Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

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Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Interessierter » 2. Februar 2020, 08:33

Anläßlich der anhaltenden Bauernproteste stelle ich mir die Fragen: " Werden die Bauern durch den Preisdruck von Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Co. zu nicht artgerechter und auch Massentierhaltung gezwungen "?

" Wieso regen sich die Landwirte eigentlich wegen der neuen Düngeverordnungen auf, wo sie doch über Jahrzehnte unsere Böden mit zu viel Gülle und Chemie vergiftet haben "?

Gleichzeitig fällt mir auch ein, dass ich als Kind schon immer hörte, dass die Bauern schon jammernd gezeugt würden und das später im Mercedes sitzend, auch noch jammern und stöhnen täten. Die richtige Beurteilung liegt vermutlich irgendwo in der Mitte, oder wie seht ihr das?

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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon karnak » 2. Februar 2020, 09:02

Braucht man gar nicht zu reden,runtergerechnet entscheidet der Endverbraucher. Und der entscheidet sich nun mal in der großen Masse so, dass Aldi und Co., gerne auch die Großbäckerei, den Schnitt und das Rennen macht, über eine Macht verfügt die Deine " Mercedes Bauern " dazu zwingen so zu handeln und zu produzieren wie sie es tun wenn sie nicht untergehen wollen. Und mittlerweile hat " die Macht " die Schrauben soweit angezogen, dass es auch mit Gülle und Glyphosat fast nicht mehr reicht. Kapitalismus nennt sich sowas und das ist der Preis den man für den von diesem produzierten Wohlstand für eine absolute Minderheit der Menschheit zu zahlen hat. Und wir können natürlich die große Fresse haben, ohne eigenes Verdienst sind wir in dieser kleinen Wohlstandsblase geboren.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon augenzeuge » 2. Februar 2020, 11:21

Es gab unlängst ein Treffen im Kanzleramt. Vertreter aller Supermarkt Ketten bei Merkel.

Ich bin dafür, dass diese Geiz ist geil Werbung bei Lebensmitteln nichts verloren hat. Mich bekommt man damit nicht, mit Werbung der Qualität schon.

Hoffe, man setzt Mindestpreise für Grundnahrungsmittel.
Gleichzeitig kann man die Steuern auf Obst und Gemüse streichen. Ist gesund, auch für den Staat.

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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon pentium » 2. Februar 2020, 11:34

"Da stimmt doch etwas nicht" Klöckner kritisiert tiefe Lebensmittelpreise
https://www.n-tv.de/politik/Kloeckner-k ... 03503.html

Recht hat die Frau Ministerin...Nur bei uns gibt es die Geiz ist geil Mentalität.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Kumpel » 2. Februar 2020, 11:51

Na klar , die Politik macht es sich einfach. Die knickrigen Verbraucher sind schuld.
Dabei ist zu bedenken , dass genau die schon die Landwirtschaft milliardenschwer subventionieren und wenn es um die gesetzliche Einschränkung von Massentierhaltung , Pestiziden und Dünger geht wird von der Frau Ministerin gebremst.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon pentium » 2. Februar 2020, 11:57

Kumpel hat geschrieben:Na klar , die Politik macht es sich einfach. Die knickrigen Verbraucher sind schuld.
Dabei ist zu bedenken , dass genau die schon die Landwirtschaft milliardenschwer subventionieren und wenn es um die gesetzliche Einschränkung von Massentierhaltung , Pestiziden und Dünger geht wird von der Frau Ministerin gebremst.
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Und wie lösen wir nun das Problem? Alles Bio?
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Volker Zottmann » 2. Februar 2020, 12:04

Ließe der Staat von Anfang an den Endverbrauchern mit geringerer Steuerlast mehr Geld in der Tasche, könnte jeder die tatsächlichen Erzeugerpreise zahlen. Verloren geglaubte Steuern brauchte der Staat so auch nicht in Landwirtschaftssubventionen zu stecken. Die heute teils enorm niedrigen Löhne der Geringverdiener sind automatisch der Auslöser für niedrig gehaltene ungesunde Preispolitik.

Gruß Volker
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon pentium » 2. Februar 2020, 12:07

In einem Video auf YouTube appelliert Dirk Andresen von "Land schafft Verbindung - Deutschland" an alle Landwirte, am 17. Januar Kundgebungen in allen Bundesländern zu organisieren. Die Proteste sollen sich gegen die geplante neue Düngeveordnung richten. Außerdem soll der Berufsstand möglichst geschlossen für faire Preise im Lebensmitteleinzelhandel eintreten.

https://www.agrarheute.com/politik/aufr ... ten-563276
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Edelknabe » 2. Februar 2020, 12:08

Wenn ich unseren Großbauern so letztes Jahr beobachtet habe, bei meiner täglichen Fahrt an seinen X X X Hektar entlang. Der Mann macht fast nur noch auf Kartoffeln, eine Sorte blühender wie die Andere. Kartoffeln müssen irgendwie der absolude Renner sein, werden? Kennt einer deren Einkauf/ Ankaufpreise? Und gut so, ich esse Kartoffeln um mein Leben gerne, fast jeden Tag. Mehlig kochend, ich könnte or nee Männers, gleich gibt es wieder welche...."Susanne verdammt, lass das doch mit der Waschmaschine, hörst du nicht die Kirchenglocken, es ist Zwölf....Essenszeit".

Rainer-Maria

PS: Nicht mal beim Bio steht der Erzeuger drauf, so ich in der Woche unter drei Sorten Haferflocken ausgesucht.Genommen habe ich dann vor Verzweiflung oh pentium ich mag es garnicht texten die Grobkörnig Billigsten.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon karnak » 2. Februar 2020, 12:09

augenzeuge hat geschrieben:Es gab unlängst ein Treffen im Kanzleramt. Vertreter aller Supermarkt Ketten bei Merkel.

Ich bin dafür, dass diese Geiz ist geil Werbung bei Lebensmitteln nichts verloren hat. Mich bekommt man damit nicht, mit Werbung der Qualität schon.

Hoffe, man setzt Mindestpreise für Grundnahrungsmittel.
Gleichzeitig kann man die Steuern auf Obst und Gemüse streichen. Ist gesund, auch für den Staat.

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Solche Maßnahmen widersprechen aber nun mal den Mechanismen des Marktes und besonders des Kapitalismus, dass ist am Ende überhaupt nicht umsetzbar wenn man nicht an grundsätzlichen Säulen des ökonomischen Systems sägen will. Und das wird man zu verhindern wissen. Es gibt nur eine Möglichkeit, dass sich das verändert unter den Bedingungen des bestehenden Systems, beim Endverbraucher setzt sich ein mehrheitlicher Wille und besonders Bedürfnis durch andere, besonders anders produzierte Produkte kaufen zu wollen, einschließlich der Bereitschaft den dafür erforderlichen Preis zu zahlen.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon augenzeuge » 2. Februar 2020, 12:12

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, warnte die großen Supermarktketten davor, die Lebensmittelerzeuger zu sehr unter Druck zu setzen. „Die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels dürfen ihre Macht nicht dazu missbrauchen, die Konditionen einseitig zulasten der Erzeuger und Produzenten festzusetzen“, sagte Mundt dem Tagesspiegel. Die Wettbewerbsbehörde sieht die Machtkonzentration kritisch.

Der Preiswettbewerb der Discounter und Supermarktketten hat sich im Januar noch einmal intensiviert. Besonders Fleisch wird zu Sonderpreisen angeboten. Mit Blick auf das Tierwohl appelliert die Umweltschutzorganisation Greenpeace an den Handel, „auf Werbung für Fleisch zu Dumpingpreisen zu verzichten“, so Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Stephanie Töwe.

Der Lebensmittelhandelsverband lehnt das ab. „Sonderangebote gehören zur Preispolitik und damit zum Einmaleins der Betriebswirtschaft“, sagte Verbandspräsident Friedhelm Dornseifer. Man könne über die Höhe von Aktionspreisen anderer Auffassung sein. „Aber wie will man allgemeingültig festlegen, was anständig ist und was nicht?“

Agrarministerin Klöckner kritisiert, dass Lebensmittel hierzulande zu billig sind. Im europäischen Vergleich liege Deutschland weit hinten, wenn es um den Anteil der Lebensmittel an den Konsumausgaben geht. Die Ministerin will den Handel mit schärferen Gesetzen in die Zange nehmen und unfaire Handelspraktiken verbieten. Eine entsprechende EU-Richtlinie will Klöckner möglichst schnell umsetzen.


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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon zoll » 2. Februar 2020, 13:16

pentium hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Na klar , die Politik macht es sich einfach. Die knickrigen Verbraucher sind schuld.
Dabei ist zu bedenken , dass genau die schon die Landwirtschaft milliardenschwer subventionieren und wenn es um die gesetzliche Einschränkung von Massentierhaltung , Pestiziden und Dünger geht wird von der Frau Ministerin gebremst.
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Das weiß ich allerdings auch nicht. Ein Gedankengang geht mir dabei im Kopf herum. Gehe ich zum Discounter, was ich allerdings selten tue, so fällt mir auf, dass dort nicht nur Autos der unteren und der mittleren Preisklasse stehen. Deshalb ergibt sich die Frage, ob die SUV´s und anderen Oberklasseschlitten auch mit dem Hintergedanken "Geiz ist geil" beim Händler gekauft wurden. Der versucht doch, statt mit weglassen irgendeiner Ausstattung, dem Kunden ein paar unnütze Nettigkeiten dazu zu ordern.
Die Frauen nehmen dann die "schönste und teuerste Metalliclackierung", der Herr über den Geldbeutel entscheidet sich dann für den teuren technischen Schnickschnack, und ruckzuck ist das Traumauto gleich 10.000 € teurer als geplant.
Macht aber nichts sagt er dann, das holen wir ganz schnell wieder rein, wenn wir immer beim Aldi einkaufen.
Wer ist also der Verlierer und wer der Gewinner in diesem Wettstreit?
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Kumpel » 2. Februar 2020, 16:06

pentium hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Na klar , die Politik macht es sich einfach. Die knickrigen Verbraucher sind schuld.
Dabei ist zu bedenken , dass genau die schon die Landwirtschaft milliardenschwer subventionieren und wenn es um die gesetzliche Einschränkung von Massentierhaltung , Pestiziden und Dünger geht wird von der Frau Ministerin gebremst.
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Nein , sicher nicht mit ausschließlich rein biologischem Anbau und Erzeugung.
Die Subventionspolitik sollte überdacht werden, heute ist es so , dass große Betriebe hohe Subventionen erhalten.
Subventionen sollten an strengere Mindeststandards gebunden werden , soll heißen bekommt das Schwein mehr Platz oder Auslauf gibt es mehr Subventionen , werden weniger Dünger oder Chemie ausgebracht ebenso.
Die Böden sollten flächendeckend untersucht werden und Bauern die ihre Böden organisch biologisch pflegen bekommen dafür finanzielle Unterstützung.
Das alles und noch andere Schrauben müssten europaweit gedreht werden.
Die Preise für Lebensmittel werden dadurch steigen , die negative Gesamtbilanz für die Umwelt und die Subventionen langfristig sinken und weniger Subventionen können weniger Steuerbelastung bedeuten.
Könnten.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Interessierter » 3. Februar 2020, 07:48

Sind 20 Cent für 100 Gramm Hähnchenschenkel unanständig?

Am Montag müssen Edeka und Co. zum Rapport zur Kanzlerin. Es geht um Dumpingangebote für Nahrungsmittel. Der Handel steht am Pranger.

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesagrarministerin Julia Klöckner (beide CDU) werden dabei sein. Wem ihre Sympathien gehören, hat die Landwirtschaftsministerin allerdings bereits vor dem Treffen klar gemacht: „David gegen Goliath, so fühlen sich aktuell Erzeuger, wenn sie mit dem Handel verhandeln – Augenhöhe ist nicht gegeben“, kritisiert Klöckner.

„Mit dauerhaften Dumpingangeboten für Nahrungsmittel setzt der Handel ein falsches, auch gefährliches Signal.“ Hähnchenschenkel für 20 Cent pro 100 Gramm, das sei „unanständig“, hatte Klöckner auch kürzlich im Tagesspiegel-Interview angeprangert.

„Lebensmittel dürfen nicht zu Schnäppchenpreisen verramscht werden“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied dem Tagesspiegel. Auch der Handel müsse seinen Teil dazu beitragen, dass höhere Standards im Stall oder auf dem Feld einen höheren Preis erfordern. Bei dem Treffen am Montag sind die Bauern allerdings nicht dabei.

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ ... 97124.html
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon pentium » 3. Februar 2020, 10:39

Es gab Zeiten, da kannte man das Wort "Sonntagsbraten". Es war dann das (fast) einzige Fleisch, das in der Woche auf den Tisch kam. Für "mehr Fleisch" reichte das Geld nicht oder die Ressourcen, wenn man Selbstversorger war (und in Nachkriegszeiten müssen wir gleich gar nicht drüber sprechen). Heute sagen die Statistiken (mit großer Schwankungsbreite) etwas von 44 bis 60 kg Fleischkonsum pro Jahr und Einwohner. Das sind 120 bis 160 g täglich. Würde man das alles Sonntags als Braten auf den Tisch stellen, dann wären es ein knappes Kilogramm Fleisch je Einwohner.

Mit vielleicht 1/4 des heutigen Fleischkonsums hätten wir auch 3/4 der damit verbundenen Belastungen weg. Also 3/4 der Gülle, die unser Grundwasser mit Nitrat anreichert. 3/4 weniger Flächenverbrauch beim Futtermittelanbau, der gerne externalisiert wird und dann u.a. für die recht aktuellen Szenen des brennenden Regenwaldes sorgt - da wird Regenerationsfläche für die Erdatmosphäre vernichtet. 3/4 weniger Methan (Treibhausgas) aus Wiederkäuer-Mägen, 3/4 weniger aus der "Tierproduktion" stammende Ammoniakbelastung der Atmosphäre. Das ist schon erheblich.

Hinzu kommt: das "Zwischenschalten" der sogenannten Nutztiere als "Konverter", die aus pflanzlicher Energie und Proteine tierische Energie und Proteine machen, ist hochgradig ineffizient. Wären die Nutztiere Maschinen (und das Bild drängt sich auf, unsere Industrieroboter hatten in ihren Käfigen sogar deutlich mehr Platz als ein Mastschwein beispielsweise hat), würde man den Wirkungsgrad bestimmen und der wäre verheerend. Es sind gerade mal ca. 20% der Kalorien, die aus dem Tierfutter rüber in vom Menschen verwertbare Tierbestandteile (Fleisch, Fett, Milch) gerettet werden können. Bei den Proteinen fand ich jetzt auf die Schnelle eine Zahl von knapp 40%. Wir müssen für die gleiche Menge an Brennwert aus tierischer Nahrung ca. 5 mal soviel pflanzlichen physiologischen Brennwert einsetzen. Andersherum könnten also mit der gleichen Anbaufläche grob gesagt 5 mal so viele Menschen ernährt werden, als von den tierischen Kalorien, die beim Abweiden dieser Fläche entstehen, ernährt werden können. Hier liegt eine Haupt-Stellschraube zur globalen Bekämpfung von Hunger und Armut (und damit auch zur Bekämpfung von Migration) und ganz nebenbei liegt hier eine wichtige Stellschraube zum Klimaschutz.

...
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon zoll » 3. Februar 2020, 11:11

Pentium, das sind wahre Worte. Was bleibt übrig um Mensch, Tier und Umwelt in die richtige Relation zu bringen?
Ohne Verzicht auf Verbrauch wird es leider nicht funktionieren. Davon wollen aber die meisten Verbraucher nichts hören,weil ihnen nicht die Zusammenhänge von verantwortlicher Seite nahe gebracht werden.
Politik und Wirtschaft predigen, dass die Dinge in ein vernünftiges Verhältnis gebracht werden müssen. Wie diese Verhältnis allerdings aus sieht, darüber schweigen die Verantwortlichen. Erklärt man diesen Zwiespalt allerdings dem Volk, so würde das Ergebnis ganz anders aussehen.
Der Grüne Habeck hat vorgeschlagen, einen Tierwohlpfennig einzuführen. So einen blöden Spruch hätte ich von ihm nicht erwartet. Ohne Verordnung durch die Politik, Tierhaltung großzügiger zu gestalten, die Kosten dafür auf das Lebensmittel Fleisch aufzuschlagen und keine Subventionen für diese Baumaßnahmen zu geben geht es nicht.
Automatisch würde der Fleischverbrauch abnehmen, weil der Preis steigt. Damit wäre allen geholfen, die damit zu tun haben.
Langfristig würde das Einkommen der Bauern steigen weil der Konsument weniger Fleisch essen wird, die Gesundheit der Verbraucher würde sich verbessern, weil die Cholesterinwerte sinken würden, die Wartezeit auf einen Arzttermin würden sich verbessern. Vielleicht würde die Pharmaindustrie etwas leiden, aber das ist zu vernachlässigen, weil denen sich etwas neues einfällt. Man könnte immer so weiter schreiben, was sich verändern könnte oder sollte.
Fazit: Alles hängt irgendwie miteinander im Zusammenhang.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Nostalgiker » 3. Februar 2020, 11:34

Zum Fleischkonsum zählt auch Wurst etc. und nicht nur Schnitzel oder der Sonntagsbraten.

Allerdings wurde früher unter der Woche wirklich weniger Fleisch gegessen, zumindest für Suppen wurde eine Brühe mit Suppenfleisch gekocht oder als Variante aus Suppenknochen.
Es gab auch öfters, heute würde es vegetarisch heißen, Essen welches nur aus Kartoffeln und Gemüse bestand, auch gab es mal Eier dazu.
Wer kennt sie nicht, die beliebten Senfeier.
Ebenso Leber und andere Innereien.

Der Fleischkonsum stieg nach dem Krieg erst im Wirtschaftswunderteilland an; nach dem Motto; "wir leisten uns wieder was", und der andere Teil zog bezüglich Fleischverbrauch etwas später nach.
Leider ist dieses Verhalten, Hauptsache Fleisch auf den Teller oder Grill und das möglichst jeden Tag bis Heute erhalten geblieben.

Dann gibt es auch noch die gefühlte flächendeckende Versorgung mit Fast Food und da wieder Hervorstechend die seltsamen Soßen vollgekleckerten geschmacksneutralen Burger die in eingeweichter Pappe dargeboten werden.
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon pentium » 3. Februar 2020, 11:38

Und dann stellt ein deutsches Gericht fest, dass man weiter fleißig Hühner (Hähne) schreddern darf. Oder giftige Düngemittel weiter verwenden werden dürfen. Oder um Benzin (E10) herzustellen viel Raps angebaut werden soll (Monokultur). Das ist alles bekloppt - oder sind wir es halt?
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Interessierter » 3. Februar 2020, 12:14

Zitat zoll:
Der Grüne Habeck hat vorgeschlagen, einen Tierwohlpfennig einzuführen. So einen blöden Spruch hätte ich von ihm nicht erwartet.


Moin zoll,
dein Beitrag findet bei mir, mit Ausnahme des zitierten Satzes, volle Zustimmung. Ich sehe in Habecks Satz eine sinnvolle Aussage bezüglich des Tierwohls. Seit Jahrzehnten passiert doch einfach nichts in Richtung artgerechter Haltung der Tiere. Einen Tierwohlcent - besser noch 5 Cent - einzuführen, wäre wahrscheinlich eine Möglichkeit ihn schnell wirksam werden zulassen und den Tieren viel unsägliches Leid zu ersparen.

Sein Vorschlag hat mit den von dir angeführten Gründen bezüglich der Gesundheit der Menschen gar nichts zu tun. Wir alle, auch du und ich, kaufen günstig und billig ein. Dafür erleiden unsere Tiere unsägliche Qualen mangels artgerechter Haltung. Das kann doch uns Menschen nicht unberührt lassen!

Wir können selbst entscheiden wie wir leben und was wir essen. Tiere können das nicht!

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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon pentium » 3. Februar 2020, 12:52

Ist zwar aus dem Mai 2018:
Fleischberge im Müll bei Edeka: Wütender Facebook-Post zeigt, was bei uns schief läuft
https://utopia.de/edeka-facebook-fleisc ... ell-91632/
Schön ist auch der Abschnitt "Auch der Kunde ist Verantwortlich"...

Da haben wir das eigentliche Problem. Es gibt zum Einen viel zu viele Menschen, die glauben, man könnte Qualität umsonst haben, zum Anderen gibt es aber auch leider viel zu lange Lieferketten mit zu vielen Verdienern. Lebensmittel sind kaum irgendwo so billig wie in Deutschland. Wo sollen denn die Gewinne der Industrie noch herkommen? Das geht nicht mit Tierwohl und teuren Auflagen. Der nächste Fleischskandal ist genauso wie der nächste Milchrückruf bei uns vorprogrammiert. Und dann schreien wieder alle auf auf ihrem Weg zum Aldi.
Weniger Fleisch, besseres Fleisch, das wäre der Weg. Und wenn einer sich entscheidet, ganz zu verzichten, ok.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon ratata » 3. Februar 2020, 17:44

In Deutschland essen immer weniger Menschen Schweinefleisch. In der Produktion hat sich dieser Trend noch nicht durchgesetzt: Die Schweinefleischerzeugung übersteigt den Konsum deutlich. Eine "dramatische Fehlentwicklung", heißt es bei den Grünen.
In Deutschland wird deutlich mehr Schweinefleisch produziert als gegessen. Der sogenannte Selbstversorgungsgrad sei im vergangenen Jahr nach vorläufigen Berechnungen erstmals auf 120 Prozent gestiegen, berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Noch vor zehn Jahren lag der Wert demnach unter 100 Prozent. Seither stieg der Export von Schweinefleisch um etwa 63 Prozent auf zuletzt 1,8 Millionen Tonnen.


Der Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff kritisierte dies als "dramatische Fehlentwicklung" in der Landwirtschaft. "Die hohen Exporte sind ein Erfolg für die Agrarindustrie zu Lasten der Tiere und der Umwelt", sagte er der Zeitung.
Die Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands hielt dagegen, dass hierzulande nur bestimmte Teile des Schweins wie Schinken gegessen würden. "Hier besteht sogar ein nicht unerheblicher Importbedarf", sagte Geschäftsführer Torsten Staack.
Er verwies darauf, dass Teile wie Ohren, Schwänze oder Pfötchen in Asien als Delikatesse gelten und in den Export gingen. "Der Export bedeutet also: Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und nachhaltiges Arbeiten", sagte Staack.
Der Schweinefleischkonsum insgesamt in Deutschland ist rückläufig. Nach Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung lag er im vergangenen Jahr bei 35,8 Kilogramm pro Bundesbürger. 2007 waren es noch 40,5 Kilogramm gewesen.
Quelle: ntv.de, jki/AFP https://www.n-tv.de/wirtschaft/Deutschl ... 87345.html

Ja wer bekommt denn das Geld vom Export des Fleisches .?
Seid Jahren wird doch schon darüber diskutiert , es ging um die Milchpreise für die Erzeuger , jetzt mucken die Bauern auf , schon findet man wieder einen Ausweg . Sie können die Preise der erzeugten Produkte erhöhen wie sie wollen , der ERZEUGER bekommt doch nicht was ihm zu steht . ratata [wut]
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Interessierter » 4. Februar 2020, 08:27

Gibt es ein Grundrecht auf billiges Fleisch?

Der Handel verschleudert Schnitzel und Hühnerbrust. Das ist unethisch. Doch Schuld haben andere. Ein Kommentar.

Dass sich Bundesagrarministerin Julia Klöckner und Greenpeace einmal einig sein dürften, ist eine Premiere. Doch wenn es um billige Lebensmittel geht, stehen die CDU-Ministerin und die Umweltaktivisten auf einer Seite. Nahrungsmittel, finden beide, sind in Deutschland zu billig. Das müsse sich ändern.

Hinter der verblüffenden Allianz stehen allerdings höchst unterschiedliche Motive. Greenpeace will eine Wende in der Agrarpolitik hin zu weniger Pestiziden und mehr Tierschutz. So wie es auch andere Umwelt-, Tierschutzverbände und die Grünen fordern.


Julia Klöckner sieht sich dagegen den Bauern verpflichtet, die ihre Arbeit nicht ausreichend belohnt sehen. Der Bauernpartei CDU/CSU beginnen die Landwirte davonzulaufen, das kann die Landwirtschaftsministerin nicht kalt lassen.

Der Handel, dessen Marktmacht angeblich die Bauern in die Knie zwingt, taugt gut als Blitzableiter. Bei Hähnchenschenkeln für zwei Euro das Kilo muss der Hähnchenmäster über Tierschutz nicht groß nachdenken. Ein Kilo Schweinehack für 4,44 Euro – bei solchen Preisen können Schweine froh sein, wenn sie kein langes Leben erdulden müssen.

Goliath verhandelt mit Goliath

Richtig ist: Der einzelne Bauer hat wenig zu melden, wenn er sich einem milliardenschweren Lebensmittelriesen gegenüber sieht. Richtig ist aber auch: Das passiert so gut wie nie.

Edeka und Co. verhandeln nicht mit dem kleinen Milchbauern, sondern mit den Molkereien, den Schlachthöfen, Großhändlern, Genossenschaften und den Lebensmittelproduzenten. Es tritt nicht David gegen Goliath an, sondern Goliath gegen Goliath.


Die Frage des Verhandlungspartners ändert aber nichts daran, dass am Ende der Kette dann doch der Landwirt steht. Das Massengeschäft läuft über den Preis. Kann der deutsche Bauer nicht mithalten, springen Lieferanten aus dem Ausland ein. Das Ergebnis des Preiswettbewerbs liest man in den Werbezetteln der Supermärkte – Billighack und -hühnerbeine.

Der Preiskampf wird auf dem Rücken der Tiere ausgetragen. Je mehr Tiere, je weniger Geld für Haltung und Futter, je billiger die Transporte, desto niedriger ist der Preis. Das ist unethisch und muss ein Ende haben.

An Vorschlägen fehlt es nicht. Greenpeace und Grünen-Chef Robert Habeck sind für eine Tierwohlabgabe beim Kauf von Fleisch. Mit dem Geld sollen dann Landwirte unterstützt werden, wenn sie ihre Ställe tiergerechter umbauen wollen. Im Gespräch ist auch eine höhere Mehrwertsteuer für Fleisch.

Ministerin Klöckner kämpft weiter um ihr staatliches Tierwohllabel für Schweinebauern.

Gesetze statt Labelwirrwarr


All diese Vorschläge könnten helfen. Doch sie greifen zu kurz. Tierschutz darf nicht nur als frommer Wunsch im Grundgesetz stehen. Deutschland braucht endlich strengere Vorgaben, wie Nutztiere gehalten werden.

Schluss mit den engen Käfigen für trächtige Sauen, der Ferkelkastration ohne Betäubung oder dem millionenfachen Kükentöten. Von verbindlichen gesetzlichen Vorgaben würden alle Nutztiere profitieren, nicht nur diejenigen, die das Glück haben, bei einem einsichtigen Mäster zu leben.
Gesetze statt Labelwirrwarr, Fleisch „made in Germany“ könnte so zum Qualitätsprodukt werden – für alle, nicht nur für Biokunden.


Ja, Fleisch würde teurer. Und das wäre auch richtig so. Und ja, natürlich stellt sich dann die Frage nach einer Kompensation für Menschen mit schmalem Geldbeutel. Gibt es so etwa wie ein Grundrecht auf Fleisch oder nicht? Muss man die Hartz-Sätze erhöhen, wenn die Fleischpreise steigen? Das alles gälte es dann zu diskutieren.

Nur: Man muss den Mut haben, diese Fragen offen anzusprechen. Und auch andere brauchen Mut. Klöckner müsste mutig sein und eine verbindliche deutsche Haltungskennzeichnung in Brüssel durchsetzen, die Handelsriesen bräuchten Mut, Billigfleisch aus dem Ausland auszulisten.

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ ... 04032.html

Diesem Kommentar kann ich mich in vollem Umfang anschließen.
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon pentium » 4. Februar 2020, 09:47

Interessante Aufstellung:
Das kosten Lebensmittel in Deutschland wirklich - DER SPIEGEL - Wirtschaft
https://www.spiegel.de/wirtschaft/servi ... 58fa2096f9

Bei den absoluten Preisen sind wir in D eher Durchschnitt, vermutlich auch weil Osteuropäische Länder den Durchschnitt drücken.
Im Verhältnis zum BIP zahlen wir in D allerdings recht wenig. Wobei das BIP nicht immer mit den Löhne korreliert, vor allem bzgl. Nettolöhne.

Als Konsument ist es schwierig zu beurteilen was Lebensmittel kosten sollen. Durch die Technologisierung, die es auch in der Landwirtschaft gab, braucht es für viele Produkte einfach viel weniger Bauern/Arbeitern. Kleinbauern sind halt einfach im Nachteil, da es bei vielen Tätigkeiten keine große Rolle spielt ab es 10 Kühe oder 100 Kühe sind. Das gleiche bei den Ställen, den kleine Ställe sind halt relative teuer.
Viele Kleinbauern haben entweder aufgegeben oder sich vergrößert. Der Zwang zum Vergrößern hat aber auch dazu geführt, das es z.B. bei der Milch eine massive Überproduktion gibt. Vergrößert ein Bauer sein Betrieb um auf Grund des niedrigen Milchpreis, konkurrenzfähig zu sein, drückt er damit den Milchpreis noch weiter. Würde der Milchpreis steigen, würden allerdings viele erst recht mehr produzieren, aber dann halt womöglich nicht mehr alles verkauft bekommen.
Das blöde für die Bauern ist, dass es keine Koordination wie früher mit der Milchquote gibt und sie miteinander in Konkurrenz stehen.

...
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon Kumpel » 4. Februar 2020, 10:00

Bei dieser Rechnung fehlen halt noch die Kosten für Umweltschäden und Subventionen, die stehen nicht auf dem Preisetikett.
'' Es war von vorn bis hinten zum Kotzen, aber wir haben uns prächtig amüsiert.''
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Re: Zu billige Lebensmittel - Bauernproteste - Ein Zusammenhang?

Beitragvon augenzeuge » 4. Februar 2020, 19:50

Wenn nur 20% der Milch, welche wir in D erzeugen, in unseren Handel kommt, welche Rolle spielen dann die Preise?

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