden mit
dem Satz, dass "das hier abgesperrtes Gebiet der Deutschen Volkspolizei ist".
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Re: „Pistole statt Ball" - NVA, Vopo und Stasi im Fußball

Beitragvon Interessierter » 18. März 2020, 10:14

Botschafter im Trainingsanzug

Am 27. März 1953 entstand die Sportvereinigung "Dynamo" aus dem Zusammenschluss der Sportvereine der Stasi, des Ministeriums des Innern und der Zollverwaltung, getreu dem sowjetischen Vorbild. Mit ihren Clubs dominierte die Sportvereinigung fortan den Sport in der DDR und machte mit zahlreichen Weltmeistern und Olympiasiegern international Furore. Die Athleten wurden von der Stasi protegiert, wer aber aus der Reihe tanzte oder sich in den Westen absetzen wollte, wurde als "Sportverräter" verfolgt.


Sportvereinigung "Dynamo"

Eine Sonderstellung nahm daher die Sportvereinigung "Dynamo" ein. Sie agierte fast uneingeschränkt innerhalb des DDR-Sportsystems und verfolgte einen eigenen, sportpolitischen Kurs. Der Sportvereinigung kam dabei eine besondere Vorbildwirkung zu, festgelegt in der Satzung der SV Dynamo. Mitglieder sollten sich auszeichnen

durch "tiefe Liebe zu ihrem sozialistischen Vaterland, Treue zum Arbeiter-und-Bauern-Staat und zur Partei der Arbeiterklasse",
durch "Standhaftigkeit, Mut, Kühnheit, Ausdauer und Entschlußkraft",
durch "revolutionäre Wachsamkeit und hohe Einsatzbereitschaft zur Verteidigung des Friedens gegen die Feinde der Menschheit" und
durch "ihr Eintreten für Humanismus und Völkerfreundschaft im Geiste der hohen Ideale der olympischen Idee".


Von der Gründung der SV Dynamo im Jahr 1953 bis 1989 war Erich Mielke der 1. Vorsitzende der SV, den 2. Vorsitzenden stellte das Ministerium des Innern. Die finanzielle und materielle Ausstattung der SV Dynamo erfolgte fast ausschließlich durch das MfS. Mit zuletzt 278.000 Mitgliedern und 380 Sportgemeinschaften war sie die zahlenmäßig stärkste und erfolgreichste Sportvereinigung innerhalb des Deutschen Turn und Sportbundes (DTSB).

Der größte Sportclub in der Sportvereinigung Dynamo war der Sportclub Dynamo Berlin (SC Dynamo), der fast alle olympischen Disziplinen trainierte. Aus ihm gingen weitere Sportclubs hervor, darunter der SC Dynamo Berlin-Hoppegarten, der BFC Dynamo, die Kinder - und Jugendsportschule Dynamo, die Sportstätten des Sportforums Berlin und einige mehr. Darüber hinaus bestanden in der SV Dynamo einige Sportgemeinschaften, die gleichermaßen wie die Sportclubs gefördert wurden und unter Profi-Bedingungen zahlreiche DDR-Meister, Weltmeister und Olympiasieger hervorbrachten.

„"Die Sport­vereinigung Dynamo leistet in enger Verbundenheit mit den Werktätigen und in kamerad­schaftlicher Zusammenarbeit mit den demokratischen Massen­organisationen einen aktiven Beitrag zur Lösung der Aufgaben des sozialistischen Aufbaus und zur weiteren Festigung und Stärkung der Deutschen Demokratischen Republik."“

Der vollständige Beitrag hier:
https://www.bstu.de/informationen-zur-s ... ingsanzug/
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