: Eine Scheinehe, die in die Freiheit führte

: Eine Scheinehe, die in die Freiheit führte

Beitragvon Interessierter » 4. August 2019, 09:37

Er schien ihr der einzige Weg: Wolfgang, zweifach geschieden, West-Berliner. Wie die Modeschöpferin Josefine von Krepl der DDR entkam.

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Das Hochzeitsbild vom 5. April 1989 vor dem Kino International. Dort wurde gerade der Film „Schrei nach Freiheit“ gezeigt Foto: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Als ihr, an einem sonnigen Maitag 1989 im Rat des Stadtbezirks Prenzlauer Berg an der Fröbelstraße, endlich, nach jahrelangen, mühevollen und entbehrungsreichen Vorbereitungen, eine Angestellte gnädigst mitteilte, sie dürfe an folgendem Datum ausreisen, da sagte Josefine von Krepl den unfassbaren Satz: „Da kann ich nicht.“ Der 7. Juni – das ist ihr Geburtstag. Da wolle sie feiern, erklärte sie, statt Umzugskartons zu hieven. Die Beamtin schnappte kurz nach Luft – hatte man so was in diesen vier Wänden schon gehört? – und verwies die Frau mit den beinahe an sich schon unverschämten, beneidenswert kräftigen roten Locken ihres Büros. „Warten! Draußen!“

„Ich war“, sagt Josefine von Krepl rückblickend, „an bestimmten Punkten meines Lebens geradezu tollkühn.“ Aber ist das nicht vielmehr grundsätzlich festzustellen? Diese Frau hat das System untergraben, wo immer sie konnte, und wenn sie nicht konfrontativ dagegen vorging, so bewegte sie sich doch permanent in einem Graubereich, bunt, schrill, auffallend.

Die ganze Geschichte hier:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/stae ... 66436.html
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Re: : Eine Scheinehe, die in die Freiheit führte

Beitragvon augenzeuge » 4. August 2019, 09:42

Dass sie weg musste, war klar. Nicht wegen irgendwelcher Luftschlösser, Karriereträumen. „Wegen der Jungen.“ Felix, der Kleine, ging in den christlichen Kindergarten, Paul, der Große, war nicht in der FDJ, und als er in der Schule zum Tag der Nationalen Volksarmee im Alter von 13 Jahren ein Lob der Volksarmee aufsagen sollte, stellte er sich hin und sang stattdessen „Sah ein Knab ein Röslein stehen“. Anruf zu Hause: „Herkommen, ihr Sohn ist wohl wahnsinnig“.


So war die DDR. [denken]

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Re: : Eine Scheinehe, die in die Freiheit führte

Beitragvon Volker Zottmann » 4. August 2019, 10:31

Solchen Scheinbräutigam habe ich in unserer Wohnung kennengelernt.
Er kam aus Baden-Würtemberg , übernachtete meist in Eisenberg bei seinen Verwandten,um dann in ein Dorf bei Oschersleben die "seine Verlobte", eine Bäckerstochter, zu besuchen. Einmal nutzte er die Mitfahrgelegenheit unserer Öhringer Bekannten und kam deshalb zu uns und übernachtete hier. Da sofort Vetrauen vorhanden war, erzählte er völlig blauäugig uns Fremden seine ganze Unternehmung.
Kein Argwohn, nichts. Nun war er über uns aber auch schon im Bilde, dank unserer Bekannten.
Bernd hat jedenfalls die Bäckerstochter noch recht kurz bevor die DDR zu existiern aufhörte in den Westen bekommen. Wenig später Ende DDR und Ende dieser Scheinehe. Sie ist dann zurückgekehrt, denn es gab für sie keinen Grund mehr, drüben zu bleiben. Reisen war ja nun immer möglich.
Gut merken konnte ich mir auch den Namen der Bäckerei. Hier am Ort gab es einen Bäcker gleichen Namens. Das Dorf bei Oschersleben aber habe ich namentlich nicht mehr im Gedächtnis, ist auch unerheblich.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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