Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

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Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon Interessierter » 30. Januar 2020, 00:18

Im Frühjahr 1980 konkretisierten sich in der DDR die Pläne für den möglichen Einsatz von Militärgeld. Unter Federführung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR sollte eine alte, unbenutzte Emission von Banknoten als Zweitwährung für das Militär nutzbar gemacht werden. Sie sollte ausschließlich auf besetztem, gegnerischem Gebiet gelten und somit in Kriegszeiten die Ware-Geld-Beziehung aufrechterhalten.

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Militärgeld der DDR - Fünfmarkschein im Museum der Volkspolizei in Dresden (© imago/Stefan Hässler)

Die Idee, Geld als Waffe einzusetzen oder damit eine Besatzung zu sichern, gibt es schon seit Langem. Wie aber verhielt es sich mit dem von den DDR-Strategen gehorteten Militärgeld, welches zwar bekannt ist, aber selten erschöpfend untersucht wurde?

Überblick und Forschungsstand


Die bisher erschienene Literatur erwähnt das Thema Militärgeld meist nur am Rande. Sie ist überwiegend kurz nach der Wende in den 1990er Jahren erschienen. Darin gilt das Militärgeld mindestens als gewichtiges Symbol: als Zeichen für "die ausgiebige Akribie, mit der der Nationale Verteidigungsrat (NVR) der DDR seinen Planungsaufgaben nachkam"[7], oder als Beweis für die Absicht der DDR-Strategen, einen Angriffskrieg vorzubereiten, und für die Ernsthaftigkeit dieser "Kriegsplanungen".[8] Ob diese Maßnahme hätte wirksam sein können, wurde nicht gefragt.

Geld als Waffe hat in den Planungen von Politik und Militärs oft eine Rolle gespielt. Auch in der DDR war Geld Teil der militärischen Planung. Aber zur Unterwanderung des westdeutschen Geldwesens war das Militärgeld der DDR nicht gedacht und auch nicht geeignet. Denn es war keinesfalls monetärer Teil einer starken Volkswirtschaft. Im Gegenteil: Als sich die Militärgeld-Pläne im NVR im Frühjahr 1980 konkretisierten, setzte im ostdeutschen Staat zugleich "der rapide ökonomische Niedergang" ein.[12] Das blieb nicht ohne Wirkung auf die militärische Planung. So hieß es bereits in einem Redetext zum Thema "ökonomische Sicherstellung der Landesverteidigung", der Erich Honecker als Vorsitzendem des NVR vorgeschlagen und von ihm paraphiert worden war, auf der 58. Sitzung des NVR am 7. September 1979: "Wie wir alle wissen, haben die Veränderungen auf den internationalen Märkten auch weitreichende Konsequenzen für die ökonomische Sicherstellung der Landesverteidigung."

Der geplante Geltungsbereich des Militärgeldes

Das Militärgeld war noch einmal Thema in der 61. NVR-Sitzung am 23. Juni 1980. Diesmal trug nicht der Präsident der Staatsbank vor, sondern Generalleutnant Heinz Tappert, der Chef der Verwaltung Finanzökonomie des Ministeriums für Nationale Verteidigung. Das ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass in dieser Frage nach den eher technischen Vorbereitungen durch die Staatsbank nun den politisch gewichtigeren Entscheidern das Wort gehörte.[18] Tappert berichtete laut schriftlicher Vorlage für seinen mündlichen Vortrag: "Militärgeld soll bei Handlungen auf gegnerischem Territorium zur finanziellen Sicherstellung von Versorgungsaufgaben und Wehrsoldzahlungen der Nationalen Volksarmee eingeführt werden."

Das Militärgeld sollte also in besetzten Gebieten der Bundesrepublik Deutschland beziehungsweise der NATO-Partner eingeführt werden. Von diesen Territorien wollten die Staaten des Warschauer Pakts möglichst schnell möglichst viel besetzen. Nach Auskunft des ehemaligen NVA-Generalleutnants Gerhard Kunze waren zumindest in den 1960er und 1970er Jahren Militärdoktrin und Strategie des Warschauer Pakts "voll auf die Zerschlagung des Gegners in schnellen tiefen Operationen mit Tagestempo von 80 bis 100 km und die Eroberung des Territoriums bis zum Atlantik in zwölf bis sechzehn Tagen" eingestellt.[22] In anderen Darstellungen ging es nur etwas langsamer zu: Da sollten die Truppen des Warschauer Pakts die Grenzen zu Frankreich zwischen dem 13. und dem 15. Tag erreicht und dabei Dänemark, die Bundesrepublik, die Niederlande und Belgien erobert haben. Nach dieser Schilderung, die auf Protokollen des NVR beruht, hatten die Truppen bis zum 30. und dem 35. Tag Zeit, um an der Biskaya und der Grenze zu Spanien zu sein.[23] Der Berliner Westen lag näher, da konnte es schneller gehen: "Bereits am Tagesende sollten das Stadtgebiet von West-Berlin besetzt und die Einrichtungen der Alliierten blockiert sein."

Den längeren und vollständigen Beitrag findet man hier:
https://www.bpb.de/geschichte/zeitgesch ... in-der-ddr
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 30. Januar 2020, 09:50

So etwas benötigt keine Verteidigungsarmee
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon HPA » 30. Januar 2020, 10:08

Noch dazu man seitens der Sowjets sogar nukleare Schläge auf das neutrale Österreich plante. Nur um mal ein Beispiel heraus zu greifen
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon zonenhasser » 30. Januar 2020, 10:11

AkkuGK1 hat geschrieben:So etwas benötigt keine Verteidigungsarmee

Zu uns Soldaten sagte ein besoffener Offizier: "Wenn wir erst in Paris sind, bekommt jeder von euch eine Nutte!" Das ist genauso utopisch wie das Versprechen an muslimische Selbstmordattentäter, dass auf sie im Himmel 72 Jungfrauen warten sollen.
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon Beethoven » 30. Januar 2020, 10:42

AkkuGK1 hat geschrieben:So etwas benötigt keine Verteidigungsarmee


Ja nun, bis 1986 sah die Militärdoktrin des Warschauer Vertrages vor, dass nach der / den ersten Verteidigungsschlacht(en) zum Gegenangriff übergegangen werden sollte, und der Gegner auf seinem eigenen Territorium zu schlagen ist. Das war kein Geheimnis.


HPA hat geschrieben:Noch dazu man seitens der Sowjets sogar nukleare Schläge auf das neutrale Österreich plante. Nur um mal ein Beispiel heraus zu greifen


Hm. so weit ich weiß, ist die gesamte operative Planung, noch vor Einmarsch der Offiziere der BW in die Kasernen und Einrichtungen der NVA, an die Westgruppe der Truppen der sowj. Streitkräfte, via Wünsdorf, übergeben worden.
Und die operative Planung des Generalstabes der CA, in die auch die Handlungen der strategischen Raketenstreitkräfte fällt und somit auch die Planung von Schlägen mit Kernwaffen, sofern da nicht ein Verräter Dokumente verschafft hat, ist überhaupt niemanden bekannt geworden außer natürlich solche Dinge, in die die NVA involviert war.

Da frage ich mich ganz sachlich, woher diese Information stammen mögen? Eine Quellenangabe wäre hilfreich.

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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon HPA » 30. Januar 2020, 10:51

Wo schrieb ich von NVA? Richtig lesen! Da steht Sowjets!

Die nuklearen Schläge sollten von der 515.IAP in Tököl in Ungarn mit MiG21bis durchgeführt werden. Nicht nur auf Ziele in Österreich, sondern auch Italien und Süddeutschland!

Ausgelegt waren diese Missions als never come back Einsätze.

Und noch was:

Die Westalliierten samt ihrer Intelligence Units waren ab 1973 ziemlich gut im Bilde was die nuklearen Kapazitäten auf dem Gebiet der DDR betraf.
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon Beethoven » 30. Januar 2020, 12:17

Ja HPA, mir ist schon klar, dass die NVA keine strategische Kernwaffeneinsatzplanung hatte, es also nur von der CA sein konnte.

Die NVA hatte ja gar keine Kernwaffen sondern bekam solchen Mist erst zugeführt, wenn sich die NVA an KW-Schlägen des WV hätte beteiligen sollen oder aber kleinere KW-Einsatzmittel (Gefechtsfeldkernwaffen) auf Anforderung eines K-Div. und vom Armeebefehlshaber bestätigt worden wären.
So ist es übrigens in der BW auch, nur dass die eben die KW auf Anforderung von den Amis bekommen hätte.

Ich weiß nicht, was Aufklärer und Agenten der NATO aufklären konnten. Auf jeden Fall waren KW auf dem Territorium der DDR stationiert. Auch das ist bekannt. Wobei da OTR wohl ausgereicht hätten um bis zur Kanalküste zu schießen. Ob strategische KWEM auf dem Territorium der DDR standen wussten wohl nur die Sowjets.

Sei so nett und benenn Deine Quelle (gerne auch per PN).

Das die mit Kernwaffen bestückten Kampfflugzeuge aus Ungarn heraus starten, erscheint mir schon sinnvoll, wenn aus unerfindlichen Gründen keine Raketen zum Einsatz gekommen wären, was mir logischer erschiene, weil man Flugzeuge einfach besser bekämpfen kann, wenn es gegen Österreich gegangen wäre. Aus der damalige CSSR heraus, wäre auch gut möglich gewesen. Aber warum hätte es gegen Österreich gehen sollen? Nur wer weiß schon was in den Köpfen höherer sowjetischer Militärs vor geht?

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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon HPA » 30. Januar 2020, 12:32

wenn aus unerfindlichen Gründen keine Raketen zum Einsatz gekommen wären


Aus unerfindlichen Gründen? Wie bringt man wohl eine nukleare Freifallbombe ins Ziel?

Insgesamt waren 850 Flugzeuge des Warschauer Pakts mit dieser Aufgabe in einer Doppelrolle betraut.

Dafür übte man sogar regelmäßig spezielle Manöver u.a. auf der Wittstock Range die Flugzeuge waren dafür entsprechend ausgerüstet!
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon zoll » 30. Januar 2020, 12:37

Beethoven schreibt in seinen Anmerkungen zu militärischen Einsätzen u. a. sofern da nicht ein Verräter Dokumente verschafft hat,
Spione, die von der Ostseite im Westen eingesetzt wurden bekamen den euphemistischen Namen Kundschafter für den Frieden!!!
Wieso heißt entsprechend deiner Terminologie ein Vertreter des westlichen Lagers, oder eines Menschen im östlichen Lager, der auch etwas für den Frieden versuchen wollte, VERRÄTER?
Wie ich mir vorstellen kann, wirst du in deinen politischen Schulungen gelernt haben meine Interpretation zu widerlegen.
Zum Thema: Wie bescheuert waren und sind diese Strategen die glauben mittels einer kriegerischen Auseinandersetzung die weltpolitischen Ereignisse in eine für sie passende Ordnung zu zwingen.
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon Beethoven » 30. Januar 2020, 13:17

Ja Zoll, ich habe echt überlegt, ob ich "Kundschafter" schreiben soll. Aber da wäre der Aufschrei wohl genauso laut gewesen.



HPA hat geschrieben:
wenn aus unerfindlichen Gründen keine Raketen zum Einsatz gekommen wären


Aus unerfindlichen Gründen? Wie bringt man wohl eine nukleare Freifallbombe ins Ziel?

Insgesamt waren 850 Flugzeuge des Warschauer Pakts mit dieser Aufgabe in einer Doppelrolle betraut.

Dafür übte man sogar regelmäßig spezielle Manöver u.a. auf der Wittstock Range die Flugzeuge waren dafür entsprechend ausgerüstet!


@HPA - ist ja alles in Ordnung was Du schreibst.
Ob es nun zwingend eine Bombe hätte sein müssen, kann doch diskutiert werden. Eine umgelenkte Bombe ist genauso zielsicher oder nicht, wie eine Rakete. Und das Eindringen eines Flugzeuges in das Lufthoheitsgebiet eines Staates, ist für meine Begriffe besser aufklärbar und bekämpfbar wie eine ballistische oder gar gelenkte Rakete.

Das auf dem Bombodrom auf dem Wittstocker TÜP regelmäßig trainiert wurde ist ebenfalls bekannt. Ich bin gar mal über den Teil des TÜP Wittstock geschlichen. War es doch einer der größten TÜP´s auf dem Gebiet der DDR wo gar zwei Regimenter nebeneinander, mit scharfen Schuss den Angriff trainieren konnten.
So wie die Piloten der Luftwaffe der BW irgendwo in den USA trainierten, so trainierten unsere Piloten eben auch. Auch das Abschießen von Raketen wurde, z.B. in Ascheluk, Fla-Raketen, geübt.

Sei doch bitte so nett und benenne die Quellen Deiner Erkenntnisse.

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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon HPA » 30. Januar 2020, 13:36

Diese Informationen findest Du u.a.in diesem Büchern:

OKSNAR - Fully Assembled State - Soviet Nuclear Weapons in Hungary 1961-1991

Und: Nuclear carrier MiG-21’s in the Warsaw Pact

Self-published by the author - Laszlo Becz

Language: English
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon HPA » 30. Januar 2020, 14:24

Ich bin mal nett:

Die Ösis begegneten nicht umsonst diesen Planungen mit der sog Spannocchi Doktrin. (welche sich gegen sämtliche potenziellen Gegner richtete) Aber eben im Insbesonderen, dem Warschauer Pakt in ihrer Operationsrichtung "Donau" in die Suppe zu spucken.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon Beethoven » 30. Januar 2020, 15:23

HPA hat geschrieben:Ich bin mal nett:

Die Ösis begegneten nicht umsonst diesen Planungen mit der sog Spannocchi Doktrin. (welche sich gegen sämtliche potenziellen Gegner richtete) Aber eben im Insbesonderen, dem Warschauer Pakt in ihrer Operationsrichtung "Donau" in die Suppe zu spucken.


Ja, das ist fein von Dir.

Auf den ersten Blick auf die Karte könnte man denken, "hui die Ungarn greifen die Ösis an".

Beim genaueren Hinsehen erkennt man jedoch auf der Karte, dass die 1. Österreichische Armee (blau dargestellt) am "Balaton" steht und dort zur Verteidigung übergegangen ist.
Wie kommt denn die 1. Armee des österreichischen Bundesheeres dahin?
Ist sie etwa in Ungarn einmarschiert?

Na anders geht es ja wohl kaum.

Somit erlese ich aus dem Kartenausschnitt, dass die 1. Österreichische Armee, auf Höhe des Balaton zum Stehen gebracht worden ist und nun verteidigt also die erste Verteidigungsschlacht statt gefunden hat oder statt findet und nun der Gegenschlag geplant worden ist. Nichts anderes stellt die Karte dar. Man erkennt sogar die nächste und die folgende Aufgabe.

Und bis 1986 war ja, wie oben bereits beschrieben, der angreifende Gegner auf seinem eigenen Territorium zu schlagen.

Insofern sind es zwar Angriffshandlungen auf das Territorium der Österreichischen Republik aber eben erst nach dem die Österreicher nach Ungarn vorgedrungen sind. So stellt es der Kartenausschnitt dar.

In wie weit dieses Szenario an den Haaren herbei gezogen ist, kann ich nicht einschätzen. Vermutlich ist es eine Übungslage, die hier als wahrscheinliches Szenario angenommen worden ist.

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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon HPA » 30. Januar 2020, 15:44

. Die Ösis begegneten nicht umsonst diesen Planungen mit der sog Spannocchi Doktrin.


ich empfehle Dir , Dich mit dieser Doktrin zu beschäftigen. die Ösis haben sich darüber sehr viele Gedanken gemacht.

Warum sollten die also Ungarn angreifen? Es sei denn ,sie wollen den Gegner auf ihrem eigenen Territorium schlagen? [flash]

Das haben die Ösis für sich im Übrigen Immer ausgeschlossen weil sie schlicht nicht angriffsfähig waren.Weder personell noch materiell. Das die Russen und Ungarn in ihren Planungen davon ausgehen oder annahmen , dass die Ösis am Balaton stehen, ist nicht ihr "Verdienst" Es ist wohl eher Phantasterei der dafür Verantwortlichen im Warschauer Pakt.

Fakt ist, dass es eine nukleare Angriffsplanung des Warschauer Paktes vom Territorium Ungarns mit taktischen Atomwaffen auf die Republik Österreich gab!

https://www.truppendienst.com/themen/be ... -3/#page-1

Davon abgesehen halte ich es für absolute Phantasterei und wohl eher Wunschdenken ,dass der WP im E-Fall mal eben in 6 Tagen von Ungarn aus durch Österreich rollend in München gestanden hätte
Zuletzt geändert von HPA am 30. Januar 2020, 16:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 30. Januar 2020, 16:01

Zum Geld austeilen wäre man nach einem Austausch von Atomwaffen nicht mehr gekommen...
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon HPA » 30. Januar 2020, 16:05

Der "Austausch" mit Nukes wäre zwischen dem WP und Österreich ziemlich einseitig ausgefallen. Bekanntermaßen verfügte dieses Land über keinerlei dieser Waffen
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon zoll » 30. Januar 2020, 19:33

Beethoven, meine Bemerkung wegen der Benennung von Spionen war gar nicht laut, sondern sachlich. Ich finde, man sollte die Dinge beim Namen nennen und nicht einseitig "aufhübschen".
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon zonenhasser » 30. Januar 2020, 22:27

Beethoven hat geschrieben: operative Planung des Generalstabes der CA
Ich wusste gar nicht, dass die Familie Brenninkmeijer einen eigenen Generalstab unterhält. Bild
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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon Beethoven » 31. Januar 2020, 07:42

HPA hat geschrieben:
. Die Ösis begegneten nicht umsonst diesen Planungen mit der sog Spannocchi Doktrin.


ich empfehle Dir , Dich mit dieser Doktrin zu beschäftigen. die Ösis haben sich darüber sehr viele Gedanken gemacht.

Warum sollten die also Ungarn angreifen? Es sei denn ,sie wollen den Gegner auf ihrem eigenen Territorium schlagen? [flash]

Das haben die Ösis für sich im Übrigen Immer ausgeschlossen weil sie schlicht nicht angriffsfähig waren.Weder personell noch materiell. Das die Russen und Ungarn in ihren Planungen davon ausgehen oder annahmen , dass die Ösis am Balaton stehen, ist nicht ihr "Verdienst" Es ist wohl eher Phantasterei der dafür Verantwortlichen im Warschauer Pakt.

Fakt ist, dass es eine nukleare Angriffsplanung des Warschauer Paktes vom Territorium Ungarns mit taktischen Atomwaffen auf die Republik Österreich gab!

https://www.truppendienst.com/themen/be ... -3/#page-1

Davon abgesehen halte ich es für absolute Phantasterei und wohl eher Wunschdenken ,dass der WP im E-Fall mal eben in 6 Tagen von Ungarn aus durch Österreich rollend in München gestanden hätte


@HPA - ich glaube auch nicht, dass die Republik Österreich jemals vor hatte, einen Aggressionskrieg zu führen, egal in welche Himmelsrichtung. Das Österreichische Bundesheer ist voll und ganz auf Verteidigungshandlungen ausgelegt, wobei sie aber auch Angriffe führen werden können. Das ist normal, denn Angriffshandlungen, wenn auch nur mit begrenztem Ziel, um zum Beispiel die alte Lage an der Staatsgrenze wieder herstellen zu können, gehören auch zu einer Landesverteidigung.

Aber die von Dir freundlicher Weise eingestellte operativ, strategische Karte zeigt eben, dass die Österreicher weit im Ungarischen Land stehen. Deshalb denke ich ja auch, dass die Karte eine fiktive Übungslage darstellt und keine operative Planung aufzeigt. Schon das Eindringen des Bundesheeres bis zum Balaton erscheint mir doch sehr weit gegriffen.



zoll hat geschrieben:Beethoven, meine Bemerkung wegen der Benennung von Spionen war gar nicht laut, sondern sachlich. Ich finde, man sollte die Dinge beim Namen nennen und nicht einseitig "aufhübschen".
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Ja Zoll, wenn alle so denken und handeln würden, wäre die Welt besser und geradliniger.
Aufhübschen oder andere Worthülsen für ein und das Selbe zu nutzen ist aber in der heutigen Zeit völlig normal. Das kann dann als positive oder negative Semantik und Syntax ausgelegt werden.

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Re: Geld als Waffe? Zur Funktion des "Militärgeldes" in der DDR

Beitragvon Beethoven » 1. Februar 2020, 09:33

Ich erlaube mir noch mal, auf die von HPA freundlicher Weise eingesetzte Karte einzugehen und dazu etwas zu erläutern.

So wie in der NATO auch, wurden taktische Karten bei allen Armeen des WV mit gleichen taktischen Zeichen und Farben gezeichnet oder die taktischen Zeichen, für bestimmte Zeiten oder Ziele mit Farben hinterlegt.
Wenn man taktische Lagekarten dem Laien, in Büchern oder Zeitschriften zeigt, so werden in der Regel keine farbigen Hinterlegungen gezeigt, weil das den Laien, der meistens nur rudimentäre Kenntnisse besitzt, nur noch mehr verwirrt. Der ausgebildete Soldat weiß aber damit etwas anzufangen.

So werden "Istlagen" in der Farbe hinterlegt, die das jeweilige taktische Zeichen besitzt. Zum Beispiel artilleristische Gruppierungen, Pioniereinheiten und deren Mittel oder auch, wenn jedwede artilleristischen Mittel (also auch die einzelne Haubitze, wenn eben nur diese dargestellt wird, z.B. auf der Karte eines Gruppenführers) in schwarzer Farbe. Die meisten taktischen Zeichen der eigenen Truppen werden in rot und die des Gegners grundsätzlich, auch z.B. artilleristische Mittel, in blau dargestellt.

Alle Handlungen die nur angedacht sind, also noch nicht der "Istlage" entsprechen, werden mit unterbrochenen, taktischen Zeichen, Räumen oder Richtungszeichen versehen.

Zu erwartende Handlungen entsprechend des Entschlusses, werden in gelber (bis zur Nächsten Aufgabe) und in grüner Farbe (bis zur folgenden Aufgabe) hinterlegt.
Trennungslinien werden in unterschiedlichen Strichelungen oder durchgezogenen Strichen gezeichnet.
So erkennt man auf der Karte, die HPA eingestellt hat, dass die Ungarn und Sowjets mit je einer Armee handeln. Leider kann ich kein ungarisch und deshalb nicht erkennen, welche nationale Gruppierung in Norden oder Süden handeln wird.

Aber aufgrund der durchbrochenen Handlungen im Angriff, die dargestellt sind, ist klar, dass dies Handlungen sind, die zu erwarten sind. Die Trennungslinie ist allerdings schon festgelegt (das sind die zwei Linien direkt nebeneinander), was eine Armeetrennungslinie dar stellt.

Man kann noch viel mehr aus der Karte heraus lesen aber das würde wohl zu weit führen.

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