Die Berliner S-Bahn - Ein Ost/West Problem

Was dachte der DDR Bürger über den deutschen in der Bundesrepublik. Was hielt der Bundesdeutsche vom DDR Einwohner? Unterschiedliche Ansichten bestehen heute noch. Was drücken sie aus, was wird erwartet?

Die Berliner S-Bahn - Ein Ost/West Problem

Beitragvon Ari@D187 » 27. Juli 2019, 19:25

Wir kamen in einem anderen Thema auf den Bahnhof Zoo und dessen Verwaltung zu DDR-Zeiten zu sprechen. Da dies insgesamt ein recht interessantes und zugleich kurioses Gebiet ist, eröffne ich dieses Thema.

Was bisher geschah:

pentium hat geschrieben:
Ari@D187 hat geschrieben:
pentium hat geschrieben:[...]PS.: Was hat die "DDR" hier im Thema verloren...vom Thema ablenken?

    1. User A berichtet von "vor allem afrikanischen Dealern" und Drogenhandel mitten in Berlin, welchen man nicht mehr Herr wird.
    2. User B sagt, dass "da bestimmt einige dabei sind, welche Frau Rackete gerettet hat".
    3. User C fragt: "wenn das mit dem Drogenhandel und Konsum erst mit den " Zugereisten" über uns gekommen ist, warum ist denn eigentlich das Buch " Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" geschrieben worden? 1978 wohlgemerkt"
    4. User D schreibt: "Nun, der Bahnhof Zoo wurde ja zu der fraglichen Zeit von der DDR verwaltet."

Und schon ist man bei der DDR. Das nennt sich Diskussionsentwicklung oder Gesprächsverlauf, da muss man nicht gleich mit Ablenkungsunterstellungen hantieren.

Ari


Könnte User D seine Behauptung "Nun, der Bahnhof Zoo wurde ja zu der fraglichen Zeit von der DDR verwaltet." Irgendwie belegen? Fragt User E


Nostalgiker hat geschrieben:Der DDR gehörten die Gleisanlagen etc. aber nicht das Bahnhofsgebäude soweit mir bekannt.

Außerdem etablierte sich die Drogenszene im unmittelbaren Umfeld des Bahnhofes und nicht im Bahnhof selbst.
Selbst im Bahnhof spielende Szenen spielen nur im Bereich der U-Bahn und weder de S-Bahn oder der Fernbahn ......

Was das heutige Angebot betrifft, wer seinen Stoff möchte bekommt ihn mittlerweile in de gesamten Stadt.
Der "Görli" wie er verniedlicht von der alternativen Szene aus X-Berg/Friedrichshain betitelt wird schafft es nur in die Medien weil dort einige Dealer besonders dreist und aggressiv auftreten.
Über Herrmannplatz oder Kottbusser Tor oder Warschauer Brücke redet kaum ein Mensch .......


In der nachfolgenden SFB-Doku wird die Sache nebenbei, jedoch recht ausführlich beleuchtet.

-> Die Berliner S Bahn - Ein Ost West Problem


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Re: Die Berliner S-Bahn - Ein Ost/West Problem

Beitragvon Gerd Böhmer » 27. Juli 2019, 19:41

Hallo,

In welchem Thema war denn die Aussage bezüglich des Bahnhofes Berlin Zoologischer Garten zu lesen ?
Die Deutsche Reichsbahn hatte zwar die Betriebsrechte im Westteil Berlin, aber auch nicht mehr.

Siehe auch unter https://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltung_des_ehemaligen_Reichsbahnverm%C3%B6gens
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Re: Die Berliner S-Bahn - Ein Ost/West Problem

Beitragvon Ari@D187 » 27. Juli 2019, 20:03

Vielen Dank für die Informationen.

Das hatten wir im Thema "Zunahme der Kriminalität" angerissen.

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Re: Die Berliner S-Bahn - Ein Ost/West Problem

Beitragvon icke46 » 27. Juli 2019, 21:32

Nebenbei bemerkt:

Da hier das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo „ erwähnt wurde: Es ist zwar schon etliche Jahre her, dass ich es gelesen habe, ich bin aber der Meinung, dass der Bahnhof überwiegend eine Rolle bei der Geldbeschaffung als Stricher eine Rolle spielte, und da waren „natürlich“ die Toiletten um Fern- und S-Bahnhof ein Dreh- und Angelpunkt.
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Re: Die Berliner S-Bahn - Ein Ost/West Problem

Beitragvon pentium » 28. Juli 2019, 14:36

Berlin – S-Bahn im geteilten Berlin (Stadtbahn)

Zitat aus einem Beitrag im Drehscheibe Online Forum

Zum Verständnis ein Blick in die jüngere Geschichte:
Aufgrund der Vier-Mächte-Vereinbarungen war festgelegt, dass Berlin nach dem Krieg in vier Sektoren aufgeteilt werden soll. Dabei war zunächst jedoch nicht an Teilung, sondern nur an Verwaltungszuständigkeiten der Alliierten gedacht.
Das Eisenbahnnetz in ganz Berlin sollte wegen dem betrieblich sinnvollen Austausch von Fahrzeugen durch die Reichsbahn betrieben werden.

Die Auswirkungen des kalten Krieges und die zunehmende Abschottung des Ost-Sektor gestaltete diesen durchaus vernünftigen Plan jedoch schwierig.
Mit dem Bau der Mauer waren die Netze getrennt oder an der Stadtgrenze unterbrochen. Die Stadtbahn war im Grenzbahnhof Friedrichstraße gebrochen. Weiterfahrt nur nach Grenzabfertigung.

Mit dem Bau der Mauer wurde die S-Bahn in West-Berlin weitgehend boykottiert. Omnibus-Linien und U-Bahn-Neubauten wurden bewusst parallel zur S-Bahn angelegt. "Wer S-Bahn fährt, zahlt Ulbrichts Stacheldraht" lautete ein Slogan. Das war zwar insofern Unsinn, als ein städtisches Verkehrssystem nie Gewinne einfährt, traf aber die Gefühlslage der Berliner im Westen.
Hinzu kam ein separates Preis-System. Wer mit einer BVG-Fahrkarte beliebig zwischen Bus + Bahn umsteigen konnte, zahlte nicht noch mal extra für die Nutzung der S-Bahn.

Vermutlich aus Angst vor Übergriffen bestanden im Bereich der Westberliner S-Bahn noch bis in die 80er Jahre Bahnsteigs-Sperren, sogenannte "Wannen". Diese und andere seltsamen Relikte von überkommener Kontrolle machte die S-Bahn auch nicht attraktiver.

1980 streikten die West-Berliner Eisenbahner. Die DDR nutzte die Gelegenheit, sich vom teuren Verlustbringer zu trennen und stellte im Westen auf allen Strecken, die nicht den Bahnhof Friedrichstraße berührten, den Betrieb ein. Die vorhandene Betriebspflicht wurde nie ernsthaft eingefordert. Die Züge waren ohnehin fast leer.

Die Existenz der S-Bahn als "Geisterbahn" war eine Verschwendung von Ressourcen in der geteilten Stadt. Erst mit Wirkung vom 9. Jan. 1984 wurde eine Vereinbarung getroffen, nach der die Betriebsführung für das westliche Netz an die BVG überging.
Immerhin war damit erstmals ein Tarif-Verbund gegeben.

Betriebliche Kuriositäten, die nur durch die Teilung erklärlich waren, gab es jedoch weiterhin. So musste am Lehrter Stadtbahnhof der Triebfahrzeugführer der BVG den Zug verlassen und ein Lokführer der Reichsbahn übernahm die Fahrt für den kurzen Abschnitt über den Humboldt-Hafen durch die DDR-Grenzsperren bis in den Bhf. Friedrichstraße.

Nach der Wende (ab 2. Juli 1990) wurde wieder ein durchgehender Stadtbahn-Verkehr eingerichtet.
Die S-Bahn-Betriebsführung, die bei der BVG stets ein Fremdkörper blieb, ging per 1. Jan. 1994 an die Deutsche Bahn.


Leider habe ich erst nach 1980 begonnen, Fotos von der S-Bahn zu machen.
Faszinierend war die Architektur der Bahnhöfe, die Fahrzeuge mit dem markanten Fahrgeräusch, die meist hölzerne Innenausstattung mit blanken Messing- oder zumindest Alu-Beschlägen, einfach wunderbar...
Die geschichtsträchtige, leicht schmuddelig-marode Atmosphäre, die für eine Großstadt seltsame Ruhe (zumindest im westlichen Netz) im S-Bahnbereich, alles das konnte inspirieren...


Hier der Beitrag nur kann man die Fotos nicht anschauen
https://www.drehscheibe-online.de/foren ... 17,4509479
Die Links zum Thema:
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschicht ... %80%931989)
https://www.stadtschnellbahn-berlin.de/ ... /index.php
http://www.stillgelegte-s-bahn.de/
....
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Re: Die Berliner S-Bahn - Ein Ost/West Problem

Beitragvon pentium » 28. Juli 2019, 14:44

Berlin – S-Bahn im geteilten Berlin (Nord-Süd)

Der zweite Teil aus dem Drehscheibe Online Forum:
https://www.drehscheibe-online.de/foren ... 17,4522912

Noch ein paar Links:
http://stadtregion.org/bahn/bhf/berlin.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Ringbahn

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